Vermischte Nachrichten.

74) Der Bildhauer Wendler in Berlin hat ein sehr vortreffliches Modell zur Restauration des Hochaltars von St. Marien in Danzig (Vergl. Danz. Ztg. vom 3. u. 4. Juli 1868) gefertigt. Auf Grund desselben ist ihm die Ausführung des Altar-Aufsatzes für den Preis von 10,000 Thlr., auf Kosten der Klose’schen Eheleute in Danzig, übertragen werden.

R. Bergau.

75) Die Kapelle zu St. Bartholomä am Königssee war in der jüngsten Zeit sehr baufällig geworden. Da die Pfarrkirchenstiftung St. Andrä in Berchtesgaden, welcher der bauliche Unterhalt obliegt, absolut leistungsunfähig ist, so sollte die Kapelle zum Abbruch gelangen. Hiedurch würde jedoch der Königssee in historischer und ästhetischer Beziehung eine schöne und eigenthümliche Zierde verloren haben; König Ludwig II. von Bayern befahl daher, daß die Kapelle auf Kosten der Kabinetskasse wiederhergestellt werde. Die desfalls vorgenommenen baulichen Reparaturen sind nun vollendet, und am St. Jakobstage (25. Juli) wurde in der renovierten Kirche der erste feierliche Gottesdienst gehalten.

(Korr. v. u. f. D. Nr. 386.)

76) Am 26. Juli wurde in Lüttich das Monument Karl’s des Großen enthüllt, welches die Stadt und die Provinz diesem Kaiser errichtet haben, den sie zu ihren speziellen Landsleuten zählen, weil die Vorfahren desselben in dortiger Gegend Besitzungen hatten, nach welchen sich einige derselben benannten, wie z. B. Herstall und Landen. Uebrigens ist, wie bekannt, Karl’s Geburtsort mit Sicherheit nicht zu ermitteln. Das Monument ist eine Reiterstatue in Bronze auf einem Postamente von weißem französischen Sandstein; an dem Postamente befinden sich sechs kleine Bronzestatuen, welche Karl’s Vorfahren darstellen. Die Reiterstatue mißt 5 Meter in ihrer ganzen Höhe, das Postament ist 7 Meter hoch. Das Denkmal ist das Werk des Bildhauers Jehotte, Professors an der Brüsseler Akademie. Es ist in Brüssel gegossen.

(Ders. Nr. 390.)

77) Am 10. Juli eröffnete, wie die Heidelb. Zeitung Nr. 163 und die Bad. Landesztg. Nr. 163 u. 164 berichten, der Fabrikbesitzer Karl Metz eine von ihm selber während einer langen Reihe von Jahren zusammengebrachte Sammlung von Alterthümern und andern Gegenständen der verschiedensten Art, welche, aufgestellt im Hause Nr. 22 vor dem Karlsthor (Hausacker genannt) der Stadt Heidelberg, namentlich enthält: Kirchliches, Folterwerkzeuge und Richtschwerter, Waffen und Rüstungen, musikalische Instrumente, Thür- und Schrankschlösser, Porzellansachen, Münzen, Uhren, Autographen, Reliquien und Curiositäten. Hervorzuheben ist eine in einem der höher gelegenen Zimmer angebrachte Holzvertäfelung, welche zu Anfang des 17. Jahrh. die Arbeitsstube des Bürgermeisters der Stadt Zürich schmückte.

78) Die erste Abtheilung der berühmten Ritter v. Schultheß-Rechberg’schen Münz- und Medaillensammlung ist im Juni in Dresden unter lebhafter Betheiligung fremder Käufer versteigert worden. Viele der bedeutendern Stücke sind in Deutschland verblieben und theils für öffentliche Sammlungen, theils von Privaten erworben worden. Auch das kön. Münzkabinet in Dresden hat sich die Gelegenheit zur Bereicherung nicht entgehen lassen, noch größere Summen verausgabte das Berliner Museum zu Anschaffungen. Andere Stücke sind nach der Schweiz, nach Frankreich, Italien, Schweden, Russland, England, selbst nach Amerika gewandert. Es wurden bedeutende Gebote erzielt und ein Thaler häufig mit 30–50, selbst mit 60–100 Thalern bezahlt, wie der Thaler des Salzburger Erzbischofs Leonhard von Keutschach vom Jahre 1504 mit 105 Thalern., ein Doppelthaler des Cardinals von Dietrichstein, Bischofs von Olmütz, ebenso hoch etc. Die zweite Hälfte der Sammlung, 4000 Stück, darunter viele Seltenheiten, wird im Mai k. J. versteigert. Diese numismatische Sammlung hat vor ihrer Zerstückelung eine wissenschaftliche Bearbeitung durch die Brüder Erbstein erfahren und somit wenigstens auf dem Papiere den Charakter der Untheilbarkeit erlangt.

(Ill. Ztg. Nr. 1309.)

79) Wie man aus Fronhofen bei Simmern schreibt, hat ein Arbeiter beim Steinbrechen zu Unzenberg, in der Nähe des römischen Standorts Dommissas bei Kirchberg, einen Topf mit 840 Silbermünzen gefunden, die sämmtlich etwas schwerer sind als ein 2½ Silbergroschenstück. Diese Münzen tragen ein Bildniß mit der Inschrift: „Probus Marcus Aurelius“ und sind ganz gut erhalten. Da der Deckel des Topfes fehlte, so haben die Inschriften meist einen leichten Ueberzug.

(Dies. Nr. 1308.)

80) Bei Trifail (Steiermark) stieß bei Urbarmachung eines Waldes der Spaten eines Landmanns auf ein Gefäß, welches etwa 1 Fuß tief unter der Oberfläche lag und mit etwa 300 großen, massiven, wohlerhaltenen Silbermünzen, anscheinend keltischen Ursprungs, gefüllt war.

(Dies. Nr. 1309.)

81) Auf dem Gute Wotrum bei Teterow (Meklenburg) wurden in letzter Zeit mancherlei Bronzealterthümer und daneben eine Anzahl mittelalterlicher Ofenkacheln gefunden.

(Dies. Nr. 1311.)

82) Beim Erweiterungsbau der Strafanstalt in Zürich ist ein Stein mit altrömischer Inschrift ausgegraben worden. Dieselbe lautet: Deae dianae et Silvano ursarii posuerunt ex voto. Die Römer gebrauchten die Bären zur Jagd, und die Führer der Bären gehörten zum Jagdgefolge. Auch noch weitere antiquarische Funde wurden an dieser Stelle gemacht. Die Arbeiter stießen nämlich auf zwei Armbänder und sieben Ringe von Gold; erstere laufen künstlich in Schlangenköpfe aus, letztere sind theils ciseliert, theils fassen sie eine Gemme. Die Schmuckgegenstände mögen nach dem Urtheil der Kenner des Fachs aus dem 2. oder 3. Jahrh. stammen; sie sind von der antiquarischen Gesellschaft angekauft worden.

(Das.)

83) Auf dem Gute Pölitz in Meklenburg sind im Laufe dieses Frühjahrs und Sommers eine Menge uralter Wohnstätten, sog. Höhlenwohnungen, entdeckt worden. Zwei, drei und vier Fuß unter der Oberfläche stieß man beim Drainieren auf zahllose Glasscherben, Knochen von Thieren, besonders von Schweinen, Rindern, Pferden und Hirschen, sowie auf einzelne Geräthe. Nach der Beschaffenheit der Scherben und Geräthe gehören diese ehemaligen Wohnstätten theils der letzten heidnischen und zum Theil der Steinzeit an. Mehrere Kisten mit Knochen und Scherben sind dem Schweriner Archiv übersandt worden.

(Korr. v. u. f. D. Nr. 401.)

84) Bei Clermont im Oisedepartement hat man die Ueberreste der Brücke aufgefunden, die Cäsar dort über die Sümpfe hatte schlagen lassen, um die Bellovaker in ihrem Lager zu überraschen. Man hatte sich bisher vielfach über die Oertlichkeit, wo diese Vorfälle stattgefunden haben, gestritten.

(Ill. Ztg. Nr. 1311.)

85) Die werthvolle Bibliothek des verstorbenen Sprachforschers Franz Bopp ist, wie man der Allgem. Ztg. aus Berlin schreibt, von der Universität Ithaka in Amerika erworben worden. Die Doubletten hat der Antiquar Stargardt in Berlin übernommen, mit andern werthvollen Werken vereinigt und darüber ein Verzeichniß von etwa 1300 Nummern veröffentlicht.

86) Von der Calve’schen k. k. Universitätsbuchhandlung in Prag ist folgendes Schriftchen ausgegeben worden: „Diplomatische Abhandlung über ein zu München aufbewahrtes Fragment eines Sendschreibens des Kaisers Glycerius an den Ostgothischen Feldherrn Widemir, als die einzige bisher bekannte occidentalisch-kaiserliche Urkunde etc. Von J. C. Frhrn. v. Aretin. 8. 34 Stn.“ Ueber die in dieser Abhandlung besprochene Urkunde war schon um 1759 ein Heft unter dem Titel: „Jo. Adami E. B. de Ickstädt Observationes historico-criticae in epistolam autographam Glycerii Imperatoris ad Widimerum Ostrogothorum Regem. Monachii (prostat in Bibliopolio Elect. academico.) S. a. 4. 14 Stn., mit 1 Tafel.“ in zwei Auflagen erschienen, damals aber ziemlich unbeachtet geblieben. Die betreffende, den Erben des kurfürstl. Hofraths Frhrn. Widmer in München gehörige und schon seit länger als einem Jahrhundert im Besitze der Widmer’schen Familie befindliche Urkunde stammt aus dem J. 473 und ist nach v. Aretin’s Ausspruche wegen ihres Alters sowohl, als wegen ihres Inhalts „eine der größten Kostbarkeiten, mit welchen eine öffentliche Bibliothek geziert sein kann.“

(N. Anz. v. Petzholdt, H. 8, S. 272.)