Eine herrschende Tradition, der u. A. selbst H. Bischof in seiner Tübinger Preisschrift über S. Franck und Heinr. Merz in dem biographisch-literarischen Artikel der Herzog’schen Real-Encyklopädie für protest. Theologie und Kirche beistimmen, nimmt an, daß Luther die von S. Franck aus dem lateinischen Original eines Siebenbürgers im J. 1530 übersetzte Türkenchronik mit einer Vorrede eingeleitet habe.
Diese Angabe hat ihre großen Bedenken; es mag daher gerathen sein, um die für Luther und S. Franck gleich wichtige Frage zur Entscheidung zu bringen, die bisher bekannten wesentlichen Momente zusammenzustellen.
1) Die Vorrede findet sich nach Erbkam, Geschichte der protestantischen Sekten, 1848, S. 291, Not. 3 nicht in der Walch’schen Ausgabe von Luther’s Werken; eben so wenig in der neueren Erlanger, noch in der Jenaer Ausgabe, welche ich beide selber verglichen habe.
2) Die beiden von H. Stainer zu Augsburg im Jahre 1530, resp. unter dem 26. October und dem 18. December vollendeten Drucke enthalten diese Vorrede gleichfalls nicht. s. Jördens, Lexikon I, 559. Ch. K. am Ende, Fortges. kleine Nachlese, 1798, S. 6 und die dort gegebenen Nachweisungen.
3) Freilich erwähnen Jördens a. a. O. sowie Ch. K. am Ende, daß die Augsburger Drucke Nachdrucke einer von Fr. Peypus zu Nürnberg in demselben Jahre veranstalteten editio princeps sind. Dafür spricht auch in dem Augsburgischen Titel der Zusatz: Newlich widerumb vberlesen. Diese editio princeps scheint aber beiden Männern nicht durch Autopsie bekannt gewesen zu sein.
4) Der Titel der Nürnberger Ausgabe lautet bei Ch. K. am Ende a. a. O., muthmaßlich nach Nopitsch in dem Nürnberger Gelehrten-Lexikon oder auch Schelhorn’s Ergötzlichk. 1, 126:
Chronica vnnd beschreibung der Tuͤrckey mit yhrem Begriff, ynnhalt, prouincien, voͤlckern, ankunfft, kriegen, reysen, glauben, religionen, gesatzen, sytten, geperden, weis, regimenten, fruͤmckeyt, vnnd boßheiten, von eim Sibenbuͤrger, 22 jar darinn gefangen gelegen, in Latein beschrieben, verteutscht mit einer vorrhed D. Martin Lutheri. Zehen oder aylff Nation vnd Secten der Christenheyt Anno MDXXX. in 4.
Zuletzt: Getruckt zu Nuͤrnbergk durch Fridericum Peypus.
Die gesperrten Worte lauten nun in den Augsburger Drucken wesentlich anders:
durch Sebastian Franck verteutscht. Sechzehn Nation, Secten vnd parthey.
5) Wäre es möglich, daß diese Peypus’sche, ohne Angabe des Uebersetzers veranstaltete Ausgabe von Just. Jonas herrührte? Die Jenaer Ausgabe von Luther’s Werken enthält in tom. V (1588) Bl. 258 b ff. eine Vorrede Luther’s von 1530: „Auff ein Lateinisch Buchlin geschrieben, Welchs von der Tuͤrcken Religion zum teil redet, Verdeutscht durch D. Justum Jonam.“
Soweit das, was ich zu ermitteln wußte. Ich darf aber wol die Hoffnung aussprechen, daß auch Andere mit mir den Wunsch und das Bestreben hegen werden, an ihrem Theile jedem der hier betroffenen Triumvirn zu seinem Rechte zu verhelfen.
Schwerin.
Friedr. Latendorf.