(steht hinter ihr und zeigt über sie weg auf das Papier):

Dann schreiben Sie ihm, er soll wiederkommen.

Das Fräulein

(schreibt).

Der Sohn

(legt die Hände auf ihre Schultern und zittert).

Das Fräulein

(ohne sich umzuwenden):

Was machen Sie da — so kann ich nicht schreiben!

Der Sohn

(öffnet ihre Bluse am Hals und berührt sie).

Das Fräulein:

Ah, jetzt ist ein Flecken auf dem Papier —

Der Sohn

(beugt sich tiefer zu ihr).

Das Fräulein

(zurückweichend, fast über dem Papier):

Nicht doch; wenn Ihr Vater —

Der Sohn:

Ich liebe Sie! (Sie wendet sich um. Er küßt sie mit schneller, ängstlicher Gewalt.)

Das Fräulein

(steht auf und wendet sich ab. Dann ordnet sie ihr Haar. — Nach einer Weile):

Was soll nun werden!

Der Sohn

(in großer Verwirrung):

Es ist etwas vorgegangen ... zürnen Sie mir nicht ...

Das Fräulein

(mit leiser, guter Stimme):

Sie sind mir niemals fremd gewesen. (Sie nimmt die Lampe.) Gute Nacht! (Sie geht schnell.)

Siebente Szene.

Der Sohn

(allein. Nacht. Augusthimmel):

Da mir unendliche Gestirne scheinen,
Wie bin ich anders jedem Stern geweiht!
Sie schufen mich zu leben und zu weinen.
Ich bin dem Ewigen näher, bin bereit.
Nicht wildem Rausch, noch schmerzlichem Erkennen —
Gib, Stunde, mich der tiefen Wonne hin:
Daß ich im ungeheuersten Verbrennen
Auf dieser Welt erfahre, wer ich bin.
Schon hör ich, wie die Nächte sich erschließen
Dem unbekannten Geist in Glück und Leid;
Mein Leben wird von Segen überfließen —
Wie jedem Menschen, kam auch mir die Zeit.
Denn ein Geschöpf, das liebend sich erneuert,
Wird größer an der Fülle seines Tags;
Von diesem Größten bin ich angefeuert,
Und die Gewißheit ruft mich: nimm und trag's!
Und laß mich sein in tausendfacher Nähe
Daß ich die Wunder meines Lebens schau.
Daß ich in allem werde und vergehe —
Gott ist mir gut. Wie schön ist diese Frau!

Ende des ersten Aktes.


Zweiter Akt.

Erste Szene.

Ein Tag später.

Der gleiche Raum. Die gleiche Stunde.

Der Sohn. Das Fräulein.

Der Sohn:

Eine schöne Frau in unsrer Stadt hat sich das Leben genommen. Man sucht den Vierwaldstätter See ab mit Booten und mit Lichtern, aber ihre Leiche findet man nicht. Einige behaupten, sie sei nicht gestorben, sondern lebe noch. Ich erschaure, wenn ich das höre! Wird sie auferstehen von den Toten? Wie gleichgültig, ob ihr Mann eine Mätresse hat.

Ich konnte nicht schlafen die Nacht. So ging ich in den Park und legte mich ins Gebüsch unter den schweflig gelben Mond.

Welch ein Wind aus dem ungezügelten Raum hat diese Frau fortgerissen von ihrem Sessel in der Loge, wo man sie erblicken konnte wöchentlich zweimal im Theater. In welche Finsternis ist sie geschwunden! Wer half ihr in der Not? Weiß jemand um die Tränen, eh ihr gekräuseltes Antlitz versank im See!

Das Fräulein:

Sie hat zwei Kinder; ein kleines Mädchen.

Der Sohn:

Deshalb kann sie nicht aufgehn in Staub oder Wasserdunst. Der Genius lebt weiter — ihr Kinder! Sie wird euch beistehn in der schmerzlichen Tageszeit. Wieviel Unvergängliches ist in uns!

Als ich mich erhob vom Boden, schrie ein Vogel über dem Teich; da sah ich Ihre Brüste, weiß im Schatten des Gemachs.

Das Fräulein:

Es war so schwül. Auch ich konnte nicht schlafen. Ich stand am Fenster lange Zeit.

Der Sohn:

Und ich empfand auch Sie süß in meiner Heimat und fühlte mich in Ihrer Hut.

Das Fräulein:

Wir sind schlecht. Wir sinken immer tiefer. Und Ihr Vater vertraut mir.

Der Sohn:

Welche Wollust, ihn zu betrügen! Als ich Sie gestern in seinem Zimmer küßte, wie genoß ich dieses Glück. Und das Sofa, auf dem wir uns umarmten, hat meine Rache gespürt. Und die toten, höhnischen Möbel, vor denen mein Vater mich prügelt, haben alle, alle das Wunder gesehn. Ich bin nicht mehr der Verachtete. Ich werde Mensch!

Das Fräulein:

Ihr Vater hat vielen, die in Not sind, geholfen. Wir müssen ihm dankbar sein! Oft, wenn die Nachtklingel durchs Haus schrillte, stand Ihr Vater auf und holte Wein aus dem Keller und eilte zu einem Kranken, der am Sterben war. Es geht ein Trost von ihm aus in der Dunkelheit des Todes und der Armut. Er hat mehr Gutes getan als wir.

Der Sohn:

Ja Fräulein, und deshalb will ich mit ihm reden. Er muß mich hören, er muß mir helfen — er, der ein Arzt ist und am Bette von Tausenden steht. Sollte er den eignen Sohn in der Verzweiflung verlassen? Ich will ihm alles sagen, was mir auf der Seele ist. Ich will darauf bauen, daß meine Kraft stärker wird als sein Mißtrauen in all den Jahren. So will ich vor ihn hintreten: es tut not, daß wir uns fester aneinander halten, wieder einer am andern.

Lassen Sie mich noch Ihre Wärme fühlen, ehe der Frost des Wiedersehens mir am Herzen würgt. Könnt ich ihn überwinden! Durch Ihren Mund hörte ich die Stimme des Lebendigen und der Gnade. Doch werde ich versuchen, meinen Vater in Erhabenheit zu finden, wie der Gott der Freude mir in dieser Nacht verkündet ist. Die Rosse Achills sollen feurig vor meinen Wagen gespannt sein! Jetzt habe ich Mut, alles zu tun, denn ich glaube an mich.

Das Fräulein:

Deine Augen leuchten — wie schön ist diese Glut! Noch bist du bei mir, noch habe ich dich. Und weiß doch, daß ich dir nur eine kleine Spur bin im Garten des großen Gefühls. Komm, vielleicht hast du mich morgen schon vergessen. Und heute lieb ich dich so.

Der Sohn:

Liebes Fräulein, laß mich bei dir sein diese Nacht. Ich will dich lieben! Erfülle, was kindliche Ehrfurcht noch scheu mir verhüllt hat. Dieser Tag des harrenden Schicksals muß in purpurnem Glücke enden. Ihr Feuer am Himmel meiner Heimat! Ihr Hochöfen und ihr Pappeln! Vor azurner Helligkeit laßt mich zum Manne werden! Auch das muß ich besitzen, damit ich ganz erfahre, wes Geistes ich bin.

Das Fräulein:

Mein kleiner Junge, komm zu mir, wenn es dich glücklich macht. Ich mochte dir so nahe sein! Ich streichle ja deine Hände, und wenn das geschieht, kann es nicht verloren gehn. Du sollst einmal voll Dankbarkeit an mich denken. Geh zu keiner andern Frau. Ich will für dich sorgen. Und bei mir darfst du alles tun.

Der Sohn:

Sage, daß du mich liebst, dann brauche ich nichts mehr zu fürchten. Ich könnte dir eine Schlacht gewinnen. Ich will es, wenn ich vor meinem Vater bin.

Das Fräulein

(streichelt ihn):

Und doch, wie wenig wird das, was du in dieser Nacht tust, aus Liebe geschehn. Was weißt du vom Leiden und vom Opfertod! In dir ist das Männliche: Du wirst kämpfen. Ich wollte, du kämest wieder, zerrissen, mit blutiger Stirn, dann würdest du erfahren, was eine Frau ist. Aber nein — du sollst siegen! Du liebst mich nicht, weil du mich liebst. Du mußt mich besitzen. Und weißt nicht, was ich für dich tue.

Der Sohn:

Ich werde dich nicht berühren, wenn du es nicht willst.

Das Fräulein:

Ich bin trotzdem bei dir. Liebt' ich dich denn, wenn ich dir nicht ein Opfer brächte? Ich weiß, daß ich zu vielen Tränen verurteilt bin. Aber das muß wohl so sein. Welche schmerzliche Seligkeit auf der schwankenden Brücke der Lust!

Der Sohn:

Ich werde jeden töten, der dich verletzt: und wäre es mein Vater.

Das Fräulein:

Wie unverständig bist du und wie süß! In wieviel Stärke, wieviel Kühnheit stehst du vor mir. Ich muß dich küssen, mein kleiner süßer Held. Daß Gott solche Jünglinge schuf! Denk an mich, wenn eine andere Frau dich so in ihren Armen hält. Und töte dich nicht — du wirst mir bald sehr wehe tun. Jetzt ist der Stern deines Wagens am höchsten mir zugekehrt, jetzt, wo du noch nichts geliebt und bald alles genossen hast. Diese Stunde kommt nicht wieder. Der Himmel soll dich behüten vor Traurigkeit.

Der Sohn:

Heute Nacht — schwör mir, daß du kommst!

Das Fräulein:

Ja, ich komme! Es muß doch ein Wesen sein auf der Welt, durch das sich zum erstenmal deine Seele ergießt. Ein Wesen, das dich beschützt, das dich begleitet zum Licht.

Der Sohn:

Fräulein! Mir ist so schwer und dunkel. Da seh ich uns beide stehn in Wolken, mitten zwischen Erwartung und Schmerz. Sind wir nicht im Hause meines Vaters, das uns alt und feindlich umschließt! Und du redest zu mir schöne und fremde Worte wie nie zuvor. Kehrt das Rätsel wieder in des Träumenden düstre Gewalt? Ist Aladins Wunderlampe da im Märchen auf der Amme Knie? O Wunder, das Gott mir verheißen! Wie kann ich das deuten — heute ist eine Nacht und morgen ein Tag — werde ich die Sonne sehn, die uns alle umstrahlt?

Das Fräulein

(nach einer Weile leise und bitterlich):

Es gibt viele Sonnen, die wirst du sehn.

Der Sohn:

Was kann ich denn für dich tun? Soll ich meinem Vater sagen, daß ich dich liebe?

Das Fräulein:

Und was geschieht, wenn er es glaubt? Willst du mich mit dir nach Hamburg nehmen?

Der Sohn:

Ja, Fräulein.

Das Fräulein:

Ich fühl es, du hast Mut. Aber wer soll das Billett bezahlen?

Der Sohn:

Kann man nicht zu Fuß hingehn? Jemand wird uns schon weiterhelfen. Es muß doch noch Menschen geben, wie im goldenen Zeitalter, die einander Brot reichen von Meer zu Meer. — Ich brauche meinen Vater nicht. Wenn ich sterben konnte ohne ihn, so werde ich doppelt ohne ihn leben können. Ein Geräusch deines Kleides, und ich betrete dies Haus nicht mehr.

Das Fräulein:

Ja, du würdest mich entführen auf Sternschnuppen. Du glühst. Und wie verlegen wirst du sein, wenn dich der erste Portier nach unserm Namen fragt. Und wie ungeschickt, wenn du am Abend Butter und Brot kaufst. In welchem Traumland hast du gelebt! Du sprichst von Hamburg und denkst an Babylon und die Gewässer des Roten Meeres ...

Nein, sage deinem Vater nichts. Du wirst bald gehn; aber mich laß bleiben. Hier werde ich immer etwas haben, eine Kraft von dir, etwas Festes im Raum. Wenn ich nun fort müßte, wie unterirdisch würde mein Schritt! Ich will den Tag erleben, der dich wiederbringt als Triumphator über all deine Kinderzeit. Die Wiesen und Bäume vor deinem Vaterhause — vielleicht fährst du vorüber und kehrst nicht ein — werden dir offenbaren, was du gelitten hast. Du wirst glücklich sein.

Der Sohn:

Weshalb willst du nicht mit mir kommen?

Das Fräulein:

Weil ich dich schon verloren habe, ehe du es ahnst. Weil du mich verlassen mußt. Weil du leben und kämpfen wirst.

Der Sohn:

So hilf mir!

Das Fräulein:

Heute kann ich es noch. Morgen tut es ein andrer.

Der Sohn:

Werde ich manchmal dich sehen auf meinem Wege? Wirst du mir erscheinen, körperlos, am Rande der großen Alleen?

Das Fräulein:

Wir vielen, die begnadet sind, können nicht verschwinden einer in des andern Herz. Im höchsten Gefühl erinnere dich des Wortes! Wer kann sagen, daß ein Schicksal zu Ende ist, und wo ist der Anfang unsres Sterns.

Der Sohn:

Ein kindliches Gesicht steigt mir auf. Ich brachte meinem Vater Tulpen, als einst sein Geburtstag war. Er hob mich an seine Brust — da wußt' ich, daß ich lebte, daß ich war.

Eine Gouvernante, deine Vorgängerin, schlug mich einmal, weil ich im Bette noch leise sang. Nun fühl ich es wieder.

Geburt und Dasein — O Seligkeit! Ich werde ewig — ewig sein —

(Er kniet vor sie hin.)

Das Fräulein

(hält ihn):

Alles flieht. Eins nur bleibt mir: Dein Glück. Und wenn ich dich jetzt noch fest in meinen Armen halte, und du aufsiehst zu mir, so weiß ich — eine Botschaft des Lebens ist dir verkündet; deshalb bin ich hier.

Der Sohn:

Ich werde dich nie verlassen.

Das Fräulein:

Und wenn der Engel mich holt mit dem Schwert?

Der Sohn:

Ich halte dich! Ich seh dich wieder! Ich zaubre dich aus den Veilchen des Acheron! Geliebte Frau, ich würde dich finden, morgen abend im Kino als Königin unerreichbar und erträumte schöne Kokotte in einem Pariser Montmartre-Lokal. Oh, daß ich dies erleben durfte! Die Welt wird immer herrlicher vor meinem Blick.

(Ein Wagen rollt, er springt auf.)

Das wird mein Vater sein ... Komm zu mir diese Nacht ... ich erwarte dich hier ...

(er eilt zum Fenster)

Ein Wagen, der vorm Hause hält! Er ist es. Ich erkenne seinen Schritt. Nun mag es beginnen! Mit dieser Fülle im Herzen will ich ihm entgegengehn.

(Das Fräulein geht ab nach rechts. Der Sohn kommt zurück.)

Zweite Szene.

(Der Vater tritt ein.)

Der Sohn

(geht ihm einen Schritt entgegen):

Guten Abend, Papa!

Der Vater

(sieht ihn eine Weile an, ohne ihm die Hand zu reichen):

Was hast du mir zu sagen?

Der Sohn:

Ich habe mein Examen nicht bestanden. Diese Sorge ist vorbei.

Der Vater:

Mehr weißt du nicht? Mußte ich deshalb zurückkehren?

Der Sohn:

Ich bat dich darum — denn ich möchte mit dir reden, Papa.

Der Vater:

So rede!

Der Sohn:

Ich sehe in deinen Augen die Miene des Schafotts. Ich fürchte, du wirst mich nicht verstehn.

Der Vater:

Erwartest du noch ein Geschenk von mir, weil sich die Faulheit gerächt hat?

Der Sohn:

Ich war nicht faul, Papa ...

Der Vater

(geht zum Bücherschrank und wirft höhnisch die Bücher um):

Anstatt diesen Unsinn zu lesen, solltest du lieber deine Vokabeln lernen. Aber ich weiß schon — Ausflüchte haben dir nie gefehlt. Immer sind andere schuld. Was tust du den ganzen Tag? Du singst und deklamierst — sogar im Garten und noch abends im Bett. Wie lange willst du auf der Schulbank sitzen? All deine Freunde sind längst fort. Nur du bist der Tagedieb in meinem Haus.

Der Sohn

(geht hin zum Schrank und stellt die Bücher wieder auf):

Dein Zorn galt Heinrich von Kleist; (er berührt das Buch zärtlich) der hat dir nichts getan. — Welchen Maßstab legst du an!

Der Vater:

Bist du schon Schiller oder Matkowski? Meinst du, ich hörte dich nicht? Aber diese Bücher und Bilder werden verschwinden. Auch auf deine Freunde werde ich ein Auge werfen. Das geht nicht so weiter. Ich habe kein Geld gespart, um dir vorwärts zu helfen; ich habe dir Lehrer gehalten und Stunden geben lassen. Du bist eine Schande für mich!

Der Sohn:

Was hab ich verbrochen? Hab ich Wechsel gefälscht?

Der Vater:

Laß diese Phrasen. Du wirst meine Strenge fühlen, da du auf meine Güte nicht hörst.

Der Sohn:

Papa, ich hatte anders gedacht, heute vor dir zu stehn. Fern von Güte und Strenge auf jener Wage mit Männern, wo der Unterschied unseres Alters nicht mehr wiegt. Bitte, nimm mich ernst, denn ich weiß wohl, was ich sage! Du hast über meine Zukunft bestimmt. Ein Sessel blüht mir in Ehren auf einem Amtsgericht. Ich muß dir meine Ausgaben aufschreiben — ich weiß. Und die ewige Scheibe dieses Horizontes wird mich weiterkreisen, bis ich mich eines Tages versammeln darf zu meinen Vätern.

Ich gestehe, ich habe bis heute darüber nicht nachgedacht, denn die Spanne bis zum Ende meiner Schule erschien mir weiter als das ganze Leben. Nun aber bin ich durchgefallen — und ich begann zu sehn. Ich sah mehr als du, Papa, verzeih.

Der Vater:

Welche Sprache!

Der Sohn:

Eh du mich prügelst, bitte, hör mich zu Ende. Ich erinnre mich gut der Zeit, als du mich mit der Peitsche die griechische Grammatik gelehrt hast. Vor dem Schlaf im Nachthemd, da war mein Körper den Striemen näher! Ich weiß noch, wie du mich morgens überhörtest, kurz vor der Schule; in Angst und Verzweiflung mußt ich zu Hause lernen, wenn sie längst schon begonnen hatte. Wie oft hab ich mein Frühstück erbrochen, wenn ich blutig den langen Weg gerannt bin! Selbst die Lehrer hatten Mitleid und bestraften mich nicht mehr. Papa — ich habe alle Scham und Not ausgekostet. Und jetzt nimmst du mir meine Bücher und meine Freunde, und in kein Theater darf ich gehn, zu keinem Menschen und in keine Stadt. Jetzt nimmst du mir von meinem Leben das Letzte und Ärmste, was ich noch habe.

Der Vater:

Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. Sei froh, daß ich dich nicht längst aus dem Hause gejagt.

Der Sohn:

Hättest du es getan, ich wäre ein Stück mehr Mensch als ich bin.

Der Vater:

Du bist noch mein Sohn, und ich muß die Verantwortung tragen. Was du später mit deinem Leben tust, geht mich nichts an. Heute habe ich zu sorgen, daß ein Mensch aus dir wird, der sein Brot verdient, der etwas leistet.

Der Sohn:

Ich kenne deine Sorge, Papa! Du bewahrst mich vor der Welt, weil es zu deinem Zwecke geschieht! Aber wenn ich das Siegel dieser geistlosen Schule, die mich martert, am Ende auf meinem Antlitz trage, dann lieferst du mich aus, kalt, mit einem Tritt deiner Füße. O, Verblendung, die du Verantwortung nennst! O Eigennutz, Väterlichkeit!

Der Vater:

Du weißt nicht, was du redest.

Der Sohn:

Und trotzdem will ich versuchen, noch heute in dieser Stunde, mit aller Kraft, der ich fähig bin, zu dir zu kommen. Was kann ich denn tun, daß du mir glaubst! Ich habe nur die Tränen meiner Kindheit, und ich fürchte, das rührt dich nicht. Gott, gib mir die Begeisterung, daß dein Herz ganz von meinem erfüllt sei!

Der Vater:

Jetzt antworte: was willst du von mir?

Der Sohn:

Ich bin ein Mensch, Papa, ein Geschöpf, ich bin nicht eisern, ich bin kein ewig glatter Kieselstein. Könnt ich dich erreichen auf der Erde! Könnt ich näher zu dir! Weshalb diese schmerzliche Feindschaft, dieser in Haß verwundete Blick? Gibt es ein Nest, einen Aufstieg zum Himmel — ich möchte mich an dich ketten — hilf mir! (Er fällt vor ihm nieder und ergreift seine Hand.)

Der Vater

(entzieht sie ihm):

Steh auf und laß diese Mätzchen.

Ich reiche meine Hand nicht einem Menschen, vor dem ich keine Achtung habe.

Der Sohn

(erhebt sich langsam):

Du verachtest mich — das ist dein Recht; dafür leb ich von deinem Gelde. Ich habe zum ersten Male die Grenzen des Sohnes durchbrochen mit dem Sturm meines Herzens. Sollte ich das nicht? Welches Gesetz zwingt mich denn unter dieses Joch? Bist du nicht auch nur ein Mensch, und bin ich nicht deinesgleichen? Ich lag zu deinen Füßen und habe um deinen Segen gerungen, und du hast mich verlassen im höchsten Schmerz. Das ist deine Liebe zu mir. Hier endet mein Gefühl.

Der Vater:

Hast du so wenig Ehrfurcht vor deinem Vater, daß du ihn zum Hehler deiner Schuld machst? Du Landstreicher auf der Straße des Gefühls — was hast du schon Großes getan, daß du von Liebe und von Haß hier redest? Bist du betrunken, was kommst du denn zu mir? Geh in dein Bett. Kein Wort mehr.

Der Sohn:

So höre, Papa, noch ein Wort! Du sollst erfahren, daß ich gehungert habe in deinem Hause! Die Gouvernanten haben mich geschlagen, und trotzdem hast du ihnen geglaubt! Du hast mich auf den Speicher gesperrt. Ich bin oft schuldlos gestraft worden, keiner hatte Mitleid mit mir. Papa! Es gibt doch Freude — etwas, was golden an die Firmamente rollt — weshalb war ich verstoßen von allen wie ein Mensch mit der Pest? Weshalb muß ich weinen, wenn ein armer Affe im Zirkus aus einer künstlichen Tasse trinkt? Ich kenne die Qual der unfreien, der friedlosen Kreatur. Das ist gegen Gott! Du hast mir die Kleider verboten und mir die Haare geschoren, wenn ich aus glühender Eitelkeit sie anders wollte als du. Soll ich noch weiter in diesem Schlunde wühlen, wo doch an tausend Zacken mein Fleisch klebt! Sieh mich an — was hab ich getan? Kann es nicht bald genug sein. So hör doch und laß mich endlich einen Strahl des allerbarmenden Lichtes sehn. Es steht ja in deiner Macht. Du hast dich verschlossen — tu dich mir auf! Gib mir die Freiheit, um die ich dich grenzenlos bitte.

Der Vater:

Welche Freiheit soll ich dir geben? Ich verstehe nicht, wovon du sprichst.

Der Sohn:

Nimm mich von dieser Schule fort — gib mich dem Leben. Sei gut zu mir, wie zu einem Kranken, der vielleicht morgen schon sterben muß. Auch mir gib Wein, den du für ihn aus dem Keller holst. Auch mich laß trinken, denn sieh, ich bin ganz vom Durste zerfressen.

Papa! Nie bist du zärtlich zu mir gewesen, wie zu dem niedersten Wesen in deinem Spital. Nie hast du mich umarmt, wenn ich ängstlich dir am Schreibtisch gute Nacht sagen kam. Und doch hab ich es gefühlt, und ich habe unendlich begriffen, daß ich dein Sohn bin. Die Wüste meines Bettes, wo jedes Körnchen gezählt war, ist nicht so groß, wie dieses Wort der Verzweiflung. Und ich will, ja, ich will etwas von dir erreichen, und sei es nur eine Wimper deines Auges — und wenn du mich wieder fortstößt: mein Wunsch ist doch größer als du in dieser Sekunde.

Der Vater:

Erspar' dir die Mühe, so fängst du mich nicht. Welch ein greisenhaft trauriger Narr stehst du vor mir! Ist das deine ganze Weisheit? Und so sprichst du über deine Jugend, über die Erziehung in deinem Vaterhaus. Schämst du dich nicht? Wenn du mich verletzen wolltest — jetzt hast du es erreicht.

Der Sohn:

Nein, Papa. Uns trennt ein Andres. O schrecklicher Zwiespalt der Natur! Soll es denn keine Brücke mehr geben, wo doch zwischen Nordpol und Südpol die Erde gebaut ist. Papa! Blut stürze neu aus dem Raum! Ich will dein Feind nicht mehr sein. Nimm mich an als Mann.

Der Vater:

Ich brauche deine Belehrung nicht. Dir ist nichts geschehen, was du nicht selber verschuldet hast. Was weißt du von jenen in den Baracken, die leiden! Du, ein Knabe, der noch keinen Ernst und keine Pflicht gelernt hat. Wenn ich nicht doch noch hoffte, dich das zu lehren, wäre ich nicht wert, dein Vater zu sein. Ich hätte dich strenger erziehen sollen, das seh ich an den Folgen.

Der Sohn:

Du entmutigst mich nicht!

Ich werde immer wieder kommen und dich bitten. Bis du mich erhörst.

Der Vater:

Hast du mich nicht verstanden? Was willst du denn noch von mir?

Der Sohn

(feurig):

Das Höchste! Zerreiße die Fesseln zwischen Vater und Sohn — werde mein Freund. Gib mir dein ganzes Vertrauen, damit du endlich siehst, wer ich bin. Laß mich sein, was du nicht bist. Laß mich genießen, was du nicht genossen hast. Bin ich nicht jünger und mutiger als du? So laß mich leben! Ich will reich und gesegnet sein.

Der Vater

(hohnlachend):

Aus welchem Buch kommt das? Aus welchem Zeitungshirn?

Der Sohn:

Ich bin der Erbe, Papa! Dein Geld ist mein Geld, es ist nicht mehr dein. Du hast es erarbeitet, aber du hast auch gelebt. An dir ist es nun, zu finden, was nach diesem Leben kommt — freue dich deines Geschlechts! Was du hast, gehört mir, ich bin geboren, es einst für mein Dasein zu besitzen. Und ich bin da!

Der Vater:

So. Und was willst du mit — meinem Gelde tun?

Der Sohn:

Ich will in die Ungeheuerlichkeit der Erde eintreten. Wer weiß, wann ich sterben muß. Ich will, ein Gewitter lang, das Erdenkliche meines Lebens in den Fingern halten — dieses Glück werde ich nicht mehr erlangen. Im größten, ja im erhabensten Blitzesschein will ich über die Grenzen schauen, denn erst, wenn ich die Wirklichkeit ganz erschöpft habe, werden mir alle Wunder des Geistes begegnen. So will ich atmen. Ein guter Stern wird mich begleiten. Ich werde an keiner Halbheit zu Grunde gehn.

Der Vater:

Weit ist es mit dir gekommen! Du läßt mich deine ganze Niedrigkeit sehn. Danke deinem Schöpfer, daß ich dein Vater bin. Mit welcher Stirne hast du von mir und meinem Gelde gesprochen! Mit welcher Schamlosigkeit meinen Tod im Munde geführt. Ich habe mich in dir getäuscht — du bist schlecht — du bist nicht von meiner Art. Aber noch bin ich dein Freund und nicht dein Feind, deshalb züchtige ich dich für dieses Wort, wie du es verdient hast. (Er tritt auf ihn zu und schlägt ihn kurz ins Gesicht.)

Der Sohn

(nach einer langen Weile):

Du hast mir hier im Raum, auf dem noch der Himmel meiner Kindheit steht, das Grausamste nicht erspart. Du hast mich ins Gesicht geschlagen vor diesem Tisch und diesen Büchern — und ich bin doch mehr als du! Stolzer hebe ich mein Gesicht über dein Haus und erröte nicht vor deiner Schwäche. Du hassest ja nur den in mir, der du nicht bist. Ich triumphiere! Schlag mich weiter. Klarheit übermannt mich, keine Träne, kein Zorn. Wie bin ich jetzt anders und größer als du. Wo ist die Liebe, wo sind die Bande unseres Blutes hin! Selbst Feindschaft ist nicht mehr da. Ich sehe einen Herrn vor mir, der meinen Körper verletzt hat. Und doch war einst aus seinem Körper ein Kristall zu meinem Leben gestimmt. Das ist das unbegreiflich Dunkle. Unter uns trat Schicksal. Gut. Ich lebe länger als du! (Er taumelt.)

Der Vater:

Du zitterst. Nimm einen Stuhl. Ist dir nicht wohl? — Willst du etwas haben?

Der Sohn

(einen Augenblick etwas schwach in seinen Armen):

Ach, ich habe so viel auf dem Herzen.

Der Vater

(in verändertem Ton):

Ich strafte dich, weil ich mußte. Das ist nun vorbei. Komm. Es geht dir nicht gut.

Der Sohn:

Als ich einmal von der Leiter fiel, und mein Arm war gebrochen, da hast du für mich gesorgt. Als mein kindliches Gewissen schlug, weil ich einen Schaffner betrog, hast du ihn beschenkt und mein strömendes Weinen geheilt. Heute kam ich zu dir in größerer Not, und du hast mich geschlagen. — Es ist wohl besser, du lässest mich nun aus deinem Arm. (Er richtet sich auf.)

Der Vater:

Du kamst nicht in Not, du kamst in Ungehorsam. Deshalb schlug ich dich. Du kennst mich und weißt, was ich von meinem Sohne verlange.

Der Sohn:

Wie kannst du ein Wort auf der Zunge bewegen und sagen: so ist es! Siehst du nicht stündlich den Tod in den Baracken und weißt nicht, daß alles anders ist in der Welt!

Der Vater:

Ich bin ein Mann und habe Erfahrungen, die du nicht hast. Du bist noch ein Kind.

Der Sohn:

Wenn Gott mich leben läßt, darf ich alles beginnen. Weshalb willst du mich darum verleugnen! Hast du nicht auch auf der blumigen Erde gespielt und manches geträumt, was dir nicht erfüllt ist?

Der Vater:

Ich habe meine Pflicht getan, das war mir das Höchste. Und du machst hier einen Unhold aus mir und bedenkst nicht: ich habe an deiner Wiege gestanden und du warst geliebt! Glaubst du nicht, daß ich auch heute noch manch schlaflose Nacht deinetwegen verbringe? Was soll aus dir werden! Wo sind deine Kinderworte geblieben, deine reine und unbefangene Brust? Du bist störrisch hingezogen, und verlacht hast du Rat und Hilfe. Und jetzt soll ich dir helfen, wo du zu mir kommst übernächtig und schlimm! Jetzt soll ich dir vertrauen?

Der Sohn:

Du bist mir ein Fremder geworden. Ich habe nichts mehr gemein mit dir. Das Gute, von dem du glaubtest, es sei so leicht, hat mich nicht in deinen Zimmern erreicht. Du hast mich erzogen in den Grenzen deines Verstandes. Das sei deine Sache. Jetzt aber gib mich frei!

Der Vater:

Wie sehr hat dich schon die Fäule dieser Zeit zerstört, daß du so trübe empfindest. Tat ich nicht recht, dich fernzuhalten von allem, was häßlich und gemein ist! Du bist entzündet von Begierden, die ich mit Schrecken erkenne. Wer hat dich so im Herzen verdorben? Ich habe dich als Arzt behütet vor dem Gift unsrer Zeit, denn ich weiß, wie gefährlich es ist. Dafür wirst du mir später noch dankbar sein. Aber wie ist das gekommen — es hat dich doch erreicht! Aus welchem Kanal brach die Ratte in deine Jugend ein? Mein armer Junge, wie verirrt du bist! Komm, laß uns das vergessen.

(Er legt die Hand auf seine Schulter.)

Der Sohn

(weicht zurück):

Nein, Papa. Ich liebe meine Zeit und will dein Mitleid nicht. Ich verlange nur eins noch von dir: Gerechtigkeit! Mach, daß ich nicht auch darin an dir zweifle. Mein Leben komme nun über mich! Es ist Zeit, Abschied zu nehmen, deshalb stehn wir hier voreinander. Nein, ich schäme mich nicht der Sehnsucht nach allem, was heute und herrlich ist. Hinaus an die Meere der Ungeduld, des befreienden Lichts! Verlassen sei die Öde deines Hauses und die Täglichkeit deiner Person. Ich fühl es, ich gehe einer glücklichen Erde entgegen. Ich will ihr Prophet sein.

Der Vater:

Sind das deine letzten Worte im Hause, das dich genährt und beschützt hat viele Jahre? Wer bist du, wenn du die edelste Schranke, Vater und Mutter, in Unkeuschheit zerbrichst? Weißt du denn, was du verlässest, und wohin du gehst? Tor! Wer gibt dir morgen zu essen? Wer hilft dir in Trübsal und Unverstand? Bin ich denn schon tot, daß du so zu mir sprichst!

Der Sohn:

Ja, Vater, du bist mir gestorben. Dein Name zerrann. Ich kenne dich nicht mehr; du lebst nur noch im Gebot. Du hast mich verloren in den Schneefeldern der Brust. Ich wollte dich suchen im Wind, in der Wolke, ich fiel vor dir auf die Kniee, ich liebte dich. Da hast du in mein flammendes Antlitz geschlagen — da bist du in den Abgrund gestürzt. Ich halte dich nicht. Jetzt wirst du bald mein einziger, mein fürchterlicher Feind. Ich muß mich rüsten zu diesem Kampf: jetzt haben wir beide nur den Willen noch zur Macht über unser Blut. Einer wird siegen!

Der Vater:

Es ist genug. Noch einmal hör auf mich! Ist denn kein Atem des Dankes, keine Ehrfurcht mehr auf deinen schäumenden Lippen? Weißt du nicht, wer ich bin!?

Der Sohn:

Das Leben hat mich eingesetzt zum Überwinder über dich! Ich muß es erfüllen. Ein Himmel, den du nicht kennst, steht mir bei.

Der Vater:

Du lästerst!

Der Sohn

(mit zitternder Stimme):

Ich will lieber Steine essen als noch länger dein Brot.

Der Vater:

Erschrickst du nicht selber vor dem, was du sagst?

Der Sohn:

Ich fürchte dich nicht! Du bist alt. Du wirst mich nicht mehr zertreten in eifernder Selbstigkeit. Wehe dir, wenn du deinen Fluch rufst in die Gefilde dieses Glücks — er fällt auf dich und dein Haus!

Und wenn du mich mit Stockhieben von dir treibst — hab ich einst gebebt vor dir in armer und heimatloser Angst — ich werde dich nicht mehr sehn, nicht deine Tyrannenhand und nicht dein graumeliertes Haar: nur die mächtige, die stürzende Helle über mir. Lerne begreifen, daß ich in eines andern Geistes Höhe entschwebt bin. Und laß uns in Frieden voneinander gehn.

Der Vater:

Mein Sohn, es ist kein Segen über dir! ... Wie, wenn ich dich jetzt ziehn ließe in deiner Verblendung? Laß dich warnen vor den süßen Würmern dieser Melodie. Willst du mich nicht begleiten an die Betten meines Spitals (höhnisch): da krümmt die Röte deiner Jugend sich verdorben in Schaum und Geschwulst, und was aus deinem Mund sich beschwingt in die Lüfte erhob, bricht als Wahnsinn in des Verwesenden traurige Flur. So zerreißt Gott die Flügel dem, der in Trotz und Hochmut entrann! Stoß in dieser Stunde meine Hand nicht zurück, wer weiß, ob ich sie je dir so warm wieder biete.

Der Sohn:

In deiner Hand ist mancher gestorben, dessen Nähe uns umwittert. Aber was sind all diese Toten gegen mich, der ich in Verzweiflung lebe! Wär ich vom Krebse zerfressen, hättest du mir jeden Wunsch erfüllt. Denn ein Kranker, dem niemand helfen kann, darf noch im Rollstuhl an die Küste der blauen Meere fahren. Ihr Lebenden, wer rettet euch! Du rufst das Grauen aus den Gräbern auf; doch dem schönen Glücke mißtrauen darf nur, auf wessen Haupt die Drommete des Todes erschallt ist. Aus zwanzig Jahren, aus zwanzig Särgen steig ich empor, atme den ersten, goldenen Strahl — du hast die Sünde gegen das Leben begangen, der du mich lehrtest, den Wurm zu sehen, wo ich am herrlichsten stand —

Zerstäube denn in den Katakomben, du alte Zeit, du modernde Erde! Ich folge dir nicht. In mir lebt ein Wesen, dem stärker als Zweifel Hoffnung geblüht hat.

Wohin nun mit uns? In welcher Richtung werden wir schreiten?

Der Vater

(geht nach links und verschließt die Türe):

In dieser.

Der Sohn:

Was soll das bedeuten?

Der Vater:

Du wirst das Zimmer nicht verlassen. Du bist krank.

Der Sohn:

Papa!

Der Vater:

Nicht umsonst hast du den Arzt in mir gerufen. Dein Fall gehört in die Krankenjournale, du redest im Fieber. Ich muß dich so lange einschließen, bis ich dich mit gutem Gewissen meinem Hause zurückgeben kann. Man wird dir Essen und Trinken bringen. Geh jetzt zu Bett.

Der Sohn:

Und was soll weiter mit mir geschehn?

Der Vater:

Hier gilt noch mein Wille. Du wirst dein Examen machen, auf der Schule, wo du bist. Ich habe deinen Hauslehrer entlassen. Von jetzt ab werde ich selber bestimmen. In meinem Testamente setze ich dir einen Vormund, der in meinem Sinne wacht, wenn ich vorher sterben sollte ...

Der Sohn:

Also Haß bis ins Grab!

Der Vater:

Du beendest dein Studium und nimmst einen Beruf ein. Das gilt für die Zukunft. Fügst du dich meinem Willen, wirst du es gut haben. Handelst du aber gegen mich, dann verstoße ich dich, und du bist mein Sohn nicht mehr. Ich will lieber mein Erbe mit eigner Hand zerstören, als es dem geben, der meinem Namen Schande macht. Du weißt nun Bescheid.

Und jetzt wollen wir schlafen gehn.

Der Sohn:

Gute Nacht, Papa.

Der Vater