XXV.
Gnaeus Pompejus Magnus.

1. Sein erstes Auftreten.

Gnaeus Pompejus, geboren 106, war der Sohn des Pompejus Strabo, der im Kriege der Römer gegen ihre aufständischen italischen Bundesgenossen (91–88 v. Chr.) mit Auszeichnung gefochten und einen Triumph gefeiert hatte. Während aber der Vater wegen seiner Geldgier und seines zweideutigen politischen Verhaltens beim Volk und beim Heer mißliebig war, wußte der junge Pompejus durch Vorzüge des Geistes und Charakters, durch persönliche Anmut und leutseliges Benehmen die Liebe und Gunst des Volkes zu gewinnen. Schon als Jüngling gab er Beweise von Mut und Unerschrockenheit. Während des Bürgerkrieges hatte Cinna einen Mörder gegen den älteren Pompejus gedungen, allein der Anschlag ward verraten und durch die wachsame Umsicht des Sohnes vereitelt. Ein andermal, als die Truppen dem verhaßten Feldherrn den Gehorsam weigerten und dieser aus Furcht nicht hervortrat, stellte sich der Sohn mitten unter die Soldaten, die bereits das Lager verlassen wollten, und suchte sie durch geschickte Rede zu ihrer Pflicht zurückzuführen. Als seine Vorstellungen nichts fruchteten, warf er sich vor dem Tor des Lagers zur Erde und hieß diejenigen, die abziehen wollten, zuvor seinen Körper zertreten. Bei diesem Anblick kehrten die beschämten Soldaten zurück und versöhnten sich mit ihrem Feldherrn.

Im Bürgerkriege nahm er entschiedene Partei für Sulla und die Sache der Optimaten. Solange die Herrschaft der Marianer dauerte, lebte er auf seinen Gütern, trat aber, als Sulla nach Italien zurückgekehrt war, offen für diesen auf. Siegreich kämpfte er mit seiner Truppe, die er selbst geworben, gegen die Marianer, sodaß Sulla dem erst 23jährigen jungen Krieger den Ehrennamen Imperator beilegte. Als Sulla seinen Einzug in Rom gehalten hatte, sandte er den Pompejus nach Sizilien und Afrika, um auch dort die Marianer zu vernichten. In Sizilien schlug er Papirius Carbo, nahm ihn gefangen und ließ ihn hinrichten. Nach Afrika übergesetzt, gelang es ihm in nur vierzig Tagen diese Provinz zu beruhigen. Als dann seine Legionen, nach Beendigung des Krieges, auf Sullas Befehl sich auflösen sollten, wollten diese die Waffen nicht eher niederlegen, als bis man sie auf gleiche Weise wie die Sullanischen belohnt hätte; ja sie forderten sogar den Pompejus auf sie gegen Sulla zu führen, und nur durch die Drohung, er werde lieber sich selbst töten, wußte dieser die Meuterer zu ihrer Pflicht zurückzuführen. Diese selbstlose Hingebung setzte ihn bei dem Diktator in die höchste Gunst. Dieser gab ihm den ehrenden Beinamen des Großen (Magnus) und zeichnete ihn noch besonders dadurch aus, daß er sich bei seinem Eintritt vom Amtssessel erhob. Als aber Pompejus auch die Ehre des Triumphes verlangte, eine Ehre, die nur siegreichen Prätoren und Konsuln zuteil zu werden pflegte, schlug ihm Sulla seine Bitte ab und verwies ihm seinen allzu großen Ehrgeiz. Da hatte der junge Sieger die Kühnheit zu erwidern: „Die aufgehende Sonne hat mehr Anbeter als die untergehende!“ Sulla, durch diese kecke Äußerung betroffen, gewährte ihm zwar die Bitte und rief zweimal: „So triumphiere denn!“ Aber von der Zeit an waren beide Männer keine Freunde mehr.

Dennoch blieb Pompejus der Partei des Sulla getreu. Die eigentliche Zeit seines Ruhmes brach aber erst nach Sullas Tode an, als er Gelegenheit fand eine Reihe glücklicher Kriege zu führen. Freilich waren es seine glänzenden Eigenschaften nicht allein, die ihn solche Erfolge erringen ließen; nicht selten war es die besondere Gunst der Umstände, die ihn dabei unterstützten, und die Kunst sich die Siege anderer und ihre Früchte anzueignen.