Vermischte Nachrichten.

34) Die Arbeiten am Kölner Dom sind wieder aufgenommen, und der nördliche Hauptthurm wird in wenigen Wochen die Höhe des südlichen erreicht haben. An beiden Thürmen soll dann gleichmäßig weitergebaut werden, und deshalb ist man auf dem südlichen Thurme schon mit der Wegnahme des Domkrahns, dieses uralten Wahrzeichens der Stadt Köln, beschäftigt.

(Ill. Ztg. Nr. 1291.)

35) In dem Oktogon der Münsterkirche zu Aachen sind gegenwärtig hohe Gerüste errichtet, um von den Langwänden und der Kuppel die Rococo-Stuccaturen zu entfernen und so den ehemaligen Mosaikschmuck wiederherzustellen.

36) Die Pfarrkirche St. Peter und Paul in der altmärkischen Stadt Seehausen wird gegenwärtig einer umfangreichen Restauration unterworfen. Auch die Reste der einst reichen Ausstattung werden, soweit sie sich erhalten haben, restauriert. Der alte Hochaltar enthält ein Schnitzwerk, welches in der Mitteltafel die Kreuzigung und in den beiden Flügeltafeln zwölf Darstellungen aus der Lebensgeschichte Christi zeigt.

37) Ein Gebäude, welches für Berlin eine der interessantesten historischen Erinnerungen bildete, ist im Laufe eines Jahres umgebaut und modernisiert worden. Es ist das Haus Fischerstraße 27, welches der „treue und ehrenfeste Rosstäuscher Hans Kohlhaas“ vor mehr als 300 Jahren besessen hat und welches noch bis zum vorigen Jahre dieselben Stallungen für 40 Pferde enthielt, welche er dort eingerichtet hatte. Das Gebäude war leider so sehr verfallen, daß von einer Erhaltung nicht mehr die Rede sein konnte. Jetzt ist ein Gasthaus daraus geworden.

(Korr. v. u. f. D. Nr. 191.)

38) Im Kloster zu Lambach wurden interessante Deckengemälde aus der romanischen Kunstperiode entdeckt und bloßgelegt.

(Ill. Ztg. Nr. 1293.)

39) Das Kunstkabinet in Gotha besitzt zwei merkwürdige, mit der Jahrzahl 1604 bezeichnete Arbeiten der Aetzkunst auf großen, viereckigen Platten von Solenhofer Marmorschiefer. Auf der einen Platte befindet sich eine Karte von Deutschland: Totius Germaniae Descriptio. In der Einfassung sind oben und unten die zwölf römischen Kaiser zu Pferde und oben unmittelbar unter den Kaisern die Wappen der 7 älteren Kurfürsten. An den Seiten sind die Brustbilder der Stammväter und mythischen Könige der Deutschen bis zu Karl dem Großen. Ein lateinisches Gedicht unmittelbar unter der Karte lautet:

Germania.

Teuthonia, o felix nimium, tua si bona noris!
Desuper aetherii cultu illustrata Jehovae,
Area salvifici qua coelica semina verbi
Late disperguntur et itur ad aurea tempe.
Imperii tibi summus honos sceptrique potestas,
Invictae tibi sunt vires, virtusque virorum,
Queis vigor igneus ingenii, queis marte togaque,
Artibus, omnigenisque, tropaea corusca theatro
Mundi amplo fulgent, dextraque et acumine parta
Nil coelum tellusve tibi Germania felix,
Invidet aut negat, omni ope te Jova mactat et ornat.
Asserat idem tutor et ultor, et evehat aevum!
Te sic Andreas pius effigiabat alumnus
Plenniger ad vada Danubii Tiberinide civis
Sacraturus Hero patria in natione potenti.

Könnte vielleicht Jemand über diesen Andreas Plenniger nähere Auskunft geben? — Auf der zweiten Platte ist in der Mitte die Susanna im Bade mit den zudringlichen Liebhabern dargestellt. Um diese Darstellung laufen die Worte: Praestat humi vitam quam profudisse pudorem, quod monet exemplo casta SUSANNA suo. Nec facimus poenae linquunt gravis excubat ultor, et fraus authori est perniciosa suo. An den vier Seiten sind Scenen aus dem Leben des Jonas mit lat. Versen aus dem Buche Jonas zu sehen. Rings um die Platte ist in besonderen Einfassungen der Gesang: „Disce subesse Deo. Spartam, quam nactus es ornans, ni vis irato sucubuisse Deo. Perfer et obdura, fac, quae pia functio poscit, susceptus Domino non perit ille labor“ für secundus Discanus, Altus, Tenor, primus Discanus, secundus Tenor, Passus componiert. Die eckigen Noten sind schwarz und golden, die bunten, arabeskenartigen Zierathen in graziösem Renaissancestil ausgeführt. Auf der Platte steht ein aus den Buchstaben PLGR zusammengesetztes Monogramm.

Gotha.

A. Bube.

40) Professor Senure in Gent hat in der dortigen Universitätsbibliothek das Horabuch Kaiser Karl’s V. entdeckt. Dasselbe enthält zuerst ein Gebet, das allem Anschein nach vom Kaiser selbst verfaßt ist, dann religiöse Gesänge, Moralregeln, philosophische Betrachtungen und Gesundheitsregeln für jeden Monat des Jahres, Alles lateinisch. Der Gelehrte will seinen Fund durch getreuen Abdruck veröffentlichen.

(Ill. Ztg. Nr. 1293.)

41) Im Dorfe Uthmöden, unweit Calvörde (Braunschweig), ist auf einem Acker ein Topf mit etwa 200 Silberbracteaten gefunden worden. Das Gepräge eines Theils derselben zeigt einen geharnischten Ritter, der in jeder Hand ein Fähnchen hält; auf andern sieht man die Figur eines Bischofs, mit einem Zweige in der einen und einem Kreuz in der andern Hand. Die Münzen scheinen dem 11. oder 12. Jahrh. anzugehören.

(Brschw. Tagebl. Nr. 81.)

42) Der badische Alterthumsverein hat aus seinen Ausgrabungspunkten Osterburken und Ladenburg wieder schätzbare Erwerbungen gemacht. Zu Osterburken war im Mauerschutte des alten, wahrscheinlich zur Zeit der Gordiane zerstörten Kastells u. A. ein römischer Soldatenhelm ausgegraben und erworben worden, der, am römisch-germanischen Museum zu Mainz restauriert, jetzt eine Zierde der Mannheimer Sammlung des Vereins bildet. Aus Ladenburg kam in dieselbe außer einer Matronenstatuette aus gelbem Sandstein, wie er in der Nähe von Heilbronn gebrochen wird, das Bruchstück einer aus einer Art von Cement gegossenen oder gepreßten Säule, welche in zwei Abtheilungen übereinander Figurengruppen hat, von welchen nur diejenige der untern erkennbar ist. Diese stellt nahezu in Hautrelief den Kampf eines Fauns mit einem geflügelten Amor dar, einen Kampf, der nicht mit den Fäusten, sondern nach Art der Widderkämpfe mit den Köpfen geführt wird. Nach den Größenverhältnissen dürfte die Säule einen Tischfuß gebildet haben.

(Korr. v. u. f. D. Nr. 191.)

43) Nach Meldung österreichischer Blätter wurden bei Moritzing bemerkenswerthe archäologische Funde gemacht. Unter Steingerölle entdeckte man Theile eines Schildes oder Harnisches aus dünngeschlagenem Bronzeblech. Die darauf enthaltene Zeichnung bildet phantastische Formen von Pferden, nebst einer männlichen Figur in sackartiger Tunica, die mit einer Hand die Zügel hält. Ferner wurden Bruchstücke eines Gefäßes aus stark kupferhaltigem Bronzeblech, zwei eiserne Schwerter, von denen das eine größer und zweischneidig, das andere kleiner und theilweise mit der Scheide bekleidet war, Bruchstücke einer zierlich gearbeiteten Scheide, drei Lanzenspitzen, zwei Messer mit geschwungener Schneide, ein Helm und verschiedene Nägel, Alles von Eisen, gefunden.

(Ill. Ztg. Nr. 1290.)

44) Bei Umgrabung eines Ackers unweit Seebergen im Herzogthum Gotha stieß ein Bauer in einer Tiefe von drei Fuß auf ein sehr verkalktes Gerippe mit massiven Haupt- und Handknöchelringen von Bronze, sowie mit andern Schmucksachen von Bernstein und Thon. Die Benennung des Ackers „die heilige Lehne“ läßt vermuthen, daß derselbe ein altgermanischer Begräbnißplatz war und mehr solche Gegenstände in seinem Schoße birgt.

(Dies. Nr. 1291.)

45) Bei Dürrenberg, unweit des Saalufers, ist vor einiger Zeit ein heidnisches Grab geöffnet worden, dessen in antiquarischer und künstlerischer Hinsicht werthvolle Ausbeute aus zwei Glasschalen von griechischer Arbeit, einer prächtigen römischen Urne, zwei silbernen Sporen und einem kupfernen Feldkochgeräth bestand. Diese Gegenstände wurden nach Leipzig gebracht, und die Eigenthümer gaben sich die große Mühe, diesen in der vaterländischen Erde gefundenen Alterthümern in Deutschland eine bleibende Stätte zu schaffen. Sie fanden jedoch keinen Abnehmer, und nun wandern die Antiquitäten für einen angemessenen Kaufpreis nach England.

(Dies. Nr. 1292.)