Unter den Leuten, die berufsmäßig das Wahrsagen ausüben, haben die Kaniyan der Westküste einen gewissen Ruf erlangt; sie verstehen es, mit großer Geschicklichkeit das Horoskop zu stellen, einen Glückstag für eine Hochzeit oder eine andere Festlichkeit vorauszusagen, die Ursache eines Familienkummers ausfindig zu machen und ähnliches. Wo ein solcher Wahrsager zu Rate gezogen wird, erscheint er mit einem Beutel Muschelgeld und einem Astrologenkalender ausgerüstet, die Stirn mit dem dreifachen Zeichen des Siva bestrichen in dem Hause, zeichnet ein Diagramm auf den Fußboden und legt in dessen Felder Muschelgeld, das die Planeten darstellt. Nachdem er daran die Stellung der Planeten zueinander bestimmt hat, verkündet er nach reiflicher Überlegung die Entscheidung, zu der er gekommen ist. Manche Kaniyan sind auch wegen ihrer Kunst in der Geisterbeschwörung berühmt; sie kleiden sich dabei in ein Kokosnußblättergewand und tragen Masken, die verschiedene Teufel vorstellen sollen. Die malaiischen Zauberer von Malabar beschwören auch Teufel und verkleiden sich dazu auf die verschiedenste Weise (Abb. 146, 148 u. 150). Die Pulluwan Malabars sind Astrologen und Priester in einer Person und hausen in den zahlreichen Schlangenhainen, die dem Nägesvara, dem Herrn der Schlangen, geweiht sind, Bildnisse von Schlangen aus Stein zu Tausenden enthalten (Abb. 149) und sich oft über ein Areal von vielen Morgen Landes erstrecken. Sie ziehen von Haus zu Haus und singen zu dem Ton einer Trommel, die aus einem mit einer Schnur überspannten irdenen Topfe (Abbild. 147) besteht und mit einem Stock geschlagen wird, Lieder, die den Schlangen wohlgefällig sein sollen. Werden sie für eine Schlangen- oder Teufelsbeschwörung zu Personen, die von diesen besessen sind, gerufen, dann zeichnen sie eine mächtige Schlangenfigur in farbigem Pulver auf den Fußboden, singen zu Ehren der Schlangengottheit Lieder und verwischen unter heftiger Erregung und vielem Getue das von ihnen gezeichnete Bild (Abb. 151); schließlich suchen sie noch den Schlangenhain auf und werfen sich vor den Steinbildnissen nieder.
Das ganze Leben der Hindu von der Wiege bis zum Grabe wird von abergläubischen Vorstellungen beherrscht. Schon vor der Geburt werden an der Schwangeren zeremonielle Handlungen vorgenommen, die darauf zurückgehen. Bei den Tiyan Malabars zum Beispiel werden Mitglieder der Waschmännerkaste und Teufelstänzer geholt, um zur Besänftigung der bösen Geister, die die angehende Mutter und ihr Kind belästigen könnten, umfangreiche heilige Handlungen auszuführen. So wird unter anderem im Verlaufe derselben ein Muster auf die Erde unter einem Bananengestänge gezeichnet; die Frau muß um dieses herumgehen und einen brennenden Docht hineinwerfen. Musik und Tanz begleiten diese Zeremonie bis in die Nacht hinein, und zum Schluß des Ganzen wird ein Huhn, manchmal ein bereits geköpftes, der Frau an die Stirn gehalten, und Reis über sie ausgeschüttet. Die Nayar Malabars pressen aus den Blättern eines Tamarindenbaumes den Saft aus und kochen ihn mit Reis; der Bruder der Schwangeren schüttet davon etwas auf einer Messerklinge ihr in den Mund. Von den Bergbagaba wird an der Schwangeren im siebenten Monat ihrer ersten Schwangerschaft eine Zeremonie vollzogen, bei welcher der Ehekontrakt endgültig dadurch besiegelt wird, daß der Ehemann in Gegenwart seiner versammelten Freunde seiner Gattin einen Faden um den Hals wirft. Verfängt er sich in den Haaren — manchmal wird, um dies zu erreichen, von ihr in schlauer Weise durch Hinzufügen falschen Haares die Frisur vergrößert —, dann muß er einige Rupien Strafe an sie zahlen. Vor dem Paar stehen zwei Schüsseln, in welche die Verwandten ebenfalls Geldstücke für die jung Verheirateten stiften. Ein Festschmaus wird am Schlusse veranstaltet. Bei einigen Kasten in der Tamilgegend werden um die Schwangere im siebenten Monat, während sie auf dem Hochzeitspodium steht, rotgefärbtes Wasser und Lichter geschwungen, um den bösen Blick von ihr abzulenken. Sie beugt sich sodann nieder und legt ihre Hände auf zwei große Töpfe, ihre Schwägerin oder eine andere Verwandte gießen ihr dabei Milch aus einem Betelblatt über den Rücken oder zeichnen ihr mit Reismehl ein Muster darauf und gießen dann erst die Milch darüber. Die Schwester des Ehemanns schmückt einen Stein in derselben Weise und betet, daß der Frau ein männliches Kind, ebenso stark wie ein Stein, beschert werden möge.
Fühlt eine Hindufrau ihre schwere Stunde nahen, dann pflegt man sie allgemein in einer Hütte aus Blättern oder Matten abzusondern; in ihr muß sie niederkommen und eine geraume Zeit, bei den Adivi des Telegulandes neunzig Tage lang, für sich allein hausen. Niemand darf sie inzwischen anrühren, höchstens die Frauen, die ihr bei der Geburt manchmal beistanden; rührt sie jemand anderes an, dann muß er ebenso wie die Wöchnerin drei Monate lang außerhalb des Dorfes zubringen. Der Ehegatte baut sich für gewöhnlich eine kleine Hütte in einiger Entfernung und wacht über seine Frau, darf sich ihr aber nicht nähern. Das Essen für sie stellt man in der Nähe ihrer Hütte auf die Erde. Am vierten Tage nach der Entbindung schüttet eine Frau aus dem Dorfe Wasser über die Wöchnerin, ohne sie indessen zu berühren, am fünften Tage bringt man sie an eine neue Stelle, etwas näher der Ortschaft. Am neunten, fünfzehnten und dreißigsten Tage rückt man die Hütte in derselben Weise dem Dorfe immer etwas näher und tut dies schließlich noch einmal in den beiden folgenden Monaten. Am neunzigsten Tage endlich wäscht ein Waschmann ihr Zeug, worauf die junge Mutter in den Tempel gebracht und außerdem eine Läuterungszeremonie an ihr zu Hause vorgenommen wird. Bekommt eine Frau der Bergkota zum ersten Male ein Kind, dann läßt sich ihr Ehemann Bart- und Kopfhaar lang wachsen, desgleichen die Fingernägel. Ist das Kind geboren, dann legt er Zweige von fünf dornigen Pflanzen und einem heiligen Baume, die er durch Reibung anzündete, in einer Reihe außerhalb einer besonderen Hütte, die die Frau mit ihrem Kinde von rückwärts zwischen den Zweigen schreitend betreten muß. Einem Coorgknaben werden sogleich nach seiner Geburt ein Miniaturpfeil und ein ebensolcher Bogen in die Hände gelegt, wodurch man ihn als tüchtigen Krieger und Jäger in die Welt einführen will.
Bei der Zeremonie der Namensgebung unter den Nayar Malabars gibt ein älteres männliches Familienmitglied dem Kinde einen Mund voll Milch mit Bananenscheiben und Zucker vermischt zu essen und ruft ihm seinen Namen dreimal ins Ohr. Die Korava binden dem Kinde, das mit seiner Mutter auf einer Matte sitzt, einen schwarzen Faden um die Hüfte, spalten eine Kokosnuß in zwei Teile und reichen der Mutter ein Stück davon zu essen, dabei geben sie dem Kinde den Namen. Sie bezeichnen ihre Kinder, ebenso wie einige Oriyakasten, nach den Wochentagen, die nach den Planeten wieder benannt sind. Die Oriya scheinen den Sonnabend davon auszuschließen, wohl weil er in ihrer alten Mythologie für einen Tag übler Vorbedeutung galt. Die Bergkondh töten bei der Namensgebung einen Hund und waschen die Füße des Kindes. Darauf bindet ein Priester eine Schnur an eine Sichel, streut Reis darauf und wartet, bis sich die Sichel bei einem bestimmten Namen, deren eine ganze Reihe genannt werden, bewegt. Der so gefundene Name wird dem Kinde dann beigelegt. Überresten der Couvade, des Männerkindbettes, begegnen wir noch bei den Nomadenstämmen der Korava oder Yerukala. Bald nachdem die Frau entbunden ist, bekümmert man sich ausschließlich um den Mann, der sich in das Tuch seiner Gattin wickelt und sich auf ihren Platz neben das neugeborene Kind legt, allerdings nur für wenige Augenblicke, dann räumt er seiner Frau wieder den Platz ein. Eine ähnliche Sitte wird noch von einer anderen Gegend berichtet. Bei Eintritt der Geburtsstunde zieht sich der Ehegatte etwas von dem Zeug seiner Frau an, zeichnet sich das Mal, das Frauen auf der Stirn zu tragen pflegen, auf seine Stirn, zieht sich in ein verdunkeltes Zimmer zurück, in dem nur eine sehr trübe Lampe brennt, legt sich zu Bett und deckt sich mit einem langen Tuch zu. Sobald das Kind dann geboren ist, wäscht man es und legt es auf das Lager neben den Vater. Ihm, nicht der Mutter, werden gleichfalls bestimmte Mittel eingegeben; er darf sein Bett nicht verlassen und erhält alles Erforderliche gebracht.
Der Eintritt der Reife bedeutet für ein Mädchen ein wichtiges Ereignis in seinem Leben. Es muß sich einer zeitweiligen zeremoniellen Abgeschlossenheit unterziehen, die häufig in einer zu diesem Zwecke besonders errichteten Hütte vor sich geht. Einige Okkiliyanstämme im Tamillande schlagen die erste Hütte nach wenigen Tagen wieder zusammen und errichten eine neue am dritten, fünften und siebenten Tage. Nach Beendigung der Unreinheit wird die Hütte vielfach von dem Mädchen oder seinem Onkel angezündet und bis auf die Erde niedergebrannt; die Töpfe, die das Mädchen benutzte, werden bei den Bergsavara in kleine Stücke zerschlagen, weil es sonst dem allgemeinen Aberglauben gemäß keine Nachkommenschaft erhalten würde, falls sich Regenwasser in den etwa ganz gebliebenen Töpfen ansammeln sollte. Um Teufel zu verscheuchen, werden Zweige von verschiedenen Bäumen ins Dach der Hütte gesteckt und ein Stück Eisen zusammen mit Margosablättern, Zweigen vom Strychnosbaum und der Arkapflanze in sie gelegt. Manchmal wird auch ein Gestell aus Besenstielen und Stücke von Palmblättern oder ein Bogen hineingelegt und täglich angebetet. Bei der Pubertätszeremonie eines Tiyanmädchens Malabars schüttet seine Tante oder eine andere weibliche Verwandte ein gewisses Öl aus einem becherförmig gebogenen Jackbaumblatte ihm über den Kopf, auf den vorher eine kleine goldene Münze gelegt wurde, und fängt das Öl samt der Münze wieder in einer Schüssel auf. Es gilt als gute Vorbedeutung, wenn das Geld in einer bestimmten Lage in diese fällt. In ähnlicher Weise leeren Frauen bei einigen Kasten Südkanaras über das Mädchen, das auf dem Hofe über fünf Kokosnüssen auf einem Bambusrohrgefäß sitzt, einen Topf aus, der Wasser, Betelnüsse und Arekanüsse enthält; darauf wird es in einem Nebenhause abgesondert. Die kanaresischen Kappiliyan stellen, wenn die Zeremonien ihren Abschluß erreichen, in der Nähe des Hauseinganges etwas für einen Hund zu fressen hin; dieser wird, wenn er mit der Vertilgung beschäftigt ist, tüchtig durchgeprügelt; je lauter er heult, desto günstiger stellen sich die Aussichten einer großen Nachkommenschaft für das Mädchen. Die Pulluwanmädchen werden am siebenten Tage ihrer Reinigung von sieben jungen Frauen gesalbt; diese bringen außerdem den Teufeln, durch die das Mädchen etwa besessen werden könnte, eine Opfergabe in Form eines aus der Rinde eines Bananenbaums angefertigten Triangels, an dem Stücke zarter Kokosnuß und kleine Miniaturfackeln hängen, dar. Der Triangel wird um den Kopf des Mädchens geschwungen und sodann aufs Wasser gesetzt, damit er fortschwimme.
Viele interessante Werbegebräuche herrschen noch allenthalben in Südindien. Öfters ist für die jungen Mädchen bei der Auswahl ihres Zukünftigen dessen persönlicher Mut ausschlaggebend. Bei einigen Kallanstämmen zum Beispiel besteht der Brauch, daß beim Mattupongalfest Bullen, an den Hörnern geschmückt mit Kokosblattgirlanden und Tüchern der jungen Mädchen, in die Münzen gebunden sind, unter dem Getöse der Tamtam und anderer Musik, um sie in Angst zu versetzen, losgelassen werden. Wer von den jungen Burschen einem Mädchen sein Tuch, das von ihm um das Horn des Tieres gewickelt war, wieder wohlbehalten zurückbringt, wird von ihm zum Manne genommen. Die Coorgmädchen verlangen eine Probe physischer Kraft von ihrem zukünftigen Gatten; er muß sechs Bananenstämme, die aufrecht in der Erde stehen, jeden einzeln mit einem einzigen Hiebe seines Kriegsmessers umhauen. Bei den Bergbonda Porja besteht die Sitte, Gruben in den Erdboden zu graben, in die während der kalten Jahreszeit nachts die Kinder gelegt werden, damit sie warm bleiben. Im Frühling nun werden die heiratsfähigen jungen Mädchen des Dorfes in einer dieser Gruben zusammengedrängt, und ein junger Mann kommt und macht der einen von ihnen einen Antrag; weist das Mädchen ihn ab, dann macht er bei einer anderen den gleichen Versuch, bis er sein Ziel erreicht hat. Anderwärts wird auch wieder der persönliche Mut des jungen Mannes von seinem Mädchen auf die Probe gestellt; beide begeben sich in den Dschungel und zünden ein Feuer an; das Mädchen nimmt darauf einen schwelenden Feuerbrand und berührt damit den Rücken des Jünglings. Schreit er vor Schmerz auf, dann wird er abgewiesen, wenn aber nicht, dann wird die Ehe sofort geschlossen. Dem Zufall überlassen die Wahl des Bräutigams die Mädchen bei den Dschungelnayādi. Wenn ein solches das heiratsfähige Alter erreicht hat, begibt es sich in eine aus Blättern aufgebaute Hütte, um die die jungen Männer des Dorfes herumtanzen und singen. Sie sind mit Stöcken bewaffnet, die sie durch die Hüttenwand hindurchstoßen. Wessen Stock das junge Mädchen ergreift, der wird ihr Mann.
Bei manchen Stämmen herrschte die Sitte, daß der Schwiegersohn in die Dienste seines zukünftigen Schwiegervaters tritt und sich bei ihm die Frau gleichsam erarbeitet. Jetzt aber wird diese Dienstleistung schon durch eine Barzahlung ersetzt.
Bei den Kondh begegnen wir unter den Hochzeitszeremonien noch der Brautentführung. Dem Brautzug treten der Bräutigam und die jungen Männer seines Dorfes an der Dorfgrenze entgegen, jeder mit einem Bambusknüppel bewaffnet. Die jungen Frauen aus dem Dorfe der Braut aber gehen zuerst zum Angriff auf die Partei des Bräutigams mit Stöcken, Steinen und Erdklumpen vor, und ein Bombardieren wird eröffnet und fortgesetzt, bis das Dorf erreicht ist. Dann hört das Steinwerfen auf, und der Onkel des Bräutigams ergreift die Braut und trägt sie zum Hause seines Neffen. Der Umstand, daß es gerade der Onkel ist, der die Braut entführt, legt die Vermutung nahe, daß dieser Scheinkampf um die Braut, von dem in Südindien mancherlei Abänderungen vorkommen, nicht als ein Überbleibsel der Sitte, die man insgemein Raubehe nennt, anzusehen ist, sondern seine Erklärung in der Vorschrift findet, die noch bei vielen Kasten beobachtet wird, daß ein Mann die Tochter seines Onkels mütterlicherseits heiraten muß. Wo diese Vorschrift nicht zwangsweise durchgeführt wird, spielt dieser Onkel dennoch eine wichtige Rolle bei den Hochzeitszeremonien. So muß er öfters dem Bräutigam auf seine Bitte seine Zustimmung zur Heirat geben, oder der Onkel der Braut dem Bräutigam die Füße waschen, die Braut zur Hochzeitsbude tragen, ihr das Tāli um den Hals legen und die Finger des jungen Paares bei der Eheschließung zusammenbinden.
Bei den Kasten, wo der Brauch, die Tochter des Onkels mütterlicherseits zu heiraten, sich erhalten hat, kommt es bisweilen vor, daß ein Knabe von sieben oder acht Jahren an ein Mädchen versprochen wird, das zweimal so alt ist wie er. Dem Mädchen ist es in manchen Fällen erlaubt, auch mit ihrem Schwiegervater zusammenzuleben und zu verkehren, bis der Knabe, der als der Vater aller inzwischen etwa geborenen Kinder gilt, heranwächst.
Ein sonderbarer Brauch, „die Aufrechterhaltung des Hauses“ genannt, wird von den Bergkunnuwan beobachtet, wenn ein Mann keine Kinder außer einem Mädchen besitzt und seiner Familie die Gefahr des Aussterbens droht. Das Mädchen darf hier zwar nicht, wie es sonst vielfach üblich ist, von dem Sohn ihres Onkels beansprucht werden, kann aber mit einem Türpfosten des Hauses verheiratet werden; als Eheabzeichen erhält sie dann eine silberne Spange um das Handgelenk gelegt. Es ist ihr nun gestattet, sich mit irgend einem Manne aus ihrer Kaste zusammen zu tun; sollte sie von ihm einen Sohn bekommen, so erbt dieser durch sie den Besitz ihres wirklichen Gatten. — Mit einer dritten Frau eine Ehe einzugehen, bringt nach Ansicht der Brahmanen Unglück. Um diesem aber aus dem Wege zu gehen, wird zunächst eine Scheintrauung vollzogen. Der Witwer bindet ein Tāli um eine Arkapflanze, die die Sonne versinnbildlicht, und haut sie dann um. Dadurch wird die nunmehr einzugehende Ehe die vierte anstatt der dritten. Eine ähnliche Form der Scheinehe mit einem Baume (Banane) wird manchmal von denen geschlossen, die die älteren Brüder einer Familie sind, jedoch aus irgend einem Grunde (zum Beispiel wegen körperlichen Fehlers) zur Ehelosigkeit verurteilt sind. Da den jüngeren Brüdern aber die Ehe nicht eher gestattet ist, bevor die älteren verheiratet sind, so tun diese dies, um jenen Gelegenheit zu geben, sich zu vermählen. — Wenn ein Mädchen bei einigen Kasten im Oriyalande vor der Reife sich noch keinen Mann gesichert hat, so wird sie mit einem Messinggefäß, dem Sinnbild der Sonne, verheiratet, oder sie unterzieht sich einer Scheintrauung, bei der ein alter Mann oder ein Pfeil, ein Sahādabaum, um dessen Stamm ein neues Tuch gebunden ist und gegen den Pfeil und Bogen angelehnt sind, den Bräutigam vertreten. — Geht ein Landbesitzer der Kambalakaste im Tamillande mit einer Frau aus niederer Kaste eine Ehe ein, so ist er nicht persönlich bei der Hochzeit zugegen, sondern wird durch einen Dolch vertreten, in dessen Gegenwart der Braut das Tāli um den Hals gebunden wird. In ähnlicher Weise stellt bei den Maravan der vornehme Bräutigam einen Stock als seinen Vertreter. Unsere Abbildung 153 zeigt den bei Hochzeiten der Tamilen gebräuchlichen reichgeschmückten Baldachin, unter dem Braut und Bräutigam Platz nehmen.
Die Sitte der brüderlichen Vielmännerei besteht heutigentags noch bei den Toda, allerdings ist sie jetzt schon mehr im Abnehmen begriffen, denn es bürgert sich mehr und mehr bei diesem Volke der Brauch ein, daß Brüder je ein besonderes Weib sich nehmen oder auch mehrere Männer mehrere Weiber gemeinsam haben. Wenn ein Mädchen bei den Toda sich verheiratet, dann wird sie gleichzeitig das Eheweib sämtlicher Brüder des Gatten, ja es geht so weit, daß, wenn ein Mädchen schon mit einem Knaben verheiratet wird, man sie nicht bloß als die rechtmäßige Gattin aller lebenden jüngeren Brüder betrachtet, sondern im voraus auch als die aller derjenigen, die noch geboren werden können. Die Brüder leben in solcher polyandrischen Ehe einträchtig miteinander; jeder von ihnen wohnt der Frau abwechselnd bei. Wenn aber die Brüder nicht unter einem gemeinsamen Dach, sondern in verschiedenen Dörfern hausen, dann lebt die gemeinsame Frau abwechselnd für eine gewisse Zeit der Reihe nach mit jedem von ihnen zusammen. Interessant ist die Art und Weise, wie die Vaterschaft der Kinder festgestellt wird. Wird die Frau zum ersten Male schwanger, dann nimmt der älteste Bruder für gewöhnlich die Zeremonie des Überreichens von Bogen und Pfeil an dem Kinde vor, womit er andeuten will, daß er sich zum Vater des Neugeborenen bekennt; bei der zweiten Geburt ist es wohl Sitte, daß der andere Bruder diese Zeremonie übernimmt, für gewöhnlich aber gehören die ersten zwei bis drei Kinder demselben Ehemanne an, und erst bei den darauffolgenden läßt er die Zeremonie des Bogen- und Pfeilüberreichens durch einen anderen Bruder vollziehen. Gehen die Eheleute auseinander, dann nimmt jeder der Ehemänner die Kinder an sich, für die er sich bei der Geburt als Vater bekannt hatte.
Bisher haben wir die Hochzeitsbräuche der Bewohner Südindiens behandelt, die nicht die allgemeine Regel bilden, sondern vielmehr eine seltenere Erscheinung ausmachen. Wir wollen jetzt die ersteren hier nachholen. Bereits mehrfach war von dem Tāli (auch Bottu genannt) die Rede. Es ist dies ein goldener Ziergegenstand, welcher der Braut (Abb. 152) um den Hals gebunden wird, nachdem er unter den Hochzeitsgästen die Runde gemacht und deren Segen empfangen hat, und etwa unserem Trauring entspricht, also das hindostanische Eheabzeichen (Abbild. 155) vorstellt. Bei manchen Kasten tritt an Stelle dieses wertvollen Gegenstandes eine Halskette aus schwarzen Perlen oder nur ein mit Safran gefärbtes Band. Safran bildet überhaupt einen wichtigen Bestandteil des indischen Zeremoniells. Die Sitte, sich damit das Gesicht zu färben, ist bei den Frauen sehr verbreitet; sie meinen dadurch ihren Männern mehr Lebensjahre zu verschaffen; daher pflegen sie sich geradezu verschwenderisch mit Safranwasser zu waschen. Um den bösen Blick abzuwenden, wird bei Hochzeiten ein Gefäß, das unter anderem auch Safranwasser enthält, vor dem Brautpaar geschwungen; beide baden sich darin und begießen sich gegenseitig damit.
Bei den meisten Kasten ist der wesentliche und bindende Teil der Hochzeitszeremonie das Zusammenbinden der Hände von Braut und Bräutigam mittels eines baumwollenen oder seidenen, mit Safran gefärbten Fadens oder mittels des heiligen Dharbagrases, oder das Ineinanderlegen ihrer Hände oder kleinen Finger, wobei Wasser über sie ausgeschüttet wird. Manchmal werden auch die Hände des Brautpaares unter einem Tuch vereinigt, das die beiderseitigen Onkel mütterlicherseits halten. Bei einem Stamme der Bergbadaga bringt die Schwester der Braut etwas Reis und Milch in einer Tasse, in die das Paar seine aneinander gebundenen Finger eintaucht; darauf nehmen beide etwas Reis und stecken ihn sich dreimal in den Mund. Bei den Völkern von Telugu, Kanara (Abb. 154) und Oriya ist es allgemein üblich, einen Wandschirm oder einen Vorhang zwischen den Brautleuten anzubringen, über den hinüber die Braut Reis und Salz auf den Kopf ihres Bräutigams wirft. Man pflegt hier auch die Enden der Hüfttücher des Paares, in die Reis, Betelblätter, Arekanüsse, Muschelgeld und andere Dinge gebunden sind, miteinander zu verknoten.
Eine wichtige Rolle spielen bei der Hinduhochzeit die Töpfe. Nach dem Aberglauben des Volkes sollen sie dreihundertdreißig Millionen kleinerer Götter oder Dēvas vorstellen; daher verwenden Brahmanen auch dreiunddreißig Töpfe bei ihrer Hochzeit. Die Dorftöpfer haben für solche Gelegenheiten gut zu tun; sie fertigen eine Menge Töpfe an, deren größter an Umfang etwa dreieinhalb Meter messen muß. Die Töpfe nun werden von Braut und Bräutigam in gebührender Weise angebetet. Verschiedene Oriyakasten pflegen einen Topf mit Wasser aus sieben verschiedenen Häusern anzufüllen und in der Hochzeitsbude aufzuhängen, oder sie stellen eine Anzahl Töpfe, einen auf den anderen geschichtet, in die vier Ecken und in die Mitte dieses Raumes auf und so weiter. — Dem Barbier kommt bei Hochzeiten ein wichtiges Amt zu. Er hat dem Bräutigam die Fußnägel zu beschneiden und das Gesicht zu rasieren, wobei er zuweilen Kuhmilch an Stelle von Wasser verwendet. Er berührt auch die Stirn der Braut mit einem Rasiermesser und ihre Zehen mit einem in Milch getauchten Mangoblatt, dem Sinnbild des Wohlergehens; bei manchen Kasten bindet er der Braut auch das Tali um den Hals. Eine drollige Figur gibt der Barbier auf der Hochzeit bei den Lingayat Kannadiyan ab. Er hat hier die Aufgabe, die Köpfe des Brautpaares mit geklärter Butter aus einer Kokosnußschale zu besprengen, was ihm aber nicht leicht gemacht wird. Denn vorn trägt er einen Stein an einem Stricke um seinen Hals, der ihn dabei nach vorn herabzieht, und rückwärts ebenfalls einen Strick, an dem die Kinder ihn nach hinten ziehen.
Die Hochzeitszeremonien der Mohammedaner Südindiens sind verschiedentlich ein Mittelding zwischen rein mohammedanischen und hindostanischen Gebräuchen. Bei einer Hochzeit der mohammedanischen Marakkayar wird eine Zeremonie direkt die „brahmanische Verkleidung“ genannt. Die Braut ist wie eine Brahmanin gekleidet und fordert mit einem Messinggefäß in der einen und einem Stock in der anderen Hand vom Bräutigam Geld ein, wobei sie ihr Anliegen mit Stockschlägen begleitet.
Eheliche Untreue der Frauen wird besonders dann streng geahndet, wenn sie sich mit Männern einer niederen Kaste einließen. Wer eines solchen Vergehens von dem Dorf- oder Gemeinderat überführt ist, wird aus der Kaste ausgestoßen und kann eine Wiederaufnahme erst dann wieder erlangen, wenn er sich verschiedenen seltsamen Formen von Gottesurteilen unterzogen hat. Sonderbar mutet von diesen Vorschriften die folgende an: ein schwerer Mörser wird der Frau vorn und eine Katze hinten auf dem Rücken angebunden; so ausgestattet muß sie durch die Straße ziehen. Während der Mörser sie beinahe bis auf die Erde hinabzieht, sucht die Katze sich durch Kratzen hinten zu befreien. — Bei den Koraga von Südkanara wird eine Reihe von sieben Hütten am Flußufer errichtet und Grasbündel gegen sie aufgestapelt. Diese werden in Brand gesteckt, und die Übeltäterin muß über die brennenden Garben und die heiße Asche hinweggehen. Diese Zeremonie soll die sieben Leben versinnbildlichen, die nach dem Gesetze des Manu erforderlich sind, um einen Fehltritt gegen das Heiratsgesetz zu sühnen. Koyimädchen, die sich mit einem Mann aus niederer Kaste verbinden, werden dadurch geläutert, daß ihnen die Zunge mit einer erhitzten goldenen Nadel durchstochen wird und sie durch sieben Palmenblätterbogen hindurchgehen müssen, die nachher verbrannt werden. Die Kappiliyan kennzeichnen das Ausgestoßensein einer Frau wegen Ehevergehens dadurch, daß sie über einen ihr gehörigen Schmuckgegenstand in aller Form eine Trauerfeier abhalten und ihn verbrennen, und die Frau selbst von nun an für tot erklären. Die Parivaram töten die Frau in ähnlicher sinnbildlicher Weise; sie fertigen von ihr ein Lehmbildnis an, stechen ihm in die Augen Dornen und werfen es schließlich außerhalb des Dorfes fort.
Eine ganz besondere Strafe trifft manchmal bei den Oriya Ravulo den Ehemann, wenn er seine Frau mißhandelt oder verlassen hat. Er muß sich unter einen Bambusbottich und seine Frau oben darauf setzen; sodann wird der Inhalt von fünf Töpfen Wasser über das Paar gegossen in Nachahmung der bei dieser Kaste üblichen Sitte, über eine Leiche aus ebensoviel Gefäßen Wasser zu gießen, bevor man sie zum Verbrennungsplatz bringt. Dieser Vorgang spielt sich überdies in einem Hause ab, wo für gewöhnlich ein Toter gewaschen wird.
Um ihre Unschuld zu beweisen, kann eine verdächtigte Person ihre Zuflucht zu einem Gottesurteil nehmen. Meistens muß sie dann ihre Hand in kochendes Öl tauchen und eine Münze, eine Arekanuß oder einen Stein herausholen. Gelingt ihr dies nicht, so ist ihre Schuld bewiesen; andernfalls geht sie frei aus.
Die vornehmste Bestattungsform der Südindier, aber auch die teuerste, ist das Einäschern der Leichen; diese können sich nur die Wohlhabenderen leisten (Abb. 156 bis 159). Daher begegnen wir der Einäscherung allgemein bei den höheren Kasten, bei den niederen dagegen nur insoweit, als die pekuniären Verhältnisse der Familie es gestatten. Die Regel bildet bei den niederen Kasten das Begraben der Toten. Beim Tode des Mannes wird der Witwe manchmal das Tali vom Halse abgenommen und mit den Blumen, die sie schmücken, der Leiche mit ins Grab gegeben, oder ihre Spangen werden vor einem hölzernen Pfahl, der mit dem Zeug des Mannes bekleidet ist, zerbrochen. Beerdigung in sitzender Haltung kommt noch unter anderen bei einigen primitiven Dschungelstämmen vor. Das Grab wird oft dadurch gekennzeichnet, daß man eine Hütte oder ein Schirmdach darüber baut und einen stachligen Zaun aus Zweigen herumlegt, damit die wilden Tiere, im besonderen die Schakale, nicht herankönnen, oder man legt einen Kiesel mit einem Zauberspruch auf das Grab, um den Geist des Verstorbenen daran zu hindern, daß er die Überlebenden belästigt.
Vielseitig und manchmal auch sehr sinnig sind die Gebräuche, die man mit der Asche des Toten vornimmt. Die Bergkoyi vermischen sie mit Wasser und formen Kugeln, vergraben diese in einem Loch und decken eine Steintafel darüber. Wenn Freunde des Mannes an der Stelle vorübergehen, legen sie ein paar Tabakblätter für ihn auf diese Tafel. Die Bergsavara begraben Reste der verbrannten Gebeine mit einem zerschlagenen Hühnerei in einer Miniaturhütte; auch schicken sie Stücke verkohlter Knochen an Verwandte, die entfernt wohnen, damit diese an ihnen bestimmte Begräbniszeremonien vornehmen. Manche Kasten legen ein Stück Knochen in einen Topf unter einen heiligen Feigenbaum; der Sohn des Verstorbenen nimmt diesen schließlich fort und vergräbt ihn in der Nähe seines Hauses. Andere wieder pflanzen eine Tulsipflanze an der Stelle, wo die Asche begraben liegt; manchmal werden die Aschenreste auf einen Baum, einen Ameisenhaufen, in fließendes Wasser oder auch in die See geschüttet. Vielfach besteht auch die Sitte, die Asche als Postpaket an einen bestimmten Agenten in Benares zu senden, auf daß er sie in den heiligen Ganges schütten läßt. — Bildnisse des Verstorbenen werden oft aus seiner Asche, Reismehl, Stroh und Schlamm hergestellt oder auf ein neues Tuch aufgezeichnet und dann durch Opfergaben geehrt. Die Strohfiguren verbrennt man dann oft, die Bergkondh aber stellen sie vor oder auf dem Dache ihrer Häuser auf. Die Oriya Gaudo stecken sieben kleine Fahnen aus gelbgefärbtem Stoff in die Schultern, den Unterleib, die Beine und den Kopf einer Figur aus Asche und bringen ihr Speise dar. Von vielen Kasten wird ein Topf mit Wasser oder Reis von dem Hauptleidtragenden, in der Regel der Witwe des Verstorbenen oder seinem Onkel mütterlicherseits, auf dem Hinwege zum Verbrennungsplatz oder auch auf diesem selbst zertrümmert.
Zahlreich sind die Methoden, zu denen man seine Zuflucht nimmt, um die ruhelosen Geister der Verstorbenen zu versöhnen und zu beruhigen. Manche Bergstämme schießen zu diesem Zweck ein Gewehr ab, während das Begräbnis stattfindet. Im Tamilgebiet wird manchmal gerösteter Reis auf dem Wege zum Verbrennungsplatze ausgestreut, um dadurch den Geist, der am Abend versuchen wird, nach Hause zurückzukehren, zu veranlassen, daß er sich mit dem Auflesen der Speise aufhalte und sich dann zurückziehe. Um den boshaften Geist eines Menschen, der an einer ansteckenden Krankheit starb, an seiner Rückkehr zum Dorf zu verhindern, legen die Bergkoyi eine Fischfalle und dornige Zweige über den Weg, der zu ihm hinführt. Am dritten Tage nach dem Tode sollen die Khond eine Spinne vom Begräbnisplatze holen, sie einen Tag lang zu Hause behalten und mit Reis, Fleisch und einem neuen Tuch zu versöhnen suchen, weil sie annehmen, daß dieses Tier eine feindlich gesonnene Wiedergeburt des Verstorbenen vorstelle. Von den Bergkoyi wird bei Eintritt eines Todesfalles eine Kuh oder ein Bulle erschlagen, der Schwanz abgeschnitten und der Leiche in den Mund gesteckt. Auch pflegen sie einen solchen Schweif auf dem Begräbnisplatze an jeden der einzelnen Steine, die hier errichtet sind, zu binden; er bleibt hier, um den Geist des Verstorbenen zu besänftigen, dem man dadurch einreden will, daß er das ganze Tier erhalten habe. Manchmal werden dem Verstorbenen auch ein paar Rupien, die den Wert eines Ochsen darstellen, anstatt des Schweifes in den Mund gesteckt.
Eine ganz besondere Form erhält das Totenzeremoniell bei den Hirtentoda und den ackerbautreibenden Badaga der Nilghiriberge. Bei ersteren weichen die Bräuche zwar sehr voneinander ab, je nach dem Geschlechte des Verstorbenen und den sonstigen Verhältnissen, aber im allgemeinen verfährt man mit der Leiche folgendermaßen. Der Tote wird in eine zu diesem Zwecke gebaute einfache Hütte gelegt, meistens innerhalb eines Steinkreises in der Nähe des Haines, in dem der Scheiterhaufen hergerichtet worden ist. Vor ihr gruppieren sich die Frauen, zu zweien zum Zeichen der Trauer die Stirnen aneinander gelegt (Abb. 160), wobei ihnen die Tränen über die Wangen rollen. Männer und Knaben gehen nun auf die Suche nach einem oder mehreren Ochsen, die sie nach der Stelle, wo der Tote liegt, hintreiben (Abb. 161 und 164). Hier packen die ersteren die Tiere mit aller Kraft bei den Hörnern, ducken sie nieder und versetzen ihnen auf die Stirn einen Axthieb. Der Tote wird sodann herbeigebracht und am Kopfe des seine Seele aushauchenden Tieres, das mit Butter beschmiert worden ist, niedergelegt (Abb. 162 und 163). Männer, Frauen und Kinder drängen sich dann heran, um das tote Tier zu begrüßen und die Hände auf seinen Kopf und seine Hörner zu legen. Bei dem Leichenbegängnis eines Mannes pflegt man dreimal Erde auf den Leichnam und in eine Viehhürde oder einen Steinkreis zu werfen. Nach Ablauf einer gewissen Zeit wird eine zweite Totenfeier veranstaltet, bei der die Hinterlassenschaft des Verstorbenen samt einem Stück seines Schädels und einer Haarlocke in einem Steinkreis verbrannt werden.