5. Pompejus in Asien.

Während Pompejus diese schnellen Siege erfocht, hatte sich Mithridates, der den Römern so furchtbare König von Pontus, zu einem neuen Kampfe gerüstet. Er hatte seine Land- und Seemacht verstärkt und durch römische Hauptleute, die ihm nach der Unterdrückung der Marianer in Menge zuströmten, in römischer Weise einüben lassen. Mit seinem Eidam, dem König Tigránes von Armenien, und mit Sertorius in Spanien schloß er ein Bündnis und suchte die kriegerischen Völker im Norden des schwarzen Meeres und an der Donau zum Kampfe gegen die Römer aufzureizen. Nach dem Tode des Königs Nikomédes von Bithynien, der die Römer zu Erben seines Reiches ernannt hatte, fiel Mithridates in Bithynien ein mit einem Heer von 120000 Mann zu Fuß, 16000 Reitern und 100 Sichelwagen (74 v. Chr.). Allenthalben ward er als Befreier vom römischen Druck gern aufgenommen. Die Römer aber beauftragten die beiden Konsuln dieses Jahres, L. Licinius Lucullus und M. Aurelius Cotta, mit der Führung des Krieges, von denen dieser hauptsächlich die Leitung der Flotte, ersterer die des Hauptheeres zu Lande erhielt.

Nachdem Cotta in der Propontis unglücklich gegen Mithridates gekämpft und dabei seine ganze Flotte eingebüßt hatte, gelang es Lucullus, der von Cilicien her eben dorthin vorgerückt war, das weit zahlreichere Heer, womit der König die große Seestadt Kyzikos hart bedrängte, völlig zu schlagen, die Stadt zu entsetzen, und bald darauf auch die Flotte des Königs zu vernichten (73). Noch sieben Jahre, bis 67, dauerte der Krieg, der sich allmählich ostwärts bis in die Gebirge Armeniens und Mediens zog und den Gegner immer härter bedrängte. Schon gab Mithridates sein Reich verloren und ließ in seiner Hauptstadt seine Schwestern und Frauen töten, um sie vor römischer Gefangenschaft zu bewahren; er selbst floh zu seinem Schwiegersohn Tigranes von Armenien, der eben im Begriff stand, das Königreich Syrien mit dem seinigen zu vereinigen. Lucullus ließ ihn auffordern, den Flüchtling auszuliefern. Da er aber sein Schreiben an den „König“ Tigranes richtete, statt an den „König der Könige“, wie sich jener hochmütig nannte, so fühlte sich Tigranes gekränkt und gab eine abschlägige Antwort. Da zog Lucullus auch gegen ihn und schlug das zwanzigmal stärkere armenische Heer bei seiner Hauptstadt Tigranokerta in die Flucht (69). Dieser Sieg gewährte unermeßliche Beute. Lucullus gedachte noch weiter vorzudringen, allein der Ungehorsam seiner meuterischen Soldaten, deren Genuß- und Beutegier er nicht genug frönte, hemmte ihn in seinen Unternehmungen, und mitten im glücklichsten Lauf seiner Siege riefen ihn Neid und Mißgunst und boshafte Verleumdungen seiner Gegner vom Schauplatze des Krieges ab.

Diese Feinde hatte sich Lucullus durch seine rücksichtsvolle und menschliche Behandlung der kleinasiatischen Städte zugezogen. Die ihnen von Sulla auferlegten 20000 Talente waren durch die Schulden, die sie bei den römischen Wucherern hatten machen müssen, zu der entsetzlichen Höhe von 120000 Talenten angewachsen, und die unvermögenden Schuldner wurden durch Kerkerstrafen und Martern aufs schrecklichste gepreßt. Lucullus setzte die Schuld auf 40000 Talente herab und gewährte den Städten noch andere Erleichterungen. Dafür ward er denn von den römischen Wucherern daheim auf das heftigste angegriffen und verleumdet. Diese und die Anhänger des Pompejus brachten es dahin, daß ihm der Oberbefehl genommen und auf den Antrag des Volkstribunen Manilius, den Cicero in einer Rede verteidigte, dem Pompejus übertragen wurde (67). Nun ging Pompejus nach Kleinasien, wo er in Galatien mit Lucullus eine Unterredung hatte. Anfangs spendeten sich beide die größten Lobsprüche; zuletzt überhäuften sie sich gegenseitig mit Vorwürfen, indem Lucullus dem Pompejus seinen unersättlichen Ehrgeiz, dieser dem Lucullus seine unersättliche Habgier vorhielt.

Lucullus ging nach Rom, wo er nach langem Warten einen Triumph erhielt, und dann sein weiteres Leben in der Beschäftigung mit Kunst und Literatur und im Genuß seiner ungeheuren Reichtümer hinbrachte. Seine reichen Sammlungen von kostbaren Gemälden, Bildsäulen, Büchern, seine prächtigen Paläste, Landhäuser, Lustgärten, seine Fischteiche und künstlichen Seen, seine Prachtgeräte und Kleinodien, seine üppigen Gastmähler, wozu er die seltensten Speisen und Weine aus allen Weltgegenden herbeischaffen ließ, machten lucullischen Luxus zum Sprichwort. Kostete ihm doch ein einziges Prunkmahl im Apollo (so hieß einer seiner Speisesäle) an 30000 Mark nach unserem Gelde! Durch ihn wurden die Kirschen und andere aus Asien eingeführte edle Obstarten in Europa einheimisch Sein Beispiel blieb natürlich nicht ohne verderbliche Nachahmung; fast alle reichen und vornehmen Männer Roms wetteiferten seitdem in der Pracht ihres Haushalts und ihrer Lebensführung, und je größer ihre Verschwendung ward, um so gieriger suchten sie sich in den Provinzen durch Erpressungen und Bestechlichkeit zu bereichern.

Pompejus, dem sein Vorgänger schon durch große Erfolge vorgearbeitet hatte, setzte nun den Krieg gegen Mithridates fort. Dieser hatte sich inzwischen wieder erholt und mit rastloser Tätigkeit ein neues Heer von 33000 Mann aufgestellt. Vor dem andringenden Pompejus zog er sich in das Innere seines Landes zurück und suchte den Euphrat zu gewinnen. Hier holte ihn Pompejus ein, umging ihn unbemerkt und besetzte die umgebenden Höhen eines Engtals, durch welches die Gegner ihren Marsch nehmen mußten. Mithridates schlug, ohne Ahnung von der Nähe der Feinde, in diesem Tal sein Lager auf. Die Nacht kam und alles lag in tiefer Ruhe. Plötzlich schmetterten auf allen Seiten die römischen Trompeten; die römischen Legionen erhoben ihren gefürchteten Schlachtruf und schlugen mit den Waffen an die Schilde, daß die Schluchten widerhallten. Hierauf ergoß sich ein Pfeil- und Speerregen von den Anhöhen herab über die Aufgeschreckten, die in wildestem Gedränge den Ausweg im Dunkeln suchten. Dann verließen die Römer die Berge; der Feind sah sie nicht, aber er fühlte ihr Schwert; alles flüchtete und drängte nach der Mitte, wo man sich erdrückte und zertrat. Endlich ging der Mond auf und beleuchtete das gräßliche Nachtstück. Mithridates selber entkam mit zwei Begleitern und einer seiner Frauen, die ihn in persischer Reitertracht zu begleiten und alle Gefahren zu teilen pflegte. Sein ganzes Heer war vernichtet.

Pompejus wandte sich darauf gegen Tigranes nach Armenien, das er ohne Schwertstreich einnahm. Der alte Tigranes, von dem eigenen Sohne verraten und an seinem Glücke verzweifelnd, kam in das Lager des Pompejus, legte ihm sein Diadem zu Füßen und bat um Schonung. Er behielt sein Erbreich und zahlte 6000 Talente.

Während Mithridates in die fernsten Teile seines Reiches am Kaukasus und auf die taurische Halbinsel (Krim) geflohen war, um sich zu neuem Widerstande zu rüsten, drang Pompejus durch die Kaukasusländer bis nach Kolchis am schwarzen Meere vor. Bald aber begab er sich wieder in das Reich Pontus, wo zwölf Fürsten der benachbarten Länder demütig vor ihm als ihrem Gebieter erschienen, um seine Befehle zu empfangen. Dann brach er auf, um südwärts nach Syrien zu ziehen, das, seit dem Erlöschen der Dynastie der Seleukiden (312–64), in völlige Zerrüttung geraten war, und machte auch dies große Reich mühelos zur römischen Provinz. Von da wandte er sich westwärts nach Palästina (63).

In Palästina stritten damals zwei Brüder aus dem Heldengeschlechte der Makkabäer um die Herrschaft, und beide hatten den Pompejus zu Hilfe gerufen. Dieser entschied zu Gunsten des älteren Bruders, Hyrkānos, dem er die Regierung und das Hohepriestertum, aber nicht den Königstitel bewilligte. Der zurückgesetzte Aristobūlos zog sich darauf mit seinen Anhängern auf den Tempelberg in Jerusalem zurück und verteidigte sich dort mit der äußersten Tapferkeit. Erst im dritten Monat eroberten die Römer an einem Sabbat, als die Juden die Waffen ruhen ließen, den Tempel; 12000 Juden, darunter die Priester, die sich im Opferdienst nicht irre machen ließen, verloren hierbei das Leben. Nichts schmerzte aber die Juden mehr, als daß Pompejus sich nicht scheute, mit seinem Gefolge in das Allerheiligste des Tempels einzudringen, das doch bei ihnen niemand als der Hohepriester und auch dieser nur einmal im Jahre betreten durfte. Pompejus tat dies in der neugierigen Erwartung, daß er hier den einzigen Gott der Juden sehen werde. Allein, wie erstaunte er über das Volk der Juden, als er darin kein Götterbild wahrnahm, sondern nur den goldenen Leuchter, den goldenen Tisch mit den Schaubroten und die heiligen Schriften. Dem heidnischen Römer mußte dies alles ein verschlossenes Geheimnis sein. Pompejus legte den Juden eine schwere Kriegssteuer auf und machte das Land zinspflichtig; Aristobulus aber und seine Kinder führte er gefangen fort, um sie in Rom beim Triumphe aufzuführen.

In Palästina erfuhr Pompejus auch den Tod des Mithridates. Dieser hatte zuletzt in seiner eigenen Familie Verrat erfahren müssen. Auch sein liebster Sohn Phárnakes empörte sich wider ihn und gewann sein Heer. Der alte, sogar von seinen Leibwachen verlassene König flüchtete sich in eine Burg, wo ihn sein Sohn belagerte, um ihn den Römern auszuliefern. Aber Mithridates, als er das seiner harrende Los erkannte, nahm er das Gift, das er stets im Knaufe seines Schwertes trug, und mischte für sich, seine Frauen und Töchter, unter diesen die beiden Bräute der Könige von Ägypten und Cypern, den Giftbecher, den er selber als der letzte trank. Da er aber seinen Körper, um sich gegen Vergiftung zu schützen, seit lange an alle Arten von Gift gewöhnt und dagegen abgehärtet hatte, so wirkte der Trank nur schwach und langsam. Da bot der König einem seiner keltischen Söldner den Nacken zum Todesstreich. So endete dieser große Feind der Römer sein Leben im 68. Lebensjahre, nach 56jähriger Regierung und 26jährigem Kampf gegen die römische Weltherrschaft (63).

Jetzt eilte Pompejus in das Reich Pontus und traf hier umfassende Anordnungen über die eroberten asiatischen Länder. Er setzte Könige und Fürsten ab und ein, löste Königreiche und Fürstentümer auf und schuf neue, ordnete die neuerworbenen Provinzen nach seinem Gutdünken, und kehrte dann, überreich an Erfolgen, Ruhm und Beute, nach Italien zurück. In Brundisium, wo er landete, entließ er sein Heer und begab sich, wie ein einfacher Bürger, nach Rom. Auf dem ganzen Wege begrüßte ihn das Volk unter stetem Beifallrufen bis zu den Toren Roms, wo ihn der ganze Senat erwartete. In Rom feierte er als Sieger über den dritten Weltteil und zweiter Alexander seinen dritten Triumph, der zwei Tage dauerte und alles, was man bisher in dieser Art in Rom gesehen hatte, an Pracht und Glanz weit hinter sich ließ. Voran trug man Tafeln mit den Namen von sechzehn besiegten Ländern und Völkern, mit der Angabe von 1000 Burgen, 900 Städten, 800 Schiffen, die er genommen, und von 39 Städten, die er gegründet oder bevölkert hatte. Unter den Siegeszeichen und erbeuteten Schätzen und Kostbarkeiten, die er zur Schau stellte, befanden sich 33 Kronen mit Perlen, 3 goldene Götterbildnisse, 9 Schenktische voll goldener Trinkgeschirre, die unermeßlichen Schätze des Mithridates, darunter eine kostbare Sammlung geschnittener Steine, sein goldenes, 8 Ellen hohes Brustbild, sein Thron, sein 4 Fuß breites und 3 Fuß langes Brettspiel von 30 Pfund Gold an Gewicht, mit Würfeln von Edelsteinen, ein Musentempel mit einer Sonnenuhr im Giebel u. s. w. Die Menge der Kostbarkeiten war so groß, daß sie nicht alle in diesen beiden Tagen aufgeführt werden konnten. Unter den 324 vornehmen Gefangenen aus den verschiedensten Völkerschaften, die ungefesselt vor dem Triumphwagen einhergingen, befanden sich fünf Söhne und zwei Töchter des Mithridates. Endlich folgte auf einem von Edelsteinen schimmernden Triumphwagen Pompejus selbst, angetan mit einer Rüstung Alexanders des Großen, die er in der königlichen Schatzkammer des Mithridates gefunden hatte. In den römischen Staatsschatz lieferte er 20000 Talente (fast 10 Millionen Mark).