Der Nimmersatt

In unserm Flieder raschelt was,
Ein kleiner Spatz.
„Hier sitz ich ohne Futter,
Wo bleibt nur meine Mutter?
Ich hab ein schön gelb Schnäbelein;
Es tut mir keiner was hinein,
Mir armen Matz.
Ade, du schöner Sonnenschein,
Du grüner Platz!
Hier muß ich nun verderben,
Sie läßt mich Hungers sterben;
Sie fliegt in aller Welt umher
Und findet mich gewiß nicht mehr,
Mich armen Matz.“
Da schwirrt’s und bringt ein Räuplein zart:
„Hört eins den Fratz!
Ich stopfe, und ich stopfe;
Er schilt mit vollem Kropfe!
Ich wüßt nicht, wer es besser hat:
Du bist ein kleiner Nimmersatt,
Mein kleiner Matz!“
Viktor Blüthgen