Aus: de Wit, Java.
Abb. 269. Opfer in Form von Nahrungsmitteln,
die nicht allein aus Anlaß von Geburt, Hochzeit, Todesfall, Zeremonien für das Gedeihen der Feldfrüchte, sondern bei fast allen Zwischenfällen des Lebens stattfinden.
Aus: de Wit, Java; Facts and Fancies.
Abb. 270. Gäste bei einer Hochzeit auf Java.
Phot. Ch. Hose.
Abb. 271. Kajandajak im Gespräche mit seinem Gott.
Der Kajan bittet den Geist des toten Schweines, seine Botschaft an das höhere Wesen zu bringen, wobei er mit einem glimmenden Holzspan die Borsten absengt und das tote Schwein sticht, um dessen Aufmerksamkeit, während er spricht, wach zu halten. Nachdem er seine Wünsche geäußert hat, wird das Schwein zerlegt und die Leber untersucht, um daraus gewisse Vorbedeutungen zu schließen.
Aus: de Wit, Java.
Abb. 272. Hochzeitsbräuche auf Java.
Wenn Braut und Bräutigam sich sehen, bewerfen sie sich mit Säckchen, die mit Kalk und Betelnüssen gefüllt sind.
Aus: de Wit, Java.
Abb. 273. Der Bräutigam auf Java
wird von den männlichen Hochzeitsteilnehmern und dem Vater der Braut in die Moschee begleitet.

Gewöhnlich ergreift der Jüngling die Initiative, um Liebe zu gewinnen, nur bei den Kalabit tut dies das Mädchen. Die Seedajak kennen einen eigenartigen Liebestrank, um sich ein Mädchen geneigt zu machen oder deren verlorene Liebe wieder zu gewinnen, den Jayan. In der Hauptsache besteht er in Kokosnußöl, das aber ein noch in der Reife stehendes Mädchen zubereitet haben muß, und anderen Zusätzen, die dem Hersteller im Traume genannt wurden. Sehr wirksam sollen darunter die Tränen eines weiblichen Meerschweinchens sein; allerdings sind diese schwer zu erlangen, da man einem Tiere seine Jungen fortnehmen muß, um es zum Weinen zu bringen. Die Flüssigkeit wird in drei Gefäße gefüllt, die mit Zeugstopfen verschlossen werden; der Verschluß der kleinsten Flasche wird mit einer Nadel durchstochen. Man will damit erreichen, daß, wie die spitze Nadel in den Stoff sich einbohrte, auch der Liebeszauber in das betreffende Mädchen eindringe. Das Ganze muß an einem Orte, der von Menschen wenig begangen wird, versteckt werden. Vor der Anwendung wird an einem entlegenen Platze ein Feuer angezündet, in dieses wohlriechende Kräuter und aromatische Rinde gestreut und unter Hersagen eines Zaubergesanges das Gemisch über der Flamme hin und her geschwenkt. Darauf reibt man damit entweder das Lager oder die Kleider der Person, die man sich in der Liebe geneigt machen will, oder sie auch selbst im Schlafe ein, oder setzt die Mischung den Bestandteilen beim Betelkauen zu. Wer so behandelt wird, der findet angeblich nicht eher Ruhe, bis er sich in Liebe mit dem Spender vereinigt hat. Fühlt sich ein Dajakjüngling von einem Mädchen angezogen, so stattet er ihm Besuche ab, und zwar für gewöhnlich des Nachts, weil das Mädchen dann von ihren Eltern getrennt, wenn auch oft in demselben Raume schläft. In solchen Fällen pflegt man von ihm zu sagen, er sei Tabak suchen gegangen; eine Redensart, die wohl darin ihren Ursprung haben mag, daß die Frauen des Hauses den Gästen Zigaretten verabreichen. Der Jüngling weckt das Mädchen und macht ihr ein Geschenk durch eine Betelnuß, die er sorgfältig in ein Sirihblatt eingehüllt hat. Nimmt sie es an, so erblickt er hierin das übliche Zeichen der Ermutigung dafür, daß er bleiben und sich mit ihr unterhalten darf. Nach dem ersten Besuche läßt er manchmal unter dem Kopfkissen des Mädchens eine Halskette aus den aufeinandergereihten wohlriechenden Samenkörnern der Balongfrucht zurück. Sagen dem Mädchen die Besuche ihres Bewerbers zu, so gibt es ihm dies auf irgendeine Weise zu verstehen, meistens durch eine Zigarette aus Tabak. Bei den Dajak herrscht, wie bereits erwähnt, das Herkommen, den Gästen Zigaretten, die in getrocknete Bananenblätter eingewickelt sind, anzubieten. Das Mädchen pflegt dann ihrem Verehrer eine nach besonderer Art zusammengebundene Zigarette zu geben, wenn sie den Wunsch hegt, daß er seinen Besuch verlängern möchte. Findet der Jüngling, daß das Mädchen seine Besuche gern sieht, dann wiederholt er sie. Bei glattem Verlauf der ganzen Angelegenheit reißt ihm das Mädchen die Haare der Augenbrauen und die Wimpern mit einer messingnen Haarzange aus, während er mit seinem Kopf auf ihrem Schoße ruht; besitzt er etwa nur wenig Haare, dann pflegt sie wohl zu sagen, daß ein anderes Mädchen sie schon vor ihr ausgerissen habe. Wenn die Sache so weit gediehen ist, verbleibt der Jüngling auch die ganze Nacht bis zum frühen Morgen bei seiner Liebsten. Sodann verlangt er von einem seiner Bekannten, daß er den Eltern seines Mädchens von seiner Heiratslust Mitteilung mache. Diese geraten auf diese Nachricht hin in Erstaunen, manchmal auch nur zum Schein. Begünstigen sie das Verhältnis, so macht der junge Mann ihnen ein Messinggong oder eine wertvolle Perle als Unterpfand seiner Aufrichtigkeit zum Geschenk; wird später das Verhältnis aus irgendeinem Grunde, für den er nicht verantwortlich gemacht werden kann, gelöst, so erhält er die Geschenke zurück. Jetzt erfordert die gute Sitte, daß auch die Öffentlichkeit ihre Anerkennung gibt; irgend ein Freund macht dem Häuptling Mitteilung, der die Sache entweder gutheißt, womit das Verlöbnis geschlossen ist, oder irgendeinen Einwand dagegen erhebt, dann aber auch für gewöhnlich dafür sorgt, daß die Hochzeit überhaupt nicht stattfindet. Nach der Verlobung sucht man nach günstigen Vorbedeutungen für die Hochzeit. Der Schrei bestimmter Vögel und der Rehe, wenn sie in der Nähe des Hauses vernommen werden, gelten als böse Vorbedeutungen; ein Kundiger wird in den Wald gesandt, um dafür gute zu suchen oder wenigstens solche, die genügen, um nicht allzu schlechte wieder auszugleichen. Das Pfeifen eines Trogon, das Zirpen des Mauerspechtes und der hohe Flug eines Habichts von rechts nach links gelten als günstige Zeichen. Sind dagegen die Vorzeichen fortdauernd schlechte, so wird die Hochzeit um ein Jahr aufgeschoben, worauf man die Schicksalsfragen von neuem stellt. Inzwischen verläßt der Jüngling meistens das Dorf, um sich auf die Probe zu stellen; er sieht sich nach anderen Mädchen um für den Fall, daß er sich in seiner ersten Wahl geirrt haben sollte. Kehrt er aber ebenso gesonnen wieder heim, wie er fortgegangen ist und hat man inzwischen gute Vorbedeutungen erhalten, so findet die Hochzeit bald statt, vielfach nach der Ernte um die Zeit des Neumonds, denn diese gilt für die günstigste. Am Tage vor der Hochzeit läßt sich der Bräutigam angelegen sein, einen möglichst großen Vorrat an Betelnüssen und anderen eßbaren Dingen zu beschaffen, damit die Gäste während der bevorstehenden Zeremonie etwas zu kauen haben. Er selbst und seine Angehörigen machen den Eltern des Mädchens viele Geschenke, deren Zahl sich nach der gesellschaftlichen Stellung der Teilnehmer richtet. Findet die Hochzeit im Hause der Braut statt, so werden Freunde beider Familien dazu eingeladen; sie versammeln sich in der langen Galerie des Hauses (Abb. 266). Früh am Morgen erscheint der Bräutigam mit seinen Trauzeugen und einer Anzahl Krieger im vollen Kriegsstaat (Abb. 267) im Boot vor dem Hause der Braut, selbst wenn er nur wenige Schritte von ihr ab wohnen sollte. Sie marschieren alle zum Hause heran und stellen manchmal große Messinggongs, die sie mitbrachten, in der Galerie in solchen Zwischenräumen auf, daß die Braut von einem zum anderen treten kann; auch bringen sie Geschenke mit, die sie vor der Türe aufhäufen. Darauf versuchen der Bräutigam und seine Gesellschaft die Türe mit Gewalt zu öffnen, aber die Partei der Braut tritt ihnen entgegen und treibt sie zurück, worauf sich ein Scheinkampf entspinnt. Dieser Versuch mit seinen Folgen wiederholt sich mehrere Male, bis schließlich der Bräutigam und seine Partei ins Zimmer gelangen, aber dann vielleicht die Entdeckung machen, daß die Braut durch eine andere Türe in das Zimmer eines ihrer Nachbarn entschlüpft ist. Hat der Bräutigam die Spur der Braut ganz verloren, so setzt er sich mitten ins Zimmer hin und raucht gemütlich Zigaretten. Bald erscheint die inzwischen nachgiebig gewordene Braut mit ihren Freundinnen, findet aber von seiten des Bräutigams keine Beachtung. Jetzt ist der Zeitpunkt für die Festsetzung der Mitgift gekommen; den bereits mitgebrachten Gongs werden bisweilen noch weitere als Teilzahlung hinzugefügt. Ein Schwein wird darauf getötet, und wenn die Untersuchung seiner Eingeweide günstige Anzeichen ergibt, besprengt eine Dajong alle Anwesenden mit dem Blute, segnet gleichzeitig das junge Paar ein und wünscht ihm gut Glück und viele Kinder. Schließlich treten die Jungvermählten von Gong zu Gong; damit ist die Zeremonie beendet bis auf einen noch folgenden Schmaus. — Der Anklang an die ursprüngliche Raubheirat tritt noch deutlicher zutage, wenn der Bräutigam eine Entführung in Szene setzt. Er sowie seine Anhänger rudern mit dem Mädchen davon, werden aber von den Angehörigen und Freunden des Mädchens scharf verfolgt. Jene werfen in einemfort wertvolle Gegenstände aus dem Boot ans Ufer, um die Verfolger dadurch zu veranlassen, daß sie diese aufheben, und sie so am Näherkommen zu hindern. Dies wird so lange fortgesetzt, bis die Verfolger annehmen, daß sie den ganzen Besitz des Bräutigams erwischt haben; dann erst lassen sie ihn und die Braut in Ruhe.

Aus: de Wit, Java.
Abb. 274. Waschen der Füße des Bräutigams
durch die Braut als Zeichen ihrer Unterordnung.
Aus: de Wit, Java.
Abb. 275. Braut und Bräutigam auf Java im Hochzeitstaat.
Aus: Hose, Pagan Tribes.
Abb. 276. Eine Kenjahgottheit, Bali Atap genannt,
die mit dem Speer Krankheit oder Unglück von dem Dorfe abhalten soll. Um den Hals trägt die Figur eine Anzahl Schnüre mit Knoten; jede Schnur bezeichnet eine Familie und jeder Knoten eine Person, die ein Opfer dargebracht hat.

Bei den Balinesen regeln die Eltern gleichfalls durch Festsetzung des Kaufpreises die Heirat ihrer Kinder. Dabei muß streng darauf gehalten werden, daß das Brautpaar derselben Kaste angehört, nur die Brahminen haben das Recht, sich Frauen aus jeder der vier Kasten zu holen. Bei Leuten mit geringeren Mitteln stellt sich eine Braut aus ungefähr vierzig bis zweihundert, bei reicheren auf tausend Mark. Fast immer muß der Bewerber in dem Hause der Schwiegereltern längere Zeit arbeiten, um sich den Menadid, das heißt den Brautpreis dadurch zu verdienen. Daher greift in neuerer Zeit mehr und mehr der Brautraub um sich; nicht selten findet direkte Entführung des Mädchens gegen den Willen der Eltern statt. Der Räuber muß dann sein Opfer so lange verborgen halten, bis die Eltern ihr Jawort gegeben und den Kaufpreis erhalten haben. Weigern sie sich, dann trifft der Fürst die Entscheidung. Ohne Zustimmung der Eltern oder Eingreifen eines Prinzen darf keine Ehe geschlossen werden. Das Los einer Balinesin ist ein äußerst trauriges, wenn sie dem Manne keine Kinder oder nur Töchter schenkt, denn darin liegt eine Strafe für begangenes Unrecht; sie kann ihr Schicksal nur dadurch bessern, daß sie einen Sohn bekommt. Selbst die Frauen der Prinzen sind davon nicht ausgenommen. Manchmal wird die Schwierigkeit durch Adoption eines Neffen oder eines fremden Kindes gehoben. — Einer Witwe aus hoher Kaste ist die Wiederverheiratung bei Androhung der schwersten und entehrendsten Strafen verboten.

Bei den Atschinesen kommt die Heirat durch Vermittler zustande. Das Mädchen erhält von ihrem Verlobten ein Geschenk, das sie auch behält, wenn die Verlobung ohne ihre Schuld aufgelöst wird. Die Jungverheiratete lebt nach ihrer Hochzeit mit ihrer Mutter weiter und empfängt den Besuch ihres Gatten; ihre Eltern bestreiten zunächst den Haushalt, jedoch ist der Mann später verpflichtet, seiner Frau zur Deckung der Unkosten für den Unterhalt Geschenke zu machen.

Nach der Hochzeit lebt das junge Paar zunächst in der Wohnung seines Schwiegervaters, wie bereits bei den Besprechungen im voraus vereinbart wurde. Hier bleibt es während des ersten Jahres der Ehe; währenddessen arbeitet der Ehemann auf dem Felde und hilft den Eltern seiner Frau. Darauf erst nimmt sich das Paar eine eigene Stube im Dorfe des Mannes und führt einen eigenen Haushalt. Während also bei den hier geschilderten Kajandajak schon das Patriarchat herrscht, geht bei den Punan noch der Mann bei seiner Heirat in die Gemeinde der Frau über (Matriarchat), und dies meistens auf Lebenszeit. In diesem Falle hat er den Eltern keinen Kaufpreis zu zahlen, sondern nur ein kleines Geschenk in Gestalt von Tabak zu machen. — Auf einigen Inseln ist noch die Leviratsehe bekannt. Bei den Batakern Westsumatras darf die Witwe aber nur den jüngeren Bruder des Verstorbenen heiraten, denn die Ehe mit dem älteren würde als Blutschande gelten und den Freier die Todesstrafe treffen.

Phot. Ch. Hose.
Abb. 277. Friedenschluß zwischen zwei feindlichen Parteien.
Die Geister der auf beiden Seiten getöteten Schweine sollen den Göttern den Friedenschwur bekannt geben, um ihn so für beide Parteien bindend zu machen.
Phot. Ch. Hose.
Abb. 278. Eingeborener Krieger von Borneo,
dessen Schild dicht mit Menschenhaar geschmückt ist, um dem Feinde Schrecken einzujagen.

Als Gegenstück hierzu eine Hochzeitsfeierlichkeit bei den Javanern. Hier wählen die Eltern für ihre Kinder die Ehegatten aus und beraten über die Mitgiftsbedingungen. Die Eltern des Mädchens geben denen des Knaben ein Verlobungspfand, die ihrerseits bald darauf den Kaufpreis für die Braut in Silber, Schmucksachen, Stoffen und Eßwaren anbieten; Vater und Mutter des Mädchens erhalten noch ein besonderes Geschenk. An dem Tage, an dem diese Geschenke überreicht werden, finden sich Freunde und Angehörige beider Parteien auf Einladung zu einem Festessen ein. Am Vorabend der Hochzeit bleiben die zukünftigen Eheleute wach; täten sie dies nicht, dann könnte ein Unglück eintreten. Am nächsten Tage findet die Eheschließung nach mohammedanischem Brauch in der Moschee statt. Musik geht voran, der Bräutigam, von seinen Freunden begleitet (Abb. 270 und 273), folgt mit bemaltem Gesicht in einem Prunkgewand (Abb. 272); die Braut aber bleibt zu Hause und wird in der Moschee durch ihren Vormund vertreten. Alsdann begibt sich der Bräutigam, nachdem er ein anderes kostbares Gewand angelegt hat, in das Haus seiner Frau, die ihn erwartet. Sie ist aufs feinste geschmückt (Abb. 275); ihr Gesicht ist gleichfalls bemalt, ihr Oberkörper und die Arme sind unbedeckt, jedoch mit einer Mischung aus Mohnöl und Safran gesalbt. Nachdem sie ihrem Gatten zum Zeichen des Gehorsams die Füße gewaschen hat (Abb. 274), wird sie im feierlichen Zuge zu dem Heim ihrer neuen Familie geleitet, wo für alle Gäste ein Festessen stattfindet. Am nächsten Tage wiederholt sich das Fest im Hause der Eltern der Braut, und erst am dritten Tage darf sich das junge Paar im eigenen Heim häuslich einrichten. — Zu allen Festlichkeiten, die aus Anlaß einer Geburt, Hochzeit oder eines Todesfalles stattfinden, pflegen die Javaner Opfer in Nahrungsmitteln darzubringen (Abb. 269). Die Malaien im Süden Sumatras schlachten zu ihren Festen jedesmal einen Ochsen. Nachdem dieses vorüber ist, hüllen sie den Kopf des Tieres in weiße Tücher und legen ihn unter das Haus des Dorfhäuptlings oder des Gastgebers (Abb. 268). — Kinderverlobungen kommen bei den Javanern zu dem Zwecke vor, dem Kinde beizeiten eine vorteilhafte Partie zu verschaffen; in diesem Falle bleiben die beiden Kleinen in ihrem elterlichen Heim, bis sie die Reifezeit erreicht haben, worauf dann erst die Ehe vollzogen wird.

Phot. Ch. Hose.
Abb. 279. Kajan befragen die Leber eines Schweines,
ehe sie ein wichtiges Vorhaben ausführen. Ist die Vorbedeutung ungünstig, so töten sie noch ein Schwein; ist auch diese Untersuchung ungünstig, so geben sie ihren Plan auf.

Die weitaus häufigste Eheform des malaiischen Archipels ist die Einehe, jedoch begegnen wir auch der Vielweiberei und selbst Spuren der Vielmännerei. In der Landschaft Lampong (Südsumatra) heiraten manche Männer mehrere Frauen, um sie gegen Bezahlung an andere auszuleihen und damit ein einträgliches Geschäft zu machen. Diese Gepflogenheit machen sich sehr wohlhabende junge Leute zunutze, indem sie ein armes Mädchen, das sie lieben, aber als unter ihrem Stande stehend nicht heiraten können, gegen Bezahlung einem armen Menschen aufhängen und dann im Hause als gern gesehener Hausfreund verkehren. An die Vielmännerei, die früher auf den Keyinseln üblich gewesen sein soll, erinnert die Sitte der Punan im Innern von Borneo, daß alte Männer, die in kinderloser Ehe mit einer jungen Frau leben, einen gesunden, kräftigen Burschen ins Haus nehmen, damit er als dritter im Bunde dem Gatten zur Vaterschaft verhelfe. Mag vor der Ehe sexuelle Freiheit der jungen Mädchen bestanden haben oder nicht, auf jeden Fall ist die verheiratete Frau verpflichtet, dem Manne die Treue zu halten. Nur vereinzelt kommen Ausnahmen vor und dies nur aus besonderem Anlaß; wenn zum Beispiel gute Freunde oder Blutsbrüder einander besuchen, dann überläßt der Hausherr seinem Gastfreunde für die Nacht gelegentlich wohl seine Frau. Sonst aber ist den Frauen strenge Keuschheit zur Pflicht gemacht. Der beleidigte Gatte hat meistens das Recht, auf frischer Tat den Verführer und seine schuldige Gattin zu töten, oder letztere als Sklavin zu verkaufen. Bei manchen Stämmen der Dajak hat auch der Mann die Pflicht, die eheliche Treue zu halten. Die betrogene Ehefrau soll mitunter befugt sein, ihrer Nebenbuhlerin mit einer Keule auf den Kopf zu schlagen. Ehescheidung ist im allgemeinen auf dem malaiischen Archipel nicht so leicht, wie zum Beispiel in Ozeanien, jedoch können die Dajak jederzeit ohne triftigen Grund, schon auf den Laut eines unheilverkündenden Tieres hin, die Frau fortschicken. Es soll daher dort nicht selten vorkommen, daß Frauen sieben- bis achtmal den Gatten gewechselt haben, bevor sie für immer in den Hafen der Ehe einlaufen. Im allgemeinen aber geben Untreue der Frau, auch wohl von seiten des Mannes, und Mißhandlung der Frau die wichtigsten Scheidungsgründe ab. Im letzteren Falle erhält der Ehemann nicht nur den Brautpreis nicht zurück, sondern muß auch die bei der Hochzeit erhaltenen Geschenke herausgeben, ebenso deren Kosten zurückzahlen. Auf Java dagegen ist die Ehescheidung leicht, dank den Erleichterungen, die der Islam den Männern gewährt; hier sind solche beinahe etwas Alltägliches. Der Ehemann kann sich freimachen, wenn er nur die ausbedungene Summe an die Frau zahlt.

Der Glauben der Malaien, sofern sie nicht Anhänger des Islam sind, kennt drei Arten Geister. Erstens übernatürliche Geister, die sehr weit in kaum geahnten Fernen wohnen, große Macht besitzen, in alle menschlichen Dinge einzugreifen und gleichsam die wirklichen Götter vorstellen; sie erfreuen sich großer Scheu und Verehrung. Zweitens die Geister lebender und verstorbener Personen, jene in Verbindung mit den Weissagetieren und solchen Tieren, wie Schwein, Hund, Krokodil, Huhn und einigen anderen mehr. Drittens eine Unmasse Geister, die sich unter die vorstehend genannten Gruppen nicht einreihen lassen, die aber nach dem Aberglauben der Malaien alles auf der Erde umgeben. Sie sind bald wohlwollend, bald übel gesonnen, meistens aber das letztere. Als solche gelten zum Beispiel die Geister, die nach dem allgemeinen Glauben die im Hause hängenden erbeuteten Schädel umgeben.

Der Malaie glaubt, daß die Götter über alles, was sein Leben anbetrifft, die Oberaufsicht führen. Auch unter ihnen unterscheidet er freundliche und unfreundliche Wesen. Wenn Bitten an sie zu richten sind, so geschieht dies durch die Seelen der Schweine oder Hühner, von denen jedesmal ein Tier geschlachtet wird, so oft man die Götter unter Beihilfe des aufsteigenden Rauches eines Feuers anrufen will (Abb. 271). Richten die Kajan Gebete an die Götter zum Besten des ganzen Hauses, dann pflanzen sie einen Baum in die Erde, aber mit der Krone nach unten und mit der Wurzel himmelwärts; dadurch meinen sie eine Art Verbindungsleiter mit ihnen herzustellen. Für gewöhnlich wird auch eine feierliche Handlung vor einer roh geschnitzten Figur (Abb. 276) vorgenommen, die vor dem Hause steht, die aber keinen Götzen vorstellen soll, sondern eher als Altar oder Symbol des Gottes aufgefaßt werden muß. Als Überbringer der Botschaften von den Göttern sieht man Tiere (Abb. 277), im besonderen Vögel an. Da diese also die Verbindung zwischen Göttern und Menschen vermitteln, sind sie Gegenstand besonderer Ehrfurcht. Überhaupt spielt die Weissagung bei allen wichtigen Angelegenheiten eine große Rolle; stets pflegt man dann die betreffenden Tiere zu Rate zu ziehen. Wenn die Untersuchung der Eingeweide eines Schweines (Abb. 279) oder eines Huhnes kein gutes Vorzeichen zutage gefördert hat, tötet man noch mehr Tiere, bis es vielleicht den Weissagern gelingt, eine günstige Vorbedingung zu verkünden. Sehr häufig werden den Göttern auch Opfer gebracht; hier sind es wiederum in erster Linie das Schwein und das Huhn, die dazu verwendet werden. Aber auch kostbaren Besitz ihnen darzureichen scheut man sich nicht; so zum Beispiel schneidet eine Frau ihr Haar bei Erkrankung des Kindes als Opfer ab. Alle Geister der dritten Gruppe sind böswillig oder wenigstens leicht beleidigt und imstande, Männern wie Frauen Unglück zu bringen. Die einflußreichsten unter ihnen pflegt man mit den schon erwähnten eingetrockneten Menschenköpfen in Zusammenhang zu bringen, die bei irgend einem Überfall erbeutet wurden. Indessen darf man sie nicht für die Geister derjenigen ansehen, von deren Schultern der Kopf abgehauen wurde, sondern es sind dies fremde Geister, die um die Köpfe herumzuschweben scheinen. Sind sie beleidigt worden, etwa durch Nichtbeachtung der gebräuchlichen Aufmerksamkeiten, die man, wie üblich, den abgeschlagenen Köpfen zollen muß, dann beleben sie diese und lassen sie mit den Zähnen klappern.

Aus: Hose, Pagan Tribes.
Abb. 280. Kajanfrau mit einem erbeuteten Menschenschädel tanzend.
Die Frauen gehen den von einem Kriegszug heimkehrenden Männern entgegen, nehmen ihnen die erbeuteten Köpfe ab und führen mit diesen, indem sie die Schädel mit der Hand halten, einen Tanz auf. Große Freude herrscht über einen erfolgreichen Zug.

GRÖSSERES BILD
Aus: Hose, Pagan Tribes.
Abb. 281. Pfosten, die nach einer Kopfjagd errichtet werden
und zum Aufhängen der erbeuteten Schädel dienen. Die Pfosten sind dem Gotte Bali Flaki zu Ehren, der dem Beutezug gute Vorbedeutung gab, errichtet. Schmale Streifen Fleisch von den enthaupteten Körpern werden als Opfergabe an den Pflöcken der Pfosten aufgehängt.
Phot. Ch. Hose.
Abb. 282. Bestimmung der Zeit der Aussaat mittels einer Art Sonnenuhr bei den Kenjah.
Sie wird durch einen Eingeborenen vorgenommen, der dieses Amt ausschließlich ausübt. Er verläßt sich dabei nur auf die Sonnenhöhe und verwendet zu seiner Bestimmung einen der Sonnenuhr gleichenden Apparat. Wenn der Schatten mittags eine bestimmte Kürze erreicht, die ihn seine Erfahrung als günstigen Zeitpunkt lehrte, so zeigt er diesen als zum Aussäen geeignet an.

GRÖSSERES BILD
Aus: Hose, Pagan Tribes.
Abb. 283. Dankopfer eines Klemantanen für überstandene Krankheit in Gestalt eines Eies an die Weissagevögel.
Dieselbe Gabe bringen auch Kinder den Geistern dar, wenn sie einen Fluß zum ersten Male betreten, um deren Gunst zu erlangen.

Die Kopfjagden sind so weit verbreitet, als Malaien wohnen, von Assam an über die Sundainseln bis nach den Molukken und den Philippinen hinauf. Die Beweggründe für das Heimbringen von Köpfen der erschlagenen Opfer sind mehrfache. Zunächst gilt derjenige, der möglichst viele Köpfe erbeutet hat, für einen großen Krieger und erfreut sich besonderer Achtung unter seinen Dorfgenossen; ein Jüngling, der ein solches Zeichen der Tapferkeit noch nicht aufzuweisen hat, findet bei seiner Schönen kein Gehör. Außerdem pflegt man die Handgriffe der Schwerter und die Schilde mit Menschenhaar zu schmücken (Abb. 278). Je mehr Köpfe ein Mann von seinem Kriegszuge nach Hause bringt, um so höheres Ansehen genießt er. Auf den Mentaweiinseln wird seine Tatauierung mit jedem erbeuteten Kopfe reicher, und an der Kleidung der Naga in Assam macht sich in gleicher Weise die Zahl der erbeuteten Köpfe in bestimmten Abzeichen bemerkbar. Ferner erfordert der Brauch, daß beim Bau eines neuen Hauses menschliche Opfer dargebracht werden; man begnügt sich mit menschlichen Köpfen, die unter den Pfeilern eingegraben werden, und wählt dazu die Köpfe der Feinde aus. — Zieht man zur Erlangung von Köpfen aus, dann geschieht dies meistens ganz verstohlen bei Tagesanbruch. Man umzingelt ein bestimmtes Haus, steckt es in Brand und sucht die herausstürmenden Menschen im Kampfe niederzuschlagen. Nachdem den Gefallenen die Köpfe abgehauen worden sind, tritt man in großer Eile den Rückzug an aus Furcht, aufgelauert oder verfolgt zu werden. Ein Gefangener wird für gewöhnlich nicht getötet; nur wenn man keinen Kopf eines Erschlagenen erbeuten konnte, haut man einem schwerverwundeten Gefangenen den seinen ab. Hat man auf der Expedition Erfolg gehabt, dann schmückt man die Boote bei der Heimfahrt mit Palmblättern; die erbeuteten Köpfe werden leicht angeräuchert und am Heck des Bootes untergebracht. Vor jedem Dorfe, bei dem man vorbeikommt, wird ein lauter Kriegsgesang angestimmt, und diejenigen, die einen Kopf sich verschafften, stehen im Boote auf. Im Heimatdorfe findet eine große Jubelfeier statt, an der sich alle Dorfbewohner beteiligen. Die Köpfe werden in besonderen Hütten geräuchert und sodann unter Absingen von Kriegsgesängen und Darbringung von Opfern ins Haus überführt (Abb. 281). Hieran schließt sich ein allgemeiner Freudentaumel, bei dem die Frauen die Köpfe ergreifen und phantastische Tänze aufführen (Abb. 280 und farbige Kunstbeilage); das gleiche tun die Männer in vollem Kriegsschmuck. Schließlich werden die Köpfe sorgfältig mit Rotang umwunden und neben den bereits früher erbeuteten aufgehängt (Abb. 247). Im Anschluß hieran wird noch ein großes Festessen veranstaltet, bei dem man den Köpfen ein Stück Schweinefleisch in den Mund steckt und das aus Reis hergestellte Nationalgetränk, Borak, in einen daneben hängenden Bambusbecher füllt. Man nimmt an, daß die mit den Köpfen verbundenen Geister diese Opfergaben verzehren, wenn auch nicht direkt, so doch deren Seele. Ein Feuer brennt beständig unter den Köpfen, damit diese sich warm und behaglich fühlen, überhaupt erweist man ihnen die größte Achtung. Denn man nimmt von ihnen an, daß sie dem Haushalte nützlich sind und ihn beschirmen, sofern man ihnen nur die geziemende Verehrung zollt, und daß sie nur, wenn sie vernachlässigt oder mißachtet werden, sich beleidigt fühlen und Unheil anrichten.

Dajakfrauen mit Menschenschädeln in den Händen, zu einem Tanze versammelt.
Einige Tage nach der Rückkehr einer erfolgreichen Kopfjägerexpedition werden die abgehackten Köpfe im Triumph ins Haus gebracht. Darauf folgt eine Zeit von Festfreuden, nach welcher die Schädel, nachdem sie von den eingeborenen Frauen zu einem phantastischen Tanz benutzt wurden, neben die alten gehängt werden. Das Vorhandensein von Schädeln in einem Hause soll das Wohlwollen der Geister, die es umgeben, herbeiführen, vorausgesetzt, daß sie genügend beachtet werden.

GRÖSSERES BILD

Neben diesen Geistern der Köpfe gibt es aber in der Natur noch eine Unmasse anderer, wie die der Flüsse, Berge, Gräber, Höhlen und so weiter. In der Tat besitzt nach dem Glauben der Malaien eine jede Örtlichkeit ihren Geist, und das Volk ist darauf bedacht, alle erforderlichen Vorschriften und Gebräuche zu erfüllen, um sich ihrer Gunst zu versichern. Je entlegener ein Ort ist, desto mehr ist sein Geist zu fürchten; die Menschen, die sich zum ersten Male dorthin begeben, achten wohl darauf, daß sie genau die vorgeschriebenen Zeremonien erfüllen, die ganz besonderer Art sind. Auch Kinder tun dies; kommen sie zum ersten Male in eine unbekannte Gegend, dann stecken sie zum Beispiel ein Ei in das Ende eines Bambusstockes, um sich den Ortsgeist geneigt zu machen (Abb. 283).

Wir knüpfen hieran einige andere Gebräuche der Dajak, im besonderen des Kenjahstammes. Wird ein neues Haus bezogen, so überführt man die Köpfe aus dem alten mit dem gleichen Gepränge, wie es bei der Heimkehr der triumphierenden Krieger üblich ist. Da man aber nicht liebt, mehr als dreißig Köpfe in seinem Hause zu beherbergen, so benutzen die Kenjah diese Gelegenheit, sich der überflüssigen Köpfe zu entledigen. Sie schlagen eine besondere Hütte für diese auf und bringen darin diejenigen, die sie los werden wollen, unter. Damit die Geister aber nicht merken, daß man sie im Stiche gelassen hat, unterhält man an dem neuen Aufbewahrungsort ein schwelendes Feuer und glaubt, daß, wenn dieses erlischt, die Geister, auch wenn sie kommen wollten, sich zu rächen, hierzu nicht mehr imstande sind.

Phot. A. W. Nieuwenhuis.
Abb. 284. Tabuzeichen,
das über einen Fluß gespannt ist, um aus irgend einem Grunde den Zugang zu verbieten. Jedes an dem Seile hängende Stück hat seine besondere Bedeutung, die den Leuten bekannt ist.

Ganz eigenartig ist die Art und Weise, wie die Dajak einen gewichtigen Gast empfangen. Dieser läßt zuvor auskundschaften, ob etwa auf dem Hause, das er zu besuchen beabsichtigt, ein Tabu ruht. Nach günstigem Bescheid begibt er sich mit seiner Umgebung zur Galerie des Hauses, spricht und sieht eine Minute lang seinen Gastgeber aber nicht an, der sich übrigens auch um ihn nicht kümmert; im Gegenteil, er macht sich mit seiner Zigarette zu schaffen und blickt auf die Erde. Der Gast seinerseits räuspert sich höchstens oder hüstelt; darauf bringt ihm jemand eine Zigarette, worauf erst der Gastgeber die Unterhaltung aufnimmt mit der üblichen Frage nach der Herkunft und der Zeit des Aufbruchs des Fremden. Wenn nach etwa einer Stunde etwas zu essen gereicht wird, Reis oder Schweinefleisch, läßt der Gast einen Rest davon auf seinem Teller zurück, um anzuzeigen, daß er nicht gierig nach der Speise ist; außerdem erfordert es die gute Erziehung, daß er seine Zufriedenheit mit der Mahlzeit ausdrückt, indem er langsam und laut durch die Nase ausatmet. Darauf spült er sich den Mund mit Wasser, speit es zwischen die Fußbodenbretter aus, putzt sich die Zähne mit dem Zeigefinger und wäscht sich die Hände. Beim Abendessen wird Reisschnaps vorgesetzt und ein voller Becher zuerst dem Gastgeber gereicht, der den Weissagevögeln und anderen geneigten Geistern ein Trankopfer hinschüttet und sodann trinkt. Ein zweiter Becher wird dem Ehrengast kredenzt, der mit den Lippen schnalzt und grunzt, um dadurch seine Anerkennung zum Ausdruck zu bringen. Bei der Mahlzeit werden Trinklieder angestimmt, in deren Endreim alle Anwesenden einstimmen.

Phot. Ch. Hose.
Abb. 285. Dajak auf der Lauer nach Vorzeichen.
Die von dem Flug oder dem Pfeifen der Vögel erhaltenen Vorzeichen werden vor der Hütte mit einem Pflocke angemerkt so lange, bis die guten Vorbedeutungen mit der Zahl fünf überwiegen. Die Männer dürfen nicht mit etwa Vorbeigehenden sprechen.
Phot. A. W. Nieuwenhuis.
Abb. 286. Klemantanenfrauen beim Erntefest.
Die Frauen ziehen sich zu diesem Feste wie die Männer an.

GRÖSSERES BILD
Phot. Ch. Hose.
Abb. 287. Hütte, für die Weissagevögel errichtet.
Unmittelbar bevor die Vorzeichen untersucht werden, wird eine Hütte errichtet, womit die Eingeborenen zeigen, daß sie sich unter den Schutz der Weissagevögel gestellt haben. Die Hütte, die Merkmale solcher Vorzeichen enthält, wird als heilig betrachtet.

Wie bei jeder wichtigen Handlung im Leben die Weissagungen zu Rate gezogen werden, so geschieht dies auch, bevor man mit dem Säen beginnt. Die Jahreszeit, wenn die Aussaat stattfinden soll, bestimmt ein darin bewanderter Mann mittels einer Art Sonnenuhr (Abb. 282). Wenn der Schatten eines senkrecht stehenden Stockes zur Mittagszeit eine bestimmte Länge angenommen hat, dann ist der richtige Augenblick gekommen. Ein Schwein oder ein Huhn wird geopfert, und das Blut an eine Holzfigur vor dem Hause geschmiert. Darauf begibt sich eine Anzahl Eingeborener in den Wald, um den Flug und Ruf bestimmter Vögel, besonders des Mauerspechts, Habichts und Trogons zu beobachten. Währenddessen ruht auf jedem Hause ein strenges Tabu; niemand außer den eigenen Bewohnern darf es betreten, und nur die notwendigste Arbeit darf darin vorgenommen werden. Sind die Vorbedeutungen günstig, so erfolgt die Aussaat. Während die Frucht heranwächst, werden über sie viele Zaubersprüche ausgesprochen und abergläubische Handlungen an ihr vorgenommen. So zum Beispiel schwenken die Frauen einen verzauberten Gegenstand oder ein Huhn über die Ernte und erteilen ihr, desgleichen den Ratten, Sperlingen und anderen Schädlingen ernste Ermahnungen. Wenn die ersten Erntesammler, die stets Frauen sind, irgend etwas sehen oder hören, das von böser Bedeutung ist, gehen sie zurück ins Haus und verbleiben hier bei Androhung von Todesstrafe oder schwerer Krankheit achtundvierzig Stunden lang. Ist das Korn eingebracht, dann darf niemand auf die Dauer von zehn Tagen das betreffende Haus betreten; dies wird durch ein Tabuzeichen kenntlich gemacht (Abb. 284). Erst wenn das Einbringen gute Fortschritte gemacht hat, wird ein Fest veranstaltet, bei dem das Saatgetreide für das nächste Jahr schon vorbereitet wird. Um die gleiche Zeit wird noch ein anderer interessanter Brauch geübt. Vier Wasserkäfer werden eingefangen und in ein mit Wasser angefülltes großes Gong gesetzt. Ein alter Mann beobachtet nun ihre Bewegungen und legt diese entweder als gute oder unheilvolle Zeichen für die kommende Ernte aus. Gleichzeitig ruft er die Erntegottheit (Laki Ivong) an, damit sie die Seele des Korns in die Wohnungen führe. Nachdem Zuckerrohrsaft auf das Wasser gegossen ist, trinken es die Frauen, während die Käfer wieder vorsichtig herausgenommen werden, um die Botschaft der Menschen den Erntegöttern zu überbringen. Hierauf setzt lärmendes Vergnügen ein. Die Frauen kochen klebrigen Reis, bedecken ihn mit Ruß und bespritzen damit die Männer, so daß die Spuren davon an ihnen haften bleiben. Bei dem allgemeinen Tanz (Abb. 291), der nun folgt, verkleiden sich die Frauen als Männer (Abb. 286), diese aber geben Vorstellungen, indem sie Tiere, wie Affen und Nashornvögel, nachahmen.

Phot. W. H. Furneß.
Abb. 288. Kriegsboote der Kajan,
die durch Aushöhlen eines einzigen Baumstammes hergestellt werden. Das abgebildete Boot ist über vierzig Meter lang.
Aus: Hose, Pagan Tribes.
Abb. 289. Feuererzeugen bei den Kajan durch Reiben eines Strickes um ein Stück weichen, trockenen Holzes.

Auch bei ihren Kriegszügen, sei es, daß sie zur Erlangung von Köpfen oder um Rache für vorausgegangene Beleidigungen oder aus ganz allgemeinen Gründen unternommen werden, werden allerlei Vorzeichen zu Rate gezogen. Es geschieht dies besonders vor Antritt der Kopfjagden unter großem Aufwand von Förmlichkeiten. Zwei Männer, die dazu besonders ausgesucht und in den Busch gesandt wurden, müssen den Laut und die Bewegung gewisser Tiere beobachten (Abb. 285 und 287), und erst wenn ihre Meldungen nach jeder Richtung hin günstig lauten, zieht die Mannschaft in ihren Kriegskanus aus (Abb. 288). Trotzdem verhält sie sich noch tagelang untätig, bis ausgesandte Spione oder die Untersuchung einer Schweineleber (Abb. 271) die Bewegung des Feindes festgestellt haben. Jeder beteiligte Mann beachtet inzwischen bestimmte Tabu; man darf nicht rauchen, Knaben müssen in zusammengeduckter Haltung schlafen, Feuer darf nur durch Reibung erzeugt werden (Abb. 289) und anderes mehr. Darauf schreitet man bei Tagesanbruch zum Angriff vor. Der weitere Verlauf der Kopfjagd wurde bereits oben beschrieben.

Aus: Hose, Pagan Tribes.
Abb. 290. Geisterhaus für die Bajohzeremonie.

Ist eine Frau erkrankt, dann bringt man ihr durch Zureden die Überzeugung bei, daß sie vom Teufel besessen ist und eine Medizinfrau werden müsse; nur auf diese Weise könne sie von ihrem Leiden befreit werden und erlange gleichzeitig die Fähigkeit, anderen zu helfen. Ob sie nun wirklich dazu imstande ist, wird durch eine bestimmte Zeremonie, Bajoh genannt (Abb. 290), festgestellt. Der Raum, in dem die mächtigen Geister, die man dazu ins Haus geladen hat, erscheinen sollen, ist kunstvoll geschmückt; Musik von Gongs und Trommeln erschallt durch das ganze Dorf und wird zu bestimmten Zeiten während der ganzen Nacht wiederholt. Die Medizinfrauen, meistens sind es alte und wenig anziehende, dafür aber prunkvoll aufgeputzte Weiber, versammeln sich nun in der Mitte des Raumes und fangen im Takte nach der Musik eine nach der anderen zu tanzen an, dabei zischen sie und schlagen mit den Händen wild um sich. Eine von ihnen nähert sich der Kranken und gibt ihr eine Pinangblüte in die Hand, außerdem bedeckt sie ihren Kopf mit einem Tuch. Darauf setzen sie die Kranke auf ein kegelförmiges Gerät und wirbeln dieses mit großer Schnelligkeit im Kreise herum. Mit der Zeit geraten alle in förmliche Raserei; dadurch sollen die Geister angelockt werden. Sie fragen sodann die Hauptmedizinfrau, warum man sie rufe, worauf diese antwortet, daß jemand krank sei. Nunmehr ziehen sich die Geister zurück und holen einen mächtigeren Geist herbei, dem sie untertan sind, damit er helfe. Die oberste Medizinfrau fragt diesen, ob er die Kranke heilen wolle. Weigert er sich, dies zu tun, so muß ein anderer mächtiger Geist herbeigeschafft und in der gleichen Weise gefragt werden, jeden Abend von neuem, bis die Kranke genesen ist. Bisweilen gestaltet sich die ganze Zeremonie sehr prunkvoll. Die Medizinfrauen spielen dabei ihre Rolle sehr realistisch; sie fassen den Kopf der Kranken fest an unter dem Vorwande, den bösen Geist gefangen zu nehmen. Nicht selten stellt sich auch ein Erfolg dieser Kur ein.

Phot. Ch. Hose.
Abb. 291. Kenjahfrau beim Erntetanz,
der in langsamen, graziösen Wendungen besteht, die Arme ahmen dabei die Bewegungen einer Schlange oder eines im Fluge begriffenen Vogels nach.

GRÖSSERES BILD

Die Religion der Javaner, Sundanesen und Maduresen ist der Mohammedanismus, allerdings vielfach noch mit den Überresten und Gebräuchen des älteren heidnischen Kultus durchsetzt. Die Javaner, die ursprünglich wohl wie alle halbzivilisierten Indonesier Animisten waren, wurden schließlich hinduisiert. Zuerst kam die Schiwaanbetung und dann der Buddhismus; beide Religionen übten einen großen Einfluß auf ihre Kultur aus; besonders sind jene prachtvollen Tempel der Zivilisation von seiten der Hindu zu verdanken, die, heutzutage verfallen, über ganz Java sich zerstreut finden, wie der Borobudur, Prambanan und Mendut, um nur die berühmtesten unter ihnen zu nennen. Schließlich kam der Islam nach Java, wahrscheinlich um das dreizehnte Jahrhundert herum; von hier aus verbreitete sich die neue Lehre bald über alle Inseln des malaiischen Archipels. Daneben sind doch noch eine ganze Anzahl Stämme heidnisch geblieben, andere haben auch das Christentum angenommen. — Trotz der Lehre des Islam haben sich unter dem javanischen Volk noch überall die alten Vorstellungen erhalten. Die Javaner glauben an gute und böse Geister, fürchten sich vor Gespenstern und vertrauen auf Astrologie, Glücks- und Unglückstage, Vorbedeutungen und allerhand Zauber. Ihre Heilkunde war bis vor kurzem, bevor europäisch geschulte Ärzte sich ihrer annahmen, der reine Schamanismus, und lag in den Händen der Dunkun, einer Art Zauberer (beiderlei Geschlechts), die böse Geister austrieben, Kranke folterten, ihnen selbstbereitete Säfte von Pflanzen oder Wurzeln in den Hals gossen und anderen Unfug mehr verübten.