Alemannische Rechtsalterthümer und Weisthümer.

(Schluß.)

a. 1585. „Petrus episcopus von Chur entschuldiget sich der lieferung dreyer ausstendiger happich, das Ihre Gnaden dieselbige vor der Zeit zu handen gebracht, daß sie aber weitter nit thun mit dem erbüetten vff zukünftigen 86 Jahrs 4 happich zu lifern, ist decretiert, daz ime, bischouen wiederumb mit allem ernst zůgeschriben, daß die anerborne happich mit also sunder geheupt, mit dem geschell und ganz geclaidt vf künftig jar endlich uns dieselbige zůgeschikt werden.“

a. 1599 decretiert Montags vor Petri und Pauli „daß man den happich zu Chur wieder erfordern und ain potten abordnen soll.“

Zinstags nach Ulrici den 8. Juli 1603: „beschloßen den happich altem gebrauch nach zu Chur zu erfordern und abholen zu lassen.“

Donnerstags den 28. Juli 1605: „befohlen worden, daß der habich zu Chur abgeholt werde: doch gar abgetragen und mit dem clait wie sich gebürt behengt sei und nit ain nestvogel wie zuvor gewesen.“

Donnerstag den 18. Monatstag Augusti 1605 decretiert und beschlossen, „daß bei ehendister gelegenheit an den Herrn Bischof zu Chur wegen des Habichts ein Schreiben solle verfertigt (werden) darinnen vermeldt und angezogen werden, welcher gestalt ein abgetragener Habich mit Gläut, Geschüech und andrem solle gestattet sein, aber weder heuer noch vorigen Jahres also überschickt worden; derowegen er, Herr Bischof, alter gerechtsame weitläufig zu berichten mit dem Anhang: wo hinfüro wider verhoffen die Lieferung, wie sich gebührt, nit ervolgen würde, man verursacht werde, solches an gehörigen orten anzubringen.“

Zinstags den 18. Juli 1606 befohlen: „daß ein Schreiben an Herrn Bischoffen zu Chur umb Lieferung eines abgerichten abgetragenen mit dem geleut wolbehengten Happich verfertigt werde.“

Den 9. Juli 1614 befohlen, „dass Ihro Gnaden dem Herrn Bischofen zu Chur umb den Habich zugeschriben werden solle.“

Noch bis in’s Jahr 1630 gehen diese Beschwerden fort.

Die Armbrusterbücher haben dies Weisthum ebenfalls; aber nichts, was nicht aus den Urkunden hier auch bekannt wäre. Im Stuttgarter k. Staatsarchiv ist ebenfalls ein Aktenstück, den „Habicht“ betreffend, das fast wörtlich unsere Mittheilungen enthält und das v. Langen gleichlautend in seinen Beiträgen gibt.

Des Nachrichters ayde.

Aus dem Stadtrecht von 1545.

Bl. 39 a. Item ain hennker soll zu Gott unndt den hailigen schwören den räthen unnd den burgern gehorsam ze seindt und ze richtende: es seye mit dem schwert, mit dem rade oder mit ertrenken[11] oder wie man ain person ab leib tun will unnd von jetlicher persone nit mer dann zway pfund haller zenemen.

item und so man ains erblente es were frow oder mann i lib. und denen man die zungen usschneit v ß hll hll. und denen man die oren abschneit v ß hll.

item und was vichs unsern burgern stirbt, sie seyendt in der statt oder uff dem landt: das soll er inen ouch schniden und soll von ainem ross, rind oder ainer kue nit mer nemen dann 3 ß hel.

item von ainem zwaijärigen kalb, das zway hay geessen hat i ß hel. von ainem das i hew geessen hat i ß hll.

item von ainem järigen fülhin 10 hllr.

item von ainem milchfulhin 1 ß hllr.

item von ainem milchkalb 8 hllr.

item von ainem schaf 8 hllr.

item von ainem kitzin und ainem lemlin 4 hllr.

item von ainer gaiß ouch 8 hllr.

item unnd von Usleuten von altem vih nit mer dann iiii ß hllr. und sol ouch er oder sein knecht hingôn, wo man ine hinschickt unsern burgern in unsern dörfern, die zů unserer statt gehörendt bey ainer mill wegs oder zwayen.

item were es ouch das er oder sein knecht unser burger ainem ainiche hüt braechte, davon soll man ime ouch beschaidenlich lonen und mag ouch heut wol darumb inbehalten, bis ime davon gelonet wirt, es sey umb schnyden oder umb das haimbringen.

item und ob jemant den unsern ainich vaist ochs oder was vihs das were, stürbe, wann der begerte ime das vich vffzetund und ime das unschlitt herus zegeben: das sol er ouch tůn und ime das widergeben; und ob jemant sonst begerte das vich uffzethund, darumb, daß er sehe, was ime gebreste: das sol er ouch tun.

item were ouch das ainem ain vaißt schwein stürbe: das soll er ime ouch schniden und beraiten und schmelzen umb den halbtail, ob er anders des begert; und ob ainem ain vaißt pferdt oder veldtross sturb, das soll er ime ouch ufftůn und das schmalz herustůn und widergeben, wer des begert.

item wann ouch ain beschlagen pferdt oder veldtross sturbt: dem sollen sie die ysen ouch abbrechen und widergeben.

item er soll ouch nieman anderswo hingôn richten, weder herren noch stetten: ain burgermaister erloube ime dann das und sollendt ouch seine knecht, deren seyen ainer oder mer das ouch schwören ze halten als er.

item darumb soll man ime geben alle fronfasten 30 ß hllr. und behusung in der alten statt; da der erste maister innsaß und soll ouch er das hus und den garten nutzen und nießen und alle die zins richten, so davon gandt. (Bl. 40 a.)

item von ainem ochsen oder alten rind lebendig zů begraben xv ß hllr.

item von ainer thunnen hering zů verbrennen v ß hllr. ob sich aber fůgte, das er zwo oder drey mit ainander verbrennen wurde, soll er ouch nit mer dann v ß hllr. ze lon nemen[12].

Oberndorfer Weisthümer.

(Monum. Hohenb. S. 924.)

1) „Item, so man das erst gericht uff Michahelis widerum helt, so soll der Richter die erst Urtal nit geben, der statknecht geb dann dem schulthais und richtern ihr Gerechtigkeit das ist jedem ain wißen und ain rotten Nestel.“

2) „Item alle die vor Gericht Brief begerend, die sol ain Burgermaister versiglen; darum gehört im ain schwarze Henn oder ain Behmisch.“ (S. 925.)

Buße für den Entleibten.

In den Lindauisch-Monfortischen Händeln (15. Jhdt. Graf Wilhelm v. M.) in einem Lindauer Spitalurbar steht also:

„item die drey, die schuld an dem todtschlag hond, sond den entleupten bützen mit 4 walfarten: gen Rom, Auch, Aynsidlen und Sanct Lenhart; IV kerzen tragen; XII mäss lesen lassen und sond die kerzen der frowen und den fründen geben werden; item ain stayne crütz setzen und des Entleupten frouwen XXV pfund haller geben werden“[13].

Der Schwörtag in Lindau.

Vierzehn Tage nach dem Kinderfest (August) war der Schwoͤrtag in der Barfüßerkirche. Prozession in der Kirche. Der ganze Magistrat, alle Geistlichen und weltlichen Behörden versammelten sich. Die Statuten und Gesetze wurden von der Kanzel verlesen. Nachher mußte jeder Stand darauf schwören.

München.

Dr. A. Birlinger.