Vermischte Nachrichten.

58) Bei Alt-Ofen ist man auf dem Territorium der dortigen Actien-Ziegelbrennerei-Gesellschaft auf römische Gräber gestoßen. Auf dieser Stelle befand sich einst das alte Aquinum, die Hauptstadt des mittlern Panonien. Drei Steinsärge sind ausgegraben worden; der eine, offenbar für ein Kind bestimmt, war leer, in dem zweiten befand sich das 7 Fuß lange Skelet eines Mannes, der dritte barg die Gebeine einer Frau, welche, wie die Inschrift des Sarkophags besagt, die Gattin eines reichen römischen Hauptmanns war. Außerdem fand man einen römischen Altarstein (ara) und andere dergleichen bedeutende Steine.

(Ill. Ztg. Nr. 1294.)

59) Das Theater der Stadt Angers ist vor einiger Zeit abgebrannt, und es wird ein neues Gebäude errichtet. Bei der Grundlegung hat man Entdeckungen von Alterthümern gemacht, die jetzt auf Kosten des Stadtrathes weiter verfolgt werden. Die Stelle war in der ältesten christlichen Zeit ein Kirchhof und trug später nicht weniger als 5 Klosterkirchen, von denen die letztere 1793 entfernt wurde. Man hat die Kapelle einer gallisch-römischen Kirche wiedergefunden, die in gewissen Beziehungen der Krypta von St. Gervais zu Rouen gleicht. Noch zwei andere Krypten haben sich gezeigt, und eine derselben enthält viele wichtige Särge, die zum Theil bis zur Zeit der Merovinger zurückreichen. Römische, karolingische und gothische Alterthümer und Kunstwerke, Waffen und gottesdienstliche Gegenstände sind zum Vorschein gekommen, und unter den Funden befindet sich auch ein großer und vollständiger weiblicher Schmuck.

(Eur.-Chron. Nr. 17.)

60) Ueber die im Kloster Lambach (Oberösterreich) jüngst bloßgelegten romanischen Deckengemälde (siehe Anz. Nr. 4 d. J., Spalte 146, Nr. 38) schreibt uns Prof. J. Klein: Es sind 3 Kuppeln, die eine Art westlicher Empore bilden. Die Bälge der Orgel nehmen fast den ganzen Raum ein, so daß man einen Gesammtüberblick nicht gewinnen kann. Im Centrum des mittlern Gewölbes ist ein Stern, der über dem Haupte der an der Westseite des Gewölbes angebrachten Mutter Gottes aufgeht. Die heil. Jungfrau sitzt majestätisch auf dem Throne und hält das segnende Jesuskind. Zur Rechten steht ein Engel, zur Linken eine Frauengestalt. Der Grund ist durch einen Vorhang abgeschlossen, hinter dem noch zwei Köpfe sichtbar sind. Ohne architektonische Trennung schließen sich auf der einen Seite die drei Könige, welche Gaben darbringen, an, auf der andern die schlafenden drei Könige, welche vom Engel gewarnt werden. An der Ostseite, der heil. Jungfrau gegenüber, eilen die drei Könige mit ihren Gaben der Krippe zu.

Die südliche Kuppel zeigt in einer reichen Architektur (wol die Stadt Jerusalem) den König Herodes; vor ihm eine Figur, wahrscheinlich einer der drei Könige, der nach dem neugebornen Kinde fragt. An der nördlichen Seitenkuppel sind die drei Könige zu Pferd mit ihrer Begleitung zu sehen. Die drei Könige haben keine Kronen, sondern phrygische Mützen auf. Die Farben sind fast nur Roth und Gelb (Ocker). Wenig Schwarz findet sich vor, da die Conturen fast nur roth sind. Die Malereien der Seitengewölbe sind sehr zerstört, so daß man die rothen Conturlinien nur mit Mühe verfolgen kann.

61) Vor Kurzem hielt Oberstlieutenant Köhler in Danzig einen Vortrag über die Befestigung dieser Stadt im 14. u. 15. Jahrh. Derselbe ist das Resultat langer, tief eindringender Studien im Archiv und in der Bibliothek der Stadt und einer speziellen Untersuchung aller aus jener Zeit noch erhaltenen, freilich sehr versteckten Ueberreste. Der Vortragende ergänzte seine Mittheilungen durch Vorlage zweier von ihm entworfener Pläne, welche den Zustand der Befestigung Danzig’s um 1520 und 1577 darstellen. Dieselben beruhen auf alten Plänen im Stadtarchiv und sind nach den noch vorhandenen Bauresten berichtigt und ergänzt. Von besonderem Interesse war die Hinweisung auf die im Anfang des 16. Jahrh. in Folge des vervollkommneten Geschützwesens gänzlich veränderte Art und Weise der Befestigung (Wälle statt der Mauern).

(Danz. Dampfb. Nr. 111.)

62) Die bekannte Schloßruine zu Cochem, bisher königliche Domäne, ist mit dem 15. Juni in den Besitz des Commerzienraths Ravené zu Berlin übergegangen, der die Burg in ihrem frühern alterthümlichen Stile wieder aufzubauen beabsichtigt. Von der Ruine stehen gegenwärtig nur noch der alte, massive Thurm einige Reste des Hauptgebäudes der Moselfronte mit dem sog. Hexenthurm und die weitläufigen Ringmauern mit dem Thore.

(Ill. Ztg. Nr. 1302.)

63) In Prag ist an dem Hause Nr. 351 in der Bethlehemsgasse, wo vor mehr als fünfthalbhundert Jahren Johann Huß wohnte, eine marmorne Denktafel mit bezüglicher Inschrift angebracht worden.

(Dies. Nr. 1300.)

64) Das Genfer National-Institut hat die historische Monographie „Ueber den Ursprung der schweizerischen Eidgenossenschaft“ von Jul. Hugo Hungerbühler aus St. Gallen, z. Z. Cand. jur. in Heidelberg, mit dem ersten Preise von 600 Frcs. gekrönt und dieser französisch geschriebenen Concursarbeit die Ehre des Druckes in seinen Annalen zuerkannt.

(Dies. Nr. 1298.)

65) Den Nürnbergern haben wir — schreiben die Schles. Provinzialbl. in ihrem Märzheft — einen Landsmann namhaft zu machen, der hier (in Breslau) begraben ist und ein ungemein trefflich gearbeitetes Denkmal von feinem Sandstein auf der Wetterseite des Domes besitzt. Es stellt die so beliebte „Gregoriusmesse“ dar. Der Stifter kniet rechts und hat als Wappen auf spätgothischem Schilde einen gekrönten Vogel. Erdmann (Beschreibung des Domes, 22) konnte die saubere Minuskelschrift nicht lesen, sie lautet: Anno do’ 1506 am obent erhebunge des heiligen creuczis ist gestorben der Erbar Hans Steger seidenhefter von Nornberg alhy begraben dem got genedig sey.

66) Zu Trier ist in einem Grundstücke zwischen dem Neu- und Brückenthore, wo die Gebrüder Schloß ein Magazingebäude aufführen lassen, ein römisches Bauwerk aufgefunden worden, das unter Anderm noch unbeschädigten Wandverputz mit gemalten Figuren zeigt. Domkanonikus v. Wilmovsky hat von diesem Funde genauen Vormerk genommen und einzelne Theile der Wandbekleidung in Verwahrung gebracht.

(Ill. Ztg. Nr. 1300.)

67) Bei den Ausgrabungen in einem Thurm des Römercastells Osterburken hat der Mannheimer Alterthumsverein unter andern Anticaglien, Waffenüberresten, chirurgischen Instrumenten, Schlüsseln, einer Münze von Commodus u. s. f. einen merkwürdigen Inschriftstein gefunden. Er gehört der dritten aquitanischen Cohorte, die von Philippus Arabs oder ihm zu Ehren den Namen Philippina trug, und ist ihrem Genius gewidmet. Die Inschrift der offenbar in der Mauer angebrachten Arula lautet: GENIO OPT · COH · III · AQVIT · PHILIPPI ANAE· Es ist dies unter Anderm auch ein neues Indicium, daß das Castell bald nach Philipp, bis zu welchem bis jetzt die Münzfunde reichen, zerstört worden sei.

(Ill. Ztg. Nr. 1302.)

68) Wie bereits im Anzeiger erwähnt, hat die Nachlassenschaft der nunmehr auch in Nürnberg aufgelösten Handwerkszünfte und Innungen ein verschiedenartiges Schicksal gehabt. Die meisten dieser Verbände haben doch die größten Theils durch ihr Alter oder durch Kunst werthvollen Andenken ihres einstigen Bestandes auf entsprechende Weise, entweder im städtischen oder im germanischen Museum, der Nachwelt zu erhalten vorgezogen; andere haben sie durch Verkauf für den Augenblick nutzbar gemacht, so die Goldschmiede, welche zugleich mit die interessantesten Gegenstände besaßen und diese am 18. Mai zur Versteigerung gebracht haben. Eine Legende des h. Eligius, Pergamenthandschrift von 1283 mit Initialen, kam auf 305 fl., ein Brief Martin Luthers an die Innung auf 151 fl. Der schöne, dem Wenzel Jamnitzer zugeschriebene Silberpokal gieng zu 750 fl. an den Antiquar Pickert in Nürnberg über.