Die Bewohner der kleinen fruchtbaren vulkanischen Insel Bali sind bisher die hartnäckigsten Anhänger des Hinduismus geblieben (Abb. 293) trotz der zahlreichen Versuche des Islam, seine Lehre auch hier zu verbreiten. Im besonderen hat sich unter ihnen der Schiwakultus Jahrhunderte hindurch erhalten, der sonst überall in Indonesien ausgerottet worden ist. Schiwa und seine Gemahlin Durga, sowie ein gewisser Devi Seri sind die einzigen wirklichen Gottheiten der Balinesen, wenngleich sie auch die anderen Götter des hindostanischen Pantheons in ihre schön ausgemalten und reich vergoldeten Tempel zulassen. Zeremonien, die sich auf den Ackerbau beziehen, nehmen in der Religion der Balinesen einen großen Platz ein, jedoch haben sie die Gebete, die Läuterungsfasten, die Totenverbrennung, die vollständige Abneigung gegen das Fleisch des Rindes und der Büffel, die Achtung vor den „fünf Erzeugnissen“ der Kuh und das lästige Kastenwesen beibehalten, wodurch sich das Hindutum genügend kennzeichnet. Merkwürdigerweise treffen wir auf Bali noch alte polynesische Götzen an, seltsame kleine Figuren, die aus chinesischem Geld hergestellt und mit reichen Stoffen ausgeputzt sind, die sogenannten Rabut Sedana. Die Bugis und Makassaren auf Celebes sind heutzutage mehr oder weniger mohammedanisiert, jedoch haben sich unter ihnen einige Hindubräuche erhalten, zum Beispiel die schiwaistische Anbetung des Lingam. Sie verehren auch das Krokodil (Abb. 292) und den Aal und glauben stark an das Können gewisser Zauberer.
Die Nationalwaffe der Malaien ist der Kris, ein kurzes, dolchähnliches, aufs kostbarste verziertes Schwert (Abb. 294 u. 296) mit meist flammender Klinge. Dazu treten noch das lange Schwert, die Lanze und der Schild (Abbild. 295). Auch Bogen und Pfeile, sowie das Blasrohr werden benutzt, aber nicht durchweg, sondern nur in einzelnen Teilen des Archipels.
Unter den Handfertigkeiten der Malaien stehen obenan die Waffenfabrikation, die Verarbeitung von Gold, Silber und Eisen zu Schmucksachen (Filigranarbeiten), der Gelbguß, die Weberei und Flechterei, die Batikfärberei und der Schiffbau.
Leidenschaftlich huldigt der Malaie Musik, Spiel (Abb. 300) und Tanz. Die Musik der Javaner steht auf hoher Stufe, obwohl einer, der sie nicht gewohnt ist, sie zunächst als schrill empfindet, indessen liegt in ihr viel Melancholisches und Melodisches. Ein vollständiges Orchester, das sogenannte Gamelang (Abb. 299), umfaßt einige volltönende Bambusflöten, eine Reihe Gongs, die mit Stöcken geschlagen werden, Bratschen, Violinen, Gitarren, Trommeln und Xylophone. Kein Fest oder große Zeremonie findet auf Java statt ohne Gamelang. Kaum zu trennen ist davon die Vorführung des Wajang oder Schattenspiels. Zu diesem werden aus Büffelhaut geschnittene, bemalte oder vergoldete Figuren benutzt (Abb. 298), deren Schatten der hinter einem erleuchteten Wandschirm sitzende Darsteller auf diesen fallen läßt. Die Arme der Figuren, die auf einem Holzreck stehen, werden mittels Holzstäbchen bewegt. Den Inhalt der Vorführungen bilden denkwürdige Ereignisse aus der Vergangenheit, aus den großen indischen Epen Mahabharata und Ramayana. Der männliche Teil der Zuhörer sieht auf der einen Seite des Schirmes den Bewegungen dieser Marionetten direkt, der weibliche auf der anderen dagegen ihren auf ihn fallenden Schatten zu. Das Wajangspiel, das sich übrigens über Siam, China, Ägypten und die Türkei verbreitet findet, wird bei allen festlichen Gelegenheiten, wie Namensgebung, Beschneidungs- und Zahnfeilungsfeierlichkeiten, Hochzeit und so weiter vorgeführt. Eine andere Unterhaltung der Javaner sind die Vorführungen der Ronggeng, der öffentlichen Tänzer (Abbild. 297 u. 301), die aus einer Reihenfolge plastischer Posen und lebender Bilder sich zusammensetzen. Sehr beliebt sind schließlich noch auf Java, wie auch anderwärts im malaiischen Archipel, Tierkämpfe zwischen Hähnen (siehe farbige Kunstbeilage), Wachteln, Grillen, Büffeln und selbst Tigern, Schachspiele, Kartenspiele und dergleichen mehr.
Wie wir es bereits bei anderen Völkern sahen, so schreiben auch die Malaien die Entstehung von Krankheiten, im besonderen den Wahnsinn, dem Einfluß der bösen Dämonen zu; dementsprechend ist ihre Austreibung aus dem Körper das übliche Heilverfahren. Droht dem Kranken ein tödlicher Ausgang, so nimmt man an, daß seine Seele den Körper verlassen habe, und daß man sie durch irgend ein Mittel wieder zur Rückkehr bewegen müsse. Dies geschieht bei den Kajandajak mit Hilfe eines Seelenfängers, des Dajong (Abb. 302 und 303), in den meisten Fällen einer Frau, der durch einen höheren Willen im Traume offenbar geworden ist, diesen Beruf zu ergreifen. Bei der Ausübung ihrer Tätigkeit verfällt diese Person zunächst in einen Trancezustand, damit ihre Seele der anderen Seele, die inzwischen schon eine gute Strecke Weges zu dem Aufenthaltsorte der heimgegangenen Geister zurückgelegt hat, nachgehe und sie zu der Rückkehr überrede. Zu diesem Zwecke wird der Kranke auf der langen Galerie des Hauses inmitten seiner Verwandten und Freunde niedergelegt und die Dajong beginnt ihr Werk. Sie geht mit geschlossenen Augen auf und ab und murmelt dabei in Absätzen Lieder und bestimmte Gebetsformeln an die Gottheiten. Ihre lebhaften Bewegungen und Aussprüche während dieser feierlichen Handlung sollen ihre, beziehungsweise des Kranken eigene Seelenwanderungen und Kümmernisse wiedergeben. Von Zeit zu Zeit stellt sich die Dajong so, als ob sie ihrer Aufgabe nicht gewachsen sei und den Versuch, die Seele zurückzurufen, aufgeben müsse; dann versprechen ihr die Versammelten gewöhnlich noch mehr Geschenke, damit sie ihre Aufgabe erfüllen kann; manchmal gelingt es ihr auch. Wenn die Seele daraufhin zurückgewonnen ist, besteht die nächste Schwierigkeit darin, sie zu überreden, daß sie auch wieder in den Körper einzieht. Um dies zu ermöglichen, schwingt die Dajong ein Schwert und starrt darauf hin, um einen flüchtigen Blick der Seele in ihm aufzufangen. Hiermit endet der Trancezustand. Die Dajong legt nun irgendeinen kleinen Gegenstand, zum Beispiel eine Reisflocke vor, die die Seele enthalten soll. Diese wird dem Kranken auf den Kopf gedrückt, und ihm ein Palmblattstreifen um das Handgelenk gebunden, in der merkwürdigen Absicht, dadurch die Seele zu hindern, daß sie den Körper von neuem verläßt. Im Anschluß hieran wird ein Huhn geopfert, in schlimmen Fällen ein Schwein, und das Blut des Tieres über das Palmblattarmband gestrichen. Schließlich werden dem Kranken noch gewisse Tabu auferlegt. Das ganze Verfahren ist wohl geeignet, in ihm Vertrauen zu sich selbst zu erwecken und einen günstigen Einfluß auf sein Leiden auszuüben.
Ist der Kranke trotzdem gestorben, dann wird eine Trommel oder ein Gong geschlagen, um den abgeschiedenen Seelen in der Unterwelt davon Kunde zu geben; die Zahl der Schläge richtet sich nach der gesellschaftlichen und öffentlichen Stellung des Verstorbenen. Solange der Leichnam aufgebahrt liegt, ist er mit seinen schönsten Kleidern und dem prächtigsten Schmuck angetan, eine kostbare Perle ist ihm dabei unter jedes Augenlid geschoben. In der Nähe des Sarges brennt stets ein Feuer; außerdem liegen dort kleine Päckchen von gekochtem Reis sowie Zigaretten für den persönlichen Gebrauch der Seele. Letztere senden Freunde und Bekannte oft zu Hunderten ins Haus. Während der ganzen Zeit der Aufbahrung bleiben stets zwei oder drei Leute, die beständig jammern, an der Seite des Sarges. Am Tage der Beerdigung erscheint die Dajong, setzt sich neben den Toten und singt, um dadurch der Seele den Weg über den Fluß in die andere Welt zu weisen; gleichzeitig zeigt sie einem der Angehörigen, wie er die Schnüre oben am Sarg zu lösen habe, um der Seele das Scheiden zu erleichtern. Dies soll der Augenblick sein, in dem diese den Körper endgültig verläßt. Hierauf werden noch zwei kleine Figuren, von denen die eine eine Frauen-, die andere eine Männergestalt darstellt, an Kopf- und Fußende des Sarges gebunden (Abb. 304), anscheinend ein Überbleibsel der früheren Sitte, Sklaven zu opfern, damit die Seele in der anderen Welt auch Bedienung habe. Der Sarg wird durch den Fußboden aus dem Hause gelassen — brächte man ihn die Hausleiter herunter, dann würde das Gespenst den Weg nach innen leichter zurückfinden —, an das Flußufer gebracht, hier in ein Boot gesetzt, das mit buntfarbigen Tüchern und Flaggen geschmückt ist, und zum Grabe gerudert. In den nachfolgenden Booten sitzen die trauernden Angehörigen, die die ganze Zeit über schweigen müssen.
Ganz eigenartig ist das Grab eines Kajanhäuptlings. Es besteht in einem langen Holzklotz, der mit seinem kurzen Ende senkrecht in die Erde geschlagen wird. Seine Größe richtet sich nach Rang und Stand des Verstorbenen und fällt am längsten bei Personen von ganz besonderer Bedeutung aus. Das obere Ende dieses dicken Holzpfeilers ist so weit gespalten, daß der Sarg hineinpaßt (Abb. 305). Hier wird er eingesetzt, über ihn kommt eine große Grabtafel zu liegen mit kunstvoll geschnitzten Holzseiten, die den Sarg in der Baumspalte umschließen. Man pflegt auch noch die Waffen und andere Besitzgegenstände des Toten ans Grab zu hängen (Abb. 307), und, falls er deren nicht viel besitzt, fügen Angehörige und Freunde etwas hinzu. Der Schatten dieser Dinge soll dem Verstorbenen auf seiner mühsamen Reise ins Jenseits von Nutzen sein. Die Klemantanen zerbrechen oder verunstalten die Sachen, die sie aufs Grab legen, angeblich, weil in der anderen Welt alles umgekehrt wäre, wahrscheinlich aber, damit niemand in die Versuchung komme, etwas davon zu stehlen. — Noch am Grabe müssen die Leidtragenden von der Dajong geläutert werden; zu diesem Zwecke besprengt diese sie mit Wasser, in dem die Kinnladen eines geopferten Schweines liegen. Während die Dajong diesen Akt vollzieht, murmelt sie Worte, in denen sie die Hoffnung ausdrückt, daß den Leidtragenden Unglück erspart bleiben möge. Diese treten einzeln den Rückweg an, dabei gehen sie unter einem Stock hindurch, der gabelförmig aus einem Stück Holz des Grabpfeilers gespalten wurde, treten sodann auf ein lebendes Huhn, bespeien es und rufen es an, daß es das Böse abwende. Die Trauerzeit findet ihren Abschluß damit, daß ein menschlicher Kopf ins Haus gebracht wird, woran sich ein allgemeines Freudenfest und ein Schmaus anschließen. Der Kopf oder ein Teil von ihm wird dann mit den Blättern der Silatpalme geschmückt und an dem Grabe aufgehängt. Eigenartig ist auch die Art und Weise, wie die Kajan das Besitztum des Verstorbenen, falls er keine Bestimmungen hierüber hinterlassen hat, verteilen. Die Dajong wird gerufen; sie läßt ein kleines Modellhaus anfertigen, in das Zigaretten, Speise und Getränk gestellt werden, setzt es in die Nähe des Raumes, den der Tote bewohnte, und bittet seine Seele flehentlich, ins Haus zu kommen, von dem Essen zu nehmen und ihre Wünsche zu äußern. Von Zeit zu Zeit tut sie dann so, als lausche sie, sieht ins Haus hinein und verkündet den Verwandten, die Seele sei gekommen und genieße von der bereitstehenden Mahlzeit. Sodann teilt sie den Versammelten die angeblichen Wünsche des Toten mit; diese werden ohne Murren befolgt.
Die Kenjah entledigen sich ihrer Toten in ziemlich derselben Weise, nur die Klemantanen behalten manchmal den Sarg auf der Galerie des Hauses zurück, bis die Zeit der Trauer verstrichen ist; der Sarg wird mit Wachs versiegelt, nach einiger Zeit aber geöffnet, dann die Knochen herausgenommen und gereinigt. Die während der Fäulnis ausfließende Flüssigkeit wird durch ein Bambusrohr in die Erde geleitet. Die gesäuberten Knochen werden in einen kleineren Sarg oder einen Krug gelegt und nach dem Begräbnisplatz gebracht. Hier wird dieser neue Sarg in ein großes allgemeines Mausoleum aus Holz (Abb. 308) oder in einen ausgehöhlten Baumstamm gestellt.
Ganz anders gestaltet sich das Begräbnis bei den Seedajak. Nach dem Tode wird der Körper gewaschen, mit Reis auf der Brust bestreut — damit sollen die Götter für begangenes Unrecht des Toten versöhnt werden — und in kostbare Gewänder gekleidet; alle seine Habseligkeiten, die er in der besseren Welt gebrauchen könnte, werden zusammengelegt. Manchmal wird auch ein Klageweib von Beruf gedingt, das, auf einer Schaukel am Kopfende sitzend, dann und wann die verschiedenen Teile des Hauses anruft und ihnen Vorwürfe macht, daß sie nicht genug getan hätten, um die Seele des Verstorbenen länger zu fesseln, und schließlich die Geister bittet, die Seele unbeschadet fortzugeleiten. Am Abend wird neben der Leiche ein Feuer angezündet, am nächsten Morgen etwas zu essen hingestellt, auch gekochter Reis ihr in den Mund gesteckt, damit der Tote auf seiner langen Reise etwas zur Stärkung habe. Das Gefäß, in welchem die Speise gekocht wurde, wird stets zerschlagen, damit es späterhin niemand mehr benutze.
Auf dem Wege zum Grabe wird Asche von dem Feuer, das am Tage vorher neben der Leiche brannte, dem Sarge nachgestreut; dies geschieht, damit die Seele des Toten das Haus nicht wieder erkenne und zurückkehre, um Unheil anzurichten. Frauen dürfen dem Begräbniszug nicht folgen, sondern bleiben zurück und erheben ein lautes Wehklagen, sobald die Leiche herausgetragen wird. Der Leichenzug begibt sich entweder zu Fuß oder im Boot nach dem Begräbnisplatz. Hier wird dem Geist Pulang Gana, dem das Land gehört, Reis auf die Erde gestreut als Preis für das Grab, das er überläßt. Sodann wird ein Huhn geschlachtet, um die bösen Geister zu versöhnen. Die Särge werden etwa einen Meter tief in die Erde versenkt; dies geschieht möglichst schnell, damit man nicht etwa noch den Ruf eines Unglücksvogels vernehme. Krüge und Messinggongs, desgleichen Geräte, die für die Beschäftigung des Verstorbenen bezeichnend sind, werden auf sein Grab gelegt, Essen und Trinken wird ihm an die Seite gestellt und das Ganze mit einem Zaun umgeben. Wenn die Leidtragenden nach Haus gehen, pflanzen die letzten von ihnen Pfähle in die Erde, damit die bösen Geister ihnen nicht in die Wohnung folgen. Am dritten Tage nach dem Begräbnis bringen die Nachbarn ein Hackmesser, eine Axt, eine Tasse, einen Teller voll Reis und andere Eßwaren in den Raum, den der Tote bewohnte, und ersuchen die Verwandten, ihm davon etwas zu essen zu geben und fortan nicht mehr zu weinen. Sodann öffnen sie das Fenster mit dem Hackmesser und werfen die Speise für den Toten und seine Geistergefährten durch dasselbe hinaus. Die Verwandten nehmen in dem Zimmer fortan ihre Beschäftigung wieder auf. Zwölf Monate nach dem Todesfall findet noch ein allgemeines Fest statt, Gawai Autu genannt (Abb. 306), zu Ehren aller, die seit dem letzten Male, wo dasselbe veranstaltet wurde, gestorben sind. Auf jedes Grab stellt man seltsam geformte Körbe, welche die Gebrauchsgegenstände jedes Toten enthalten, damit er im Land der abgeschiedenen Seelen, im Sabayan, die Möglichkeit finde, sich seinen Lebensunterhalt zu verschaffen. Damit ist die Trauer beendet.
Bei den Javanern spielen sich die Leichenfeiern nach mohammedanischem Ritus ab. Nach dem Tode finden sich die Imame, das heißt die Geistlichen ein, sprechen einige Suren aus dem Koran über den Verstorbenen, waschen ihn — neuerdings besorgen dies häufig die nächsten Angehörigen — und hüllen ihn in ein Leichentuch, das sieben- bis achtmal um den ganzen Körper, einschließlich des Kopfes, geschlungen wird. Nach vierundzwanzig Stunden trägt man den Toten auf einer Bambusbahre, die durch einen Sonnenschirm beschattet wird, um ihn vor Sonne und Regen zu schützen, zum Grabe; Priester gehen voran und sprechen Gebete, Freunde und Angehörige folgen. In der Regel wird die Leiche, nur in ein Grabtuch eingehüllt, in einer Nische beigesetzt, die seitlich im Grabe ausgehöhlt ist und mit Brettern ausgeschlagen wird, ehe man das Grab zuschaufelt.
Bei den Balibegräbnissen haben sich noch die charakteristischen Gebräuche der hindostanischen Religion erhalten, nämlich den Toten zu verbrennen und seine Asche in die See zu schütten; eine Ausnahme erfährt dieser Gebrauch nur bei Kinderleichen und zu Zeiten einer Epidemie, zum Beispiel bei Pocken. Da eine Verbrennung mit großen Unkosten verknüpft ist, so bleibt die Leiche oft lange genug, unter Umständen fünf bis zehn Jahre, unbeerdigt liegen, ehe sie verbrannt wird. Da im letzteren Falle von ihr schließlich nichts mehr übrig ist, verbrennt man für sie eine Puppe aus Palmblättern; dies geschieht auch bei Balileuten, die fern von der Heimat sterben. Die Einäscherung geht auf einem pyramidenförmigen Gestell aus Bambus und Rotang, Sema genannt, vor sich, nachdem alle religiösen Förmlichkeiten erfüllt sind. Stirbt ein Prinz oder eine Prinzessin königlichen Geblütes, dann drängen sich die Frauen des ersteren und Sklaven unter lauten Klagen um den Toten und fordern eindringlich, mit ihrem Herrn oder Gatten ebenfalls sterben zu dürfen; der König trifft dann die Entscheidung hierüber. Wer dazu von ihm auserwählt wird, bekundet fortan große Ergebenheit und gilt für heilig; da er mit seinen nackten Füßen unter diesen Umständen nicht länger den Erdboden berühren darf, so werden sie in weißes Leinen gehüllt. Die Frauen des Verstorbenen bringen der Leiche ihres Mannes täglich Speise, küssen sie und benetzen sie mit ihren Tränen bis zum Tage der Einäscherung. Der frühen Zersetzung des Körpers beugt man durch Räuchern mit Benzoe vor. Am Vorabend vor dem Begräbnis schlägt die tiefe Trauer in Fröhlichkeit und Tänze um die hierfür auserlesenen Opfer um; man bietet ihnen leckere Speisen an und zwingt sie, viel starken Branntwein zu trinken, während die Priester ihnen die Freuden ausmalen, die ihrer in der anderen Welt warten. Am Tage des Leichenbegängnisses wird jeder der Mitsterbenden einzeln in einer Sänfte zum Scheiterhaufen getragen, nachdem den Göttern Opfer dargebracht wurden. Am Verbrennungsplatze geht das Opfer zunächst um seinen für ihn in Gestalt eines Troges errichteten Scheiterhaufen herum, steigt hinein, entblößt seinen Oberkörper und wird erstochen; darauf stürzen sich die weiblichen Verwandten hinzu, waschen den Körper und bedecken ihn bis zum Kopfe mit Holz, das darauf angezündet wird. Früher erlaubten die Gattinnen der verstorbenen Prinzen oder Prinzessinnen es nicht, daß jemand sie anrührte, um sie zu erstechen, weil sie sich dadurch für entweiht glaubten; sie sprangen vielmehr aus freien Stücken in den angezündeten Scheiterhaufen hinein. Unter dem Druck der holländischen Regierung ist diese Witwenverbrennung königlicher Anverwandten auf Bali fast gänzlich abgekommen.
Die Bataker beerdigen entweder oder verbrennen ihre Leichen, sofern es sich um wohlhabende Personen handelt; im ersteren Falle legt man in den Sarg wohlriechenden Kampfer und leitet die sich entwickelnden Fäulnisgase durch ein Bambusrohr in die Erde. Arme Leute werden einfach in eine Matte gehüllt und begraben. Die Bataker standen früher in dem Ruf, ihre bejahrten Eltern zu essen, wenn diese nicht mehr für sich selbst sorgen konnten, damit sie ihnen nicht zur Last lägen. Um die Jahreszeit, wenn die Orangen reif waren, mußte die betreffende alte Person, die für den Festtagsbraten bestimmt war, auf einen Baum klettern, die Familie sang unten im Refrain. „Wenn die Frucht reif ist, dann fällt sie vom Baume.“ Darauf ließ sich das Opfer auf die Erde herabfallen, es wurde geschlachtet und verzehrt.