24. Chemnitz-Hohenstein (19 km). St. Egidien (7 km). Lichtenstein (4 km). Stollberg (13 km). Chemnitz (im Würschnitzthal über Schloss Neukirchen 22 km).
Man fährt mit Dampf an den schon erwähnten Stationen Siegmar und Wüstenbrand vorüber zunächst nach
Hohenstein-Ernstthal. Schwesterstädte. In Hohenstein Drei Schwanen. Braunes Ross. Krauses Rest. zum Rathskeller. Haselhuhns Gartenrest. 6500 Einw. Das nahe Ernstthal zählt 4400 Einw. Die letztere Stadt wurde 1680 von Hohensteiner Bürgern gegründet, welche der grassirenden Pest entflohen. In Hohenstein erinnert ein Denkmal an den Naturforscher und Philosophen G. H. Schubert (geb. 26. April 1780 zu Hohenstein). Weberei von Bett- u. Möbeldecken. Beide Städte liegen am Fusse des Kapellenberges, der die südlichste Erhebung des Granulitgebietes darstellt. An der Strasse nach dem Gasthaus zum Wind liegt eine 470 m hohe Bergkuppe, welche freie Blicke nach dem Centralerzgebirge mit dem Auersberg, dem Keil- und dem Fichtelberg gewährt (2 km). Die von hier 1½ km entfernte Langenberger Höhe, 479 m hoch, liegt für einen Rundblick noch günstiger, man hat hier auch Aussicht auf die Muldenniederungen und die norddeutsche Ebene. Mineralogen finden in dem Glimmerschiefer des Kapellenberges manche Ausbeute. Der Bergbau auf Arsenkies ist noch nicht ganz eingestellt. An der Strasse nach Waldenburg (2½ km) liegt das jetzt vereinsamte Hohensteiner Bad mit Eisenquelle.
Die Weiterfahrt zeigt rechts einige Waldscenerien und links Dorfschaften. Im langen Dorf St. Egidien zweigt sich die Stollberger Linie ab. Zu Fuss geht man eine schöne Waldstrasse (4 km).
Lichtenstein. Sonne. Helm. 5200 Einw. Das anstossende Städtchen Callenberg zählt mit seinem Lehrerinnenseminar 3000 Einw. Die Schwesterstädte liegen anmuthig zu Füssen eines stolzen fürstl. Schönburg'schen Schlosses. In der Stadtkirche Lichtensteins ein Altarbild von Vogel, dem Kunstwerth zugeschrieben wird. Herrliche Spazierwege im Schlosspark und im Stadtwald. Ein beliebter Ausflug ist die Schwarze Allee und die sog. Kanzel, die freie Ausblicke nach dem Centralerzgebirge gewährt.
Man geht von Lichtenstein die Strasse oder durch das Rödlitzthal nach Oelsnitz. Oelsnitz mit Lugau und Würschnitz bedecken die Oberfläche eines Steinkohlengebirges von etwa 2000 Hectaren Ausdehnung. Die Flötze haben eine Mächtigkeit bis zu 14 m. 15 Schächte fördern im Jahr 3 Mill. Ctr. der besten Pechkohle, die meist nach Chemnitz verfrachtet werden. In Lugau im Gottessegenschacht wurden am 1. Juli 1867 102 Bergleute lebendig vergraben durch Schachteinsturz. Die Leichname sind später aufgefunden und beigesetzt worden.
Stollberg. Weisses Ross. 6326 Einw. 420 m ü. M. Stollberg ist Sitz des grössten Sächs. Strumpfexportgeschäftes. Woller, der Begründer, war ein schlichter Strumpfwirkermeister. Hoheneck, ein imposantes Schloss am Thalhang, beherbergt eine Weibercorrectionsanstalt. (Filiale von Waldheim.)
Die Strasse nach Chemnitz gewährt zwar hinter Neukirchen vom Eichhörnchen ab hübsche Landschaftsbilder, doch werden Touristen vorziehen von Pfaffenhain ab im Würschnitzgrund nach Schloss Neukirchen zu wandern. Man berührt später Harthau und Altchemnitz. Das intr. Klaffenbach (s. Seite 61) mit seiner Bergschenke und seinem Arnokreuz bleibt rechts.
25. Chemnitz-Mittweida (18 km). Waldheim (durch die Mittweidaer Schweiz 17 km) per Bahn zurück nach Chemnitz (32 km).
Die Chemnitz-Riesaer Bahnlinie ist die zweitälteste Sachsens. Vor Station Oberlichtenau ist rechts im Wald ein kleiner Thiergarten (Rehe) abbezirkt.
Mittweida. Deutsches Haus. Sächs. Hof. Stadt Hamburg. Stadt Chemnitz. Rest. zum Rathskeller. Zum Schillergarten unfern der städt. Anlagen am Galgenberg und Schwanenteich. Kegels Rest. 9300 Einw. Grosse Barchentwebereien. Woll- und Baumwollspinnerei. Färberei. Thonwaarenfabriken. Maschinenbau. Kratzenfabrik. Im Technikum 400 Studirende.
Sehenswürdigkeiten. Die Stadtkirche mit goth. Chorbau aus Rochlitzer Porphir. Kriegerdenkmal auf dem Gottesacker. Unweit davon ein Grabdenkmal von Rauch, einer Verwandten gewidmet. Ein Genius aus grauem Marmor mit gesenkter Fackel schwebt mit einer verhüllten Frauengestalt empor. Unfern das Denkmal des Schuldirectors Schneider, welches ihm dankbare Schüler errichteten. Mittweida ist der Geburtsort des Theologen Tzschirner, Prof. und Superintendent in Leipzig, und des Bildhauers Johannes Schilling, der das Niederwalddenkmal geschaffen.
Spaziergänge. Nach dem Galgenberg und in die städtischen Anlagen am Schwanenteich, von dem allbeliebten Bürgermeister Voigt geschaffen. Am Galgenberg grosse Cordieritblöcke, die man als eratische Blöcke betrachtet. Zwei davon sind zugänglich gemacht. Nach den städtischen Anlagen im Scheibenbusch geht man durch die Gottesaue oder über die Bellevue. Die hier belegene Rathskanzel und der Försterfelsen sind Felsbasteien über der Zschopau mit romantischen Thalblicken. Die gegenüberliegende (künstl.) Ruine auf dem Carolafelsen nennt sich die Zschopenburg. 2 km von Neudörfchen entfernt liegt die Marienhütte, gleichfalls eine Bastei über der Zschopau mit sehr romantischen Thalbildern.
Unsere Tour führt uns nun über die Rössgener Höhe (mit guter Aussicht) hinab nach der Via mala, ein Promenadenweg am schroffen Abhang der Zschopau. Wo sich das Thal erweitert, liegt Ringethal. Gasthaus. Rococoschlösschen. Das kleine idyllisch gelegene Kirchlein besitzt eine Silbermannsche Orgel. Eine herrliche uralte Linde bedeckt einen guten Theil des Kirchhofs. Von der Lutherlinde, unter der Luther gepredigt haben soll, ist nur noch ein Stumpf vorhanden. Eine Inschrift erzählt von dem Brand des Baumes, der Lutherpredigt und einem wunderbaren Astbruch, der sieben unter dem Baum spielende Kinder unversehrt liess.
Wegweiser zeigen nach dem nahen Raubschloss, einer höchst geschickt aufgemauerten künstl. Ruine. Eine wirkliche Burg Grunadow (oder auch Rochlinti) soll hier gestanden haben und es findet sich auch wirklich noch uraltes Gemäuer. Schöne Thalbilder von den Fensterhöhlen aus.
Ein Fussweg führt hinab zu der nahen, westlich gelegenen Lauenhainer Mühle. Man zieht eine Klingel, worauf Leute aus der Mühle die Fähre zur Ueberfahrt herbeirudern. (Die reizend gelegene Mühle ist auch Schenke.) Die Weiterwanderung im Thalzug abwärts führt uns an dem Pfaffenstein vorüber, von welchem das aufgeregte Volk nach der Lutherpredigt in Ringethal einen kath. Priester gestürzt haben soll. Später passiren wir den sehr ansehnlichen Tannenberger Felsensturz. Wo die Zschopau im scharfen Knie gegen Osten abbiegt hinauf nach Höfchen und
Kriebstein. Die stolze, höchst malerische Burg liegt 45 m über der Zschopau auf schroffer Felszinne. Im Schlosshof alterthümliches Architecturbild. (Ein Gemälde von Prof. Hahn, den Kriebsteiner Schlosshof darstellend, hängt in der Dresdner Galerie.) Im Innern Gemälde auf die Geschichte der Burg bezüglich, darunter ein Bild, auf welchem die Gemahlin des Ritters Staupitz diesen auf dem Rücken aus der Burg trägt. (Ein Seitenstück zu den Weibern von Weinsberg.) Rüstkammer mit Waffen aus der ersten Zeit nach Erfindung des Schiesspulvers. Alte intr. Möbel, Riesenbetten. Die Kapelle ist in den Felsen gehauen. Vom Speisesaal blickt man fast senkrecht in die Zschopau hinab. Vom nahen Jägerhaus romantische Blicke auf das schluchtartige Zschopauthal.
Schloss Ehrenberg, Kriebstein gegenüber, doch höher gelegen, gewährt höchst fesselnde Aussicht auf das trotzige Felsennest mit seinem echt mittelalterlichen Charakter. Im Thalkessel liegt die Niethammer'sche Papierfabrik.
Der Fussweg von Ehrenberg nach Kriebethal führt an einem alten Gemäuer und an schönen Aussichtspunkten vorüber. In Kriebethal erreichen wir die Strasse. Zwischen hier und Waldheim steht der Napoleonsstein. (Napoleon suchte hier nach der Schlacht bei Lützen einen Uebergang für seine Armee.)
Waldheim. Löwe. Schaubes Hotel. Stadt Bremen. Rest. zum Rathskeller. Schützenhaus. Schweizerthal, beide mit Gärten. 7800 Einw. Weberei. Cigarrenfabrikation. Harmonika- u. Möbelfabriken. Nach der Schlacht bei Lützen (1813) zogen sich die Verbündeten über Waldheim zurück. Um die Zschopaubrücke fanden Kämpfe statt. Das ausgedehnte Waldheimer Schloss dient als Strafanstalt. (1500 Insassen.) Zur Besichtigung muss die Erlaubniss der Direction nachgesucht werden. Die erste Insassin des Waldheimer Zuchthauses war ein Mädchen Namens Apel, eines Zeugmachers Tochter aus Lunzenau, bekannt unter dem Spitznamen Prinz Lieschen; sie hatte sich für den jungen Kurprinzen ausgegeben und büsste ihren Uebermuth von 1716 ab mit lebenslänglichem Gefängniss.
Spaziergänge und zwar sehr dankbare besitzt das schöngelegene Waldheim mehrere. Der beliebteste ist nach dem Siegesthurm auf dem Wachberge mit prächtiger Aussicht auf die romantische Umgebung. Zwölf Säulen mit franz. Kanonenkugeln umgeben den stattlichen Thurm. Schöne Anlagen in der Nähe, darunter die sog. goldene Höhe.
Bei der Rückfahrt nach Chemnitz bietet sich vom Zug aus ein anmuthiges Städtebild dicht hinter dem Waldheimer Bahnhof. Bei Station Erlau liegt der vielbesuchte Erlauer Gasthof.
26. Chemnitz-Frankenberg (17 km). Hainichen (19 km). Rosswein (20 km). Döbeln (Haltestelle, 8 km). Waldheim (9½ km). Mittweida (durch die Mittweidaer Schweiz, 17 km). Chemnitz (18 km).
Von Chemnitz über Lichtenwalde nach Frankenberg siehe Tour 22. Die Eisenbahn überschreitet hinter Frankenberg den Lützelthalviaduct und gewinnt die Hochebene von Hainichen.
Hainichen. Deutsches Haus. Löwe. Post. Rest. zum Rathskeller. Krugs Gartenrest. Feldschlösschen. 8500 Einw. Grossartige Flanellindustrie, die sich schon von Weitem durch bunte Tuchrahmen ankündigt. (Jährlich 250 000 Flanellstücke.) In Hainichen wurde am 4. Juli 1715 Gellert geboren. Dem bedeutendsten deutschen Fabeldichter ist auf dem Markt ein Standbild von Rietschels Hand errichtet. Ausserdem ist seinem Andenken eine Stiftung gewidmet, ein Rettungshaus für verwahrloste Kinder. (Gellert entstammt dem Hainicher Pfarrhaus, wo er im Kreise seiner zwölf Geschwister seine Jugend verlebte.)
Die Bahn geht von hier im anmuthigen Striegisthal entlang an dem Fabrikdorf Böhrigen vorüber, wo die grosse Lehmann'sche Flanellfabrik inmitten vieler Arbeiterhäuser liegt. Bei Striegis gewinnt sie das Thal der Freiberger Mulde.
Rosswein. Rheinischer Hof. Pragers Hotel. Fischers Gasthaus. Rest. zum Rathskeller. Baums Restaurant. Schützenhaus mit Garten. Pönitz'sche Gartenwirthschaft. 7000 Einw. Lebhafte Fabrikstadt in anmuthiger Lage an der Freiberger Mulde. Tuch- und Cigarrenfabrikation. In der Nähe wird Walkerde abgebaut. Rosswein war einst ein Besitzthum des Klosters Altzelle. Am Rathhaus ein Ross mit Weintraube, welche den Namen der Stadt versinnlichen sollen, der indess slav. Ursprungs sein dürfte. 2 km entfernt liegt Gersdorf, wo noch lebhaft Silberbergbau betrieben wird. Intr. ist der Adamsstollen, auf dem Erze in die nahen Pochwerke verschifft werden. Am Weg dahin prächtige Aussicht auf Stadt und Umgebung; überhaupt gewähren die umliegenden Höhen anmuthige Thalbilder.
Die Bahn wendet sich im Muldenthal zurück nach Striegis und am Fluss abwärts bis vor Döbeln. Die Thalwanderung neben der Bahn und dem Fluss ist abwechslungsreich. Bei Mahlitzsch liegt die sogenannte Kempe am rechten Ufer der Mulde, eine uralte Burgruine, wahrscheinlich sorbischen Ursprungs. Eine andere Strasse führt über Nausslitz, sie steigt bis 230 m an und gestattet öfter freie Rundblicke über die fruchtbare Döbelner Pflege. Mit Dampf fährt man nur bis Haltestelle Döbeln. Der Bahnhof liegt 2 km entfernt.
Döbeln. Gasthof: Die Sonne. 11 800 Einw., sehr alte Stadt, die schon 981 urkundlich erwähnt wird. Getreidehandel. Tuch- und Lederfabriken. Bedeutende Fassfabrik. Wagenbauerei. Die Cigarrenfabrikation liefert jährlich etwa 40 Millionen Stück. In der Nähe der Stadt das Staupitzbad ist das älteste Kiefernnadelbad im Lande. Auf dem Schlossberg stand ehedem eine Burg der Dohnaer Burggrafen, die 1429 von den Hussiten zerstört ward. An derselben Stelle erhebt sich jetzt die stattliche neue Bürgerschule. 1762 lieferte Prinz Heinrich von Preussen den Oestreichern ein siegreiches Gefecht in der Umgebung der Stadt.
Anmerkung. Von Döbeln lässt sich ein sehr dankbarer Abstecher nach dem anmuthigen Leisnig machen (17 km). Man fährt mit Dampf an den Ruinen des Klosters Buch vorüber. Näheres siehe unter Leisnig Seite 75.
Die Eisenbahn von Döbeln nach Waldheim gewinnt bei Station Limmritz das tiefeingeschnittene Zschopauthal und an grossen Futtermauern entlang folgt sie den romantischen Windungen des Flusses. Waldheim, s. S. 70. Von Waldheim geht man zu Fuss nach Kriebethal, dann hinauf nach Ehrenberg oder gleich nach Kriebstein, dann über Höfchen hinab nach der Zschopau und zur Lauenhainer Mühle. Hier überfahren, hinauf nach dem Raubschloss, dann nach Ringethal und über die Viamala nach Mittweida. Von hier mit Dampf. Sämmtliche Punkte finden sich in Tour 25 schon beschrieben.
27. Chemnitz-Cossen (22 km). Wechselburg (2½ km). Rochlitz (über den Rochlitzer Berg, 7 km). Colditz (11 km). Grimma (16 km). Leisnig (22 km). Döbeln (16 km). Waldheim (9½ km). Mittweida (13½ km). Chemnitz (18 km).
Wir fahren an dem bereits beschriebenen Burgstädt vorüber oder gehen im Chemnitzthal entlang nach Cossen. (Siehe Routennetz.) In nächster Nähe der Station Cossen liegt der Göhrener Viaduct, zwar nicht das grösste, wohl aber das imposanteste und architectonisch schönste Brückenbauwerk, das in Sachsen zu finden. Der Mittelbogen hat eine Spannweite von 26 m. Die Länge der Brücke beträgt 412, die Höhe 68 m. Ein anmuthiger Thalweg führt uns am linken Muldenufer nach Alt-Zschillen. Auf halbem Weg dahin, an der Einmündung der Chemnitz schönes Thalbild.
Wechselburg. Sächs. Hof. Goldener Löwe. Marktflecken. 3000 Einw. Gräfl. Schönburg'sches Schloss. Ehemals war hier ein Augustinerkloster Zschillen, das wegen Ueppigkeit der Mönche aufgehoben und in eine Comthurei des Deutschordens verwandelt wurde. Der Name Wechselburg soll durch öfteren Tauschhandel entstanden sein. Die Schlosskirche ist der berühmteste altromanische Bau Sachsens. (1174 erbaut, 1874 restaurirt.) Kanzel mit sehr alten Reliefsculpturen in vortrefflichem Styl. Grabmal des Kirchenstifters Grafen Dedo und seiner Gemahlin. Ueber dem Altar ist eine Kreuzigungsgruppe bemerkenswerth, überhaupt ist die ganze Kirche von hoher kunstgeschichtlicher Bedeutung. Im Schlosspark besuche man die Eulenkluft. (Der jähe Fels trägt ein schwarzes Kreuz.) Eine grosse Porphirplatte, bei Meerane gefunden, wird als ein heidnischer Opferaltar bezeichnet, der dem Götzen Credo gewidmet war. (An der Einsiedelei Ueberfahrt über die Mulde.)
Der Weg führt uns nun durch schöne Waldungen auf den Gipfel des
Rochlitzer Berges. 340 m. Thurm 26 m. Der stattliche Thurm aus rothem Porphir ward 1860 als ein Denkmal an König Friedrich August errichtet. Bergrestaurant. Fernrohr. Orientirungsscheibe.
Man überblickt den Kamm des Erzgebirgs und seine Abdachung vom Auersberg bis zum Kahlenberg bei Altenberg. Im Norden liegt die Norddeutsche Tiefebene mit ihren isolirten Höhen bei Wurzen und Oschatz, nur durch die Sehkraft beschränkt, vor dem Beschauer. Hervortretende Punkte nach dieser Richtung sind Altenburg, Leipzig, die Hohburger Schweiz, der Petersberg bei Halle und der Colmberg bei Oschatz. Bei sehr hellen Tagen erscheint selbst der Brocken als blauer Streif am Horizont. Die nahe Landschaft wird belebt durch sehr zahlreiche Ortschaften (voran Rochlitz) und durch das tiefeingeschnittene waldige Muldenthal. Das Granulitgebiet liegt so ziemlich unbeschränkt im Gesichtskreis.
Der Berg besteht aus porphirischen Aschen und ist ein Vulkankegel. Das gleichsam gebackene Gestein giebt ein treffliches Baumaterial und wird in grossen Steinbrüchen abgebaut, die bis zu 40 m tief sind. Man fertigt auch kleinere Gegenstände aus Rochlitzer Steinmark von gefl. Farbenwirkung an.
Ein schöner Promenadenweg führt mit einigem Umweg hinab nach Rochlitz. Die Strasse ist kürzer.
Rochlitz. Sächs. Hof. Zum Löwen. Rest. zum Rathskeller. Gartenrest. Schweizerhaus. 6000 Einw. Weberei. Schuhwaarenfabrikation. Sauberes und anmuthig gelegenes Städtchen mit einem doppelthürmigen Königl. Schloss. Von den Thürmen heisst einer im Volksmund die Jupen, weil er als Staatsgefängniss diente und »als Rock« die Insassen vor »Frost und Wölfen« schützte. Der Hussitenführer Peter von Sternberg sass 3 Jahre hier gefangen. In der Peterskirche Silbermann'sche Orgel. Die goth. Kunigundenkirche besitzt ältere Schnitzwerke. Rochlitz war früher Residenz der Grafen von Rochlitz, denen Rochlitz, Kriebstein und Gehringswalde zugehörte. An das Sächsische Kurhaus kam die Rochlitzer Herrschaft durch Heirath. Am 3. März 1547 nahm hier im schmalkaldischen Kriege Johann Friedrich der Grossmüthige den Markgrafen Albrecht von Brandenburg während eines Faschingtanzes gefangen.
Anmerkung. Wer hier die Muldenthaltour abbrechen will, geht über Biesern, Seelitz, Kolkau und Zetteritz nach Erlau an die Chemnitz-Riesaer Bahn (11 km). Bei Seelitz hübsche Aussicht auf das Muldenthal und den Rochlitzer Berg. Bei Rittergut Kolkau liegt das anmuthige Kolkauer Thal.
Der Tour treu benutzen wir die Bahn nach Colditz oder gehen mit der Mulde parallel. Schöne Thalbilder. Beim Dorfe Lastau, das im frühesten Mittelalter bedeutender war wie heut, liegt der Burgberg, der eine Sorbenburg Titipuci getragen haben soll. In der Lastauer Mühle Rest.
Colditz. Zum Kreuz. Weisses Haus. Rathskeller. 4300 Einw. Steingutfabriken. Getreidemärkte. Hübsches Landstädtchen mit wohlhabender Umgebung. Das stolze Schloss über der Stadt ist gegenwärtig Versorgungsanstalt für unheilbare Geisteskranke. Zutrittserlaubniss beim Pförtner. Architectonisch sehr inter. Portal. Im ehemaligen Thiergarten im Norden der Stadt, der mit Mauern umgeben, herrliche Promenadenwege. Man geht bis zum Dorf Zschadras, in dem eine Zweiganstalt des Colditzer Irrenhauses untergebracht ist. Hübsche Aussicht auf die Muldenthäler. (Im Freiberger Muldenthal ist Leisnig sichtbar.)
Nach Grimma, oder doch bis Grossbothen empfiehlt sich Fusswanderung. Man geht durch den Thiergarten nach Zschadras, dann nach Collmen und auf den Heideberg. Malerische Thalblicke auf beide Mulden und ihren Zusammenfluss. Nun hinab nach Kleinsermuth und Grosssermuth auf das andere Muldenufer. Wer zu Fuss geht, berührt Nimbschen. (Siehe unten.)
Grimma. Kronprinz. Gold. Löwe. Rathskeller. 8100 Einw. Reizende Lage an dem hier sehr ansehnlichen Muldenfluss. Königl. Schloss. Das Sächs. Regentenhaus hielt hier öfter Hof- und Landtage ab. Albrecht der Beherzte wurde zu Grimma geboren, Friedrich der Weise, der Schirmherr Luthers, erhielt hier seine Erziehung. Melanchthon legte öfter eine grosse Vorliebe für die Stadt an den Tag. Die Fürstenschule ward von Kurfürst Moritz begründet; sie steht noch heut in hoher Blüthe. Ein Seminar nennt sich Dinterianum. (Der grosse Schulmann Dinter war Schüler der Fürstenschule.) Seume lebte längere Zeit in Grimma und trat von hier aus seinen berühmten Spaziergang nach dem Syrakus an. Die gothische Frauenkirche war ursprünglich ein byzantinischer Bau. Glasmalereien von hohem Alter. Ebenso sehenswerth ist das Rathhaus.
Spaziergänge. Nach der reizend an der Mulde gelegenen Gattersburg, einem vielbesuchten Bergrest. Gegen Colditz hin, 2 km entfernt, liegen die Ruinen des Klosters Nimbschen, aus welchem 1523 die Gemahlin Luthers, die Katharina von Bora, entwich. Sie entfloh mit 8 geistlichen Schwestern auf dem Wagen eines Torgauer Bürgers hinter Heringstonnen verborgen. Man zeigt noch den Lutherbrunnen, eine Lutherlinde am Muldenufer u. a. m.
Der Schomerberg über der Mulde gewährt hübsche Blicke auf die Stadt. In derselben Richtung 3 km entfernt liegt Döben, ein Schloss über der Mulde. (Sorbisch Dewin.) Schöne Aussicht auf den gewundenen Muldenfluss. Nach Unterjochung der Slaven sass hier ein kaiserlicher Voigt. Albrecht der Stolze hielt zu Döben seinen Vater Otto den Reichen eine Zeit lang gefangen, weil er sich Dietrich dem Bedrängten gegenüber im Erbe benachtheiligt glaubte. Im Rittersaal fällt besonders ein Riesenofen auf. In der Döbener Kirche inter. Familiengruppe, die ein Hans von Schönfeld eines sonderbaren Ereignisses halber errichten liess. Seine Gemahlin verfiel in einen Scheintod und sollte beerdigt werden, erwachte aber zu rechter Zeit und beschenkte ihren Gemahl noch mit neun Kindern.
Die Fahrt nach Leisnig führt uns zurück nach Grossbothen. 1½ km unterhalb des Zusammenflusses überschreitet die Bahn die vereinigte Mulde und geht dann im Thal der Freiberger Mulde entlang.
Leisnig. Hotel zum Rathskeller. Belvedere, reizend gelegen. Der Name soll von Lisenitz (die schöne Aue) kommen und in der That liegt die Stadt überaus anmuthig. 7000 Einw. Das Schloss über der Stadt nennt sich Mildenstein und diesen Namen hat sich auch das 1866 begründete Bad beigelegt. Im Schloss fallen zwei Wartthürme mit 9 Ellen starkem Mauerwerk auf. Wohlerhaltene Kapelle. Leisnig erhielt bereits im 10. Jahrh. Stadtrechte und betreibt heute Tuchmacherei, Gerberei und Schuhmacherei. Getreidemärkte. Bad Mildenstein ist beliebte Sommerfrische und wird namentlich von Leipzig her stark besucht. Heilanstalt. Irisch-römische und Kiefernnadelbäder. Schlosspark und Mirusgarten.
Spaziergänge. Am linken Muldenufer aufwärts finden sich die herrlichsten Promenadenwege bis nach Paudritzsch hin (3 km). Malerische Durchblicke. Hübsche Fernsichten. Die besuchtesten Punkte sind Maylust, Manteuffels Ruhe, Töpfers Ruhe, Pflanzgarten, Hölle, Nesselgrund und Eichberg. In derselben Richtung von der Stadt (5 km) liegen die Ruinen von Klosterbuch am rechten Muldenufer. 1190 wurde die Cistercienserabtei begründet. Wohlerhaltene Kapelle, in der man noch Gottesdienst abhält.
Anmerkung. Beim Dorfe Wendishain auf dem Staupen und bei Minkwitz auf dem Burgstall finden sich altslavische Rundwälle. Man geht dahin auf der Waldheimer Strasse bis nach Minkwitz, dann links ab nach Lauschka und Wendishain (6 km).
Ab Leisnig berührt die Bahn bei Schweta (Schloss und Park) die Gegend, wo die klare, wasserreiche Zschopau mit der trüben, wasserärmeren Freiberger Mulde zusammenströmt. Döbeln und weiter siehe Routennetz.
28. Chemnitz-Cossen (22 km). Lunzenau (3 km). Rochsburg (1½ km). Penig (6 km). Wolkenburg (5 km). Waldenburg (7 km). Hohenstein (12 km). Chemnitz (19 km).
Zu Fuss im Chemnitzthal entlang. (Näheres siehe Tour 21.) Mit Dampf über Burgstädt (siehe Seite 63). Die Göhrener Brücke siehe Seite 72.
Anmerkung. Wer auf die Göhrener Brücke und Lunzenau verzichtet, fährt nur bis Burgstädt und geht von hier direct nach Rochsburg (3 km).
Lunzenau. Sonne. Deutsches Haus. 3500 Einw. Wollenweberei. Schuhmacherei. Schöne Muldenbrücke. Sophie Apitzsch, vulgo Prinz Lieschen, war eine Lunzenauer Zeugmacherstochter.
Der Weg nach Rochsburg führt an der reizend gelegenen Villa Friedheim, einem Chemnitzer Kaufmann Namens Eben gehörig, vorüber.
Rochsburg. Rest. Göckeritz. Fischers Gasthof. Das mehrfach gethürmte stolze Schloss liegt auf isolirtem Bergkegel über der Mulde, es gehört seit 1548 dem Hause Schönburg. Drei Schlosshöfe, zu einem ist das Thor in den Felsen gehauen. 100 m tiefer Brunnen. Der Thurm, der das Burgverliess enthielt, hat 3½ m starke Mauern. Der Zutritt ins Innere ist nur bedingungsweise gestattet. Im Schlossgarten sehr alter Epheu. Fesselnde Blicke hinab auf die Mulde. In der Kirche des Dörfchens Rochsburg beachtenswerthe Skulpturen. Pfarrlaube und Röhrensteige sind inter. Aussichtspunkte. Die Amtmannskluft und das Brauseloch liegen am Thalhang des Hufeisens, das die Mulde um den Schlossfelsen bildet.
Das herrlichste Stück Muldenthal liegt zwischen Rochsburg und Penig. Die Felswände erheben sich bis zu 100 m Höhe, tiefschluchtige Seitenthäler thuen sich auf und Felsschroffen wechseln mit Waldgehängen. Der Fluss bleibt zur Rechten. Bei der grossen Spinnerei Amerika Gastwirthschaft, die zur Arbeitercolonie gehört.
Penig. Stadt Leipzig. Hirsch. Deutsches Haus. Rest. zum Rathskeller. Zum Schützenhaus. 5800 Einw. Grossartige Papierfabrik. Zwei Schönberg'sche Schlösser. Die alte intr. Stadtkirche besitzt einen Lukas Kranach, welcher Luthern als Junker Jörge auf der Wartburg darstellt. Anstossende Begräbnisskapelle der gräfl. Schönburg'schen Familie. Das älteste Grabmonument entstammt dem Jahr 1411. Bemerkenswerther Altar und Taufstein.
Der Peniger Bahnhof und der Hühnerberg bieten für Spaziergänger hübsche Ziele dar. Der Zeisig (2 km) ist eine Schenke an der Strasse nach Leipzig, von wo aus man prächtige Aussicht auf Stadt und Umgebung geniessen kann.
Ein empfehlenswerther Fussweg führt von Penig über Thierbach und Zinnberg nach Wolkenburg. Gräfl. Einsiedel'sches Schloss mit trefflicher Gärtnerei, in der besonders auch Ananaszucht betrieben wird. Im Park Büste des Ministers Detlef von Einsiedel, der den Park umgeschaffen. Schöne Aussichtspunkte. Die Wolkenburger Kirche mit ihrem zierlichen Thurm wurde 1794 gleichfalls von demselben errichtet; sie hat geschmackvolle Reliefs von Eisenguss und ein eisernes Taufbecken. Das Altargemälde »Jesus der Kinderfreund« malte Oeser, der väterliche Freund Goethe's. Das Schloss ist zum Theil in den Felsen gehauen; es besitzt eine werthvolle Bibliothek und einige gute Gemälde. Im nahen Dorf Kauffungen, dessen Burg zerstört ist, war der Familiensitz des Ritters Kunz von Kauffungen, der den romantischen Putsch im Schlosse zu Altenburg ausführte. Das Familiengut Kunz's gehört jetzt zu Wolkenburg.
Auch unser fernerer Pfad bleibt dem schönen Muldenthal treu und führt über Herrnsdorf und Niederwinkel nach
Waldenburg. Gold. Löwe. Bär. Zur Ente. Rest. Rathskeller. In Altstadt-Waldenburg: Zum Hirsch. 3000 Einw. Ofenfabrikation und Töpferei, die von einer grossen Töpferinnung betrieben wird. Das fürstl. Schönburg'sche Schloss ist neuerbaut, nachdem es 1848 von der aufgeregten Bevölkerung eingeäschert worden war. Die goth. Stadtkirche ist nach dem Brand 1580 erneuert worden. Im Innern ein 7 m hohes Denkmal Hugo von Schönburgs, der 1596 hier beigesetzt wurde.
Der grosse fürstl. Park Greenfield, im Volke einfach Grünefeld genannt, liegt auf einem Berg oberhalb Altstadt-Waldenburg. Malerische Baumgruppen und Blumenrabatten. Mausoleum des Fürsten Otto von Waldenburg.
Per Bahn fährt man über Glauchau nach Hohenstein und Chemnitz. (Wer zu Fuss nach Hohenstein geht, kann auch seinen Weg durch den Park Greenfield nehmen.) Von der Mühle in Oberwinkel hinauf nach Dorf Callenberg. Hier Kirche in Rundbogenstyl. Bei dem einsam und hoch gelegenen Gasthaus zur Katze links nach Forsthaus Waldschlösschen und Bad Hohenstein die aussichtsreiche Strasse hinab nach Hohenstein. Siehe Seite 66.
29. Chemnitz-Cossen (22 km). Wechselburg (2½ km). Rochlitz (über den Berg 7 km). Geithain (9 km). Frohburg (10½ km). Gnandstein (5 km). Kohren-Sahlis (3 km). Penig (13 km). Rochsburg (6 km). Burgstädt (5 km). Chemnitz (15 km).
Vorstehende Tour hat bereits bis Rochlitz Beschreibung gefunden. Von hier mit Bahn direct nach Frohburg oder zu Fuss über das freundliche alte Landstädtchen Geithain. 4000 Einw. Reitergarnison.
Frohburg. Zum Hirschen. (Omnibus am Bahnhof.) 3000 Einw. Im weiten, anmuthigen Wyhrathal gelegen. Weberei. Töpferei. Das Frohburger Schloss mit der bedeutenden Frohburger Herrschaft ist im Besitz des Ministers Freiherrn von Falkenstein, dem Biographen des Königs Johann. Am 3. Mai 1813 beherbergte dasselbe den Kaiser Alexander von Russland, am 16. October desselben Jahres den König Murat von Neapel.
Wir gehen, den Streitwald zur Linken, am alten Schloss Wolftitz vorüber. In der Nähe liegt das Jägerhaus mit Concertsaal und Parkanlagen.
Gnandstein. Das stolze Schloss am Wyhrabach gehört einem Herrn von Einsiedel; es macht auf seinem Porphirfelsen wirklich einen imposanten Eindruck. Die Thore, sowie ein Theil des Parterre sind in Felsen gehauen. Die Schlosskapelle enthält 3 Flügelaltäre, Glasmalereien und mehrere Cranach. Im Familiensaal die Ahnen der Familie v. Einsiedel. Im Schlossarchiv Briefe von Luther, welcher als persönlicher Freund des damaligen Burgherrn Heinr. Hildebrandt von Einsiedel öfter als Gast zu Gnandstein anwesend war. Kurz vor der Mühlberger Schlacht nächtigte hier Kaiser Karl V. Die Gnandsteiner Dorfkirche enthält Luthers Bildniss von Cranach. Die Kanzel ist noch dieselbe, auf welcher Luther mehrfach predigte. Von der gleichen Künstlerhand (Cranach) rührt auch das Familienbild her, welches Heinrich II. von Einsiedel mit neun Söhnen und fünf Töchtern in der bekannten Orgelpfeifengruppirung darstellt. Die Steinbilder um den Altar sind die Ahnen der Familie von Einsiedel.
Kohren. Gasthaus zum Rathskeller. Moosdorfs Gasthaus. 1100 Einw. Wohlhabendes Landstädtchen, schön auf felsiger Anhöhe gelegen. Die Pfarre zu Kohren soll die einträglichste des Landes sein. Hier lebte der Dichter Julius Mosen mehrere Jahre als Actuar bei den Sahliser Gerichten. Die alte Burg Kohren kommt schon 974 urkundlich vor; sie wurde in diesem Jahre auf kaiserlichen Befehl vom Erzstuhl Magdeburg an das Bisthum Merseburg abgetreten. Im 14. Jahrh. gehörte sie den Voigten von Plauen. Man nimmt an, dass Kunz von Kauffungen von hier aus den Prinzenraub unternahm. Die Burg gehörte seinem Schwager Hildebrandt von Meckau und sie lag allerdings seinem Vorhaben bequem. Jetzt sind von der einst sehr umfangreichen Burg nur noch 2 ungeheure Thürme übrig, zwischen denen sich friedliche Wohnstätten eingenistet haben, die sich unter Laubschmuck inmitten der uralten Ruinen höchst malerisch ausnehmen. Im nahen Sahlis Rittergut mit Schloss und Park.
Mit 1 km Umweg gelangen wir nach Rüdigsdorf. Rittergut mit Schlosspark. Gärtnerei, Gewächshäuser mit schönen Eckpavillons. Im östlichen Pavillon Freskogemälde von Schwind. Das Rittergut gehört zu Sahlis. In der kleinen goth. Dorfkirche ein sehr gutes Altargemälde. Glasmalerei. Gellert hat sich mehrfach hier aufgehalten, ein Poetengang, ein Quell und mehrere Ruheplätze nennen sich nach ihm. Durch den Schlosspark gelangen wir nach Vorwerk Linda mit Gasthaus, malerisch am Teich gelegen. Sammelplatz der vornehmen Welt der Umgegend. Oefter Concerte. Wasserpartien auf dem schönen Teiche.
Auf der Strasse nach Penig passiren wir quer das 8 km lange Dorf Langenleuba (3 Gemeinden, die westl. gehört zum Herzogthum Altenburg). 3 km von Langenleuba an einem Strassenkreuz liegt der Zeisig, ein Gasthof mit guter Aussicht auf Penig. (Penig s. S. 77.) Von Rochsburg nach Burgstädt passirt man zunächst die Mulde. In der Nähe von Rochsburg das Brauseloch und die Amtmannskluft. Ein Weg führt durch Wald und Busch, Hollsdorf rechts und Burkersdorf links lassend, direct nach Burgstädt. Rochsburg siehe Seite 77.
30. Chemnitz-Pockau (38 km). Olbernhau (10 km). Sayda (11 km). Georgensdorf (9 km). Fley (7 km). Langewiese (5½ km). Ossegg (über die Riesenburg 5 km). Teplitz (10 km).
Die Flöhathallinie zweigt in Flöha von der Hauptlinie Chemnitz-Dresden ab und folgt nunmehr der Flöha über Hohenfichte, wo sich die grosse Hauschild'sche Strickgarnfabrik befindet. Grünhainichen (rechts der Bahn nicht sichtbar). Stattliches Kirchdorf. 2000 Einw. Spielwaarenindustrie. Man fertigt besonders Puppenstuben, Kindertheater, Kaufmannsladen, Küchen etc. Eine Fachgewerbeschule und eine damit verbundene Musterausstellung sorgen für Ausbildung der Spielwaarenarbeiter. Die Besichtigung irgend einer der am Ort befindlichen grossen Niederlagen ist zu empfehlen. Nach einer schönen Thalfahrt mit Buchengruppen taucht rechts Rauenstein auf, ein malerisches, schindelbedachtes Ritterschlösschen. Hinter dem Schlösschen liegt auf der Höhe
Lengefeld. Post. Erbgericht. Sächs. Hof. 3700 Einw. 473 m ü. M. Strumpfwirkerei. Spielwaarenfabrikation. Ueber 300 Webermeister. Grosse Wurstfabrik von Hoflieferant Weber. 3 km entfernt an der Strasse nach Wolkenstein erhebt sich der 680 m hohe Adlerstein. Triangulirungsstation. Guter Aussichtspunkt. In der Nähe an der Strasse nach Pockau grosse königl. Kalkwerke, dankbare Fundgrube für Mineralogen. Wirthshaus. 200 Arbeiter. Intr. ist die Kalksteinförderung aus der Tiefe. Man füllt oben die Hunde mit Wasser, welche die steinbeladenen heraufziehen. Das Wasser läuft unten durch einen Stollen ab. 1 km südöstlich des Adlersteins liegt der 683 m hohe Schletterbauers Knochen, auch Lauterbacher Knochen genannt, welcher viel umfassendere Aussicht auf das Centralgebirge gewährt, wie der halbverwachsene Adlerstein. Ein schöner Touristenpfad, vom Gebirgsverein angelegt, führt ab Lengefeld über Rauenstein und den Heidenstein nach Pockau.
Pockau ist Kreuzpunkt der Bahnen nach Olbernhau und Reitzenhain. Uralte slavische Ansiedelung am Zusammenfluss der Flöha und der Pockau. Die Olbernhauer Linie gewinnt durch schluchtige Thalpartien hindurch sehr bald das breite anmuthige Olbernhauer Thal.
Olbernhau. Gerichtsschenke. Hotel Klix. Reichel. Schneiders Gartenrest. 4700 Einw. Marktflecken. Strumpfstuhlbauerei. Spielwaarenfabriken, besonders viele Kinderflinten werden hier gefertigt. Zündholzfabriken. In der Umgebung herrliche Buchenwaldungen. Nach der Königstanne im Kriegwald 5 km. Man geht durch die Vorstadt Rungenstock die Waldstrasse hinauf, bis rechts ein Wegweiser den Reitweg anzeigt, an dem der grösste Tannenbaum in Sachsen steht. Ein Reiter kann sich dahinter verstecken.
Nach dem Bruchberg und dem Sophienstein 5 km. Man geht über den Weiler Pföbe dahin. Vom Bruchberg schöne Blicke auf Olbernhau und das Thal. Vom Sophienstein prächtiges Thalbild auf Brandau, den Schweinitzgrund und Katharinenberg.
Auf einer Strassenwindung mit schönen Blicken auf Olbernhau gelangen wir nach dem Pfaffrodaer Wald und nach Pfaffroda. Ziemlich grosses Schloss, der Familie von Schönberg gehörig. Rüstkammer mit kunstvollen Damenflinten. Im Ahnensaale Bildnisse der Familie von Schönberg. Schöne Familiengruft aus Tharandter Sandstein, von Prof. Heuchler entworfen. Schlossschenke. (Dörnthal mit dem grossen Friedrich-Bennostolln und dem Bergteich, S. 54.) An der Strasse nach Sayda links der grosse Dittmannsdorfer Bergteich. (Sayda s. S. 54.) Von hier geht man an dem 730 m hohen Meisenberg vorüber nach Cämmerswalde und Georgenthal-Georgensdorf. (Von hier weiter s. Routennetz.)
Anmerkung. Wer auf Sayda verzichtet, geht von Olbernhau im Flöhathal aufwärts nach Neuhausen-Purschenstein (S. 53). Dann nach Rauschenbach und an Neuwernsdorf vorüber. Dieses Dörfchen wurde von böhmischen Exulanten gegründet, die ihre Liebe zur Musik mit herüber brachten. (Stabstrompeter Wagner ist ein geborner Neuwernsdorfer.) Ganze Weglänge 19 km.
31. Chemnitz-Olbernhau (48 km). Grünthal (3 km). Seiffen (8½ km). Bad Einsiedel (3 km). Böhmisch-Einsiedel (2 km). Dorf Kreuzweg (5½ km). Oberleitensdorf (6 km). Ossegg (8 km). Teplitz (10 km).
Bis Olbernhau s. Routennetz. Man geht im gut angebauten Flöhathal an die Grenze nach Grünthal. Auf sächsischer Seite grosses Messingwerk von Lange, welches ehemals Saigerhütte für Kupfer und Münzstätte für Kupfermünzen gewesen. Peter der Grosse besuchte die Hütten auf einer Reise nach Carlsbad, wobei er sich auf einen der grossen Zainhämmer setzte und sich auf und niederschwingen liess. Bad Grünthal mit Schwefelquell liegt gleichfalls auf sächs. Seite. Griesel's Gasthaus über der Grenze ist stark besucht. Nun entweder über Dorf Brandau, das auf vulkanischem Grund liegt, oder an der Schweinitz entlang und am Seiffenbach links hinauf nach
Seiffen. Erbgericht. 1700 Einw. Seiffen ist die Centrale der Spielwaarendörfer Heidelbach, Heidelberg, Neuhausen, Niederseiffenbach und Deutschneudorf. Wer Interesse für die merkwürdige Industrie hegt, der wird in Seiffen die umfassendsten Studien treiben können.
Man findet eine Fachschule und ein damit verbundenes Musterlager. Zuerst besuche man ein Drehwerk, hier drehen die Meister die sogenannten Ringe, welche die Form von Karnisrosetten haben, doch belehrt ein ausgespaltenes Stück sofort, dass es Dutzende von Pferden, Schafen, Elephanten, Affen oder von anderen vierbeinigen Geschöpfen sind. Das Ausschnitzen und Malen geschieht zu Haus und es ist wirklich eine Lust, die emsige Gewerbthätigkeit dieser Leutchen zu beobachten. Es hilft Alles mit, bis zu vierjährigen Kindern herab, pappen, schnitzeln, leimen und malen. Ungeheure Armeen sind von hier aus in die Welt gegangen und haben den kriegerischen Muth der Jugend angefacht. Die Arbeitstheilung ist eine sehr streng durchgeführte, man trifft Greise, die ihr Lebtag nur Franzosen und andere, die nur Preussen gefertigt haben. Die Mannigfaltigkeit ist grossartig; die Lagerkataloge nennen 2000 verschiedene Gegenstände. Der ganze Spielwaarenbezirk fertigt etwa für 1½ Million Thaler Spielwaaren im Jahre.
In der Nähe des Dorfes, wo früher starker Bergbau getrieben wurde und wo sich auch ein herrschaftlich Purschenstein'sches Bergamt befand, giebt es eine ziemlich tiefe Binge, die Geyerin genannt. Vom Schwartenberg, 2 km nordöstlich vom Dorfe, hat man eine prächtige Rundschau über die Gegend. Oben verlassenes Bergwerk mit Huthaus. (778 m ü. M.) Wer den Schwartenberg ersteigt, geht von hier direct nach Bad Einsiedel.
Bad Einsiedel und weiter siehe Routennetz.
32. Chemnitz-Olbernhau-Grünthal (51 km). Deutsch-Neudorf (8 km). Nickelsdorf (5 km). Obergeorgenthal (4 km). Eisenberg (4 km). Rothenhaus (7 km). Görkau (1 km). Kommotau (6 km).
Bis Olbernhau und Grünthal s. Routennetz. Von hier geht man im Schweinitzgrund entlang nach Deutschneudorf. Ueber die Höhe kann man auch Katharinenberg berühren. Altes hölzernes Bergstädtchen, ein erhaltenes Modell aller übrigen Erzgebirgsstädtchen. So sahen sie aus, ehe sie vom Feuer heimgesucht wurden. 2000 Einw. Kaiser von Oestreich. Kronprinz Rudolph. Weinschank bei Wolf. Spielwaarenindustrie.
Anmerkung. Sowohl von Deutschneudorf und böhm. Gebirgsneudorf, als auch von dem angrenzenden Nickelsdorf aus besteigt man mit Führer den Bernsteinberg, 938 m hoch mit Aussichtsthurm (3 km.) Führung 2 Mark. Der Bernsteinberg gehört zweifellos zu den schönsten Punkten auf dem Kamm. Wir sehen hinab nach Sachsen bis in die Tiefebene über Augustusburg und Frauenstein hinweg. Auf dem Kamm selbst dominiren Hass-, Keil- und Fichtelberg und im Böhmerland liegen Eger- und Bielathal, wie das Teplitzer und das Karlsbader Mittelgebirge frei vor dem Beschauer. Ganz im Südwest taucht als blauer Streif der Böhmerwald auf. Das einsame Forsthaus Rothengrube, das jüngst neu erbaut wurde, gewährt einfachen Imbiss; es liegt nah unter dem Gipfel. Der Weg führt vom Forsthaus im schluchtartigen Thal hinab nach Eisenberg (4 km).
Der Tour treu gehen wir durch Deutschneudorf (Harzer's Gasth., Grüner Baum) nach Gebirgsneudorf hinauf. Auf dem hier sehr scharfgratigen Kamm liegt links der Strasse der Wachhübel, den man mit leichter Mühe ersteigen kann und der einen herrlichen Blick auf das Mittelgebirge und den Teplitzer Thalkessel gewährt. Von hier aus geht man entweder direct durch den Flachsgrund hinab nach Eisenberg, oder die Strasse bis nach Gasthaus Marienthal. Hier rechts beim Hegerhaus in den Thiergarten und durch herrlichen Buchen- und Eichenwald bei schöner Aussicht auf das weite Land nach Eisenberg. Im Flachsgrund, beim Flachsgrundförster Erfrischungen. (Fürstenzimmer. Geweihsammlung. Möbel aus Hirschgeweihen.)
Eisenberg. Unterm Schloss grüner Baum. Das hochromantisch gelegene Schloss gehört einem Fürsten Lobkowitz und ist neuerdings restaurirt worden. Schön ausgestattete Gemächer. Jagdzimmer. Der Tourist wird sich indess mit der allerdings herrlichen Aussicht auf das Mittelgebirge, Biela- und Egerthal begnügen müssen, da das Schloss nur ganz ausnahmsweise zugänglich ist. Im Park Treibhäuser, Goldfischteiche etc.