Von den am besten bekannten Geheimbünden sind die Duk-Duk-Gesellschaften zu nennen, die über einen großen Teil Neupommerns sich verbreitet finden. Die Angehörigen dieses Bundes treffen sich für gewöhnlich auf einem freien Platz oder einem Tanzplatz im Walde, der den Blicken Unberufener durch dichtes Unterholz entzogen oder noch häufiger durch Kokosmatten direkt verhüllt wird. Auf diesem Platz werden eine oder zwei Hütten errichtet (siehe die farbige Kunstbeilage), um in ihnen die Masken aufzubewahren (Abb. 95 und 113); größere Masken werden an Pfosten vor der Hütte aufgehängt. Nichtmitglieder wissen, wo sich diese Plätze befinden, und meiden sie sorgfältig, da sie sonst streng bestraft werden, auch wenn das Vergehen unbeabsichtigt war. Soll eine Anzahl Jünglinge in die Duk-Duk-Gemeinde aufgenommen werden, so geschieht dies mit ganz besonderen Feierlichkeiten. Das Fest wird bei Anbruch des Tages durch großes Geschrei vom Tanzplatze aus verkündet, die Jünglinge werden sodann hereingelassen und in einem Kreise aufgestellt. Ein hoher Würdenträger des Bundes, mit Maske und Schmuck seines Ranges bekleidet (Abb. 63 u. 101), tanzt nun in der Mitte dieses Ringes, schreit, gestikuliert lebhaft und schlägt dabei die Jünglinge mit einem Stock, während die übrigen Mitglieder, die außerhalb des Kreises stehen, das gleiche tun, so daß das Schreien und Stöhnen der gepeinigten Opfer nach außen dringt. Währenddessen sitzen die Mütter und Schwestern zu Hause und weinen. Sodann wird den Novizen Nahrung verabreicht, worauf der hohe Würdenträger sich seines Putzes entledigt und die Knaben auffordert, diesen anzulegen, aber sie weigern sich, weil sie annehmen, daß dahinter ein Zauber steckt. Schließlich folgt ein Tanz, dessen verschiedene Schritte den Jünglingen gelehrt werden. Feierlich werden sie noch vor den schrecklichen Folgen gewarnt, die ein Verrat der Geheimnisse des Bundes nach sich zieht. Der erste Tag des Festes endigt mit einem großen, von den Verwandten der Jünglinge veranstalteten Schmaus, an dem diese sowie die Mitglieder der Gesellschaft teilnehmen. Die nun in den Bund aufgenommenen Knaben verbringen die erste Nacht bei den Mitgliedern auf dem Tanzplatze. Am nächsten Morgen erhalten sie ihr Duk-Duk-Gewand. Ist der Tanzplatz in der Nähe der See, so besteigen die Duk-Duk-Männer geschmückte Kanu und werden von unmaskierten Eingeborenen mit Gesang und Trommelschlag die Küste entlang gerudert (Abb. 103). Hierauf kehren sie alle unter gleichem Lärme zum Platz zurück (Abb. 104), wo nunmehr ein wilder Tanz stattfindet. Sobald dieser sich seinem Ende nähert, ergreift jeder der Teilnehmer ein starkes Bambusrohr. Der Würdenträger der Gesellschaft schlägt nun die maskierten Leute, die an ihm vorbeispringen, diese aber geben die empfangenen Schläge wieder zurück. Die Frauen draußen hören das Schreien und Kreischen und begleiten es mit ohrenbetäubenden Rufen. Nach Ablauf der ganzen Vorstellung bilden die Mitglieder einen großen Kreis um den Würdenträger, der einheimisches Geld erhält; ebenso erhalten die neuen Mitglieder etwas davon, zum Zeichen, wie vorteilhaft es für sie ist, dem Bunde anzugehören. Darauf werden die Masken beiseite gelegt, und schließlich wird noch ein Schmaus von den Verwandten der neu Aufgenommenen abgehalten. Am nächsten Tage beginnen die Duk-Duk-Männer eine Geldsammlung, die täglich einen, wohl auch zwei Monate lang fortgesetzt wird, wobei sie jede Hütte in der Umgebung aufsuchen und ein Geschenk verlangen, also gleichsam eine Erpressung ausüben; die Leute geben auch durchweg, denn sie wissen ganz gut, wie schlecht es ihnen ergehen kann, falls sie die Forderung abschlagen sollten. Nach Ablauf der Sammlung erklärt der oberste Würdenträger die Duk-Duk-Männer für tot; es findet noch ein letzter Schmaus statt, alle Masken und sonstiges Gerät werden wieder fortgeräumt, und die Mitglieder kehren in ihre Hütten zurück bis zum nächsten Mal.
Abgesehen von den größeren Zeremonien, die oft wochenlang dauern, halten andere Stämme, wie zum Beispiel am Flyriver, häufig kleine Feste ab, die von der Dämmerung bis zum Morgengrauen währen. Tänze spielen auch hier die Hauptrolle, sie dauern die ganze Nacht und gemeinsamer Gesang der phantastisch herausgeputzten Eingeborenen begleitet ihr taktmäßiges Schlagen der Trommeln (siehe die farbige Kunstbeilage).
Auf den Inseln des Bismarckarchipels gibt es eine andere Form von Geheimgesellschaften, Ingiet genannt; an ihrer Spitze steht ein großer Zauberer, der den Ruf, mächtige Zauberkraft zu besitzen, genießt. Nach dem Aberglauben der Eingeborenen vermag dieser Zauberer die Geister zu beschwören, indem er Kalk verspritzt, Ingwer ißt und Zaubersprüche hersagt; er wird daher auch in Krankheitsfällen zu Rate gezogen. Ebenso wie der Duk-Duk-Bund besitzen die Ingietgesellschaften ihren geheimen Versammlungsort, dessen Betreten von seiten Uneingeweihter durch die Geister mit dem Tode geahndet wird. Der Platz ist umzäunt, und an einer Stelle der Umfriedigung werden roh in Stein gehauene oder aus Holz geschnitzte und bemalte Bildnisse aufbewahrt, welche menschliche Wesen, Schweine, Krokodile, Haifische, Vögel und andere Tiere darstellen. Da nur das Haupt der Ingietgemeinde diesen geheiligten Ort betreten darf, so müssen die Novizen bei ihrem ersten Erscheinen zuvor vor der Todesstrafe, die sonst die Folge unbefugten Eindringens sein würde, geschützt werden, indem sie Ingwer kauen, die Ingwerpflanze in den Händen halten und sich um den Hals legen. Der oberste des Bundes bemalt die neu Aufzunehmenden außerdem noch mit einem Zauberstoff, den er aus ausgekautem Ingwer und Kalk zusammengestellt hat und aus seinem Munde auf ihre Körper, desgleichen auf die Bildnisse an der geweihten Stätte bläst. Bei der sich daran anschließenden Einweihungsfeier hält der Häuptling den Stiel einer bestimmten Pflanze, der Einzuweihende deren Blätter in der Hand, dann zieht der erstere und streift auf diese Weise die Blätter unter Hersagen von Zaubersprüchen durch die Hand des Novizen. Damit ist die Einweihungsfeier vollzogen. — Mit den angeführten Gesellschaften ist indessen die Zahl der auf Melanesien vorhandenen Geheimbünde noch nicht erschöpft; es gibt noch eine Reihe anderer, von denen jeder seine eigenen Gebräuche bei der Einweihungsfeier der neu Aufzunehmenden und bei anderen festlichen Gelegenheiten besitzt. Eine dieser Geheimgesellschaften wollen wir indessen noch erwähnen, die bis vor kurzem auf einer der Torresstraßengruppe ihr Wesen trieb, da sie von der bisher beschriebenen Art stark abwich. Jeder Novize wurde während der Dauer der Zeremonie am ganzen Körper täglich mit Ruß angemalt; er wurde außerdem in ein Mattenzelt von der Form eines steilen Daches gesteckt, das an seinem Körper befestigt wurde und einen so geringen Umfang besaß, daß der Knabe, damit das Zelt auf die Erde reichte, eine sitzende Stellung einnehmen mußte. Einen vollen Monat hatten die neu Aufzunehmenden in der erstickenden Hitze und Dunkelheit eingezwängt auszuhalten. Sie durften weder spielen noch sprechen, weder ihre Väter noch ein weibliches Wesen sehen; sie wurden streng bewacht und mußten, obgleich sie allabendlich zu einem für sie besonders hergerichteten Hause geführt und morgens vor Sonnenaufgang wieder zurückgebracht wurden, ihre Zelte mit sich schleppen, so daß beim Gehen nur ihre Beine sichtbar blieben. Während ihrer Abgeschlossenheit wurden die Novizen in den Lehren und Gebräuchen ihres Stammes unterwiesen und über ihre moralischen Pflichten, sowie über den Umgang mit den Frauen aufgeklärt; im besonderen mußten sie gewisse Zauberformeln und Mittel kennen lernen, durch die sie die Zuneigung eines Mädchens gewinnen konnten. Eines dieser Mittel bestand darin, die Erde an bestimmten Stellen mit dem Speer zu bearbeiten und bei dessen Herausziehen den Namen des Mädchens auszurufen, ein anderes in der Bereitung einer besonderen „Mädchenmedizin“ durch Vermischung mit Tabak und ihrer Darreichung an die Geliebte, oder auch in dem Salben des ganzen Körpers mit dieser Medizin. Am Ende des Monats wurden die Trommeln geschlagen und die Zelte den Knaben abgenommen; sie wurden dann in der See gewaschen, mit Blättern abgerieben und mit der wirklichen „Mädchenmedizin“ gesalbt. Bei Einbruch der Nacht mußten sie alle zu einem freien Platze in der Nähe des Dorfes wandern, wo ihre Angehörigen auf sie warteten. Auf dem Hinweg wurde eine lange Matte vorangetragen, welche die Knaben verbarg. Nachdem die Aufgenommenen sich gelagert hatten, wurde die Matte entfernt und die Jünglinge zeigten sich nun den hocherfreuten Verwandten als Männer, nicht mehr als Knaben.
Belustigungen und Spiele erfreuen sich unter den Eingeborenen Melanesiens bei Klein und Groß allgemeiner Beliebtheit, so das Fadenspiel (Abb. 117), in dem die Erwachsenen eine große Fertigkeit aufweisen, und das Cuscusspiel (Abb. 121) der Kleinen.
Verschiedentlich wird auf Melanesien mit Eintritt der Geschlechtsreife eine Beschneidung der Knaben vorgenommen. Jedoch kommt es auch gelegentlich vor, daß man schon verheiratete junge Leute zusammen mit kleinen Knaben dieser Operation unterwirft, wenn man nämlich in einem Dorfe für diese Feierlichkeit, die alljährlich höchstens einmal stattfindet, nicht genügend Kandidaten beisammen hat, so daß das Fest um ein oder mehrere Jahre hinausgeschoben werden muß. Auf Kaiser-Wilhelms-Land, wo die Beschneidung keineswegs allgemein üblich ist, spielt sich der Vorgang folgendermaßen ab. Für die Jünglinge bestehen, wie bei ähnlichen Feierlichkeiten, strenge Diätvorschriften. Nach solcher Vorbereitungszeit werden die Kandidaten unter dem Geheul der Weiber und unter Rutenstreichen der Männer zu dem für die Beschneidung bestimmten Platze geführt, wo sich das Haus des „Balum“, eines mythischen Ungeheuers, befindet. Schon während des Baues dieser Hütte dürfen die Weiber des Dorfes sich ihr nicht nähern, nötigenfalls müssen sie auf ihren Gängen große Umwege machen. Außerdem müssen Frauen und Kinder so lange, als das Ungeheuer in diesem Hause weilt, außerhalb des Dorfes in eigens dazu errichteten Hütten wohnen; auch dürfen sie keinen der zu beschneidenden Knaben sehen, es würde ihnen sonst das Leben kosten. Um sich bemerkbar zu machen, verursachen sie bei ihren Ausgängen innerhalb des Dorfes mittels eines trommelartigen Werkzeuges Lärm, der von den Knaben, wenn sie ihn hören, durch das Blasen von Bambusflöten erwidert wird, um die Frauen zu warnen, in dieser Richtung weiter zu gehen, oder sie zu veranlassen, auszuweichen. Sobald die Kandidaten an der Hütte des Balum, die sein „Magen“ heißt, angekommen sind, ruft man den Balum mit Namen und fordert ihn durch Blasen auf Muscheltrompeten auf, herauszukommen. Gibt er dann aus dem Innern der Hütte ein Zeichen von sich, dann beginnen die Männer ihre Gesänge, die mehr einem Geheule gleichen, und opfern Schweine, um das Leben der Knaben zu erhalten. Den Weibern wird vorgeredet, der Balum verschlinge die Knaben und gebe sie nach dem Schweineopfer als kräftige Burschen wieder von sich. In Wahrheit aber wird das Fleisch von den Männern verspeist. Damit das Ungeheuer nicht fortlaufe und die übrigen Dorfbewohner belästige, wird die Hütte mit Stricken festgebunden. In ihrem Innern vollzieht sich nun die Beschneidung. Stirbt dabei etwa ein Knabe, dann sagt man, er sei unversehens in den Schweine- anstatt in den Menschenmagen des Balum geraten; nur der letztere könne ihn wieder von sich geben. Ist die Operation vorbei, dann müssen die Beschnittenen noch so lange in der Balumhütte bleiben, bis sie durch ein nochmaliges Schweineopfer für erlöst erklärt werden. Darauf werden sie in feierlichem Zuge zum Dorfe zurückgeführt und erhalten von nun an das Recht, an den zukünftigen Beschneidungsfeierlichkeiten teilzunehmen. Auf der Insel Karesau (Neuguinea) sind die Beschneidungszeremonien noch verwickelter. Nachdem die Kandidaten ein Bad genommen haben, werden sie in besonderen Häusern am Ende des Dorfes untergebracht und dürfen ihre Angehörigen nicht mehr zu Gesicht bekommen. Das Essen erhalten sie von ihren Beschneidungspaten gebracht, deren Frauen es zubereiten. In der ersten Nacht kündigt sich das Nahen des Kasuargeistes Makarpon von der See aus an; die See wird mit Kokoswedeln geschlagen, Flöten werden geblasen (Abbild. 118) und schlangenförmige Windungen im Ufersande gezeichnet, welche die Schwanzspuren des Geistes bei seinem Kommen vorstellen sollen. Dieser begibt sich nun in ein außerhalb des Dorfes gelegenes Geisterhaus, in das am anderen Morgen die Kandidaten geführt werden. Sobald sie auf dem davor liegenden Platze erscheinen, nahen sich ihnen von dem Geisterhause aus verschiedene Geisterpaare in Gestalt von Vögeln — von diesem Zeitpunkt an dürfen die Knaben Zeit ihres Lebens Fische und Vögel nur noch im Geisterhaus genießen — und stürzen sich, nachdem sie untereinander einen Kampf aufgeführt haben, auf die Knaben mit ausgebreiteten Flügeln, um sie anscheinend zu fressen, kehren jedoch wieder in das Geisterhaus zurück, das nunmehr verschlossen wird. Die Knaben werden darauf einer nach dem anderen nach einem abseits gelegenen Platz am Strande gebracht, wo zwei Männer ihrer warten. Der Beschneidungspate faßt nun den Knaben, der nicht ahnt, was mit ihm vorgenommen werden soll, von hinten an den Armen und beugt seinen Kopf so weit nach rückwärts, daß er von der Operation, die an ihm vorgenommen wird, nichts sehen kann. Die abgeschnittene Vorhaut wird entweder in einen Ameisenhaufen geworfen oder in einer kleinen Grube in der Erde verscharrt. Bei den jüngeren Knaben wird nur die Durchbohrung des Gliedes vorgenommen, eine wirkliche Abtragung der Vorhaut findet für gewöhnlich dann nicht mehr statt; nur wenn sie als verheiratete Männer das Geisterhaus betreten wollen, wird die Beschneidung mit Gewalt an ihnen ausgeführt. Knaben, die sich bei der Operation widerspenstig zeigen, wird mit Speer und Dolch gedroht; auch werden ihnen ernste Mahnungen darüber zuteil, daß sie den ganzen Vorgang geheim zu halten haben. Die Beschnittenen waschen sich in der Regel sogleich die Wunde im Meere. Nachdem sie bis dahin nackt gegangen sind, erhalten sie jetzt einen Lendengurt. Bei ihrer Rückkehr zum Geisterhaus werden sie von ihren Paten ermahnt, bis zum Abschluß der Zeremonie nichts mit Frauen zu tun zu haben, fortan nie mehr mit kleinen Mädchen zu spielen und nicht mehr auf Männer zu schimpfen und anderes mehr. Für jeden Knaben ist gegenüber dem Geisterhaus ein Lager bereitet, auf dem sie, mit geschlossenen Augen den Strahlen der Sonne preisgegeben, für Stunden so lange verharren müssen, bis ihnen durch den Ton einer Flöte, der dem Bellen eines Hundes ähnlich ist, gestattet wird, die Augen wieder zu öffnen und zu sprechen. Mittlerweile ist den Frauen im Dorfe ebenfalls durch Blasen auf Bambusflöten verkündet worden, daß die Beschnittenen sich nun im Bauche des Kasuargeistes befinden, und einige Stunden später auf die gleiche Weise, daß sie ihn nun verlassen hätten. Sobald die Knaben von ihrer Pein erlöst sind, nahen sich ihnen bewaffnete Männer aus dem Wald und schleudern einen Speer oder schießen einen Pfeil dicht über die rechte Schulter der beschnittenen Knaben in die Erde. Das ist das Zeichen für diese, nunmehr aufzuspringen und dafür, daß die eigentliche Feier beendet ist. Aber damit ist die Zahl der mit dem Vorgang verbundenen Zeremonien noch nicht erschöpft. Einige davon sollen hier noch Erwähnung finden.
Nach Sonnenuntergang hauen die Beschnittenen einem Baum, der einer Tanne gleicht und Kalpem genannt wird, die Äste so weit ab, daß nur noch Stümpfe davon am Stamme bleiben, schälen die Rinde vollständig ab und bemalen den Baum mit schwarzen, roten und weißen Ringen, darauf behängen sie ihn mit Federn und Girlanden aus bunten Früchten und pflanzen ihn in die Erde. Außerdem stecken sie in einer gewissen Entfernung von diesem Baum zwei Stäbe in die Erde und verbinden sie mit kunstvollen, mit Federn verzierten Geflechten aus Kokosblättern. Sobald diese Vorbereitungen getroffen sind, stimmen die Knaben unter Trommelschlägen einen Gesang an, der die ganze Nacht andauert und ihre ganze „Nationalliteratur“ umfaßt. Beim Aufgehen des Morgensterns stellen sie die Trommeln um den Kalpembaum und gehen ins Geisterhaus, um zu schlafen. Hierauf kommen einige Männer aus dem Dorfe, vergewissern sich, daß die Knaben diesen Baum ohne fremde Beihilfe angefertigt haben, bewundern ihn, reißen ihn aber aus und nehmen die Federn, mit denen er geschmückt war, als ihr Eigentum an sich. — Weitere Zeremonien sind die Kanufahrten der älteren Knaben unter den Beschnittenen, die unter Gesang Baumrinde holen, woraus nach der Rückkehr vor dem Geisterhaus Lendentücher angefertigt werden, und daran anschließend die Bootsfahrten der Männer, um eine für tabu geltende Liane aufzusuchen, aus der sie Saft abzapfen, mit dem vor dem Geisterhause auch wieder Zauber getrieben wird; ferner das Schleudern eines mehrzinkigen Fischspeeres von seiten der Knaben in eine Yams enthaltende Schüssel, das Herausholen eines Stückes, das Lecken daran, dessen Zurückwerfen samt dem anhaftenden Speer in die Schüssel und das schließliche Schleudern ihres ganzen Inhaltes ins Meer; die Zubereitung einer Salbe aus Kokosnußöl und roter Farbe, womit die Haare eingerieben werden; die Gewinnung einer wohlriechenden Substanz aus den Blättern eines bestimmten Baumes und Einsalben des Körpers damit; das Aufpflanzen eines mit Blättern geschmückten Pfahles und dessen Anspeien mit wohlriechender Substanz durch sämtliche Knaben, die ihn dabei mit Gesang umkreisen und vieles andere mehr.
In bestimmten Teilen des Bismarckarchipels und auf den westlich daran anstoßenden Inseln herrscht die barbarische Sitte der Abschließung junger Mädchen, besonders solcher, die im jüngsten Kindesalter bereits mit einer Person von Ansehen, zum Beispiel mit dem Sohne des Häuptlings verlobt wurden. Kegelförmige Käfige, bisweilen nur etwas über zwei Meter hoch bis zur Spitze und im unteren Durchmesser oft nicht größer, werden aus breiten, dicht zusammengenähten Blättern hergestellt, so daß in Wirklichkeit kein Licht und fast gar keine Luft in sie einzudringen vermag; jeder dieser Käfige besitzt eine nur kleine Öffnung, die mit einer ähnlich gebauten, nach außen sich öffnenden Tür versehen ist. In diesen Käfigen, die überdies für gewöhnlich noch in Hütten stehen, werden die Mädchen Jahre hindurch gefangen gehalten, oft fünf Jahre und noch länger; sie dürfen weder Tag noch Nacht herauskommen, auch wenn sie krank werden sollten, ausgenommen einmal am Tage, um in einer Schüssel oder Holzschale, die dicht dabei steht, zu baden. Diese Käfige sind oft so klein, daß das Mädchen nur sitzen oder gekrümmt darin liegen kann (Abb. 122).
Auch im Bereiche von Deutsch-Neuguinea werden Mädchen, die das Reifealter besitzen, in strenger Abgeschlossenheit gehalten; während dieser Zeit müssen sie eine sorgfältige Tatauierung über sich ergehen lassen und werden von älteren Frauen in Dinge eingeweiht, die sich auf das Geschlechtsleben beziehen.
Das Durchbohren von Nase und Ohren ist für gewöhnlich kein Ereignis von feierlichem Charakter, nur vereinzelt, zum Beispiel bei den Mafulu, werden dabei bestimmte Vorschriften eingehalten, wie Absonderung, Speiseverbote und andere Entsagungen.
Sobald an den Knaben und Mädchen die Zeremonie der erlangten Reife vollzogen ist, sind sie heiratsfähig und können sich nach einem Lebensgefährten umsehen. Verschiedentlich wird die Ehe bereits frühzeitig eingegangen (Abb. 124); auf Neuguinea wurden Fälle beobachtet, in denen die jungen Männer nur vierzehn bis fünfzehn, die jungen Frauen erst neun bis zehn Jahre zählten.
Gelegentlich finden bei den Papua und auch anderwärts in der melanesischen Inselwelt Verlobungen der Kinder statt. Auf den Salomonen werden in Häuptlingsfamilien die Kinder sogar schon, bevor sie geboren sind, einander versprochen; die Abmachungen werden hier nicht von den Eltern, sondern von bestimmten Heiratsvermittlern geführt, die auch den Kaufpreis festlegen. Besondere Festlichkeiten finden bei diesen Kinderverlobungen im allgemeinen nicht statt. Die Koita veranstalten ein feierliches Familienkauen von Betelnüssen. Verschiedentlich wird ein Schmaus und ein Tanz veranstaltet. Auf den Neuhebriden muß bei der Verlobung einer Häuptlingstochter der kindliche Bräutigam, wenn er schon alt genug dazu ist, ein Drakänenblatt in das Auge einer jungen trinkbaren Kokosnuß stecken und letztere der Mutter des Mädchens überreichen, damit dieses daraus trinke. Auf einer anderen Insel dieser Gruppe bringt bei der Geburt eines weiblichen Kindes der Vater oder die Mutter eines Knaben diesen und ein mit Wasser angefülltes Bambusrohr in das Haus des Mädchens, das der Knabe wäscht, wodurch es seine Verlobte wird. Solche Kinderverlobungen sind unter Umständen so bindend, daß, als einmal in den Mafulubergen ein verlobter Knabe, lange bevor ein eheliches Verhältnis möglich war, starb, das Mädchen für seine Witwe angesehen wurde.
Abgesehen von solchen Kinderverlobungen wählen sich die jungen Melanesier meist ihre zukünftige Gattin aus freien Stücken. Findet zum Beispiel ein Papua der Astrolabebai an einem Mädchen Gefallen, so dreht er sich eine Zigarette, wobei er Haare von verschiedenen Stellen seines Körpers mit hineinwickelt, raucht diese zur Hälfte auf und übergibt den Rest seiner Mutter, auf daß sie diesen der Auserwählten bringe. Raucht das Mädchen die Zigarette nun auf, so ist dies ein Zeichen, daß sie die Werbung annimmt. In einer der Küstengegenden von Deutsch-Neuguinea schlägt ein junger Mann das Mädchen, das er heiraten möchte, leicht mit einem kleinen, geschnitzten, flachen Stück Holz auf die Wange; dies ist sein Heiratsantrag.
Um die Zuneigung der Mädchen zu gewinnen, wird von den jungen Leuten mancherlei Liebeszauber angewendet. Ein Jüngling der Koita versenkt bisweilen ein Stück Quarz in die Milch einer jungen Kokosnuß, reibt sich damit das Gesicht ein und denkt dabei scharf an das Mädchen, dessen Liebe er erwerben möchte. Auf einigen Inseln östlich von Neuguinea bereiten sich die jungen Leute einen sehr wirksamen Liebeszauber, indem sie die Rinde eines bestimmten Baumes zu Pulver zerreiben, dieses mit Kokosnußschnitzeln vermischen, die Mischung in ein Blatt rollen und das Ganze braten. Das Zaubermittel wird einfach in der Weise angewendet, daß der Saft dieses Gemengsels dem Mädchen, während es schläft, ins Gesicht gespritzt wird. Man glaubt dann, daß es sich innerhalb weniger Tage in den, der dieses Verfahren anwendet, heftig verlieben wird. Bei den Mafulu üben die jungen Burschen eine Art Sympathiezauber aus. Sie tragen in einer kleinen Tasche beständig Holz- oder Steinstückchen mit sich herum, damit diese den Geruch ihres Körpers annehmen, mischen, ehe sie sich dem Mädchen ihrer Wahl nähern, Tabak darunter und schicken diesen dann dem Mädchen zum Rauchen. Da der Besitzer eines solchen Mittels, dessen Wirksamkeit mit der Zeit zunehmen soll und außerdem noch durch die Kraft eines wirklichen Zauberers erhöht werden kann, es schwer zu ersetzen vermag, so trennt er sich unter keinen Umständen davon. Die Mafulu besitzen auch ein Mittel, um die Zukünftige zu entdecken. Ist ein Jüngling heiratslustig, weiß er aber nicht, woher er eine Frau nehmen soll, dann zündet er bei Windstille ein helles Feuer an und wartet ab, bis ein leiser Lufthauch die Flamme oder den Rauch nach einer bestimmten Richtung trägt; in dieser geht er auf die Suche nach einer Braut.
Verschiedentlich begegnen wir in Melanesien auch der Raubehe. Wenn ein Baininger (Neupommern) ein bestimmtes Mädchen zur Frau haben will, so veranlaßt er seine Bekannten, es für ihn zu rauben. Daher pflegen dort die Eltern vielfach ihre Töchter sorgfältig zu verbergen; das Heiraten ist für die jungen Leute somit nicht leicht gemacht. Glückt der Raub, so stellt sich zunächst ein feindschaftliches Verhältnis zwischen beiden Parteien ein, das aber bald wieder beigelegt wird. Entweicht das Mädchen den Entführern und läuft es zu den Eltern zurück, so pflegen sie, falls sie einverstanden sind, ihr Kind mit Geschenken dem Manne wieder zurückzuschicken, wofür dieser sich durch Gegengeschenke erkenntlich erweist. Im Innern Neuguineas ist der Brautraub bereits zu einer Formsache abgeschwächt. Ist der Jüngling nämlich mit seiner Erwählten einig, dann wird eine Entführung verabredet. Das glückliche Paar flieht zu einem befreundeten Stamme, bei dem es seine Flitterwochen verbringt, hierauf kehrt es wieder nach Hause zurück und die Heirat wird durch Erlegung des Kaufpreises eine rechtmäßige. Die Kaufehe ist die in Melanesien am meisten verbreitete Form. Der Vater des Bräutigams und seine Sippe zahlen den ausbedungenen Preis (Abb. 123 u. 127) meistens in Gestalt von Muschelgeld, an anderen Orten auch von Stoffen, Waffen, Goldsachen und Schmuckgegenständen an die Verwandten der Braut. Nach der Verlobung bleibt das junge Mädchen meistens noch im Hause der Eltern, bei anderen Stämmen wieder siedelt es zu den zukünftigen Schwiegereltern über und wartet hier so lange, bis der Bräutigam das neue Heim hergestellt hat. — Sehr strenge sind die Verhaltungsmaßregeln für die Braut bei den Sulka auf Neupommern. Sie muß dort im Hause der Schwiegereltern bis zur Hochzeit ganz zurückgezogen leben, was monatelang dauern kann. Am hinteren Ende der gemeinsamen Wohnhütte wird für sie durch Matten ein kleiner Raum abgetrennt, wo sie, nur von einer jungen Verwandten des Bräutigams, die ihr das Essen reicht, unterstützt, hausen muß, unter Befolgung strenger Verbotsvorschriften, die sich auf verschiedene Speisen, ebenso auf das Wasser, beziehen. Ihren Durst darf die Zurückgezogene nur durch Aussaugen von Zuckerrohr löschen, ihre Nahrung niemals mit dem Finger berühren, sondern nur mit einem Stäbchen aus einer Kokosblattrippe zum Munde führen. Sie darf ferner keinen Mann sehen und, wenn sie einmal auszugehen genötigt ist, muß sie mit einem langen, von den Schultern bis zu den Füßen reichenden Mantel aus Bananenblättern bekleidet oder mit einer Matte bedeckt sein und unterwegs durch Pfeifen sich bemerkbar machen, damit die Männer ihr beizeiten aus dem Weg gehen können. Schließlich werden ihr von Weibern, die der Bräutigam dafür durch einen Schmaus entlohnt, Verzierungen auf Brust, Rücken und Bauch teils mit Obsidiansplittern eingeritzt, teils mit glühenden Kokosblattrippen eingebrannt. Ein ähnlicher Brauch herrscht auf den Admiralitätsinseln, wo diese Verbannung gegen sechs Monate, und in gewissen Teilen Neumecklenburgs, wo sie sogar oft zehn bis zwanzig Monate andauert.
Die eigentliche Hochzeitszeremonie ist in Melanesien ganz verschiedenartig; an sehr vielen Orten verdient sie kaum diese Bezeichnung, da sich der ganze Vorgang nur auf die Auszahlung des Kaufpreises beschränkt. Bei den Bainingern tauschen die Verlobten einfach Betelnüsse aus, und die Ehe gilt für geschlossen. Bei den Gebirgsvölkern im Innern Neuguineas besteht die Zeremonie darin, daß sich sämtliche Beteiligten, einschließlich der beiden Elternpaare, an der Stirn blutig ritzen, zum Zeichen, daß die beiden jungen Leute nun zueinander gehören. Auf den Neuhebriden hält der Vater des Mädchens oder ein einflußreicher Freund vor den versammelten Gästen eine Rede, ermahnt darin den Bräutigam, seine Frau gut zu ernähren, sie freundlich zu behandeln, sowie nicht mürrisch gegen sie zu sein und überreicht ihm hierauf die Braut, die in einen neuen Grasrock gekleidet ist. Vorher hat der Jüngling einen Drakänenzweig in die Erde gesteckt und Schweine, Nahrungsmittel und Matten als Entgelt für die Braut herbeigebracht. Den Schluß bildet ein Festschmaus, bei dem sich der junge Ehemann voller Aufmerksamkeit gegen seinen Schwiegervater oder den Festredner erweist, indem er sie unter anderem zum Zeichen seines Dankes zärtlich streichelt.
In den Hochzeitszeremonien kehren verschiedentlich Anklänge an die Raubehe wieder. So umzingeln, um ein Beispiel anzuführen, im Rorogebiet (Britisch-Neuguinea) am Hochzeitstage eine Anzahl Freunde des Bräutigams das elterliche Haus des Mädchens und nehmen von ihm durch einen Scheinangriff unter viel Lärm und Toben Besitz. Das Mädchen entkommt dabei, wird aber verfolgt und wieder eingefangen, trotzdem es sich gegen seine Feinde mit Händen, Füßen und Zähnen verteidigt. Währenddessen spielt sich in seines Vaters Haus der Kampf weiter ab. Seine Mutter schlägt jeden leblosen Gegenstand ihrer Umgebung mit einer Keule oder einer Waffe und stößt dabei gegen die Räuber ihrer Tochter Flüche aus, schließlich bricht sie zusammen und verfällt ins Weinen, in das andere Frauen aus dem Dorf mit einstimmen. Ihre Klagen dauern drei Tage lang. Nachdem das Mädchen eingefangen ist, wird es in das väterliche Haus des Knaben geführt und auf die Verandaplattform gesetzt. Sobald der Jüngling sie ankommen sieht, läuft er seinerseits weg und versteckt sich, wird aber schleunigst von seinen Freunden wieder eingefangen, angemalt und geschmückt; dabei leistet er immer noch Widerstand. Endlich bringen sie ihn doch in das väterliche Haus, wo er sich neben das Mädchen setzen muß. Sodann wird die Ehe als vollzogen verkündet, aber das Paar nimmt nicht die geringste Notiz voneinander; es tut so, als ob es sich nicht kennt. Am nächsten Morgen muß der Vater des jungen Mannes eine Flut von Schimpfreden von dem Vater des jungen Mädchens über sich ergehen lassen, die ihr Ende nur durch ein Sühnegeschenk in Gestalt eines geschlachteten Hundes findet. Am Nachmittag wird die junge Frau von den Verwandten des jungen Mannes geschmückt, und das Paar wiederum auf derselben Plattform zusammengebracht. Auch jetzt ignoriert es einander wieder vollständig. Indessen bei der Wiederholung am dritten Tage kommt gewöhnlich eine Aussöhnung zustande. Das Mädchen reicht dem Jüngling Betel, dieser nimmt ihn und kaut ihn. Endlich kommt die Mutter des Mädchens, die sich bisher von allen diesen Zusammenkünften ferngehalten hat, und besucht ihre Tochter, über die sie weint und klagt, bis ein geschlachtetes Schwein ihr als Sühne angeboten wird. Der zweite Teil der Hochzeitszeremonie findet etwa drei bis acht Wochen später statt; vordem darf die Braut weder ihres Vaters Dorf besuchen, noch etwas von dorther essen. Auf die Einladung der Verwandten der jungen Frau hin wandern die Angehörigen des Mannes in das Dorf, in dem ihr Vater wohnt, und bringen sie, reich geschmückt an der Spitze des Zuges einhergehend, mit. Man trägt an einem Stock aufgehängte Schweine und wertvollen Federkopfputz (Abbild. 126); alles dieses erhält der Vater der jungen Frau. Hiernach wird ihr aller Schmuck abgenommen und ebenfalls ihrem Vater überreicht, der als Gegengabe an die Familie des jungen Mannes Fische und Bananen gibt. Diese nimmt sie ins Dorf mit und verteilt sie unter die Freunde, die zu dem Kaufpreis beigesteuert haben. Einige Tage später besucht das Paar wieder das Dorf der jungen Frau und erhält hier Geschenke. Man sieht, Geschenke und Festessen machen in der Hauptsache überall die Hochzeitsfeierlichkeiten aus, die nur hie und da ihre örtlichen Verschiedenheiten aufweisen. So wird auf den Torresstraßeninseln, wo übrigens die Hochzeit mit einer Entführung des Mädchens durch den Jüngling in der Nacht vorher ihre Einleitung erfährt, die Braut mit einem Rock nach dem anderen behängt, bis die Last sie so sehr beschwert, daß sie nicht mehr stehen kann, sondern von zwei Frauen aufrecht gehalten werden muß. Auf solche Weise schwer belastet, muß sie unter strenger Aufsicht einen Monat lang verharren, dann erst werden ihr die Röcke wieder abgenommen. Die weitere Feier liefert Stoff zu mancherlei Scherzen.
Wir schließen die Hochzeitszeremonien mit der Schilderung eines solchen Festes, das in einem Dorfe von Holländisch-Neuguinea vor sich ging. Es begann am Abend vorher mit dem Jammern der Frauen, die der Braut das Geleite aus ihrem Dorfe in das ihres Bräutigams gegeben hatten und nun den Verlust beklagten. Diese Klagen glichen vollkommen einem Klagelied bei einem Begräbnis. Jede Strophe setzte laut und in hoher Tonlage ein, ließ dann an Stärke nach und endete mit tiefen gedämpften Tönen. Die Stimmenzahl mehrte sich allmählich während der ganzen Nacht, und bis drei Uhr morgens war die Luft von den schrillen Tönen erfüllt. Bei Tagesanbruch, als die Braut sich fertig machte, um sich dem Brautzug anzuschließen, stieg der Lärm aufs höchste. Kaum war die Sonne aufgegangen, so setzte sich der Zug unter großem Andrang in Bewegung. Voran ging die mit Blumen und Schmucksachen im Haar reich gezierte und mit einem langen weißen Rindenrocke bekleidete Braut; sie hielt die Augen geschlossen und die Arme nach oben und etwas nach vorn ausgebreitet; an jeder Seite von ihr ging ein alter Mann, der sie am Oberarm zu führen schien, hinter ihnen folgten unter Wehklagen die Frauen ihres eigenen Dorfes, nach denen die Frauen aus dem Dorfe des Bräutigams kamen. Der Zug bewegte sich durch das Dorfgemeindehaus, dessen Fußboden ungefähr einen Meter höher lag als der Erdboden; die Braut mußte sich dabei vorwärts tasten, als sie den hinaufführenden schmalen Balken hinanschritt. Die Männer saßen umher und kümmerten sich anscheinend nicht um diesen Zug, an dem fast nur Frauen teilnahmen. Vor dem Hause des Häuptlings, dessen Sohn die Hochzeit feierte, gingen die Teilnehmer des Zuges auseinander; von weiteren Festlichkeiten merkte der Berichterstatter nichts.