Phot. Ch. Hose.
Abb. 247. Geräucherte Köpfe erschlagener Feinde.

Indonesien.

Unter Indonesien verstehen wir die weite Inselflur, die sich zwischen Südostasien beziehungsweise Hinterindien, Neuguinea und Australien ausbreitet und die großen (Sumatra, Java, Borneo, Zelebes) und kleinen Sundainseln (Bali, Lombok, Sumbawa, Sumba, Flores, Timor und andere mehr), sowie die Molukken (Ceram, Amboina, Djijolo) und die Philippinen (Luzon, Mindanao, Sulu und so weiter) umfaßt. Man nennt dieses Gebiet auch den Malaiischen Archipel, weil er von einem besonderen Menschenschlag, der malaiischen Rasse, bewohnt wird. Diese Rasse, die offenbar aus der gelben Grundrasse, wie die Chinesen und Japaner, hervorgegangen ist, zeigt in körperlicher Hinsicht große Ähnlichkeit mit den Polynesiern, die einen Zweig von ihnen bilden. Während letztere aber infolge längerer Isolierung auf ihren einsam gelegenen Inseln einen mehr einheitlichen Typus angenommen haben, trifft dieses für die Malaien weniger zu, weil sich in den von ihnen bewohnten Gebieten im Laufe der Zeiten reichlich Gelegenheit sich mit anderen Rassen zu vermischen bot. Im allgemeinen gleicht daher der Typus der Malaien dem der Polynesier, mit dem Unterschied, daß er sich vielfach verwischt hat, indem er sich teils verfeinerte durch Kreuzung mit Hindu-, das heißt mit indogermanischem Blute — die Javaner dürften für seine Vertreter gelten, besonders in ihren höheren Schichten — (Abb. 248), teils gröber wurde durch Vermischung mit den primitiven Inlandstämmen, den Resten der Urbevölkerung der Inseln (Abb. 311 und 312). Unter dieser letzteren lassen sich wiederum zwei Typen unterscheiden, ein kurzköpfiger brauner mit krausem Haar und ein langköpfiger dunklerer mit langem, straffem Haar; jener gehört der afrikanischen, dieser der südasiatischen Grundrasse an; die Verwandten des ersteren sind die Zwergvölker Mittel- und Zentralafrikas, sowie die Bewohner der Andamanen, die des letzteren die Wedda auf Ceylon, die Semang-Senoi auf Malakka, die Australier und Tasmanier. Beide Typen sind im Laufe der langen Zeiten vielfach Vermischungen miteinander eingegangen, so daß es schwer hält, im einzelnen Falle mit Bestimmtheit zu sagen, welchem Typus der Vertreter eines Inlandstammes angehört. Gemeinsam ist beiden Typen die niedere Körpergröße. Am reinsten hat sich die afrikanische Grundrasse noch in den sogenannten Negrito der Philippinen (Aëta, Baluga, Mammamua und so weiter) erhalten. Reste der Urbevölkerung trifft man auf den meisten Inseln noch an; die bekanntesten Stämme sind auf Sumatra die Kubu und Gajo, auf Borneo die Punam, Ot, Bakatan, Ukit, Kajan, auf Zelebes die Toala und so weiter. Alle diese Stämme stehen auf einer recht niederen Kulturstufe, ähnlich wie die Australier. Größtenteils schweifen sie ohne feste Wohnsitze in kleinen Familienhorden umher, für die Nacht benutzen sie höchstens eine aus Laubblättern hergestellte primitive Regenschutzhütte und leben von den Erträgnissen des Sammelns oder der Jagd auf kleine Tiere. Bei letzterer bedienen sie sich ihrer einzigen Waffe, des hölzernen Wurfspießes; zum Ausgraben der Wurzeln benutzen sie Grabstöcke. Ihre Kleidung besteht bei den auf niedrigster Stufe stehenden Stämmen in einem zwischen den Beinen durchgezogenen Gürtel aus geklopfter Rinde (Abb. 249) und in einer Kopfbinde aus dem gleichen Stoff. Haustiere und Kulturpflanzen kennen die Urstämme nicht, höchstens besitzen sie Hunde und Hühner, die sie durch Tausch mit den kultivierteren Nachbarstämmen erhielten. Schmuck findet sich bei ihnen nur in bescheidenem Maße vertreten oder fehlt gänzlich. Ihre soziale Ordnung beruht auf der patriarchalischen Familie.

Aus: Stratz, Rassenschönheit des Weibes.
Abb. 248. Sechzehnjährige Sundanesin.
Phot. A. C. Pratt.
Abb. 249. Eingeborene der Tenimberinseln,
die ständig auf dem Kriegsfuß miteinander leben. Sie treiben Ackerbau, Jagd und Fischfang und besitzen auch einige Fertigkeiten in der Bearbeitung von Eisen und Kupfer. In religiöser Beziehung sind sie Animisten. Ihre Häuser sind auf Pfählen erbaut.

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Ungleich höher als diese Kultur der Indonesier steht die der eigentlichen Malaien (Abb. 251), selbst in ihren tiefsten Schichten. Sie führen bereits eine seßhafte Lebensweise, soweit sie Ackerbau betreiben. Ihre wichtigste Kulturpflanze bildet der Reis; er wird entweder auf trockenen (Ladangs) oder unter Wasser stehenden (Sawahs) Feldern angebaut. Andere Nutzpflanzen sind Süßkartoffeln, Zuckerrohr, Bananen, Kokos- und Betelpalmen, sowie Gemüse der verschiedensten Art. An Haustieren besitzen sie Büffel, Pferde, Ziegen, Schafe, Hunde, Hühner und so weiter. — Das typische Haus der Malaien ist der Pfahlbau mit Giebeldach. Ähnlich wie in Ozeanien dienen diese Häuser verschiedenen Zwecken. Es gibt Familien-, selbst ganze Sippenhäuser von großen Dimensionen, in denen mehrere Familien zusammenwohnen, und als gemeinsamen Aufenthaltsort die lange Galerie (Abb. 250) benutzen — im Bedarfsfalle wird ein Stück angebaut —, Junggesellenhäuser, in denen die Unverheirateten hausen, sowie Besuchsgäste Unterkunft finden, die öffentlichen Angelegenheiten besprochen werden, auch vereinzelt Häuser für ledige Frauen, ferner Speicher zur Aufbewahrung von Reis und anderen Früchten und kleine Totenhäuschen, die nach dem Muster eines wirklichen Hauses gebaut sind. Die Häuser stehen in Dörfern, den sogenannten Kampongs, zusammen. Die von der Hindukultur beeinflußten Javaner wohnen in Häusern auf ebener Erde; auf einzelnen kleinen Inseln treffen wir auch Rundhütten an.

Aus: Hose, The Pagan Tribes of Borneo.
Abb. 250. Die lange Galerie eines Familienhauses als gemeinsamer Aufenthalt für seine Bewohner.
Ein Haus in durchschnittlicher Größe nimmt ungefähr zweihundert Bewohner auf, es ist im Rechteck gebaut, manchmal über dreihundertfünfzig Meter lang und in der Mitte durch eine die ganze Länge durchgehende Mauer in zwei Hälften, deren eine die offene Halle ist, getrennt.
Phot. Edward Elven.
Abb. 251. Malaiische Frauen aus Sumatra,
wo die Malaien am stärksten verbreitet sind. Von gedrungener, muskulöser Gestalt, mit kleinen Händen und Füßen, besitzt der Malaie große Gelenkigkeit und Ausdauer. Er ist intelligent, tätig und fleißig, großer Ergebenheit, aber noch stärkeren Hasses fähig und von scheuer, empfänglicher, rachsüchtiger und verräterischer Natur.

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Die Malaien sind mit einem unterrockartigen Gewande, dem Sarong (Abb. 252), einem Kopftuch oder einer Mütze und einem Umschlagtuche um den Oberkörper bekleidet; die mehr zivilisierten Stämme tragen jetzt auch Hosen. Die Frauenkleidung ist die gleiche, nur fällt bei ihr meistens das Kopftuch fort, dafür aber tritt eine Jacke (Abb. 253) hinzu. Die Stoffe für diese Gewänder sind Erzeugnisse der einheimischen Webekunst. — Ein auf Java beschränktes, aber hier seit undenklichen Zeiten allgemein geübtes Hausgewerbe ist das Batiken (Abb. 254) des einheimischen oder eingeführten Kattuns, das ist das Herstellen warmer Farbentöne auf diesem mittels eines eigenartigen Verfahrens. Auf dem Stoffe werden zunächst die Muster, zumeist Arabesken, sodann aber auch Pflanzen, Tiere und szenische Darstellungen, mittels Wachs abgedeckt, meistens freihändig, bei komplizierteren Mustern auch nach Aufzeichnen mittels Holzkohle. Das Abdecken von schmäleren Flächen, Linien oder Punkten geschieht mit einer Art Füllfederhalter, einem Näpfchen mit lang ausgezogener Ausgußöffnung zur Aufnahme des Wachses, das beständig in kleinen Tonschalen über kleinen Herden flüssig gehalten wird, bei größeren Flächen mittels Pinsels. Das fertig abgedeckte Tuch wird nun ins Farbbad in einen großen Kupferkessel gebracht; dadurch nehmen diejenigen Stellen, an denen das Wachs aufsitzt, keine Farbe an, sondern bleiben weiß, wenn dieses wieder entfernt worden ist. Dies geschieht durch Eintauchen und Umherschwenken des gefärbten Stoffes in kochendem Wasser. So einfach das Batiken auch erscheint, so ist es doch äußerst mühsam und zeitraubend, zumal wenn das Tuch mehrfarbig ausfallen soll, da sich dann der Prozeß des Abdeckens, Färbens, des Wachssammelns und so weiter mehrfach wiederholt.

Phot. Ch. Hose.
Abb. 252. Dajakfrau in ihrer Tracht.

Recht mannigfaltig ist der Körperschmuck der Malaien. Kopf, Ohren, Hals, Brust, Arme und Beine werden mit allerlei Zierat behängt (Abb. 255 und 258), zu dem mit großer Vorliebe bunte Glasperlen (Abb. 256) — es gibt darunter sehr alte von hohem Wert, die gleichbedeutend mit Geld sind, ähnlich wie alte Tongefäße (Abbild. 257) —, verwendet werden. Aber auch Muschelplättchen, Fruchtkerne, bunte Federn, gefärbtes Holz, Bambusfasern, Zinn, Messing und Edelmetalle (Gold und Silber), sowie Edelsteine finden Verarbeitung. Wie wohl bei keinem anderen Volke sind hier allerlei Körperdeformationen sehr beliebt.

Phot. A. Heim.
Abb. 253. Frauen auf Sumatra im Festschmuck.
Die Mädchen und Frauen der Familien von Rang kleiden sich zu den Festlichkeiten in farbenfreudige Gewänder, die reich mit Gold und Silber durchbrochen und von hohem Werte sind, und tragen goldene Stirnbänder. Die Mädchen lassen sich dem mohammedanischen Brauch zufolge nur zu solchen Gelegenheiten sehen.

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Allgemein verbreitet ist die Sitte der Zähneverunstaltung (Abb. 259), der beide Geschlechter zur Zeit, wenn die Kinder die geschlechtliche Reife erlangen, unterworfen werden. Mittels eines kleinen eisernen Meißels und eines hölzernen Hammers werden die Schneidezähne beider Kiefer sowie vereinzelt auch noch die Eckzähne stückweise abgesprengt, bis sie die richtige Form und Länge erhalten haben, und die Kanten durch Feilen geglättet. Durch dieses sehr schmerzhafte Verfahren erhält das Profil der Zähne ein sägeartiges Aussehen. An das Feilen schließt sich dann noch das Schwarzfärben sämtlicher Zähne an. Zugespitzte und geschwärzte Zähne gelten allgemein für sehr schön, und mit nicht zu verkennender Verachtung blicken die so verschönten Malaien auf die Europäer herab, deren Zähne „denen der Hunde gleichen“. Vornehme Bataker lassen sich überdies noch schmale Goldstreifen an den Zähnen entlang legen oder sie mit Goldschlägerhäutchen, die wieder kleine Ornamente aufweisen, überziehen, auch sie selbst mit Gold- oder Perlmutterstückchen auslegen (Abb. 259). Die Vornahme des Zähnefeilens ist vielfach mit Festlichkeiten, zum mindesten mit einem Schmaus verbunden. Auf Celebes beobachtete man, daß der Operateur für die Arbeit, die er an einer Prinzessin vorgenommen hatte, ein Huhn erhielt, diesem darauf ein Stück vom Kamm abbiß und das aussickernde Blut über Zähne und Lippen der Schönen fließen ließ.

Tatauierung ist gleichfalls ein beliebtes Verschönerungsmittel; die Muster, die dabei entstehen, pflegen recht abwechslungsreich und oft ganz geschmackvoll auszufallen (Abb. 261).

Phot. Dr. E. Carthaus.
Abb. 254. Herstellung von Batiktüchern auf Java.

Bei einzelnen Stämmen Borneos und Celebes’ begegnen wir auch der Verunstaltung des Kopfes (Abb. 263). Für gewöhnlich wird der Kopf der Neugeborenen zwischen zwei festen Gegenständen, von denen der eine die Unterlage für das Hinterhaupt bildet, der andere, ein Brettchen, über die Stirn zu liegen kommt, zusammengepreßt, so daß eine Abflachung der vorderen Kopfpartie daraus hervorgeht, was gleichfalls für ein Schönheitszeichen angesehen wird. Auch besondere Vorrichtungen sind hierfür vorhanden (Abb. 262). Auf Celebes muß das Kind in dieser qualvollen Enge monatelang verharren, nur alle zwei Tage wird es für kurze Zeit davon befreit, um gebadet zu werden. Auf Borneo dagegen ist das Vorgehen der Mutter weniger barbarisch, im Gegenteil, man beobachtete, daß sie mit besonderer Fürsorge sich um ihr Kind kümmerte, zwischen Brett und Kopf ein Kissen oder ein Polster aus weichen, fleischigen Blättern legte, ziemlich häufig nachsah und den Apparat lüftete, sobald ihr Kind ein Unbehagen äußerte. — Auch die Ohren bleiben von der Verunstaltung nicht verschont (Abb. 260). Das Läppchen wird durchbohrt und durch Bambuspflöcke oder Tuchknäuel in genügender Weise erweitert, um einen oder mehrere Ringe aus Messing oder Edelmetall und so weiter als Schmuck darin einzuhängen, die durch ihr Gewicht das Ohrläppchen noch weiter ausdehnen, oft bis zu solcher Länge, daß es wie eine Schlinge bis auf die Schulter herabhängt. Auch die oberen Teile der Ohrmuschel werden durchlöchert und mit zierlichen Ringen geschmückt. — Die Weiber pflegen sich auch vielfach die Haare am Unterleib abzurasieren oder mittels Pinzette auszurupfen.

Vor Eintritt der Pubertät werden Knaben und auch Mädchen der Beschneidung unterworfen, namentlich ist dies unter der mohammedanischen Bevölkerung Brauch. Unbeschnittenen Mädchen ist es verboten, in geschlechtlichen Verkehr zu treten oder eine Ehe einzugehen.

Aus: Hose, Pagan Tribes.
Abb. 255. Dajakkinder im Festgewand.
Die einer Schnürbrust ähnliche Umhüllung beim Mädchen besteht aus Rotangfasern, die mit kleinen Messingringen bedeckt und mit Silbermünzen verziert sind.

Familienzuwachs wird von allen malaiischen Stämmen mit Freuden begrüßt, besonders sind es Knabengeburten, die gern gesehen werden, weil dadurch für Fortführung der Familie Gewähr geleistet wird. Eine Frau, die bei den Batakern dem Gatten keine Knaben schenkt oder alle Söhne durch den Tod verloren hat, kann nicht nur von ihm verstoßen werden, sondern ihr Vater muß ihm auch den für sie seinerzeit gezahlten Brautpreis zurückerstatten.

Phot. Ch. Hose.
Abb. 256. Kajangeld.
Kostbare alte Perlen, als Brautschmuck von den Kajan um die Hüften getragen; sie gelten auch als Münze.
Phot. Ch. Hose.
Abb. 257. Geld der Dajak in Form alter Tonkrüge,
die wahrscheinlich vor zweihundert bis dreihundert Jahren aus China und Siam eingeführt wurden und einen sehr großen Wert besitzen, unter Umständen jeder einen solchen von etwa sechshundert bis achthundert Mark.
Phot. C. B. Cloß.
Abb. 258. Eingeborener der nördlichen Niasinseln.
Die Bewohner der Niasinseln, der Rasse nach Malayo-Polynesier, leben von Fischfang und Ackerbau. Sie lieben es außerordentlich, sich reich zu putzen; die Schmuckstücke des oben abgebildeten Insulaners sind aus reinem Gold. Die Eingeborenen huldigen in religiöser Hinsicht einer Art von Animismus, der hauptsächlich in der Aussöhnung übelwollender Geister besteht.

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Damit die Schwangerschaft einen guten Verlauf nehme und das Kind sich wohl entwickle, müssen allerlei Opfer dargebracht oder bestimmte Zeremonien vollzogen werden. Fühlt sich zum Beispiel eine Frau auf den Seranglaoinseln Mutter, so muß sie ein Stück Ingwer von einem Priester durch Anblasen und Abbeten einer Koransure weihen lassen, einen Teil davon kauen, ihn wieder von sich speien und den Rest gut verwahren, auf der Insel Roti muß sie dem Geiste Tefamuli ein Opfer, bestehend in einem roten Hahn, einem Büschel Pisang, sieben Sirehfrüchten, einem Teller Rohreis und einer Kokosschale darbringen; auf Borneo muß die Dajakfrau den Wassergeistern ein kleines Häuschen opfern, das unter Gesang und Trommelschlag entweder in den Fluß versenkt oder in den Wipfel eines Baumes gestellt wird. Das in ihm befindliche, die Schwangere darstellende Püppchen soll all das Unheil, das der angehenden Mutter drohen könnte, an sich ziehen. Bei anderen Stämmen trägt die Schwangere ein Amulett, um sich und ihre Frucht gegen die bösen Geister zu schützen, oder befolgt aus dem gleichen Grunde bestimmte Vorschriften. Bei den Alfuren im nördlichen Celebes hütet sie sich, mit fliegendem Haar einherzugehen, weil sich in ihm die bösen Geister mit Leichtigkeit festsetzen könnten, ebensowenig darf sie abends oder bei Regen das Haus verlassen; auf Roti kaut die Schwangere das Stroh ihres Hauses und speit es von Zeit zu Zeit um sich aus; auf Nias darf sie nicht an Orten vorbeigehen, wo vordem einmal ein Mensch ermordet oder ein Tier getötet wurde, ebenso kein Schwein stechen oder zerlegen, weil sich sonst bei dem Kinde etwas einstellen würde, das den Krümmungen des sterbenden Menschen oder Tieres gleicht, sie darf auch nicht in einen Spiegel oder ein Bambusrohr hineinsehen, weil das Kind sonst einäugig oder schielen würde, nichts verkorken oder verstopfen, weil das Kind sonst an Verstopfung leiden würde, an keinem Orte vorbeigehen, wo der Blitz eingeschlagen hat, weil sonst das Kind eine schwarze Haut erhielte, aus dem Kochtopf nicht essen, weil sonst die Nachgeburt hängen bliebe und vieles andere mehr. Verschiedentlich vermeidet es die Schwangere auch, daß ihr Blick auf häßliche Gegenstände oder Tiere fällt, weil sie fürchtet, daß das Kind davon etwas annehmen könnte. So darf sie zum Beispiel bei den Kenjah sich keinen langnasigen Affen ansehen. Wie auch anderwärts sind der Frau, die guter Hoffnung ist, eine ganze Reihe Speisen verboten, die unter Umständen so zahlreich sind, daß man meinen könnte, daß ihr eigentlich nichts mehr zu essen übrig bliebe.

Phot. W. H. Furneß.
Abb. 259. Dajak mit Stiftzähnen,
die mit Bronzestückchen in Sternform ausgelegt sind.

Selbst der Ehemann bleibt von bestimmten Tabuvorschriften nicht verschont. Wenn er bei den Alfuren nach seiner Rückkehr die Leiter seines Hauses hinansteigt, muß er einzelne Stufen auslassen, damit die Geister, die ihm folgen könnten, auf eine andere Fährte gelenkt werden und somit nicht mit in das Haus eindringen; bringt er seiner Frau gekochten Reis von einem Feste heim, so muß er ein paar Dornen in die Speise stecken und, bevor davon gegessen wird, etwas unter die Hütte werfen; bei den Atschinesen darf er während der ersten fünf Monate der Schwangerschaft kein Tier töten, auch nicht einmal einen Tiger oder eine Schlange, weil sonst die Geburt sich schwer abwickeln und das Kind Eigenschaften dieses Tieres annehmen würde; auf den Mentaweiinseln muß er eine Reihe häuslicher Arbeiten verrichten, die sonst der Frau zufallen, und anderes mehr.

Aus: Hose, Pagan Tribes.
Abb. 260. Lirongfrau mit lang ausgedehnten Ohrläppchen.
Die Durchbohrung der Ohrläppchen wird schon im frühen Alter vorgenommen. Wenn das Loch groß genug ist, wird ein Kupferring von fast zwei Zentimeter Durchmesser eingeführt, von Zeit zu Zeit werden weitere Ringe eingehängt, so daß, wenn die Schlinge bis zum Schlüsselbein herabhängt, oft ein Gewicht von über zwei Pfund an jedem Ohre hängt.

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Auch Verwandte und Freunde nehmen gelegentlich an den bevorstehenden Mutterfreuden Anteil. Erfahren sie zum Beispiel auf Java, daß eine Frau guter Hoffnung ist, dann bringen sie ihr Geschenke dar. Bei den Ärmeren bestehen diese in Reis, der durch Safran gelb gefärbt ist, in wohlriechenden Ölen und Kerzen; in den höheren Ständen fügt man noch Kleidungsstücke, goldene und silberne Armbänder, goldene Schmucknadeln und Kupferbecher hinzu. Im siebenten Monat erwidern die Eltern die Geschenke durch einen Festschmaus, bei dem die Schüssel mit Reis, der gelb — die Glücksfarbe — gefärbt ist, niemals fehlen darf. Darauf wäscht die angehende junge Mutter ihren Körper mit der Milch einer Kokosnuß, die der Gatte geöffnet haben muß; auf ihre Schale sind ein Knabe und ein Mädchen mit größter Sorgfalt gezeichnet; hierdurch soll die Mutter günstig beeinflußt werden, daß sie ein schönes Kind zur Welt bringt. Nach dieser Waschung nimmt sie noch ein Bad, in das lieblich duftende Blumen gestreut worden sind, zieht sich sodann neue Kleider an und macht der Hebamme, die sie bei ihren Reinigungen unterstützte, ein Geschenk an Reis, Kokosnüssen und Betel. Am Abend findet noch eine Vorführung des Wayangschattenspieles (siehe S. 250) statt.

Phot. W. H. Furneß.
Abb. 261. Kajandajakfrau
mit schöner Tatauierung des Unterkörpers, die aus dreierlei Gründen vorgenommen wird. Zunächst zum Schmuck, dann zur Verhinderung und Heilung von Krankheiten und schließlich, damit die Tatauierungszeichen nach dem Tode des Trägers als Fackeln dienen, um dessen Geist auf dem Wege zu dem Geisterreich zu leuchten.
Orig. Mus. f. Völkerkunde zu Berlin.
Abb. 262. Wiege mit Kopfpresse für Kinder aus Celebes.
Phot. W. H. Furneß.
Abb. 263. Schädelverunstaltung bei einem Milanaukind.

Viele Malaienstämme haben bestimmte Weiber, die, ähnlich wie bei uns, berufsmäßig Hebammendienste bei der Niederkunft verrichten, das heißt der Gebärenden nicht nur beistehen, sondern auch die Wöchnerin pflegen, ihr Rat in Kinderangelegenheiten erteilen und Abtreibungen vornehmen. Dagegen ziehen die Tenggeresinnen und Baliinsulanerinnen nur männliche Hilfe bei ihren Geburten hinzu. — Wie während der Schwangerschaft, so sucht man auch bei der Niederkunft nach Möglichkeit den schädigenden Einfluß der Dämonen, die nach Ansicht der Malaien das ganze Leben des Menschen bedrohen, fernzuhalten. Zu diesem Zweck vertreibt man sie auf den Aaruinseln durch Trommeln. Auf den Inseln des Sawuarchipels wehrt man den bösen Geist Wango durch Dornengebüsch von dem Hause ab; auch feindlichen Überfällen sucht man durch solche Sicherheitsmaßregeln, im besonderen durch aufgehäufte Bambussplitter zu begegnen (Abb. 264). Auf Nias stellt man neben der Kreißenden ein Götzenbild in Gestalt eines schwangeren Weibes auf, das sie vor dem Dämon Bechumatiana schützen soll. Bei den Atschinesen hängt man, um einem anderen gefährlichen Dämon den Eintritt in das Haus zu verwehren, an der Decke des Gebärraumes einen bestimmten dornigen Zweig auf, zündet vier kleine Holzfeuer an den Ecken des Hauses an, namentlich wenn die Niederkunft in der Nacht erfolgt, und wirft von Zeit zu Zeit in sie Salz, Pfeffer, Schwefel und Hornstückchen hinein, wodurch ein mächtiger Gestank entsteht, der in gleicher Weise wie die Dornen den Dämon fernhalten soll; außerdem reibt die Hebamme die große Zehe der Kreißenden, als dessen mutmaßliche Eintrittspforte, mit einem Gemisch von fein gestoßenem Pfeffer, Zwiebeln und Asa foetida ein. Bei schwerer Geburt lassen die Atschinesen die Kreißende lauwarmes Wasser trinken, in dem sich eine sogenannte Jerichorose entfaltet hat. Auf Ambon und den Uliaseinseln legt man zur Erleichterung der Geburt auf den Platz, wo die Niederkunft stattfindet, alte Kleidungsstücke des Mannes, damit das Kind, durch den ihnen anhaftenden Schweißgeruch angezogen, recht schnell erscheine.

Phot. Ch. Hose.
Abb. 264. Gegen feindliche Überfälle mit Bambusspittern befestigtes Haus.

An die Nachgeburt knüpft sich mancherlei Aberglauben. Eine ganz eigenartige Auffassung über ihre Bedeutung besteht bei den Bewohnern der Inseln Bali und Nias, bei den Atschinesen und so weiter. Sie halten diese nämlich für den Bruder, beziehungsweise die Schwester des Neugeborenen und glauben, daß, wenn jemand stirbt, ihm die Seele seiner Nachgeburt auf dem halben Wege entgegenkomme, um dem Verstorbenen den Weg zum Paradiese zu zeigen. Daher wird die Nachgeburt auch sorgfältig behandelt; meistens pflegt man sie zu waschen und in einem Gefäß, Bambusrohr, in der Blütenhülle des Pinang (Arekablüte) und ähnlichem gut verpackt, entweder im Hause aufzuheben oder in dessen Nähe zu vergraben. Bei anderen Stämmen ist es Sitte, sie auf einem kleinen Bambusfloß, das mit Blumen und Früchten festlich geschmückt und mit Kerzen beleuchtet ist, den Fluß hinabtreiben zu lassen, als ein Opfer für die Krokodile, welche die Seele der Vorfahren beherbergen. Der Aberglaube von dem Nachgeburtszwilling treibt noch weitere Blüten. Wird ein Kind krank, so meint man, daß die Nachgeburt in ihrem Grabe krank geworden sei, und legt daher die Heilmittel auf die Stelle, wo sie verscharrt wurde; bessert sich trotzdem das Befinden des Kindes nicht, so ist man überzeugt, daß die Nachgeburt kein angenehmes Lager gefunden habe, gräbt sie wieder aus und beerdigt sie an einer anderen Stelle. Man vermutet ferner, daß die Seele der Nachgeburt zeitweilig ihre Stätte verlasse, um mit ihrem Zwillinge zu spielen, und daß ein Lächeln des Kindes im Schlafe darauf hindeute. — Die Abtrennung der Nabelschnur wird meistens mit einem Bambussplitter vorgenommen; wollen bei den Atschinesen die Eltern, daß ihr Sohn eine gute Stimme bekomme, so wird dieser Splitter aus einer Bambusflöte geschnitten. Meistens trocknet man den Nabelschnurrest und bewahrt ihn auf: bei Erkrankungen wird er entweder zu Pulver gestoßen und dem Patienten eingegeben oder in Form von Umschlägen angewendet. Verschiedentlich tragen die Kinder ihre eigenen Nabelschnurreste auch als Amulett um Hals und Bauch.

Die Wöchnerin wird allgemein als unrein angesehen. Während dieser Zeit haben bei den Atschinesen nur Frauen zu ihr Zutritt, ausgenommen der Ehegatte, der ihr Essen bringt, aber nur das Notwendigste mit ihr sprechen, sie nie berühren, noch von den Speisen und Getränken, die sie angefaßt hat, etwas essen darf. Merkwürdig ist der Brauch auf den Tanembar- und Timorlaoinseln, daß in der ersten Zeit nach der Geburt der Ehegatte das Kind zu pflegen und zu besorgen hat, während die Frau ihrer gewohnten Tagesbeschäftigung nachgeht; offenbar handelt es sich hierbei um die letzten Ausklänge der ursprünglichen Sitte des Männerkindbettes. — Die jungen Mütter pflegen ihr Kind oft jahrelang selbst zu stillen, aber daneben ihm auch andere Kost zu verabreichen. Ist eine Mutter aus irgend einem Grunde außerstande, ihr Kind selbst zu nähren, dann übernimmt vielfach die Großmutter diese Funktion. Infolge des Reizes, der durch das wiederholte Anlegen an die Brust auf diese ausgeübt wird, kommt es trotz des Alters doch noch zur Absonderung von Milch. Bei der Arbeit schleppt die Mutter ihr Kind in einem Korbe auf dem Rücken mit sich herum (Abb. 265).

Phot. W. H. Furneß.
Abb. 265. Punanfrau, ihr Kind in einem Korbe auf dem Rücken tragend,
in dem es bequem ruht, während die Frau ihre Arbeit fortsetzt.

Stirbt die Mutter bei der Geburt, so pflegt man allgemein auch das Kind zu töten, weil man entweder annimmt, daß es an dem Tode der Mutter schuld ist, oder weil man fürchtet, daß es doch nur ein Unglücklicher werden würde. Meistens geschieht die Tötung auf grausame Art. Die Dajak legen das Kind lebend in den Sarg der Mutter, die Niasser stecken es in einen Sack und hängen ihn im Wald an einem Baume auf, die Mentaweiinsulaner drücken ihm den Kopf ein und halten ihm Mund und Nase zu und anderes mehr.

Künstliche Abtreibung der Leibesfrucht wird auf den Inseln des malaiischen Archipels in großem Umfange geübt; einige Stämme sollen es zu großer Fertigkeit darin gebracht haben.

Zwillinge werden vielfach, wie auch anderwärts, als ein Unglück angesehen, zumal, wenn sie verschiedenen Geschlechtes sind. Die Dajak geben den männlichen Zwilling als Sklaven fort, die Balinesen verhängen schwere Strafen über die Mutter; sie verbannen sie für mehrere Monate an einen einsamen Ort, brennen ihre Hütte nieder, reinigen das ganze Dorf, und bringen zahlreiche Opfer dar, um die vermeintliche Blutschande im Mutterleibe zu sühnen. Auf einzelnen kleineren Inseln dagegen werden Zwillinge hochgeschätzt, als ein Geschenk der Götter angesehen und besonders gepflegt.

Mit dem Neugeborenen werden ebenfalls allerlei Zeremonien vorgenommen und Mittel angewendet, um den Einfluß der bösen Geister zu verhindern. Sehr beliebt ist als Opfer für sie ein Huhn, dessen Blut über das Kind gespritzt wird. Bei den Batakern läßt man einen Zauberer kommen, der dem Kinde das Horoskop stellen, das heißt sagen muß, ob es unter günstigen oder ungünstigen Gestirnen geboren ist. Bei den Kenjah wird der neue Weltbürger mit Trommelschlag begrüßt, und jeder der anwesenden Hausgenossen erhält für gewöhnlich eine Handvoll Salz zum Geschenk. Wenn sie sich nicht im Hause befinden, erwartet man umgekehrt von ihnen, daß sie dem Kinde ein Geschenk machen. Sehr wichtig ist auch, daß kein Fremder von dem Kinde Notiz nimmt, da man fürchtet, daß eine solche Beachtung die Aufmerksamkeit der Geister auf dasselbe lenken könnte; vergeht sich der Fremde gegen diese Vorschrift, so muß er zur Sühne dem Kinde etwas schenken. — Auf Java wird bei der Geburt eines Knaben ein scharfer Bambusspan in ein Papier, das mit dem javanischen Alphabet beschrieben ist, eingewickelt, in eine Kanne getan und vergraben. In der ersten Nacht nach der Geburt bewachen Leute das Kind und lesen ihm eine Art Erzählung vor; einige Tage später erhält es seinen Namen. Ist es neun Monate alt, dann findet eine Wayangvorstellung statt. Bei den Dajak erfolgt die Namensgebung auf ein bestimmtes Wahrzeichen hin. Man kitzelt dem Kinde mit einer Feder die Nasenschleimhaut; nießt es, so gilt dies für eine günstige Vorbedeutung und die Namensgebung erfolgt; andernfalls wird sie auf später verschoben. Bei der Namensgebung nimmt die Mutter das Kind vor das Haus, badet es, hebt es dreimal nach Westen und dreimal nach Osten in die Höhe, wobei sie Segenswünsche für sein Gedeihen ausspricht, opfert darauf ein Huhn, bespritzt mit dessen Blut ihr Kind und gibt ihm den Namen. Die Alfuren auf Celebes opfern bei dieser Gelegenheit für einen Knaben zwei Böcke, für ein Mädchen nur eine Ziege, deren Köpfe, Fell und Pfoten vergraben werden. Natürlich knüpfen sich an alle diese Handlungen größere oder kleinere Feste. — Bei den Klemantanen erhält das Kind in den ersten paar Jahren seines Lebens noch keinen Namen; man spricht von ihm in unbestimmten Ausdrücken, wie etwa „das Dingsda“ oder „das kleine Wurm“ und dergleichen. Man fürchtet nämlich, daß, da das Kind noch klein und schwächlich ist, es für die bösen Geister empfänglicher ist, und daß es deren Aufmerksamkeit wahrscheinlich noch leichter auf sich lenken könnte, wenn es mit einem Namen gerufen würde. Erst im Alter von drei bis vier Jahren erhält es einen solchen. Für gewöhnlich wird der Name des Großvaters beziehungsweise der Großmutter dazu gewählt, wenn diese besonderes Glück im Leben gehabt haben. Wird das Kind aber von Unglück verfolgt, oder bekommt es eine ernste Krankheit, dann wird sein Name gewöhnlich gegen einen anderen vertauscht. Manchmal wählt man auch einen unschönen Namen, etwa entsprechend unserem „Dung“ oder „schlecht“ aus dem schon angegebenen Grunde, um die unfreundlichen Geister irrezuführen. Bei den Kajan am oberen Rejang ist die Namensfeier sehr verwickelt. Die Dajong, eine Frau, die im Namengeben bewandert ist, wird gerufen, und alle Familienmitglieder werden zu einem großen Festessen eingeladen, zu dem man alles mögliche Eßbare an Fischen und Tieren, auch Bananen herbeischleppt. Die Dajong bringt ein Hühnerei mit und bestreicht damit das Kind vom Nabel bis zur Stirn; bei jedem Strich spricht sie einen Namen aus, bis sie glaubt, einen passenden gefunden zu haben. Dann wird das Kind in einen großen Raum gebracht, wo ein Huhn geopfert und seine Eingeweide auf etwaige gute Vorbedeutung untersucht werden. Trifft diese zu, dann stimmt die Dajong einen Gesang an und erbittet den Schutz der guten Geister für das Kind. Nachdem sodann sechzehn Männer und ebensoviele Frauen, deren Eltern noch am Leben sind, Wasser zur Benutzung für Mutter und Kind herbeigebracht haben, beginnt das Essen. Einige der Gäste essen dabei zum Besten des Kindes, wenn es noch zu jung ist, um selbst daran teilzunehmen. Acht Tage später wird der Schutz der Geister wiederum angerufen, und das Kind den Hausgenossen gezeigt. Ein naher Verwandter zeichnet ihm mit einem Stück Holzkohle ein Kreuz auf den rechten Fuß; sodann bringt man das Kind vor die Tür eines jeden Dorfbewohners, damit er es beschenkt. Hierauf muß es acht Tage in dem Raum der Eltern bleiben, ehe es wieder heraus darf. Wenn dann bis zum nächsten Herbst dem Kinde kein Unglück zugestoßen ist, wird sein Name bestätigt; ist ihm aber irgend etwas geschehen, so erhält es den Namen irgend eines Verwandten, dem es gut geht, dafür verliert es den ersten Namen. Selten behält übrigens ein Angehöriger der Klemantanen den Namen, der ihm als Kind gegeben wurde, sein ganzes Leben lang. Nach einer jeden Krankheit oder irgend einem Unglück wird er gewechselt, damit die bösen Mächte, die beständig in der Umgebung der Menschen weilen, unter dem neuen Namen ihn nicht mehr erkennen.

Abb. 266. Hochzeit bei den Dajak.
Eine Betelnuß wird in Gegenwart von Freunden und Zeugen gespalten, um den Eltern und Verwandten zu zeigen, daß die Ehe glücklich sein wird. Ist die Betelnuß gut, was gewöhnlich der Fall ist, so ist die Hochzeitszeremonie damit beendet. Allen Anwesenden wird dann ein Fest gegeben.

GRÖSSERES BILD

Bei den Balinesen sind die Zeremonien anläßlich einer Geburt ziemlich die gleichen wie bei den Javanern, nur kommen sie bei gewissen Gebräuchen in Wegfall, die der Islam vorschreibt. — Bei den Atschinesen erhält die Schwangere im vierten bis sechsten Monat einen zeremoniellen Besuch von ihrer Schwiegermutter, die ihr ein Geschenk bringt und dafür Tabak und Nahrungsmittel mitnimmt. Ebenso fühlen sich andere Besucher verpflichtet, der angehenden Mutter Geschenke zu machen. Auch hier trifft man tausenderlei Vorsichtsmaßregeln gegen den Einfluß der bösen Geister. — Bei der Wöchnerin wird vierundvierzig Tage lang ein Feuer unterhalten. Die Wiege des Kindes wird mit Amuletten behängt, um das Kind gegen den Pontianak gefeit zu machen. Es ist dies ein Teufel, der nur aus einem Kopf besteht, von dem Eingeweide heraushängen. Sieben Tage nach der Geburt wird dem Kinde der Kopf rasiert, was ohne Festessen nicht abgeht, und bald darauf unter Darbringung eines mohammedanischen Opfers ihm der Name gegeben.

Im Alter von etwa neun bis zwölf Jahren werden die Knaben der Dajak als Mitglied der Gemeinde aufgenommen; verschiedentlich bekommen sie auch dann einen neuen Namen. Bei den Kajan findet bei dieser Gelegenheit eine große Zeremonie statt, bei der ein auf der nachfolgend beschriebenen Kopfjagd erbeuteter Schädel eine wichtige Rolle spielt. In dem Hause, in dem sich mehrere Knaben befinden, denen noch nicht die Aufnahme zuteil geworden ist, schlachtet ein dazu erwählter Zeremonienmeister ein Huhn und zerlegt es in drei Stücke, eins davon für die Erwachsenen, ein zweites für die Knaben und ein drittes für die kleinen Kinder. Darauf bindet er jedem Knaben ein Armband aus Palmblattstreifen um das Handgelenk und besprengt es mit dem Hühnerblut. Nun muß jeder Knabe dem erbeuteten Kopf, den die heimkehrenden Männer mit großem Gepränge anbrachten, einen Schlag austeilen. Schließlich werden die Knaben an einen Fluß geführt, um hier zu baden, währenddessen wird ein Büschel Palmblätter, mit dem der Schädel geschmückt war, über sie geschwenkt. Kein Jüngling darf sich einem Kriegszuge anschließen, bevor er diesen Ritus nicht durchgemacht hat. Einige Jahre nach dieser Einweihungsfeier werden die bereits oben geschilderten Körperverunstaltungen an den Knaben vorgenommen. In gleicher Weise müssen sich ihnen auch die Mädchen unterziehen.

Das heiratsfähige Alter tritt bei den malaiischen Stämmen bereits sehr früh ein. Die Banjanesinnen auf Borneo sollen schon mit acht bis neun Jahren, die Javanerinnen sogar mit sieben bis acht Jahren in die Ehe treten, also schon zu einem Zeitpunkt, wo sich die geschlechtliche Reife bei ihnen noch nicht eingestellt hat und sie noch nicht zur Mutterschaft gelangen können. Entsprechend frühzeitig heiraten auch die jungen Männer.

Phot. Ch. Hose.
Abb. 267. Eingeborener von Borneo im Kriegsschmuck,
der aus einem Leopardenfell, das über die Schultern hängt, einem Brustschmuck aus Perlmutter und einem rot bemalten Holzschild und Schwert besteht.

Auf der Insel Nias ist es nicht ungewöhnlich, daß wohlhabende Männer ihren zwei- bis dreijährigen Sohn mit einem erwachsenen Mädchen verheiraten und damit die ehelichen Rechte und Pflichten des jungen Ehemanns so lange übernehmen, bis dieser dazu allein imstande ist. Daher kann es vorkommen, daß die junge Frau nicht nur ihrem Kinde, dessen Vater ihr Schwiegervater ist, sondern auch ihrem gesetzlichen Manne gleichzeitig die Brust reicht. — Auch auf Java werden die Ehen sehr frühzeitig geschlossen; hier sieht man nicht selten sehr begüterte junge Burschen im Alter von dreizehn bis vierzehn Jahren im Besitze eines Harems. — Über die Keuschheit der Mädchen vor der Ehe herrschen ganz verschiedene Anschauungen in Indonesien; bei einigen Stämmen ist der Geschlechtsverkehr den Mädchen erlaubt, bei anderen dagegen wird daran großer Anstoß genommen. Unter den Batakern ist ein „Ausleben“ der jungen Mädchen etwas Selbstverständliches, und ein solches, das jungfräulich stirbt, wird nach ihrer Annahme zu einem bösen Geiste, der den Männern nachstellt, weil es bei Lebzeiten die Freuden der Liebe nicht kosten konnte. Auf den Mentaweiinseln empfangen junge Mädchen direkt ihre Liebhaber in einer der zahlreichen kleinen Feldhütten, die außerhalb des Dorfes erbaut sind, um mit ihnen die Nächte zuzubringen. Bei den Tenggeresen auf Java wird einem jungen Mann, der eine befreundete Familie besucht, für die Nacht die Tochter des Hauses zur Verfügung gestellt. Dagegen halten die Dajak Südostborneos sehr auf geschlechtliche Reinheit ihrer Töchter. Hat ein junger Mann trotzdem ein Mädchen verführt, so ist er gezwungen, es zu heiraten; außerdem müssen beide zur „Reinigung“ des Dorfes ein Huhn und ein Schwein schlachten lassen und alle Dorfbewohner zum Verzehren einladen. Bei anderen Stämmen werden die Mädchen, die sich außerehelich preisgeben, mit dem Tode bestraft oder in sehr schwere Geldstrafe genommen. Dies gilt auch für verschiedene Stämme auf Sumatra und Celebes. Die Sibuyan (Borneo) sehen uneheliche Mutterschaft sogar für eine schwere Beleidigung der höheren Mächte an, wofür der ganze Stamm von ihnen bestraft werden würde; sie bringen daher für gefallene Mädchen Sühneopfer dar und bestrafen die Schuldigen, beziehungsweise deren Eltern. — Die Bewohner der Insel Nias führen ein Ausbleiben des Regens auf eine außereheliche Schwangerschaft zurück und untersuchen vorkommendenfalls alle jungen Mädchen im Dorfe daraufhin. Jede Schwangere, die man findet, wird mit ihrem Verführer getötet. Um dieser harten Strafe zu entgehen, kommen manche Mädchen auf den Gedanken zu behaupten, sie wären von einem bösen Geiste geschwängert worden; der Volksglaube läßt aber aus solcher Verbindung Albinos hervorgehen. Wird nun ein Kind geboren, das kein Albino ist, dann forscht man unter den jungen Männern nach, welchem es ähnlich sieht, und erklärt diesen für den Vater. Dieser mutmaßliche Verführer und das junge Mädchen werden daraufhin auf grausame Weise getötet, das Kind aber wird in einem Sack an einen Baum gehängt und dem Hungertode preisgegeben.

Phot. Dr. Arnold Heim.
Abb. 268. Ein malaiisches Opfer auf Sumatra.
Die Malaien der südöstlichen Gebiete Sumatras töten zu jedem Fest einen Ochsen. Wenn letzteres vorüber ist, wird der Kopf des Tieres in ein weißes Tuch eingeschlagen und unter das Haus des Dorfhäuptlings oder des Gastgebers gelegt.

Bei einigen Stämmen Borneos kommt auch Prostitution vor, und zwar geben sich gewisse Priesterinnen (Balian) dazu her; sie nehmen trotzdem eine geachtete Stellung unter der Bevölkerung ein. Ebenso sollen auf Java Prostituierte im herzlichen Verkehr mit ihren Angehörigen bleiben und sich nach Aufgabe ihres Gewerbes noch verheiraten können und selbst für ehrenhafte Frauen gelten. — Sehr verbreitet scheint auf Borneo und Celebes die männliche Prostitution zu sein. Diese Leute (Basir genannt) ahmen in der Kleidung und im Benehmen die Frauen nach und geben sich gegen entsprechende Bezahlung homosexuellem Verkehr hin. Wegen ihrer abnormen Veranlagung werden sie vom Volke für etwas Höheres gehalten, nehmen daher die Funktionen von Priestern wahr und gelten für Vermittler im Verkehr mit den Geistern. Manche Männer knüpfen dauernde Liebesverhältnisse mit solchen Basir an und schließen mit ihnen sogar eine regelrechte Ehe. Allerdings darf man nicht bei allen Männern, die nach Weiberart gekleidet einhergehen, annehmen, daß sie homosexuellen Neigungen nachgehen; denn es kommt auch vor, daß sie ihr Gewand geändert haben, um böse Geister, die sie jahrelang mit Unglück und Krankheit verfolgten, dadurch zu täuschen.

Die Indonesier scheinen sehr sinnlich veranlagt zu sein. Um den Weibern die Freude beim Geschlechtsgenuß zu erhöhen, ist es bei verschiedenen Stämmen des Archipels (Dajak, Bisayo) üblich, die Eichel des männlichen Gliedes zu durchbohren und durch die Öffnung ein Stäbchen aus Elfenbein, Messing oder Silber zu stecken, das nicht selten an jedem abgerundeten Ende noch eine kleine Kugel aus Metall oder Stein trägt. Diese Vorrichtung, Ampallang, Palang, Utang oder Kampion genannt, wird erst vor Vollziehen des Beischlafes angelegt. Die Weiber einiger Stämme sind nicht mit einem einzigen Stäbchen zufrieden, sondern verlangen deren drei, die durch drei Öffnungen in verschiedenen Richtungen des Gliedes gesteckt werden. Die Frauen sollen in Männer, die über solche mechanische Reizmittel verfügen, wie vernarrt sein und nur solche zu heiraten pflegen.