Der Tour treu gehen wir von Altenberg an den Zinnwäschen vorüber hinab nach

Geising. Stadt Dresden. Zinnbergbau. Strohflechterei. 1320 Einw. Anmuthige Thallage. 590 m. Schöne Waldpromenaden. Geschützte Sommerfrische.

Die Strasse steigt nun wieder aus dem Thal empor. Links der 738 m hohe Huthberg. Fürstenwalde mit seiner protestantisch-katholischen Wallfahrtskirche, siehe Seite 31.

Mückenthürmchen und weiter siehe Seite 28.

5. Dresden-Goldene Höhe (8 km). Dippoldiswalde (11 km). Schmiedeberg (7 km), über die Tellkoppe und Friedrichshöhe nach Altenberg (13 km).

Weiter nach Mückenthürmchen-Teplitz oder Zinnwald-Eichwald-Teplitz siehe Routennetz.

Von Dresden nach Dippoldiswalde zwei Mal Post täglich. Hinter dem ersten Dorf Räcknitz links 3 Eichen mit dem Moreaudenkmal, welches an der Stelle errichtet ist, wo dem General Moreau an der Seite des Kaisers Alexander die Beine zerschossen worden. Die Goldene Höhe nennt sich ein 350 m hoch gelegenes Wirthshaus mit Umschauthurm. Herrliche Blicke nach dem Elbthal mit Dresden und den Prinzenschlössern, der Dresdner Haide und auf die Tafelberge der Sächs. Schweiz. Panorama käuflich. Eintritt zum Thurm 10 Pf. Bei Börnichen auf der Höhe hinter Possendorf liegt 1½ km rechts abseits der Strasse der Lerchenberg mit umfassenden Ausblicken auf das Erzgebirge, auf die nahe Dippoldiswaldaer Haide, durch die man von hier direct nach Dippoldiswalde gehen kann und auf die Berge der Sächs. Schweiz. Doch auch schon die Strassenhöhe nach Wendischcarsdorf zu, gewährt sehr anmuthige Landschaftsbilder. Links der Strasse liegt die 449 m hohe Quohrener Kipse, eine aussichtsreiche Bergkuppe auf demselben Höhenzug, von welchem sich auch der Wilisch abhebt. Weiterhin gewährt die Strasse noch öfter Blicke auf diesen, wie auf den langen waldigen Höhenzug Tellkoppe-Friedrichshöhe etc.

Anmerkung. Beliebter, wenn auch nicht so aussichtsreich, ist die Tour nach Dippoldiswalde über Hainsberg. Bis dahin mit Dampf, dann nach Cosmannsdorf und von hier neben oder mit der neuen Sekundärbahn parallel durch den herrlichen Rabenauer Grund, den die rothe Weisseritz durchströmt. Die Höhle, die wir am Anfang des Grundes passiren müssen, heisst das Nadelöhr. Bis zur Rabenauer Mühle (Rest.), 5 km, über den Berg dahin nur 3 km. Wer über den Berg geht, besuche die aussichtsreiche Albertshöhe, ein Rest., das schon von Heinsberg aus sichtbar ist. Rabenau 1800 Einw. Uralte Stuhlbauerei. Grosse renommirte Möbelfabrik, einer Actiengesellschaft gehörig. Intr. Holzbearbeitungsmaschienen. Die Fabrik setzt eine Ehre darein, nur stylvolle und dauerhafte Arbeiten zu fertigen.

Eine Waldstrasse führt uns von Rabenau nach Dippoldiswalde. Mit einigen Umwegen kann man leicht drei intr. Punkte, die Barbarakapelle, den Einsiedlerstein und den Wolfsstein besuchen. Wegweiser und weisse B, E und W führen an die betreffenden Punkte. Die Barbarakapelle ist die Ruine eines Wallfahrtskirchleins, die nach der Reformation zerstört wurde. Der Einsiedlerstein soll der Ueberrest einer Wohnung des Einsiedlers Dippold sein, der den neueren Forschungen nach freilich nie existirt hat. Dippoldiswalde hat seinen Namen von einem slav. Vladiken aus dem Geschlechte Dippoldicz. Die Wolfssäule erinnert an einen 1802 erlegten 203 Pfd. schweren Wolf. In den Sandsteinbrüchen am Ende des Waldes Petrefecten (Rest.). (In der Nähe herrliche Aussicht, Umschaugerüst projectirt.) Zwischen Stadt und Wald auf freiem Feld das Tartarengrab, eine Spitzsäule mit Stern und Halbmond geziert. Die Inschriften besagen, dass hier ein Tartar Mustapha Sulkowicz, Premier-Leutenant bei den Poln.-Sächs. Ulanen begraben liegt, der bei Reichsstadt während einer Attaque gefallen.

Dippoldiswalde. Stadt Dresden. Gold. Stern. Rest. Rathskeller. 3175 Einw. 357 m im anmuthigen Thalkessel an der rothen Weisseritz. Früher starker Bergbau mit nahe 100 Zechen und 3 Schmelzhütten. Viel Strohflechterei. Strohhutfabrikation. Schöner Marktplatz mit altem, sehenswerten Rathhaus, an welchem das Wappen der Maltitz und die Statuen der Maria und des Laurentius. Goth. Hauptkirche mit bemerkenswerthem Portal. Die Nicolaikirche auf dem Gottesacker entstammt dem 13. Jahrh. und zeigt byzant. Stylformen. (Wird gegenwärtig von Möckel restaurirt.) Das Schloss enthält das Gerichtsamt. Die Stadt ist Sitz einer sehr rührigen Section des Erzgebirgsvereins. Sommerfrische, billige Wohnungen. Vom Thal aus, wie von den Höhen über der Weisseritz drüben nach Edle Krone zu prächtige Blicke auf das malerische Städtchen.

Die Strasse führt im Thalzug weiter nach Schmiedeberg. Hohofen. Eisenhammer. Hinter dem Ort zeigen weisse T, links der Strasse, nach der Tellkoppe hinauf, dieselbe ist jedoch jetzt so verwachsen, dass sich eine Ersteigung erst dann wieder lohnt, wenn das projektirte Ausschaugerüst fertig gestellt sein wird. Die 754 m hohe Kuppe auf langem, waldigen Bergrücken gewährte umfassende Blicke ins Centralerzgebirge hinauf und auf die Höhenzüge bei Freiberg, wie auf das Meissner Tiefland. Wir gehen besser direct nach der Friedrichshöhe bei Bärenburg. 739 m. An einer grösseren Tanne ist die Aussicht am schönsten. Wir sehen Dresden mit den neuen Kasernen, die Prinzenschlösser, Theile der Sächs. Schweiz, die Berge bei Altenberg, die Lausitzer Berge und die nördliche Abdachung des östl. Erzgebirges selbst. König Friedrich August nächtigte auf seinen botanischen Wanderzügen öfter hier und gab Raketensignale hinab nach Pillnitz, wo seine Gemahlin dieselben erwidern liess. In der Försterei intr. Königszimmer mit Fremdenbuch für fürstl. Personen. Die Strasse führt von hier über Hirschsprung nach Altenberg. Siehe Seite 32.

6. Dresden-Dippoldiswalde-Schmiedeberg (26 km). Rehefeld-Zaunhaus (über Dorf Sayda 14 km, über Bärenfels und Schellerhau 13 km, doch mehr Berg). Neustadt (6 km). Niclasberg (3 km). Klostergrab (5 km). Ossegg (4 km). Teplitz (10 km).

Bis Schmiedeberg siehe Tour 5. Hier verlassen wir die rothe Weisseritz und gehen im Pöbelbachthal aufwärts die Strasse, die bei Ober-Pöbel einen Bergrücken überschreitet und das Thal der Wilden Weisseritz gewinnt. In Sayda Gasthof. Die Strasse folgt in der Hauptsache der Weisseritz bis Rehefeld-Zaunhaus.

Anmerkung. Wer von Schmiedeberg aus den Weg über Bärenfels und Schellerhau wählt, kann bei letzterem einsamen Gebirgsdorf den 842 m hohen Pöbelknochen ersteigen. Umfassender Blick in die einsame Waldregion des Kammes und auf dem Nordabhang des Gebirges. Die Strasse führt dicht daran vorüber.

Rehefeld-Zaunhaus. Jetzt eine Gemeinde. Zerstreutes Gebirgsdorf mit einem königl. Jagdhaus, ein Lieblingsort König Alberts und seiner Gemahlin. Liegt inmitten herrlicher Waldberge an der Wilden Weisseritz, dicht an der böhmischen Grenze. Primitiver Landgasthof. Wenn der Hof anwesend, ist oft schwer Unterkommen zu finden, so dass sich selbst Cavaliere mit Strohlagern in Bauerhütten begnügen müssen. Zeichnung und Bauproject zu dem hölzernen, doch höchst malerischen Jagdschlösschen bescheerte die Königin Carola ihrem erlauchten Gemahl als ein Weihnachtsgeschenk. Schöne Kapelle in norwegischer Holzarchitektur. Glasgemälde. Gutes Altarbild. Die Einrichtung des Schlösschens ist von einer fast rührenden Einfachheit. In der Umgebung unter sehr alten Bäumen schöne Waldprommenaden. Der Hemmschuhberg mit sehr hohem Holzgerüst zwischen drei Fichten gestattet umfassende Blicke in die Waldregion des Kammes (815 m). Wegweiser markiren die herrlichen Waldwege nach dem Thurm (4 km).

Ein directer Weg (6 km) führt über das Forsthaus Kalkofen nach Niclasberg hinab. Auf der Höhe (an einem Kreuz) überraschende Aussicht durch den Niclasberger Thalzug hindurch auf das Mittelgebirge und den Teplitzer Thalkessel. Wer den Stürmer nicht ersteigen will, gehe diesen directen Weg. Andernfalls berühren wir Neustadt. Städtchen auf der Kammhöhe. Schütz' Gasthaus. Biliner Bierhalle. Von hier liegt der Stürmer nur 1½ km und ist leicht zu ersteigen, doch wird man ohne Führer die aussichtsreiche Kuppe nur schwer finden. Der 825 m hohe, weitvorgeschobene Berg gehört zu den grossartigsten Aussichtspunkten des Erzgeb. Die Ausschau auf den Teplitzer Thalkessel wie auf das bizarre Mittelgebirge ist ausserordentlich umfassend, auch die Ebene gegen Saaz hin liegt frei vor dem Beschauer.

Von Neustadt führt die aussichtsreiche Strasse, vom Stürmer führen directe Waldpfade steil hinab nach Niclasberg oder auch direct nach Klostergrab. Fall bis dahin nahezu 500 m. Das kleine Bergstädtchen liegt höchst anmuthig im engen Thalzuge. Rathskeller am Markt (Gut). Das Städtchen eignet sich sehr wohl zur Sommerfrische.

Anmerkung. Am Weg von Niclasberg nach Eichwald (6 km) liegt rechts der Strasse der Wolfsstein, ein prächtiger Aussichtspunkt, nicht hoch, aber äusserst günstig für Ausblicke auf Teplitz und das Mittelgebirge.

Die Strasse von Niclasberg hinab nach Klostergrab führt durch eine enge romantische Waldschlucht.

Klostergrab. Zum Rathskeller. 1400 Einw. 353 m. Die Stadt ist geschichtlich merkwürdig wegen einer protestantischen Kirche, die der Prager Erzbischof von Prag Lohelius 1616 niederreissen liess. Dadurch kam der Zündstoff, der sich im religiösen Leben Deutschlands seit der Reformation aufgehäuft, zum Brennen. Die protest. Landstände Böhmens, darunter ein Lobkowitz, ein Schick und ein Kinsky, forderten in Prag Rechenschaft, was bekanntlich Veranlassung ward, zwei Kaiserl. Räthe aus dem Fenster zu stürzen, worauf der 30-jähr. Krieg entbrannte. Die Ruinen dieser Kirche, die am Rathhaus stand, sind völlig beseitigt. 60 m über der Stadt liegt der Königshügel mit Rest. Herrliche Aussicht auf den Teplitzer Thalkessel und das Mittelgebirge.

Nach Ossegg führt Eisenbahn; links sitzen. Ununterbrochen schöne Aussicht. Zu Fuss geht man über Haan. Unterwegs ein auffälliger, sehr grosser Eichbaum.

Ossegg. Marktflecken mit 2000 Einw. Kaiser v. Oesterreich. Sonne. Villencolonie. Der malerische Ort liegt mit seinem grossartigen Kloster am Fusse des imposanten Strobnitzberges. Das Kloster gehört dem Cisterzienserorden; 1196 unter dem Schutze der Riesenburg gegründet, ward es in den Hussitenkriegen mehrmals völlig ausgeraubt. Rudolph II. hob es im 16. Jahrh. ganz auf, doch gelangte es nach Unterdrückung der Reformation im 17. Jahrh. wieder zu Reichthum und Blüthe. Es leben im Kloster etwa 20 Mönche. (Schwarz-weisse Ordenstracht.) Der Abt ist auch Prälat der Sächs. Nonnenklöster Marienthal und Marienstern.

Der Klostergarten ist im Versailler Styl mit Schnitthecken, Orangerien, Treibhäusern und Bassins angelegt. Sehr schöne Aussichtspunkte von den Galerien. Zutritt frei.

Die Stiftskirche, ein Renaissancebau mit sehr reicher Ausstattung. Grosse herrliche Orgel. Trefflich stylisirter Altar, schön geschnitzte Chorstühle, reich ornamentirte Leuchter, Gemälde, Stukkaturarbeiten. Die anstossende Todtenkapelle wird magisch von oben beleuchtet. Der Kreuzgang, aus den besten Zeiten der Gothik liegt innerhalb der Clausur und ist daher für Damen nicht zugänglich, dasselbe gilt auch vom Conventsgebäude mit dem Capitelsaal. Im Refectorium (30 kr. Trinkgeld) hat man herrliche Aussicht auf das Dux-Teplitzer Thal und das Mittelgebirge. Kunstvoll geschnitzte Eckschränke, alte Kamine. In den nahen Gasträumen Bildergalerie, darunter zwei treffliche Portraits von Ossegger Aebten. Viele Copien von Meisterwerken.

Die Bibliothek, über deren Eingang die Worte stehen: »Non pro spectaculo, sed pro usu«, enthält seltene Werke und Manuscripte.

Die Salesiushöhe 2 km vom Kloster, ist ein zugänglich gemachtes Gewirr von Felsblöcken mit herrlicher Aussicht auf den Thalkessel und das Mittelgebirge, doch finden sich gleich schöne Punkte auf den näheren Bergen im Hintergrunde von Ossegg.

Die Riesenburg erhebt sich 3½ km entfernt im Thalzug hinter Ossegg. Siehe Seite 45.

Die Stadt Dux liegt 4½ km von Ossegg. Die Strasse führt durch die bekannten inundirten Ossegger Schächte (Dux s. S. 25). Direct nach Teplitz geht man von Ossegg über das intr. Dorf Janegg (s. S. 25). Auch führen zwei Bahnlinien dahin. Vom Bahnhof der Dux-Bodenbacher Bahn (Waldthorbahnhof) hat man freilich noch 3 km nach Teplitz zu gehen. Teplitz siehe Seite 21.

7. Dresden-Tharandt (15 km). Edle Krone (4 km). Höckendorf (2½ km). Beerwalder Mühle (6½ km). Frauenstein (9½ km). Georgensdorf (13 km). Fley (7 km). Langewiese (5½ km). Ossegg (über Riesenburg 5 km). Teplitz (10 km).

Man benutzt am Besten bis Tharandt die Eisenbahn, die sich durch den industriereichen Plauenschen Grund und später ab Heinsberg durch ein schönes Waldthal hinzieht.

Tharandt. Deutsch. Haus. Erblehngericht. Albertsalon und Bad, beide innerhalb schöner Gärten. Burgkeller unter der Ruine. 2600 Einw. Tharandt ist ein liebliches kleinstädtisches Idyll an einem Punkt gelegen, an dem zwei Thäler zusammenstossen. Auf einer Bergnase, die sich vom Forstgartenberg abhebt, liegt die Ruine eines alten Jagdschlosses und das anmuthige Kirchlein. Tharandt war ein Lieblingsaufenthalt Albrecht des Beherzten, dem Erbauer der Albrechtsburg. 1668 ward das Jagdschloss vom Blitz eingeäschert und liegt seitdem in Trümmern. Die Forstakademie, unter den Ruinen gelegen, ward 1816 durch Cotta, den berühmten Forstwirth, begründet (im Durchschnitt 130 Studirende, ⅔ Ausländer). Die Akademie besitzt fachwissenschaftliche Sammlungen, die auf Ersuchen zugänglich sind. Von besonderem Interesse sind die Querdurchschnitte zweier Riesenfichten, aus erzgeb. Forsten herrührend (lagern im Hausflur). Ueber künstliche Fischzucht wird alljährlich im November von Prof. Krutzsch ein practischer Cursus unentgeltlich abgehalten. Der Forstgarten ist eine sehr ausgedehnte Pflanzung für Lehrzwecke mit allen Laub- und Nadelhölzern, die in unseren Gegenden gedeihen. Der Königsplatz mit herrlichen Thalblicken und das Cottagrab, beide im Forstgarten, verdienen besucht zu werden. 80 Eichen symbolisiren die 80 Lebensjahre Cotta's. Bemerkt sei, dass der Forstgarten nicht immer offen steht. Einem Schmuckkästchen gleicht das gräfl. Sumynsky'sche Schlösschen mit einem geschmackvoll angelegten und peinlich gepflegten Garten. Im Bad jährlich gegen 400 Kurgäste. Oefter Concerte. Starker Fremdenbesuch. Tharandt mit seinen Buchenbeständen an imposanten Berghängen ist im Frühjahr und Herbst unvergleichlich schön.

Die Thalmühle, 3 km vom Städtchen entfernt, ist eine vielbesuchte idyllisch-primitive Bauernschenke. Schöne Promenaden führen auch an beiden Thalhängen abwärts nach Hainsberg. Die Heiligen Hallen (ein schöner Buchenforst) liegen aufwärts nach Edle Krone zu rechts.

Wir wandern nun im schönen Thalzug neben Bahn und Weisseritzfluss oder durch die Heiligen Hallen aufwärts nach Edle Krone. Bahnstation. Gasthof. Hier wenden wir uns links in das romantische Höckenbachthal. Inschriften, darunter eine solche an der sogenannten Wunderbuche folgenden Wortlautes:

Aus der Wunderbuche schallt Vögleins Klage laut erhoben:
Wer hat dich, du schöner Wald, abgeholzt so hoch dort oben?

Höckendorf. 1100 Einw. Weckbrods Wein- und Bierschank. Die Kirche enthält einen geschnitzten Altarschrein, den Kenner künstlerisch sehr hoch stellen. Zwischen dem alten und dem neuen Friedhof steht eine von den drei uralten Martersäulen, welche ein Ritter Conrad von Theeler setzen liess, nachdem er im Zorn seinen Pfarrer erstochen. Höckendorf trieb früher starken Bergbau, dieser wurde aber am 25. Aug. 1557 durch einen Wolkenbruch plötzlich vernichtet.

In Höckendorf geht die »Butterstrasse« direct nach der Beerwalder Mühle ab, doch ist die Strasse, die ihren Namen von den erzgeb. Buttertransporten nach Dresden erhielt, ohne Specialkarte nicht zu finden, auch ist der Umweg über Ruppendorf nur unbedeutend. In Ruppendorf steht neben dem Gasthof flach auf einer Wiese eine Thurmruine, die der Volkssage nach ein Raubschloss war, davon soll das Dorf (Raubdorf) seinen Namen haben. Hinter Beerwalde senkt sich die Strasse hinab ins romantische Thal der wilden Weisseritz, das hier noch gar nicht durch Strassen aufgeschlossen ist und dem sicher eine touristische Zukunft bevorsteht (Beerwalder Mühle Gasthof). Eine directe Strasse führt aus dem Thal empor nach Oberröthenbach, eine andere, etwas längere, durchläuft das ganze Dorf. Der Oberröthenbacher Thurmberg (602 m) bleibt links und bald zeigt sich in der Ferne die malerische Ruine von Frauenstein. Vom Hartmannsdorfer Gasthof ab führt ein naher Fussweg (3½ km) nach Frauenstein. Die Strasse berührt Kleinbobritzsch, wo der berühmte Orgelbauer Gottfried Silbermann 1683 geboren wurde. Sein Geburtshaus schmückt eine Marmortafel. Silbermann erlernte seine Kunst in Strassburg bei einem Onkel und er brachte sie zu hoher Vollendung. In Sachsen allein sind über 30 Orgeln von seiner Hand, die berühmtesten stehen in der kath. Hofkirche zu Dresden und im Dom zu Freiberg.

Frauenstein. Rohland's Gasthaus zum Strauss. Gold. Stern. Gold. Löwe. Das Parkschlösschen in reizender Lage an der Ruine ist z. Z. ohne Wirth. 660 m. 1453 Einw. Das freundliche Städtchen wurde nach dem Brande am 3. Oct. 1869 fast neuerbaut. Die Frauensteiner Schlossruine ist zweifellos die imposanteste Ruine des Erzgebirges auf Sächsischem Gebiet, sie lehnt sich dicht an das neuere Schloss an und ihre isolirte Lage wie ihr Umfang machen sie zu einer touristischen Notabilität. (Man meldet sich beim Schlosshausmann.) Das interessanteste aus ihrer Geschichte ist eine Belagerung durch Friedrich den Sanftmüthigen, der Heinrich II. von Plauen seiner böhmischen Sympathien wegen daraus vertrieb. Das neuere Schloss erbaute ein Heinrich von Schönberg. Vom Hause Schönberg fiel die Burg mit ausgedehnter Herrschaft 1647 dauernd an das Kurhaus. Den höchsten guterhaltenen Thurm nennt man die Lärmstange, er wurde im 7jähr. Kriege von den Preussen zu Lärmsignalen benutzt. Von seinen Zinnen hat man eine grossartige Rundsicht; sie erstreckt sich gegen Norden bis ins Tiefland, davor liegen die Thäler der Mulde, Bobritzsch und Weisseritz, sowie der Tharandter Wald. Gegen Osten tauchen die Berge der Lausitz hinter den Tafelbergen der Sächs. Schweiz auf, davor liegt die Dresdner Gegend mit dem Borsberg, weiter herauf zeigen sich die Berge um Altenberg und näher heran die Massenerhebung der Tellkuppe mit ihrem Schwarzwald. Im Süden streicht der finster bewaldete Kamm gegen die höchsten Berge des Gebirges, den Hassberg, Fichtel- und Keilberg hin. Direct im Süden, der höchste Bergrücken mit einer grossen Waldblösse trägt das einsame Lichtenwaldsteiner Jagdschloss, seine Gipfel nennen sich Wieselstein und Schwarzeberg. Im Nordwest schliessen die Augustusburg und der Rochlitzer Berg den Umschaukreis ab. In der Nähe interessiren die imposanten Trümmer. Der »dicke Märten«, etwas abgelegen, diente als Burgverliess, doch ist er keineswegs ein »dicker«, sondern eher ein schlanker Thurm. An einer Thurmruine sind 4 grosse Steinkugeln eingemauert, wie sie ehedem zu Vertheidigungszwecken verwendet wurden. Schöne Anlagen zu Füssen der Burg.

Der Sandberg im Süden der Stadt mit Anlagen auf dem Gipfel gewährt dieselbe Ausschau wie die Lärmstange. Empfehlenswerth ist auch ein Spaziergang auf der aussichtsreichen Strasse nach Freiberg bis zum Buttertöpfchen und dem Weissen Stein (1½ km). Es sind das isolirte Quarzfelsen von seltsamer Gestaltung.

Die Wanderung geht nun bald durch Thalzüge oder auch über aussichtsreiche Höhen nach Obernassau, Rechenberg (Liebschers Gasthaus) und in die Rechenberger Waldregion durch den Fischerwald nach böhm. Georgensdorf. Der sächs. Antheil mit grossem Gasthaus heisst Georgenthal und hat nur 21 Einw. Auf böhm. Seite Lohse's Gasthaus. Schön an der Flöha im weiten Thalkessel gelegenes Dorf. Sommerfrische. 600 m. Herrliche Wälder. Bewegtes Terrain.

Anmerkung. Die Wanderung nach dem Lichtenwaldsteiner Jagdschloss und die unendlich lange Waldschneusse nach dem Wieselstein und der in der Nähe gelegenen Försterei Georgenhöhe ist landschaftlich nicht sonderlich lohnend; auch ist der Wieselstein völlig verwachsen, nur der rechts abgelegene Schwarzeberg hat seine grossartige Aussicht auf Böhmen noch nicht eingebüsst, doch ist derselbe ohne Führer schwer zu finden. Das Lichtenwaldsteiner Jagdschloss mit seiner Geweihsammlung hat in seiner sehr einsamen Lage allerdings touristischen Reiz. Ueber die Höhe der beiden Gipfel des langen Bergrückens ist etwas Sicheres nicht zu erfahren gewesen. Georgenhöhe, die Försterei, liegt 871 m hoch, doch ist auch diese Zahl unter Reserve gegeben. Der Rücken dürfte 930 m nahekommen. Wer diese Partie unternimmt, sorge für Proviant.

Der Tour treu gehen wir im schönen Waldthal an der Flöha aufwärts. Gleich im Anfang links imposante Felspartien. Fley liegt unfern des Ursprungs der Flöha. Das Kirchdorf scheint seinen Namen dem Fluss entliehen zu haben. Im Winter Nachm. 3 Uhr Wildfütterung, zu der sich circa 350 Stück Hochwild einstellen. Die Strasse führt nun durch einsamen Hochwald nach

Langenwiese. Langes Dorf, frei auf dem Kamm gelegen mit einer herrlichen Aussicht auf Eger- und Bielathal, wie auf das böhm. Mittelgebirge. Der Wieselstein, wenn ein Aussichtsthurm errichtet wäre, würde freilich eine volle Rundschau darbieten, er beherrscht die ganze nördl. Abdachung bis Augustusburg hin und den Kamm des Gebirgs selbst. Vom Erzgebirge selbst sind die höchsten Erhebungen Keil- und Fichtelberg sichtbar. In der Ferne taucht das Karlsbader- und dahinter das fränkische Fichtelgebirge auf. Zu Füssen dominirt besonders das imposante Schloss Eisenberg.

Auf steilem Pfad steigen wir in das Ossegger Thal, an dessen Gehängen die Ruinen der Riesenburg sich erheben und an dessen Mündung das stolze Ossegger Kloster sichtbar wird. Die Riesenburg, welche im 14. Jahrh. von den Hussiten zerstört wurde, ist die Geburtsstätte des Apostels der Preussen, des hl. Adalbert. Vom Wartthurm herab überaus anmuthige Thalbilder sowie Fernblicke auf das Mittelgebirge und den Dux-Teplitzer Thalkessel.

Ossegg und weiter nach Teplitz siehe Routennetz.

8. Dresden-Tharandt (15 km). Klingenberg (11 km). Freiberg (14 km).

Man fährt wie bei Tour 7 durch den industriereichen Plauenschen Grund nach Tharandt. (Siehe Seite 41.) Von hier steigt die Bahn 1 zu 40 an der Weisseritz, später am Serrenbach aufwärts nach Klingenberg (432 m) und auf die Freiberger Hochebene. Bei Passirung der Freiberger Mulde links die grossartigen Muldenhütten, fiscalische Silberschmelzwerke. Die hohe Esse auf der Anhöhe ohne Gebäude daneben ist die Giftesse, welche die Arsendämpfe ableitet. Wer die Hütten besuchen will, steigt am Besten hier aus und geht dann die 3½ km nach Freiberg zu Fuss. (Muldenhütten siehe Seite 48.)

Freiberg. Hotel de Saxe, Hirsch, Stern, Adler, Goldne Pforte, Preuss. Hof, Stadt Altenburg. Zu besuchtesten Wirthschaften gehört Debus, Otto, Reichel. Gartenwirthschaften: Schillerschlösschen, Schützengarten, Union, Feldschlösschen, Tivoli. Bäder: Actienbad, Stadtbad, Hedrichs Bad. Droschken: Einfache Fahrt 50 Pf.

Freiberg am Münzbach, unfern der Freiberger Mulde, liegt 414 m hoch in einer Gegend, wo die Bodenplastik des Erzgebirges nicht sehr energisch ist, doch gehört die Stadt selbst zu den sehenswerthetesten in deutschen Landen; sie ist das Centrum des erzgeb. Bergbaus, der nicht nur die starke Besiedlung Sachsens verursacht, sondern den Grundstock der eminenten Gewerbthätigkeit des ganzen Landes bildet. Freiberg ist noch heute der Stolz des Sächs. Fürstenhauses, wie der des ganzen Landes. 25 431 Einw.

Geschichtliches. Wenn man den vielen slav. Worten, die noch heut im Sächs. Bergbau gebräuchlich sind, historische Bedeutung beilegen darf, so haben die Sorben bereits Bergbau getrieben und wohl auch die Schätze der Freiberger Gegend, die ja zum Theil von Slaven besiedelt war, gekannt, doch der Aufschwung, der Betrieb im grossen Styl ist den germanischen Elementen zu verdanken. Slavische Bezeichnungen sind: Zscherper, Zeche, Stollen, Schwaden, Rösche, Kux, Kobalt, Flötz, Druse u. a. m.

Die Sage berichtet, Fuhrleute aus Halle oder Goslar, die Salz und Blei geladen hatten, fanden im Fahrgleis eine Erzstufe, die sie in Goslar untersuchen liessen. (Siehe auch Geschichtliches.) Darauf hin seien denn Harzer Bergleute in Schaaren in das rauhe Waldgebirg gezogen. Thatsache ist, dass der Freiberger Stadttheil, die Sächsstadt, von niedersächsischen Bergleuten ihren Namen erhielt. Aber zur Besiedlung hat wohl ganz Deutschland und vor Allem das nahe Böhmen beigesteuert. Otto der Reiche, der seinen Beinamen den Freiberger Erzreichthum verdankt, erhob die Ansiedlung 1175 zu einer Bergstadt mit vielen Vorrechten, wie auch der Name Freiberg darthut. Der Glanz und der Ruhm der jungen Ansiedlung machte den Hohenstaufenkaiser Heinrich VI. lüstern auf die Stadt; schwäbisches Kriegsvolk besetzte sie, dieses wurde aber von der, dem Landesherrn treu ergebenen Bürgerschaft vertrieben. Dem Kaiser Adolph von Nassau gelang es wirklich, den Landesfürsten, Friedrich mit der gebissenen Wange, zu vertreiben, doch nach wenigen Jahren schüttelten die Bürger die kaiserliche Herrschaft für immer ab. Im Anfang des 16. Jahrh. gelangte Freiberg auf den Zenith seines Ruhmes, die Stadt zählte damals 70 000 Einw., war also eine der volkreichsten Städte deutscher Zunge in damaliger Zeit. Während des 30jähr. Krieges sank sie zu einem Schatten ihrer ehemaligen Grösse herab. Zwar belagerte Banner und Torstensohn die Mauern vergeblich, aber die meisten Häuser gingen in Flammen auf, die Vorstädte lagen verwüstet, die Bergwerke ausgeraubt und verödet oder gar ersoffen, die Bevölkerung war bis auf 6000 zusammengeschmolzen. Im 7jähr. Kriege wurde das Gemeinwesen, das immer als reich galt, mehrfach gebrandschatzt und Prinz Heinrich, der Bruder Friedrich II., schlug eine bedeutende Schlacht bei Freiberg zu Friedrichs Gunsten. Auch in den Franzosenkriegen litt die Bergstadt durch Einquartirung.

War es früher der Hofhalt der reichen meissnischen Fürsten, der ausser den metallischen Schätzen, Glanz und Ansehen über die Stadt gebreitet, so waren es später hochberühmte Männer, die hier gelebt und gewirkt. Genannt seien Werner, der grosse Geologe, Alexander von Humboldt, Lampadius, der Erfinder des Leuchtgases, der Geologe Breithaupt, Silbermann, der Orgelbauer, Theodor Körner als Bergstudent und der jugendliche Carl Maria von Weber. In den Wissenschaften des Bergbaus und der Hüttenkunde steht Freibergs Name noch immer obenan, im Bergbau selber hat es die Priorität an die colossalen Minen Nevadas abtreten müssen. Der Grubenbau erweist sich zwar ergiebiger denn je, allein es ist nicht der Erzreichthum die Ursache, es ist das ein Triumph der Hüttenkunde, die jetzt die ärmsten Erze mit besseren Hilfsmitteln auszunützen versteht.

Neben dem Bergbau blüht auch eine bedeutende Industrie in Freiberg, so die Superphosphatfabrikation, die sich auf den Bergbau stützt, ferner bestehen Cigarrenfabriken, eine grosse Portefeuillefabrik, eine Flachsspinnerei und eine Goldtressenfabrik, die für die deutsche wie für fremde Armeen die Tressen liefert.

Bergmännisches. Zur völligen Kenntniss der Bergstadt gehört eine Einfahrt in einen der Schächte, die zwar nicht mühelos, aber hochinteressant ist. Erlaubnisskarte auf Himmelfahrt 2 Mk., 2 Personen 3½ Mk. Auch Damen fahren zuweilen an, doch müssen auch sie ein männliches Berghabit anlegen. Grösste Tiefe 520 m. Man denke ja nicht, dass man in den engen feuchten Stollen glänzende Silberadern zu sehen bekommt. Das gediegene Erz ist sehr selten. Auf 200 Ctr. gesprengte Gangmassen kommt erst 1 Ctr. Erz und dieses führt im Durchschnitt nur 1 bis 2% Silber bei sich. (Die Silberbergwerke sind weit gefahrloser wie die Kohlenbergwerke.)

Der Bergmannsstand hat durch seine genossenschaftliche Organisation, seinen conservativen Sinn und seinen Berufsgeist vieles aus alter Zeit herübergerettet, so dass sich der Bergmann von seinen »überirdischen« Standesgenossen, den Fabrikarbeitern unterscheidet. Schon seine Sprache hat Eigenartiges, so sind Kux, Zeche, Zubusse, Wetter, Hund, Teufe etc. ihm ureigene Begriffe. Als Scheidejunge tritt der jugendliche Bergmann seinen Beruf an, er sortirt zunächst die ausgebrachten Erze nach ihren Gehalt, sodann steigt er zum Grubenjungen empor oder vielmehr, er steigt hinab und vermittelt den Verkehr zwischen den Abbauörtern und den Förderschächten, indem er die Hunde (Fahrzeuge) mit den Erzen hin- und hertreibt, oder er räumt Gesteinstrümmer bei Seite. Als Lehrhäuer hat er sieben lange Jahre zu dienen, ehe er zum Probegeding zugelassen wird; ist dieses gemacht, dann erst gilt er als ein vollbürtiger Bergknappe. Eine ähnliche Stufenleiter haben die Zimmerlinge zu durchlaufen. Obersteiger müssen eine Bergschule absolvirt haben. Die Kleidung besteht in einem Grubenkittel, einem Bergleder und einem Berghut ohne Krämpe mit einer Kokarde von gekreuzten Fäusteln gebildet. Bergaufzüge mit Fackeln und Grubenlichtern sind leider seltener geworden. Der grösste neuere Bergaufzug dürfte der 1878 zu Dresden gewesen sein, der zu Ehren der Silbernen Hochzeit des Königspaares stattfand. Die hohen Bergbeamten tragen glänzende Uniformen. Alt wird der Bergmann selten, nahe den Fünfzigen siegt er an der sogenannten Bergkatze, einer Art Schwindsucht dahin, den Hüttenleuten ergehts fast schlimmer, sie erliegen meist noch früher der Hüttenkatze, einer ähnlichen Krankheit. Am gefährlichsten ist die Arbeit in den Arsenhütten. Die Silberbrenner leiden häufig an der Bleikolik. Die reichste Grube ist gegenwärtig Himmelfahrt, sodann folgt Himmelsfürst. Neuerdings werden auch von mehreren andern Schächten reiche Anbrüche gemeldet.

Die Muldenhütten (3½ km) an der Mulde sind hochintressant. Eintritt 1 Mk. Die gepochten Erze werden zunächst in Röstöfen geröstet, d. h. vom Schwefelgehalt befreit, sodann geschmolzen, wobei sich das Werkblei ausscheidet. Dieses geht nun durch viele Oefen, ehe es zum Silberbrenner gelangt, der mit Feuer und glühenden Sauerstoffströmen den Bleigehalt zum Oxidiren zwingt, bis der Rückstand den sogenannten Silberblick zeigt und damit sich als reines Silber ausweisst. (Näheres siehe des Verfassers Aufsatz Gartenlaube 1879 No. 34.) Nebenher sind Bleirohrfabriken, Arsenhütten, Schwefelsäurefabriken, Zinköfen, Goldscheidewerkstätten zu besichtigen. Auch 2 kleine Platinkessel sind intressant, sie kosten zusammen 36 000 Thlr.

Anmerkung. Wer die Grabentour machen will, besucht anstatt der Muldenhütten die am Wege gelegenen Halsbrücker Hütten, die ganz ähnlich eingerichtet sind.

Die Bergacademie geniesst Weltruf. 15 acad. Lehrer unterrichten gegen 150 Bergstudenten unter denen alle Welttheile vertreten sind. Grossartige Mineraliensammlung. Fachbibliothek von circa 40 000 Bänden. Alexander von Humboldt und Theodor Körner studirten hier. (Neben der Bergacademie sei das Gymnasium genannt, das schon seit 4 Jahrh. besteht und neuerdings in einen stattlichen Neubau übergesiedelt ist.) Alterthumsmuseum im Kaufhaus. Sonn- und Feiertags von früh 11 bis 12 Uhr und Nachmittags von 2 bis 5 Uhr, 10 Pf. Eintritt, Mittwoch und Sonnabend Nachmittag 20 Pf. Ausser der Zeit Führung 1 bis 4 Personen 1 Mk. Katalog 20 Pf. 1861 gegründet. Von localem Interesse sind besonders alte Berggeräthe, die man in verlassenen Bauen aufgefunden. Ferner kirchliche Alterthümer, Innungsladen, Trinkgefässe etc.

Interessante Gebäude sind das alte Rathhaus, in dem auch ein Stück der Strickleiter aufbewahrt wird, auf welcher Kunz von Kauffungen den Prinzenraub ausführte, ferner das Kaufhaus, das alte Gymnasium, sonst Domherrenwohnung, und viele hochgegiebelte alte Bürgerhäuser.

Der Freiberger Dom ist weniger berühmt geworden durch seinen Gesammteindruck, wie durch seine Goldene Pforte und seine Grabmäler. 1484 abgebrannt, wurde er bald darauf in spätgoth. Styl wieder errichtet, doch hat man den kostbarsten Ueberrest von dem alten romanischen Bau wohlerhalten. Diese goldene Pforte ist von den älteren Werken der Steinplastik zweifellos das hervorragendste in sächs. Landen und überhaupt einzig in ihrer Art. Figurenreiche Gruppen, darunter die Dreieinigkeit, die Anbetung der heil. drei Könige, Madonna, Engel, Apostel, Abraham, Josua, David, auferstehende Todte etc. beleben das geniale Bildwerk, dessen Schöpfer eine hohe künstlerische Anmuth bei reicher Phantasie und strenger Anordnung bekundet. Bemerkenswerth sind noch der Kreuzgang in edler Gothik. Im Innern des Domes eine ältere Kanzel, die eine Riesentulpe darstellt; im Kelch befindet sich der Predigtstuhl. Die zweite Kanzel, gestützt durch zwei bergmännische Statuen, liess der Freiberger Bürgermeister Schönleben 1638 errichten; man schätzt sie als eines der besten Werke altdeutscher Renaissance. In der anstossenden Begräbnisscapelle liegen die Fürsten Sachsens von Heinrich dem Frommen bis auf Johann Georg IV. Das künstl. bedeutendste Grabmal ist das des Kurfürsten Moritz, der bei Sievershausen gefallen. Die Zeichnung stammt von zwei Italienern, den Gebrüdern Tola, die Ausführung in Marmor geschah durch den Antwerpener Bildhauer van Zerun. Die Orgel zählt zu Silbermanns Meisterwerken. Auf dem eingezogenen Domkirchhof ist das Grab des grossen Geologen Werner erhalten worden.

Spaziergänge. In der Stadt besichtige man den blauen Stein auf dem Obermarkt, der die Stelle bezeichnet, wo Kunz von Kauffungen, der Prinzenräuber, seinen Putsch mit dem Leben büsste. An einer Ecke des Rathhauses ist ein Kreuz von besonders reichen Silbererzen eingemauert. Ein Rundgang um die in Promenaden verwandelten Ringwälle ist höchst empfehlenswerth. Wir berühren dabei am Kreuzthor das Denkmal des Mineralogen Werner, vor dem Petersthor steht das renovirte Schwedendenkmal. An den Bürgermeister Horn erinnert vor dem Erbischen Thor ein goth. Brunnen. Zwischen dem Schloss Freudenstein, wo einst Heinrich der Fromme fröhlichen Hof hielt, und den idyllischen Kreuzteichen steht das Kriegerdenkmal auf einer alten Schanze.

Wer eine echt bergmännische Landschaft mit Zechenhäusern und grossen Berghalten sehen will, gehe nach der Sächsstadt und in das Schachtrevier von Himmelfahrt. Ein Besuch von Herders Ruhe, ein Denkmal unfern der Strasse nach Halsbrücke kann damit verbunden werden. Schöner Blick auf die alte Bergstadt, der in Deutschland wohl einzig in seiner Art sein dürfte. Grössere beliebte Spaziergänge sind die nach Fernesiehen, ein Gasthaus an der Chemnitzer Strasse, nach dem Rosinenhäuschen an der Frauensteiner Strasse und nach Heedens Rest. an der Meissner Strasse.