Wissenschaftliche Mittheilungen.

Der Buben Orden.

An die vielen seltenen alten Einblatt- und sonstigen Drucke, welche zur deutschen Nationalliteratur gehören, reiht sich wol ein Büchlein würdig an, welches im J. 1866 von der königl. Bibliothek im Haag bei der Versteigerung der Bibliotheca Tydemanniana erworben wurde. Ich erlaube mir, über dasselbe in Kurzem hier zu berichten und den Abdruck des nicht umfangreichen Gedichtes folgen zu lassen.

Das kleine, nur acht Blätter in 2o umfassende Heftchen fand ich nirgends erwähnt. Auch E. Weller scheint es nicht zu kennen; und nur bei Grässe, Trésor u. s. w. findet sich ein Pendant nämlich: Orden (der vollen brüder).

Das Buchdruckerzeichen ist der sehr abgenutzte Stock des Johann Koelhoff zu Köln, welcher nach ihm auch von Henricus de Nussia angewendet wurde, und zwar in diesem Fall, wie sich mir aus Vergleichungen ergab, vor 1509. Nach Köln ist deshalb dieser „Bouen Orden“ zu setzen.

Die Abschrift ist in so weit getreu, als nur die schlimmsten Druckfehler entfernt wurden; es sind desungeachtet noch sehr viele dergleichen übrig geblieben.

Fol. 1a. (Titel.) Der bouen orden.

(Folgt ein Holzschnitt, worauf ein Schiff mit vier Narren und ein Wagen mit zwei Narren; der Wagen wird gezogen von einem Pferd, auf welchem noch ein Narr. Wahrscheinlich rührt dieser Holzschnitt von einer Ausgabe des bekannten Narrenschiffs her.)

Fol. 1b.

Der bouen ordē byn (ich) genant
In der gantzer werlt wail bekant
Ind in allen geslechten dat is wys
Want ein huere off boiff dair in is
He is van broderē ind swesterē vol
Die allesamēt vā vernūfft syn dol
Wāt der ordē is sere strenge vā leuen
Ind leirt weder gotz gebot streuen
Ind woltu kennen eyn rechten wetzkegel
Merck off he volge deser regel

Fol. 2a. Dyt is der tytel und ouer|schryffte des Abts van der boyffen orden

SEnt Magog van geckshusen. | Abt tzo Snodelberch by Ayster | feldt im Sticht van Slabber, | Heymlich rait Bisschoffs ane sorgen van | Erēberch ind hoeffmeister keisers ergantz | van vastenhusen Der intbuit vch synen | wunderlichen grutz ind wat he vremdes | vermach. ind leist vch wissen als her nae | geschreuen steit | Wilt ir hoeren ind syt bereit ind swiget | Al stille ind begeuet vre claffen want | ouer all vint men gecken ind affen. | Vant men sy ye so syn sy hie dat | Sy wair in godes oamen (sic) Amen | Niemant en sal sich des schenē | ind lais ouch varē alle affen|heit in denck nai der wissheit | Vnd sult ouch niet erster|uen yr solt ydt an vre | kynder eruen Gar |

Fol. 2b.

Ein hillich vater heisch sent magot
Der dede kundigen syn gebot
Synen orden ind syn gebet
Off yemant wer der syn wet
Ind syne regel wuolde intfaen
In synem orden syn vnderdain
Van geckshusen was he genant
He was der eyrstwerf den orden vant
Die stait van den boiffen orden
Dat ich in duytschen worden
Wil vertzellen sunder wain
Wilt ir hoeren ind wail verstain
Den eyrsten broder den he vntfinck
Der also sacht in den orden gynck
Dat was broder euerhart
Dem wart der orden also hart
Want he leyt mannichen harden dach
Hunger dorst ind vngemach
Allet vmb des ordens willen leyt
Ich nemen idt wael vp mynen eyt
Dat he alle syn leuen lanck
Nye vroelichen dach gewant
Want alle selicheit was ym dure
Sent magot gaf ym auenture
Dathe ein here und ein abt is wurden
In dem seluen swaren boiffen orden
Ind gaf eme die craft
Dat he van synre macht
In des rychen godes genade
Ander broder mochte ouch beraden

Fol. 3a.

Ind hangen an den habyt
He hadde des ordens groissen vlyt
Eyn priuilegium he ym gaf
Da al der orden was komen af
Ind da die regel tzo mail in steit
Des was der abt wail gemeit
Dat priuilegium bedudet alsus
Benedicite dominus.
Geselle wuoltu dych bekeren
Ind den hilligen orden eren
Ind den boiffen orden entfaen
So moistu wyslich daer na staen
Ind gelouen dat in truwen
Dattu mit vreuden ind mit ruwen
Den hilligen orden stede tzo halden
Ind da by ouch tzo alden
Ouch wil ich dir vort sagen
Den habyt saltu moissen dragen
Nae sent magertz wetz
Dat is ein hemde ind ein netz
Dat willen wir dyr schencken
Dyn cleyder willen wir verdryncken
Idt sy peltz rock off wambus
Dat moistu aller komen vys
Kogelbrvch ind ouch die hosen
Dat moistu aller hier laissen
Licht vur dē wynde dunne vur dē hagē
Alsus moistu dich beiagen
Ind alsus in den orden varen
Ind dych ouch nyrgens ynne sparen

Fol. 3b.

Ouch moistu dycke louffen erre
Want vnser closter dat is verre
Ind vnser dormenter is verbrant
Nyrgen nae is he genant
Ouch moistu dich ouch dair tzo saissen
Alle goide dynge saltu laissen
Ind bestain alle affenheit
Ind alle goide dinge sullen dir wesen leit
Du salt alle boisheit trecken vort
Nūmer en saltu sprechen goide wort
Vloich swere ind wese vnkuysch
Vlys dich tzo vndoegeden ind genuyss
Ind wanne du kumps tzo heren houe
So halt vast in dynem loue
Die genen die in der kuchen syn
So wirt dir vleisch broit ind wyn
So friß suyf ind bis ein sluch
Vur eyn got kiese dyn buich
Haue al wege dyn getzyde bald vyss
De kuche sy dyn gotzhuyss
Metten Prime synck du allein
Eyns anderen Jae sy dyn neyn
Tercie None ind Deprofundis
Lais varen ind rayme des mundes
Lais ouch varen dat magnificat
Ind mach dich mit den eyrsten sat
Pater noster ind ouch den crede
Mit den saltu ouch hauen vrede
Want sie en hoeren in den orden niet
Den sent magot gehalden het

Fol. 4a.

Lais sy lesen die begynen
Ind begyn tzo sorgen ind tzo pynen
Ind begyn tzo sorgen al den dach
Wie dat gefullet werde dyn krach
Nummer en saltu werck bestain
Geneire dych mit moissich gain
As dich dan hunger besteit
Ind dyn buich widder die ribbe sleit
Ind is dat dir also ergait
Dattu kumbs in ein stat kalt in nat
Ind hais dar tzo den clappertzant
Ind en hais dar tzo noch gelt noch pant
Ind du en hais noch vleisch noch broit
Ind hais hunger ind dorst groit
Weistu wattu salt dan bestain
Vroemlich saltu dyn dynck anfain
Ganck umb in dat eirste huys
Ind sprech vngeluck vair hervys
Ind schudde dyn lodder holt
Ind sprich vrauwe dusentvalt
So mois vre goit vermeret syn
Ir syt so edel ind so rechte fyn
Ind van so gaer hoger art
Got hait vch seluer bewart
Lyef sele got ind ere
Is dattu den huys here
Nyet in dem huys en vyndes
So raeden ich dyr dattu begynnes
Van artzedyen tzo sagen
Woultu goit ind ere beiagen

Fol. 4b.

So sprich dattu eyn meister sys
Ind sys van kunsten also wys
Idt sy dat heuftwe off den redde
Die gicht kanstu boesen mede
Den huest off den snabelruysch
Kanstu allet dat dryuen vys
Ouch saltu sie betasten
Synt sie vet so heisch sie vasten
Sprich du kunnest snyden den steyn
Ind dar tzo heilen arm ind beyn
Ind wie die suchten synt gelegen
Do weistu allet boyse entgegen
Hant sie dan heuftsweren
Den buychbyss off ander seren
Dairaf saltu sie corrigieren
Ind eyn sanunge visieren
Ind proeuen vmb ein goit woirt
Dat saltu dicke trecken voirt
Alsus saltu mit yn viseuasen
Ind salt yn driwerf in den ars blasen
Sy geuen dir wattu heisch
Idt sy visch off vleisch
Sy geuen dir broit ind gelt
Dat nym ind mach dych vp dat felt
Danck in sere ind bis vro
In dem anderen huse do ouch also
Ind versmae grois noch clein
Vyndestu anderswie dy mait alleyn
Off die dochter van dem huse
So treck ein ander kunst heruys

Fol. 5a.

Sprich dattu ein waerseger sys
Ind sys verdreuen van parys
Ind hais waersagen geleirt
Ind sys daer van wael sere vermeirt
Wyden ind syden in dat lant
Es sy in dem vuyre off in der hant
In dem spigel off anderswae
Gelych wail ich michs verstae
Ouch kan ich ander meisterie
Ind schaffen eynen vrye
Wae magde ind knaben weren
Ich nemen tzo hulpen vnsen heren
Ind wolde idt mit worden daer tzo bringen
Dat sy were in den dyngen
Alle syns willen dat is wair
Idt sy heymlich off offenwair
Hedde ouch ein maget ein bolen vtverkoren
Als dat sie den magdum het verloren
Ind wer gesprongen ouer dat seyl
Dat kan ich allet machen heil
Die eyn saltu kruyt leren suiffen
Die ander baden in der kuiffen
Der derden laissen an dem enkel
An dem arm ind an dem schenckel
An den voissen off an der hant
Alsus wurstu al vmb wael bekant
Ind vur ein meister gehalden
Beyde van iungen ind van alden
So louff dan in dat wynhuys
Do mach dyn wort also kruys

Fol. 5b.

Dae vinstu ritter ind knauen
Dae vinstu leyen ind paffen
Dae saltu auer nuwe begynnen
Van wiedspiel ind van mynnen
Van weidspiel ind van iagen
Dair van saltu syngen ind sagen
Van vogelen ind van hunden
Van torneien ind van tafelrunden
Van rennen ind van ryden
Van schirmen ind van stryden
Ind van anderen behegelichen dyngen
Dair aff saltu sagen ind syngen
Gyfft dir yemant goit off ere
Dat nym ind bedanck dich sere
Es sy gelt off wyn
Dat brenge dae die gesellen syn
Ind bewair dyn dynck mit eren
Dat dir idt niemant moege verkeren
Want alle die in dem orden syn
Die brengen al ir beiach by dat dyn
Es sy ouch klein off groit
Pletzer wurst vleisch off broit
Es gyft vrende tzer vart
Ind guyss des wyns in dynen bart
Ind tast mit tzo hyn ind her
Idt sal noch betzalen der
Der is niet burge wolde wesen
As men tzo reuenter hait gelesen
So saltu besitzen der rechter boiffen wet
Ind setzen dich by dat dobbelbret

Fol. 6a.

Ind werpen al vmb ein kanse
Idt wirt ein hasert off ein schantze
Kanstu dan vurdel vp dem steine
Dattu werfes vil kansen off eyne
So machstu lychtlich goit gewinnen
Is dat die steine also rennen
Dat dich dat spiel duncket verloren
Sprinck vp ind mach eynen tzorn
Ind sprich ir boiffen die steyne syn valsch
Ind slach ir eynen an den hals
An dat heuft ind anderswae
Du vindest leichte eynen dae
Der sich des ordens wael versteit
Ind dich widder dyn oir sleit
Off he nympt eyn wyn kan
Ind absoluirt dich van dem bann
Ind deit dyr recht broderschaff
Ind nympt dir al dyn leyt aff
Ind gyft dyr vp mit vlissen
Dat dich die vloe niet en byssen.
Wandt idt hoert den broederen tzo
Tzo allen tzyden idt sy spade off vroe
Hude broder morgen geslagen
Al sulchen orden sullen die heren dragen
Als wir vch alsus vinden rein corrigiret
Ind van den sunden absoluiret
Vch lust tzo dryncken vil de bass
Als vch dat bloet leufft vmb den hals
Weistu wattu dan salt doin
Du salt werffen vmb ein nuwe soyn

Fol. 6b.

Vmb peys ind vmb vrede
Dat vuer eyn den anderen bede
Ind gelouen by vren eyden
Vre ein van dem anderen nyet tzo scheiden
Ind sytzen weder neder vp die stat
Ind dryncket ouch des wyns sat
Ind solt dat also volbringen
Mit drincken ind mit syngen
Als idt in vre regel steit
So wilch man gelt off cleit
Mit eyme slaiffen dreyt
En helt niet des ordens eyt
Ind is vys syme orden getreden
Dair vmb sage ich vch mit kurtzen reden
Haistu dan gelt off pant
Des mach dich quyt tzo hant
Ind behalt des ordens recht
Woultu syn ein getruwer knecht
Ind ein gehorsam broder
So en halt rock noch voider
Broich hosen noch lappen
Du setzes idt allet vur den tzappen
As du drinckes ouch also
Dat alle dyn lyf is gantz vro
Ind dich dan der slaiff besteit
Ind dyn tzunge vp trippen geit
Ind du weres geren tzo rasten
Ind beginst al vmb dich tzo tasten
En mach dir niet geuallen bass
So kruyf in eyn vass

Fol. 7a.

Bis vro ind kruyf balde dair in
Ind sprech me noch mynne
Want vns die bedde syn dure
So willen wir louffen in ein schuyre
Jae iae boiffen orden got ere dich
Leuen ich lange ich meren dich
So gain ich in ein wyn huys
Hain ich idt dat mois her vyss
So gaint die stein vp dem brede
Ind sagent mir ein nuwe rede
Setz dych neder geselle myn
Ind trecke vyss die cleider dyn
Want der wurffel hait den art
Dat he van rechter vart
Nie goit en gewart

Hye endet der boiffen orden und etzlige broder des seluen Ordens stain genoempt mit namen ind tzonamen als hernae volghen wirt

Fol. 7b.

Hyr nae volgen die Namen der broder.

(Folgt der nämliche Holzschnitt, welcher schon auf dem Titel steht.)

Fol. 8a.

Dyt syn die namen der broder dye tzo der tzeyt in dem orden waeren:

Setzwurffel
Clopkyste
Kyicker durch den gaden
Fotzen huet
Tzyt verliess
Duldendey
Quincquanck
Krauen schenckel
Ruymschottel
Lantschade
Hundes quaste
Droech potgyn
Ruyme die kyste
Suyme dich niet
Quait vasel
Nummer goit
Galgen cloppel
Seyl meysigyn
Sleinerbeck
Luntres der alt
Stapelgeck
Selden reyn der iunge
Slabbert der alt
Fuet heinrichen
Her anteschmyt
Her hoden sack
Schnyden wynt
Galgen swengell

Ind vort vil rechlicher gesellen der namen mir tzo vil wer tzo tzelen want ir syn vil boues maisse Dat yr eyn den anderen niet en kan geruymen die straissen.

Explicit caluerstertz der
Hunt hait die blase en wech.

Maria hoichgeboren ind moder der barmhertzycheit bedenck dye armen broder dat Sy nummer werden verloren Want sye lyden vp erden so groysse smaecheit ynd spot des lais Sy geniessen barmhertziger ewiger got Amen.

Fol. 8b. (Buchdruckerzeichen.)

Haag.

M. J. A. G. Campbell,
zweiter Bibliothekar bei der königl. Bibliothek.