Bücherbesprechungen

Oswin Lindner, Niederhaßlau. Die Zwickau-Schneeberger Landstraße und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das obere Erzgebirge, nebst einer kurzen Beschreibung der eigenen und benachbarten Brücken, 1921. (Selbstverlag des Verfassers.)

Seit der grundlegenden Arbeit von Wiechel hat die Heimatforschung der Wegekunde mit Recht steigende Aufmerksamkeit geschenkt. Es gilt, die oft nur schwachen Spuren älterer Straßenführung festzuhalten, ehe sie die moderne Zeit völlig verwischt. Neben der geographischen Bedingtheit der Weganlage darf das geschichtliche Moment nicht übersehen werden. Wege sind älter als die Siedlungen. Dazu ist die Kunststraße samt Brückenanlagen usw. eine noch viel zu wenig gewürdigte Kulturtat unserer Vorfahren. Beides ist in Lindners Arbeit sorgfältig betrachtet, und die Studie bringt, da sie reiches Quellenmaterial heranzieht, manchen Nebengewinn, z. B. über das verzwickte Kräftespiel der am Straßenbau beteiligten Bevölkerungskreise. Karten und Lichtbilder erhöhen die Anschaulichkeit des Gebotenen. Selbst die anscheinend dürren Tabellen erzählen Lebendiges. So geben die anspruchslosen Darlegungen Lindners reiche Anregung für jeden Heimatforscher; denn zumal in wissenschaftlichem Neuland wird man methodisch am besten immer mit dem Wege einsetzen, zu Flur, Flurgliederung (und Flursage) übergehen und erst dann die eigentliche Siedelungskunde samt dem chronikalischen ins Auge fassen. Als Muster sei das Werkchen warm empfohlen.

Professor Dr. Wagner, Rochlitz.

Winkelnest, ein fröhliches Heimatbuch von Karl Hennig. Verlag Gebrüder Müller, Bautzen.

Der Inhalt dieses Buches gibt mehr, als das Äußere verspricht, gibt anmutige Bilder aus vergangenen Zeiten, mit der Sonne des Herzens durchwärmt, mit dem Auge der Liebe durchleuchtet, mit dem Lächeln des Humors verklärt, Bilder aus einer alten Stadt, manchmal etwas alltäglicher Art, aber doch so, daß es ein schönes Erinnerungsbuch ist und bleibt, über dem das Dichterwort stehen könnte: »Ihr schönen Jugendtage mit eurem stillen Glück«. In der Art seiner Darstellung erinnert er an Franziskus Naglers gemütvolle Bücher. Das Titelblatt – wie schön hätte es in diesem Falle sein können! – verrät mit der Ortenburg den Schauplatz der Geschichten, nämlich das alte Bautzen. So wird das Buch zuerst örtliche Bedeutung haben; dem Verfasser darf man aber wünschen, daß es auch darüber hinaus Verbreitung findet; denn es gleicht einer stillen, verträumten Insel, fern dem wilden Weltleben, aber nahe dem, was Gemütswerte schafft.

Das sächsische Bauernhaus und seine Dorfgenossen von Bruno Schmidt. Aus den Büchern des Dresdner Zeichenlehrervereins »Mit offenen Augen«. Verlag Emil Pahl, Dresden. 2. Auflage. 64 Seiten Großquart. 89 Abbildungen.

Der Landesverein Sächsischer Heimatschutz hat durch seinen verewigten Vorsitzenden Herrn Geh. Baurat Schmidt dem Werke Pate gestanden, und er kann sich seiner Patenschaft wahrhaft freuen. Das Buch wird seiner Aufgabe, die der Arbeitsausschuß des Dresdner Zeichenlehrervereins im Vorwort seinem Erscheinen voranstellt, vollkommen gerecht. Es ist ein wertvoller Erzieher zum Schauen, zum bewußten Schauen der Heimat, zum nachdenklichen Werten von hundert Dingen, die dem Oberflächlichen vorübergehen, zum Verstehen und damit zur sorgenden Liebe um bodenständiges Heimatgut. Wenn sich das Buch besonders an die wendet, die lehren und führen und wahrhaft erziehen wollen, geht es den rechten Weg. Es kann bei seiner sachlichen Gründlichkeit und der damit notwendigen Schlichtheit als Mittler zur großen Menge des herzlichwarmen Wortes eines begeisterten Lehrers nicht entbehren. Es ist ein wertvolles Buch in seinem liebevollen Eingehen auf Grund und Sinn, Zweck und Schönheit all dessen, was dem ungelehrten und unempfindlichen Auge verborgen bleibt.

Vielleicht könnte das Buch in seiner endlichen Aufgabe, dem Heimatfilm und damit dem Heimatschutz zu dienen, noch gründlicher ausgewertet werden, wenn sein Inhalt an der Hand des zeitgemäßen Lichtbildes der großen Menge in Bildungsvereinen, Volkshochschulen und ähnlichen nahegebracht würde.

W. Otto Ullmann.

Naturschutz-Bücherei, herausgegeben von Walter Schoenichen. Band 1. Neues Schmetterlingsbuch. Verlag von Hugo Bermühler, Berlin-Lichterfelde. Als Band 1 der von dem bekannten Direktor der preußischen staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege Prof. Dr. Schoenichen herausgegebenen Naturschutz-Bücherei stellt sich im ansprechenden Gewande das Neue Schmetterlingsbuch vor, dessen Eigenart sofort schon bei flüchtigem Durchblättern angenehm auffällt. In ansprechender Form wendet es sich hauptsächlich an die Jugend, die geneigt ist, die Schmetterlinge als Sammelobjekte in möglichst zahlreichen Arten fein säuberlich in Kästen reihenweise aufzuspießen und auf diese Weise unsre Fluren des schönsten Schmuckes bunter und seltener Schmetterlingsarten zu berauben. Hat doch schon in Preußen und Bayern der Apollofalter durch Polizeiverordnung geschützt werden müssen. Das Schmetterlingsbuch soll nun die Jugend lehren, den Schmetterling, seinen Bau und sein Leben kennenzulernen, und hat nicht die Absicht, die Kenntnis der verschiedenen Arten zu vermitteln. Das pädagogisch Wertvolle an dem Buch ist, daß es die Jugend lehrt, Modelle der verschiedenen Teile des Schmetterlingskörpers herzustellen, z. B. Schnittmuster von Schmetterlingsflügeln, Flügelschuppen, Schmetterlingsaugen. Interessant und leicht anzufertigen ist das aus Glasröhre, Gummiball und Gummiröhren bestehende Modell eines Schmetterlingsverdauungskanals. Es ist also auch der Werkunterricht in den Dienst der Wissenschaft gestellt, so daß als Schlagwort »Arbeitsunterricht« die Befolgung der Lehren dieses vorzüglichen Buches einen realen Inhalt erhält. Unsrer Jugend und unsern Biologielehrern kann das Buch nicht dringend genug empfohlen werden.

Dr. Koepert.

Gerhard Platz, »In Busch und Korn«. Verlag Craz u. Gerlach, Freiberg. Preis gebd. M. 5.—. (S. Beilage in diesem Heft.)

Dieses Buch, das uns der Heimatlandwanderer Gerhard Platz schenkt, ein Buch voll sonnigen Humors und stiller Lust an Gottes herrlicher Natur, das hinweghilft über das Leid trüber Sorgentage. Das Buch ist neu und darum bedarf es eines kurzen Hinweises. Sobald die ersten Käufer es gelesen haben werden, sind lobende Worte überflüssig. Dann wird das Buch für sich selbst sprechen.

Es werden gar viele Dinge angepriesen, die hinterher enttäuschen. Hier ist’s ganz anders. Wer Sinn und Herz hat für die Lebenserscheinungen seiner Heimat, wird seine Erwartungen übertroffen sehen, dem öffnet sich ein frohes weites Land. Frühlingswind braust in diesem Buch und der Wald raunt uns geheimnisvolle Weisen zu. Auf jeder Seite begegnen wir der unendlichen Liebe zur Scholle, in der die Wurzeln unserer Volkskraft und des deutschen Gemüts ruhen. Wir vernehmen die süßen Klänge der Heimat von sturmumrauschten Bergeshöhen bis hinab zum sächsischen Niederland, wo die Wasser sanfter fließen. Gerhard Platz sieht sein Land mit den sinnenden Augen des Dichters, er weckt in unserem Herzen einen Vollakkord, der lange geschlummert hatte. So möge das liebe gute Buch seinen Weg nehmen hinaus ins Land, wie sein Urheber ihn fand, überallhin durch die deutsche, besonders sächsische Heimat.

Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Dr. Friedrich Schulze, Leipzig – Druck: Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden – Photographische Platten »Perutz« – Photographische Aufnahmen: Max Nowak – Auflage 50 000
Diesem Hefte liegt ein Werbeschreiben des Verlags Craz & Gerlach, Freiberg, bei