Während des letzten Jahres, in welchem Pompejus in Spanien focht, wurde Italien durch einen schrecklichen Sklavenaufstand überrascht, der in der grausamen Behandlung der Sklaven seine Ursache hatte. Schon längst hatte bei den Römern das blutgierige Vergnügen Eingang gefunden, Menschen bei öffentlichen Festlichkeiten auf Leben und Tod mit einander fechten zu sehen. Solche Fechter nannte man Gladiatoren (vom lat. gladius „Schwert“). Anfangs nahm man dazu Gefangene und Verbrecher; allein die Sucht des römischen Volkes, sich an solchen Fechterspielen zu ergötzen, nahm so zu, daß ganze Sklavenhorden von gewinnsüchtigen Unternehmern gekauft, in eigenen Fechterschulen abgerichtet und an die hohen Beamten, welche dem Volke solche Spiele auf ihre Kosten zu geben pflegten, vermietet wurden. So fochten oft viele Hunderte von Fechterpaaren vor dem Volke und gaben zur Belustigung desselben ihr Leben hin.
Um diesem unmenschlichen Zustand zu entgehen, entfloh aus einer solchen Fechterschule zu Capua der Thraker Spartacus mit einer Anzahl seiner thrakischen und gallischen Unglücksgenossen. In diesem Manne fand sich bei einer ungemeinen Körperstärke eine unbändige Freiheitsliebe, kühner Wagemut und eine seltene kriegerische Begabung. Anfangs der Hauptmann einer Räuberbande, erwies er sich bald als ein wirklicher Feldherr und erneuerte in Italien den „hannibalischen Schrecken“. Der Zulauf zu seiner kleinen Schar war so gewaltig, daß er nicht nur ein römisches Heer nach dem andern schlug, sondern auch Rom selbst zittern machte.
Anfangs setzte er sich mit seinen Gefährten in der Umgegend des Vesuvs fest. Bald sammelten sich mehr und mehr Fechter und Sklaven aus Süditalien um ihn, die er militärisch ordnete; Raub und Kriegsbeute verschafften Unterhalt und Waffen, und seine Erfolge begeisterten die wilden Haufen bald zu unbedingtem Gehorsam gegen den kühnen Führer. In Rom verkannte man anfangs die Größe der Gefahr. Die schwachen Kohorten, die man gegen den Aufstand sandte, wurden geschlagen. Erst als der Übermut und die Grausamkeit des täglich anwachsenden Heerhaufens die Städte Unteritaliens in Not und Schrecken setzte, rückten größere Truppen gegen ihn aus, die einen regelrechten Feldzug eröffneten.
Einst hatte Spartacus mit seinen Truppen eine Höhe besetzt; der römische Befehlshaber konnte sie hier nicht angreifen und lagerte sich vor der Höhe, da, wo ein einziger schmaler Weg zu ihr hinaufführte, um die Feinde auszuhungern. Allein diese verfertigten aus wilden Weinranken, mit denen die Höhe besetzt war, möglichst starke Ketten, an denen sie sich nachts an der steilsten Stelle herabließen, ohne daß die Römer auf der andern Seite das Mindeste merkten. Ja, sie wurden sogar von den um den Berg herumgekommenen Fechtern so plötzlich überfallen, daß sie die Flucht ergriffen und das Lager preisgaben. Dieser Sieg verschaffte dem Spartacus einen solchen Ruf, daß ihm weitere Tausende von Sklaven zuliefen.
Ein andermal hatte ihn der römische Prätor schon eingeschlossen, sodaß er entweder sich ergeben oder durch Hunger umkommen mußte. Da ließ er nachts vor dem Lager Leichname, die an Pfähle gebunden waren und Waffen in den Händen hielten, in gehörigen Zwischenräumen aufstellen; alle Wachtfeuer brannten, ein Trompeter blies dann und wann; dies alles, damit die Römer ihr Lager fortwährend besetzt halten sollten. Inzwischen entwischte Spartacus mit seinem ganzen Heere an einer wenig bewachten Stelle.
So schlug er nach einander drei Prätoren und zwei Konsuln. Da er jedoch fühlte, daß er seine aus 70000 Mann angeschwollene Masse wilder Thraker, Gallier und Germanen nicht lange werde zusammenhalten können, so suchte er nach Oberitalien zu dringen, um sie von da über die Alpen in ihre Heimat zu führen. Allein das Raubleben in Italien gefiel den meisten, und ein Unterbefehlshaber des Spartacus, namens Crixus, trennte sich mit 30000 Galliern von ihm, erlitt aber bald eine völlige Niederlage. Spartacus selbst ward von seinen Leuten gedrängt sie gegen Rom zu führen.
Hier wurde der durch seinen Reichtum bekannte Licinius Crassus zum Feldherrn gegen Spartacus ernannt. Er stellte zuerst die verfallene Kriegszucht wieder her, ließ in zwei Legionen seines Unterfeldherrn den zehnten Mann zur Strafe für ihre schimpfliche Flucht hinrichten, und schloß dann den Feind durch einen meilenlangen Wallgraben ein. Spartacus aber durchbrach den Wall und ward dann von Crassus zur Schlacht am Flusse Silārus in Lucanien (71) genötigt. Er kämpfte mit dem Mute eines Löwen; er hatte sein Pferd selbst erstochen, denn er wollte siegen oder sterben. Er stürzte sich in den Feind und suchte den Crassus zu treffen, jedoch vergebens; dagegen sanken viele andere unter seinen Streichen. Als er, schwer an der Hüfte verwundet, nicht mehr stehen konnte, schlug er knieend um sich, bis er aus der Ferne mit Wurfspießen getötet wurde. In der Schlacht kamen 60000 Sklaven um, 6000 wurden gefangen und an der Landstraße von Capua nach Rom ans Kreuz geschlagen, und nur einem Reste von 5000 Mann gelang es sich nach Oberitalien durchzuschlagen.
Aber hier stießen sie auf die Legionen, mit denen Pompejus aus Spanien heimkehrte. Er vernichtete den Haufen mit leichter Mühe bis auf den letzten Mann, und schrieb großprahlend an den Senat, Crassus habe zwar die Sklaven in geordnetem Treffen geschlagen, er aber habe diesem Sklavenkrieg erst die Wurzel ausgerissen! Gepriesen von seinen Schmeichlern, erhielt er nach seinem Triumph über Spanien das Konsulat, in dem er eben jenen Licinius Crassus, der ihm natürlich nicht hold war, zum Amtsgenossen hatte. Diese beiden Männer strebten jetzt nach der Gunst des Volkes und dadurch nach der Herrschaft. Crassus bewirtete das Volk an 10000 Tafeln und spendete ihm Getreide auf drei Monate; Pompejus stellte die Macht der Volkstribunen, die Sulla beschränkt hatte, wieder her, um mit ihrer Hilfe seine ehrgeizigen Pläne zu fördern (70).
Am Schluß dieses Jahres vermittelten Freunde zwischen beiden Konsuln eine Versöhnung, wobei sich der gutmütigere Crassus zuerst von seinem Sitze erhob und dem Pompejus die Hand reichte. Dieser liebte es mit erkünstelter Bescheidenheit aufzutreten. Als in dem Jahre seines Konsulats die Censoren die übliche Musterung über die Ritter hielten, erschien auch Pompejus, als ob er dem Ritterstande angehörte, sein Pferd am Zügel führend. Alles staunte; und als er auf die Frage, ob er auch die den Angehörigen des Ritterstandes obliegenden Feldzüge mitgemacht habe, mit lauter Stimme antwortete: „Ja, alle, und zwar immer als Oberbefehlshaber!“ da brach die Menge in lauten Beifall aus und gab ihm jubelnd das Ehrengeleit nach seinem Hause.