177. Armreifen und Fingerringe der Fürstin von Masamba.

Aus dem Kampong und der Umgebung kamen heut viele Dorfbewohner, um mir die verschiedensten Gegenstände zum Kaufe anzubieten. Meist handelte es sich dabei um Schmucksachen buginesischer Provenienz, Torongkong-Dosen, Geflechte und Fuja-Stoffballen. An Waffen wurden mir nur minderwertige Schwerter und Lanzen gebracht. Einige wirklich schöne alte Stücke bekam ich wohl zu Gesicht; doch wurden diese als »pusako« (Erbstücke) bezeichnet, die unverkäuflich seien. Ich hätte schon fabelhafte Preise anlegen müssen, um die Leute zur Hergabe zu bewegen. Die in Masamba beanspruchten Preise waren als sehr hoch zu bezeichnen, und schon aus diesem Grunde mußte ich auf manches gute Stück verzichten. Trotz dieser Zurückhaltung brachte ich eine starke Traglast an Sammlungsobjekten zusammen. Am nächsten Tage sandte ich alles gut in Matten verschnürt durch 2 Torongkongboten nach Paloppo zurück.

Im Laufe des heutigen Nachmittags begab ich mich zum Dorfanger, wo eine zahlreiche Menge den bereits begonnenen Hahnenkämpfen zusah. Der Tomakaka und seine Angehörigen hatten wiederum vor dem Hause auf Stühlen Platz genommen, und im weiten Halbkreise kauerten die männlichen Zuschauer auf dem Boden. Diese waren ausnahmslos mit der Tjelana bekleidet. Auf dem Kopfe trugen sie turbanartig geschlungene Haupttücher. Die gestern bei den Radjas beobachtete Form der hochstehenden Haupttuchzipfel schien ausschließliches Vorrecht der Edlen zu sein. Die Frauen und Mädchen hatten sich um und unter den Reisspeichern in Gruppen gesondert, und auch hinter den vergitterten Fensteröffnungen des Fürstenhauses drängte sich Kopf an Kopf.

Es waren wohl an 50 Kampfhähne am Platze, deren Besitzer mit ihren Tieren im inneren Ring des Zuschauerkreises saßen. Es muß betont werden, daß es sich bei diesen sehr grausamen Hahnenkämpfen um alles eher als um ein Spiel handelt. Der Hahnenkampf bedeutet im Leben der Inselasiaten die Befriedigung ihrer unbezähmbaren Wettleidenschaft. Tausende von Gulden, Haus und Feld, Frau, Kinder und selbst die eigene persönliche Freiheit werden von den Wettenden in blinder Leidenschaft diesem nur scheinbar harmlosen Sporte geopfert, so daß sich die Regierung gezwungen sah, diese Kämpfe nach Möglichkeit einzuschränken und nur zu bestimmten Festzeiten auf besonderes Ansuchen der zuständigen Häuptlinge zu gestatten. Sie ganz zu verbieten, hieße eine offene Auflehnung heraufbeschwören.

Der Tomakaka von Masamba war ein enragierter Liebhaber dieses echt orientalischen Vergnügens und besaß eine große Menge von Kampfhähnen. Man wählt zu Sportzwecken die feurigsten, kräftigsten und gesündesten Hähne aus und erzieht sie systematisch für ihre Bestimmung.

178. Reizen der Kampfhähne.

Der Hergang der Kampfspiele in Masamba war folgender. Einer der Männer trat mit seinem Hahne in die Mitte des Kreises und forderte die anwesenden Konkurrenten auf, gleichfalls einen solchen in die Arena zu schicken. Hatte sich ein Gegner gemeldet, so begannen die beiden, ihre Tiere wechselseitig daraufhin zu untersuchen, ob sie einander ebenbürtig wären. Ein für den unbeteiligten Zuschauer ermüdendes Prüfen und Betasten der in Frage kommenden Hahnenkämpen fand nun statt. Einer nach dem andern verzichtete nach diesem Abwägen der Chancen auf ein Tournier, und es dauerte endlos lange, bis 2 gleichwertige Gegner einander gegenüberstanden. Die Vorsicht, mit der man hierbei vorgeht, ist begründet genug; denn sie kostet der verlierenden Partei 1. den Hahn, der als Besiegter getötet wird, 2. den stets sehr hohen Wetteinsatz, und 3. trifft den Besitzer der Unwille aller derer, die auf seinen Hahn gewettet hatten. Also Gründe genug, sich den Rivalen vorher genau zu besehen.

179. »Kampfbereit«.

Als die Hähne für den Zweikampf bestimmt waren, wurde zur Auswahl der Kampfsporen geschritten, worüber man rasch eine Einigung erzielte. Den beiden Kämpfern wurden nun die gleichgeformten, rasiermesserscharfen stählernen Sporen sorgfältig umgeschnallt. Es sind dies furchtbare Waffen, deren man gewöhnlich 6 verschiedene Formen, von der geraden bis zur sichelförmigen, unterscheidet. Das Duell konnte nunmehr beginnen. Zuvörderst reizte man die Hähne, d. h. der Herausforderer hielt sein Tier bei Kopf und Füßen fest und erlaubte dem gegnerischen Hahn einen Schnabelhieb auf den Kopf desselben, welches darauf veranlaßt wurde, das Kompliment zu erwidern. Dadurch wurden die Kämpen noch wütender und kampflustiger gemacht, als sie es durch die Anwesenheit und das herausfordernde Gekrähe so vieler anderer Artgenossen ohnedies schon geworden waren. Alsdann auf den Boden gesetzt, aber von ihren Besitzern noch immer festgehalten, läßt man sie auf ein Kommando los, worauf die Hähne in fast allen Fällen augenblicklich wütend über einander herfallen. Kneift dabei einer derselben, so gilt die Schlacht als für ihn verloren.

Eine Weile sah man jetzt nur gesträubte Federbündel herumwirbeln. Fürchterliche Spornschläge hagelten auf die Federpanzer, und bald färbte sich der Rasen vom Blute. Es kommt dabei vor, daß einem der Tiere bei solchem Kampfe der ganze Leib aufgeschlitzt wird, so daß die Gedärme nachschleifen. Entschieden ist der Kampf, wenn ein Hahn das Hasenpanier ergreift oder wehrlos auf dem Rücken liegt. Dies letztere trat in dem von mir beobachteten Kampfe ein, und in diesem Moment wurden die Kämpfer getrennt. Der scheußlichste Akt des ganzen Vorganges sollte aber erst noch kommen. Der Besitzer des niedergekämpften Tieres ergriff nämlich dieses und brachte es zu einer Art Bank, auf welche er den besiegten Hahn legte, um ihm mit dem Klewang den rechten Fuß oberhalb des Knies abzuschlagen. Solches war die brutale Strafe für die Niederlage desselben. Das so grausam verstümmelte Tier wurde nun nochmals seinem Besieger vorgeworfen und diesem erlaubt, seine Mordlust daran zu kühlen. Er stürzte sich sofort wieder auf sein jetzt völlig wehrloses, blutendes und sich hilflos am Boden wälzendes Opfer und zerhackte es jämmerlich. Nach diesem widerwärtigen Vorgange ergriff der Eigentümer das unglückliche Tier abermals, um es zur Schlachtbank zu bringen und nun erst durch Abschlagen des Kopfes von seinen Leiden zu erlösen. Der blutüberströmte Rumpf wurde nochmals dem triumphierend krähenden und mit den Flügeln schlagenden Sieger vorgeworfen. — Ich konnte nicht länger zusehen und verließ voll Ekel den Schauplatz solch niedriger Volksbelustigung.

Erworbene Sammlerstücke aus Masamba

Masamba — Rante-Manuk, den 21. Oktober.

Die ganze Nacht hörte ich aus dem Kampong anhaltendes Gejohle herüberschallen. Man feierte das Abschiedsfest für den jungen, mich begleitenden Prinzen Gamu. Dieser Lärm im Vereine mit den berüchtigten Masamba-Moskitos ließ mich kaum etwas Ruhe finden. Meinen Leuten schien es ähnlich ergangen zu sein, denn alle Mann waren sehr früh auf dem Posten; auch der Tomakaka kam seinem Versprechen nach und sandte die Kulis zur rechten Zeit, nur daß er statt der benötigten 20 rund 40 Mann für nötig erachtet hatte. Da alles Protestieren fruchtlos blieb, erklärte ich dem Tomakaka, jedenfalls nur für die notwendigen 20 Mann bezahlen zu wollen, womit er sich ohne weiteres einverstanden erklärte. Um 6 Uhr brachen wir auf. Beim Hause des Fürsten verabschiedete ich mich von ihm und seiner Gattin. Der junge Prinz mit 2 Dienern war bereits reisefertig und schloß sich mir unverzüglich an. Der Fürstin konnte man es deutlich anmerken, wie ungern sie ihren Liebling ziehen ließ.

Es war ein stattlicher Zug, als wir jetzt den Dorffrieden Masambas verließen. Die Spitze desselben bildete ein mir vom Tomakaka mitgegebener Führer, ein schon älterer lanzenbewehrter Mann, der uns über das unwegsame Takálla-Gebirge bringen sollte. Unmittelbar hinter ihm schritten ich und der Prinz. Es folgten mein Boy Rámang und ein Kuli mit den Apparaten, die beide stets in meiner unmittelbaren Nähe zu bleiben hatten. Ihnen schlossen sich die beiden prinzlichen Diener an. Nun kam die laute Schar der 40 Gepäckkulis, während das Militär mit seinen Proviantträgern den Beschluß bildete, im ganzen über 70 Personen. Wie es sich auf Eingeborenenpfaden von selbst versteht, bewegten sich alle Mann im Gänsemarsche.

Wir marschierten im Anfange durch dünnen Busch. An den Seiten des Pfades wucherte eine reizende Strauchpflanze, deren blutrote Samen den Blattrispen aufsaßen. Ihr Purpur leuchtete grell aus dem umgebenden Grün. — Schon nach einer Viertelstunde erreichten wir den in mehrere Arme geteilten, Masamba zuströmenden Guda-Fluß, nach dessen Durchwatung wir auf eine kleine Anhöhe kamen, hinter welcher wir ihn ein zweites Mal kreuzten, und zwar an einer Stelle, wo sich der Salu Samba mit dem Guda vereinte. Drüben setzten wir den Weg auf leicht hügeligem, buschigem Terrain fort. Nach einer Weile änderte sich die Scenerie, und wir überschritten ein zum abseits liegenden Kampong Bolili gehöriges Sawa-Tal, um dann wieder bewaldete Hügel hinanzusteigen. Auf einem derselben empfing uns eine lärmende Kulischar, die, wie ich zu meinem Erstaunen hörte, hier auf unser Eintreffen gewartet hatte, um jetzt die Masamba-Träger abzulösen. Diese Herrschaften machten es sich wirklich sehr leicht und vermieden ängstlich jede Überanstrengung. 20 Mann trugen die Lasten und 20 andere liefen daneben her.

Auf merklich schlechter werdendem Wege, über zerklüftetes Hügelland hinweg, passierten wir im nächsten Tale den Kampong Galadan. In der Umgebung desselben gedieh eine eigentümliche, flechtenartige Grasnarbe. Der Rasen sah aus wie mit der Maschine geschoren und erinnerte an einen tadellos gehaltenen Tennisplatz. Nahe dabei floß der Salu Lewane. Nach unaufhörlichem Auf und Ab gelangten wir endlich zum bedeutenden Baliase-Fluß, auf dessen rechtsseitigem Ufer wir verblieben. Vor uns türmten sich steile waldlose Berge, über welche unser Weg führte. Mit gellendem hi-i-i-Geschrei nahmen meine Kulis die beträchtlichen Steigungen im Sturme. Auf den erreichten Kämmen lösten sie die im Trabe mitgekommenen Aushilfsträger stets sofort ab. Eine ganz sonderbare Manier, die mich lebhaft an Nordborneo-Gäule erinnerte, die darauf dressiert sind, Anhöhen im vollsten Galopp hinanzusprengen, ob es dem Reiter paßt oder nicht. Die erkletterten Hänge wimmelten von Eidechsen, die in zahlreichen Arten vorkamen. Auch eine reizende Flugeidechse (Draco) mit grasgrünem Kopfe und braunem Körper wurde mir gebracht.