221. Verankerung der Rotang-Hängebrücke über den Salu-Manio.

Wir begannen um 8 Uhr mit dem Anstieg. Die monatelange Trockenheit hatte den Waldboden derart ausgedörrt, daß er glatt wie eine Scheunentenne war. In geringer Höhe fanden wir bei einer einsamen, verlassenen Hütte einen Djambi-Djambi-Baum, dessen rosarote, angenehm säuerliche Früchte uns erfrischende Labe boten. Vorsorglich wurden alle Taschen damit gefüllt. Nach 2stündiger ermüdender Kletterei durch dichten Hochwald drangen wir in die Märchenwelt eines labyrinthischen Mooswaldes ein. Die feuchtkühle Nebelatmosphäre dieser wundersamen Bergregion hielt uns nun lange Zeit in ihrem Bereich. Kirchenruhe herrschte in diesen Pflanzengewölben, durch welche sich der Pfad tunnelartig hindurchwand. Die Eingeborenen verlegen hierher die urewigen Wohnsitze ihrer Geisterwelt und durchziehen dieses Gebiet nur ungern und eilenden Fußes. Unser Steig führte uns über eine der höchsten Erhebungen des Gebirges hinweg auf einen baumfreien Grat mit Farngestrüpp, dessen drahtzähe Fiedern kein Durchkommen zuließen. Der Pfad mußte erst mit den Buschmessern frei gemacht werden. Ich ließ hier einen kleinen Platz vom Unterwuchs säubern, auf welchem wir uns zu kurzer Ruhe lagerten, in der Pracht des vor uns liegenden majestätischen Hochgebirgspanoramas schwelgend. Wer kannte sie, vermochte diese unzähligen gewaltigen Bergeshäupter in weiter Runde zu benennen? Keines Weißen Fuß noch hatte sie betreten; in ungeheurer Einsamkeit thronen die jungfräulichen Gipfel, und als während unseres Verweilens auf dem Grate einmal der tiefe Ruf eines Nashornvogels die unendliche Ruhe unterbrach, durchzitterte er wie ein Seufzer der Erlösung die weite Einöde.