Die Dürermedaille von Bezold.

Wer je ein Original dieser Medaille gesehen hat, wird gleich zur Ueberzeugung gekommen sein, daß sie nicht, wie Will[144] und Bolzenthal[145] angeben, um 1625 entstanden sein kann. Sie gehört unbestreitbar den besseren Werken der Mitte des 16. Jahrhunderts an.

Wie ist nun der Name Janus Bezoldus auf dem Revers der in den beiden citierten Werken abgebildeten Medaille zu erklären? Gab es zwei Künstler dieses Namens, oder hat Hans Bezold, der bekannte Nürnberger Goldschmied, eine ältere Darstellung copiert? Letzteres wäre möglich; ich habe zwei sehr ähnliche, aber durchaus verschiedene Ausführungen dieser Porträtmedaille constatiert.

Ich besitze ein prachtvolles Original in Silber von diesem Kunstwerke, mit folgender, erhaben aus dem Silber heraus ciselierten Umschrift auf der Vorderseite: ALBERTI DVRERIS (sic) PICTORIS GERMANI EFFIGIES. 1561. ✣

Der Revers ist wie bei dem von Will und Bolzenthal abgebildeten Exemplare ebenfalls schwarz emailliert, und man liest darauf in erhabenen, silbernen Buchstaben folgende Inschrift, wie sie auch in dem Nürnbergischen Münz-Cabinet von C. A. im Hof, Th. I, Abth. 2, S. 726 abgedruckt ist:

Honori
Alberti Dureri Norimberg.
Pictoris celeberrimi
Cernere naturam si vis, en cerne Dürerum
Haec sculptura refert os, humerosque. Viri
Ipsa sed athereos mens alta perambulat igneis
Impar cui Pallas Parrahasiusq(ue) fuit,
Ingenij monumēta libros tabulasq(ue) reliquit
Quas admiratur Gallia, Roma, Brito
Fulsit Olympiadas denas et quatuor orbi
Hesperus hic Cineres patria servat hum(us).
Denatus Norimbergae
VIII Idum Aprilis
A. Dn̄i. MDXXIIX

Vom Avers besitze ich außerdem einen alten Bleiabguß ohne alle Inschrift.

Da diese Medaille das authentische Datum von 1561 hat, so kann sie unmöglich von dem bekannten Hans Bezold sein, der 1550 geboren wurde.

Paris.

Edwin Tross.