Marius war der Sohn eines Landmanns aus Arpinum im Lande der Volsker. Aus niederem Stande entsprossen, wuchs er ohne allen Unterricht auf und war von rohen, derben Sitten. Frühzeitig entwickelte er eine ungewöhnliche Begabung für das Kriegswesen, sodaß er in der Folge einer der tüchtigsten Feldherren wurde. War er auch ohne gelehrte Bildung, so besaß er doch viel Verstand, rasche Fassung, große Rednergabe und eine glühende Begierde nach Ruhm. Seine ersten Kriegsdienste tat er vor Numantia unter dem Oberbefehl des Scipio, und schon damals erregte er durch seine militärische Begabung dessen Aufmerksamkeit. Als einst einige Freunde des Scipio fragten: „Wer wird dich uns ersetzen, wenn das Schicksal dich uns entreißen sollte?“ antwortete er, indem er Marius auf die Schulter klopfte: „Dieser hier!“ Nach Rom zurückgekehrt, erhielt Marius das Amt eines Volkstribunen und verteidigte als solcher die Rechte seiner Standesgenossen gegen die Partei der Optimaten, die er tödlich haßte, und die schon damals in ihm einen furchtbaren Gegner erkannten. Die erste Gelegenheit, selbständig als Feldherr aufzutreten und sich um sein Vaterland hochverdient zu machen, gab ihm der Krieg, den die Römer gegen Jugurtha, König von Numidien, führten. Zugleich zeigte dieser Krieg die Entartung der damaligen Römer, besonders die Habsucht und Bestechlichkeit der Optimaten.
Des Königs Massinissa Sohn Micipsa hatte vor seinem Tode das numidische Reich, das sich westlich von der römischen Provinz Afrika, die Küste entlang und südwärts bis zur Wüste erstreckte, unter seine beiden Söhne Adherbal und Hiémpsal und seinen Bruderssohn Jugurtha geteilt. Aber der herrschsüchtige Jugurtha, der nach dem Besitz des Ganzen trachtete, tötete bald darauf den Hiempsal und nötigte den Adherbal zur Flucht nach Rom. Hier aber hatte Jugurtha durch sein Gold schon viele Senatoren bestochen, sodaß an seine Bestrafung nicht gedacht, vielmehr das Reich in zwei Hälften geteilt ward, von denen Jugurtha die bessere erhielt. Auch damit noch nicht zufrieden, bekriegte er ohne alle Veranlassung den Adherbal und ließ ihn, nach Übergabe seiner Hauptstadt, ermorden. Da erst, nachdem bei dem Blutbad auch eine Anzahl römischer Bürger umgekommen waren, entschloß sich der Senat, durch die wachsende Erbitterung des Volkes geängstigt, den frechen Missetäter zu bestrafen (111).
Aber der Konsul Calpurnius Piso Bestia, der mit einem Heere nach Afrika übersetzte, und sein Legat, der vornehmste aller Senatoren, Ämilius Scaurus, ließen sich durch Jugurthas Gold gewinnen und bewilligten ihm einen Frieden, der den Besiegten nur zur Auslieferung seiner Elefanten und zur Zahlung einer Geldbuße verpflichtete. Solchem Beispiel des Konsuls folgten die unteren Führer der Truppen: einige lieferten dem Jugurtha die abgenommenen Elefanten wieder aus, andere verkauften ihm die Überläufer, und noch andere plünderten die Bewohner der Provinz Afrika. Als die Nachricht von diesem Vertrage nach Rom kam, erkannte man ohne Mühe den schmählichen Betrug, und ein Sturm des Unwillens erhob sich. Mit flammender Rede erwirkte der Tribun Gajus Memmius bei dem Volke den Beschluß, daß die Sache untersucht, die Schuldigen bestraft und Jugurtha selber in Rom erscheinen sollte, um sich vor dem Volke zu rechtfertigen. Unter der Zusage persönlicher Sicherheit kam Jugurtha nach Rom, ohne königlichen Schmuck, im Trauergewand, wie ein demütiger Angeklagter. Aber im geheimen begann er sofort seine Bestechungen von neuem. Da er wußte, daß jedes Unternehmen eines Tribunen vereitelt werden konnte, wenn sich ein anderer Tribun widersetzte, so brachte er den Tribunen Bäbius durch große Geldsummen auf seine Seite. In der Volksversammlung hielt ihm Memmius alle seine Verbrechen vor. Als er ihn aber aufforderte, seine Mitschuldigen zu nennen, fuhr Bäbius dazwischen und verbot dem König auf diese Frage zu antworten. So wurde das Volksgericht vereitelt.
Durch diesen Erfolg ermuntert, und im Vertrauen auf die Macht seines Goldes, trieb Jugurtha seine Frechheit noch weiter. In Rom hielt sich damals ein Enkel des Massinissa, Massiva, auf, der nach dem Sturze Jugurthas selber König von Numidien zu werden hoffte. Diesen ließ er durch einen seiner Vertrauten meuchlings beseitigen, und als der Mörder bestraft werden sollte, verhalf er ihm zur Flucht. Nun war auch die Geduld des Senates zu Ende. Der geschlossene Friede ward für ungültig erklärt, dem König aufs neue der Krieg angekündigt und befohlen sofort Rom und Italien zu verlassen. Als er die Stadt verließ, soll er sich wiederholt nach ihr umgewendet und zuletzt gesagt haben, die ganze Stadt wäre käuflich und dem Untergang verfallen, wenn sich nur ein Käufer fände, reich genug den Preis zu zahlen.
Aber der Wiederbeginn des Krieges brachte den Römern eine bittere Enttäuschung. Der neue Konsul Postumius Albinus war unfähig oder bestochen, das Heer zuchtlos und entartet. Und als während einer Abwesenheit des Konsuls sein Bruder den Oberbefehl führte, ließ er sich von dem schlauen Gegner in einen Hinterhalt locken, und wurde gezwungen mit dem Heere unter dem Joche abzuziehen und sogar die Räumung Numidiens zu versprechen (109).
Diese Schmach ertrug das römische Volk nicht. Der frühere und der damalige Führer des Heeres und viele mitschuldige Senatoren wurden wegen Landesverrat vor Gericht gestellt und in die Verbannung geschickt. Gegen Jugurtha aber sandte man den Konsul Q. Cäcilius Metellus, und G. Marius begleitete ihn als Legat (Unterfeldherr). Der unbestechliche Metellus stellte die Zucht des Heeres wieder her, führte den Krieg zwei Jahre lang mit allem Nachdruck, trieb den Jugurtha in die Enge und eroberte eine Stadt nach der andern, aber den Ruhm, den Krieg zu beendigen, wußte ihm der ehrgeizige Marius zu entziehen. Marius wollte sich um das Konsulat bewerben, und da er zu diesem Zwecke in Rom anwesend sein mußte, suchte er beim Oberfeldherrn um Urlaub nach. Der adelsstolze Metellus, über diese Absicht des Emporkömmlings erstaunt und entrüstet, riet ihm, nicht über seinen Stand hinauszustreben. Als aber jener nicht abließ um Urlaub zu bitten, sagte Metellus mit bitterem Spotte: „Du wirst noch früh genug nach Rom kommen, wenn du dich zugleich mit meinem Sohne zum Konsulate meldest.“ Der junge Metellus war aber erst zwanzig Jahre alt, und da zum Konsulat ein Alter von dreiundvierzig Jahren erforderlich war, hätte Marius nach den höhnischen Worten des Konsuls noch dreiundzwanzig Jahre warten können. Marius, durch diesen Hohn schwer gekränkt, erzwang den Urlaub und zeigte sich von jetzt an bei jeder Gelegenheit als Gegner des stolzen Aristokraten. In Rom gab er zu verstehen, daß jener den Krieg absichtlich in die Länge ziehe; und zum Konsul gewählt, erhielt er auch den Oberbefehl gegen Jugurtha (108). Bis dahin war es noch keinem Manne von niederer Herkunft gelungen diese höchste Würde zu erlangen.
Als Marius im nächsten Jahre (107) als Konsul die Leitung des Krieges übernahm, änderte er die Kampfweise gegen Jugurtha, der sich inzwischen mit seinem Schwiegervater Bocchus, dem König von Mauretanien (Marokko), verbunden hatte. Statt die flüchtigen Reiterscharen des Feindes zu verfolgen, suchte er ihm alle festen Orte und Hilfsquellen zu entreißen. Er eroberte Burgen und Städte und machte große Beute. Dann griff er die im Südosten Numidiens gelegene Stadt Capsa an. Dorthin führte er sein Heer mit solcher Eile, daß seine Reiter schon die nächsten Tore der Stadt besetzten, ehe die Einwohner seine Ankunft erfuhren. Sie ergaben sich ohne Widerstand; dennoch ließ Marius alle Waffenfähigen umbringen und die Stadt anzünden. Im folgenden Jahre (106) erschien er auf der Westseite Numidiens vor der Stadt Mulucha, in der Jugurtha seine meisten Schätze verwahrte. Sie lag am gleichnamigen Flusse auf einem steilen Bergkegel, der nur einen einzigen Zugang bot, und wurde von einer zahlreichen, mit allem Nötigen versehenen Besatzung geschützt. Alle Versuche die Burg zu erstürmen mißlangen. Und schon dachte Marius sein Vorhaben aufzugeben, als eines Tages ein Soldat ihm anzeigte, wie er an der entgegengesetzten Seite des Berges beim Schneckensammeln einen Weg entdeckt habe und auf die Höhe des Felsens gekommen sei, wo die Burg unbesetzt wäre. Schon am nächsten Tage mußten vier Centurien mit fünf Trompetern unter Leitung jenes Soldaten den Fels erklettern. Sie fanden keine Gegenwehr, zumal da um dieselbe Zeit die ganze Besatzung auf der andern Seite beschäftigt war, den heftiger als je anstürmenden Feind zurückzudrängen. Plötzlich ertönten die Trompeten der Römer und das Angstgeschrei der Weiber und Kinder, die zuerst den eindringenden Feind erblickten. Bestürzt wich die Besatzung in die Stadt zurück; Marius verdoppelte seine Anstrengung und drang zugleich mit den Gegnern in die Festung ein.
Im Laufe des Jahres 106 geriet beinahe das ganze numidische Land in die Hände der Römer. Noch in zwei Treffen besiegte Marius den Jugurtha und den Bocchus. Letzterer zeigte sich endlich zum Frieden geneigt. Die Unterhandlungen mit ihm betrieb L. Cornelius Sulla, der im Heere des Marius Quästor war und bei Freund und Feind durch seine Tapferkeit und kluge Führung zu großem Ansehen gekommen war. Er bewog den König Bocchus seinen Schwiegersohn auszuliefern. Jugurtha wurde zu einer Unterhandlung eingeladen, und als er am bestimmten Orte und Tage erschien, von den Leuten des Königs ergriffen, gefesselt und dem Sulla überliefert. Aber Marius kränkte es tief, daß es nicht ihm, sondern dem Sulla gelungen war die Person des Jugurtha in seine Gewalt zu bekommen; vor allem aber erweckte es seinen unversöhnlichen Groll, daß sich Sulla einen Siegelring verfertigen ließ, auf dem die Auslieferung Jugurthas dargestellt war. Die Feindschaft, die von jetzt an zwischen beiden Männern bestand, sollte in der Folge dem römischen Staate großes Unheil bringen.
Am ersten Tage des Jahres 104 ward Jugurtha in Rom beim Triumph des Marius einhergeführt. Dabei riß ihm der rohe raubsüchtige Pöbel die Kleider und Ohrringe samt den Ohrläppchen ab. Dann ward er nackt in eine unterirdische Felskammer am Kapitol, ein ehemaliges Brunnengewölbe, das als Gefängnis diente, hinabgestoßen. „Hu, wie kalt ist euer Bad!“ rief der Unglückliche beim Hinabfallen. Dort ließ man ihn sechs Tage ohne Nahrung, worauf man ihn aus Gnaden erdrosselte (104). Sein Königreich ward geteilt: den westlichen Teil erhielt König Bocchus als Lohn seines Verrates, den östlichen ein Enkel des Massinissa und Halbbruder des Jugurtha.
Marius war inzwischen, während er noch als Prokonsul in Afrika an der Spitze des Heeres stand, und ohne daß er sich darum beworben hatte, gegen alles Herkommen abermals zum Konsul für 104 erwählt worden. Das römische Reich nämlich und Rom selbst war an anderer Stelle in Gefahr des Untergangs geraten, und Marius sollte es retten. Ein furchtbarer Feind stand plötzlich an der Grenze Italiens.
Schon vor Beginn des jugurthinischen Krieges vernahm man in Rom, daß unter den Völkern nördlich der Alpen eine große Bewegung entstanden sei; in großen Haufen zögen sie gegen die Alpen, um im Süden neue Wohnsitze zu erobern. In der Tat erschienen im Jahre 113 v. Chr. an den Ostalpen, im heutigen Krain, die Cimbern, ein germanischer Volksstamm, der wahrscheinlich bis da im Norden Germaniens gesessen hatte. Zu ihnen gesellten sich später die Teutonen, Ambronen und andere Stämme. Sie zogen mit Weibern und Kindern und aller fahrenden Habe, ein ungeheurer Schwarm von mehr als 300000 Kriegern. Bei Aquileja stellte sich ihnen der Konsul Papirius Carbo entgegen, erlitt aber eine völlige Niederlage. Doch wandte sich der feindliche Zug für diesmal von Italien ab nach Westen, wo er Gallien und Spanien raubend und verwüstend heimsuchte. Dort begegneten sie den Römern abermals im südöstlichen Gallien, in der römischen Provinz (Gallia transalpina, der heutigen Provence), und brachten ihnen in den Jahren 109–105 mehrere vernichtende Niederlagen bei.
Italien zitterte vor den gewaltigen Scharen des Nordens, wie in den Tagen Hannibals: der Schrecken war zu Rom so groß, daß sich niemand um das Konsulat des Jahres 104 zu melden wagte. Da hoffte das Volk von Marius, dem Bezwinger Jugurthas, Rettung. Es wählte ihn zum Konsul und übertrug ihm die Leitung des Krieges in Gallien. Nachdem er im Beginn des Jahres, wie oben erzählt, seinen Triumph über Jugurtha gefeiert hatte, begab er sich in die Provinz jenseits der Alpen, zum Kampf gegen die Germanen, fand sie aber dort nicht mehr: sie waren durch Südgallien über die Pyrenäen nach Spanien gezogen, und kehrten von dort erst nach zwei Jahren zurück. Diese durch die Torheit der Gegner gewährte Frist benutzte Marius, um ein neues Heer zu bilden und die erschlaffte Kriegszucht durch unerbittliche Strenge und harten Dienst herzustellen, und in Gallien alles vorzubereiten, was für den neuen Kampf erforderlich schien. So groß war die Furcht in Rom und die Zuversicht auf Marius, daß ihm, bis zur Beendigung des Krieges, das Konsulat noch vier Mal erneuert wurde; eine Auszeichnung, die noch nie einem Römer widerfahren war.
Im Jahre 102 kehrten die Feinde aus Spanien, wo sie hartnäckigen Widerstand gefunden hatten, nach Gallien zurück, um nunmehr mit aller Macht in Italien einzudringen. Sie teilten sich in zwei Haufen; die Cimbern gingen über den Rhein, um von Rhätien (Tirol) aus in Italien einzufallen; die Teutonen und Ambronen gedachten an der Küste entlang durch Ligurien einzudringen.
Marius hatte am Zusammenfluß der Rhone und Isère ein Lager errichtet und erwartete hier die Teutonen und Ambronen. Er vermied die offene Schlacht, obschon die Feinde drei Tage lang sein Lager bestürmten, und seine eigenen Leute ungeduldig den Kampf forderten. An der Festigkeit der Schanzen scheiterte alle Tapferkeit, aller Ungestüm der Germanen. Da beschlossen sie nicht länger zu zaudern, sondern geradeswegs am römischen Lager vorüber nach Italien zu ziehen. Höhnisch riefen sie den römischen Soldaten zu, sie zögen nach Italien; ob sie Aufträge an ihre Frauen und Kinder zu bestellen hätten? Kaum bändigte Marius den Zorn seiner Krieger. So groß war die Menge der Barbaren, so gewaltig ihr Troß an Wagen und Lasttieren, daß sie sechs Tage lang an dem Lager vorbeimarschierten. Kaum waren sie vorüber, so folgte ihnen Marius auf dem Fuße nach und gelangte auf kürzerem Wege zugleich mit ihnen an einen kleinen Fluß, an dem Aquä Sextiä (Aix en Provence) lag. Hier wählte Marius einen Hügel zum Lagerplatz, von welchem herab er die Gegend ringsum zu übersehen vermochte. Die Germanen lagerten sich an beiden Seiten des Flusses. Durch diese Lagerung wurden die Römer vom Wasser abgeschnitten. Diese, von Durst gequält, klagten und murrten. Marius aber wies auf den Fluß hin: „Ihr seid Männer“, sprach er, „dort ist Wasser für Blut feil, und ihr klagt, daß es fehle?“ Da gingen römische Troßknechte mit ihren Tieren zum Fluß hinab und vertrieben einige Feinde; als aber mehr Barbaren erschienen, eilten auch römische Soldaten hinzu. Die Teutonen aber und ihre Bundesgenossen fühlten sich in voller Sicherheit; sie aßen, badeten und freuten sich des schönen fruchtreichen Landes. Wie nun von beiden Seiten Hilfe erschien, wurden zuletzt die Hauptheere selbst in den Kampf hineingezogen. Der Ambronen waren 30000 Mann. In dem Augenblick, wo sie über den Fluß setzten, ließ sie Marius von allen Seiten angreifen und zwar mit solchem Erfolg, daß die meisten auf dem Platze erschlagen wurden. Die Flüchtlinge drangen gleich den Römern bis an die Zelte und Wagen der Teutonen, die am Kampf noch nicht teilgenommen hatten; hier wurden sie auch von den Weibern mit Beilen und Schwertern empfangen, und erst die Dunkelheit brachte die Kämpfenden auseinander.
Nun folgte eine grauenhafte Nacht. Die Totenklagen der Teutonen um die gefallenen Brüder, dazwischen die Wehrufe der Verwundeten, und ihr wilder Schlachtgesang wiederhallten in den Wäldern und klangen in das römische Lager hinüber, daß es den Römern durch Mark und Bein ging. Marius, der 3000 Mann unter Claudius Marcellus in einen Hinterhalt gelegt hatte, stellte mit Anbruch des Tages sein Heer vor dem Lager in Schlachtordnung und reizte die Teutonen durch abgesandte Reiterscharen zur Schlacht. In dicht geschlossenen Massen stürmten diese die beschwerlichen Höhen hinan und die Römer ihnen entgegen. Noch vor Mitte des Tages waren die Angreifer in die Ebene zurückgedrängt, und schon begannen ihre Reihen sich zu lösen, als auch Marcellus aus seinem Hinterhalt hervorbrach und ihre Verwirrung vermehrte. Ordnungslose Flucht kam über ihr ganzes Heer und nun erst begann ein entsetzliches Morden unter den fliehenden Scharen. Der Erschlagenen und Gefangenen waren an 100000. Der ganze Stamm war vernichtet bis auf einen geringen Rest, der sich nach dem nördlichen Gallien rettete. Von den gefangenen Frauen und Mädchen hatten viele nach verzweifelter Abwehr, um der Schmach der Knechtschaft zu entgehen, sich selber den Tod gegeben. Teutobod selber, der König, geriet in Gefangenschaft (102).
Inzwischen waren die noch unbesiegten Cimbern über den Brennerpaß vorgedrungen, hatten das Heer des Lutatius Catulus an der unteren Etsch geschlagen und südwärts über den Po zurückgedrängt. Ihr Plan war, sich mit den Teutonen, deren Schicksal ihnen noch unbekannt war, zu vereinigen und dann gegen Rom zu ziehen. Darüber versäumten sie die günstige Gelegenheit, sofort nach ihrem Siege über den Po vorzurücken und das wehrlose Italien zu erobern. Im Frühlinge des folgenden Jahres (101) verband sich Marius mit Catulus. So rückten sie, 50000 Mann stark, wieder über den Po und stießen bei Vercellä auf den Feind, nahe der Mündung der Sesia in den Po, wo einst Hannibal seine erste italische Schlacht geschlagen hatte. Die Cimbern aber schickten Abgeordnete an die römischen Feldherren und ließen um Land für sich und ihre Brüder, die Teutonen, bitten. Sie erhielten die Antwort: für ihre Brüder sei bereits gesorgt; sie hätten ein Land bekommen, wo sie ewig bleiben würden. Dabei ließ Marius, um ihnen die Vernichtung der Teutonen glaublich zu machen, den gefangenen Teutobod in Ketten vorführen. Jetzt rückten die Cimbern vor das Lager der Römer, und Bojorix, ihr König, forderte, nach dem Brauche seines Volkes, den Gegner auf Ort und Zeit zur Schlacht zu bestimmen. Marius bezeichnete den folgenden Tag und das raudische Feld, das der überlegenen römischen Reiterei einen günstigen Kampfplatz bot.
Die Cimbern erwarteten den Angriff in einer viereckigen Schlachtstellung, die sich dreiviertel Meilen in Breite und Tiefe erstreckte. In den äußeren Gliedern hatten sich die Kämpfer mit eisernen Ketten aneinander gebunden, um das Eindringen der Feinde zu verhindern. Bei den Römern stand das Heer des Catulus im Mitteltreffen, das des Marius bildete die Flügel. Im Morgennebel ward die cimbrische Reiterei von der römischen überrascht und auf ihr Fußvolk zurückgetrieben, das sich eben erst ordnete. Schon aber rückte das römische Fußvolk, Sonne und Wind im Rücken, aus der staubigen Ebene heran. Der Tag war schwül; die Cimbern hatten Sonne und Wind gegen sich und ertrugen nicht lange die ungewohnte Hitze. So errangen die Legionen mit geringen Verlusten einen völligen, mit der Vernichtung des cimbrischen Volkes endigenden Sieg. Nachdem ein Teil der Feinde dem römischen Schwerte erlegen war, floh der Rest der Wagenburg zu, wo auch die Frauen sich zur Wehr stellten. Hier begann ein neues Gemetzel, dem nur wenige Haufen durch die Flucht entgingen. Auch hier geschah es, daß viele der Frauen, um nicht in Gefangenschaft zu geraten, erst ihre Kinder, dann sich selbst töteten. Dennoch betrug die Zahl der Gefangenen 60000; die der Gefallenen 120000.
Die Römer aber erwiesen dem Marius als dem Retter Italiens die höchste Ehre. Sie nannten ihn den dritten Gründer der Stadt und erteilten ihm zum sechsten Male das Konsulat. Am Triumphe aber ließ Marius den Catulus teilnehmen. Vor dem Triumphwagen mußte der gefangene Teutobod einherschreiten, ein Mann von so riesigem Wuchse, daß er noch über die Siegeszeichen emporragte.