bietet für den Kunst- und Alterthumsfreund manches Anziehende. Das Aeußere derselben zeigt zwar keinen ansprechenden Stil, die ehemaligen Spitzbogenfenster sind in geschmacklose Vierecke verwandelt; dagegen trägt das Innere der Kirche noch vollständig den Charakter der Gothik. Die Fensternischen bestehen aus rohen Spitzbogen; der Chor mit seiner nächsten Umgebung aber ist besonders merkwürdig. Am Choreingang finden wir oben die Jahreszahl 1401, ein Fingerzeig für die Erbauungszeit des Chors, während die Jahreszahl 1501 am westlichen Eingang in das Langhaus die Hindeutung gibt, daß erst ein Jahrhundert später an den Chor das Langhaus angebaut worden war.
Zu beiden Seiten des Eingangs in den Chor und noch vor demselben finden sich zwei Seitenaltäre, die im gothischen Stil ausgeführte und hübsch verzierte Aufsätze haben. Von besonderem Werthe sind die Malereien, welche für Arbeiten des Ulmer Malers Lucas Moser aus Weil gelten, der auch 1431 das Altarwerk in die Kirche zu Tiefenbronn lieferte. Es sind Darstellungen der Geburt und ersten Jugend Jesu. Die äußeren Seiten der Bilderthüren enthalten Holzschnitzereien, die Anrufung der Maria und das Grab Jesu. Ueber dem Spitzbogen des Choreingangs befindet sich eine Nische, in welcher die 12 Apostel in etwa fußhohen Holzschnitz-Figuren aufgestellt sind.
Der Chor selbst enthält einen im Rococcostyl hergerichteten Altar mit einem Crucifix, neben dem Maria und Johannes in Holzfiguren stehen. Zur linken Seite des Altars sieht man ein Sakramentshäuschen, das im reinsten gothischen Stil bis ins Einzelne exact und schön ausgeführt ist.
Der Gang des Langhauses und des Chores ist mit Grabsteinen belegt, deren Inschriften meist nicht mehr zu lesen sind; jedoch ist anzunehmen, daß es Denksteine derer von Gemmingen-Guttenberg sind, welche sich diesen Platz zu ihrer letzten Ruhestätte gewählt hatten. Im Chor befinden sich folgende Gedenktafeln an den Wänden angebracht:
Das Innere des Langhauses zeigt sofort dem Eingang gegenüber das sehr kunstvoll gearbeitete Grabmal des Friedrich Christoph von Gemmingen († 1702) mit dem Bilde des Verstorbenen in Lebensgröße. Daneben ist eine einfache Platte für Friedrich Ludwig von Gemmingen († 1766) und eine für Christoph Dietrich v. G. († 1800).
Das merkwürdigste Grabmal ist außerhalb in die Kirchenmauer eingelassen, zur linken Seite des Haupteingangs. Die Mitte des sehr umfangreichen Grabmales zeigt in Haut-relief den eben auferstehenden Christus, wie er den linken Fuß auf eine mit dem Kreuz geschmückte Weltkugel setzt, während der rechte noch im Sarge ist. Unter dem Sarge liegt der Tod, hinter demselben wirft der Satan dem Auferstandenen grimmige Blicke nach. Rechts vom Auferstandenen steht: „Seid getrost, ich habe die Welt überwunden Jo. 16. Von der Hand der Hölle will ich sie lösen, vor dem Tode will ich sie retten. Hos. 13.“; links: „Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, wird leben, ob er schon stirbt, und wer da lebt und glaubet an mich, der wird nicht sterben ewiglich. Jo. 11“. — Unter diesem Bilde des Auferstandenen mit den Sprüchen zeigt das Hauptfeld des Grabmals eine knieende Familie aus 8 Personen, ebenfalls in Haut-relief; rechts der Vater, links die Mutter und in der Mitte der Reihe nach die Kinder, über deren Köpfen auch ihre Namen stehen: Blicker. Gotfried. Michel. Ursula. Ursula. Clara. Darüber steht die Inschrift: „Anno 1550. Diesen seinen geliebten frummen Eltern auch sechs Geschwistern so oben verzeichet und in der Kindheit abgestorben bei inen uf diesen Kirchhof begraben ligen. Herr Jesus Christus du sun Gottes und Heiland der Weld in dein heiligs leiden sterben und ufersteung seczen wir hoffnung unser selickeit verleie uns am leczten dag ein frölich uferstandnus und des ewick leben. Amen“. — Unter der knieenden Familie stehen die Inschriften: „A. D. 1526 uf den dag decembris starb der edel ernvest Dietrich von Gemmingen bleickers sun ein frumm erlibender gotzforchtiger man, ein libhaber göttlichs Wortz und fürderer evangelischer lutherischer ler“; — und: „A. D. 1533 uf den... dag... starb die erbar edel dugendreich fraw ursula von nippenburg sein hausfraw in ern zucht und gotsforcht irem hausherrn gantz gleichformich“. — Ueber dem ganzen Epitaphium aber steht folgende Widmung: „Zu Ern hat Philips von Gem̄. ir leczt lebēder und nach irē Absterbē regierēder Son dis Epitaphiū und Denckzeichen uf gerich. Anno 1550“[86].
Auf dem Kirchhofe, an der Mauer befindet sich eine Marmorplatte für Friederike Dorothea von Gemmingen († 1800).
Haßmersheim am Neckar.
Pfarrer Wirth.