2. Cäsars Kampf gegen Pompejus (49–48).

Während Cäsar Gallien unterjochte, blieb Pompejus fortwährend in Rom, um durch seine Gegenwart seine Macht zu behaupten und zu erhöhen. Im Jahre 55 bekleidete er mit Crassus zum zweiten Male das Konsulat, nach dessen Ablauf dem Crassus Syrien, ihm selber Spanien und Afrika als Provinzen zufielen. Cäsar hingegen erhielt die Erneuerung seiner Statthalterschaft auf weitere fünf Jahre.

Crassus eilte nach Syrien, um von dort aus einen Feldzug gegen die Parther, die Nachbarn der Meder und Perser, welche mit ihren zahlreichen Reiterscharen von Osten her die römischen Provinzen in Vorderasien seit mehreren Jahren heimsuchten, zu unternehmen. Aber in unersättlicher Habsucht brachte er seine Zeit damit zu allenthalben Geld zu erpressen und die Tempelschätze zu plündern, wie er denn im Tempel zu Hierapolis tagelang mit Abwägen des Goldes beschäftigt war. Inzwischen gewannen die Parther Zeit zu mächtigen Rüstungen, und als es dann in Mesopotamien bei Karrhä zur Schlacht kam, wurde er gänzlich geschlagen. Auf dem Rückzug ließ er sich durch den parthischen Feldherrn in einen Hinterhalt locken, in dem er verräterisch getötet ward (53).

Durch den Tod des Crassus hatte sich das sogenannte Triumvirat in ein Duumvirat, d. h. in eine Verbindung zweier Männer verwandelt. Da aber im Jahre 52 Julia, die Tochter Cäsars und Gemahlin des Pompejus, welche bis dahin die Eintracht zwischen den beiden Machthabern erhalten hatte, starb, so wurde die Verbindung zwischen ihnen, die ja nie aufrichtig gemeint war, noch mehr gelockert. Pompejus war nach Ablauf seines Konsulates nicht in seine Provinzen gegangen, sondern ließ sie durch Legaten verwalten, um nur immer in Rom zu sein, wo es ihm gelang für das Jahr 52 gegen alles Herkommen, zum alleinigen Konsul ernannt zu werden. Dagegen unterließ aber auch Cäsar nicht durch Bestechungen die einflußreichsten Männer in Rom zu gewinnen, darunter den talentvollen und beredten Volkstribunen Curio. Als nun der Zeitpunkt herannahte, wo die feindselige Spannung zwischen beiden Männern in offenen Kampf ausbrechen sollte, überließ sich Pompejus einer großen Sorglosigkeit, ohne an Gegenrüstungen zu denken. Als ihn jemand daran erinnerte, äußerte er in stolzer Zuversicht: „Wo ich nur in Italien mit dem Fuße auf die Erde stampfe, da werden Legionen hervorkommen.“

Cäsar gedachte sich um das Konsulat für das Jahr 49 zu bewerben, wollte aber nicht, nach der herkömmlichen Ordnung, ein halbes Jahr vor dem Antritt des Amtes sich persönlich in Rom bewerben. Denn dann hätte er seine Stellung als Statthalter der ihm übertragenen Provinzen zuvor verlassen und seine Legionen abgeben müssen, und wäre als Privatmann gegen die Angriffe seiner Gegner machtlos geworden. Aber eben deshalb bestand auch der Senat hartnäckig auf der Forderung, daß er nur persönlich, nicht aus der Ferne, und als Privatmann, ohne Amt und Heerbefehl, als Bewerber um das Konsulat auftreten solle. An dieser Frage entzündete sich der seit lange drohende Kampf. Denn Cäsar forderte, daß dann auch Pompejus auf seine Provinzen und Legionen verzichten müsse. So wurde eine Zeit lang über die Frage, hin und her gestritten. Endlich beschloß der Senat, daß Cäsar seine Kriegsmacht abgeben sollte, wo nicht, so werde er als Feind des Vaterlandes betrachtet werden. Die dem Cäsar treu ergebenen Tribunen M. Antonius und C. Cassius erhoben leidenschaftlichen Einspruch. Da schritt der Senat zu dem äußersten Mittel: er erteilte den Konsuln unbeschränkte Vollmacht mit der alten Formel, „die Konsuln sollten darauf achten, daß das Gemeinwesen (res publica) keinen Schaden nehme“, und gegen Cäsars Unbotmäßigkeit mit Waffengewalt einzuschreiten. Jetzt flohen die beiden Tribunen, als wären sie ihres Lebens nicht mehr sicher, als Sklaven verkleidet, nach Ravenna, einer nahe an der Grenze gelegenen Stadt der gallischen Provinz, wo sich Cäsar damals aufhielt, und meldeten ihm, daß der Krieg gegen ihn beschlossen sei. Er war seit lange auf diesen Ausgang seines Streites mit Pompejus und der Senatspartei vorbereitet, und handelte nun mit seiner gewohnten Raschheit.

Er führte die Tribunen in derselben entwürdigenden Kleidung, in der sie zu ihm geflohen waren, vor die Reihen der Legion, mit der er nach Ravenna vorgerückt war, stellte ihnen das ihm widerfahrene Unrecht vor und schloß seine Rede mit der Frage, ob sie die Ehre ihres Feldherrn verteidigen wollten, unter dessen Anführung sie so viele glückliche Schlachten geliefert hätten. Freudig riefen alle, sie wären bereit ihn zu verteidigen, und gelobten ihn niemals zu verlassen, wohin er sie auch führen würde. Kaum war er der Treue seiner Legionen gewiß, so schickte er sie heimlich an den Fluß Rúbico, der seine Provinz von dem eigentlichen Italien trennte. Er selbst blieb bis zu Ende des folgenden Tages in Ravenna. Um sein Vorhaben zu verbergen und keinen Verdacht zu erregen, besuchte er früh ein öffentliches Schauspiel, besah zur Mittagszeit die Anlage einer Fechterschule, die er zu Ravenna bauen lassen wollte, und gab gegen Abend seiner Gewohnheit gemäß ein großes Gastmahl. Erst nach Sonnenuntergang stand er von Tische auf, unter dem Vorwand, daß er durch ein kleines Geschäft abgerufen werde, und mit dem Versprechen sobald als möglich wiederkommen zu wollen. Aber er kam nicht zurück. Er reiste vielmehr mit seinen vertrautesten Freunden zum Fluß Rubico, den er vor Tagesanbruch erreichte. Und nun stand er im Begriff den Krieg gegen sein Vaterland zu beginnen, denn mit dem Übergang über den Grenzfluß überschritt er zugleich seine amtliche Befugnis und erhob die Fahne der Empörung gegen die bestehende Staatsordnung. Es war der Beginn des Bürgerkriegs. Ein solches Beginnen mußte, wenn auch seit lange von Cäsar erwogen und beschlossen, ihm in letzter Stunde noch einmal alle damit verbundenen Bedenken und Gefahren vor die Seele führen. Wohl möchten diese Gedanken auch eines Cäsars Geist erschüttern. „Noch ist es Zeit zurückzukehren“, sagte er zu seinen Freunden, „sind wir aber einmal über diese Brücke gegangen, dann muß alles mit den Waffen entschieden werden.“

Lange, so erzählt man, stand er und sann. Endlich rief er: „Wohlan, die Götter wollen es, die Feinde fordern uns, der Würfel sei geworfen!“ Und sogleich ließ er seine Truppen hinübergehen, rückte in größter Eile vor Ariminum (Rimini) und nahm diese Stadt noch am Morgen des Tages ein.

Zu spät erwachte jetzt Pompejus aus dem Schlummer der Sorglosigkeit. Auf seine Soldaten, die, wenn auch 30000 Mann stark, keine Lust hatten sich mit Cäsars sieggewohnten Legionen zu schlagen, konnte er sich nicht verlassen. Jetzt mußte er sogar den Vorwurf hören, er möge doch nun die verheißenen Legionen aus der Erde hervorstampfen! Dagegen rückte Cäsar in raschem Siegeslauf die Küste entlang und nahm ohne Schwertstreich eine Stadt nach der anderen. Da verlor Pompejus den Mut; er verließ Rom mit den Konsuln, den meisten Senatoren und allen seinen Anhängern, und ging nach Capua, wo seine Legionen standen. So übereilt war die Flucht, daß die Konsuln den gefüllten Schatz in Rom zurückließen und sich begnügten nur die Schlüssel mitzunehmen. Von Capua eilte Pompejus nach Brundisium (Bríndisi), um von da über das Meer nach Griechenland zu gehen. Ohne Kampf überließ er Italien seinem Gegner.

Cäsar, von dessen Siege man die Wiederkehr der Schreckenszeiten unter Marius und Sulla befürchtete, verfuhr allenthalben mit unerwarteter Milde und zuvorkommender Großmut. Auch Sardinien und Sizilien kamen ohne Kampf in seine Gewalt. Den Zugang zum Schatz in Rom ließ er erbrechen und erklärte dem Tribunen Metellus, der dies verhindern wollte, daß er ihn bei fortgesetztem Widerstande werde hinrichten lassen, indem er hinzufügte: „Wisse, junger Mann, daß es mir schwerer fällt dies zu sagen als zu tun.“ Im Schatze fand er 26000 Barren Goldes und 40 Millionen Sesterzen. In 60 Tagen ward er Herr von Italien und hatte alle Gemüter durch Freundlichkeit und Wohlwollen beruhigt. Die Bewachung der Stadt übergab er dem Lépidus, das Kommando in Italien dem Marcus Antonius, und zog dann nach Spanien, um dort „das Heer ohne Feldherrn“ und nach seiner Rückkehr „den Feldherrn ohne Heer“ zu bekämpfen. Bald nötigte er die Legaten des Pompejus in Spanien sich zu ergeben, und reiste dann nach Rom zurück, wo er sich zum Diktator ernennen ließ, aber schon nach elf Tagen diese Würde mit dem Konsulat vertauschte. Jetzt erst gedachte er den Pompejus selbst zu verfolgen und zu bekämpfen.

Dieser hatte indessen großartige Rüstungen betrieben. Aus den östlichen Provinzen des römischen Reiches und von verbündeten Fürsten hatte er Truppen, Schiffe und Geld zusammengebracht, und stand jetzt an der Spitze eines Heeres von 63000 Mann zu Fuß und mehr als 10000 Reitern, wozu eine Flotte von 800 Schiffen kam. Zugleich gab er durch den Glanz seines Hauptquartiers, wo ein großer Teil des römischen Adels versammelt war, und durch die Einrichtung eines eigenen Senates zu erkennen, daß er sich als den eigentlichen Machthaber und seinen Senat als den eigentlichen Sitz der Reichsregierung betrachtete. Cäsar fuhr mit sieben Legionen von Brundisium ab und landete an der Küste von Epirus; die leeren Schiffe sandte er zurück, Antonius sollte die übrigen fünf Legionen auf ihnen hinüberführen. Aber von diesen Schiffen wurden 30 von einem Legaten des Pompejus abgefangen, die übrigen durch die Stürme des Winters an der Überfahrt gehindert. Ungeduldig vor langem Warten bestieg Cäsar selbst in einer stürmischen Nacht in Sklavenkleidung eine Barke, um nach Brundisium zu segeln und die Einschiffung seiner Truppen zu beschleunigen. Aber das Meer war so ungestüm, daß der Steuermann wieder umkehren wollte. Um ihn zu neuer Anstrengung zu ermuntern, wagte Cäsar sich ihm zu entdecken: „Sei guten Mutes!“ rief er, „du fährst Cäsar und Cäsars Glück!“ Dennoch mußte er den allzu mächtig tobenden Elementen weichen und in den Hafen zurückkehren. Endlich landete Marcus Antonius mit den übrigen Legionen.

Anfangs ließ sich der Krieg in Epirus für Cäsar ungünstig an. Bei Dyrrháchion (Durazzo) durchbrach Pompejus seine Verschanzungen und brachte ihm einen großen Verlust bei. Darauf zog Cäsar, dessen Heer den Mangel an den notwendigsten Bedürfnissen nicht länger tragen konnte, über das Gebirge nach dem fruchtbaren Thessalien hinüber.

Hier kam es in der Ebene von Pharsálos zur entscheidenden Schlacht (9. August 48). Das Heer des Pompejus betrug 47000 Mann zu Fuß und 7000 Reiter, und bildete eine zehn Mann tiefe Linie. Von Cäsars Heer waren nur 22000 Mann zu Fuß und 1000 Reiter zur Stelle und in dreifacher Schlachtreihe aufgestellt. Da Pompejus mit seiner Reiterei den linken Flügel hielt, weil sein rechter von einem Fluß gedeckt war, so stellte sich Cäsar mit seiner treuen, in vielen Schlachten bewährten zehnten Legion und sechs Kohorten kräftiger Germanen, jenem gegenüber, hinter seinem rechten Flügel auf.

Pompejus befahl seinen Soldaten den feindlichen Angriff ruhig zu erwarten. Cäsar dagegen ließ, um den Stoß auf den Feind zu verstärken, sein Heer anlaufen, dann mitten im Anlauf ein wenig halten und sich ordnen, und so auf den noch immer ruhigen Feind anstürmen. Zwar warf des Pompejus Reiterei die des Cäsar, wurde aber mitten im Vorstürmen plötzlich von der zehnten Legion und den deutschen Kohorten so empfangen, daß sie die Flucht ergriff, worauf die verfolgenden Kohorten Cäsars dem linken Flügel des feindlichen Fußvolkes in den Rücken fielen und durch dessen völlige Versprengung den Sieg herbeiführten. Am meisten Ruhm erntete im Heere Cäsars der Centurio Crástinus. Dieser rief seinen Kameraden zu: „Wohlan, ihr Kriegsgefährten! Mir nach und leistet eurem Feldherrn den Dienst, den ihr ihm verheißen habt; dieser eine Kampf ist noch übrig, dann wird er seine gebührende Würde und wir unsere Freiheit erlangen.“ Dann sagte er mit einem Blick auf Cäsar: „Heute, Feldherr, will ich mir deinen Dank verdienen, ob ich falle oder am Leben bleibe!“ Nach diesen Worten stürzte er sich an der Spitze von 120 Auserlesenen auf den Feind, in deren Mitte er aufs tapferste kämpfend den Tod fand.

Die geschlagenen Truppen des Pompejus flohen ins Lager, wohin sich dieser schon gleich nach der Flucht seiner Reiter begeben hatte. Noch saß er wie betäubt und sprachlos in seinem Zelte, als man ihm meldete, der Feind habe schon die äußeren Schanzen genommen. „Also gar bis in unser Lager!“ rief er bestürzt und fassungslos, vertauschte sein purpurnes Feldherrngewand mit einem schlichten Kleide, warf sich auf ein Roß und floh, von wenigen Getreuen begleitet, in der Nacht durch das Tal Tempe dem Meere zu.

Indessen eroberte Cäsar das feindliche Lager mit Sturm; 15000 Feinde lagen tot oder verwundet. Der Rest des feindlichen Heeres, der sich gerettet hatte, gegen 20000 Mann, ergab sich am folgenden Morgen, während Cäsar nur 30 Hauptleute und 200 Gemeine verloren hatte. Allen Gefangenen schenkte der Sieger Leben, Freiheit und Eigentum. Die Gemeinen nahm er in sein eigenes Heer auf. Die gefangenen Senatoren dagegen und Ritter wurden fast alle mit dem Tode bestraft, nur wenige fanden Schonung und Gnade; die übrigen suchten ihr Heil in der Flucht nach den westlichen Provinzen, denn der ganze Osten fiel alsbald in die Gewalt des Siegers.

Als Pompejus auf seiner Flucht an das Meer gelangt war, bestieg er ein Schiff und segelte nach der Stadt Amphípolis in Makedonien, wo er den Befehl ausgehen ließ, daß alle junge Mannschaft dieser Provinz sich zur Werbung einstellen sollte. Wahrscheinlich tat er dies, um den Plan seiner ferneren Flucht zu verbergen; denn nur eine Nacht blieb er bei Amphipolis vor Anker, dann segelte er weiter nach der Insel Lesbos, um seine Gattin Cornelia, die sich dort aufhielt, zu sich zu nehmen. Durch einen Boten ließ er ihr die Nachricht von seiner Niederlage mitteilen. Die unglückliche Frau, welche in dem süßen Wahn lebte, daß Cäsar seit dem Verluste bei Dyrrhachion schon völlig besiegt sei, sank bei dieser Kunde sprachlos zu Boden, und als sie sich wieder aufgerichtet hatte, stürzte sie, einer Rasenden gleich, aus der Stadt dem Hafen zu; Pompejus kam ihr hier entgegen; sie fiel kraftlos in seine Arme. Pompejus, selbst des Trostes bedürftig, suchte sie zu ermutigen und stellte ihr vor, daß das Glück den, welchen es stürzt, auch wieder erheben könne.

Nach einigen Tagen segelte er mit seiner Gemahlin von Lesbos ab. Er hatte nach reiflicher Überlegung beschlossen sich in den Schutz des Königs Ptolemäos von Ägypten zu begeben. Denn er durfte mit vollem Recht auf die Dankbarkeit und das Wohlwollen desselben hoffen, weil er selbst einst dessen Vater wieder auf den Thron gesetzt hatte. Er segelte also nach Pelusion, einer Stadt an der östlichen Mündung des Nils. Als er nicht mehr weit vom Ufer entfernt war, ließ er den König von seiner Ankunft benachrichtigen und um Schutz und Zuflucht bitten. Ptolemäos, erst dreizehn Jahre alt und noch unfähig selbst zu regieren, ließ sich von Achillas, dem Obersten seines Heeres, von seinem Vormund Potheinos und seinem Lehrer, dem Rhetor Theódotos, leiten. Diese drei Männer berieten über die Bitte des Pompejus. Anfangs waren sie in ihren Meinungen geteilt, zuletzt sagte Theodotos: „Nehmen wir ihn auf, so werden wir ihn zum Herrn und den Cäsar zum Feinde haben; weisen wir ihn zurück, so werden wir ihn beleidigen, weil wir ihm die Aufnahme versagt haben, und Cäsar nicht gewinnen, weil wir jenen haben entwischen lassen. Der beste Rat ist daher den Pompejus kommen zu lassen und sogleich zu töten; so beweisen wir uns dem Cäsar gefällig und brauchen uns vor Pompejus nicht zu fürchten! denn“ — setzte er hohnlachend hinzu — „die Toten beißen nicht mehr.“

Der Vorschlag des Theodotos wurde genehmigt und Achillas zur Vollstreckung ausersehen. Dieser, ein Mann von außerordentlicher Verwegenheit, bestieg mit Septimius, einem geborenen Römer, der einst unter des Pompejus Fahnen gedient hatte, nebst drei bis vier Ägyptiern ein kleines Fahrzeug und fuhr auf das Schiff des Pompejus zu. Das schlechte Aussehen dieses Fahrzeuges und die geringen Anstalten, die man zum Empfange des Pompejus traf, machten seine Freunde unruhig. Sie fingen an Verdacht zu schöpfen und waren schon willens sich wieder zu entfernen, als Achillas an Bord kam und den Pompejus einlud in sein Fahrzeug zu steigen, dessen dürftiges Aussehen er damit entschuldigte, daß das Meer an dieser Küste zu flach sei, um es mit größeren und schwereren Schiffen zu befahren. Pompejus war nicht ohne Argwohn; denn schon sah er, daß an der Küste einige königliche Schiffe bemannt wurden. Allein, um die Ägyptier nicht durch Mißtrauen zu reizen, zeigte er sich sogleich bereit dem Achillas zu folgen. Er nahm daher gefaßten Mutes von seiner Gemahlin und seinem Sohne Abschied und stieg mit vier Personen seines Gefolges in das ägyptische Boot.

Schon waren sie eine beträchtliche Strecke weit gefahren, und noch immer herrschte düsteres Schweigen in dem Boote. Pompejus wurde unruhig und suchte seine Unruhe durch Sprechen zu unterdrücken. Er wandte sich daher zu Septimius und sagte: „Mich dünkt, mein Freund, ich kenne dich. Sind wir nicht einmal Kriegsgefährten gewesen?“ Septimius nickte nur mit dem Kopfe, ohne ein Wort zu sprechen, und es herrschte abermals die vorige Stille. Da nahm Pompejus seine Schreibtafel zur Hand, um die griechische Anrede zu lesen, die er darin aufgezeichnet und die er an den jungen König richten wollte. Cornelias Blicke begleiteten indes die Fahrt in angstvoller Spannung bis zum Lande, wo sich eben viele Hofleute wie zu feierlichem Empfange sammelten. Schon begann sie zu hoffen. Aber in dem Augenblick, als Pompejus den Arm seines Freigelassenen Philippus ergriff, um sich vom Sitze zu erheben, stieß ihm Septimius sein Schwert in den Rücken, und Achillas fiel ihn von vorn an. Pompejus sah, daß er seinem Tode nicht entrinnen konnte, und suchte nun wenigstens die würdevolle Haltung, die er im Leben stets gezeigt hatte, auch noch im Tode zu bewahren. Er zog seine Toga über das Haupt, sprach kein Wort, sondern stöhnte nur bei jedem weiteren Stoß, bis er tot am Ufer zusammenbrach. So starb der große Pompejus im 58sten Jahre seines Alters, am 28. September 48, am Tage vor seinem Geburtstage. Auf den Schiffen, welche ihn hergebracht hatten, erscholl lauter Jammerruf beim Anblick dieses schrecklichen Vorgangs, dann eilten sie ins offene Meer zurück, vergeblich verfolgt von den ägyptischen Kriegsgaleeren.

Die Mörder des Pompejus wüteten noch gegen den Leichnam. Sie schnitten ihm den Kopf ab und warfen den Rumpf nackt an das Ufer, wo er von einer Menge neugieriger Menschen begafft ward. Darauf erwies Philippus, der Freigelassene des Pompejus, seinem Herrn den letzten Dienst. Er wusch den verstümmelten Leichnam im Meere ab, wickelte ihn in eins seiner Gewänder und brachte dann einige Trümmer von einem alten Fischerkahn zusammen, um einen Scheiterhaufen zu errichten. Während er damit beschäftigt war, trat ein alter Römer, der einst unter Pompejus gedient hatte, mit den Worten zu ihm: „Wer bist du, der du den großen Pompejus zu bestatten suchst?“ — „Sein Freigelassener“, antwortete Philippus. — „Wenn du der bist“, erwiderte der Alte, „so teile die Ehre der Beerdigung mit mir, damit ich in dem Elend, das mich drückt, doch wenigstens das eine Glück genieße, den Leichnam des größten römischen Feldherrn mit meinen Händen zu begraben.“ Philippus willfahrte ihm, beide verbrannten den Leichnam, vergruben die Asche und setzten auf den Grabhügel eine Tafel mit der Inschrift: „Hier ruht Pompejus der Große!“