Wilhelm: Warum — habt Ihr mir das verschwiegen?
Ida: Nichts . . . Du mußt doch nicht gar so schlecht von uns . . . . Wir haben Dir nichts verschwiegen.
Frau Buchner: Wir alle, Ihre Mutter, Ihre Schwester, wir waren alle ahnungslos, — eben so ahnungslos, wie Sie. Vor wenigen Minuten ist er angekommen — ohne sich vorher anzumelden; und, sehen Sie, da dachte ich gleich . . . .
Wilhelm: Wer — hat Ihnen das — mitgetheilt?
Frau Buchner (unter Thränen seine Hand ergreifend): Sie haben furchtbar, furchtbar gefehlt.
Wilhelm: Sie wissen also —?
Frau Buchner: Ja, jetzt . . . .
Wilhelm: Alles?
Frau Buchner: Ja Alles; — und, sehen Sie, daß ich Recht hatte, — daß Sie noch etwas mit sich herumschleppten? das war das Geheimniß.
Wilhelm: Sie wissen, daß ich . . . .?
Frau Buchner (nickt bejahend).
Wilhelm: Und Ida —? soll sie einem Menschen zum Opfer fallen, wie . . . wie ich bin, — des . . . weiß sie’s? . . . weißt Du’s — Ida — auch?
Ida: Nein Wilhelm — aber — ob ich das weiß oder nicht; — das ist wirklich ganz gleichgültig.
Wilhelm: Nein. — Diese Hand, die Du . . . die Dich oft . . . diese Hand hat . . . (zu Frau Buchner) Ist es das?
Frau Buchner (nickt bejahend).
Wilhelm (zu Ida): Wie schändlich hab’ ich Dich betrogen! — ich bring’s nicht über mich. — Später! . . . . . . .
Frau Buchner: Wilhelm! Ich weiß, was ich verlange, aber ich . . . Sie müssen sich vor Ihrem armen Vater erniedrigen — erst dann werden Sie sich wieder ganz frei fühlen. Rufen Sie ihn an! beten Sie ihn an! ach Wilhelm! das müssen Sie thun! Seine Kniee müssen Sie umklammern — und wenn er Sie mit dem Fuße tritt, wehren Sie sich nicht! reden Sie kein Wort! geduldig wie ein Lamm! glauben Sie mir — einer Frau, die Ihr Bestes will.
Wilhelm: Sie wissen nicht . . . Sie wissen doch nicht, was Sie von mir . . . O Sie müssen Gott dankbar sein, Frau Buchner, daß er Ihnen Ihre eigene Grausamkeit verborgen hat. Ruchlos mag das sein. Was ich gethan habe, mag ruchlos sein. Aber was ich durchgemacht habe, — da! — innerlich durchgekämpft, durchlitten — diese furchtbaren Peinigungen . . . . Er hat Alles auf mich geladen — und am Ende zu allem noch diese verfluchte Schuld . . . . . . . . . Aber dennoch . . . . . . . .! (nach einem langen, tiefen Blick, in Ida’s Augen, sich aufringend, bis zu einem festen Entschluß). Vielleicht — gelingt es mir — dennoch!