Gleich nach Beendigung des ersten Samniterkrieges, im Jahre 340, brach ein Kampf zwischen den Römern und den ihnen seit alters verbündeten Latinern aus. Die Latiner hatten Gesandte nach Rom geschickt und verlangten, daß fortan die Hälfte des Senats und der eine Konsul aus ihnen gewählt und alle latinischen Städte in die volle Gemeinschaft des römischen Staates aufgenommen werden sollten. Solche Forderung erschien dem römischen Senate als freche Anmaßung, und der Konsul T. Manlius rief den Jupiter, in dessen Tempel die Sitzung stattfand, zum Zeugen der schmachvollen Zumutung an. Da soll der latinische Gesandte Annius dem römischen Jupiter Trotz und Hohn geboten, aber sofort auch des Gottes Zorn erfahren haben. Denn als er die Stufen des Tempels hinabeilte, strauchelte er, fiel hinab und lag in Ohnmacht. Kaum entgingen die Gesandten der Wut des Volkes. Der Senat aber beschloß den Krieg gegen die Latiner.
Die Konsuln Titus Manlius und Decius Mūs zogen mit zwei Heeren ins Feld. Am Fuß des Vesuvius kam er zur entscheidenden Schlacht. Als die Heere einander gegenüber standen, verkündeten die Konsuln, bei Todesstrafe sollte sich kein Römer bei den Vorposten in ein Gefecht einlassen. Doch der eigene Sohn des Manlius handelte dem Befehle zuwider. Abgeschickt mit einem Geschwader Reiter, um die Feinde zu beobachten, begegnete er einem tusculanischen Befehlshaber, der ihn zum Zweikampf forderte. Um dem Vorwurf der Feigheit zu entgehen, nahm Manlius den Kampf an und hatte das Glück den Gegner zu erlegen und ihn seiner Waffen zu berauben. Frohlockend kehrte er als Sieger ins Lager zurück. Allein sein Vater ließ diese Verletzung der Kriegszucht nicht ungeahndet: er ließ den eigenen Sohn im Angesichte des ganzen Heeres durch den Liktor enthaupten.
Vor der Schlacht am Vesuv sahen beide Konsuln zu gleicher Zeit im Traume eine übermenschliche Gestalt, welche ihnen verkündete, daß von dem einen der kämpfenden Heere einer der Führer, das andere Heer aber ganz den Todesgöttern und der Mutter Erde verfallen sei. Sie kamen deshalb überein, daß derjenige von ihnen, dessen Flügel zuerst weichen würde, sich selber und damit zugleich das feindliche Heer den unterirdischen Göttern weihen sollte. Bald nach dem Anfang der Schlacht ward der linke Flügel, den Decius Mus befehligte, zurückgedrängt. Da rief dieser einen Priester herbei, der ihm den Spruch vorsagte, mit dem er, über einem Schwerte stehend und das Haupt verhüllt, sein Leben den Göttern der Unterwelt weihte. Dann bestieg er von neuem sein Schlachtroß und stürzte sich mitten in die Feinde, Tod und Verderben um sich her verbreitend, bis er von Geschossen durchbohrt niedersank. Diese heldenmütige Aufopferung belebte seine Truppen mit neuem Mut; sie stellten sich aufs neue dem Feinde entgegen und erfochten endlich durch die geschickte Führung des Manlius einen vollständigen Sieg. Noch zwei Jahre widerstanden die Latiner; dann mußten sie sich den harten Friedensbedingungen Roms unterwerfen (338).
Wie damals Decius Mus, der Vater, so weihte sich sein Sohn Publius Decius, im dritten samnitischen Kriege (298–290), den Todesgöttern. In der Schlacht bei Sentinum (295) hatte er schon zweimal die Reitergeschwader der Gallier, die mit den Samnitern verbunden waren, zurückgeworfen, als diese einen dritten Angriff mit ihren Streitwagen machten, und durch das Ungewöhnliche der Kampfart die Römer in Schrecken und Verwirrung brachten. Da ließ Publius Decius durch den Priester sich und die Feinde den Todesgöttern weihen. Nachdem er die Weihung in derselben Weise, wie sein Vater in der Schlacht am Vesuv, erhalten hatte, fügte er noch die Fluchformel hinzu: „Vor mir her treibe ich Angst und Flucht, Mord und Blutvergießen, der himmlischen und der unteren Götter Zorn. Todesgrausen bringe ich auf die Feldzeichen, auf Wehr und Waffen der Feinde. Ein und derselbe Ort soll mein und der Feinde Grab sein!“ Darauf spornte er sein Roß in die dichtesten Scharen der Feinde und fiel unter ihren Geschossen. Ihm nach die Römer mit neuem Mute, und die Schlacht endigte mit der vollständigen Niederlage des Feindes.