Von Franz Ehregott Hauptvogel
Anmerkung: Viele meinen, die obersächsische Mundart, vor allem der Dialekt der Leipziger und Dresdner Gegend, sei wohl imstande, Humoristisches zum Ausdruck zu bringen, zur Wiedergabe ernster Seelenzustände sei diese Mundart aber nicht geeignet. Dazu ist zu sagen: Wohl erscheint der Dialekt Leipzigs und Dresdens, an reinem Hochdeutsch gemessen, manchem klanglich unbefriedigend; das liegt aber daran, daß eben aus ihm, aus der Sprache der meißnischen Kanzleien, das heutige Hochdeutsch herausgewachsen ist und die Mundart ihm so nahe verwandt, daß sie hier und da den Eindruck eines scheinbar »verdorbenen Hochdeutsch« hervorzurufen vermag. Daß es sich in Wirklichkeit um den umgekehrten Prozeß handelt, wissen die meisten nicht. Jedenfalls hat aber dieser Dialekt genau denselben Eigenwert wie jede andere deutsche Mundart und braucht der Muttersprache Fritz Reuters, Klaus Groths, Karl Stielers, Ludwig Thomas und anderer in keinem nachzustehen. So ist es auch immer wieder erfreulich, wenn sich bei uns Dialektschriftsteller finden, die von der Berufenheit ihrer Muttersprache in Lust und Leid, in Scherz und Ernst durchdrungen sind. In einem Gebiet, wo die Brüder Schumann durch ihre billigen »Bliemchen«-Schriften heillose Verwirrung angerichtet haben, ist jeder, der sich der Mundart mit Ernst und Stammesstolz bedient, ganz besonders zu begrüßen. Als der beträchtlichste Schriftsteller des Leipziger Dialekts erscheint zur Zeit Franz Ehregott Hauptvogel, und so muß sein Gedicht »De Heimat« im Sinne des eben Ausgeführten verstanden werden.
F.
Fußnote:
[8] Aus dem Buche »De droggne Bemme«, Gedichte und Erzählungen in sächsischer Mundart. H. Haessel, Verlag, Leipzig, Roßstraße 5/7, gebunden 3 RM.