Kaum hatte nämlich Sulla im Jahre 87 Italien verlassen, als der eine der neuen Konsuln, L. Cornelius Cinna, eine Volksversammlung berief, um die Zurückberufung des Marius und der übrigen Geächteten zu bewirken. Hierbei kam es zu blutigen Kämpfen. Der andere Konsul Octavius eilte mit seinen Scharen herbei und drängte Cinna bis an die Tore der Stadt zurück; 10000 Anhänger Cinnas sollen bei dem Gemetzel das Leben verloren haben. Hilflos floh dieser, seiner Konsulwürde verlustig erklärt, nach Campanien. In Nola gewann er die Kriegstribunen der dortigen Legionen und trat dann vor den versammelten Truppen auf. Von Liktoren umgeben, mit allen Zeichen seiner konsularischen Würde angetan, begann er seine Anrede, ließ dann aber plötzlich die Liktoren abtreten und erzählte weinend, wie ihn der Senat seiner Würde entsetzt habe; er zerriß seine Kleidung, sprang von der Rednerbühne und warf sich auf die Erde. Die Soldaten ließen sich durch dieses Schauspiel zu Mitleid hinreißen, sie führten ihn zur Rednertribüne zurück, gaben ihm alle Zeichen seiner Würde zurück und versprachen den dem Konsul gebührenden Gehorsam. Nach diesem Erfolge rief er alle Anhänger der senatsfeindlichen Partei zu seinen Fahnen, lud den geächteten Marius zur Rückkehr ein, und erschien mit einem gewaltigen Heere vor Rom.
Die Zeit der Rache war für Marius gekommen. Er landete in Etrurien und brachte dort 1000 Reiter und außerdem eine Bande von mehreren Tausend Sklaven zusammen, und an der Spitze dieser wilden Rotte stieß er zum Heere Cinnas. Der Senat war außerstande, die Stadt zu verteidigen, und da zudem noch Hungersnot ausbrach, so suchte er die erbitterten Gegner durch Unterhandlungen zu gewinnen. Als die Gesandten zum Cinna kamen, fragte er sie, ob sie zu ihm als ihrem Konsul kämen. Darauf konnten sie nicht antworten und gingen unverrichteter Sache zurück. Nun erkannte ihn der Senat als Konsul an und schickte von neuem Abgeordnete an ihn. Sie fanden ihn auf seinem Amtssessel sitzend und mit allen Zeichen der konsularischen Würde angetan. Marius stand schweigend neben ihm, aber sein finsterer Blick verriet die grimmige Rachgier seines Herzens.
Die beiden Verbündeten kamen hierauf zum Stadttor. Cinna zog ein; Marius aber blieb am Tore stehen und sagte mit bitterem Lächeln: „Verbannte dürfen ja die Stadt nicht betreten.“ Cinna ließ daher sogleich das Volk zusammenkommen, um die Aufhebung des Beschlusses zu bewirken, durch welchen Marius geächtet worden war. Allein kaum hatten drei Abteilungen des Volkes für seine Rückkehr gestimmt, so konnte sich dieser nicht länger halten. Er brach in die Stadt, ließ mit wütender Grausamkeit alles, was ihm in den Weg kam, niederstoßen, befahl Sullas Haus dem Erdboden gleich zu machen, und erlaubte seinen wilden Horden die schrecklichsten Ausschweifungen. Als das Morden fünf Tage und fünf Nächte lang gedauert hatte, ward Cinna dessen überdrüssig; aber der alte Marius hatte seinen Blutdurst noch nicht gesättigt; wem er den Gruß weigerte, der wurde getötet, darunter die vornehmsten und verdienstvollsten Männer des Staates, unter anderen der Konsul Octavius, die Konsulare M. Antonius, der größte römische Redner seinerzeit, Q. Catulus, der Mitsieger bei Vercellä (S. 118). Da überfiel endlich Cinna mit einer Schar Bewaffneter diese Mordsklaven in ihrem nächtlichen Lager und ließ sie niedermetzeln.
Als die erste Wut vorüber war, ernannten sich Cinna und Marius eigenmächtig zu Konsuln. Marius bekleidete dieses Amt nun zum siebenten Male, aber nur auf wenige Tage. Sulla hatte den Senat von seinen Siegen über Mithridates benachrichtigt und zugleich versichert, er werde bald kommen, um an seinen Feinden Rache zu nehmen. Diese Nachricht erfüllte den alten Wüterich, der selbst seinen Parteigenossen ein Greuel und Schrecken geworden war, mit Unruhe und Angst, und vergebens suchte er den fliehenden Schlaf in maßlosem Weingenuß. In solchem Taumel befiel ihn ein hitziges Fieber, dem er nach sieben Tagen erlag. Er starb im Januar 86, am siebenzehnten Tage seines Konsulats.