Ein junger Mann liegt im Gras unter einem blühenden Kirschbaum

Nochmals vom Kirschbaum

Nun sagt, was ist im Kirschenbaum?
In seinen Schlaf kam’s wie ein Traum:
In seinen Adern regte sich’s leis:
In seinen Ästen bewegte sich’s leis:
Noch eine einzige laue Nacht —
Und plötzlich steht er in Blütenpracht!
Jetzt schwirren die Boten rings weitum —
Gesumm, Gebrumm
Von feinsten Stimmen:
„Heran, ihr Immen,
Zum Feste:
Der Alte erwartet die Gäste!“
Leg dich darunter, nach oben schau —
Dies Funkeln im Weiß, dazwischen das Blau! —
Und lausche: von fern und nah
Richtig, sind schon die Bienen da,
Ganz aus ist nun die Winternacht,
Der alte Herr ganz aufgewacht —
Behaglich rauscht er: „Laßt’s euch schmecken!“
Wie sie von allen Tellerchen schlecken.
Von einem zum andern, summ, summ, summ,
Zu Tausenden tummeln sie sich herum,
Nippen, naschen, trinken, brummen,
Die Blüten selber, meinst du, summen
Immer im gleichen Geschwirr in Ruh —
Der Alte strahlt über und über dazu.
Endlich zieht davon der Schwarm,
Aber nun werden die Tage warm,
Aber nun brechen die Blätter heraus,
Aber nun reifen die Früchte aus.
An jedem Aste die Körbe schwer,
Richtet er’s jetzt für die Großen her:
Stützt ihm die Arme, daß er nicht
Unter dem eignen Segen bricht!
Ferdinand Avenarius