Wach auf! wie schläfst du gar so still —
Wach auf! wir haben schon April.
Wach auf! was schläfst du gar so fest?
Ich brauche Schatten für mein Nest,
Ich brauch ein Dach, recht dicht gebaut,
Damit mein Nest kein Würger schaut,
Der mich beraubt und mich bedroht
Und meinen Kleinen bringt den Tod.
Drum, lieber Zweig, erwach, erwach,
Bau mir solch dichtbelaubtes Dach!
Was tut der stille Zweig darauf?
Er schlägt die Blütenaugen auf
Und spricht: „Geduld, lieb Vögelein,
Ich brauch zum Bauen Sonnenschein.
Wart nur zwei Wochen oder drei,
Dann kommt mein Meister an, der Mai!
Dann schmück ich dir dein kleines Haus
Mit festen grünen Wänden aus,
Von grünen Ziegeln hundertfach
Bau drüber ich ein dichtes Dach,
Daß dich kein böser Würger sieht.
Dann kannst du singen froh dein Lied,
Kannst pflegen deine kleine Brut
Mit deinem Weibchen, still und gut,
Den ganzen, lieben Sommer lang!“
Da spricht das Vöglein: „Schönsten Dank!
So will ich baun mein Nest in Ruh;
Doch für das Dächlein sorge du!
Und kommt der Mai, dann ohne Rast
Tu, was du mir versprochen hast!“