Phot. E. Thurston.
Abb. 166. Szene aus einer Badagabestattung.
Die Frauen sitzen am Lager des Verstorbenen und wehklagen.

Bei einem Leichenbegängnis der Badaga wird der Tote auf einen aus mehreren Stockwerken aufgebauten, mit Tüchern und Wimpeln festlich geschmückten Wagen (Abb. 165) gelegt. Eine Anzahl Frauen, Verwandte und Befreundete des Toten, stürzen sich auf seine Lagerstätte (Abb. 166) und erheben abteilungsweise großes Wehklagen; eine Frau läutet dabei eine Glocke. Die Männer aber tanzen, mit bunten Röcken und schmucken Turbanen herausgeputzt, um den Leichenwagen herum. Nachdem der Tote zum Einäscherungsplatz gebracht worden ist, wird der Wagen seines Schmuckes beraubt und in Stücke zerschlagen. Großen Eindruck macht es, wenn der Stammesälteste dann noch die herkömmlichen Sünden des Toten absingt; er erwähnt dabei unter anderem auch, daß er junge Vögel den Katzen zum Fressen reichte, Schlangen und Kühe tötete und die Schwiegertochter quälte.

Bei den Billawa in Südkanara begegnen wir dem interessanten Beispiel einer Totenhochzeit. Ihr liegt der Gedanke zugrunde, daß ein Mädchen, das unverheiratet starb, das Haus heimsucht und daher durch einen nachträglichen Ehebund versöhnt werden muß. Seine Verwandten nehmen aus einem Hause, in dem sich eine Knabenleiche befindet, eine kleine Münze (Viertelannastück), binden sie zwischen zwei Löffel fest und hängen diese an dem Dache des Hauses auf, das der Familie des verstorbenen Mädchens gehört. Damit soll die Verlobungsfeier angedeutet werden. An einem bestimmten Tage, der nun für die Hochzeit festgesetzt worden ist, werden zwei Figuren, Braut und Bräutigam darstellend, mit ineinander gelegten Händen auf den Fußboden gezeichnet, Viertelannastücke, schwarze Perlen, Spangen und ein Nasenschmuck auf die Hände des Paares gelegt und darüber Wasser gegossen, wie bei einer Hochzeit im wirklichen Leben. Die Kaste der Idayan verheiratet eine menschenähnliche Figur aus Stroh mit der Leiche und vollzieht an diesem Paar einige Hochzeitsriten.

Phot. E. Thurston.
Abb. 167. Eine Hütte der Tottiyan (Māle genannt),
in der um einen hölzernen, mit männlichen und weiblichen Figuren bedeckten Pfosten Steine stehen, die die Vorfahren darstellen.

Die Sitte des Sati, das ist die Selbstopferung der Witwe beim Leichenbegängnis des Mannes, hat längst aufgehört. Eine Erinnerung daran lebt noch bei den Tottiyan fort, deren Kastengöttinnen zu Gottheiten gewordene Frauen sind, die sich auf solche Weise opferten. Ihnen zu Ehren wird noch alle vier Jahre ein Fest veranstaltet; das Hauptereignis dabei ist ein Ochsenkampf, bei dem ein Preis für den Gewinner ausgesetzt wird.

Phot. E. Thurston.
Abb. 168. Sinnbilder der Puni Golla,
die sie auf die Erde aufzeichnen.

Viele Hindustämme sind mit der Zeit von den Zeremonien für ihre Ahnen mehr und mehr abgekommen, die ihre Vorväter aufs peinlichste auszuführen sich angelegen sein ließen. Nur die Brahmanen und gewisse andere Hindukasten feiern noch ein Jahresfest als Erinnerung an die Toten, das Srādh. Hierbei wird den Vorfahren dreier Generationen ein Reisball dargebracht und sodann den Krähen vorgeworfen. Fressen diese davon, dann wird dies als ein günstiges Vorzeichen aufgefaßt. — Die Dschungelnayadi Malabars stellen um einen Mangobaum Steine herum, die ihre verstorbenen Stammesmitglieder darstellen sollen; an sie richten sie in regelmäßigen Zeitabschnitten Gebete, auf daß ihre Geister sie vor den Verheerungen der wilden Tiere und besonders der Schlangen beschützen möchten. In ähnlicher Weise verehren die Yerrakolla Tottiyan des Tamilgebietes Steine als Vorfahren, die sich innerhalb ihrer Dorfgrenze in Kreisen aufgestellt finden; sobald jemand stirbt, wird ein Stein in die Asche des Toten gelegt und dann dem Ahnenkreise eingereiht. Die Vekkiliyan Tottiyan, bei denen die kürzlich Verstorbenen unter einem kuppelartigen Strohdach um eine geschnitzte Säule herum in Gestalt von Steinen verschiedener Größe verehrt werden, Māle genannt (Abb. 167), lassen bei ihren Festen eine Anzahl Stiere darauf los; das Tier, welches das Māle zuerst erreicht, wird geschmückt und in Ehren gehalten. — Die Coorg verehren ihre Vorfahren entweder ebenfalls in Gestalt von Steinen, die sie auf einem aufgeschütteten Hügel unter einem Baum aufstellen, oder auch von Figuren, die sie in Silberplatten einschlagen oder in Topfsteinscheiben einritzen, oder von Bronzebildnissen. Sie werden in einem kleinen Hause oder in einer Nische des Wohnhauses untergebracht. — Viele Kasten verbinden mit der Hochzeits- oder einer anderen Feier eine Versöhnung der Vorfahren. So bitten die Mādhvabrahmanen gelegentlich einer Hochzeit die Ahnen, die durch ein Männertuch und ein Mieder dargestellt werden, um ihren Segen für das Brautpaar. Um die Ahnen bei der gleichen Gelegenheit gutzustimmen, zeichnen die Telugu Puni Golla auf den Fußboden mit farbigen Pulvern ein Bild auf, das die Göttin Ganga, eine Lotusblume, eine Schlange und anderes mehr vorstellt (Abb. 168), und beten dieses in einer sehr sorgfältig durchgearbeiteten Zeremonie an. Im Laufe der Andacht wird ein Mann, der sich Glocken um die Beine gebunden hat, von dem Geiste eines Vorfahren besessen und verletzt sich mit einem Schwert. Dieses wird ihm entwunden und auf die Gestalt der Ganga gelegt. Zu guter Letzt wird auch noch der Bräutigam besessen; er wirft seinen Turban und sein Leibtuch fort und ergeht sich in wilden Bewegungen.