Phot. D. A. Ahuja.
Abb. 437. Birmanenjunge beim Rauchen.

Die birmanische Heirat ist eine rein bürgerliche Zeremonie, nur das Öffentliche dabei macht sie bindend. Nachdem im Elternhause das Brautgemach hergerichtet worden ist, werden alle Verwandten und Freunde zu einem großen Feste eingeladen, bei dem die eigentliche Trauung nur eine unbedeutende Rolle spielt. Sobald ein Astrolog den Augenblick für günstig erklärt hat, legt das Paar seine Hände flach aneinander und steckt sich gegenseitig Reiskörner aus einer Schüssel in den Mund. Damit ist der Zeremonie Genüge geleistet. Viel wichtiger ist noch die Übergabe des bei der Verlobung ausbedungenen Geldes und der Geschenke durch die Eltern des Bräutigams.

Auf dem Lande herrscht noch der Brauch, daß Junggesellen in der Hochzeitsnacht Steine auf das Dach der Neuvermählten werfen. Diese Sitte, von der man sich durch ein paar Rupien loskaufen kann, scheint nicht unflätigen Motiven entsprungen zu sein, sondern ihre Entstehung der folgenden Sage zu verdanken. Zu Anfang der Welt hatte es fünf Männer und nur vier Frauen gegeben; als sie sich nun zu Paaren zusammengeschlossen hatten, konnte der übrig bleibende Junggeselle seinen Groll und seine Gefühle nicht meistern und hatte in der Nacht seinem Unwillen in der geschilderten Weise Ausdruck gegeben.

Phot. P. Klier.
Abb. 438. Unterricht der in den Mönchorden Neuaufgenommenen.

Bei den weniger zivilisierten Birmanenstämmen dagegen trifft man vielfach noch umfangreiche Ehezeremonien an, sie sind hier überall stark mit Brahmanismus durchsetzt. Schon bei den Schan ist dies der Fall, noch mehr aber bei den Katschin. Bei den Katschin wird das Hochzeitsfest damit eingeleitet, daß man Hühner, Schweine, selbst Ochsen oder Büffel schlachtet, den Hausgeistern Opfer darbringt und ihnen unter Gesang und Gebeten für das Wohl der zukünftigen Eheleute die Braut vorstellt. Darauf bereitet man vor dem Hause einen Kamphan vor, das heißt man steckt in einer Länge von etwa hundertfünfzig Zentimetern Bündel von Halmen in die Erde und legt in der Mitte dieser Reihe ein Brett über den Boden. Gegen Mittag erscheinen nun einige Matronen, die noch einen Gatten am Leben haben und eine zahlreiche Kinderschar besitzen, mit einem Gefäß voll Branntwein und einem zweiten voll Bier bei dem Lakya Wa, einem angesehenen Dorfbewohner, zu dem die Braut am Vorabend gebracht wurde, geben ihr davon zu trinken und holen sie ab. Zwei Ehrenjungfrauen folgen ihr, die eine mit Zeremonialhellebarden auf der Schulter, die andere mit Säbeln und anderen Geschenken in ihrem Tragkorb. Sobald man sie ankommen sieht, opfert man beim Kamphan zweien Geistern Hühner, oft auch ein ganzes Schwein und spritzt Blut umher. Sodann führt eine der Matronen die Braut an der Hand mitten durch den Kamphan, dadurch wird sie gereinigt und für die Zukunft von den Hausgeistern, die ihr folgten, befreit. Gleitet sie auf der Planke beim Überschreiten aber aus, dann gilt dies für eine böse Vorbedeutung (kurzes Leben); bleibt ihr Kleid von den Blutspritzern frei, dann glaubt man, daß sie lange leben und eine große Nachkommenschaft haben wird. Nun wird die Braut auf einer neuen Treppe ins Haus geführt; besteigt sie diese mit dem rechten Fuß, dann bekommt sie als erstes Kind einen Knaben, im anderen Falle ein Mädchen. An der Schwelle empfängt sie die Schwiegermutter und legt ihr ein silbernes Halsband als Zeichen der Aufnahme um; im Zimmer der Schwiegereltern legt die Braut die Geschenke nieder, die ihre Brautjungfern mitbrachten, und wird dem Gatten zugeführt, den sie oft jetzt erst zum ersten Male erblickt. Man läßt beide sich auf eine Matte niedersetzen, gibt ihnen Branntwein zu trinken und von einem Stück Tabak zu kauen. Darauf verteilen die junge Frau und die Ehrenjungfrauen an alle Teilnehmer zahlreiche Prims, die die Eltern des Gatten geliefert hatten, und gehen an den Brunnen, wo sich die junge Frau von etwaigen Sünden, die ihr anhaften, reinigt und Wasser schöpft, das sie am Abend beim Zeigen ihrer Kochkünste verwertet. Inzwischen haben einige Mundschenken Bier oder Branntwein herumgereicht und die Köche das Fleisch der Opfertiere und Reis zu Gerichten gekocht, die von den Anwesenden genossen werden. Die Freunde der Familie veranstalten eine Sammlung zur Deckung der Unkosten. Die Eltern der jungen Frau nehmen nicht an diesen Feierlichkeiten teil, am Abend senden ihnen die jungen Leute aber eine Keule und den Schwanz vom Opferschwein und einen Teil des Brautpreises; der Rest wird nach und nach bezahlt. Zur Nacht setzen sich die Festlichkeiten fort. Die junge Frau muß zunächst ihre Talente im Kochen entwickeln; sie stellt einige Gerichte mit Hilfe ihrer Brautjungfern her und verteilt sie an die Festgenossen. Diese kosten sie und pflegen dann auszurufen: „Ah, wie vorzüglich, möge die Jungvermählte lange leben, eine zahlreiche Nachkommenschaft haben“ und so weiter. Wenn alle Welt satt geworden ist, hält ein Dumsa noch die Zeremonie des num lani de ab. An jeder Seite des Herdes im Zimmer der Eltern stellt er zwei Paare von alten Zeremonialwaffen und einen Bambusstab auf, an dem ein Bündel Hirse befestigt ist, und legt davor weibliche Kleider und Schmucksachen, einen Topf, einen Dreifuß, Krüge mit Bier und Branntwein, einen Schweineschlegel und so weiter. Neben dem Herde nehmen die junge Frau und ihr Gefolge Platz. Der Dumsa macht nun allerhand Hokuspokus. Er ladet wohlwollende Geister ein, treibt übelgesinnte aus, erzählt eine Geschichte von dem Ursprung der Ehe, die ganz verschieden ausfällt, je nachdem es sich um einen Mann aus dem Volke oder um einen Vornehmen handelt, und wendet sich schließlich unter Hinweis auf die beim Herde niedergelegten Gegenstände an die junge Frau mit den Worten: „Dies ist alles für euch. Möget ihr hart werden wie diese Waffen, mögest du schön bleiben wie diese Schmuckstücke, gut sein wie dieser Branntwein und dieses Fleisch, möge euch dieser Topf lange zum Kochen des Reises für eure Schwiegereltern dienen und möget ihr euch vermehren wie die Körner der Hirse.“ Nach Beendigung dieser Zeremonie reicht man dem jungen Paar Branntwein, Bier und ein Blatt mit einer Mischung von Reis und Hühnerfleisch. Der Mann reicht der Frau die Tassen mit den Flüssigkeiten an die Lippen, um sie davon kosten zu lassen, und bietet ihr etwas von der Speise an, dasselbe tut die Frau mit dem Ehegatten. Der Rest der Speisen und Getränke wird an die Ehrenjungfrauen und an die Jugend verteilt. Damit ist die Hochzeitsfeierlichkeit beendet. Am anderen Morgen findet Empfang der Vornehmen des Ortes und der Freunde statt, die von den Getränken kosten und ihrerseits den Jungvermählten alles Glück wünschen.

Bei den Karen, wo Endogamie herrscht, bestehen bestimmte Heiratsverbote, die aber nach den verschiedenen Stämmen ganz verschieden ausfallen. Der eine Stamm gestattet die Heirat nur unter nahen Verwandten, ein anderer erlaubt eine eheliche Vereinigung nicht nur außerhalb der Familie, sondern auch außerhalb des Stammes und selbst der Rasse. Bei den Tschinvölkern anderseits treffen wir Exogamie an, das heißt die Heirat ist zwischen Mitgliedern des gleichen Stammes, des gleichen Dorfes oder der gleichen Gruppe verboten. Geradezu beängstigend sind die Eheverbote bei den Bergkaren. Hier sind der Heirat so zahlreiche Schranken gesetzt, daß es viele alte Junggesellen gibt, die deswegen keine passende Frau finden konnten und daher Zeit ihres Lebens in den Junggesellenhäusern zubringen. Diese Einrichtung der Junggesellenhäuser finden wir nicht nur bei den Karen, sondern auch bei verschiedenen anderen birmanischen Volksstämmen, wie den Luschai, Kuki, Padaung. Bei den Bergkaren sind die Junggesellen durch eine besondere Tracht kenntlich gemacht; sie tragen eine Art Muscheljacke mit Samenkörnern oder Muschelgeld besetzt, Halsketten aus farbigen Steinen, Perlen oder Schilfsamen, an denen ein Eberhauer auf die Brust herabhängt, in den Ohren große silberne Tuben und bei manchen Stämmen über der Stirn noch eine mit Muschelgeld und einem Reisstengelbündel verziertes Band. Heiratet ein Junggeselle, dann bekommt zunächst seine Frau den ganzen Schmuck, später geht er auf den ältesten Sohn über.

Phot. R. Grant Brown.
Abb. 439. Die Zeremonie des Haarabschneidens.

Da die Birmanen sich einer ausgezeichneten Gesundheit erfreuen, viel auf dem Lande leben und die Städte, bis auf einen gelegentlichen Besuch, zu meiden pflegen, so haben die Ärzte wenig mit Krankheiten zu kämpfen. Es ist dies auch ein Glück für die Patienten, denn die einheimischen Heilkundigen sind alles andere als wissenschaftlich ausgebildete Mediziner. Man unterscheidet ihrer zwei Arten, die Drogisten und die Deitisten, dazu kommen für ernste Notfälle noch die Geisterdoktoren. Die Drogisten verabreichen, gewöhnlich zum Schaden ihrer Klienten, diesen alle nur denkbaren und unmöglichen Heilmittel, die aus tierischen, pflanzlichen und anorganischen Substanzen zusammengebraut sind. Ein Medikament, das aus hundertsiebenundvierzig Bestandteilen sich zusammensetzt, muß doch eine Wirkung äußern, entweder so oder so. Die Deitisten verlassen sich in der Hauptsache auf Glaubensheilungen und beschränken ihre Verordnungen, wie es scheint, auf Nahrungsvorschriften, die darauf hinauslaufen, daß der Kranke nur solche Lebensmittel genieße, deren Namen mit einem der Buchstaben beginnen, die dem Wochentage zuerteilt sind, an dem er geboren wurde. Der Geisterdoktor ist der gefürchtetste von allen, denn er pufft und knufft den armen Kranken, dem er Beistand leisten soll, nach allen Regeln der Kunst unter dem Vorwande, er treibe den Geist des Fiebers, der Kolik und so weiter, der von seinem Körper Besitz ergriffen habe, aus. Daher ruft man ihn, der am unbeliebtesten ist, erst, wenn es sozusagen Matthäi am letzten steht.

Phot. P. Klier.
Abb. 440. Birmanenmädchen in Anbetung vor einem Götterschrein.
Sie halten in den gefalteten Händen Opferkerzen. Neben dem ersten Mädchen liegt eine große grüne Zigarre, die es sich sofort anzündet, wenn es sein Gebet beendet hat.
Phot. R. Grant Brown.
Abb. 441. Einweihungszeremonie.
Dem Kinde werden sieben Baumwollfäden um das Handgelenk gebunden.

Einen Todesfall geben die Angehörigen den Nachbarn stets durch lautes Wehgeschrei kund. Sofort wird eine Musikkapelle geholt, um ununterbrochen bis zur Beerdigung aufzuspielen. Der Leichnam wird auf der offenen Veranda gewaschen, von der Brust abwärts in ein weißes Baumwolltuch gehüllt und in die buntesten Gewänder gekleidet. Darauf werden ihm die beiden Daumen und die beiden großen Zehen zusammengebunden, wenn möglich mit Haaren des Sohnes oder der Tochter, falls aber keine Kinder vorhanden oder solche Haare nicht zu beschaffen sind, mittels gedrehter weißer Baumwolle. Es wird dem Verstorbenen außerdem noch eine kleine Münze in den Mund gesteckt, um damit die „Fahrgebühren“ bei der Reise ins Land der Geister zu bezahlen. Dieses alles besorgen die Verwandten. Die weitere Behandlung der Leiche, um sie für die Einsargung vorzubereiten, ist Aufgabe einer besonderen, tiefstehenden Kaste, der Sandala. Der Sarg wird aus ganz leichtem Holze angefertigt und trägt einen turmähnlichen Aufbau, der aus Bambus hergestellt und daher ebenfalls ganz leicht ist und mit allerlei Flittergold und buntem Papier behangen wird. Die Sandala graben auch das Grab auf dem Friedhofe aus, der immer westlich von der Ortschaft gelegen sein muß, unter keinen Umständen östlich davon, da diese Richtung die unglückbringende ist, auch nicht nach Norden, weil dorthin der Kopf des Gautama Buddha bestattet liegt. Dem nächsten Kloster sendet man, zum Heile des Verstorbenen, besondere Opfergaben in Eßwaren, dafür kommen ein paar Mönche und lesen Gebete und fromme Sprüche aus heiligen Büchern vor, um die Geister, die vielleicht sich einfinden und Unheil anrichten könnten, fernzuhalten. Aus dem gleichen Grunde spielt auch die Kapelle unentwegt auf der Straße. Trauerkleider werden beim Begräbnis nicht getragen; die Leidtragenden kommen alle in ihren besten Gewändern, wie zu einem heiteren Fest. Man sieht es gern, wenn Mönche dem Trauerzuge vorangehen, der sich aus Angehörigen beiderlei Geschlechtes zusammensetzt; die Männer gehen aber von den Frauen getrennt. Fremde schließen sich oft dem Zuge aus Pietätsgründen an und werden wie alle Teilnehmer von den Frauen mit Erfrischungen und Zigarren bedacht. Der Trauerzug macht vor der Leichenhalle halt; hier hört die Musik zu spielen auf. Die Mönche lesen hier noch einmal Auszüge aus den heiligen Schriften zum Heile der Lebenden wie des Toten vor und ziehen sich dann gleichfalls zurück. Der Sarg wird zum Grabe getragen und, ehe man ihn versenkt, mehrmals hin und her geschwenkt. Die nächsten Angehörigen streuen stumm ein paar Hände voll Erde über die Bretter, dann schütten die Sandala das Grab zu. Jetzt ist es noch die Aufgabe des ältesten männlichen Verwandten, den Geist des Verstorbenen einzufangen und mitzunehmen. Nach dem Glauben der Birmanen ist dieser Geist, Leipbya (das heißt sehr sinnig „Schmetterling“) genannt, solange der Mensch lebt und wach ist, bei ihm; wenn er schläft, verläßt er ihn auf einige Zeit, weswegen man einen schlafenden Menschen nicht plötzlich wecken darf, es könnte sonst seine umherschweifende Seele nicht beizeiten zurückkommen und der Betreffende sterben; wenn der Mensch aber tot ist, dann muß der Leipbya eingefangen werden, um nicht auf dem Friedhof zurückzubleiben und zum bösen Geist zu werden. Zu diesem Zwecke hält der bejahrte Verwandte ein Taschentuch hin, ruft die Worte aus: „Komm mit uns mit“ und drückt es darauf plötzlich zusammen; er glaubt dadurch den entkörperten Geist eingefangen zu haben. Das Taschentuch wird nach Hause mitgenommen, hier sieben Tage lang zwischen zwei Hauspfosten auf der linken Seite der Eingangsstufen untergebracht, und am siebenten Tage bei Anwesenheit der Mönche, die eine Art Läuterungsfest veranstalten, auseinandergenommen. Damit ist die Gefahr, daß der Geist des Verstorbenen nach dem Friedhof zurückkehren und ein Ghul werden könnte, beseitigt. Reiche Leute bewirten die leidtragenden Gäste während dieser sieben Tage; wenn ärmere dies tun, geraten sie dabei leicht in Schulden.

Phot. R. W. Marshall.
Abb. 442. Die Zeremonie des Ohrdurchbohrens in Birma.

Früher war Leichenverbrennung allgemein üblich, jetzt beschränkt sich diese Sitte auf einzelne Landesteile. Die drei nächsten Verwandten sammeln die übrig gebliebenen Knochen, waschen sie in wohlriechendem Wasser oder Kokosnußmilch, wickeln sie in weiße Watte und legen sie in einen Krug. Dieser kommt zunächst ins Haus zurück, wird aber nach dem Läuterungsfest in der Nähe eines Klosters oder einer Pagode in der Erde beigesetzt. Ein hölzerner Turm wird als Denkmal über dem Grabe errichtet; wenn er verfallen ist, kennt niemand die Stätte mehr. Reiche Leute gestatten sich einen massiven Pfosten oder auch einen gemauerten Turm. Pagoden werden über königlichen Toten errichtet, können auch über Mönchen oder Häuptlingen (bei den Schan) erbaut werden.

Phot. D. A. Ahuja.
Abb. 443. Jünglinge nach ihrer Aufnahme in den Mönchorden.
Ihre Köpfe sind rasiert.

GRÖSSERES BILD

Abb. 444. Der letzte Erzbischof von Birma,
der zwei Jahre lang einbalsamiert vor seiner Einäscherung aufgebahrt lag.
Verbrennung der Leiche eines Mönchs in Birma.
Wenn ein birmanischer Mönch gestorben ist, so wird er nicht beerdigt, sondern stets verbrannt. Der Scheiterhaufen wird aus Bambusrohr aufgebaut und das Ganze wird über und über mit Goldpapier und Flitter bedeckt. Der Aufbau nimmt lange Zeit in Anspruch; von allen Seiten führen Seile zu ihm empor, an denen Raketen befestigt sind. Die Rakete, welche die Spitze entzündet, soll dem Dorf, das sie gestiftet hat, Glück bringen. Die Menge umtanzt den Scheiterhaufen mit hellem Jubel.

GRÖSSERES BILD
Phot. Klier.
Abb. 445. Birmanisches Leichenbegängnis.

GRÖSSERES BILD

Das Begräbnis eines angesehenen Mannes pflegt keine besonders großartige Feier zu sein, dagegen wird reichlicher Pomp beim Tode eines Mönches entfaltet (Abb. 445). Je älter ein Mönch und je größer die Zahl der Fasten war, die er im Kloster ausübte, um so länger wartet man mit seinem Begräbnis, denn es müssen zuvor noch die Gelder für die Feier eingesammelt werden. Hat ein Bettelmönch kein Vermögen hinterlassen, so wird das Kloster, selbst wenn es Geld besitzt, doch dem Volke nicht die Gelegenheit nehmen, sich durch eine gute Tat verdient zu machen. Unter Umständen kann oft ein Jahr vergehen, oder noch mehr Zeit, ehe genügend Mittel zusammengekommen sind, um dem Haupte eines Klosters die gebührenden Ehren zu erweisen. Daher wird der fromme Mann sofort, meistens indem der Leichnam in Honig gelegt wird, einbalsamiert (Abb. 444). Der Sarg, der aus einem Stück Holz geschnitzt ist, wird noch von einem vergoldeten und reich verzierten Behälter in Form eines Gerüstes mit einem Baldachin umgeben und in einem provisorischen Gebäude, Nirwanakloster genannt, untergebracht. Ringsherum werden überraschenderweise sehr oft eine Anzahl ganz unzüchtiger Bilder angebracht; sie sollen indessen die Versuchungen darstellen, denen der heilige Mann widerstand. Hier verbleibt der Sarg, bis alle Vorkehrungen zu der „Rückkehr in die große Herrlichkeit“, wie man die Feuerbestattung eines Mönches zu nennen pflegt, getroffen sind; dies ist im Februar oder März der Fall, wenn der Reis eingeerntet ist und die Landbevölkerung viel Geld in den Händen hat. An dem festgesetzten Tage errichtet man auf einem Hügel oder einem freien Platze einen mächtigen Scheiterhaufen in Gestalt eines hohen Turmes mit sieben Dächern (Abb. 446 und farbige Kunstbeilage), der aufs bunteste mit Blattgold, Flitter und Bildern ausgeschmückt ist; in den unteren Stockwerken wird er mit Brennstoffen und wohlriechenden Hölzern ausgefüllt. Der vergoldete Behälter mit dem Sarg wird auf einem riesengroßen Wagen von so viel Menschen, als nur die Rotangseile erfassen können, herangeschleppt. Noch geschäftiger gestalten sich die allgemeinen Bemühungen, sobald der Wagen an der Verbrennungsstätte anlangt. Hunderte von Männern, Frauen und Kindern legen Hand an, heben den Sarg von dem Wagen und bringen ihn an seinen Platz. Dabei ertönt ein großes Geschrei der Teilnehmer, Musikbanden lassen ihre Weisen erschallen, und man bekommt den Eindruck, daß es sich hier um etwas ganz anderes, als um ein Begräbnis handeln müsse. Inzwischen haben Mönche in Bambushäusern, die ringsherum provisorisch erbaut wurden, die ganze Zeit hindurch aus frommen Büchern vorgelesen und gleichzeitig eine Unmasse an Opfergaben der verschiedensten Art eingeheimst. Darauf wird der Scheiterhaufen mittels Raketen angezündet. Diese Raketen sind mit Schießpulver gefüllte Bambusstäbe; an der Herstellung einer einzelnen arbeitet für gewöhnlich ein ganzes Dorf. Die Rakete, die die Spitze in Brand setzt, bringt dem betreffenden Dorfe Glück. Sobald eine Rakete zündet, erhebt sich unter dem Volk ein mächtiges Freudengeheul, wenn sie aber versagt, ein lautes Hohngelächter. Die Leiche ist bald verbrannt, denn in der heißen Jahreszeit, in der die Feuerbestattung erfolgt, ist alles trocken wie Zunder. Die in der Asche gesammelten Knochen werden in der Nähe eines geweihten Ortes begraben, oder es wird über ihnen ein viereckiger Turm ohne Spitze oder eine Pagode errichtet. Dieses Grabmal trägt aber niemals eine Inschrift, so daß nur die Leute im Orte imstande sind zu sagen, zu wessen Andenken solch ein Bau zustande kam.

Phot. D. A. Ahuja.
Abb. 446. Verbrennung der Leiche eines Mönchs in Birma.