21) Der Dom zu Osnabrück, dessen Architektur Lübke’s „Mittelalterliche Kunst in Westfalen“ kennen lehrt, ist im Laufe der letzten Jahre durch Dombaumeister Hensen restauriert worden. Nachdem diese Restauration nun im Wesentlichen beendigt ist, und die innere Einrichtung in einer dem Gebäude entsprechenden Weise hergestellt werden muß, wurde Prof. A. Essenwein eingeladen, über Stellung, Größe und Gestalt der Altäre, über Einrichtung des Chores und andere Fragen seine Ansichten zu äußern. Da das ganze Gebäude trotz einigen älteren Resten ein durchaus einheitliches Werk ist und den Stil der ersten Hälfte des 13. Jahrh. in schönster Entwickelung zeigt, so war diese Aufgabe eine sehr einfache. Es konnte nur auf möglichste Stilstrenge für die gesammte Ausstattung hingewiesen und den Vorschlägen des Dombaumeisters, soweit sie bestimmt gefaßt vorlagen, im Wesentlichen beigestimmt werden.
22) Das germanische Museum hat (Anz. 1867, Nr. 5, Beil. Sp. 146) den Wunsch ausgesprochen, Nachrichten von älteren Abbildungen zu erhalten, welche über alte Kriegswaffen nähere Auskunft ertheilen. Ich erlaube mir daher, auf ein im Artushof zu Danzig befindliches größeres Bild aufmerksam zu machen, welches die Belagerung der Marienburg durch Jagello im Jahre 1410 darstellt. Dasselbe war nach Hirsch (Danzigs Handelsgeschichte, S. 205, Anm. 798), der sich auf Weinreichs Chronik stützt, im Jahre 1488 bereits vorhanden und ist noch wohl erhalten. Es hängt jetzt hoch und ziemlich dunkel. Auf demselben ist der größte Theil des Ordenshaupthauses Marienburg und der Stadt gleiches Namens mit ihren, jetzt nur zum geringen Theile noch vorhandenen Befestigungswerken dargestellt. Vor denselben sieht man provisorische Außenwerke aus Flechtwerk und Erde und eine reiche Staffage, welche geeignet ist, ein anschauliches Bild von dem Kriegswesen des 15. Jahrhunderts zu geben. Innerhalb der äußeren Enceinte und auf den Wällen finden Kämpfe statt. Außerhalb derselben befindet sich das Lager der Feinde, ein Zug der polnischen Ritter, Viehherden, ein Zimplatz, badende Frauen, eine schmausende Gesellschaft u. s. w. Eine Copie dieses für Bau- und Kulturgeschichte höchst interessanten und wichtigen Bildes ist meines Wissens noch nie angefertigt worden. Eine Publication desselben wäre sehr erwünscht.
Danzig.
R. Bergau.
23) Beim Umbau des ehemaligen Rathhauses auf der Kleinseite in Prag stieß man, als an den Seitenwänden des Sitzungssaales der Kalkanwurf abgelöst wurde, auf alte Frescomalereien. Man deckte zunächst sechs Wappen der einstigen Primatoren der Kleinseite auf. Dieselben sind oval, gegen 3 Fuß hoch und eben so breit. Auch an der Saaldecke zeigten sich unter dem Kalkanwurf Gemälde, den Doppeladler und die Wappen von Ungarn, Böhmen, Schlesien und Mähren darstellend. Die auf Goldgrund sehr künstlich ausgeführten Malereien dürften lange vor der Schlacht am Weißen Berge verfertigt sein.
(Ill. Ztg. Nr. 1287.)
24) Das Alterthums-Museum in Freiberg (Sachsen), aus welchem die bereits mehrfach besprochenen interessanten Grabplatten-Abdrücke hervorgegangen sind, zeichnet sich besonders aus durch bedeutende Suiten berg- und hüttenmännischer Alterthümer, namentlich in Arbeits-Geräthen und in mit bergmännischen Darstellungen reich verzierten Trinkgeschirren. Zu letzteren gehören große, seltsam geformte silberne Humpen, wahre Meisterstücke der Goldschmiedekunst. Dieselben sind neuerdings abgeformt worden, so daß nunmehr vorzüglich ausgeführte Gypsabgüsse davon auch anderweit abgegeben werden können. Ueberhaupt ist der Vorstand des Freiberger Alterthumsvereins gerne bereit, mit anderen Kunst- und Alterthums-Sammlungen, wie auch Bibliotheken, einen Doubletten-Austausch, sowie Photographieen und scharfe Gypsabgüsse einzelner Gegenstände des Freiberger Alterthums-Museums zu vermitteln.
25) Eine große Anzahl aus Holz geschnittener, bemalter und zum Theil vergoldeter Kerzenträger verschiedener Formbildung, ähnlich denen, welche im Anzeiger 1867, Sp. 371, Fig. 8 u. 9 abgebildet sind, nur schöner, befinden sich in der Gertruden-Capelle der Marienkirche zu Danzig. Hirsch (St. Marien, Bd. I, S. 416 u. 445) und Andere hielten sie bisher irrthümlich für Ueberreste der alten, 1517 gefertigten architektonischen Bekrönung des Schreins auf dem Hochaltar. Der Architekt Schulcz-Ferencz in Wien erkannte sie zuerst als Leuchter und hat vier derselben, meisterhaft gezeichnet, auf Bl. 94 der Publicationen der „Wiener Bauhütte“ veröffentlicht. Doch sind sie wol nicht „Altarleuchter“, wie Schulcz angenommen hat, sondern dienten bei Exequien zur Aufstellung der Kerzen um den Katafalk. Einige tragen noch die Zeichen der Brüderschaften, denen sie angehörten.
Danzig.
R. Bergau.
26) Zwischen der Ortschaft Glas und dem Glasenbach bei Salzburg, wo schon bedeutende römische Funde zu Tage gefördert wurden, fand ein Bauer vor Kurzem bei Ausrodung der Gesträuche unter deren Wurzeln, neben Trümmern von Marmorstufen, bronzene, mit ehrwürdiger patina antica überzogene Bruchstücke eines auf vier Menschenfüßchen gestellten Beckens, wie deren besonders unter den Thermalfunden zur Aufbewahrung von Kohlen oder Asche vorkommen. An derselben Stelle wurde die 2 Fuß hohe, untere Hälfte einer antiken Knabenstatue aus edler Bronze, mit schillernder patina antica überzogen, aufgefunden. Man hofft, die obere Hälfte der Figur, die aller Wahrscheinlichkeit nach eine Amorstatue ist, bei günstiger Jahreszeit noch ans Tageslicht zu fördern. Gleichzeitig wurde am östlichen Abhange des Bürgelsteins der lebensgroße Kopf eines bartlosen Satyrs, aus weißem Marmor gemeißelt, ausgegraben und von der Besitzerin jenes „classischen Bodens“, der Herzogin von Aremberg, dem Museum zu Salzburg gespendet.
(Ill. Ztg. Nr. 1286.)
27) Am Hollerfelde zu Glas bei Salzburg ergaben sich neue Funde antiker Gegenstände, besonders die Hälfte einer in Bronze gegossenen, gesimsartigen Abgrenzung irgend eines Möbels, das ob der Feinheit der Gesimsgliederung und der auf horizontaler Fläche mit filigraner Zartheit eingegrabenen und mit glitzerndem Zinn ausgegossenen à la grec-Verzierung sich auszeichnet. Nebst mannigfachen Details von Kettchen, Schlössern, Schließhaken und Handhaben bietet das eiserne Doppelcharnier eines Kästchens besonderes Interesse. Nahe einer aus einem einzigen Kalksteinblocke gemeißelten Wanne fand sich ein runder Kessel aus weißem, flimmernden Kalkstein und dessen gefalzter Deckel aus Sandstein mit einem eisernen Ringe. Ferner wurden Töpferwaaren von sehr roher Arbeit, Zähne und Knochen von Pferden angetroffen, was anzudeuten scheint, daß hier ein Römersitz feindlich überfallen worden ist, wobei in überstürzender Gefahr die Gegenstände des feinsten Luxus mit Töpfen u. s. w. zusammengeworfen wurden.
(Dies. Nr. 1288.)
28) Bei Erdaufgrabungen zunächst dem Dorfe Dernovo in Krain, woselbst die altrömische Stadt Noviodunum gestanden, sind wieder interessante Alterthümer gefunden worden, darunter eine fein gearbeitete Marmorplatte, eine Agraffe aus Bronze, kupferne und silberne Münzen mit dem Namen der römischen Kaiserin Julia Maesa und des römischen Feldherrn Nausidius etc. Eine 4 Fuß lange Bleiröhre, deren Durchmesser über 3 Zoll beträgt, wurde unter Mauertrümmern so eingelegt gefunden, daß daraus mit Sicherheit geschlossen werden kann, sie habe einer Wasserleitung angehört.
(Dies. Nr. 1287.)
29) Zu Laferrière, im Arrondissement Napoléon-Vendée, hat man eine große Anzahl Goldmünzen gefunden, im Werthe von etwa 30,000 Frcs. und bestehend aus spanischen, italienischen, portugiesischen und einigen wenigen deutschen und Schweizer Münzen. Die jüngste Präge ist vom Jahre 1571. Man vermuthet daher, daß die Münzen während der Religionskriege der Ligue vergraben wurden und aus einem spanischen Subsidium herstammen.
(Korr. v. u. f. D. Nr. 123.)
30) Auf dem Felde zu Jilstedt, im Kirchspiel Gjörding (südl. Jütland), ist in letzter Zeit eine Grabkammer aufgedeckt worden, in welcher sich mehrere Sachen aus der Zeit des Steinalters befanden. Die größte Merkwürdigkeit bei dieser Entdeckung ist, daß die Grabkammer nicht, wie die bekannten Hünen- oder Riesengräber, einen Hügel bildet, sondern sich in völlig flachem Felde befindet.
(Ill. Ztg. Nr. 1286.)
31) Ueber die Ausgrabungen am Jahdebusen berichtete Geheimrath Quast im Verein für die Kunst des Mittelalters und der Neuzeit in Berlin. Dort befindet sich nämlich innerhalb der Watten der ehemalige Kirchhof des Städtchens Band, welches bei dem Vordringen des Meeres weiter ins Land gerückt ist. Hier waren einige altchristliche Sarkophage gefunden worden, worauf Geheimrath Quast planmäßig nachgraben ließ und noch eine weitere Anzahl entdeckte. Diese Sarkophage besitzen eine große Aehnlichkeit mit andern, welche in Köln, Mainz und Wiesbaden aufgefunden wurden und auf einen gemeinsamen Fabrikationsort am Mittelrhein schließen lassen.
(Dies. Nr. 1285.)
32) Ueber die neuentdeckten Pfahlbauten bei Zürich verlautet Näheres. Unweit der jetzigen Badeanstalt, in der Nähe der Tonhalle, befinden sich zwei Untiefen, der kleine und der große Hafner genannt. In letzter Zeit hat die Baggermaschine dort den Grund aufgewühlt und durch die zu Tage geförderten Grundstücke den Beweis geliefert, daß auf dem kleinen Hafner ein Pfahlbaudorf gestanden haben muß, welches durch Feuer zerstört worden ist. Bis jetzt fand man ein Steinbeil, Hirschgeweihe, angebrannte Knochen, Bruchstücke eichener Querbalken und föhrener Pfähle, endlich Haselnüsse. Der kleine Hafner ist unzweifelhaft ein sog. Steinberg, wie sich solche im Bieler und im Wauwyler See, Kantons Luzern, vorfinden. Kleine, rundliche Steine haben dazu gedient, die Lücken zwischen den senkrecht ins Wasser gesenkten Pfählen auszufüllen. Unter diesen Schichten liegt eine mehre Fuß hohe Ablagerung von Milliarden kleiner Süßwasserschneckengehäuse, deren allmähliche Anhäufung Tausende von Jahren erfordert haben muß. Der größere Hafner ist höchst wahrscheinlich auch eine Colonie der Pfahlbürger gewesen.
(Dies. Nr. 1288.)
33) Der Archivar Dr. Kürschner in Eger hat im dortigen Archiv einen interessanten Fund gemacht. Es sind dies Theile eines um die Mitte des 15. Jahrhunderts angelegten Capitelbuchs zur Eintragung wichtiger Urkunden. Unter andern enthält dasselbe die große Urkunde des zu Eger abgeschlossenen Landfriedens vom Jahre 1389, Verhandlungen aus der Hussitenzeit, den Landtag zu Prag 1429, die Botschaft des Kaspar Schlick an die böhmischen Stände wegen Erhebung Albrecht’s auf den böhmischen Thron 1437, Schriftstücke aus der Zeit Georg’s von Podiebrad, König Ladislaus’ u. s. w. Die letzte Eintragung ist vom Jahre 1455.
(Dies. Nr. 1286.)
Verantwortliche Redaction: A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
Sebald’sche Buchdruckerei in Nürnberg.