Nachrichten.

Literatur.

Neu erschienene Werke.

9) Trajan am Rhein und die Inschriftenfälschung zu Trier; offener Brief an L. J. F. Janssen, von W. Brambach. Elberfeld, 1866. 8. 16 Stn.

10) Die Secundiner und die Echtheit der Nenniger Inschriften, von J. Leonardy. Trier, 1867. 8. 36 Stn.

11) Die Nenniger Inschriften keine Fälschung u. s. w., von J. Hasenmüller[59]. Trier, 1867. 8. 32 Stn.

12) Die angeblichen Trierschen Inschriften-Fälschungen u. s. w., von J. Leonardy. Trier, 1867. 4. 68 Stn.

13) Die römische Villa zu Nennig u. s. w., von v. Wilmowsky. Trier, 1868. 8. 66 Stn. (auch Fol., 18 Stn.)

Als in den ersten Tagen des Octobers 1866 zu Nennig, sieben Stunden südlich von Trier, einige auf Stuck gemalte lateinische Inschriften an einer antiken Mauer, in einer Tiefe von sechs bis zehn Fuß unter dem jetzigen Boden, aufgedeckt waren, riefen dieselben, während sie in Trier nur allgemeine Freude und Bewunderung erregten, anderwärts sogleich den Verdacht der Unechtheit und Fälschung hervor, aus welcher Veranlassung seitdem nicht nur viele Zeitungsartikel und Flugblätter, sondern bis jetzt auch die obenerwähnten fünf Schriften erschienen sind, die wir hier zusammenstellen, jedoch nicht, um sie einzeln zu besprechen, was jetzt kaum nöthig ist, indem die letztgenannte die Sache wol für immer abschließt. Nämlich der bekannte Alterthumsforscher, Domkapitular Wilmowsky, der das berühmte Nenniger Mosaik (gefunden 1853) in dem J. 1864 f. für den Bonner Alterthumsverein beschrieben hat, gibt in dieser Schrift eine so einfache Erzählung der Auffindung, eine so genaue Erklärung der Inschriften nach Inhalt und Form — welche letztere namentlich den Verdacht der Fälschung hervorgerufen hatten —, eine so bündige Abweisung der Ansicht, daß diese Inschriften in der jetzigen Zeit könnten gemacht sein, kurz: eine so bestimmte Darlegung und Beweisführung der ganzen Sachlage, daß wol Niemand mehr an der Echtheit der Auffindung und dem Alterthum der Inschriften zweifeln wird. Ob die Gelehrten, wie Mommsen in Berlin, Brambach in Freiburg u. s. w., endlich ihre Uebereilung einsehen, weiß man nicht; diese und andere haben, nachdem sie ihr Verdammungsurtheil ausgesprochen hatten, die oben angeführten Vertheidigungsschriften von Leonardy und Hasenmüller vornehm ignoriert; die jetzige Schrift können sie nicht wol außer Acht lassen, ohne daß man auf sie anwendet: qui tacet, consentit. Mit richtigem Takt hat Wilmowsky keine der Schriften namentlich berücksichtigt oder nur angeführt, daher auch die gegnerischen Ansichten nicht polemisch zurückgewiesen, sondern durch Erzählung und Schilderung der ganzen Auffindungsgeschichte die Unmöglichkeit der Fälschung dargethan. Nach ihm fallen die Inschriften in die Zeit der Antonine, wir möchten sie etwas früher setzen. Der Verfasser benützt dieselben zugleich, um über die Bauwerke, deren Trier bekanntlich viele aus der Römerzeit aufweisen kann, Näheres zu bestimmen; u. A. glaubt er, der Baumeister, welcher in einer der neuentdeckten Inschriften genannt wird, habe auch einige jener Bauten errichtet. Uebrigens begrüßen wir dies Schriftchen mit Freuden, indem durch dasselbe der unerquickliche Streit entschieden ist. Möge die andere Abhandlung, welche die römische Villa bei Nennig zum Gegenstande haben wird, recht bald die ganze Sache zum vollen Abschluß bringen.

K.

Audiatur et altera pars.

Als mich Freund Ahrens auf die Entdeckung der Nenniger Inschriften zuerst aufmerksam machte und mir dieselben in der Augsburger Allgemeinen Zeitung zeigte, erwiderte ich ihm kurz: „Es ist Schade, daß derjenige, der die Inschriften fabricierte, nicht kundigere Leute dabei um Rath gefragt hat.“ Und so steht meines Erachtens die Sache noch jetzt.

Herr von Wilmowsky hat — das ist die günstigste Ansicht von der Sache — den Beweis geliefert, daß die Inschriften nicht in neuester Zeit gefälscht sind. Andererseits sind alle Epigraphiker einig, daß die Inschriften, nach der Form ihrer Buchstaben, sowie nach ihrem Stil und Inhalte zu urtheilen, nicht in die Zeit des Trajan, auch nicht in den nächsten zwei Jahrhunderten nachher verfaßt sein können; es handelt sich also (auch im günstigsten Falle) immer noch um die Zeit ihrer Entstehung, oder, was damit für mich gleichbedeutend ist, ihrer Fälschung.

Wenn Herr von Wilmowsky einfach sagt: „Wir erkennen den Werth der Inschriftenkunde gerne an, doch ohne Ueberschätzung“, und dagegen nur seine Wahrnehmungen in Betreff des Aeußeren der Inschriften in die Wagschale legt, so ist das bei dem Gewichte der von Mommsen, Brambach, Hübner, Becker u. A. gegen die Aechtheit der Inschriften vorgebrachten Gründe und Beweise eigentlich nur eine Beseitigung aller Wissenschaftlichkeit, und wenn er dennoch fortfährt: „Der Geist bleibt uns immer mehr als der Buchstabe“, so kann man sich nur über die darin liegende gelinde Begriffsverwirrung wundern, denn gerade der Geist der Nenniger Inschriften, ihre Abbreviaturen, ihr Stil, ihre Nomenclatur, verurtheilt sie, offenbarer noch als ihre Buchstaben, so viel auch an deren Form zu tadeln ist.

Kann ich, nach dem eben Gesagten, der Schrift des Herrn von Wilmowsky auch nicht das Verdienst zuerkennen, das ihr von dem Herrn K. zugesprochen wird, den unerquicklichen Streit entschieden zu haben, so kann ich sie auch nicht des Schicksals würdig erkennen, das die anderen, gleichfalls oben aufgeführten Vertheidigungsschriften der Nenniger Inschriften von Leonardy und Hasenmüller betroffen hat, ihres Unwerthes wegen ganz und gar (Herr K. sagt mit Unrecht „vornehm“) ignoriert zu werden, denn es läßt sich ihr der gute Wille, die Wahrheit an’s Licht zu fördern, nicht absprechen, und man muß schon für die dabei erhaltenen Fundberichte dem Verfasser dankbar sein.

Hannover.

C. L. Grotefend.


Aufsätze in Zeitschriften.

Die Biene: Nr. 9 f. Montsalvatsch (Karlstein) in Böhmen. (Siegfr. Kapper.) — Beil. Nr. 10. Zur Alterthumskunde.

Daheim: Nr. 25, S. 393; Nr. 26, S. 409. Sprache, Sprachen u. Völker. (Zur vergleichenden Sprachforschung.) (Gg. Curtius.)

Erheiterungen: 5. Heft, S. 167 f. Häuserinschriften dem deutschen Volke zur Auswahl. (Hans Weininger.)

Europa: Nr. 12, Sp. 377. Die Wiege des deutschen Postwesens. — Nr. 14. Das älteste Passionsspiel. — Nr. 15. Unfreiwillig auf der Ritterburg (zur Geschichte der Fehde Mangold’s von Eberstein mit der Stadt Nürnberg).

Illustr. Familien-Journal: Nr. 13 (747), S. 197. Die Baderzunft. Eine culturhistorische Skizze. — Nr. 14 (748). Der Stammsitz der Daune. — Nr. 15 (749), S. 237. Die Meckeser (Händler mit Töpferwaaren) im Westerwald. (A. Grandjan.)

Die Grenzboten: Nr. 11, S. 425. Die Bedeutung der böhmischen Wenzelskrone. — Nr. 13, S. 481. Bildungsgang eines Gelehrten des 15. Jahrhunderts (Johannes Piemontanus [Butzbach] aus Miltenberg, geb. 1478, Benediktinermönch des Klosters Laach). (Otto Jahn.)

Der Hausfreund: Nr. 20, S. 318. Schloss Clausen in Tirol.

Jahrbücher für Kunstwissenschaft: Heft I, S. 1. Die Dürerhandschriften im British Museum. (A. v. Zahn.) — S. 23. Zur schweizer Glasmalerei. (W. Lübke.) — S. 67. Holbein’s erste Reise nach England. (Herman Grimm.) — S. 76. Ein Autograph Albrecht Dürer’s (Oberbaurath Hausmann.) — S. 79. Der Kartenmaler Michael Winterperg zu Nürnberg. (Joseph Baader.)

Protest. Kirchenzeitung: Nr. 9. Ueber den Charakter und die religiöse Gesinnung des Kurfürsten Friedrich II. von Brandenburg. — Nr. 10. Die hessischen Fürsten im Reformationszeitalter.

Korrespondent v. u. f. D.: Nr. 164 ff. Der dreißigjährige Krieg. Fünf öffentliche Vorträge von Prof. Dr. Thiersch.

Berliner Revue: 52. Bd., 10 Heft ff. Die frühere Oberflächengestalt der Mark Brandenburg.

Internationale Revue: 4. Bd., 2. Heft, Jan. Zur Geschichte des Gravitationsgesetzes. (H. Mädler.) — Ueber einige Ergebnisse der heutigen Geschichtsforschung in der Schweiz. (A. Rivier.) — Slavische Volkslieder aus Böhmen und Mähren. (H. Teisler.)

Rübezahl (Schles. Provinzialblätter): 1868, 1. Heft, S. 26. Zum Mistelstreit. (Dr. Goeppert.) — S. 28. Volkssagen vom Rübezahl. (Dr. Lagmann.)

Der Salon: Heft 4, März, S. 406. Volkslieder aus Krain. (Anast. Grün.) — S. 442. Van Dyk am Hofe Karl’s I. (Alfred Woltmann.)

Augsburger Sonntagsblatt: Nr. 13. Der „Leichenschmaus“ und seine Geschichte.

Sonntagsblatt (von E. Dohm): Nr. 13. Naturgeschichte in alter Zeit.

Ueber Land und Meer: Nr. 29. Ein mittelalterliches Relief (Kreuzabnahme aus dem Kloster Seligenstadt) und die Mayr’sche Kunstanstalt in München. — Das Tod-Austragen vor Ostern in Mähren und Schlesien.

Volksblatt f. Stadt u. Land: Nr. 6 f. Der Dom in Frankfurt. (Ernst Haltaus.)

Wochenblatt d. Joh.-Ord.-Balley Brandenburg: Nr. 14. Martin Hiller. Eine Lebensskizze aus der Zeit des 30jähr. Krieges. (Nach handschriftlicher Aufzeichnung.)

Allgem. Zeitung: Beil. Nr. 79. Die römischen Inschriften aus Heinrich’s VII. Zeit.

Illustrirte Zeitung: Nr. 1289, S. 181. Wendische Hochzeit. — Nr. 1290. Neuster Runenfund. — Nr. 1291 f. Ein Humorist des 16. Jahrh. (Fischart.) — Nr. 1292 ff. Die deutschen Osterbrote. (E. L. Rochholz.)

Leipz. Zeitung: Wissenschaftl. Beil. Nr. 18. 19. Holbein und seine Zeit.