Östlich und nördlich von dem Festlande Australien breitet sich in der Richtung nach Amerika zu eine aus unzähligen Eilanden bestehende Inselwelt aus, die man insgesamt als Ozeanien bezeichnet. Innerhalb ihrer Bevölkerung lassen sich zwei Typen unterscheiden, eine schwarze und eine braune Rasse; dementsprechend führen die Inseln, auf denen die erstere vertreten ist, die Bezeichnung „Melanesien“, das heißt schwarze Inseln; die übrigen, mit denen wir uns zuerst beschäftigen, werden „Polynesien“ und „Mikronesien“ genannt.
In der polynesischen Inselflur treffen wir dicht hinter Fidschi, wenn wir nach Osten fahren, zunächst die Tonga- und Samoagruppe, noch weiter östlich die Cookinseln, Tahiti mit seinen Eilanden, die Paumotu- und die Marquesasinseln und stoßen schließlich, in der gleichen Richtung weiter gehend, auf den am weitesten vorgeschobenen Posten, die Osterinsel. Fast ebenso einsam liegen im Norden die Hawaiinseln da, während in entgegengesetzter Richtung, nämlich nach Südwest, gleichfalls isoliert Neuseeland liegt, die größte der Inseln des Stillen Ozeans.
Nordwestlich von Polynesien und nördlich von Melanesien finden wir Mikronesien, das heißt die kleinen Inseln. Innerhalb dieses Archipels unterscheidet die Wissenschaft wieder einzelne Gruppen, die Karolinen mit den Palauinseln sowie den Marianen oder Ladronen, die Marshallinseln, die Gilbertinseln und die Ellice- (oder Lagunen-) Inseln. Mit Ausnahme der beiden letzten Gruppen ist Mikronesien deutscher Kolonialbesitz.
Die Bevölkerung Polynesiens ist am reinsten in den Samoanern vertreten, daher möchte ich diese auch als den polynesischen Typus hinstellen. Die Samoaner sind von hoher Statur — Körpergrößen von hundertachtzig Zentimeter und darüber sind bei der männlichen Bevölkerung keine Seltenheit —, sie haben eine durchweg schöne, ebenmäßige Gestalt, die besonders beim weiblichen Geschlecht, bei dem es trotz der kurzen dicken Beine wirkliche Schönheiten gibt, auffällt (Abb. 2 und 3). Sie besitzen eine hellbraune Hautfarbe, welliges oder fein gelocktes Haar von schwarzer bis braunschwarzer Farbe, kurzen Schädel, regelmäßiges Gesicht mit oft leichter Andeutung der Mongolenfalte, eine kleine, breite Stumpfnase mit kleinen, runden Nasenlöchern und etwas vorspringende Lippen. Im allgemeinen zeichnen sich die Polynesier durch eine Reihe guter Eigenschaften wie Rechtschaffenheit, Friedlichkeit, Gastfreundschaft, Ordnungsliebe, Reinlichkeits- und Schönheitssinn aus. Damit hängt auch die peinliche Sorgfalt zusammen, die sie der Pflege und Ausschmückung ihres Körpers, besonders auch des Kopfhaares, widmen.
Leider haben Kleidung und Schmuck der Polynesier seit der Entdeckung der Inseln infolge des sich mehr und mehr ausbreitenden europäischen Einflusses eine große Veränderung erfahren. Hier, wo die klimatischen Verhältnisse so äußerst günstig liegen, bedurfte der Körper kaum des Schutzes gegen die Witterung, in seiner Bekleidung nahm vielmehr ein schlichter und einfacher Schmuck die erste Stelle ein (siehe die Kunstbeilage). Tatauierungen — diese Schreibweise, die mit dem polynesischen Worte „tatau = kunstgerecht“ zusammenhängt, nicht die veranglisierte „Tätowierung“ ist die richtige — galten für den wichtigsten und vornehmsten Zierat; nichttatauiert zu sein war eine Schande. Daher nahm das Auftragen der Zeichnungen (Abb. 4 und 5) fast immer auch den Charakter einer religiösen Zeremonie an. Währenddessen stand der „Patient“ unter verschiedenen Verboten (Tabu), die sich an manchen Orten sogar noch auf andere Dorfbewohner ausdehnten. Der Vorgang spielte sich überall in fast der gleichen Weise ab. Als Werkzeug benutzte man einen Gegenstand, der einer kleinen Zimmermannsaxt glich; seine Schneide war aus Knochen hergestellt und am vorderen Ende mit einer Anzahl Zähne wie beim Kamm versehen. Jetzt bedient man sich auf Mikronesien der Stahlnadeln. Der Operateur, der das Tatauieren als Beruf ausführt und deswegen eine hochgeachtete Stellung einnimmt, zieht die Umrisse der Zeichnung auf den Körper und führt die Farbe ein, indem er mit einem kleinen Stabe auf das mit schwarzer Farbe getränkte Beilchen schlägt (Abb. 7). Die ganze Ausführung eines vollständigen Musters nimmt für gewöhnlich mehrere Monate in Anspruch infolge des bei der Operation entstehenden Schmerzes und der manchmal unerwartet hinzutretenden heftigen Entzündung. Während die Tatauierung vorgenommen wird, singt ein Mädchenchor Rituallieder, wovon, wie man in früheren Tagen glaubte, der Erfolg der Operation abhängig war. Auf den Marshallinseln pflegt man die Jünglinge immer gleichzeitig zu einer bestimmten Jahreszeit zusammen zu tatauieren, wofür eine besondere Hütte gebaut und den Göttern Speiseopfer dargebracht werden; denn die Gottheiten des Tatauierens nehmen in der heimischen Götterwelt einen sehr hohen Rang ein. Ein ausgedehnter Kultus wurde mit den Tatauierungen von den Maori auf Neuseeland getrieben; das dazu verwandte Werkzeug war nicht gezähnt, sondern besaß einen geraden Schneiderand; mit ihm wurden Rillen in die Haut geritzt, wodurch die Operation sich schmerzhafter gestaltete. Das ganze Gesicht wurde mit ineinandergreifenden Spiralen und Linien bedeckt, sogar bis auf die Lippen herab (Abb. 6), wo der Schmerz besonders heftig empfunden wurde. Das Tatauieren auf dieser Insel war das Vorrecht der regierenden Klasse; mit der Tatauierung waren für den Betreffenden strenge Tabu verknüpft. Seiner Person wurde während des Vorgangs eine so hohe, heilige Ehrfurcht entgegengebracht, daß er es nicht einmal wagte, selbst seine Nahrung zu sich zu nehmen aus Furcht, sie könnte ihm verhängnisvoll werden; daher wurde er von anderer Hand gefüttert. In einem besonderen mit Schnitzerei verzierten Holztrichter gab man ihm zu trinken. Die Tatauierungen der Häuptlinge spielten im ersten Verkehre zwischen Maori und Europäern eine interessante Rolle insofern, als in den uns hinterlassenen Papieren, die sich auf die Abtretung von Land beziehen, der Häuptling als Unterschrift einen Teil seines tatauierten Gesichtes hinzeichnete.
Ein eigentümliches Schmuckstück, das Tiki-Tiki der Maori, verdient besondere Erwähnung (Abb. 11). Es besteht aus einer kleinen merkwürdigen Figur aus Nephrit oder Jadeit, die für gewöhnlich von dem Familienoberhaupt um den Hals getragen wurde und den primitiven Ahnen vorstellen soll. Man vererbte es von Generation auf Generation als kostbares Familienstück, und daher gilt es noch heutigentags für die meisten Eingeborenen als unveräußerlich. — Die Marshallinsulaner dehnen die für die Aufnahme des Ohrschmucks angefertigten Löcher in ihren Ohren dermaßen aus, daß sie diese Ohrschlinge manchmal über den Kopf streifen können. Ein typischer Schmuck, den Eingeborene von hohem Rang auf Tonga, Samoa (und auch Fidschi) tragen, besteht in einer Halskette von Walfischzähnen (Abb. 8), die abgeschliffen und zu einem klauenartigen Gehänge aufgereiht sind, während der Maori aus guter Familie das Recht hat, als Haarschmuck die Feder des Huiavogels zu tragen (Abb. 10). — Ein sehr hübscher Zug der Ozeanier ist entschieden ihre große Vorliebe für Blumen als persönlichen Schmuck, wie wir dies besonders bei den Hawaiern und den Samoanern wie auch bei anderen Stämmen beobachten können, die sich täglich frische Kränze aus farbenprächtigen Blumen und, in früherer Zeit, leuchtend bunten Federn winden (Abb. 3 und 15).
Zu Halsketten werden vielfach auch Muscheln verwendet (Abb. 14), die entweder in ganzen Stücken oder, wie in Mikronesien üblich, in kleine Scheibchen geschnitten und auf ein Band aufgezogen werden. Die Herstellung der Scheibchen erfordert eine langwierige Arbeit; die Muschel wird in passende Stücke zerbrochen, von denen jedes mit einer Art primitiven Drillbohrers durchlöchert und bis auf einen zierlichen Kreis durch sorgfältiges Abschleifen verkleinert wird. Auf den Gilbertinseln trägt man mit Vorliebe Halsketten, die aus den Schneidezähnen eines verstorbenen Vorfahren hergestellt sind, und hält solchen Schmuck hoch in Ehren.
Die eigentliche Kleidung bestand in Polynesien vordem allgemein aus Matten und Tapastoffen (Abb. 8 und 13); beide werden noch jetzt bei Tänzen und zeremoniellen Veranstaltungen verwendet. Die Tapa (Abb. 2) ist eine Art Filz, der aus der Rinde des Papiermaulbeerbaums durch beständiges Klopfen, manchmal so dünn wie Papier, hergestellt wird. Was die moderne Kleidung anbetrifft, so pflegen die Männer ein Hüftentuch aus europäischem Stoff und eine Jacke zu tragen; Rock und Hosen finden jetzt mehr und mehr Aufnahme. Die Frauen dagegen sind mit einem Gewand, Holoku genannt, bekleidet, das lang herabfallend einem Nachthemd gleicht. Die frühere Bekleidung (Abb. 12) kommt aber noch bei Tänzen zum Vorschein. Abseits von den größeren Plätzen verzichten die Männer meistens auf das Obergewand. Leider ist die Einführung der europäischen Kleidung nicht von Vorteil gewesen, da sie den Körper der Eingeborenen verweichlichte und die Neigung für Erkältungskrankheiten erhöhte; Influenza und Lungenentzündung richteten seitdem viel Unheil unter ihnen an. Von den hochzivilisierten Tonganern, bei denen heute ein Frack kein ungewöhnlicher Anblick mehr ist, wird bei feierlichen Gelegenheiten oft über dem europäischen Kleid noch die primitive Matte getragen, die häufig genug durch ihr altertümliches, abgenutztes Aussehen zu dem modernen Kleidungsstück einen auffälligen Gegensatz bildet.
Auf Neuseeland wurde die Tapa niemals angefertigt, denn hier besaß man in dem einheimischen Flachs ein viel besseres Kleidermaterial. In früheren Tagen trugen beide Geschlechter daraus hergestellte Faltenröcke, dazu einen vielfach noch mit Federn geschmückten Schultermantel (Abb. 6 u. 10), der bei der Arbeit und beim Tanz abgelegt wurde. Das Weben von Stoffen, das hauptsächlich von den Weibern betrieben wurde, trug den Charakter einer heiligen Zeremonie; es wurde von besonderen Priestern gelehrt, und an die verschiedenen Stadien des Webens knüpften sich besondere Zaubersprüche. Außerdem mußten dabei die unvermeidlichen Tabu beobachtet werden, auf deren Vernachlässigung Strafen durch übernatürliche Wesen folgten. — In Mikronesien bestehen die Kleider, obgleich hier wohl an einigen Plätzen Tapa gewonnen wird, aus Blättern und Matten. Auf den Marshallinseln sieht man die alten Gewänder nur noch selten; sie bestehen beim Manne in einem Bastrock, eigentlich aus zwei durch ein Band miteinander verbundenen Büscheln mit langen Fransen; das Band kommt auf den Damm zu liegen, und die beiden Quasten werden vorn und hinten hochgenommen und durch einen Leibgürtel in dieser Lage festgehalten, über den sie nach vorn und hinten fallen, so daß die beiden Seiten des Oberschenkels und die Hüften unbedeckt bleiben und beim Gehen die Tatauierung an diesen Stellen sichtbar wird. Das Kleid der Frauen setzt sich aus zwei Matten zusammen, die hinten und vorn getragen werden. — Auf den Gilbertinseln verhält sich die Art der Bekleidung gerade umgekehrt; die Männer tragen hier Matten, die Frauen aber faltenreiche Röcke aus Pandanusblättern (Abb. 13). Auf den Karolinen dagegen, wo bereits der Webstuhl in die Erscheinung tritt, besteht die Männerkleidung in prächtig gewebten Gürteln aus Pflanzenfasern und für zeremonielle Zwecke in einem kurzen Rock aus schmal geschnittenen und oft strahlend gelb gefärbten, sorgfältig gekräuselten Kokosblättern. Die Nationaltracht der Frauen ist ein weiter, aus Borte gewebter Rock, der von der Taille bis auf die Knie reicht. — Eine besondere, auf den Gilbertinseln bestehende Sitte, die sich auf die Toilette bezieht, mag noch hervorgehoben werden. Hier sammeln die Frauen am Riff einen Wurm, der eine große Menge Jod enthält, und verreiben ihn auf ihrem Körper, wodurch diesem ein Duft mitgeteilt wird, der ihre Anziehungskraft sehr steigert.
Eine seltsame Rüstung trifft man auf den Gilbertinseln an. Sie besteht in einem aus Kokosfasern dicht geknüpften Beinkleid und einem Panzer aus dem gleichen Material, der auf der Rückseite einen sich fächerartig hinter dem Kopf erhebenden Nackenschutz besitzt und vorn noch eine Brustplatte oder einen Gürtel aus der hornartigen Haut des Stachelrochens trägt; dazu kommt ein Helm aus der Haut des Igelballonfisches und Handwaffen (Speere und Dolche), die auf beiden Seiten dicht mit Haifischzähnen besetzt sind (Abb. 16 und 18).
Eine hundertjährige Berührung mit den Europäern hat fast alle ursprünglichen Gebräuche und Sitten der Polynesier zerstört; nicht zum mindesten hat dazu ihre Bekehrung zum Christentum beigetragen. Da beinahe alle ihre Gebräuche und besonders ihre politischen Einrichtungen auf ihrer alten Religion aufgebaut waren, so hat das Aufhören der letzteren das Verschwinden der ersteren, wenigstens zum größten Teile, zur Folge gehabt. Mit Mikronesien ist es in dieser Hinsicht weniger schlecht bestellt; wir finden dort noch viele Überreste der ursprünglichen Lebensweise, und obgleich das Christentum hier ebenfalls bedeutende Fortschritte zu verzeichnen hat, so können wir doch noch den Spuren des alten Glaubens, besonders auf den entfernteren Inseln, vielfach begegnen.
Der Aberglauben der Polynesier setzt bereits vor der Geburt des Kindes ein. Das erste Anzeichen der Schwangerschaft wird auf Samoa mit einem kleinen Fest gefeiert. Auf den Gilbertinseln wird damit, wenn es die erste Schwangerschaft ist, eine umständliche Zeremonie verbunden. Gegen Ende des zweiten Monats wird von einer alten weisen Frau aus den Schalen von ungefähr fünfzig Kokosnüssen eine Pyramide aufgebaut und in deren Spitze das Herzblatt einer Kokospalme gesteckt. Darauf heißt sie die Schwangere sich auf einer Matte daneben setzen, nimmt von einem dazu besonders bereiteten Brote aus Taroknollen und Kokosnußkernen ein ungefähr einen Fuß langes Stück, rollt es zwischen den Händen, berührt damit die angehende Mutter an verschiedenen Körperstellen und murmelt gleichzeitig Gebete an die Göttin Eibong des Inhaltes, daß das zu erwartende Kind schön und wohlgestaltet ankäme und, wenn es ein Knabe sei, dieser später die Liebe und Zuneigung junger Mädchen gewinne, oder, wenn es ein Mädchen sein sollte, dieses die Liebe eines reichen Mannes oder eines tapferen Kriegers finden möge. Darauf bricht sie ein Stück von dem Gebäck ab, reicht es der jungen Frau und den Rest dem jungen Ehemanne zum essen. Bis zum Morgen am vierten Tage schläft die Alte dann mit der Schwangeren jede Nacht neben der Kokospyramide. Jetzt melden sich Adoptiveltern für das Kind, da es Sitte ist, dieses nach Beendigung der Säugezeit anderen Eltern zu übergeben. Am Ende des dritten Monats begibt sich das junge Paar mit seinen Verwandten und der weisen Frau an einen unbewohnten Ort. Letztere stellt hier Speisen und Getränke unter einem Baum auf, um den der Adoptivvater des Gatten der Schwangeren mit ihr dreimal herumgeht; dann nehmen beide unter dem Baume Platz und werden von der alten Frau mit Speise versorgt. Hieran schließt sich ein allgemeiner Schmaus mit Tanz und Gesang. Am Schluß des vierten Monats endlich geht die Alte mit der Schwangeren und dem Adoptivvater ihres Mannes zu einem Kreuzwege. Hier nimmt sie der jungen Frau die Bekleidung ab und verbrennt sie. Dafür legt sie ihr eine neue um die Hüfte, die der Schwiegervater mitgebracht hat. Gleichzeitig wird ihr gesagt, daß sie mit dem Ablegen des Kleides ihrer Kindheit nun zu den Frauen gerechnet werde, und daß sie ihrem Manne sich recht angenehm erweisen und vor allen Dingen ihm treu bleiben müsse. Hierauf gehen sie nach Hause, wo wiederum ein Schmaus mit den Verwandten stattfindet. Außerdem läßt sich die Schwangere von dem Augenblick an, in dem sie sich guter Hoffnung fühlt, ihr bis dahin kahl geschorenes Kopfhaar wachsen und schneidet es erst wieder ab, wenn das Kind ungefähr ein Jahr alt geworden ist.
Auf der Insel Jap (Karolinen) stellt die Schwangere, wenn sie die ersten Anzeichen ihres Zustandes verspürt, den Geschlechtsverkehr mit ihrem Manne ein und hält diese Enthaltsamkeit auch noch acht bis zehn Monate nach der Niederkunft inne. Der Mann entschädigt sich inzwischen in seinem Klubhaus, wo er sich eine oder mehrere Liebsten hält. Auch auf den Gilbertinseln lebt der Ehemann während der Schwangerschaft mit einer anderen Frau in seinem eigenen Hause weiter, während die Gattin sich in das Haus von Verwandten begibt.
Verschiedentlich bestehen für die Schwangere auch sonstige Verbote. Auf den Karolinen hat sie mehrere Arten von Kokosnüssen und Brotfrüchte zu vermeiden und darf nur Kokosmilch als Getränk zu sich nehmen. Auf Samoa glaubten die Eingeborenen, daß das Übertreten der bestehenden Vorschriften sich damit rächt, daß das Neugeborene mit einem schwarzen Mal auf die Welt kommt, wodurch die Sünde der Mutter offenbar wird, und zwar soll dieses Kainsabzeichen in seinem Aussehen dem Gegenstand entsprechen, an dem die Mutter gesündigt hatte. So wurde einmal behauptet, daß ein solches Mal dem Leberlappen eines Schweines gleiche, den die Schwangere heimlich entwendet und gegessen hätte, ein anderes Mal, daß es einem Hühnerkopfe ähnlich wäre, weil sie sich mit einer Nachbarin um das Eigentum einer brütenden Henne gestritten hätte, und anderes mehr.
Auf der Insel Nauru wurden in den Häuptlingsfamilien ähnliche strenge Verbote peinlich genau beobachtet. Es durften zum Beispiel keine Kokosnüsse berührt werden, die in einem Umkreise von dreißig Meter um die Hütte herabfielen. Die Schwangere durfte keine Speise essen, die der Mann oder die Eltern schon berührt hatten; vom fünften Monat an durfte im Hause kein Nagel eingeschlagen, überhaupt kein Geräusch gemacht und nichts von der Wand genommen werden, bis das Kind geboren war. Wir sehen hier bereits, daß sich die Verbote auch auf den Mann erstrecken. Auf der Insel Jap darf er vom vierten Monat der Schwangerschaft an keine Bananen oder abgefallene Kokosnüsse essen, keine Bäume fällen, weil sonst die Glieder des Kindes brechen oder es eine Wolfsscharte bekommen könnte, keine Scholle verzehren, weil es dann kraftlos würde, ebensowenig Schildkrötenfleisch, weil es sonst ohne Finger geboren würde, keine Krabben oder gesprenkelte Fische essen, weil es sonst ebenfalls gesprenkelt zur Welt käme, keinen Bindfaden drehen, weil sich sonst die Nabelschnur um den Hals legen könnte, kein Haus einreißen, weil sonst Abort eintreten würde, und anderes mehr. — Fruchtabtreibung ist über ganz Polynesien eine sehr verbreitete Unsitte; vielfach ist sie an Stelle des früheren Kindsmordes getreten. Für die Einleitung des künstlichen Abortes sind mancherlei Beweggründe maßgebend, einmal die Abneigung gegen eine zahlreiche Familie, entweder weil die Frau fürchtet, wegen ihrer vielen Kinder dem Gespötte der Nachbarinnen zum Opfer zu fallen, oder weil sie Angst hat, daß sie dadurch bald verwelke und altere, oder auch weil sie sich wegen vermeintlicher Untreue ihres Mannes an ihm rächen will, zum anderen auch aus Angst, es könnten durch eine große Familie Nahrungsschwierigkeiten entstehen, schließlich bei Unverheirateten auch aus Scham vor der Schande. Die Abtreibung wird meistens von Frauen vorgenommen, die dies als Gewerbe betreiben und sich dadurch einen guten Verdienst sichern. Die Methoden, die sie anwenden, bestehen entweder in dem Eingeben gewisser Speisen oder Tränke, oder man bedient sich auch vielfach rein mechanischer Hilfsmittel, die allerdings äußerst primitiv und roh sind. — Meistens zieht sich die Schwangere kurz vor der Geburt von der Familie zurück; vielfach wird für sie eigens eine kleine Hütte errichtet, die manchmal ganz primitiver Natur ist, so daß die Wöchnerin und auch ihr Kind den Unbilden der Witterung ausgesetzt sind. Diese Absonderung hängt mit dem Glauben zusammen, daß niederkommende Frauen unrein sind. Auf Neuseeland gilt nicht nur ihre Person, sondern alles, was mit ihnen in Berührung kommt, als unrein. Auf Samoa zieht sich die Schwangere bereits im achten bis neunten Monat in das elterliche Haus zurück, ebenso auf den Gilbertinseln in das der Pflegeeltern, die das zu erwartende Kind adoptieren wollen, oder sie bleibt vorläufig noch in ihrem eigenen, siedelt dann aber in das Haus der Adoptiveltern über. Gegenüber dieser Absonderung fällt es auf, daß einige Beobachter angeben, daß die Gebärende öffentlich vor allen Dorfbewohnern niederkommt, so daß diese den ganzen Vorgang genau mitansehen können, so zum Beispiel auf Neuseeland und Hawai. Meistens vollzieht sich die Niederkunft ohne Mithilfe anderer, aber auf einzelnen Inseln sind Frauen dabei behilflich. So stehen bei den Maori die Großmutter mütterlicherseits oder in ihrer Behinderung die Großmutter väterlicherseits, auf Samoa zwei weise Frauen der Gebärenden bei; auch auf Fidschi üben Weiber schon berufsmäßig Geburtshilfe aus. Manchmal assistiert auch der Ehemann.
Die Nabelschnur wird meistens von der Mutter selbst mittels eines Bambusspans, eines scharfen Steines oder einer Muschelschale abgetrennt; an anderen Orten tun dies die Helferinnen oder auch der Mann. Vielfach wird der Nabelstrang auch mit den Zähnen durchbissen. Auf den Marquesasinseln ist es bei der Geburt von Häuptlingskindern sogar vorgeschrieben, daß die Großmutter die Nabelschnur mit ihren Zähnen abbeißt. Dieser mangelhaften Behandlung ist das überaus häufige Vorkommen von Nabelschnurbrüchen unter der polynesischen Bevölkerung zuzuschreiben. An die Abnabelung des Kindes knüpfen sich verschiedene Zeremonien. Auf Samoa schlägt man die Nabelschnur bei einem Knaben mit einer Keule durch, um anzudeuten, daß er ein tüchtiger Krieger werden solle, bei einem Mädchen trennt man sie mit einem Messer auf einem Brette ab, auf dem die Tapa geklopft wird, mit dem Wunsche, daß aus dem Kinde eine tüchtige Hausfrau werden soll; Kriegskeule und Tapabrett versinnbildlichen die Hauptbeschäftigung der beiden Geschlechter. Auf den Fidschiinseln dürfen die Nachbarn aus dem Hause, in dem ein Kind geboren wurde, vier Tage lang kein Feuer holen, weil sonst der Wundverlauf am Nabel ein ungünstiger sein würde. Auf Viti Lewu sendet ein Priester an dem Tage, an dem der Abfall der Nabelschnur zu erwarten steht, Gebete zu den Göttern, um Gesundheit und langes Leben für das Kind herabzuflehen, und segnet die Speisen, die ihm gereicht werden. Auf Neuseeland wird der abgefallene Rest der Nabelschnur in der Muschel, mit der sie abgeschnitten wurde, in fließendes Wasser gelegt; schwimmt diese mit ihrem Inhalte weiter, dann ist dies eine gute Vorbedeutung dafür, daß das Kind glücklich werden wird, sinkt sie dagegen unter, so heißt es, daß es früh sterben oder ihm sonst ein Unglück zustoßen wird.
Über Zwillinge bestehen manche abergläubische Vorstellungen. Sind sie ungleichen Geschlechtes, so wird auf Nauru das männliche Kind getötet, weil man annimmt, daß beide im Mutterleibe, weil verschiedenen Geschlechtes, miteinander Unzucht getrieben haben, was für ein schweres Verbrechen gilt. Auf Jap wird von Zwillingen der eine an den Bruder des Vaters oder in Ermangelung eines solchen an einen anderen nahen Verwandten fortgegeben, aus Furcht, es könnte sonst eins der Kinder sterben. Das aus dem Haus gegebene Kind bleibt Eigentum dessen, der es bekommen hat, und darf, im Falle das andere stirbt, nicht zurückgefordert werden.
Sogleich nach der Niederkunft pflegt die Wöchnerin, um auf diese nunmehr wieder zurückzukommen, ein Bad in der See oder einem nahen Flusse — auf größeren Inseln wird die Gebärhütte bereits in der Nähe eines solchen angelegt — zu nehmen und gleichzeitig auch ihr Kleines, das sie selbst säugt (Abb. 17), zu baden. Weiter muß sie meistens auch noch längere oder kürzere Zeit in ihrer Hütte in voller Abgeschlossenheit von den Männern zubringen. Auf Tahiti erstreckte sich diese Abschließung bis zu drei Monaten für die wohlhabenderen Wöchnerinnen. Während dieser Zeit mußten sie gefüttert werden; der Vater hatte stets ungehinderten Zutritt, die übrigen Verwandten durften nur die Hütte betreten, wenn sie ihre Kleider abgelegt hatten. Alles, was das Kind, besonders mit seinem Kopf, berührte, wurde sein Eigentum. Nach Ablauf dieser Periode brachten die Ärmeren Reinigungsopfer dar, die Reichen hingegen veranstalteten ein großes Fest, Oroa genannt. Auf den Palauinseln bleibt der Gatte von seiner Frau zehn Monate lang streng geschieden; er hält sich im Junggesellenhaus auf und darf seine Wohnung nur, um das Essen einzunehmen, betreten.
Auf den Marianen verteilt man unter die bei der Geburt Beteiligten Reis und Fische; zum Ausdruck der Hochachtung für den Vater bestreut man den Weg, den er zum ersten Male nach der Geburt seines Kindes beging, mit Reis. Auf der Insel Truk (Karolinen) pflegt der Vater bei diesem freudigen Ereignis sich wohlriechende Kräuter an den Gürtel zu stecken und beim Ausgang die Lanze mit der Spitze nach unten zu halten, weil ihm sonst die Seele des Kindes nachfolgen könnte. Auf Nauru führen die jungen Leute nach der Geburt eines Kindes zum Zeichen ihrer Freude einen Ringkampf auf. Bei den Maori Neuseelands ist das Neugeborene tabu und darf von niemand berührt werden, bevor es nicht von diesem Banne erlöst worden ist. Dies geschieht in der Weise, daß der Vater auf einem kleinen Feuer etwas Tarowurzel röstet, das Kind in den Arm nimmt, dessen Körper an verschiedenen Stellen damit berührt und sodann die Wurzel ißt. Doch ist damit die Befreiung von dem Tabu noch nicht erreicht, denn am andern Morgen kommt die älteste Verwandte des Kindes mütterlicherseits und nimmt die gleiche Zeremonie an dem Vater selbst vor. Erst wenn diese beiden Handlungen (Tautane und Reahine genannt) vorüber sind, ist das Kind von seinem Tabu befreit und erhält seinen Namen.
Die Namensgebung erfolgt in Polynesien meistens bald nach der Geburt und wird vielfach von Festlichkeiten (Tänzen, Wettkämpfen und Gelagen) begleitet. Auf der Insel Jap mußte die Schwester des Vaters diesen nach dem gewünschten Namen des neugeborenen Kindes fragen und ihn dann der Mutter mitteilen; auf Nauru wählte eine alte Verwandte den Namen aus und auf Rotuma sogar der Häuptling. Bei den Maori ging die Namensgebung mit besonderen Feierlichkeiten in Gegenwart der Eltern und Verwandten vor sich. Ein Priester tauchte einen grünen Zweig ins Wasser und besprengte damit das Haupt des Kindes, wobei er geheimnisvolle Wünsche murmelte; die Mutter durfte bei der Besprengung nicht zusehen.
Meistens wird das Kind von der jungen Mutter gesäugt. Auf Fidschi glaubte man früher, daß eine andere Milch als die der eigenen Mutter dem Kinde sicher den Tod bringe; ja, man trieb diese Vorsicht so weit, daß die Mutter, wenn sie aufs Feld ging, für den Säugling eigene Milch in einem Bambusröhrchen hinterließ. Früher war langdauerndes Säugen der Kinder sehr verbreitet; besonders auf den Karolinen betrachteten die Frauen es für eine Ehrenpflicht, ihre Kleinen jahrelang, oft bis zum zehnten Lebensjahre zu säugen; auf Samoa sah ein Beobachter einmal eine Mutter sogar drei aufeinanderfolgenden Kindern zu gleicher Zeit abwechselnd die Brust reichen und auf den Marianen ein anderer einen sechsjährigen Jungen abwechselnd aus der Mutterbrust trinken und aus einer Tabakspfeife einen Zug tun. Natürlich wird neben der Muttermilch überall den Kleinen auch andere Nahrung verabreicht, die die Mutter ihnen meistens vorkaut, wie zum Beispiel Kokosnüsse, Bananen, Taro und anderes mehr.
Auf Samoa wird der Beginn jedes neuen Lebensabschnittes des Kindes durch Feste gefeiert. Sobald es sitzen kann, gibt dies zu einem Feste Anlaß; seine ersten Kriechversuche ebenfalls; wenn es zum ersten Male steht, wird dies wiederum durch ein Fest gefeiert, und so geht es weiter. Wenn die Knaben größer geworden sind, helfen sie meistens ihren Vätern beim Fischen oder auf den Plantagen, während die heranwachsenden Mädchen am Riff Nahrung suchen, Wasser aus der Quelle holen oder sich mit der Anfertigung von Tapa und Matten beschäftigen. Auf Samoa umfaßt der Unterricht der Knaben auch die Ausbildung im Kochen, denn man hält es für richtig, daß auch ein Mann sich darauf versteht, eine Speise zuzubereiten.
Die sittlichen Verhältnisse der Polynesier werden von den Forschungsreisenden verschieden beurteilt, und es scheinen in der Tat zwischen den einzelnen Inselgruppen in dieser Hinsicht Unterschiede zu bestehen. Vielfach in Polynesien und fast überall in Mikronesien herrscht für die jungen Leute beiderlei Geschlechts bis zur Ehe vollständige geschlechtliche Freiheit. Die unverheirateten Männer leben in ihren Junggesellenhäusern zusammen und führen hier längere oder kürzere Zeit ein freies Liebesleben mit den jungen Mädchen, gelegentlich auch mit Frauen. Diese Weiber, auf den Karolinen Armengol (Dirnen) genannt, sind meistens aus anderen Dörfern geraubt worden, manchmal nur scheinbar, denn vorher wurde ein Einverständnis mit ihren Eltern erzielt, oder sie liefen freiwillig den Junggesellenhäusern zu. Sie bilden hier das Gemeinschaftsgut der Männer, sowohl der ledigen wie der verheirateten. Auf den Karolinen erhalten die Mädchen für diesen Liebesdienst Geld, das sie sich sammeln und in die Heimat zuruckbringen, wo es vielfach der Häuptling sich aneignet und verteilt. Auf den Marshallinseln besteht auch die gastliche Prostitution; ein Mädchen wird im Männerhause dem Fremden überlassen, der sich durch kleine Geschenke dafür erkenntlich zeigt; diese fallen dem Häuptlinge zu. Auf den Palauinseln läuft die Ehefrau, wenn ihr Mann sie schlecht behandelt, in das Junggesellenhaus; hier muß dieser sie dann durch Geld loskaufen; gibt er kein Geld für sie, so verliert er das Anrecht auf seine Gattin, und sie bleibt so lange im Junggesellenhaus, bis ein wohlhabender Eingeborener sie auslöst. — Homosexuelle Neigungen wurden auch unter den Polynesiern beobachtet; besonders unter der Bevölkerung Tahitis kamen sie häufiger vor, bei den sogenannten Mahus, die in Kleidung und Gebärden die Weiber nachahmten, unter ihnen lebten, weibliche Arbeiten verrichteten und mit Männern geschlechtlich verkehrten.
Die Brautwerbung der jungen Leute bietet im allgemeinen nichts Charakteristisches; sie pflegte meistens als ein einfaches Geschäft und für gewöhnlich ohne jegliche Umschweife von den beiden Hauptbeteiligten betrieben zu werden. Jedoch ist gelegentlich auch wirkliche Herzensneigung dabei im Spiele. Von den Samoanern zum Beispiel erzählt Kubary eingehende Einzelheiten über das Liebeswerben des Jünglings um seine Auserkorene und die Liebesneigung der letzteren zu ihm. Küsse werden unter den Liebenden nicht ausgetauscht, wie wohl nirgends bei den Naturvölkern, aber die moderne Kultur hat auch schon verschiedentlich diese europäische Gewohnheit nach dem fernen Osten verpflanzt. Dagegen ist unter den Maori zwischen Freunden, Verwandten und Liebenden das Aneinanderdrücken der Nasen eine allgemein übliche Liebesbezeigung (Abb. 20).
Eine gewisse Formalität wird von den Samoanern bei der Werbung beobachtet, zumal, wenn es sich um Leute von Rang handelt. Will zum Beispiel ein Häuptlingssohn auf Samoa eine Taupu des benachbarten Dorfes heiraten, so macht eine dazu aus den Verwandten des jungen Mannes erwählte Abordnung ihrem Vater einen unverbindlichen Besuch, um das Mädchen in Augenschein zu nehmen. Sind sie mit der Wahl zufrieden, so macht eine größere Gesandtschaft einen feierlicheren Besuch und bringt Geschenke in Gestalt von Schweinen und Taro mit. Nimmt sie der Vater des Mädchens an und zeigt dieses selbst keinen Widerstand, dann gilt die Angelegenheit als erledigt, und man kann nun an die Vorbereitungen zur Hochzeit gehen. Schlägt dagegen der Vater die Geschenke aus, ist aber das Mädchen nicht abgeneigt, dann wird eine zweite Gesandtschaft abgeschickt, die sich aus einflußreicheren Personen zusammensetzt und zu ihren Mitgliedern auch den jungen Bewerber zählt. Sollte auch diese zweite Mission nichts ausrichten, so kann nur noch der Häuptling in eigener Person, von seinem ganzen Gefolge begleitet, anfragen. Dieser Schritt wird indessen nur dort unternommen, wo der Häuptling und seine Untertanen diese Verbindung durchaus wollen. Dieses Mal muß der Vater des Mädchens nachgeben. Die Verwandten des Bräutigams bereiten eine Menge Geschenke, aus Sachen bestehend, die die Männer angefertigt haben, für die Verwandten der Braut vor, diese selbst aber erhält von ihrer Familie eine große Aussteuer in Gestalt von Stoffen und der sehr geschätzten und hübsch geflochtenen Matten. Nach dem Austausch der Geschenke und einem großen Schmaus geht der Bräutigam mit der Braut in sein Dorf zurück. Seine Hütte ist meistens auf einer Plattform aus Steinen gegenüber dem Schlafraum des Häuptlings durch einen Knappen seines Vaters erbaut worden, wofür ersterer als Entgelt einen Anteil an den schönen Aussteuermatten erhält. Letztere werden in der Tat unter die Einwohner des Dorfes, namentlich unter die Knappen des Häuptlings, die eine privilegierte Kaste bilden, verteilt.
Die Hochzeitsgebräuche sind seit der Einführung des Christentums so ziemlich in Vergessenheit geraten. Zwar lag ihnen überhaupt keine ernstere Bedeutung zugrunde, zumal die Eheschließung früher lediglich ein Zivilvertrag war und daher religiöser Riten entbehrte. Bemerkenswert war auf Samoa und Tonga ein Brauch, bei dem die Unschuld einer Braut von hohem Rang öffentlich auf die Probe gestellt wurde; heutzutage ist er in Vergessenheit geraten. — In Mikronesien spielt sich die Hochzeit etwas feierlicher ab. Auf den Karolinen zum Beispiel führt der Bräutigam das Mädchen seiner Wahl in sein Haus; dort wird sie offiziell von der Schwiegermutter anerkannt, die ihr den Rücken mit Kokosnußöl einreibt. Darauf bekommt sie eine Kranzkrone aufgesetzt, und das Festessen beginnt.
Auf den Gilbertinseln sind die Männer sehr eifersüchtig; die Eingeborenen wagen daher kaum, mit einer jungen Frau zu sprechen, weil sonst der Gatte leicht zu Gewalttätigkeiten gereizt wird. Ein großer Prozentsatz der Leute trägt die Spuren solcher Reibereien in Gestalt von Narben an sich, die ihnen von dem eifersüchtigen Gatten mittels der üblichen Waffen aus Haifischzähnen beigebracht wurden. Recht drollig ist der Ursprung der Sitte, daß ein Mann, der auf dem Palmbaum mit der Palmweinernte beschäftigt ist, laut singen muß. Bei einer Gelegenheit glaubte einmal ein Häuptling von einem Manne, der in dieser Weise beschäftigt war, annehmen zu dürfen, daß er sich in dem Baumgipfel versteckt habe, um die in der Nähe badenden Frauen des Häuptlings zu sehen; er erschoß ihn daraufhin kurz und bündig. Daher beweisen die Eingeborenen ihre bona fides in der Weise, daß sie so viel wie möglich Lärm machen, wenn sie oben in der Baumkrone beschäftigt sind. — Bei den Gilbertinsulanern besteht auch das Recht, daß ein Mann, der die älteste von mehreren Schwestern geheiratet hat, noch die übrigen als Frauen nehmen darf, vorausgesetzt, daß er dazu Lust hat und sich diesen Luxus zu leisten vermag. Anderseits darf kein anderer diese Schwestern ohne seine Erlaubnis heiraten.