Zu den früher mitgetheilten lateinischen Reimversen kann ich noch einen Nachtrag liefern. In dem humanistischen Sammelband der Wiener Bibliothek Nr. 3244, über welchen ich an einem andern Orte ausführlicher berichte, folgen auf einen mit zierlicher Gelehrsamkeit abgefaßten Brief Peter Luders de vita Curialium Sacerdotum Verse, welche zu sehr den classischen Regeln widerstreiten, als daß man sie nicht für rein mittelalterlich und wahrscheinlich aus älterer Tradition herrührend halten sollte. Der vermuthliche Sammler der Handschrift, Mathias von Kemnat, Kaplan des Pfalzgrafen Friedrich des Siegreichen, führte selbst ein solches Hofleben, und hat wol darum diese Stücke unter seine übrigens rein humanistischen Collectaneen aufgenommen, die Zusammenstellung auch wol selbst besorgt.
Ist der poetische Werth dieser Sachen auch gering, so ist es doch wünschenswerth, den Stoff nach und nach recht vollständig zusammen zu bringen, um endlich einmal zu dem Ziele einer kritisch durchgearbeiteten, umfassenden Sammlung zu gelangen. Noch ist in Handschriften ohne Zweifel viel der Art verborgen.
Heidelberg.
W. Wattenbach.