Heilige Heimat,
meiner Ausgesetztheit
unbeschreibliches Gehäuse,
und nach den Umdonnerungen des Gehenden
windgestillte Zuflucht, o du
weiße Madonna der Beschützung:
Trost vor den Erschütterungen des Draußen
und seinem ungleichen, bösen Schwanken.
Trostreiche Mutter, die mich einwiegt
in Ruhe und Sammlung —,
und die sanftesten Verzückungen des Ichs,
Einkehr zu mir und Aufruf
meiner Abgeschiedenheiten schenkt.
Maßlos versplittert und angetan mit den erbärmlichsten Geschwüren der Feinde
und den Aussätzen mitmenschlicher Berührung —
wie linderst du aufgepflanzte Wunden und Angriffe gegen mein inneres Leben,
das nun auf ruhigen, strömenden Bahnen leise zurückkehrt,
und heilst mit den Wärmen,
Geborgenheiten
und Verschmelzungen des Schoßes
Willkür und Verzweiflung.
Das Blut aus deinen linnenduftenden Armen
übergeht in meine Verwirrungen,
kühlt fiebernde Pulse und den heroischen
Aufwand
vergeblichen Einsatzes. Du,
marienhaft,
senkst schwesterliche Rührung
und die verzeihenden Gefühle
demütiger Unerreichbarkeit
in die Flocken meines Herzens,
einst das zerstückelte wieder
zu den sanften, gesammelten und ergriffenen
Schlägen gläubiger Aufrichtung und des glückselig lächelnden Aufblickes zu Gott.
Das dünne Zirpen der Harfen
um mein Haupt, und leblos lösen
Akkorde von den Ohren sich,
große unwirtliche Töne.
Durch die Waldung schimmern
Tücher sanfter Rötung hin und her.
Abendliche
Szene taut hinter Blumen gelb auf, es folgen dicht
die weißen, kleinen Wolken.
Ich hebe die Hand mit gespreizten Fingern,
leise, schmerzlich löst sich Krampf
gegen die Landschaft, und die Knöchel spüre ich
gebettet
in segelnder Luft.
Himmel spannt gefasert.
Grün liegt aufgeschlagen auf den
weiten Flächen der Erde,
ein Hügel wellt gelenkig
in den Horizont hinauf.
Stürmische Sonne umsticht mich,
daß ich wirrend fliehe, schreiend
mein Herz verweißt.
Und ich gehe schon ganz auf und auseinander
in den Äther und die rinnende Bläue sprengt
meine Lunge mich aus.
Fäuste schließen mich ein,
Gewänder werfe ich ab. Ich stehe
selbstlos angedrängt und verzweifelt
wie eine zerwindete Fahne gezückt
gegen den zudunkelnden Himmel,
ich, Dichter der Leben, schreiender Gott,
vertausendfacht geboren und gelebt,
in die Stunden
der millionen Leben hineingesaugt.
Flucht, o tobsüchtige Befreiung,
aber wie sich herausbeißen
aus den geschlossenen Lippen der Sänger
und aufbrechen die Münder der Mädchen?
Nackte Zehen klatschen
über meiner Stirn. Bin ich wach, sind
die Nächte aller Frauen
mir auferlegt?
Gehen die Türen,
die Gemächer verdunkeln,
Fackeln stehen nicht mehr. Huschen
weiße Hemden und eilige Beine
an mir vorbei.
Erfaßte ich eine.
Ich zerdrückte sie tödlich an
meinem gestemmten Körper.
Meine Hände kriechen schon. Ich liege
versteckt und geduckt auf den Fließen.
Ruft der Mond euch heraus?
Aber ich zerfresse euch die Schritte,
ich zerschlage eure Knöchel klirrend.
Kommt nur, mit meinen Liedern, auf dem bereiten Mund,
an mir vorbei. Die Stunden sind wild gezählt.
Ich breche von unten
mit meinen Fäusten in euch hinein.
Dunkler Kerker, angeleuchtet
von meinen Augen. Deine Wände zerschmelzen
vor meinem Finger. Und ich gehe
über die geschlossenen Wiesen,
die hinter dir stehn.
Meine Schritte sind heilig,
die Schritte des Dichters,
und auf Wasser sinken sie nicht ein.
Ich fliehe mit den Spitzen auf den Spitzen der Gräser,
selig breiten Mücken summende Gefolgschaft aus,
aufschreien gebückte Fische,
Würmer und Schlangen, Elefanten mit roten Satteln
schweben langsam hin und her. Hunderttausend
Hirsche fliegen mit dünnen Beinen.
Der Himmel dreht sich mir wie ein Teppich entgegen,
er verblättert zu Zweigen unter meinen Füßen,
und die Fanfaren des befreiten Jerusalem
stehen als brennende Kugeln den Weg.
Der Mann steht unter dem eingedrückten Hut schon spät
in der Landschaft. Kühl und von grauenden Nebeln verwäscht
die Luft. Weißer Riese, der Berg, geht
über den See, dunkeln die Wasser, und es verlöscht
links geräuschvoll der Wald. Blauen die Sterne schon angestrengt
herunter, nasse Lichter ziehen um die Horizonte herum,
der See geht auf, biegen die Ufer, und er versenkt
immer wieder sich in den Himmel, eine große Kehle. Stumm
segeln Küsten vorbei. Rufe, sagenhaft, schlagen
an das Herz des späten Mannes, doch er bleibt herbstend, ungenau erregt,
während auf den Wassern Bäume in schattenhaften Kugeln jagen
über den Berg und den Wald, der sich immer wieder hebt und in die Kniee legt.
Grüne Berge, weitgeflächt, schaukeln in den Himmel auf,
Schluchten rote Rosen, ausgefaltet, scheinen himmelauf.
Flüsse werden gläsern dicht und brennen in der Erde,
springen weiße schlanke Hirsche durch die Luft,
schwarze Pferde, aufgenüstert seliger Gebärde,
sternen glanzvoll ein in Duft.
Schreie wiegen über Gipfel und der See voll roten Mohn
rundet sich zu einem dünnen angestrengten Ton.
Schäumende Sonnen
voller Salz geht mein Atem
abendverzückt und ciaconnen
über Wiesen und Herz. Flüsse fiebern in den Fersen,
Knie spannen sich verzückt
und aus weitgetanen Seelen glückt
tierisches Verversen.
Rasen mildgedehnte Hände
und das gezeltete Gehirn
abendsternt. Gehen die verschichteten Gelände
der Luft über das himmlische Angesicht,
verschmelzen im Blitz der blauenden Brände
Ampel und Dunkelheit, Mond und Licht.
Grünen die Büsten auf gefeuerten Balkonen,
Brust der Menschheit wehet auf,
dröhnen die wiegenden Anemonen
mitten im himmlischen Verlauf.
Die Bitterkeit der Abende fließt
sickernd durch die Landschaft auf das Feld.
Gezinkter Stern für Stern verschießt.
Stumpf und mit der Fülle Mond entseelt
ein großer Wald sich ein.
Gehäusig und verdichtet fällt
der Himmel ständig und ein Stein
auf diese unerschöpflich dunkle Nebelwelt.
Schweben langsam Himmelstücher auf
und eine Wolke schaukelt vor den Mond.
Summende Erde wiegt verschlossen auf
und über allen Gräsern tont
ein Schatten aquamarin, körperlos gefüllt.
In Schleier grau und wehend eingehüllt
frauengleichem Moll weich schreiten Terzen,
und unaufhörlich rollt um sanft gespannte Herzen
der nächtliche Verlauf.
Magischer Urwald des Himmels breitet
sich, Wolken schleichen
schwarze Panther. Grau verliert
ihr Schritt. Der Mond reitet
auf, das große Zeichen
der gekreuzten Sterne
phosphoresziert
grün und grundlos. Voller Nässe
wäscht die Ferne zusammen und schwimmt aufgeblasen,
Nacht und Regenmesse
dröhnt mit schwarzen Stimmen
an die Scheiben der Luft,
heimatlos und irrend
unter keinem Dach.
Menschen schon verglimmen
und die dunklen Spiegel rasen.
O, gehn wir den Weg bis zum Wasser,
den langen, ausgehöhlten,
die Bäume stehen kalt und grau
auf beiden Seiten in Kutten,
die Mönche des Herbstes.
Der Weg ist bilderlos und lang,
wie ein Gang
in den Klöstern.
Kein Leben schreit auf,
nicht eine Krähe wirrt und der See
glänzt bös und angefault.
Mein Herz schlägt ohne Atem,
angehalten, fröstelnd und schwer
in den Klöstern des Bluts.
Der Berg geht über den Wiesen auf
großtümlich und mit offenen Armen. Kühe
weiden ernst und voll sanfter Bückung.
Fern und in glänzender Verrückung
faltet sich mit einiger Mühe
der Himmelssturz hinauf.
Seine Fasern gelben wie alterndes Pergament
und die Wolken eilen fußlos unten vorbei,
segelnde Unbesorgtheit. Weit und leise
tönt ihre weiße Reise
zurück, Krähen stechen, mit dickem Schrei
blitzen sie ein in das Firmament.
Dumpfen die kugelnden Sternbilder nassen Abend ein
und die Luft schleiert in den hängenden Fäden des Regens
langsam und grau zu einem Weiher ein. Dünn geht ein Schein
durch die hängenden Wasser und in die Ermüdung eines Bewegens
aufglotzender Chimären, naßstechend, bettet sich Spleen.
Fernen stehen undurchsehbar um mich herum,
und welches Wissen, daß sie ohne mich weiter unter dem Himmel ziehn,
sonnig blau beschienen und freundlich, während ich stumm
einsame unter den fallenden Kuttichen, wie ein Mönch mich zwänge
durch der Regen lange, drohend dunkle kalte Klostergänge.
Über die sich verschließenden Wiesen jagen
letzte, tuschtiefe Wolken leicht,
Nacht schwebt in Sänften vorübergetragen,
Monde galeeren, Sterne verflaggen
und das Firmament glast und entweicht.
Gehen die stürmischen Himmel schon ein
in das verzückte Luftreich da oben,
sammelt sich rötlich verfließender Schein,
Wolken verweiden, Bläuen vertoben,
schaukeln die Erde in Finsternis ein.
Herrisch ziehen die Planeten auf
wachsen zu Wäldern, Schluchten und Ozean
schleifen zerstörend stromauf —
sinken die Sterne und der Mond, vertan,
spreizt ein breites Gesicht. Zartes wogendes Bewegen
schleiert und dunkelt, und das Herz seelt aufgetan
durch die Landschaften des Äthers nachtverwegen.
Opium kriecht spurig im Gedächtnis
auf, schwarzes Morphium tont die Welt,
der Landschaft weißkohlenes Vermächtnis
mittagdunkelt überhellt.
Rote Striche schießen nieder,
platzt das kugelnde Firmament,
heiß wirren die gezogenen Lider,
das kühle Zimmer verbrennt.
Maulwurf hält leise angeschienen,
Sonne knäult das Blut,
in den Hintergründen tut
Muschel des Horizonts sich auf.
Jagen über die Gipfel der Herzen Blumen
und ich verstreue mein Blut an die staubende Seele,
himmelhoch schichtet mein Fuß in den Ruhmen —
stürzet die Landschaft und bronzen zerwässert der Tag.
Steinen die Gefühle in müder Erschrockenheit unerwartet ein,
und in der Menschen sich schließenden Brust verglasen
die Weiher. Vor dem schon immermehr dünnenden Sonnenschein
steht in geschichteten Scheiben die Luft, klirrend
und gefroren und das heiße Rasen
der Herzen hält verwirrend.
Breitet das Eis sich hart und stumm
auf Bewegen, steifen die Gedanken
und verloren, plötzlich schon alt,
fahlen Gesichter und letzte herbstrote Ranken.
Tiere in Käfigen gehen unruhig um,
werden sprachlos und kalt.
Gehen über den Fluß leichte versonnte Schritte des Himmels schon
und die Wolken schatten einen blauen undurchwirkten Ton
auf die rundenden Wellen. Dunkelt der Grund grün und scheinen
schlanke blitzende Forellen vorbei, sickert ein grelles Weinen
der gehenden Sonne nach durch die Fasern der Luft,
Feldblumen schließen sich, Büsche und Sträucher schleiern in Duft.
Silbern verschießen Villen und Brunnen und der Polarstern heilt,
nachtblauender Heiland. Bäume verelfen aufrecht und hinter der weißenden Wiese
steht der Horizont getan, hebt breite Hände gleichmäßig gegen diese
verballende Abendnacht, die kühl und schäumend sich verteilt.
Der nicht wandelt mit den Gottlosen
gebenedeit, der nicht die Sünde geht
und bei den Spöttern nicht ruht
lobsingt des Herren Worte Tag und Tag.
Ist ein Baum an den eilenden Bächen
ruhig reift klar,
nie braunen die Blätter ihm,
dem alles gerät und sich versammelt
doch die Gottlosen zerstreuen.
Im Wind sind Spreu
werden nicht geduldet im Gerechten
und versinken ihre Wege vor Jehova.
Hüte mich, Herr,
denn ich bin eingezogen in Dich.
Ich bin gut
Deinen Heiligen und Herrlichen —
fahlen unnennbare
Läufer hinter erlogenem Gott.
Du aber, Herr, wirst mein Erbe,
der immer sitzt an meiner Rechten,
und meine Ehre ist fröhlich,
in den Nächten gehe ich auf,
sicher liegt mein Fleisch.
Du wirst Deinen Heiligen nicht
verwesen lassen — ist
ewig der liebliche Atem um Dich.
Nicht länger verberge Dein Antlitz, Herr,
Stunden meiner Angst — jetzt
neige Dich mir und rasch
antworte gleich, rufe ich Dich auf.
Gehen meine Tage vorüber
wie der Rausch
und es verbrennen mir
die Knochen im innern Herd.
Geschlagen wurde mein Herz
und es verdorrt
wie das Gras
und ausgebrannt ist mir Gedächtnis
und ich vergaß mein Brot.
Aber ich heule mich
aus und auseinander
und es erdrückt mein Fleisch
schon die Knochen.
Ich bin ein Pelikan in der Einöde
und die Nachteule in den Ruinen
und ich wache verlassen —
ein Sperling allein auf dem Dach.
Meine Feinde schmähen mich
und höhnen meinen Namen,
denn ich aß die Asche wie das Brot
und Weinen kam in meinen Trank
vor Deiner Ungnade und Wut,
aufhobst Du mich und schleudertest
mich weit — meine Stunden
sind wie der Schatten
wenn er verweht —,
und ich trockne ein.
Aber Du herrschest, Ewiger,
unabänderlich dauerst Du
die Zeitalter,
Du stehest auf in Mitleid,
denn es ist Zeit über Zion,
denn der Augenblick ist gekommen,
denn wir lieben diese Steine
und haben Schmerz für den Staub.
Dann werden die Völker
fürchten den Namen des Ewigen
und alle Könige der Erde
den Glanz.
Herr, wiedergebaut steht Zion
und strahlt Deinen Glanz —
Betteln die Verlassenen laut
und Du verjagst sie nicht —
melden es kommenden Geschlechtern
Dich zu loben,
Deine Erscheinung auf den
Erhöhnissen der Heiligkeit —
herabfielen Deine Augen
von den Himmeln
und du hörst das Zittern der Schuldigen
und machst los
die vor dem Tod sich neigten.
Sammeln sich alle Völker
und die Königreiche Dir zu dienen.
Er schlug ab meine Kraft unterwegs,
er kürzte meine Tage.
Herr! Nehme mich nicht heraus
aus der Mitte meiner Tage.
Deine Jahre gehen immerdar
durch die Zeitalter.
Du hast die Erde geschmolzen
wurden die Himmel
von Deinen Händen gemacht.
Sie zerfallen — Du überwährst,
sie altern wie ein Kleid — Du
wirfst sie fort und wechselst
sie wie ein Kleid.
Immer bist Du, Gott, Dir gleich
und Dein Jahr ist ohne Aufhör.
Möchte
Gott Mitleid mit uns
haben und uns benedein.
Ließe
sein Angesicht herab
er auf uns scheinen.
Gekannt wird Deine Stimme
auf Erden
und Dein Gruß
bei allen Nationen.
Alle Völker werden
Dich preisen
Lob singen alle Völker
führest sie zur Erde, Herr.
Dichter Herz lobsingt einem König —
schönster Du der Menschen
holdselige Lippen,
umgürte leicht das Schwert
und ziehe gerechten Weges.
Wendet Deine Hand Stütze
und Erhaltung den Armen.
Versende die Pfeile,
fallen Völker in die Knie
und es fällt der Feinde König.
Unverrückbar in die Tage
steht der Herr Dein Stuhl
und es steilt der Szepter,
unter Freudenöl wandelt
des Königs Kopf und
Myrrhen sind Deine Gewänder
trittst Du aus den chryselephantinen Palästen.
Gerechte erfreut Euch des Herrn
lobredet! Feiert ihn mit der Harfe
singt ihn auf den zehn Saiten der Lyra —
singt ein neues Lied, daß
Eure Stimmen zittern und die Instrumente.
Aufrecht ist das Wort des Herrn
und seine Werke sind treu,
sein Wort schuf die Himmel,
die Heere des Himmels schuf
der Atem aus seinem Munde mit
einem Mal. Er sammelt
die Meerwasser auf einen Haufen
und er spricht, so ist es geschehn
und er zerstreut die Entschlüsse der Nationen
und wendet das Schicksal der Völker,
doch die Schicksale seines Herzens dauern
durch die Zeitalter.
Herabblickt vom Himmel er
auf alle Kinder der Menschen,
keines Königs Macht errettet
vor dem Herrn,
und kein Pferd kann fliehn
vor dem Herrn:
liegt sein Auge auf die ihn fürchten
und auf die ihn erwarten,
daß er befreie die Seele vom Tod
und stütze in der Hungersnot.
Ich überwache meine Stimmen
daß ich nicht Sünde begehe
mit der Zunge, Herr.
Ein Zaun bindet
den Mund mir, solang der Böse
vor mir schwebt
und zu verführen versucht.
Ich stumme in der Stille ein,
Enthaltung des Wortes
übe ich bis zum Verschweigen des Guten —
doch mein Schmerz schwillt
immer lauter an
hitzt mein Herz in mir,
und das Klagelied
umschlingt mich leidenschaftlich:
Herr, zeige mir mein Ende
und das Ausmaß meiner Tage.
Du schufst meine Dauer
vier Finger breit — und ich
bin nichts vor Dir — ach jeder Mensch,
aufrecht und stehend
ist nichts als Vergeblichkeit
alles ist Eitelkeit.
Ach der Mensch lustwandelt
sicher doch ein farbloser Schatten
ach und vergeblich und eitel
jede Bewegung und Sammeln von Gütern
— doch wer wird sie besitzen?
Befreie mich, Herr, ich schweige, laut
geschlossen bleibt der Mund,
weil Du ihn mir schlossest,
doch wende ab die Züchtigung,
ich vergehe vor dem Schlag Deiner Hand.
Fassest Du den Menschen an den Sünden
zerfällt wie von Motten zerfressen
selbst Schönheit an ihm —
alles ist Eitelkeit und vergeblich.
Höre mich, Herr, sei
vor meinen Tränen nicht taub,
ich bin nur ein Fremder vor Dir
ein Vorübergeher wie meine Väter
o lasse mich los,
daß ich
meine Kräfte versammele
bevor ich gehe und nicht mehr bin.
Mein Lot, Herr,
warfst Du
und erkanntest mich.
Alles weißt Du
jetzt, wann ich sitze
und wann ich
mich erhebe,
und von der Ferne
enthüllst meinen Gedanken,
der Du siehst
wann ich gehe,
und wie ich mich
hinlege — alle Wege in mir
vollenden Dich.
Ach Herr, noch
ist das Wort auf meiner Zunge,
und der Gedanke endet
in Deinem Gedächtnis schon.
Du hast mich geschlossen
vorne und hinten,
und Deine Hand liegt
mir oben und unten —
o welche Weisheit
mir so unerreichbar
mir — wohin
ginge ich,
und wäre nicht
in Deinem Geist,
wohin flöhe ich
und wäre
nicht vor Deinem
Angesicht?
Steige ich in den Himmel
und Du bist da,
liege ich im Bett der Hölle
Du bist da,
trügen die Flügel
der Tagesdämmerung
mich an das Ende des Meeres:
wieder, Herr, wieder
Deine Hand
unterstünde
mich und Deine
Rechte
beschützte mich.
Wollten
mich die Nebel
überhüllen — aber
die Nacht um mich
leuchtet an,
hell scheinen und sanft
die Nebel Dir
und aufleuchtet in Strahlen
die Nacht,
in den blendenden Finsternissen.
In der Nacht des Schoßes
schufen Deine Hände
mein Bildwerk
und die Nieren.
Ich lobe herrlich Dich,
der ich gemacht wurde
auf eine wunderbare Weise.
Sind Deine Werke alle
erfremdend wunderbar,
und im Geheimnis
meine Knochen:
schufst Du
wie die Gewebe
gearbeitet sind
unbeschreiblich
in den Orten
unter der Erde.
Deine Augen sehen mich,
da noch
im Teig der Lebenden
ich unterging,
und meine Tage
hast Du eingetragen
in das Buch
und in die Reihe geordnet,
da sie nicht einmal begonnen.
O wie teuer,
Herr, sind mir Deine Gedanken,
o wie groß,
Herr, ihre Anzahl!
Lasse Du
sterben den Bösen —
gehet ihr Männer des Blutes
von mir —
ihr schwöret falsch
seinen Namen, schändet ihn
nicht Missetat?
o ihr Bösen,
wachet auf aus
den brüllenden Höhlen
der Verruchnis:
ihr verbrechet an Euch.
Herrlich der Vater
stehet ein Fels,
führet die Hände im Kampf
und in den Schlachten unsere Finger!
O Wohltat Du,
o meine hohe Zuflucht,
Befreier,
Schild meiner Rückkehr,
was ist der Mensch,
daß ihn siehst
und um ihn sorgst,
und der Sohn des Menschen
daß Du
in den Augen ihn hältst?
Und er gleichet
dem Windhauch,
sind seine Tage
wie der Schatten,
der vorübergeht.
O Herr! senke
Deine Himmel nieder
und steige herab,
rühre die Berge an
daß sie flammen!
mache blitzen und
zerstöre sie,
schütte Deine Pfeile über sie
und sie fliehen.
Erhebe, ach, Deine Hand auf,
und befreie mich
und ziehe
aus den großen Wassern
mich heraus,
und aus der Hand
des fremden Sohnes,
dessen Mund laut wagt
die Lüge
und dessen Rechte betrügt.
O Herr, ich singe Dir
ein neues Lied,
ich lobpreise Dich
auf den zehn Saiten der Leier —
Dich, ach, der Befreiung gibt
den Königen —
der errettet David,
Deinen Diener,
vor dem tödlichen Schwert.
Laß unsere Söhne
wie die wachsenden Pflanzen
sein in ihrer Jugend,
und zierlich geschnitten
Gärten in den Palästen
unsere Töchter.
Fülle
unsere Gewölbe,
und lasse die Lämmchen
vertausendfachen sich auf den Feldern,
und die Ochsen überlade
mit ihrem Fett,
und gebe, Herr
keinen Lärm und Angriff,
und keine Abbrüche
in den wohnlichen Straßen.
Lobet den Herrn,
psalmet den Herrn,
es ist gut,
es ist süß,
es ist verseligend.
Er schuf Jerusalem
und eint
die Zerstörten,
und heilt
die zersplitterten Herzen,
und überspannt
die klaffenden Plagen.
Er zählt die Zahl der Sterne,
allen ruft er
einen Namen aus.
Unser Herr
ist groß und von Macht,
und kein Ende hat
seine Klugheit:
die stützt die Elenden
und niedertritt die Bösen
unter die Erde.
Er füllt mit Unwetter
die Himmel, und bereitet
für die Erde den Regen,
und läßt auf den Bergen
ausschlagen die Körner
und nährt die Tiere
und die schreienden Kleinen des Raben.
Nicht vollendet ist
der Herr im Pferde,
und in den leichten
Männern des Wettlaufs,
aber ihn erfreuen
die ihn fürchten
und die warten: —
seine Güten kommen.
O Jerusalem, lobe
den Herrn,
der kräftigt
Deiner Tore Stangen,
und segnet
die Kinder in Dir,
und hält den Frieden in Dir,
und die Weizenmärkte
macht er sättigend.
Aussendet er die Befehle
zu Erden, und es laufen
über sie eilig seine Worte,
sinket wie Leinen
sein Schnee und Raureif
streut er wie Asche aus.
Und er schleudert in Stücken das Eis —
wer hält
vor der Kälte des Herrn?
Aber er kennt sein Wort
und alles schmilzt
bläst sein Hauch —
und die Wasser
gehen davon.
Lobet!
Lobet für die Heiligkeit!
und diese Ausweitung der Macht!
Lobet für die hohen
Tatsächlichkeiten des Herrn
ihn ohne Aufhör,
im Ruf der Drommete
in den Winden der Leier
und Harfen
und mit den
Pauken des Tanzes
und den Streichern
und flötend: lobet!
lobet!
lobet!
und mit den
tiefen, strömenden Zymbeln
und den Zymbeln,
die widerhallen
unaufhörlich
widerhallen hallen
HALLELUJA!
Anmerkungen zur Transkription
Im Original g e s p e r r t hervorgehobener Text wurde in einem anderen Schriftstil markiert.
Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):