Die Fortifikationen von Néneng waren mit bewundernswertem Geschick und einem für Eingeborene enormen Arbeitsaufwande angelegt. Nach allen Seiten steil aufragend, war die Festung im Osten, also in ihrem Rücken, durch eine über 100 m tiefe, senkrecht abfallende Schlucht, deren Tiefe der Salu Bela durchströmt, vor jedem feindlichen Überfalle geschützt. Derselbe Fluß windet sich um den Fuß des Bergkegels herum und bildet somit auch für die ebenfalls noch sehr steil abfallende Südseite der Festung eine natürliche Wehr, die durch Gräben und hohe Erdumwallungen noch besonders gesichert war. Die Hauptbefestigungen der Benteng aber lagen auf der Nord- und Westseite, wo der geniale Erbauer dieses Bollwerkes wirklich Glänzendes geleistet hatte. Etagenförmig lagen hier die durch kunstvolle Tunnelbauten miteinander verbundenen Bastionen übereinander. Diese wiederum konnte man durch schwere, massive Doppeltüren an jeder Eingangsseite verbarrikadieren. Ausfallpforten und geheime Gänge führten aus dem Innern der Festung nach allen Seiten hin, und ein tiefer Brunnenschacht erschloß den Verteidigern der Benteng eine Quelle, die sie vor Wassermangel schützte. Der erst nach dem Friedensschlusse hergestellte Aufstieg zur Festung war so steil angelegt, daß es Mühe kostete, Balance zu halten. Die Häuser von Néneng lagen unregelmäßig, den Terrainverhältnissen angepaßt. Sie wiesen ziemlich den gleichen Typ auf wie die im Dorfe Bilálang und zeichneten sich wie diese durch gediegene Bauart mit verschwenderisch angebrachter Bemalung und Schnitzarbeit, sowie durch bemerkenswerte Sauberkeit vorteilhaft aus. Stets führte der seitliche, unmittelbar neben der Giebelfront angelegte Eingang über einige Stufen auf eine durch das vorspringende Giebeldach geschützte Plattform, die durch eine Plankentür von den inneren Räumen des Hauses getrennt war. Schmale Lücken im Gebälk hatten dem Licht- und Luftbedürfnis der Hausinsassen zu genügen. Im übrigen waren die besichtigten Wohnungen geräumig und so hoch, daß sie ein aufrechtes Gehen bequem zuließen. Die Stützpfosten der Häuser ruhten auf großen Steinplatten. Büffelköpfe, echt oder in hölzernen Imitationen, sowie holzgeschnitzte Vogeldarstellungen schmückten häufig den Hauptpfosten und die Stirnseite der Häuser. Ausnahmslos hatte man die Baulichkeiten auf schweren, dicken Pfahlrosten errichtet, die ringsum mit hölzernem Gitterwerk abgeschlossen waren. Der so gewonnene Verschlag diente verschiedenen Zwecken: zur Aufbewahrung von Ackergeräten, zur Unterbringung von Brennholz, als Stallung für die zahlreich vorhandenen Hühner und sogar als Schweinekoben. Viel Liebe und Sorgfalt war überall auf die äußere Ausstattung der zu den Wohnhäusern gehörenden Reisspeicher verwendet, insbesondere auf die mit vielem Geschick hergestellten Bemalungen. Daß die Erbauung und Benutzung dieser Reishäuser mit einer Unmenge seltsamer Sitten und abergläubischer Gewohnheiten verbunden ist, darf nicht wundernehmen, da ja die Reispflanze dem Toradja ein beseeltes Wesen ist, zu dem er spricht wie zu einem Dewáta. Das Reishaus des Paríngin Ledóng z. B. durfte bereits seit mehreren Monaten nicht mehr geöffnet werden, da es bis zur Auspflanzung des neuen Reises »pomáli« (= unantastbar) war.
Als seltene Trophäen werden in diesen Vorratshäusern hin und wider Menschenschädel mit echtem Haarschmuck und in grotesker Weise künstlich ergänzten, bemalten, hölzernen Augen und Nasen aufbewahrt. Immer handelt es sich bei solchen Stücken, die ethnographische Seltenheiten ersten Ranges sind, um die Schädel erschlagener Feinde oder bestrafter Übeltäter.
Die Wirtschaftsgeräte in Néneng waren hinsichtlich ihrer Form grundverschieden von denen aller anderen besuchten Plätze. Ich erhielt davon eine große Menge fast durchgehends mir neuer und durch originelle Gestalt und Schnitzerei auch wissenschaftlich interessanter Objekte.
Sehr befriedigt von den Resultaten dieses ersten Besuches in Néneng, kehrten wir nach der Station zurück, wo sich inzwischen die Dorfmonarchen aus der Umgegend eingefunden hatten, um uns zu begrüßen. Jeder von ihnen überbrachte als Gastgeschenk das übliche Huhn und den Reis mit den Eierspenden. Der glückliche Umstand, so viele Eingeborenen-Notabeln um uns versammelt zu sehen, mußte auch für meine Zwecke nutzbar gemacht werden, und so hatte denn Herr Hauptmann K. die Freundlichkeit, eine den landesüblichen Gepflogenheiten Rechnung tragende blumenreiche Ansprache an den Kreis der uns umgebenden Häuptlinge zu richten, in welcher er diese mit meinen Wünschen bekannt machte und sie aufforderte, in ihren Dörfern nachzuforschen, was noch an Kriegskostümierung und sonstigen Gegenständen aus älterer Zeit vorhanden sei. Anderen Tags sollten sie sich dann mit allem Verkäuflichen bei uns auf der Station einfinden. Der Eindruck dieser großen Rede war ein tiefgehender. Zwar konnten es sich die Leute nicht vorstellen, was ich mit den begehrten Objekten anzufangen gedächte; desto schneller aber begriffen sie, daß hier ein Geschäft zu machen war, und voll Eifer kehrten sie in ihre Dörfer zurück, die wundersame Mär von dem weißen Túan zu verbreiten, der aus dem fernen Europa gekommen sei, um ihre für sie wertlos gewordenen Gebrauchsgegenstände zu kaufen.
Inzwischen war es Abend geworden, und auf eine kurze Dämmerung folgte rasch die Nacht. Eine magisch schöne, kühle Mondnacht, deren Helligkeit mir aber bei der unaufschiebbaren Arbeit des Plattenumlegens durchaus ungelegen kam. Auf der ganzen Station gab es keinen Fleck, wo das tropenhelle Mondlicht, bei dem man lesen und schreiben kann, nicht hingedrungen wäre. In dieser Not wurden Mannschaftsdecken requiriert und um ein Tischgestell herumgezogen, unter das ich nun kroch, um in dieser wenig beneidenswerten Stellung den Plattenwechsel vorzunehmen.
Bituáng, den 4. Oktober.
Meine einfache Morgentoilette war noch nicht beendet, als mich erregtes Stimmengewirr vor dem Hause auf Ungewohntes schließen ließ. Meiner wartete eine freudige Überraschung. Der Paríngin von Néneng war mit einer Schar Dorfgenossen gekommen, mir eine große Menge ethnographischer Objekte zu überbringen, und das, was da vor den am Boden hockenden Leuten ausgebreitet lag, war wohl geeignet, das Herz eines leidenschaftlichen Sammlers höher schlagen zu lassen. Ein großer Haufen von Gegenständen verschiedenster Art war aufgetürmt, worunter mir prächtige alte Kriegshelme mit doppeltem Messinghörnerschmuck und Muschelbesatz, hochseltene alte Schwerter und Panzerjacken als die wertvollsten Stücke erschienen. Im Augenblick entwickelte sich ein lebhafter Handel. Der Verlauf des Kaufgeschäfts brachte es mir hier, ebenso wie in Bilálang, deutlich zum Bewußtsein, daß es unzweckmäßig ist, sich für solche Inlandreisen mit vielen Traglasten von Tauschartikeln herumzuschleppen. Klingendes Metall ist, wie überall in der Welt, auch in diesen entlegenen Gebieten das im Handel jederzeit am liebsten genommene Äquivalent. Europäer, die selbst nie weiter als ein paar Meilen von der Küste ins Innere gekommen sind, wissen es freilich besser und veranlassen Reisende gern zu Ankäufen billiger Importartikel. Geschenkweise ist derlei ja auch ganz gut bei den Eingeborenen unterzubringen; niemals aber lasse man es sich träumen, dafür, wenigstens in Central-Celebes, irgendwie Gegenstände eintauschen zu können, denen der Eingeborene höheren Wert beimißt, wie z. B. Waffen, Schmuck u. dgl.
Die ersten Morgenstunden vergingen mir wie im Fluge, bis mich der Paríngin bat, sich verabschieden zu dürfen. Wie er mir sagte, wurde in Néneng gerade ein Fest gefeiert, zu dessen Beginn er noch zurechtkommen möchte. Diese Mitteilung war für mich von hohem Interesse, und ich äußerte den Wunsch, daran teilnehmen zu dürfen. Da auch Herr Hauptmann K. sich meinem Ersuchen anschloß, gab der Häuptling seine Einwilligung dazu, wenn auch zögernd und sichtlich ungern. Sofort begaben wir uns alle nach Néneng hinüber, wobei es sich die Begleiter des Paríngin zur besonderen Ehre anrechneten, je ein Stück meiner photographischen Ausrüstung tragen zu dürfen. Diese Néneng-Toradja waren die einzigen auf meiner ganzen Reise, die sich vor dem Apparat nicht fürchteten, und denen das Photographiertwerden offensichtlich Spaß machte. In der Benteng fanden wir bereits ein Gewimmel von fröhlichen Menschen. Alles vom kleinsten Knirps bis zum Mummelgreise, vom zierlichen Püppchen bis zur Matrone, prangte in festlicher Gewandung und harrte erwartungsvoll der kommenden Dinge. Gefeiert wurde das seltene Mabúgi-Fest, das in der Hauptsache aus Gesängen, Tänzen und den nie fehlenden Schmausereien besteht. Die aus der ganzen Umgegend zusammengeströmte Bevölkerung wartete nur noch auf das Erscheinen des Paríngin, um mit der Feier zu beginnen.
Mit dieser »Mabúgi«-Feier hatte es eine eigentümliche Bewandtnis, und es kostete mich große Mühe, in den widersprechenden Angaben und Erklärungen die Spreu vom Weizen zu sondern und die wirkliche Bedeutung einwandfrei festzustellen. Der Name »Mabúgi« bedeutet ein Fest, bei dem mit den Dewáta gesprochen wird, d. h. bei dem man von ihnen etwas erbittet oder wünscht. Also ein »Sprechfest«, von »má« = Fest und »búgi« = sprechen. Hat eine Dorfgemeinde irgend ein die Bewohner der ganzen Gegend berührendes Anliegen an die Dewáta, wünscht sie z. B. eine gute Reisernte, Fruchtbarkeit der Büffel, das Aufhören einer Seuche, Verminderung der Kindersterblichkeit usw., so versammeln sich alle, Männer und Frauen, zu einer Beratung. Während der immer erregter werdenden Debatte fühlt sich plötzlich eines der Anwesenden inspiriert, spricht mit den Göttern, ist »mabúgi« geworden. Es handelt sich also um einen durch Gemütserregung hervorgerufenen ekstatischen Zustand, eine Autosuggestion, in welcher der Inspirierte erklärt, die Götter hätten ihm geoffenbart, daß jetzt ein Mabúgi veranstaltet werden müsse, das zur Beratung stehende Unheil abzuwenden oder den Beistand der Dewáta zu erlangen. Daraufhin wird der Tag bestimmt, an dem das Fest stattfinden soll, zu dessen Verherrlichung von allen gemeinsam beigesteuert wird. Jeder gibt nach seinem Vermögen: Reis, Mais, Tabak, Eier, Hühner, Schweine, ein Büffelkalb usw. Ist auf diese Art für die Befriedigung leiblicher Bedürfnisse gesorgt, so macht sich das ganze Dorf an dem hierfür bestimmten Tage an die ebenfalls gemeinsame Zubereitung der zusammengetragenen Speisevorräte, worauf die Festlichkeit mit dem von Männern und Frauen gemeinsam ausgeführten »Mákelong« (Singen und Tanzen) ihren Anfang nimmt.
Die Veranlassung zur Feier in Néneng war eine dysenterische Seuche, von der hauptsächlich Frauen befallen worden waren. Obgleich die Seuche fast erloschen war, herrschte dennoch große Angst im Dorfe, da ein Wiederaufleben der Krankheit befürchtet wurde, und deshalb hatte man seine Zuflucht zu einem Sprechfest genommen.
Das sofort nach unserem Eintreffen beginnende »Mákelong« darf man keineswegs mit einem »Singen und Tanzen« nach europäischen Begriffen verwechseln. Nichts wäre verkehrter. Im Gegenteil, es ist das ernst-religiöse Moment des Festes. Unter dem »Singen« ist das im singenden Tonfalle gesprochene Anrufen der Götter, das Sprechen mit denselben, zu verstehen, unter »Tanzen« ein feierlich langsames, rhythmisches Schreiten im Kreise, ein genau geregeltes, ruckweise ausgeführtes Vor- und Rückwärtsbewegen des Körpers. Das Ganze war nichts weniger als aufregend. In zwangloser Anordnung bewegten sich Männer und Frauen hintereinander unter eintönigem Gesange und im langsamsten Tempo, bei jeder Gesangszeile etwa einen Schritt. Jeder hatte dabei seine Hände auf die Schultern seines Vordermannes gelegt. In der Mitte des von den Tanzenden gebildeten Kreises kauerten auf mattenbelegtem Boden etwa ein Dutzend Rekonvalescenten. Alle waren mit Blumen geschmückt und trugen auf dem Haupt einen Kranz aus den Blättern der heiligen roten Pflanze, von welchen sie auch Büschel in den Händen hielten. Der den endlosen Strophen folgende Refrain der den Tanz begleitenden monotonen Gesänge lautet in freier Übersetzung etwa: »Böse Geister, kehrt zurück nach den unwirtlichen fernen Gebirgen, euren Wohnsitzen, und wenn ihr nichts Böses mehr im Schilde führt, dann kommt wieder zu uns herab in die Ebene, zu den guten Wegen!«
Der Paríngin versicherte mir, daß für das Mabúgi-Fest strenge Vorschriften maßgebend seien, deren geringste Verletzung für den Urheber desselben, also die jeweilig »mabúgi« gewordene Person, den augenblicklichen Tod zur Folge haben würde. Die Ankündigung so verhängnisvoller Folgen erweist sich als eine sehr wirksame Schutzmaßregel gegen zu häufiges Mabúgiwerden.
Die Menge der fremden Zuschauer aus den benachbarten Dörfern belagerte alle disponiblen Plätze und die Plattformen der Häuser und Reisscheunen. In einer freien Ecke war auf ausgebreiteten Matten eine Sirihtafel etabliert zu jedermanns beliebigem Gebrauch. Hier sei erwähnt, daß das echte Sirihblatt, welches zum Umwickeln des aus einer Prise Tabak, einem Stück Betelnuß (Areca catechu) und etwas feingepulvertem gebrannten Kalk bestehenden Narkotikums benutzt wird, in Inner-Celebes fast ganz unbekannt, oder wenigstens sehr selten zu finden ist. Man benutzt statt desselben das Blatt einer »buah bólu« genannten, in Form und Aussehen unserem Spitzwegerich gleichenden Pflanze.
Nach einigem Verweilen verabschiedeten wir uns, da wir bemerkten, daß die Anwesenheit von uns Europäern die Festfreude der Leute beeinträchtigte. Wir kehrten also nach Bituáng zurück, woselbst sich unsere Soldaten inzwischen die Zeit mit Fischfang vertrieben hatten. Neben einer Menge kleinerer Arten hatten sie auch einen über 1 m langen Wels mit den Händen gegriffen. Ich hätte nie geglaubt, daß der seichte Salu Bela so stattliche Bewohner berge.
An einer Berglehne längs des Flusses hatte ein Erdrutsch böse Verheerungen angerichtet. Mehrere in dem Abhange angebracht gewesene Liang waren dadurch demoliert und freigelegt worden. Eine so seltene Gelegenheit zur Besichtigung einer Begräbnisstätte im Bituáng-Tale durfte ich mir nicht entgehen lassen, und so machte ich mich denn in Begleitung Rámangs auf den Weg dorthin. Über Geröllmassen und entwurzeltes Gesträuch kletterten wir bis dicht an die offengelegten Grabnischen. Die Eingangsöffnungen waren quadratisch, die Grabkammern im Querschnitt halbkreisförmig. Sämtliche Gräber hatten durch die abgestürzten Erdmassen schwer gelitten. Da ich keinerlei Totenbeigaben zu entdecken vermochte, so ist wohl anzunehmen, daß diese stets im Vordergrund aufgestellten Dinge mit dem Schutt in die Tiefe gerissen worden waren. Im Hintergrunde der Höhlennischen fand ich weiter nichts als Gebeine und in einer derselben noch einen zerstörten Sarg in Kanoeform.
Der Nachmittag war stundenlangen »bitjáras« (Unterhandlungen) mit den zahlreich zur Station gekommenen Toradja gewidmet. Sie hatten mir eine Fülle neuer und höchst willkommener Objekte mitgebracht, so daß sich ein sehr lebhaftes Geschäft entwickelte. Die höchsten Preise wurden, wie kürzlich in Bilálang, für die heimischen wunderschönen, alten Schwerter gefordert, von denen ich diesmal eine Anzahl erwarb. Auch sorgfältig gearbeitete Blasrohre mit Köchern und Pfeilen — sehr seltene Objekte — konnte ich in meinen Besitz bringen, neben schön geformten Messern, Jagd- und Fischereigeräten, Gewändern und einer prachtvollen Serie von Schmuckobjekten. Alles in allem vermehrte ich meine Sammlung wohl um 200 Stück, deren Fortschaffung meine Trägerzahl erheblich erhöhte, meinen Geldbeutel dagegen bedeutend erleichterte. Ich hatte alle Hände voll zu tun, um die vielen Sachen zu etikettieren und transportfähig zu verpacken, eine Arbeit, die mich bis nach Mitternacht in Anspruch nahm. Von Néneng herüber aber scholl noch bis in die Morgenstunden hinein das hē-ó-hē, hē-ó-hē der Rundgesänge.
Bituáng-Awang, den 5. Oktober.
Meine knapp bemessene Zeit gestattete mir leider kein längeres Verweilen in Néneng, und deswegen hatte ich für heut den Weitermarsch nach Awang festgesetzt. Noch bis zur letzten Minute unseres Dortseins kamen Leute mit verkäuflichen Sachen, von denen ich noch manches gebrauchen konnte. Als wir endlich marschbereit waren, sollte mir noch eine ganz besondere Ehrung zuteil werden. Der Paríngin von Néneng kam in Gesellschaft seiner Dorfältesten, um mir eine lange Abschiedsrede zu halten, in welcher er mir den Dank seiner Untertanen für den reichen Gewinn aussprach, den ich mit meinen Ankäufen der Bevölkerung von Bituáng gebracht hatte. Am Ende seines Speeches bat er mich um die Erlaubnis, in der von mir bewohnt gewesenen Kammer den Dewáta ein Dankopfer darbringen zu dürfen, damit diese nicht neidisch würden. Nach erteilter Zustimmung brachte einer seiner Begleiter ein Entenküchlein zum Vorschein, das der Paríngin nun unter Hersagung einer Gebetsformel an einem Fuße, mit dem Kopfe nach unten an einem Hauspfosten im Inneren aufhängte. Wohl tat mir das arme Tier herzlich leid, das auf so grausame Weise dem Tode des Verschmachtens preisgegeben wurde; dennoch war ein Widerspruch ausgeschlossen. Ein solcher würde eine schwere Kränkung des Paríngin bedeutet haben, abgesehen davon, daß die Beweggründe dafür den Toradjas absolut unverständlich geblieben sein würden.
Nach freundschaftlicher Verabschiedung von dem prächtigen Paríngin und seinen Begleitern traten wir unsern Marsch nach Awang an. Der Weg dorthin führte uns über Néneng zur Hochebene empor. In einer Höhe von 1200 m machte ich eine letzte Aufnahme von Néneng mit der tiefen Schlucht des Salu Bela. Bei 1500 m betraten wir ein zerklüftetes, baumloses Plateau, das einen prachtvollen Rundblick gewährte. Links von der Wegerichtung lagen die Berge von Mándar. Zu unserer Rechten erstreckten sich die Ausläufer des südlichen Centralgebirges mit dem in die Wolken ragenden Latimódjong im fernen Hintergrunde. Hinter uns lag Bituáng mit dem Lédo- und Balían-Gebirge. Vor uns hob sich der Wald von Awang als schmales, dunkles Band scharf vom Horizonte ab. Zahlreiche Raubvögel belebten die Hochebene; ein Adlerpaar kreiste dicht über unseren Köpfen. Nach 1½ stündiger Wanderung gelangten wir in eine Einsenkung, in deren Tiefe der Salu Múa dahinströmte. Die darüberführende Brücke wies interessante Schnitzereien auf, wie ich sie ähnlich schon mehrfach als Giebelpfosten-Zierat an Toradja-Wohnhäusern gesehen hatte.