Bis Kommotau siehe Tour 35. Wir überschreiten ab Kommotau die kleine Terrainwelle, die die Biela von der Eger fernhält und zum selbstständigen Lauf in die Elbe zwingt.
Seestadtl. Kleines Städtchen mit freiem Ueberblick auf Erz- und Mittelgebirge; zu seinen Füssen breitet sich eine grosse Ebene, die Seewiesen genannt, aus; die ganze Fläche war ehemals ein See.
Die Weiterfahrt zeigt uns rechts den Rösselberg und den Brüxer Schlossberg.
Brüx. Ross. Hotel Burkhardt. Gutes Rest. im Bahnhof. Am Schlossberg beim Felgenhauer. Brüx ist eines des reichsten Gemeinwesen, es liegt am Knotenpunkt von 3 Bahnen und zählt gegen 8000 Einw., Land-, Kohlenfelder- und Waldbesitz. Zahlreiche Kirchen überragen die Stadt, welche drei Klöster beherbergt. Schöne Märkte, anmuthige Promenaden. Inter. altes Rathhaus. 4 km von der Stadt auf städtischem Gebiet brach 1877 ein neuer, warmer (20° R.) Sprudel hervor, der den Emser Wässern nahe kommen soll, ohne dass er bis jetzt hygienisch sehr ausgenutzt worden wäre. Lohnende, aussichtreiche Ausflüge nach dem Schloss- und Rösselberg und auf die vulkanischen Bergkegel gegen Bilin hin. (Touristisch noch wenig beachtet.)
Auf der Weiterfahrt durchschneiden wir die grossen Kohlenfelder. Rechts zeigt sich der seltsame Borcen, links Kloster Ossegg. Weiteres siehe Routennetz.
37. Chemnitz-Annaberg (53 km). Jöhstadt (11 km). Pressnitz (6½ km). Sonnenberg (8 km). Ruine Hassenstein (4 km). Kaaden (7 km). Klösterle (7 km). Schlackenwerth (23 km). Karlsbad (12 km).
Bis Annaberg siehe Tour 35. Mit der Wanderung von hier ab nach Königswalde lässt sich ein Besuch des Pöhlbergs verbinden. Nachdem wir das lange Königswalde passirt, steigt die Strasse auf das Kammplateau hinauf. (Vor Jöhstadt am Schiesshaus liegt die Strasse 807 m hoch.)
Jöhstadt. Stadt Leipzig. Stadt Prag. 2300 Einw. 789 m ü. M. Die Stadt hiess eigentlich Josephsstadt, sie ist eine jener 4 Bergstädte, die ihre Namen der heiligen Familie entlehnten. (Marienberg, Annaberg, Joachimsthal und Josephsstadt; Anna und Joachim waren bekanntlich Christi Grosseltern.) Spitzenklöppelei. Posamenten. Weisswaaren. Fabrikation künstlicher Blumen. Jöhstadt ist Wohnsitz einer grossen Zahl Hausirer. Zu Jöhstadt ward der Theolog und Dichter frommer Lieder, Johann Andreas Kramer geboren, der 1788 als Kanzler der Universität Kiel verstarb. Die Stadt, fast neu erbaut, macht einen freundlichen Eindruck, liegt aber auf unwirthlicher Höhe.
Weiter führt der Weg über Dürrenberg und Hegerhaus nach Pressnitz am finsteren basaltischen Hassberg vorüber. Der Kegel erhebt sich 990 m ü. M. und gewährt, seit er mehr abgeholzt ist, umfassende Blicke auf das ganze Centralgebirge vom Keilberg herab bis zu der norddeutschen Tiefebene. Das Kammplateau liegt auf eine weite Strecke frei vor dem Beschauer, leider deckt es das nahe böhmische Tiefland. Zeitaufwand 1½ bis 2 Std. Führer unnöthig.
Pressnitz. Zum Herrenhaus. Rössel. Thierfelders Rest. Am Markt das grössere Gebäude heisst das Schlösschen und gehört zur Herrschaft Pressnitz. Die Stadt ist Wohnsitz jener fahrenden Völkchen, welche mit Geige, Harfe und Guitarre aller Herren Länder durchziehen und die ihre Volksgesänge ertönen lassen im weiten Morgenlande wie auch im fernen Westen, bis in die Minenregionen Nevadas hinaus. Am häufigsten gehen sie nach Russland und in die Türkei. Die Pressnitzer sind ein gar gewecktes Völkchen von vieler Weltkenntniss; sie bilden Gruppen und ziehen unter einem Führer, der bei der Theilung der ersungenen Kupferschätze gewöhnlich für zwei gilt, hinaus, sie halten fest zusammen, sind verträglich und rivalisiren auch in ihren Kunstleistungen nicht mit einander, was freilich ihrer Kunst nicht sonderlich förderlich ist.
Das nahe Reischdorf, das wir nun passiren, zählt 2500 Einw., darunter viele Handelsleute. Das ehemals bedeutende Grossfuhrwerk ist seit Einführung der Eisenbahnen sehr zurückgegangen. Man erzählt sich von den unternehmenden Reischdörfern im Gebirg viel lustige Schwänke. Am Weg nach Sonneberg liegt der 908 m hohe Reischberg. (Sonneberg s. oben.) Von hier gehen wir über Dorf Platz nach der
Ruine Hassenstein, die grossartigste Ruine im Erzgebirge; sie soll auf einer alten heidnischen Opferstätte liegen. Hassenstein gehörte im 14. Jahrh. einem sächs. Edelmanne aus dem Geschlecht der Schönberge, welcher durch eine Verschwörung gegen Wenzel IV., wie böhm. Chroniken berichten, des Besitzes verlustig ging. Ein Nicolaus von Lobkowitz, der mit Vertreibung Schönbergs beauftragt war, erhielt die Burg zu Lohn und Lehn. Colossale Mauern und Thürme, grosse verfallene Burghöfe, alte Architekturstücke in Fenstern und Thüren und eine reizende Lage machen Hassenstein zu einer höchst inter. Ruinenstätte im Böhmerland.
Der Weiterweg führt uns durch das 4 km lange Brunnersdorf. (An der Kirche Fischer's Gasth.) Bahnstat.
Kaaden an der Eger. Sonne. Grüner Baum. Zur Klosterbrauerei. 5000 Einw. Uralte Stadt von schönen Anlagen umgeben. Franziskaner- und Ursulinerinnenkloster. Man besichtige das alte Rathhaus mit seinen Lauben und das sehr alte Stadtthor. Reiche Ackerbaugegend, wohlhabende Bevölkerung.
Ein schöner Fussweg führt der Eger entlang hinauf nach Klösterle. Unterwegs liegt Roschwitz (Fähre. Ruine Leskau). Näheres siehe unter Klösterle.
38. Chemnitz-Annaberg (53 km). Oberwiesenthal (20 km). Gottesgab (4 km). Joachimsthal (6 km). Schlackenwerth (6 km). Karlsbad (12 km).
Bis Annaberg und Cranzahl s. Tour 35. Von hier an der Sehma aufwärts nach Neudorf. Gasth. unfern der Kirche. Bei der obersten Mühle geht der sogenannte Vierensteig ab. (Die Forstabtheilung ist Nr. 4.) Dunkle Waldungen nehmen uns auf. Starke Steigung. An der höchsten Stelle der Strasse treten wir plötzlich ins Freie. Hier links die Rothe Vorwerk-Schenke, rechts führt eine Waldschneusse direct hinauf zum Thurm des Fichtelberges. Wer sich noch frisch fühlt, benutze die einmal gewonnene Höhe, denn Wiesenthal liegt vom Fichtelbergthurm entfernter.
Oberwiesenthal. 918 m ü. M. Deutscher Kaiser. Rathhaus. Stadt Karlsbad. 2000 Einw. Unterwiesenthal 900 Einw. Böhmisch Wiesenthal 1000 Einw. Alle drei aneinander liegenden Orte besitzen Stadtgerechtigkeit. Oberwiesenthal, das 1851, 62 und 77 von starken Bränden heimgesucht wurde, ist fast neuerbaut. Stattliche Kirche. Posamenten. Stecknadelfabrikation. Klöppelei feiner Spitzen. Oberwiesenthal ist die höchste Stadt in Sachsen und im Reich. Näheres siehe des Verfassers Aufsatz Gartenlaube 1879 Nr. 11.
Der Fichtelberg. Sachsens höchster Berg erhebt sich 1213 m ü. M. (mit Thurm 1220 m), ist mithin 56 m höher wie der Brocken. Zu seinen Füssen liegt Wiesenthal im Pöhlthal und auf der anderen Seite das einsame Dorf Tellerhäuser. Der Thurm ist auch ohne Schlüssel besteigbar, da die Treppe dankenswerther Weise aussen angebracht ist. Die Ausschau auf die nördliche Abdachung des Gebirges ist fast unbeschränkt. Die Grenzen bilden das Fichtelgebirge bei Waldsassen, die Thüringer Vorberge, die Hohburger Schweiz bei Wurzen, im Nord-Osten liegen die Höhen des östl. Erzgebirgs und im Osten und Südosten taucht das Mittelgebirge mit dem Millischauer auf. Der Süden ist leider von dem mächtigen Rivalen Keilberg gedeckt. Frei aber liegt so ziemlich der ganze Kamm des Erzgebirgs mit seinen gewaltigen Bastionen. Der Doppelrücken des Berges, ehedem ganz kahl, ist mit ungeheueren Mühen wieder beforstet worden; freilich sind viele der kleinen Bäumchen schon über 20 Jahre alt. An den Gehängen des Berges entspringt die Zschopau, das Schwarzwasser, die Sehma und die Pöhl. Gasthaus mit meteorologischer Stat. wie auf dem Brocken wäre höchst wünschenswerth.
Wer nach Gottesgabe will, steigt am südlichen Gehäng nieder nach dem Neuen Haus an der Strasse Oberwiesenthal-Gottesgab. Dasselbe liegt 1092 m ü. M. und unfern der Grenze. Es nennt sich jetzt Gasthaus am Fichtelberg und sein Besitzer wurde dem König Albert gelegentlich einer Königsreise als »allerhöchster Unterthan« vorgestellt.
Gottesgab. Zum grünen Baum. 1700 Einw. Spitzenklöppelei. Tüllnäherei. Damenschuhstickerei auf Glanz- und Saffianleder. Gottesgabe entsendet viele der bekannten böhm. Musikanten auf Messen und Jahrmärkte, es ist die höchste Stadt Böhmens (erst seit 1547 böhmisch geworden) und liegt in überaus rauher Lage, welche selbst Hafer- und Kartoffelbau häufig unmöglich macht.
Anmerkung. Der höchste Berg des Erzgebirgs, der 1238 m hohe Keilberg, ist gegenwärtig verwachsen. Von dem Thurme, der sich einst hier erhoben, stehen nur noch die Grundmauern, der Holzbau ist von böswilliger Hand in Asche gelegt worden. Eine Besteigung lohnt sich mithin vorläufig nicht. Für den Fall, dass der grossartige Aussichtspunkt wieder der Touristik zu Diensten gestellt wird, sei folgende Tour in Vorschlag gebracht: Man geht vom Weissen Haus oder von Gottesgabe aus auf die Sonnenwirbelhäuser, welche 1134 m hoch liegen und die höchste Ansiedelung in Böhmen und im Erzgebirge sind. (Rothe Nasenspitzen sind hier selbst im Hochsommer nichts Seltenes.) Von hier zum Gipfel des Keilbergs 3½ km.
Beide Berge, Fichtel- und Keilberg, ergänzten sich früher, als noch der Thurm auf letzterem nicht abgebrannt war. Der Norden ist zwar durch den Fichtelberg gedeckt, dafür liegt aber der Süden um so freier. Das Egerthal auf viele Meilen, das Fichtelgebirge, das Karlsbader und Duppauer Gebirge, der ferne Böhmerwald, das Teplitzer Mittelgebirge, die Ebene von Saaz, der lange Kammrücken des Gebirges selbst, die colossalen Waldregionen im Westen und das östl. Erzgebirge waren sichtbar. In südöstlicher Richtung sah man die Hauensteine, die als nächstes Ziel galten. Am Weg nach den Hauensteinen, die noch heute eine herrliche Fernsicht gewähren, liegt an der Strasse Gottesgabe-Kupferberg der sogen. Reitförster mit einem Mauthhaus, in welchem auch Schank betrieben wird. (Man nennt die Hauensteine auch Wirbelsteine.) Die Felsengruppe ist unschwer zu finden; man besteige die südöstl. Ecke, welche die gleichen Gegenden wie der Keilberg zeigt, nur sind die Landschaftsbilder abgeschlossener, wenn auch bei Weitem nicht so umfassende. Man geht von hier über Hitmesgrün nach Schloss Hauenstein hinab (5 km). Mit Führer lässt sich von den Hauensteinen eine inter. Tour über Bocksgrün nach der Ruine Himmelstein unternehmen. Man berührt dabei das sogenannte steinerne Meer. Groteske, subalpine Naturbilder.
Zum Schluss sei der Keilberg, der vornehmste Aussichtspunkt des Erzgebirges, den sächsischen wie den böhmischen Gebirgsvereinen für das Erzgebirge zur erneuerten Aufschliessung dringend empfohlen![2]
Von Gottesgabe nach Joachimsthal senkt sich die Strasse rasch. Die Ebereschen, die Wahrzeichen rauher Höhen, werden schon hier und da von Rosskastanien abgelöst.
Joachimsthal. Stadt Dresden. Wilder Mann. 6000 Einw. 721 m ü. M. Die Stadt liegt trotz ihrer Höhe mild, da das Thal nach Süden offen ist. Nicht unbedeutender Bergbau auf Uran- und Silbererze, deren jährlicher Werth sich auf 80 000 resp. 17 000 fl. beläuft und die sämmtlich in Freiberg zur Verhüttung gelangen. Grosse k. k. Cigarrenfabrik, welche 700 Personen beschäftigt und gegen 10 000 Ctr. Tabake verarbeitet. Klöppelei. Handschuhfabriken. Korkschneiderei.
Joachimsthal war einst ein Hort der Reformation. Mathesius lebte hier als Pfarrer, Melanchthon besuchte zum Oefteren die Bergstadt, wobei die Joachimsthaler Lateinschüler classische Komödien vor ihm aufführten. Die Thaler, die sich trotz der Mark hartnäckig behaupten, verdanken ihren Namen der Stadt; sie hiessen früher Jochimsthaler. In der Nähe der Stadt liegt die Burg Freudenstein, wo einst die Grafen Schlick »freudige Residenz« hielten. Am 31. März 1873 suchte ein furchtbarer Brand die Stadt heim, der auch die alte sehr inter. Bergkirche in Asche legte und werthvolle Gemälde von Kranach und Dürer mit verzehrte. Die Kirchenbibliothek mit künstlerisch ausgeführten Incunabeln wurde gerettet. Seit dieser Zeit ist die Stadt zum grössten Theile neu erstanden. Der böhm. Dichter Ritter von Hansgirg lebte hier als Bezirkshauptmann. (1877 verstorben.) Man besuche das idyllische Grab dieses edlen Humanisten und trefflichen Poeten.
Die Strasse verlässt das Gebirge unterhalb Joachimsthal, ohne umfassende Blicke auf Böhmen gewährt zu haben. Schlackenwerth und weiter s. S. 98.
39. Chemnitz-Burkhardsdorf (über Harthau 13 km, per Bahn 19½ km). Thum (8 km). Greifenstein (3½ km). Geyer (4 km). Annaberg (8½ km).
Bis Burkhardsdorf siehe Routennetz. Ab Burkersdorf steigt die Strasse energisch und erreicht am Gelenauer Gasthof 609 m Seehöhe. Gelenau, das wir nur im oberen Theile berühren, zählt 6000 Einw. Spitzenklöppelei, Strumpfwirkerei. Am Forsthaus an der Strasse schöne Fernsicht hinauf nach dem Obererzgebirge und auf den nahen Greifenstein.
Thum. Rathskeller. Thierfelders Rest. Schiesshaus. 3700 Einw. Am Pfarrhaus 512 m ü. M. Strumpfindustrie auf Strickmaschinen. Posamenten. Feldbau. Neben Arsenkies im Glimmer findet man hier ein Mineral, den Thumit, von dem ein zweiter Fundort bis jetzt nicht bekannt ist. In der Nähe der Stadt fand am 25. Jan. 1648 ein lebhaftes Gefecht statt, das letzte des 30-jähr. Krieges auf sächs. Erde. Ein Denkmal an der Strasse nach Ehrenfriedersdorf erinnert daran. Im Volksmund heisst der benachbarte Wiesenzug hinab nach Herold »das Elen«, eine Bezeichnung, die man mit jenem Gefecht in Verbindung bringt, doch scheint es nicht unmöglich, dass sie keltischen Ursprungs ist. Im sog. Hofbusch über dem »Elen« Felsgruppen, die durch Wege zugänglich gemacht sind.
Der directe Weg auf den Greifenstein führt an einigen Bergzechen vorüber, man kann auch die Strasse nach Geyer durch Jahnsbach gehen. Im Wald zeigt links ein Wegweiser hinauf.
Der Greifenstein oder die Greifensteine erheben sich 731 m ü. M., es sind bizarr geformte Granitkegel, die ziemlich unvermittelt auf einem Gneisrücken aufsitzen, sie nähern sich in ihrer Erscheinung den Sandsteinbildungen der Sächs. Schweiz, Quader ruht senkrecht auf Quader, einige hängen sogar über. Zwei sind ersteigbar und oben durch Brücke verbunden. Triangulirungsstat. Am Fuss Gasthaus. Die Aussicht ist auf dem Nordabhang des Erzgebirges die umfassendste. Wir überschauen den Kamm mit dem Fichtel-, Keil- und Hassberg. Näher liegen der Scheibenberg, der Pöhlberg und der Bärenstein. Im Norden liegt der Hohensteiner Kapellenberg, die Wüstenbrander Höhen mit der Kirche des Dorfes, der Rochlitzer Berg, der Kolmberg bei Oschatz und der Hengstberg, auch die Thürme von Oschatz sind sichtbar. Ferner sehen wir die Schlösser Frauenstein, Augustusburg und Sachsenburg, die Städte Oederan, Thum, Schlettau, Annaberg, Scheibenberg, Hohenstein und eine grosse Zahl Dörfer; von Sayda, Marienberg und dem nahen Geyer sind wenigstens die Thürme sichtbar. An den Felsen wächst Leparia Jolinthus, die Veilchenflechte, die durch Anfeuchten wohlriechend wird. In der Nähe Steinbrüche, in denen der Granit zu Werkstücken verarbeitet wird.
Ein hübscher Waldweg führt hinab nach Geyer. Links liegt Walthers Höhe, ein Rest. auf dem 698 m hohen Schlegelberg. Schöne Aussicht auf das Obererzgebirge, doch nicht so umfassend wie vom Greifenstein.
Geyer. Rathhaus. Weisses Ross. 4900 Einw. 494 m ü. M. Posamenten. Strumpfindustrie. Hausirhandel. Der früher blühende Bergbau auf Silber ist ganz zum Erliegen gekommen. (Der Zinnbergbau soll wieder aufgenommen werden.) Am 11. Mai 1802 entstand dicht vor der Stadt eine 40 m tiefe Binge, die grösste nach der Altenberger. (Amethistkrystalle.) Die Geyersche Glocke sprang während des Sturmläutens beim Prinzenraub, worauf sie Friedrich der Sanftmüthige umgiessen und mit der Darstellung des Prinzenraubes schmücken liess. Grosse Brände 1854, 1862 und 63 haben die Stadt fast ganz eingeäschert, daher nur neue Gebäude sichtbar sind. Hübsches Rathhaus.
Wir gehen an der Binge vorüber hinab nach Siebenhöhen zu. (Die alte Spinnerei mit ihren grossen Ecksäulen erbaute Eli Evans, ein Engländer, der sich um Sachsens Baumwollenindustrie Verdienste erworben.) Beim Tanneberger Rittergut links alte Thurmruine von Wasser umgeben. Ueber den Berg am Sauwaldgut vorüber ist der Weg nach Annaberg näher, bequemer geht man im Thale fort. Annaberg s. S. 91.
40. Chemnitz-Dittersdorf (13½ km). Herold (9 km). Ehrenfriedersdorf (4 km). Annaberg (9½ km).
Bis Dittersdorf siehe Routennetz. Von hier steigt die Strasse (am Dittersdorfer Schloss vorüber) bis zur Weisbacher Schenke, um sich dann ins Wiltzschthal hinabzusenken. Hier liegt Untergelenau (Gasth. zur Katze). Im Herolder Thalzug weiter durch das industrielle Herold (Kalkbrüche) am vielbesuchten Waldschlösschen vorüber.
Ehrenfriedersdorf. Rathskeller. Deutscher Kaiser. Stadtgemeinde von 3900 Einw. Posamenten. Klöppelei. Früher starker Bergbau auf Zinn und Silber, jetzt nur auf Zinn und Arsenkies. Grossartige Halden an dem stark durchwühlten Sauberg zeugen von der Bedeutung des alten Bergbaues (Krystalle). 1568 fand man in einem Schacht die wohlerhaltene Leiche eines Bergmannes, der 1407 verschüttet worden war. Die Reformation war inzwischen eingeführt worden und so beerdigte man den katholischen Bergmann nach luth. Ritus. Das Andenken an diese lange Schicht wird alljährlich Montag nach Ostern durch eine bergmännisch-kirchliche Feier wach erhalten. Die Stadt ist nach dem Brande 1866 fast neu erbaut worden.
Die Strasse steigt nun am Kegelberg hinauf (am Strassenkreuz 600 m ü. M.). Wo sie sich nach Schönfeld hinab senkt, schöne Aussicht auf das Zschopau- und das Sehmathal und auf Annaberg mit dem Pöhlberg. In Schönfeld Gasthaus. Beim Herrenhaus des Rittergutes Anlagen. Das weite grüne Thal ist ein liebliches Idyll. Nachdem der Thalzug am Zusammenfluss der Sehma und der Zschopau passirt, hebt sich die Strasse sehr stark. Von der 596 m hohen Stelle, wo wir die Wolkenstein-Annaberger Strasse erreichen, liegt links 1 km entfernt die Riesenburg, ein Gut, welches ehemals dem Rechenmeister Adam Riese zugehörte.
41. Chemnitz-Geyer (35 km). Elterlein (7 km). Grünhain (4½ km). Schwarzenberg (über den Fürstenberg 8 km).
Von Chemnitz nach Geyer siehe Tour 39. Eine hochgelegene Chaussee führt von Geyer an dem 684 m hohen Fuchsstein und an dem düsteren, mit rostbraunem Wasser gefüllten Grosseteich vorüber nach
Elterlein. Sonne. Rathskeller. 610 m ü. M. 2400 Einw. Nägel- und Blechlöffelfabr. Klöppelei. Gerberei. Hausirhandel. Im Nordwest (3 km) liegt der 763 m hohe Schatzenstein, ein ziemlich isolirter Fels mit umfassender Aussicht auf das ganze Centralgebirge.
Aehnliche Aussicht wie der Schatzenstein gewährt ein Ausläufer des Glasbergs (nur 1 km von der Stadt) und auch schon der Strassentract, der bis 689 m ansteigt und den wir nach Grünhain benutzen.
Grünhain. Rathskeller. Löwe. Rest. zur Klostermühle. An der Kirche 631 m ü. M. 2000 Einw. Klöppelei. Schmiedereien für Fensterbeschläge und Löffel. Blechspielzeug. Correctionsanstalt für Frauen. In der alten Klosterstadt Grünhain hausten bis 1553 Cistercienser, ihr Kloster war 1236 gestiftet. Ausser den Umfassungsmauern sind nur noch karge Ueberreste davon vorhanden, so die unteren Geschosse des Fuchsthurmes. Einiges Gemäuer im Klosterwäldchen erinnert an die ehemalige Klosterkirche. Im Fuchsthurm soll Abt Liberius den Prinzenräuber nach seiner Gefangennahme inhaftirt haben. Der befreite Prinz Albrecht wohnte in der Schösserwohnung. Der Abbruch des Klosters geschah nach der Zerstörung Grünhains 1632 durch General Holke, indem die Bürger die inter. Ruinenstätte als Steinbruch benützten.
Nahe der Stadt im Südwest liegt der 727 m hohe Spiegelwald, einer der besten Aussichtspunkte auf dem nördl. Abdachungsgebiete des Gebirges. Die Section Schwarzenberg des Erzgeb. V. errichtete hier ein Schaugerüst, das durch einen Thurm thunlichst bald ersetzt werden soll. Die Aussicht umfasst den Kamm des Gebirges, mehrere tief eingeschnittene Thalzüge, sämmtliche Höhen des Centralgebirges und die Abdachung bis hinab zum Rochlitzer Berg. König Albert sprach hier gelegentlich einer Königsreise 1880 die denkwürdigen Worte: Möge der Wanderer sich recht oft von dieser Stätte aus der Werke der herrlichen Gottesnatur erfreuen und möge er stets dabei auf ein glückliches und zufriedenes Land schauen.
Anmerkung. Auch die Strassen über Bernbach oder auch über Beierfeld gewähren höchst überraschende Thalbilder. (Schwarzwasserthal.)
Wir gehen nun den Vörtelsweg am Loreleifelsen vorüber nach dem historisch berühmten
Fürstenberg (liegt von Waschleithe nach Haide rechts). Dieser Berg wird als die Stelle bezeichnet, wo am 8. Juli 1455 der Köhler den Prinzen Albrecht befreite und Kunz von Kauffungen gefangen nahm. Ein Granitobelisk über dem Fürstenbrunnen von 9½ m Höhe verewigt die Begebenheit. (1822 errichtet.) Am Fürstenberg wird Marmor gebrochen, den man zu Kalk verwendet. Am südl. Abhang der Graul, der mit seinen Halden und Kauen ein echtes Bergbild darbietet. Im Thal beim Dörfchen Haide liegen die spärlichen Ruinen der Oswaldskirche (Dudelskirche). Die Sage erzählt, ein Bergherr, Casper Klinger, habe sie zur Entsühnung eines Brudermordes erbauen wollen, der Böse sei jedoch dagegen gewesen und habe stets zur Nachtzeit das Aufgemauerte wieder abgebrochen.
Ein schöner Weg durch Wälder bringt uns nach Wildenau und Schwarzenberg. (4 km.) Siehe Routennetz.
42. Chemnitz-Annaberg-Buchholz (58 km). Schlettau (alte Strasse, 3½ km). Scheibenberg (4 km). Raschau (6½ km). Schwarzenberg (4 km).
Bis Buchholz siehe Tour 35. Die neue Strasse nach Schlettau weniger aussichtsreich ist 1½ km länger, wie die alte.
Schlettau. Rathhaus. Goldner Bock. Rest. zum Schützenhaus. Das freundliche Städtchen, eine alte slavische Ansiedlung, liegt 563 m hoch im breiten Thalkessel der hier noch jugendlichen Zschopau. 2500 Einw. Feldbesitz. Posamenten. Flachsbereitungsanstalt. Das Schlettauer Schloss ist ein wenig imposanter Bau.
Nun stark bergauf nach Scheibenberg.
Scheibenberg. Rathskeller. Zum Reichsadler. Rest. Schiesshaus. 2400 Einw. 673 m ü. M. Das regelmässige gebaute Städtchen liegt am Fusse eines Basaltkegels, Scheibenberger Hübl genannt und wurde 1522 in Folge reicher Silber- und Kobalterz-Funde gegründet. Der Bergbau wird indess nur noch schwach betrieben. Posamenten. Klöppelei. Cigarren- und Schwefelholzfabrikation. Der 805 m hohe Scheibenberg, der leicht zu ersteigen ist, öffnet das ganze Centralgebirge den Blicken. Imposant erscheinen besonders von hier aus der Fichtelberg, die grossen Crottendorfer, Johanngeorgenstädter und Schwarzenberger Waldregionen. (Am Berg Basaltbrüche.)
Anmerkung. Eine inter. Tour (mit Spezialkarte) ist über Crottendorf die alte Joachimsthaler Strasse nach dem Fichtelberg (17 km). In Crottendorf Marmorbrüche, welche Bildhauer Nosseni unter Christian I. zuerst benutzte. Weiter hinauf echte und gerechte Gebirgswälder, die sich links und rechts unabsehbar ausbreiten. (Man kann vom Gipfel des Scheibenberges direct auf Crottendorf zugehen.)
Von Scheibenberg ab senkt sich die Strasse nach dem starkbesiedelten Raschauer Grund, der in Folge seiner geschützten Tieflage das mildeste Klima des Obererzgebirges aufzuweisen hat. Wir berühren Ober- und Niederscheibe, Markersbach, Mittweida und Raschau. Hier mündet das Pöhlathal von Rittersgrün her. 2300 Einw. Bad Raschau. Raabe's Gasth. (Schwarzenberg, siehe Routennetz.)
43. Chemnitz-Thalheim (27 km). Zwönitz (9 km). Aue (14 km). (Bahnroute.)
Bis Burkhardsdorf siehe Routennetz. Auch hinter Burkhardsdorf bleiben wir im Thal der Zwönitz, berühren Meinersdorf, das grosse hübschgelegene Thalheim und Dorfchemnitz.
Anmerkung. Von Station Dorfchemnitz lässt sich bequem eine Tour durch den Geyer'schen Wald nach dem Greifenstein unternehmen (8 km). Man geht mit Spezialkarte am Rothen Ochsen (war abgebrannt) und dem Freiwaldgut vorüber. Greifenstein siehe Seite 109.
Von Station Dorfchemnitz starke Steigung (1 zu 50) auf die Höhenzüge bei Zwönitz. (Bahnhof von der Stadt 1 km.)
Zwönitz. Viehwegs Gasth. Blauer Engel. Ross. Rest. zum Feldschlösschen. Schiesshaus. (Am Schulhaus 527 m ü. M.) 2800 Einw. Schuhmacherstadt. Klöppelei. Klempnerei. Weberei. Pressspahnfabrik. Sehenswerthes Kriegerdenkmal.
In weiten Curven windet sich die Bahn, von der aus man schöne Aussicht auf die Höhen bei Schwarzenberg und Schneeberg, und auf das Lössnitzthal geniesst, hinab nach Lössnitz. Diese Strecke nennt man den Sächsischen Semmering. Fall 1 zu 40.
Lössnitz. Deutsches Haus. Rathhaus. Anker. Schiff. 5800 Einw. 421 m ü. M. Die Stadt gehört zu den ältesten slavischen Ansiedlungen im Erzgebirge und steht unter der Herrschaft Hartenstein. Tuch-, Seiden- und Baumwollenweberei. Klöppelei und Stickerei. Grosse Stadtkirche, goth. Hospitalkirche, die aus den Erträgnissen des städtischen »Gotteswaldes« erbaut wurden. Kriegerdenkmal. In der Nähe grosse Dachschieferbrüche, die einer Actiengesellschaft gehören. (150 Steinbrecher.) Vom hochgelegenen Schiesshaus prächtige Aussicht auf das Obererzgebirge.
Anmerkung. Die Lössnitzer Section des Erzgeb. Vereins empfiehlt ab Lössnitz dankbare kleine Ausflüge. (Tafeln in den Gasthöfen und im Bahnhof.) Die Prinzenhöhle liegt 5 km von hier, man geht dahin über Alberode. Siehe Seite 120.
Der Bahnkörper, wirklich inter. angelegt, überwindet den starken Fall (1 zu 40) in weiten Curven, geht an den Schieferbrüchen vorüber, und gewinnt durch einen anmuthigen Grund das Muldenthal. Aue siehe Routennetz.
44. Chemnitz-Stollberg (19 km). Thierfeld (8 km). Hartenstein (2 km). Stein (1½ km).
Man geht die aussichtsreiche Strasse über das Eichhörnchen oder durch Harthau an Schloss Neukirchen vorüber. Siehe Routennetz. Stollberg siehe Seite 67. Ab Stollberg über Höhen nach Neuwiese, Neuwittendorf und Thierfeld. Auf dem Gottesacker dieses Dorfes besuche man das inter. Denkmal eines Reiteroffiziers, der unglaublich viel erlebt hat. (Näheres besagen die Inschriften. Das auffällige Denkmal steht in einer Ecke an der Gottesackermauer.)
Hartenstein. Weisses Ross. Zum Rathskeller. Schiesshaus. 2700 Einw. 339 m ü. M. Weberei. Strumpfindustrie. Ackerbesitz. Im fürstl. Schönburg'schen Schloss, das ein ziemlich einfacher Bau ist, inter. Ahnensaal mit Bildnissen. Hartenstein ist Hauptort der gleichnamigen Herrschaft, die sich in früheren Jahrhunderten bis Böhmen erstreckte; sie gehörte den Burggrafen von Meissen und kam durch Heirath an das Haus Schönburg. Am 17. Oct. 1609 wurde im Pfarrhaus Paul Flemming, der Dichter und Weltreisende geboren. (Gest. 1693 in Hamburg.) Sein Geburtshaus schmückt eine Denktafel.
Nun im Thalzug hinab ins Muldenthal nach Stein. Weiter siehe Routennetz.
45. Chemnitz-Hohenstein (19 km). Glauchau (15 km). Zwickau (16 km).
Diese Bahnroute fand bis St. Egidien bereits Beschreibung. S. Routennetz.
Glauchau. Deutsches Haus. Stadt Hamburg. Stadt Dresden. Rest. Jänichen. Felsenkeller. Actienbrauerei. Kretzschmar. 21 363 Einw. Am Bahnhof 246 m ü. M. Die Stadt zeigte 1880 abermals eine geringe Abnahme ihrer Bevölkerung, was man der Annection des Elsasses zuschiebt, weil dadurch ähnliche Industrien in Deutschland einbezirkt worden sind. Der Hauptort der Schönburg'schen Recessherrschaften liegt auf einer Anhöhe über der Mulde, auf der auch zwei Schönburg'sche Schlösser, Vorder- und Hinterglauchau thronen. Hübsche städt. Anlagen. In der Kirche Silbermann'sche Orgel. Georg Agricola wurde 1494 hier geboren. Die Gewerbthätigkeit Glauchau's und Meerane's, der nahen, fast gleichgrossen Schwesterstadt, erstreckt sich hauptsächlich auf die Textilbranchen. Man webt Kleider- und Mäntelstoffe. Färberei. Druckerei. Bleicherei. Eigenartig ist die Korbflechterei, welche sich auf die grossen Weidenplantagen, die »Zennen«, in der Muldenniederung stützt. (Kinderwagen, Rohrmöbel, Tragkörbe.) In der Kirche zu Jerisau (2 km) hängt ein Portrait Kaiser Karls V., welches der Kaiser selbst in Anlass einer Uebernachtung im Pfarrhaus 1547 dem Pfarrer schenkte.
Die Bahn gewinnt bei Glauchau das weite, anmuthige Muldenthal, lässt jedoch den Fluss weit links und geht an Mosel vorüber.
Zwickau. Zur Post. Grüne Tanne. Deutscher Kaiser. Goldner Löwe. Hotel Wagner. Weintraube (billig). Rest.: Zur Quetsche. Zur Bleibe. Schwan. Bierhalle. Centralhalle.
Sommerwirthschaften. Schwanenschlösschen über dem Schwanenteich mit aussichtsreicher Terrasse. Concertgarten Gambrinus. Zum Badegarten. Bergkeller an der Mulde. Bergschlösschen auf dem Brückenberg mit trefflicher Aussicht.
Cafés. Café Germania (sehr grossstädtisch). Café Carola. Adam. Buschbeck. Stephan. Metzner's Weinstube. Stadttheater im Gewandhaus. Victoriatheater im deutschen Kaiser.
Omnibus vom Bahnhof 20 Pf., nach Kainsdorf 20 Pf.
35 135 Einw. 267 m ü. M. Die »Schwanenstadt« liegt im Muldenthal, dessen rechtsseitige Gehänge steil sind und dadurch der Landschaft besondere Anmuth verleihen; Zwickau ist Kreishauptstadt und Sitz eines Appellationsgerichts; ihre hohe wirthschaftliche Bedeutung verdankt sie in der Hauptsache den vortrefflichen Kohlenflötzen, welche sich in der Vorzeit hinter dem Durchbruch der Mulde durch das Gebirge abgelagert haben. Das Gemeinwesen besitzt selbst Kohlenwerke und ist dadurch ein sehr wohlhabendes geworden. Die Mächtigkeit der Flötze steigt bis zu 24 m und auf sie stützt sich die grossartige Industrie im ganzen westl. Sachsen. In Zwickau selbst sind neben dem Bergbau zahllose Etablissements, darunter Ziegeleien, Koaxbrennereien, Maschinenfabriken, Giessereien, Porzellan-, Papier- und Glasfabriken entstanden, die der Kohlen halber hier Boden fassten. Man fördert gegenwärtig circa 42 Millionen Centner im Jahr. Die Schachttiefen reichen bis zu 760 m. 5000 Pferdekräfte im Dampf, 400 Beamte und 9000 Bergleute halten die Schächte im Betrieb. Gegen 60 Kohlenzüge verlassen täglich den Zwickauer Bahnhof, dessen Gleisanlagen mehrere deutsche Meilen lang sein würden, wenn sie nicht nebeneinander lägen.
Geschichtliches. Zwickau ist eine sehr alte sorbische Ansiedlung. (Zwickowa.) 1118 erhielt es die Gräfin Bertha von Groitzsch zu Lehen, von dieser vererbte es auf ein Mitglied der Fürstenfamilie Wettin. 1290 ward die Stadt reichsunmittelbar. 1348 gelangte sie abermals in den Besitz der meissnischen Markgrafen. Als der Schneeberger Bergbau in Aufnahme kam, wurden die Erze von dort zumeist in Zwickau verhüttet, auch betheiligten sich Zwickauer Bürger an den Silberbergwerken und gelangten zu grossem Reichthum. 1520 bis 22 lebte Thomas Münzer hier als Pfarrer, und Luther selbst musste herbei, um die durch den »Schwarmgeist« erregte Menge zu beruhigen. Im 30jähr. Krieg sank die Stadt von 10 000 Einw. auf 4000 herab und sie blieb bis vor circa 60 Jahren unbedeutend, bis das Zeitalter der Dampfkessel hereinbrach und den Werth der »Schwarzen Diamanten« und damit die Bedeutung Zwickau so ausserordentlich steigerte.
Sehenswürdigkeiten. Die gothische Marienkirche, schon 1118 fertig gestellt, ist wiederholt abgebrannt, so dass verschiedene Jahrhunderte sich daran versucht und sich zum Theil versündigt haben. Von den 24 Altären aus der Zeit vor der Reformation ist nur einer übrig, ein sehr schöner Flügelaltar mit Gemälden und Schnitzereien aus der Wohlgemuth'schen Schule. In der Taufhalle ein Kranach. Inter. Glasmalereien in dem Erbbegräbniss der Familie von Bose. In der Sakristei kunstvoll geschnitztes heiliges Grab von Veit Stoss (1507). Ferner originelle Doppeltreppe von Stein. Unter den älteren Grabmälern verdient das des Bergherrn Martin Römer Beachtung. In der sogenannten Götzenkammer neben der Orgel (eine Art Alterthumskabinet) mancherlei Sehenswerthes.
Die goth. Katharinenkirche besitzt gleichfalls Kranach'sche Bilder. Alterthümliche Bauten sind das Rathhaus und Gewandhaus, sowie das Gymnasium mit sehenswerther Aula. (Grosse Bibliothek, 20 000 Bände, 1857 entdeckte man eine Hans Sachs'sche Handschrift seiner Gedichte, ferner liegt hier werthvolles Material für die Reformationsgeschichte aufgestapelt, das der Hebung harrt.)
Die Richterstiftung, innere Dresdner Str. 2, besitzt eine reiche Sammlung einheimischer Mineralien, darunter seltene Versteinerungen aus den Zwickauer Kohlenflötzen. Sonntags geöffnet von 11–½1 Uhr. Im Kunstvereinsgebäude, Marienkirchhof 2, kunstgewerbliche Sammlungen. In den oberen Sälen Oelgemälde, Kupfer- und Stahlstiche. Eintritt 50 Pf. sofern man nicht durch Mitglieder eingeführt wird. Das hübsche Kriegerdenkmal steht vor dem Gymnasium; am Markt 5 ein Medaillonbild Robert Schumanns, des Componisten, der in diesem Hause geboren ward. Das Medaillonportrait Dr. Ungers am Kreiskrankenstift entwarf Prof. Johannes Schilling.
Das alte Schloss Osterstein ist als Landesgefängniss eingerichtet, es beherbergt etwa 1500 Correctionäre und ist darum schwer zugänglich.
Spaziergänge. Die alten Festungswälle rings um die Stadt sind in schöne Anlagen umgewandelt worden. Der schönste Spaziergang ist indess derjenige nach dem Schwanenteich und Schwanenschlösschen. Der Teich hält 17 Hectare Grundfläche, ist mit herrlichen Anlagen umgeben, von vielen eleganten Gondeln und sogar von einem kleinen Dampfboot, wie auch von einer grossen Zahl fremder und einheimischer Wasservögel belebt. Vom hochgelegenen Schwanenschlösschen schöne Aussicht auf Stadt und Umgebung.
Ferner sind zu nennen: Promenade am rechten Muldenufer bis zur Pölbitzer Brauerei (3½ km). Nach dem Windberg an der Strasse nach Werdau (349 m). Schöner Blick auf Stadt und Umgebung. Nach Bellevue und Pöhlau. Nach der Heringsbrauerei, rechts an der Mulde gelegen (nur 1½ km). Nach den Bergkellern, dann durch den Amselgrund nach Eckersbach. Hier hübsche Anlagen und das Trillergut, das der wackere Köhler Triller vom Landesherrn als Freigut für die Rettung des Prinzen Albrecht erhielt. Zurück geht man über den 335 m hohen Brückenberg. (Hin und zurück 5 km.)
Ausflug nach der Marienhütte (4 km). Kainsdorf, zu welchem die Marienhütte gehört, zählt 2860 Einw. Die Hüttenwerke zählen zu den grössten Deutschlands. 80 Beamte. 1700 Hüttenarbeiter. 400 Kohlenbergleute. Die Frachtenbewegung ersteigt die Riesenziffer von 250 000 000 Kilo. Man verladet und empfängt pro Woche etwa 1000 Waggons und Lowrys. Besonders interessant ist die Schienenfabrikation und die Bessemerstahlbereitung. Von der Marienhütte wandert man nach Planitz. 10 000 Einw. Hier ist ein Kohlenflötz seit Jahrhunderten in Brand, d. h. es schweelt im Erdinnern. Zuweilen steigen Dämpfe auf. Schnee bleibt auch bei strenger Kälte auf der immergrünen Rasendecke nicht liegen. In den Treibhäusern des Rittergutes benützt man diese natürliche tropische Wärme zur Erzeugung einer herrlichen Flora. Bockwa, dicht an Kainsdorf gelegen, dürfte wohl das reichste Dorf Deutschlands sein. Die Bauern, durch die Kohlenschächte reich geworden, wohnen in prächtigen Villen, Gas erleuchtet die Dorfgassen und die stattliche neue Kirche würde einer grösseren Mittelstadt zur Ehre gereichen. Auch Schedewitz und Hohnsdorf sind reiche Kohlendörfer.