4) Anleitung zur Anlegung und Fortsetzung der Orts-Chroniken von J. Barth. Sigmaringen, 1867. Hofbuchhandlung von C. Tappen. 8. 48 Stn.
Vielleicht ist die Zeit nicht mehr fern, wo jeder Ort in Deutschland einer eigenen Chronik sich rühmen darf, um so eher, als von Seite der Regierungen, namentlich der preußischen, auf die Abfassung solcher Ortschroniken gedrungen wird. Wo man bis jetzt noch Hand an’s Werk zu legen zögerte, war die Ursache vielleicht keine andere, als daß man die Sache nicht gehörig anzufassen wußte. Die vorliegende Anleitung dürfte daher, als ein zeitgemäßes Unternehmen, von Vielen willkommen geheißen werden. In gedrängten, vorzüglich auf kleinere Orte berechneten Unterweisungen handelt der Verfasser von der Aufsuchung des historischen Materials, von dem Lesen der alten Handschriften, von der Benützung der geschichtlichen Dokumente, der Sichtung des Stoffes, der Ortsbeschreibung und der Fortführung der Chroniken. Zum Schlusse wird noch ein Auszug aus der Ortschronik des Dorfes Ringingen als praktisches Beispiel gegeben.
5) Ueber die Einführung der monumentalen, insbesondere der christlich-monumentalen Studien in den Gymnasial-Unterricht. Von Dr. Ferdinand Piper. Berlin, 1867. 8. 40 Stn.
In fast zu bescheidener Weise, wie uns bedünken will, lenkt auf den wenigen Blättern der oben genannten Broschüre, einem Sonderabdruck aus dem Evangel. Kalender für 1867, der Verfasser das Augenmerk auf einen Gegenstand, dem wir die höchste Bedeutung beilegen möchten, die Hebung des künstlerischen Geschmackes, in Bezug auf welchen die Deutschen im Allgemeinen, die bei sehr getrübtem instinctiven Gefühl, rein auf die Schule angewiesen, und doch trotz aller Museen und Sammlungen fast gänzlich der Schule entbehren, gegenwärtig keinen ihrer sonstigen Bildung entsprechenden Standpunkt einnehmen. Zwar geschieht seit einiger Zeit viel, um auf dem Gebiete des Kunstgewerbes auf historischer Grundlage, wie auch in der angezeigten Schrift ausgeführt wird, der einzig richtigen und erfolgversprechenden, zu besseren Einsichten zu führen; allein um auch den Geschmack selbst des gebildeten Publikums zu bilden, ist ein wirksamer Anlauf noch kaum genommen. Der Verfasser weiset nach, wie das Gymnasium der eigentliche Ort für ausreichende Pflege monumentaler Studien sei; ferner, wie die Aufnahme dieser trotz der bereits herrschenden Ueberbürdung mit Lehrgegenständen zu ermöglichen, und gibt praktische Winke, wie die eingeführten Studien auch innerhalb eines enger angewiesenen Bezirkes nutzbar zu machen. Die Schrift hat vorzugsweise das Verdienst wiederholter Anregung; der Gegenstand ließe sich sehr viel weiter ausführen, mit einer weit größeren Anzahl von Gründen unterstützen, könnte im Verhältniß zu anderen Lehrgegenständen zu seinem Vortheil strenger abgewogen werden, müßte indeß auch, wenn einmal Ernst mit der Sache gemacht würde, namentlich in seiner Scheidung nach vor- und nachchristlicher Zeit und der Bedeutung beider Epochen genauer in Untersuchung gezogen werden. Erfolge der gegebenen Anregung und gleichlautende Strebungen, von welchen im Buche Mittheilung gemacht wird, bilden einen erfreulichen Gegensatz gegen andererseits angeführte Proben des noch immer bestehenden Vandalismus.
v. E.
6) Karl’s des Großen Pfalzkapelle und ihre Kunstschätze. Kunstgeschichtliche Beschreibung des karolingischen Octogons zu Aachen, der späteren gothischen Anbauten und sämmtlicher im Schatze daselbst befindlichen Kunstwerke des Mittelalters. Herausgegeben von Dr. Fr. Bock. Mit 69 Holzschnitten. Cöln u. Neuß, 1866. Verlag von L. Schwann. 4. VI u. 160 Stn.
Der Holzschnitt ist ein vortreffliches Mittel, die Publikationen in möglichst weite Kreise zu bringen. Durch Clichés läßt sich eine unbegrenzte Zahl von Abdrücken herstellen, und man kann dieselben Abbildungen zu den verschiedensten Zwecken verwenden. So erscheinen auch in der vorliegenden zweiten Lieferung eine Anzahl Holzschnitte wieder abgedruckt, die der Verfasser für frühere Veröffentlichungen hatte anfertigen lassen. Diese zweite Lieferung behandelt die Gegenstände der Kleinkunst aus der gothischen Periode, und es ist somit in diesem ersten Bande der ganze Schatz des Münsters zusammengestellt und mit 133 Holzschnitten erläutert. Es ist damit gewissermaßen ein raisonnierender Catalog über diese Schätze gegeben, die in chronologischer Reihenfolge vorgeführt werden. Störend ist dabei jedoch die Art und Weise, wie der Verfasser Nachträge einschaltet, die Numerierungen der Seiten und Figuren plötzlich wieder von vorne anfangen läßt. Es sind dies Verstöße, die sich nur ein Verfasser erlauben darf, wie Bock, bei dem man ob der Fülle des interessanten Stoffes Aeußerlichkeiten gerne übersieht. In der That bietet auch der nun geschlossene I. Band bei seinem reichhaltigen Materiale viel Belehrung und eine vollkommene Uebersicht über die Entwickelung der Goldschmiedekunst; er gibt ein Bild des Reichthums an kostbaren Kirchengeräthen, den früher jede bedeutende Kirche hatte, und führt zugleich neben den schon bekannten und früher vervielfältigten Objekten so viele neue vor Augen, daß das Buch als eine wesentliche Bereicherung der archäologischen Literatur anzusehen ist. Einige beigefügte Zeichnungen von neuen Werken lassen erkennen, wie weit man heute am Rheine auf dem Gebiete der kirchlichen Goldschmiedekunst im Geiste der Alten wieder gekommen ist.
A. E.
7) Joseph Eutych Kopp als Verfasser, Dichter, Staatsmann und Geschichtsforscher, dargestellt von Alois Lütolf. Erste Abtheilung. Luzern. Verlag von Franz Jos. Schiffmann. 1868. 8. 192 Stn.
Wenn unter den schweizerischen Geschichtsforschern, nächst Gilg Tschudi und Johannes v. Müller, irgend einer eine ausführliche Biographie verdiente, so ist es gewiß J. E. Kopp, dessen Name eine neue Epoche schweizerischer Geschichtsforschung bezeichnet; und diese Biographie ist in gute Hände gekommen, da Herr Lütolf, dermal Subregens am bischöfl. Seminar in Solothurn, selbst tüchtiger Geschichtsforscher, auch viele Jahre hindurch mit Kopp in nahem, vertrautem Verhältnisse stand und nach dessen Tod über ein reiches, sehr interessantes Material zu einer solchen Arbeit verfügen konnte. Die ziemlich einläßliche Schrift weist in klarer, bündiger Weise nach, wie Kopp allmählich zum gründlichen und immer gründlicheren Geschichtsforscher sich heranbildete, wie wahrheitsliebend, gewissenhaft, scharfsinnig und unermüdet er dabei verfuhr, und wie das, was er zunächst für die Geschichte der eidgenössischen Bünde leistete, auch auf die neuere Geschichtschreibung unverkennbare Rückwirkung ausübte. Die Darstellung gewinnt sehr dadurch, daß Lütolf meistens seinen Helden selbst reden läßt. Die Ausstattung des Buches ist vortrefflich; der Preis billig.
8) Das monumentale Rheinland. Autographische Abbildungen der hervorragendsten Baudenkmale des Mittelalters am Rhein und seinen Nebenflüssen, von Dr. Fr. Bock. Cöln u. Neuß. Verlag von L. Schwann. 8.
Der fleißige Herausgeber hat sich in diesem Werke auf das Gebiet der Architektur begeben und hat es unternommen, eine Anzahl der interessanten Kirchen, an denen das Rheinland so reich ist und die theilweise unbekannt, theilweise nicht genügend bekannt waren, in trefflichen Zeichnungen des Architekten Schneider in Aachen, eines Schülers Ungewitters, zu veröffentlichen; die Abteikirche zu Lorch, die Liebfrauenkirche zu Oberwesel, Kirche und Wernerskapelle zu Bacharach und die Stiftskirche zu Andernach bilden den Inhalt der ersten vier Lieferungen.
Katholische Blätter aus Tirol: Nr. 34. Ein Beitrag zur Geschichte der Wiedertäufer in Tirol. (Aus dem Gerichtsarchiv in Sarntheim.) Malefiz-Recht der Erharte Yrscher.
Blätter f. liter. Unterhaltung: Nr. 4, S. 62. Die Quelle zu Gottfried’s „Tristan“.
Europa: Nr. 4, Sp. 119. Geschichtliches über unsere Hausthiere.
Die Gartenlaube: Nr. 5, S. 68. Die Inselburg (Pfalz) im Rhein. — S. 75. Ein Bild deutscher Volkslust (Sichelhänget und Hahnentanzen im Steinlachthal in Schwaben).
Deutsche Kunst-Zeitung: 1868, Nr. 1, S. 6 ff. Das Bayerische National-Museum in München. (Erwin Förster.)
Schles. Provinzialblätter: Decbr. 1867, S. 708. Polizeiordnung des Magistrats zu Neustadt, betreffend die Feier bei Verlöbnissen, Hochzeiten und Taufen, aus dem Jahre 1589. Mitgetheilt von Pfarrer A. Weltzel. — S. 728. Zur Kritik der ersten schlesischen Bischöfe. (Ulfilas.) — S. 731. Oberschlesische Liebeslieder.
Sonntagsblatt (von E. Dohm): Nr. 1 f. Barbarossa und die Sage von seiner Wiederkehr.
Ueber Land und Meer: (1868) Nr. 17. Das alte Heidelberg und das Heidelberger Schloß vor seiner Zerstörung. — Nr. 19, S. 306. Schloß Triefenstein am Main.
Volksblatt f. Stadt u. Land: Nr. 9. Odenwälder Briefe. III. (Ueber Melanchthon.)
Zeitschrift des Anwaltsvereins f. Bayern: VIII, 2 ff. Gutsanheiratung im Bayerischen.
Zeitschrift f. bild. Kunst: 3. Heft, S. 63. Weberei und Stickerei bei den Alten, vom Standpunkte der Kunst. (Jak. Falke.)
Allgemeine Zeitung: Beil. Nr. 15 u. 17. Aus dem Isarwinkel. II. Linguistische Fündlingsblöcke. (Dr. Sepp.) — Nr. 24. Zur Gudrun. Von Konrad Hofmann. (Mythische u. histor. Bestandtheile der Sage.) — Nr. 26 f. Neue Forschungen aus Alt-Tirol. — Nr. 29. Wiesbadener Kur- und Kunststudien. II. (I: 1867, Nr. 284.)
Illustrirte Zeitung: Nr. 1280. Die Grabplatten-Abdrücke im Alterthums-Museum zu Freiberg. — Ein norwegisches Fahrzeug aus der Wikinger Zeit. Die Wappen der Cantone der schweizerischen Eidgenossenschaft. — Nr. 1281. Die Reismühle, angebliche Geburtsstätte Karl’s des Großen. — Nr. 1283, S. 83. Glasmalereien für den Chor des Kölner Doms (im Stile des 14. Jahrhunderts).