Werden und Verändern der Vogelwelt im Leipziger Gebiet innerhalb der letzten Jahrzehnte

Von Richard Schlegel

Vergehen und Werden, Unbeständigkeit und Wechsel sind die ehernen Gesetze, denen sich alles Naturgeschehen vom »ersten Schöpfungstage« an beugt. Und dieser Wechsel im Aufbau unseres Planeten prägte in langen erdgeschichtlichen Epochen die reich differenzierte Pflanzen- und die mit ihr in innigster Wechselbeziehung stehende Tierwelt, deren Zahl sich in Legionen verliert. Der Wechsel in der Vergangenheit rief der Vielgestaltigkeit der Lebewesen sein Werde!, und der Wechsel in der Zukunft beugt sie wieder unter seine zwingende, umformende Gewalt. Der Wechsel in Bodenbeschaffenheit und Klima nagte an der Starrheit der Art und schuf in den Rassen Abwechselung und Vielgestalt. Wie wirkt aber der Wechsel auch in geschichtlich absehbaren Zeitabschnitten noch heute verändernd und umgestaltend auf die uns umgebende Lebewelt? Das zu verfolgen, soll hinsichtlich einer scharf umrissenen Tierklasse, der Klasse der Vögel, der Zweck meiner kurzen Ausführungen sein, soweit dies auf engbemessenem Raume möglich ist. Zu Untersuchungen nach dieser Richtung bietet gerade ein Lebensraum mit einer Millionenstadt, wie sie annähernd Leipzig ist, im rastlosen Wechsel des Werdens und Veränderns die denkbar beste Gelegenheit. Ja, fordert sie den Natur- und Heimatfreund, der jahrzehntelang nicht achtlos am lauten Herzschlag des Naturgeschehens auch inmitten des hastenden Räderwerkes einer Großstadt vorüberging, nicht geradezu zu solchen Vergleichen heraus? Zwar dürfen wir nicht erwarten, daß in so kurzen, übersehbaren, am Leben des Menschen gemessenen Zeitabschnitten sich die Veränderung der Umwelt auch morphologisch und physiologisch im Vogel widerspiegelt, solche Umformung mißt man mit Meilenmetern und Millionenjahren; sie finden nur in biologisch-ökologischen Faktoren sichtbaren Ausdruck. –

Die lawinenartig wachsende Zunahme der Bevölkerungszahl in der Vorkriegszeit forderte gebieterisch Neuland für Siedlungszwecke. Wo einmal goldene Ähren im Winde nickten, und frischgrüne, bunt durchwirkte Wiesenflächen die Häusermauern malerisch säumten, da machen sich neue Straßen breit und greifen weit hinein in die einst ländlich stille Landschaft, wo der Pflug friedlich seine Furchen zog. Damit im Zusammenhange steht, daß die Wellen des Großstadtverkehrs weit hinaus in ländliche Gefilde schäumen, auf die ehemals Ruhe und Frieden ihre Fittiche breiteten. Verödet und entheiligt vom Tritt und Lied naturfremder Wanderscharen liegen die Gefilde, wo einstmals unser stolzester und ansehnlichster Vertreter der deutschen Vogelwelt, der Großtrappe, in reicher Besiedlung heimatete und bis in Stadtnähe heran dem Brutgeschäfte obliegen konnte. Nur noch ganz sparsame Reste dürften es sein, die uns in südwestlichen und nördlich-nordöstlichen Gebieten, nahe der preußischen Landesgrenze, erhalten geblieben sind. Wir wünschen den Bestrebungen des sächsischen Heimatschutzes von Herzen Erfolg bei seinen Bemühungen um Erhaltung dieses vaterländischen Naturdenkmals ganz hervorragender Art. –

Noch in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts erstreckten sich, vom hinteren Rosentale an, über Gohlis, Möckern und Wahren hinaus ausgedehnte Ausstichsümpfe und Lachengebiete mit interessanten feuchtigkeits- und wasserliebenden Pflanzengemeinschaften, die einer ebenso interessanten und vielseitigen Lebewelt von der Amöbe bis zur Wasserspitzmaus in lückenloser Aufstiegreihe die Daseinsbedingungen schufen. Auf diesen wahrhaft klassischen Stellen, nun ausgefüllt mit allem Unrat der Retorte Großstadt, baut gegenwärtig der Schrebergärtner Salat und Sellerie. Hier »erfreuten« sich einst Höckerschwan, Zwergrohrdommel, Knäkente, Blaukehlchen und allerlei heimliches, lichtscheues Rallenvolk ungestörten Daseins. Wiesen- und Gartengelände wurden gewonnen, aber die Mücken leben dort scheinbar alle noch, und Höckerschwan und Blaukehlchen sind aus der Liste Leipziger Brutvögel zu streichen. Andere Stellen gleicher Beschaffenheit, beispielsweise die Luppensümpfe bei Gundorf, verlanden mehr und mehr. Wo man noch im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts dort auf den Schlammbänken und Seichtwasserstellen zur Zugzeit allerlei artenreiches Stelzvogelvolk anzutreffen die sichere Aussicht hatte, wetzt zwar noch Bläßhuhn und knärren die Entenerpel, aber Reichtum und Vielseitigkeit gehören der Vergangenheit an. Die fortschreitende Entwässerung des Geländes überhaupt war einer der einschneidendsten Faktoren in der veränderten Physiognomie der Vogelwelt des Leipziger Gebiets. Vom Nisten des weißen Storches berichten uns Vogels Annalen aus früheren Jahrhunderten, und selbst aus den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sind uns noch drei Stadtbrutstellen bekannt. Heute sind sämtliche Niststellen der näheren und weiteren Umgebung verlassen, und selbst bis zur Elbe hin war 1924 Malkwitz, östlich der Mulde, der einzige Ort überhaupt, der noch eines Nistpaares sich rühmen durfte. In einer im Druck erschienenen Broschüre, Verlag von Max Weg, Leipzig, über die Vogelwelt Nordwestsachsens, habe ich aller uns bekannt gewordenen Niststätten eingehender gedacht. Wer sich näher für das Werden und Verändern der Vogelwelt dieses Gebiets interessiert, den verweise ich auf die dortigen Ausführungen. –

Ein Zeitgenosse Chr. L. Brehms, der alte Leipziger Ornithologe Heinrich Kunz, berichtet uns, daß in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf der sogenannten Kuhweide, einem sumpfigen, mit Hecken durchsetzten Wiesengelände an der Frankfurter Straße, der graurückige Würger so häufig genistet habe, daß die Sammler die Eier überhaupt nicht mehr beachteten, und daß auf Schimmels Teich – in der Gegend des Reichsgerichts – u. a. auch die niedliche kleine Rohrdommel und die große Rohrdommel gebrütet haben. Heute ist der graue Würger wohl schon allenthalben in deutschen Gebieten als Seltenheit zu werten. Den Schönefelder Rohrteich kannte Kunz als Brutort der Rohrweihe und Sumpfohreule, Arten, von denen es heute wie im Märchen heißt: »Es war einmal«. Teils ohne ersichtlichen Grund, teils des Eierraubs wegen, wie behauptet wird, sind die Lachmöwenkolonien der Rohrbacher, Haselbacher und Eschefelder Teiche sowie die Brutgebiete der Fluß- und Zwergseeschwalbe im Muldengebiete bei Wurzen bzw. an den Rohrbacher Teichen gegenwärtig völlig erloschen. Hinsichtlich des Wachtelkönigs sei erwähnt, daß gegen Jahrzehnte zurückliegende Zeiten eine stetige und sichere Abnahme zu verzeichnen ist. Ein jahreweises Aufleben des Bestandes kann die Tatsache zwar verschleiern, aber nicht entkräften. Das einstige Vorkommen erstreckte sich ausnahmslos auf die ausgedehnten üppigen Wiesenflächen der heimatlichen Fluß- und Bachläufe, sowie der grün umrahmten Teich und Lachengebiete, ohne in den mehr trockenen Gebietsstrichen des Nordens und Ostens ganz zu fehlen. Selbst ganz stadtnahe Wiesen beherbergten den Wiesenknarrer jahrelang und nicht selten. Ich muß ferner als äußerst bemerkenswerte Tatsache darauf hinweisen, daß nach dem Berichte des zuverlässigen Oberförsters Fritzsche in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts auch Wodans Vogel, der reckenhafte Kolkrabe, im nahen Harthwalde Heimatsrecht genoß. Leider fehlen eingehendere Aufzeichnungen hierüber, aber zwei Belegstücke im Zoologischen Universitätsmuseum aus Connewitzer- und Kleinzschocherschem Gebiet zeugen noch von dem Märchen aus vergangenen Zeiten. Bei der Sippe der Schwarzkittel angekommen, darf nicht unerwähnt bleiben, daß die letzten städtischen Saatkrähenkolonien am Eingange zum Rosentale und an der nördlichen Promenade 1895 bzw. 1908 erloschen. Von den weiteren einstigen zahlreichen Kolonien der Leipziger Flußgebiete besteht gegenwärtig nur die bei Kahnsdorf-Zöpen noch, vielleicht die einzige des engeren Vaterlandes. Auch unsere schmucke, einst in Stadtnähe brütende Elster ist selten geworden und scheinbar noch völliger Vernichtung preisgegeben; schade um den reizenden Burschen. Mir ist sie unter solchen Umständen auch als Waidmann heilig. –

Was das ritterliche Geschlecht der gefiederten Räuber betrifft, so bleibt die tief bedauerliche Tatsache bestehen, daß es mit ihrem Bestande tief nach abwärts gegangen ist. Heute muß schon ein brütendes Bussardpärchen als seltenes Beobachtungsobjekt gewertet werden. Wie arm ist doch die Natur geworden, wenn wir der Zeiten gedenken, da der Fischadler nach Ludwig Thienemann noch Brutvogel »in der Nähe Leipzigs« war und der König der Lüfte, der braune und rote Milan, im Landschaftsbilde stolz seine Kreise zog, dahin, unwiederbringlich; »ein Loch in der Natur« schließt sich nur in den seltensten Fällen wieder. Ich kann an dieser Stelle leider nur andeutungsweise berichten und muß wiederum auf die bereits erwähnte Broschüre verweisen. –

Noch dürfen wir Leipziger in unserem landschaftlich reizvollen Niederungsgebiete uns gewiß einer reichen, sangesfrohen Kleinvogelwelt erfreuen, aber auch an ihr sind mancherlei schädigende Einflüsse nicht spurlos vorübergegangen. Die Uferschwalbenkolonien peripher gelegener Stadtteile gehören seit langen Jahren schon der Vergangenheit an; sie wurden, auch weniger an Individuenzahl, in weiter abseits gelegene ländliche Bezirke gedrängt. Der rotrückige Würger, der einstige Hauptbrutpfleger des Kleinvogelmörders Kuckuck, ist dort infolge seines Pflegeramtes schon mehr ein Seltling geworden, und Cuculus sucht nach neuen Ammenvögeln. Von den einstigen wenigen Brutstellen des prächtigen Rotkopfwürgers ist uns nur die Aufzeichnung im Schrifttum geblieben. Jammer und Empörung greifen mir gleichzeitig ans Herz, wenn ich nun auch der Sängerkönigin Nachtigall gedenken muß. Wohin sind die Zeiten, da wir ihrem Schlage noch in Stadtnähe und selbst in städtischen Grünlandstellen andächtig und ergriffen lauschen und uns rühmen durften, das reichstbesiedelte Nachtigallengebiet des Vaterlandes unser Eigen nennen zu können! Und alle dicht bebuschten Auen der Flußläufe klangen im Wonnemonat wieder vom Jubel der zahlreichen Sänger. Vielfach fielen das Buschholz und die Heckensäume des Waldes, und Raubtier homo insipiens vollendete, was dem tierischen Großstadtraubwild noch entgangen war. Selbst die städtischen Anlagen wurden einer rücksichtslosen, gemeinen Fängerzunft tributpflichtig. »Der Moor hat seine Schuldigkeit getan« in Stadt und Stadtnähe, aber das tückische Schlaggarn lauert weiter draußen, wo die Welt noch »vollkommener« ist im königlichen Sänger. Wie lange, bis auch dort nur noch das rauhe Lied »des Raben« durch die Öde hallt. Es ist erschreckend rückwärts gegangen mit dem Bestand unserer Nachtigall. Selbst von den nordwestlichen Gegenden der Elsteraue, wo man vor etwa fünf Jahren noch den Sänger in erfreulicher Zahl verhören konnte, lauteten die letztjährigen Berichte niederschmetternd und hoffnungslos. –

Aber manche der verändernden Faktoren in der Zusammensetzung unserer Ornis zeigen neben dem hemmenden Einfluß auch einen fördernden Wert. Wo die Hand des Menschen ändernd im Landschaftsbilde eingreift, da entzieht sie gleichzeitig gewissen Arten die Daseinsbedingungen. Der Flucht der ursprünglichen folgt das Nachrücken anderer Arten, denen mit der Veränderung ein günstiger Lebensraum geschaffen wurde. In meiner kleinen Schrift: »Die im Stadtgebiet Leipzig brütenden Vögel« habe ich, weiter ausgreifend, versucht, die einem gewissen zentripedalen Trieb folgenden Arten namentlich aufzuführen und die Gründe ihrer Umformung von scheuen Wald- in zutraulichere Stadtbrutvögel darzulegen. Breite, mit Baumreihen besäumte Straßenfluchten, parkartige Kinderspiel- und Schmuckplätze, Promenaden mit altehrwürdigen Baumriesen, Schreber- und Familiengärten, Berufsgärtnereien, Lagerplätze, Villen- und Institutsgrundstücke mit ansehnlichen Garten- und Parkanlagen und stillgelegte oder noch benutzte Friedhöfe in mannigfacher Abwechselung, bringen buntfarbige Gliederung und Vielgestalt in die kalte Starre der Häusermassen. »Leipzig ist so nicht nur eine grün umgürtete, sondern auch eine von Grün durchwirkte Großstadt, über derem lauten Pulsschlag des hastenden Lebens der Wald stellenweise seinen grünen Mantel breitet.« Als natürliche Folge davon hat nun, von den günstige Nahrungs- und Fortpflanzungsmöglichkeiten bietenden Grünflächen angezogen, sich eine artenreiche Kleinvogelwelt hier seßhaft gemacht. In einer Arbeit über die Brutvögel der Friedhöfe (Mitteil. Sächs. Heimatsch. X) konnte ich etwa vierzig, in der Abhandlung über die Brutvögel der Stadt über sechzig Arten aufführen. Ich kann mich im Rahmen dieser Arbeit wiederum nur auf das Auffälligste und Bemerkenswerteste beschränken. – Das Vordringen der Ringeltaube war in jahrzehntelang zurückliegender Zeit vereinzelt und selten; erst während der letzten Jahre wird die Verbreitung allgemeiner und häufiger. Es gibt an gewissen Stellen kaum eine mit höheren Baumreihen bestandene Straße, kaum einen mit altem Baumbestand bestockten Garten, insbesondere in Wald- und Parknähe, wo die Ringeltaube nicht auch ihr leichtgefügtes, durchsichtiges Nest ins Astwerk der Kronen setzt. Der Turmfalknomen est omen – betreut auf verschiedenen Stadtkirchtürmen schon seit Jahrzehnten die zahlreichere Nachkommenschaft, und im vergangenen Jahre wurde mir auch die Gewißheit, daß auch die Schleiereule, das zwar unsichtbare, aber zu gewissen Zeiten um so lauter hörbare Wahrzeichen ländlicher Kirchtürme auf dem Turme einer Vorortskirche zwei Gelege zeitigte. Dort, wo die Grünanlagen auch Baumbestände vorgerückten Alters zeigen und zu Höhlenbildung neigen, siedelt sich auch gern das kleine Käuzchen an. Die gleichen Stellen beziehen auch zwei Zimmerleute unserer Wälder gern, der kleine und große Buntspecht, insbesondere dann, wenn die Ernährungsfrage durch naheliegende Waldteile günstig beeinflußt wird. Mit dem fortschreitenden Alter städtischer Baumbestände treten dieselben in erfreulichen Wettbewerb zum Walde. Ein charakteristischer Sänger unserer Auwälder, der Trauerfliegenfänger, rückt in vereinzelten Fällen aus waldnahegelegenen Gärten oder aus dem Walde selbst zentralwärts vor, und der tropisch-schöne, im Walde recht scheue Pirol, ist als Parkbrutvogel durchaus keine ungewöhnliche Erscheinung mehr. Mit 1920 etwa breitet sich der überall nordwärts vordringende Girlitz von den Friedhöfen über das gesamte städtische Grünland strahlenförmig aus. Die Anzeichen mehren sich, daß der Gimpel vielleicht in absehbarer Zeit schon in die Liste der Leipziger Brutvögel eingereiht werden darf. Die vereinzelten Fälle seines sommerlichen Vorkommens oder ein schüchterner Brutversuch in einer Gartenkolonie des Südens lassen jedoch noch nicht erkennen, ob die Vögel etwa entflogen waren. Es besteht ebenso die Möglichkeit, daß sie als die vordersten Etappen aus westlich gelegenen Brutrevieren gewertet werden müssen. Die Gebirgsstelze ist fürs Gesamtgebiet gegenwärtig ein ziemlich häufiger Flachlandsvogel geworden, und selbst innerhalb des Häusermeeres an Stellen, die seines Lebenselementes, des Wassers, nicht entbehren, Brutvogel. Mit der Umbildung scheuer Wald- in zutrauliche Stadtvögel wird die Amsel wohl am zeitigsten mit den Reigen eröffnet haben. Sie dürfte schon die Häufigkeit des Spatzen erreicht haben, wenn der Schrebergärtner nicht Grund hätte, ihre vorbildliche Fruchtbarkeit durch Gegenmaßnahmen zu neutralisieren und ihren Bestand auf ein erträgliches Maß zu beschränken. Von der Singdrossel wissen wir ziemlich genau, wann sich die Umbildung zum Stadtvogel vollzog; der Zuzug zur Stadt wird etwa von 1910/12 an allgemeiner und häufiger. Der Sumpfrohrsänger ist im Außengebiet von Leipzig als Getreidefeldsänger überall verbreitet, und schon können wir die ersten bescheidenen Versuche buchen, daß der Teichrohrsänger an peripheren, stark bebuschten Stellen, auch wenn sie des Wassers entbehren, als Brutvogel auftritt. Dasselbe gilt von der Sperbergrasmücke, die, im allgemeinen nur in wasser- und dornbuschreichem Flußauengelände nistend, seit einigen Jahren sich auch in trockenem, östlichem Buschgebiet verbreitete. Das kleine Volk der Laubsänger ist in allen drei Arten, besonders im Fitis- und Weidenlaubsänger auf städtischen Friedhöfen und in größeren Gärten durchaus keine Seltenheit mehr. Der Gartenrotschwanz, im Walde ein ausgesprochener Höhlenbrüter, nimmt lange schon in städtischen Gärten auch mit Mauernischen, Laubenwinkeln und Epheugerank als Nistplatz vorlieb.

Schließlich entbehrt es sicher nicht eines gewissen Interesses, wenn ich am Schlusse erwähne, daß im Gesamtgebiet der Leipziger Flachlandsbucht außer einigen, jedenfalls entflogenen, beziehentlich nicht sicher nachgewiesenen Vögeln, bisher zweihundertneunundsechzig Arten nachgewiesen werden konnten, von denen etwa einhundertdreißig im Gebiet brüten. Sieben Arten sind gegenwärtig jedenfalls aus der Liste der Brutvögel zu streichen. Im Vergleiche zur Gesamtbesiedlung des Vaterlandes bleibt unser Gebiet um etwa einunddreißig Arten gegen die vaterländische zurück, ein erfreulicher Reichtum, der uns und kommenden Geschlechtern erhalten bleiben möge.