Alte und heuerfahrene Leute sagen, es sei in langen Jahren nicht so gewesen, wie heuer, daß man das Heu in einem Tag fertig gebracht habe.

Die Sonne helfe schaffen, weil sie wisse, daß die Männer im Feld stehen fürs Vaterland, und weil unser Herrgott nicht zugebe, daß Deutschland verhungere. Auch keine Kuh und keine Gais im ganzen deutschen Vaterland.

Am Abend dieses Sommertages fuhr der Landwehrmann Johann Berner mit seiner Familie auf dem hochgeladenen Heuwagen in Hirzenbach ein. Als er es liegen sah im geschützten Tal, das Häuflein Häuser um die Kirche her, wie Küchlein um die Gluckhenne, und sah den Rauch aus den Kaminen aufsteigen, und die Kühe zur Tränke gehen an den großen Brunnen und die Kinder spielen auf dem Gänswasen, da ergriff ihn aufs neue das große, andächtige Staunen, das in den letzten geschäftigen Stunden ein wenig geschlafen hatte:

Daß da Friede war und unversehrtes Daheimsein. Nirgends auf den Bergen standen Geschütze und richteten ihre drohenden Schlünde gegen das Tal, nirgends brannten Gehöfte und lagen Häuser in Schutt und starrten Heimatlose auf den Fleck, wo sie glücklich gewesen waren.

Nirgends war der fruchtbare Boden umgegraben, in Gräben und Wälle verwandelt, und sperrten Drahtverhaue den Weg.

Die Abendglocke auf dem Turm hob ein sanftes Läuten an, das hallte friedlich durch das Tal. Da sprangen die Kinder vom Spiel weg den Häusern zu, wo ihre Mütter auf sie warteten.

An solchen Dörfern vorbei und an arbeitsamen blühenden Städten war er gestern den ganzen Tag gefahren, wie im Traum.

Das alles war Deutschland, war Vaterland, Heimat, und das alles lag in treuer Hut. Noch nie hatte er das Wort Vaterland so inbrünstig gedacht wie auf dieser Fahrt. Er hätte zu jedem Menschen, der ihm begegnete, sagen mögen: Weißt du auch, wie gut du’s hast? Weißt du auch was Krieg ist? Nein, Gott Lob und Dank weißt du’s nicht. Aber es ist doch schad, daß du’s nicht weißt.

Noch um eine Ecke, dann hielten die Kühe (eine davon gehörte dem Dötlesvetter) an der heimatlichen Scheuer.

Ein Haus daneben, keins von den stattlichsten, aber doch das liebste von allen, Blumenbretter vor den Fenstern mit Nägelein, Kapuziner und Winden, ein Nero, der am längsten gewartet hatte und der still und außer sich vor Freude an seinem Herrn emporstieg und inbrünstig schnaufte und wedelte. Daheim, daheim. Die Kinder strebten herunter. Er hob mit starkem Schwung eins ums andere vom Wagen. Der Schorschle schlief und hatte die Fäustlein an den Schläfen, die Mutter hatte ihn im Arm. Da nahm er sie mitsamt dem Büblein. Wenn die Hirzenbacher nicht zugesehen hätten, er hätte sie miteinander ins Haus getragen, es wäre aber gegen allen Brauch gewesen.