Der Tour treu lassen wir die Tannbergsthaler Fabrik rechts und verfolgen die Strasse, die, an einem einsamen Flossteich vorüber, bis 860 m ansteigt. Dann auf den Südabhang hinab nach Steindöbra. (Inter. Holzhäuser echtes Gebirgsdorf von tyrolischem Anstrich.) Am Gasthof zum Stern hinauf nach Obersachsenberg. Gasthaus. Weitzerstreutes, armseliges aber herrlich gelegenes Dorf. Weissstickerei. Man besuche eine der Hütten. Im Fenster hängt der unvermeidliche »Grünitz« (Kreuzschnabel), die Frauen sticken an den feinsten Arbeiten und singen und lachen dabei und ein grosser Kindersegen belebt die blankgescheuerte Stubendiele. Grosse Armuth und helles Vergnügen wohnen kaum wieder so eng beisammen wie hier. Nun an den Grenzsteinen hinauf nach dem

Aschberg. 925 m ü. M. Triangulirungsstat. Herrliche Fernsicht auf das böhmische Mittelgebirge, das Egerland, auf die Höhen des Voigtlandes und auf die Waldregionen des Gebirgskammes. Aber auch die nahen Thalbilder nach Sachsenberg, Brunndöbra, Zwota, Klingenthal und Grasslitz hin sind sehr anmuthige.

Anmerkung. Mit Verzicht auf Grasslitz gehe man den Staffelweg hinab an die Strasse Jägersgrün-Klingenthal und durch einen reizenden Thalgrund nach Klingenthal.

Nach Grasslitz führt der Weg von Obersachsenberg durch Schwaderbach und durch ein ödes verlassenes Thal, in dem man früher auf Kupfer bedeutenden Bergbau getrieben, dessen Hinterlassenschaft die traurigsten Trümmerhaufen und Schutthalden bilden. Der felderbedeckte Berg mit dem scharfgratigen Rücken zur Linken ist der Hausberg.

Grasslitz. Kaiser von Oesterreich. Zum Herrenhaus. 490 m hoch an der Zwota gelegen. 6500 Einw. Industriereiche Stadt mit grossen Spinnereien und Webereien; auch betreibt man die Fabrikation musikalischer Instrumente wie zu Klingenthal und Markneukirchen (Näheres S. 139). Die alte Pfarrkirche besitzt einen inter. Hochaltar und alte Holzschnitzereien.

Die Stadt liegt dicht unter dem Hausberg, der mit seinem schmalgratigen Rücken wie ein Hausdach geformt ist und davon seinen Namen erhalten hat. Oben prächtige Ausblicke auf die reichgeformte Umgebung. Spuren eines alten Schlosses. An das Regierungsjubiläum des öster. Kaisers Franz Joseph (18. Aug. 1873) erinnert ein Denkmal auf dem Berge. Den eisernen Pavillon, von dem man besonders schöne Ausblicke geniessen kann, errichtete der berühmte Industrielle Joseph Ritter von Dozauer, der zu Grasslitz geboren ward. Im Thalgrund am Fusse des Hausberges 1 km von Grasslitz liegt die idyllische Reimermühle, ein Sommerrestaurant.

Nach Klingenthal führt die Strasse im Zwotathal entlang. Die Eisenbahn, die hier nur eine Lücke von wenigen Kilometern aufweist, hat leider noch keinen Anschluss finden können, so dass die Verbindung Klingenthals mit Mariakulm und Eger oder nach Karlsbad hin durch die kurze Strecke schon seit Jahren unterbrochen geblieben ist.

Klingenthal. Zum Hirsch. Altes Schloss. Rest. zur Post. Ueber der Grenze auf böhmischer Seite liegt »Die Hacke«, ein vielbesuchtes Rest. 3000 Einw. Am Schulhaus 576 m ü. M. Die Stadt, sehr anmuthig im Zwotathal gelegen, ist ein Hauptort der Instrumentenfabrikation und baut vorzugsweise Akordions, Concertinos, Mund- und Ziehharmonikas. Man besuche eines der Lager der Firmen Herold oder Dörfel und Steinfelser. Man sieht hier die Ausstattung ganz dem Geschmack der verschiedensten Völkerrassen angepasst, für welche die Instrumente berechnet sind. Man malt hier chinesisch und malaiisch, und wenn es sein muss, auch tumpuktunisch. Die Herstellung wird durch strengste Arbeitsteilung verbilligt und vereinfacht, man trifft z. B. alte Männer, die ihr Leben lang nichts als Geigenwirbel gedreht haben. Man baut Geigen bis herab zu 2 Mark das Stück und Dudelsäcke bis zu 18 Pfg. Die Industrie ist durch böhmische Exulanten nach dem 30-jähr. Kriege hier eingeführt worden. Weissstickerei wird in Klingenthal gleichfalls betrieben.

Nun durch einsame Waldgegend am 800 m hohen Ursprungberg vorüber nach Ursprung und Stein und nach dem

Hohen Stein. 767 m ü. M. Im Sommer fliegendes Restaurant. Den Gipfel bildet ein sehr harter, zerrissener, pittoresker Schieferfels. Man übersieht das weite, reiche Egerland mit Eger und Franzensbad, das böhmische Mittelgebirge, das hier mächtig, wie ein geschlossener Jurawall, aufsteigt, und das Fichtelgebirge. Besonders anmuthig und malerisch ist der Ausblick nach Erlbach und Markneukirchen hin.

Jetzt stark bergab nach Erlbach, wo man ebenfalls, wie in Markneukirchen, Musikinstrumente fabricirt, und dann nach

Markneukirchen. Rathskeller. Krone. Post. Rest. zum Schützenhaus. Paradies. Die Stadt liegt freundlich im muldenförmigen Schwarzbachthale. 5400 Einw. 504 m ü. M. Die Industrie Markneukirchens ist einzig und grossartig in ihrer Art, man fertigt alle nur erdenkbaren Musikinstrumente und Darmsaiten. Die grössten Firmen sind R. Schuster und Paulus & Schuster. Diese Industrie, die nur an wenigen Orten der Erde ihre sang- und klangfröhlichen Werkstätten aufgeschlagen, ist im hohen Grade sehenswerth, sie beruht auf strenger Arbeitsteilung, wodurch Billigkeit und Accuratesse zugleich erzielt wird.

Unter den Klängen der Markneukirchner Posaunen, Pauken, Trompeten, Schellenbäume, Hörner und Trommeln schlugen unsere Armeen die grossen Schlachten in Frankreich, verzweiflungsvoll warfen sich unter denselben Tönen die gallischen Volksheere dem eisernen und ruhig vordringenden Sieger entgegen, völkerverschlingend marschirten die russischen Colonnen unter ihnen nach Innerasien und vor Constantinopel, sie umrauschen das Sternenbanner der Union, und in allen Welttheilen lässt der englische Musikus sein mächtiges, feierliches »God save the Queen« aus Markneukirchner Instrumenten ertönen, gleichviel, ob der Frosthauch von Canada die glänzenden Flächen trübt oder ob die indische Sonne sich brennend in ihnen widerspiegelt.

Die Markneukirchener Violinen, Bassgeigen, Trompetinen, Violoncellos, Banjos, Philomelen, Metronomen, Becken, Cinellen, Triangeln, Glockenspiele, Lyras, Bratschen, Clarinetten, Oboeen, Fagotts, Flöten, Piccolos, Flageolets und Concerthörner erfreuen die Concertliebhaber aller Nationen oder fordern diese zu ihren Nationaltänzen auf. Die indische Bajadere bewegt den geschmeidigen Körper nach dem weissgaren Fell eines Kalbes, das in der Nähe Markneukirchens das Licht der Welt erblickte, und nach den süssen Klängen der Guitarren, Zithern, Lauten, Mandolinen und Harfen girrt das verliebte junge Volk aller Rassen. Wie ein ungarischer Wald von Singvögeln, so ist Markneukirchen von Musikern belebt. In allen Häusern und in allen Tonarten wird probirt und musicirt.

Als Rohmaterial werden so ziemlich alle feinen Holzarten verbraucht, welche die Erde zu erzeugen vermag. Die Pferdehaare zu den Fiedelbogen liefern Russland und die Laplatastaaten, die Schafdärme zu den grossen Massen von Saiten, die hier fabricirt werden, kommen aus Dänemark und Südrussland, da man dort die meisten Lämmer schlachtet.

Nun im Schwarzbachthal abwärts nach Adorf und Elster, s. Routennetz. Ein directer Weg führt über Mühlhausen mit Umgehung von Adorf nach Bad Elster (8 km).

55. Zwickau-Rautenkranz (57 km). Schöneck (17 km). Markneukirchen (per Bahn 13½, zu Fuss 9½ km).

Bis Rautenkranz s. Routennetz. Von hier verfolgt die Eisenbahn die geringen Einsenkungen des Thales der jugendlichen Mulde, durchschneidet die grossen Kottenheider Forsten und gewinnt über der Stadt Schöneck den Höhenzug, der wie ein Steinwall über das Voigtland aufragt. Hier liegt der höchste Bahntract in Sachsen (791 m ü. M.). Der Bahnhof liegt 754 m ü. M. Von hier herrliche Aussicht auf das weite, thälerdurchzogene Voigtland.

Schöneck. Rathskeller. Keils Gasthof. Restaurant Renner. Müllers Garten. Meyers Rest. 3300 Einw. Fabrikation von Musikinstrumenten. Weisswaarenstickerei. Feldbau. Waldarbeit.

»Das ist ein goor schie Eckel« soll der erste Ansiedler gerufen haben, als er die Axt zu einer Blockhütte ansetzte, und in der That, er hat recht gesprochen. »Schieeckel«, jetzt Schöneck, liegt frei und schön über dem Land auf luftiger Höhe. Die beste Aussicht hat man vom Friedrich-Auguststein, mitten in der Stadt gelegen (747 m ü. M.). Triangulirungsstation. Das ganze Voigtland liegt uns so ziemlich zu Füssen. Man sieht den Aschberg bei Obersachsenfeld, den Kapellenberg bei Voitersreuth, den Ascherberg bei Asch, die Berge um Rehau und Hof und die Thüringer Vorberge. Durch die Mitte der weiten Landschaft zieht sich das Elsterthal, aus welchem die Thürme von Oelsnitz, Schloss Voigtsberg und der obere Theil von Bad Elster hervorschauen. Ein gefälliges Schauspiel gewähren die Züge mehrerer Eisenbahnlinien, die das Voigtland durchziehen; oft verschwinden sie zwischen Bergen und Wäldern, um dann an Orten wieder aufzutauchen, wo man sie am allerwenigsten vermuthete.

Nach Markneukirchen windet sich die Bahn in grossen Curven über die Stat. Zwota, wo sich die Linie nach Klingenthal abzweigt. Fall 1 zu 40. Die 4½ km kürzere Fusstour berührt die Dörfer Eschenbach, Wohlbach und Breitenfeld. Markneukirchen s. S. 139.

Anmerkung. Von Schöneck nach Marieney 6 km. Hier wurde 1803 der Dichter Julius Mosen geboren, dem durch ein Comité in Schöneck ein Denkmal errichtet werden soll. Man geht dann über die Eisenleithe direct nach Adorf (6 km) oder über das Dorf Würschnitz nach Oelsnitz (10 km). In Würschnitz pflanzte ein Zimmergesell Ausgang des 17. Jahrh. die ersten Kartoffeln in Deutschland an.

56. Zwickau-Reichenbach (22 km). Mylau (3 km). Netzschkau (2 km). Jokeda (13 km). Elsterberg (7 km). Greiz (6½ km). Zwickau (27 km).

Die Eisenbahnfahrt nach Reichenbach zeigt uns rechts Schloss Steinpleis und links Schloss Schönfels. Hinter Steinpleis Blick rechts auf Werdau (12 000 Einw. Wollenwebereien, Tuchfabriken, Vicognespinnerei).

Reichenbach. Zum Lamm. Engel. Deutscher Kaiser. Turnhalle mit Concertgarten. Rathskeller. Bellevue. Kesslers Rest. 16 500 Einw. Am Bahnhof 401 m ü. M. Reichenbach zählt zu den gewerbthätigsten Städten des industriellen Voigtlandes. Wollenspinnerei, Weberei von Merinos, Thibets, Flanellen und mit Fransen umsäumten Wollentüchern. 1697 ward hier Caroline Neuberin geboren, welche den Hanswurst von der deutschen Bühne austrieb, der jetzt, wenn auch in modernisirter Auflage, wieder eingezogen ist. Neuer schöner Centralbahnhof. In der Peter-Paulkirche Silbermannsche Orgel. An der Realschule stattliches Kriegerdenkmal, eine Victoria mit Siegeskranz und Friedenspalme. Der voigtländische Verein für Naturkunde hat im alten Gerichtsgebäude ein sehenswerthes naturhistorisches Museum aufgestellt.

Reichenbachs an sich schon hübsche Umgebung ist besonders interessant durch die Göltzschthalbrücke, einem der grossartigsten Eisenbahnviaducte auf dem Continent. Man geht dahin direct über Mylau (3 km).

Mylau an der Göltzsch. Reichsadler. Zur Quelle. Löwe. Restaur. sind: Rathskeller, Schützenhaus und Trinkhalle. 4900 Einw. 304 m ü. M. Mylau betreibt die gleichen Industrien, wie seine Nachbarstadt Reichenbach. Ein altes kaiserliches Jagdschloss, in dem Kaiser Karl IV. öfter eingesprochen, dient jetzt gewerblichen Zwecken (Wolldruckerei). Der hintere Hof führt noch heute den Namen »Der Kaiserhof«.

Die Göltzschthalbrücke, 1½ km unterhalb Mylaus bringt den grossartigsten Eindruck hervor, wenn wir dicht an ihren Pfeilern stehen; sie wurde vom Major Wilke entworfen und ist, wie schon angedeutet, eines der kühnsten und grandiosesten Bauwerke unseres Zeitalters. Höhe 77 m. Länge 574 m. Der mittlere Bogen hält 84 m Spannweite. Baukosten 7 Millionen Mark. An Ziegeln fanden 20 Millionen Stück Verwendung. Die Brücke würde heut, da man der Billigkeit wegen die Curven liebt, nicht mehr erbaut werden, obwohl sie sich durch Abkürzung des Tractes reichlich verzinsen soll. Erbaut von 1846 bis 1851.

Anmerkung. Wer direct nach Greiz will, wandere im schönen Göltzschthal entlang. Der Fluss bildet die Grenze zwischen Sachsen und Reuss. Wir gehen am linken Ufer unter der Brücke durch bis vor die Winkelmann'sche Fabrik, hier auf dem Steg zum rechten Ufer unfern der Einmündung des Friesenbachs. Hier nicht rechts gehen, sondern über die Höhe zur Schwarzhammermühle und über die Brücke. Nunmehr bleiben wir am linken Ufer bis an die Einmündung der Göltzsch in die Elster. Rechts der Elster liegt der Papiermühlenfelsen mit der »Schönen Aussicht«, vom Greizer Verschönerungsverein zugänglich gemacht. Auf diesem Wege von der Göltzschthalbrücke bis Greiz 8 km. Bei der Schwarzhammermühle kann man auch rechts hinauf über Irschwitz nach Greiz gehen. (Dann nur 6 km bis Greiz.) Greiz s. S. 144.

Der Tour treu passiren wir mit der Bahn die Göltzschthalbrücke. Man setzt sich der Thalblicke wegen am Besten auf die rechte Seite, links liegt noch ein Gleis zwischen dem Brückengeländer und dem Waggon.

Netzschkau. Pinks Gasthaus. Löwe. Bair. Hof. Rest. zur Bleibe. Rathskeller. Singer. Schlosskeller. Bahnhofsrest. mit Garten. 3800 Einw. 348 m ü. M. Weberei von Kattun und Futtermusselin. Schönburgisches Schloss mit neuangelegtem Park. Im Südwest der Stadt, 3 km entfernt, liegt der 512 m hohe Kühberg, eine Triangulirungsstation, von der man das Voigtland mit seinen einrahmenden Höhenzügen überschauen kann. Man geht dann gleich über Reimersgrün nach Herlasgrün an die Eisenbahn.

Die Bahn umgeht in weitem Bogen den Kühberg und berührt die Dörfer Limbach, Herlasgrün (Kreuzpunkt) und Ruppertsgrün.

In Joketa verlassen wir die Bahn. (Gasthaus.) Die Elsterthalbrücke bei Joketa ist zwar nur 280 m lang und 68 m hoch, doch erscheint sie, durch eine sehr romantische Umgebung gehoben, fast imposanter wie die Göltzschthalbrücke. Man kann nach dem mittleren Bogen in der ersten Etage gehen; hier macht das Bauwerk einen überwältigenden Eindruck, dazu kommt in der Tiefe der frische Bergstrom, die Elster, und die prächtigen Thalgehänge. (Die Bahn unter der Brücke hindurch verbindet Plauen mit Greiz.) Die Bauzeit der Brücke (1846–51) fällt mit derjenigen der Göltzschthalbrücke zusammen. Die Namen der Erbauer, Wilke und Kell, finden sich an den Pfeilern verewigt.

Wir gehen nun im Elsterthal abwärts. Prächtige Thalwanderung. Bei Liebau Ruine Liebau auf der Höhe mit herrlichen Thalblicken. (Schöner ist der Ausblick von dem Rindenhäuschen.) Links liegt Trieb. Nun hinab zur Rentzschmühle. Hotel Steinigt. Hier beginnt das sogenannte Steinigt, ein enges wildromantisches Thal, das einst die Elster durch das harte Gestein gebrochen. (Auch voigtländische Schweiz genannt, schönste Partie im Elsterthal.)

Anmerkung. Viele ziehen vor von Joketa über Bartmühle und Trieb nach Rentzschmühle zu gehen. Ueberraschende Blicke auf den grossartigen Viaduct.

Elsterberg. Rathhaus. Grüner Baum. Heckel's und Flachs' Rest. 3600 Einw. 282 m ü. M. Gerberei und Färberei. Die romanische Kirche wurde 1840 erbaut. Die Burgruine Elsterbergs gehört zu den umfänglichsten des ruinenreichen Thüringer Landes, an dessen Grenzmarken Elsterberg liegt. Die stolze Ruine auf einem Felsen über der Elster war mit ihren doppelten Ringwällen ein fester Sitz der Herren von Lobdaburg. (Zerstört durch Markgraf Friedrich von Meissen während des sogenannten voigtländischen Krieges Mitte des 14. Jahrh.)

Nach Greiz benutzt man die Bahn, welche die launenhaften Krümmungen der Elster mehrmals abschneidet. Vor Greiz rechts der Papiermühlenfelsen mit schöner Aussicht. S. 144 u. 142.

Greiz. Hotel Hennig. Löwe. Thüringer Hof. Zum Kranich. Rest. zum Fürstenkeller. Grimms Gartenrest. Trömels Rest. mit schönem Garten. 13 000 Einw. Am oberen Bahnhof 287 in ü. M. Greiz, an der Elster im romantischen Thalkessel gelegen, ist Residenz des Fürstentums Reuss j. Linie. Das alte Fürstenschloss auf hohem tunneldurchbrochenen Felsen nimmt sich höchst imposant aus, auch das neue Schloss ist sehenswerth. Der fürstliche Gartenpavillon liegt inmitten reizender Anlagen. Am Heinrichsplatz steht als Kriegerdenkmal eine Germania. Greiz ist eine sehr rührige Fabrikstadt und betreibt hauptsächlich Spinnerei, Wollen- und Baumwollenweberei, Druckerei und Färberei.

Die reizende Umgebung von Greiz mit ihren grossen fürstlichen Wäldern, dem Thalzug der Elster und den schönen Waldbergen hat mancherlei lohnende Punkte aufzuweisen. Genannt seien hier vor Allem der Hirschstein mit seinem weithinleuchtenden weissen Kreuz und seinen höchst malerischen Blicken auf das Elsterthal und auf die anmuthig an dem Schlossfelsen gruppirte Stadt. Sodann besuche man den schon genannten Papiermühlenfelsen über dem Einfluss der Göltzsch in die Elster. Der »Guckkasten« giebt einen prächtigen Ausblick auf Stadt und Umgebung, der andere Punkt auf diesem Felsen, die »Schöne Aussicht« zeigt das romantische Göltzschthal.

Nach Zwickau zurück benutzen wir die Greiz-Brunner Eisenbahn (27 km).

57. Zwickau-Plauen (49 km).

Bis Joketa siehe Tour 56. Der Zug passirt die Elsterbrücke (rechts setzen), überschreitet dann den Fluss und die Elsterthalbahn nach Greiz zu. Kurz vor Plauen rechts der 431 m hohe Reinsberg.

Plauen. Deils Hotel. Blauer Engel. Fürstenhalle. Grüner Baum. Hotel Müller. Goldner Löwe. Stadt Dresden. (Letztere beiden Touristen empfohlen.) Zum Tunnel. Zur Quetsche. Bierquelle. Bierhalle. Merkels Garten. Zur Wolfsschlucht. Wartburg mit Garten. Centralhalle. In der Umgebung das Felsenschlösschen und das Bergschlösschen. Streits Bergrestaurant. 35 069 Einw. Zunahme seit 1875 22%, ein Satz, der in ganz Deutschland von keiner Stadt erreicht wurde. Am Bahnhof 410 m, am Bezirksgericht 355 m ü. M.

Vor 20 Jahren hatte die überaus gewerbthätige Stadt nur wenig mehr als den dritten Theil seiner heutigen Einwohner. Die Weisswaarenfabrikation Plauens gehört zu den grössten Gewerbsbranchen Sachsens und hat für ihre Artikel die spezielle Bezeichnung »Plauen'sche Waare«. (Gardinen, Jaconets, Batiste, Musseline und ähnliche Stoffe.) Die Musselinweberei, aus Schwaben und der Schweiz hierher verpflanzt, war ehedem unter strenger, gewerbepolizeilicher Controle; die sogenannten Schleierherren prüften jedes einzelne Stück und versahen nur diejenigen mit ihren Stempeln, welche als tadellos befunden waren. Grossartig hat sich die Plauen'sche Weissstickerei entwickelt, etwa 6000 Mädchen nähren sich durch Maschinen- und Handstickerei. Die Stickmaschine wurde 1857 eingeführt. Ausserdem besitzt Plauen Gerbereien und Färbereien. Die Plauen'sche Actienbrauerei producirt im Jahr 20,000 Hectoliter ihres beliebten Getränks. Wirthschaftlich wichtig sind auch die Viehmärkte zu Plauen mit einem Zutrieb von 15 bis 16 000 Rindern.

Sehenswürdigkeiten. Der hochgelegene Hradschin (Schloss) war ehemals Residenz der Landvoigte von Plauen; jetzt ist darin das Gerichtsamt untergebracht. Die doppelgethürmte Johanneskirche, 1430 von den Hussiten verwüstet, ist schön restaurirt worden; ein werthvolles Altargemälde von Prof. Mathäi. Die junge Stadt besitzt meist neue saubere Gebäude, von den älteren thut sich nur das Rathhaus mit altem Stadtwappen hervor.

Spaziergänge und kleine Ausflüge. Nach Streits Berg mit Gartenrest. und Aussichtsthurm. 1½ km. Nach der schöngelegenen Holzmühle im Syrathal; 3½ km nordwestlich der Stadt. Hübsche Aussicht gewähren sämmtliche Höhenzüge in der Umgebung, am umfassendsten ist die Rundschau vom sogenannten Kemmler, einer Triangulirungsstation (3½ km, Südosten), 507 m ü. M. Aussichtsthurm projectirt, den der herrliche Punkt auch wirklich verdient. Näher liegen das Felsen- und Bergschlösschen an der Strasse nach Hof mit anmuthiger Aussicht auf die junge, regsame Stadt. Sehr beliebt ist auch der Spaziergang durch das Knieloh und den Reusaer Wald nach Reusa. Unterwegs Lindentempel. 5 km. Knieloh ist ein Seitenthal der Elster. In diese Tour lässt sich auch ein Besuch des Kemmlers hereinziehen.