87) Der Bildhauer Gustav v. Dornis hat, ursprünglich für den Marktbrunnen zu Eisenach, eine Statue Martin Luther’s als kleinen Currentschülers geschaffen. Bei der Feier des vorjährigen Wartburgjubiläums ward der Gedanke angeregt, das Denkmal vor dem Wohnhause der Frau Cotta aufzustellen, die den Currentschüler Luther in ihre mütterliche Pflege genommen hatte. Die burschenschaftlichen Kreise, von welchen der Gedanke ausgegangen, wollen ihn nun auch zur Ausführung bringen, und Robert und Richard Keil in Weimar haben zu diesem Zwecke einen Aufruf erlassen in ihren „Erinnerungsblättern an die burschenschaftlichen Wartburgfeste von 1817 und 1867“ — einem Buch, welches zunächst bestimmt ist, dem 1866 zu Jena verstorbenen Professor Scheidler ein Grabmal zu stiften.
(Ill. Ztg. 1312.)
88) Im Archiv des Kreisgerichts zu Marburg wurden verschiedene, seither unbekannt gewesene Briefe Luther’s und des Götz von Berlichingen, sowie einige Ablaßbriefe von 1517 aufgefunden.
(Frk. Kur. Nr. 245.)
89) Wie Herr J. Blahut in Prag dem german. Museum schreibt, befindet sich in seinem Besitze ein Planetolabium aus dem Nachlasse des dänischen Astronomen Tycho de Brahe, welches, seinem System gemäß eingerichtet, nicht allein von ihm, sondern auch von Kepler und dem Kaiser Rudolf II. benutzt worden sein soll. Bis zum Jahre 1852 auf der Prager Sternwarte verwahrt, wurde es sodann nebst andern Sachen veräußert und von dem gegenwärtigen Besitzer erstanden. Derselbe denkt, es jetzt wieder zu verkaufen und, sollte ihm in Deutschland kein annehmbarer Preis geboten werden, sich nach England zu wenden. Es wäre sicher wünschenswerth, daß eine so seltene Reliquie Deutschland erhalten bliebe.
90) Im herzoglichen Museum zu Braunschweig, und zwar im letzten, nordwärts stehenden Fensterschranke in der östlichen Galerie, befindet sich ein altes Altarlaken von ponceaurothem Seidendamast, in welches Figuren, die sich wiederholen: kniende, ein Rauchfaß schwingende Engel, Sonne, Halbmond, Löwe und Adler, sowie in Medaillenform der Heiland und die Jungfrau Maria, eingestickt sind. Diese jetzt ziemlich unscheinbare Altardecke war ursprünglich ein von Kaiser Otto IV. (von Braunschweig), Sohn Heinrich’s des Löwen, getragener Mantel. In seinem am 18. Mai 1218, also kurz vor seinem am 29. auf der Harzburg erfolgten Tode, errichteten letzten Willen hieß es: „Wir bitten dich, Bruder Pfalzgraf Heinrich, wenn Wir gestorben sind, das heilige Kreuz, die Lanze, die Krone und den Zahn von St. Johannes dem Täufer, sammt den übrigen Reichskleinodien (-reliquien?), mit Ausnahme Unsers Mantels, welcher an St. Aegidien zu geben ist (praeter pallium nostrum, quod dandum est ad Stum. Aegidien), noch zwanzig Wochen zu verwahren und Keinem zu überantworten, der nicht einmüthiglich zum Haupte des Reichs erkoren ist.“ Auf diese Weise kam der kaiserliche Mantel an das Aegidienkloster zu Braunschweig und wurde von den Mönchen in eine Altardecke umgewandelt. Nach der Reformation blieb er Jahre lang versteckt und unbemerkt mit andern Sachen in einer Kiste auf dem Boden des Collegium Carolinum verborgen liegen, bis er vor einigen Jahren aufgefunden und sein Kunst- und historischer Werth richtig gewürdigt wurde.
(Braunschw. Tagbl. Nr. 217.)
91) Bei der Abräumung eines Platzes auf dem Regensteine bei Blankenburg (Braunschweig) wurden verschiedene Alterthümer gefunden, namentlich eine eiserne Kanonenkugel, eine Streitaxt, eine sehr gut erhaltene Todtenurne und verschiedene Pfeilspitzen. Es hat sich herausgestellt, daß die Kanonenkugel aus dem Jahre 1757 von der Beschießung des Regensteins durch den französischen General d’Ayen herrührt.
(Dass. Nr. 237.)
92) Der Geh. Archivrath Dr. Lisch berichtet in den Meckl. Anz. über einen größern Fund aus dem Torfmoore von Holzendorf, Amts Sternberg. Dieser Fund besteht aus den Resten einer Gießstätte der Bronzezeit, unter welchen sich auch eine vollständige bronzene Gußform zu bronzenen Wurfgeschossen (framea oder Celt), die erste in den deutschen Ostseeländern entdeckte, mit den abgebrochenen Gußzapfen, findet, außerdem aber noch aus ungefähr 30 Stücken von theils noch nicht gefeilten gegossenen Alterthümern geringeren Werthes, theils von Bruchstücken zerbrochener bronzener Geräthe, welche offenbar zum Einschmelzen bestimmt gewesen sind.
(Korr. v. u. f. D. Nr. 434.)
93) In dem Forste zwischen Beschine und Mönchmotschelnitz (Schlesien) sprengte man einen erratischen Block von enormer Größe. Unter demselben, in einer Tiefe von etwa 6 Fuß, fanden die Arbeiter einen Steinhammer von sehr schöner Arbeit. Derselbe ist von Serpentinstein, die Face bildet eine regelmäßige Ellipse, nur an einem Ende so weit abgeplattet, wie es der Gebrauch als Hammer bedingt; am entgegengesetzten Ende ist eine etwas lückige Schneide, in der Mitte ein vollkommen zirkelrundes, durchgehendes Loch; am dicksten Theile hat der Hammer in der Face wie im Profil zwei Zoll Durchmesser; der Diameter von der Schneide bis zum andern Ende beträgt sechs Zoll.
(Augsb. Postztg. Nr. 214.)
94) Die antiquarischen Aufgrabungen auf Rügen haben am 18. Aug. begonnen. Die von der Regierung ernannte Comission, welche diese Arbeiten leitet, besteht aus dem Generalconservator Geh. Regierungsrath v. Quast in Berlin, dem Archivrath Dr. Lisch in Schwerin und dem als Zeichner fungierenden Baumeister Hammer, welchen sich, auf besondere Einladung, der auf Kosten der dänischen Regierung abgesendete Alterthumsforscher Staatsrath Worsaae aus Kopenhagen angeschlossen hat. Die der Commission gestellte Aufgabe ist, die auf Rügen befindlichen Burgwälle aus heidnischer Zeit zu untersuchen. Nach dem vorläufig entworfenen Plan erstreckt diese Untersuchung sich auf die Wälle zu Garz, auf dem Rugard, auf dem Gute zu Venz bei Gingst, Arcona, Herthaburg und Werder bei Saßnitz.
(Ill. Ztg. Nr. 1313.)
95) Interessante Nachforschungen hat man unlängst an dem kleinen See (loch) von Forfar, in der hochschottischen Grafschaft Forfar (Angus), angestellt, welche die ungewöhnliche Seichtigkeit des Wassers erleichterte. Das Dasein eines Crannog, oder Pfahlbaues, in diesem See war seit lange bekannt, aber erst jetzt ward er genauer untersucht. Zwölf Arbeiter durchbrachen den Dammweg, von welchem 150 Ellen bloßgelegt wurden; er bestand aus einem Aufwurf von Stein und Mergel, der sich bis zum westlichen Ende des Sees erstreckte. Auf der Nordseite erhob sich eine Reihe von Pfählen mit einer Querlage von Pfählen darüber, im Allgemeinen gegen 5 Fuß unter der Oberfläche des Grundes. In diesem fand man Lager von Asche, Schaf- u. Rinderknochen, Hauer von Wildschweinen und einige Bronzewerkzeuge. Man sieht, wie dieser Crannog an die Pfahlbauten der Schweiz erinnert.
(Korr. v. u. f. D. Nr. 444.)
Verantwortliche Redaction: A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
Sebald’sche Buchdruckerei in Nürnberg.