Münchhausen munterte mich beständig auf zur Arbeit, das hieß zum Dichten, wozu ich aber weder viel Zeit noch Lust hatte. Auch kann ich mich nur weniger Kleinigkeiten erinnern, die ich damals geschrieben hätte, und keiner einzigen, die verdient hätte aufbewahrt zu werden, wäre es auch nur als Beleg der Bildungsgeschichte; Alles war höchst mittelmäßig. Dafür lief ich, wenn ich Zeit hatte, mit Horaz oder Virgil in der Hand, oder auch wohl mit einem Homer, in den Wäldern herum, lagerte mich in einer Grotte oder alten Baumgruppe und vergaß nicht selten über meinen Lieblingsstellen den Sonnenuntergang, so daß ich sehr spät in das Lager oder die Kasernen zurückkam. Daneben war ein alter Hagedorn und ein Exemplar von Hölty, die ich irgendwo aufgetrieben hatte, meine Begleiter. Das Beste von Hölty wußte ich damals auswendig, wozu noch jetzt bei mir seine berühmten Traumbilder nicht gehören. Die Elegie am Grabe eines Dorfmädchens und am Grabe seines Vaters sind für mich noch jetzt die lieblichste Wehmuth, die ich in der Literatur kenne. Ich zeigte Münchhausen die Schönheiten und ihre Gründe, welches mir bei ihm sehr leicht ward; denn ich habe selten eine Seele für wahre Schönheit empfänglicher und enthusiastischer gefunden, als die seinige. Er bedauerte, daß er mir in den Klassikern nicht folgen konnte: aber was ich ihm daraus übersetzte, so wenig meisterhaft auch die Uebersetzung sein mochte, bewies ihm doch, daß meine Vorliebe für sie kein Vorurtheil war, und weckte ganz leise die Neigung, die bald Entschluß und Ausführung ward, selbst bekannt zu werden mit diesen reichen Schätzen ächter Kunst. Er überraschte mich einige Jahre nachher mit einer Kenntniß, die in Erstaunen setzte. In manchem Alten, vorzüglich im Flakkus, den er etwas hyperbolisch verehrte, hatte er mich zurückgelassen.

Der Dienst war, zumal für mich als Unterofficier, beschwerlich genug und ließ nicht viel Zeit übrig. Ueberdieß spannte mich noch dazu der Oberste Hatzfeld in das Joch als Schreibersknecht, so daß ich die noch übrigen Musestunden beim Adjutanten als Adjuvant saß, mir fast die Finger krumm schmierte und weiter nichts erntete, als ein freundliches „Wir bleiben euch in Gnaden gewogen;“ wovon doch am Ende selbst Taubmanns Katze ihr Bischen Geist aufgab. Ich hatte bei dieser Veranlassung einen sehr tragikomischen Auftritt auf meine Unkosten. Niemand bemerkte die Runzeln und den Murrsinn auf meiner Stirne; das hieß Tag aus, Tag ein, schreib, Teufel, schreib; bis ich in meinem verkehrten Sinn auf ein verzweifeltes Mittel gerieth, mich zu befreien. So wie ich von der Wache kam, nahm ich mein Gewehr und ging in den Wald, um nicht zugegen zu sein, wenn, wie ich vermuthete, die Bothschaft zu Schreiberei kommen sollte. Das geschah: meine Entfernung wurde sogleich auch als absichtlich mit ziemlich boshaften Zusätzen durch die gehörigen Instanzen rapportirt. „Du wirst den Teufel auf den Hals bekommen,“ riefen mir meine Kameraden zu, als ich zurückkam; „der Oberste hat zweimal geschickt; du sollst schreiben.“ „So,“ sagte ich; „es ist gut.“ „Ich glaube vielmehr, es ist nicht gut,“ meinte der Feldwebel: „auch kommen Sie morgen wieder auf die Wache; es sind zwei auf Kommando gegangen.“ Den andern Morgen stand ich in der Front der Wachtparade, als der Oberste ziemlich grimmig auf mich zu kam und mir im Eifer einen Knopf vom Rocke drehete. Der Oberste war ein kolossalischer Mann, der auftrat, wie ein Herkules, mit dem Blicke Funken sprühte und eine Stimme sprach, wie eine Quartposaune, übrigens aber noch ziemlich human und wohlwollend war. Er soll zu seiner Zeit, wie man sagte, zu Rinteln mächtig renomirt haben. „Wo ist der Herr gestern gewesen?“ donnerte er mich an. „Auf der Jagd.“ Jedermann wußte, daß ich sonst eben kein Jäger war. „Ich will den Sakrementer jagen,“ fing er an und hielt eine kurze Art von energischer Galgenpredigt, deren Finale war, daß ich aus der Front ohne Säbel sogleich in die Wache befördert wurde. Nach der Parole wurde Exekution mit dem kalten Eisen gehalten, immer unter Fortsetzung des obigen erbaulichen Sermons von Distinktion und Unerkenntlichkeit und Halsstarrigkeit, mit einigen starken Donnerwettern durchschossen, die sein furchtbarer Baß ziemlich gut nachmachte. Sodann ging es wieder in die Wache. Den andern Morgen, als ich freigelassen wurde, oder vielmehr, als man die Kette etwas länger ließ, meldete ich mich ordonnanzmäßig bei den Instanzen, und also auch bei dem Obersten. „Sind wir nicht ein Paar recht dumme deutsche Dorfteufel,“ kam er mir komisch polternd entgegen, „daß wir uns nicht friedlich vertragen können und uns da so zanken und streiten müssen!“ „Ich darf nicht widersprechen, Herr Oberster,“ brummte ich halblaut mürrisch, skoptisch durch den Bart. „Zum Teufel, Herr, sei Er nicht impertinent!“ rief er. Nun fing ich an zu exponiren in aller Ordnung mit Bestimmtheit: daß der Dienst hart und strenge sei, daß ich von Wachen, Visitiren, Kommando’s wenig Nächte frei habe, daß, wenn meine Kameraden ausruheten, ich halb schlaftrunken mich am Schreibetische quälen müsse, daß ich das nicht aushalten könne u. s. w. Der Oberste rieb die Stirne, meinte, dem Dinge könne wohl abgeholfen werden; nur habe ich eine sehr schlechte Methode ergriffen. Da hatte er Recht. Nun frühstückten wir zusammen; er befahl, mich vom gewöhnlichen Dienst zu befreien, außer wenn das Bataillon manövrirte, um nur schreiben zu helfen; und dazu gab er mir monatlich einige spanische Thaler Zulage. Die Ausgleichung war besser, als der Prozeß. Die größte Freude über meinen Unfall hatte wohl das Zöfchen, dem ich auf der Weser auf dem Speiseschiffe im Amtseifer so strenge mitgespielt hatte, und das jetzt recht stattlich bei dem Major, wie man sagte, eine Art von haushälterischer Liebschaft machte. Sie lächelte mich so schadenfreundlich an, als ich mich vom Arrest meldete, als ob sie mir den ganzen Auftritt bei Bremen zurückgeben wollte.

Nun ging es gut: ich schrieb eine lange Zeit viel Regimentslisten, und that übrigens sehr wenig. Die Arbeit war zwar trocken und langweilig genug; da oft wegen eines alten morschen Pfanndeckels, der nicht zwei Pfennige werth war, einige Bogen umkopirt werden mußten: dafür fing aber eben auch damals dort das papierne Jahrhundert recht praktisch an, und hat seit der Zeit gehörige reichliche Früchte getragen. Bei Münchhausen konnte ich nun nicht so oft seyn, als ich wünschte und er zu wünschen schien: und die guten Leute hoben mir manchmal mein Stück wilde Ente und einige Pastetchen auf, bis ich erst spät zur Partie kommen konnte. Ich that abwechselnd Dienste, nach dem Behuf, als Korporal, Sergeant, Fourier und Feldwebel, so daß ich alle Süßigkeiten des kleinen Soldatenlebens recht auskosten konnte. Als Fourier war ich ein reicher Mann, weil bei den Lieferungen immer etwas an Brot, Butter, Fleisch, Rum u. s. w. übrig blieb; nur ein einziges Mal mußte ich über zehen spanische Thaler zusetzen: da hieß es denn: „thut der Herr nicht die Augen auf, so thue er den Beutel auf.“

An eigene Arbeit wurde jetzt wenig gedacht, so sehr mich auch Münchhausen antrieb: einige Kleinigkeiten verdienen nicht Erwähnung. Nur ein einziges Stück, das eine Art von Jagdstück war, wäre vielleicht nicht ganz unwerth als Bildungsanfang mit aufbehalten zu werden, wenn nur noch irgendwo etwas davon zu finden wäre, als in den Winkeln meines Gedächtnisses, wo nicht viel davon übrig ist. Einiger Verse erinnere ich mich; sie lauteten, glaube ich, so:

Laß uns ruhen, Freund, in dieser Höhle,

Auf dem grauen Steine da,

Den vielleicht noch keine Menschenseele

Seit dem ersten Tag der Erde sah.

Ha, wie schauervoll und furchtbar siehet

Hier das Antlitz unsrer Mutter aus!

Wie die Allmacht sie dem Nichts entziehet,

Liegt sie hier, Natur, in Schreck und Graus.

Felsen, seit der Fluth noch unbestiegen,

Heben schwer ihr schwarzes Haupt empor,

Und um ihre dunkeln Schädel fliegen

Ungewitter aus der Kluft hervor.

Kreuzend liegen tausendjähr’ge Eichen

Durch einander, die das Alter fraß;

Morsche eingeborstne Stämme zeigen,

Daß den Wald hier nie ein Förster maß.

Kein gesellig Thier besucht die Klüfte,

Wohin nie der Fuß des Wandrers dringt,

Wo kein Vogel durch die leeren Lüfte

Eine Melodie der Freude singt.

Nur zuweilen brummt mit tiefem Grimme

Ein bejahrter Bär aus seiner Gruft

Durch die Felsen, wo mit heisrer Stimme

Nur ein alter grauer Adler ruft.

Doch vielleicht kann noch ein Wilder lauschen,

Der zum Mord sein krummes Messer schleift,

Und sodann in blitzgeschwindem Rauschen

Uns den Schädel von dem Hirne streift u. s. w.

Das Uebrige ist verwischt und wohl schwerlich irgendwo wieder zu finden, oder des Aufsuchens werth. Das Skalpiren der Wilden ist bekannt genug: und man erzählt davon fürchterliche Beispiele. Mir selbst ist keines bekannt geworden. Sie skalpiren sehr ehrlich nur ihre Feinde; und unsere Wilden waren durchaus nur freundschaftliche Leute. Ich kann wenig von ihnen sagen, was nicht schon bekannt wäre. Sie kamen sehr häufig in großer Anzahl in die Stadt, um ihre Jagdbeute zu verkaufen, die meistens aus Moosthieren, Geflügel und zuweilen Fischen, vorzüglich Aalen, bestand. Dafür bekamen sie Rum, europäische Bedürfnisse und spanische Thaler. Sie wußten den Werth des Geldes schon sehr gut zu schätzen, und betrogen eben so oft, als sie betrogen wurden. Das Moosthier, oder das Elent, ist ein majestätisches Geschöpf, das an Größe dem größten Holsteiner Pferde nichts nachgiebt, Schaufelgeweihe wie der Dammhirsch hat, die prächtig und furchtbar ausgreifen und ihm ein schreckbares Ansehen geben. Das Fleisch ist nicht immer gut; von einem jungen kann man es zu den Leckerbissen zählen, wenn es gut zubereitet wird. Man kann sich die Menge dieser Thiere denken, die dort müssen gewesen sein, da ganze englische Regimenter Tornister von Elentsfellen hatten. Die sogenannten Wilden waren nicht viel schlechter gekleidet, als ich die Letten, Esthen und Finnen gefunden habe. Ein grobes, graues Tuch, künstlich genug um den Körper gewickelt, machte das Hauptkleidungsstück. Sie kamen gewöhnlich zur See, in ihren bekannten Booten von Birkenrinde, die meisterhaft gebaut waren und die sie mit ihren kleinen Rudern meisterhaft zu führen verstanden. Die englischen Matrosen, die es ihnen nachthun wollten, verloren sehr oft das Gleichgewicht und fielen in die See, worüber denn die Indier und über das europäische schwerfällige Schwimmen recht herzlich lachten. Sie machen mit diesen Booten große Küstenreisen und stechen damit außerordentlich weit in die See. Ich erinnere mich eines Falles, der uns wenigstens ziemlich unterhaltend war. Ich hatte auf einer kleinen Außenbatterie die Wache, saß auf einer Kanone und schaute behaglich in die See hinaus, die eben ziemlich hoch und hohl ging. Da entdeckten wir in großer Ferne etwas, worüber jeder seine eigenen Muthmaßungen hatte, was es wohl seyn könnte. Keiner rieth die Wahrheit. Als es näher kam, sahen wir, es war ein indisches Birkenboot, das der Wind grade zu uns ans Ufer trieb. Wir eilten hinab und es lag ein ziemlich alter Uramerikaner darin, der in Sturm und Wogenbruch recht ruhig schlief. Neben ihm lag eine leere und eine halbleere Rumflasche, die seinem Schlummer sehr behülflich gewesen seyn mochten. Er war nicht zu ermuntern; denn sein Zustand ist leicht zu errathen. Wir führten ihn hinauf ins Wachthaus, legten ihn auf dem ruhigsten Ort der Britsche nieder, wo er lethargisch fortschlief. Das Boot zogen wir ans Land, die Flaschen bargen wir; den Beutel, den er am Gürtel trug, und in dem vierzig spanische Thaler waren, schloß ich aus Vorsicht in den Schrank. Als er ernüchtert erwachte, blickte er wild verwundert um sich, daß er sich auf einer europäischen Wache befand. Da wir ihm aber die gefährliche Lage bedeuteten, in welcher er sich befunden hatte, ward er heiter und schien im Begriff zu seyn, uns danken zu wollen: da er aber auf den Gürtel blickte und seinen Beutel vermißte, ward sein Gesicht länger und breiter, und ein Gemisch von Gefühlen schien in seiner Seele zu arbeiten, die alle besagten: Ha, ha! so ists? du bist unter die weißen Leute gerathen: als ich ihm aber den Beutel aus dem Schranke darreichte und er schnell am Anblick merkte, daß wohl nichts fehlen würde, er wohl auch eilig den Schluß machen mochte, daß man nicht einen Theil behalten würde, wo man des Ganzen Meister war, ward seine Freude urpatriarchalische Ausgelassenheit. Er umarmte einen nach dem andern, und man sahe ihm an, daß ihm das Geld nicht so lieb war, als die Gesellschaft ehrlicher Leute; und als er die Summe endlich vollzählig fand, bestand er durchaus darauf, die Wache sollte eine Handvoll Thaler nehmen. Ich hatte gute Gründe das zu verweigern; aber einige mußten wir behalten. Nun bugsirten wir ihn wieder in sein Boot, mit guten Erinnerungen und Warnungen vor der Rumflasche. Er schien ganz Dankbarkeit; das Wetter war besser und er ruderte gutes Muthes durch die Bucht in den Ocean hinaus. Ein andermal hatte ich auf dem nämlichen Platze den grauenvoll großen Anblick, daß ein schönes herrliches Schiff aus Unkunde des Weges bei starkem widrigen Winde auf einen verborgenen Felsen lief. Ich hatte lange mit ängstlicher Theilnahme zugesehen, wie es mit Mühe und Schwierigkeit herein lavirte. Meine Augen waren mit gespannter Aufmerksamkeit dahin geheftet; meine Seele war ganz auf dem Schiffe, da setzte es in keiner großen Entfernung mit einem furchtbar krachenden Stoß auf das versteckte Riff, so daß die Maste zusammen brachen und die ganze Maschine in Trümmer zu zerbersten drohte. Das Geschrei der Leute war herzschneidend. Sogleich fielen einige Nothschüsse und sogleich eilten einige größere Schiffe, an ihrer Spitze eine Fregatte, und eine Menge kleinere Fahrzeuge, zur Hülfe heraus. Von der Mannschaft wurde Alles gerettet; aber von der Ladung fast nichts, da sie aus lauter Artikeln bestand, die nicht das Wasser vertragen konnten. Das schöne fast ganz neue Schiff saß fest auf der Spitze, die ein ungeheures Leck gerade unten mitten am Kiel eingebrochen hatte, und weder menschliche Kraft noch Kunst war es herabzubringen im Stande, bis endlich eine sehr einfache Maschinerie es mit der großen Springfluth herunter hob. Man legte nämlich bei der niedrigsten Ebbe auf beiden Seiten eine Menge großer leerer Rumfässer, befestigte sie korrespondirend unter dem Kiel weg mit Tauen, und auf diese Weise hoben die vielen leeren Gefäße mit Hülfe der hohen Fluth das Schiff aus dem Riff heraus und brachten es glücklich hinein auf den Werft. Ich war durch einen glücklichen Zufall eben wieder gegenwärtig, als es herabgehoben und hinein bugsirt wurde.

Die Wilden benahmen sich, so viel ich habe beobachten können, immer anständig; doch soll das nicht stets der Fall gewesen seyn, und der Gouverneur soll sie militärisch haben einstecken lassen müssen, um ihren Natürlichkeiten in Hinsicht des Geschlechts Einhalt zu thun. Wenn sie des Rums etwas voll und lustig wurden, führten sie drollig genug sogleich am Ufer den Ball auf und tanzten nach einer Art von brummendem Gesang, wozu einige mit Kieselsteinen aus dem Stegreife den Takt schlugen. Wir kamen nicht selten auf unsern größern Streifereien in ihre Hütten an Felsen und Bächen, die meisten hatten sich tiefer zurückgezogen; ich habe aber nie gehört, daß sie einem von den Unsrigen etwas zu Leide gethan hätten: und dann wäre es wahrscheinlich bloß die Schuld des Europäers gewesen. Einige hielten es mit uns, einige mit den Republikanern, nachdem ihre Stimmung und Lage war: und es wäre wohl schwer zu entscheiden, ob sie hier oder dort mehr betrogen wurden. Mit dem Feuergewehr wußten sie schon seit langer Zeit sehr geschickt umzugehen, und hatten gemeiniglich alte große lange holländische Schießprügel, mit welchen sie mehrere hundert Schritte vortrefflich das Ziel trafen und manchen Posten im Gebüsche wegschossen, ohne daß man gewahr werden konnte, woher die Kugel kam. Als die Franzosen noch Herren von Kanada waren, ließen sie sichs angelegen seyn, durch ihre Missionarien die Amerikaner ins Christenthum einzupferchen: daher noch mancher Alte unter ihnen, wenn er die Glocken hört, sein Kreuz schlägt und „au nom de dieu, du père, du fils et du saint esprit“ dazu sagt. Das schien indessen auch der ganze Ueberrest von Kenntniß in Sprache und Religion zu seyn. Die Engländer kümmern sich um das Bekehrungsgeschäft wenig oder gar nicht: das hätte nichts zu sagen, da man die Neubekehrten nur gar zu gern in die Verhältnisse der Letten und Esthen treten läßt; wenn man die armen Urbewohner nur nicht ächt europäisch-christlich von allen Seiten so zurück zwänge, daß ihnen im Kurzen nichts als der Hals von Kalifornien oder die unbekannten Eisländer übrig bleiben werden. Die ich gesehen habe, waren alle ein großer, schöner, nerviger Menschenschlag, mit länglich regelmäßigen Gesichtern, ungefähr wie die alten ächten Brandenburger. Ich erinnere mich nicht einen unter ihnen gesehen zu haben, der über fünf Fuß neun Zoll oder unter fünf Fuß drei Zoll gewesen wäre; also sehr selten war einer so klein, wie meine eigene Personalität, die doch unter uns noch nicht zwerghaft ist. Die kupferbraune Farbe kleidete die Männer sehr anständig ernsthaft; ungefähr wie bei uns ein Grenadier, der ein halbes Dutzend Feldzüge mitgemacht hat, eine Farbe bekommt, die von seinem Feldkessel nicht sehr verschieden ist. Aber die nämlichen Züge und die nämliche Farbe sind den weiblichen Reizen nichts weniger als günstig; und ich habe keine Indianerin gesehen, die durch ihre Erscheinung den geringsten gefälligen Eindruck auf meinen europäischen Sinn gemacht hätte, ob ich gleich eine Menge junger Mädchen gesehen habe und damals selbst ein junger rüstiger Kerl war. Die meisten sprechen jetzt etwas Englisch, da sie vom höchsten Norden bis an die spanische Gränze hinab von lauter ursprünglich englischen Kolonien umgeben sind. Kriegerische Vorfälle haben wir außer einigen Märschen nicht gehabt: ein einziges Mal schien es zu etwas Ernsthaftem kommen zu wollen, da die Franzosen den Ort anzugreifen drohten. Aber außer einigen Schüssen von den äußersten Batterien fiel nichts vor: es blieb bei den Drohungen, vermuthlich da sie die Engländer stärker und in besserer Bereitschaft fanden, als sie vermutheten. Mich ärgerte das; denn ich sahe der Landung und dem blutigen Handel mit aller Neugier eines jungen Menschen entgegen, bei dem Kraftgefühl und Thätigkeitstrieb die natürliche Furchtsamkeit überwand. Wenn ich zuweilen von einigen Kriegsvorfällen gesprochen habe, als ob ich dort gegenwärtig dabei gewesen wäre, so ist das weniger jugendliche Eitelkeit gewesen, als vielmehr, weil mich die Leute durch ihr ungestümes Fragen hineinzwangen, und ich manchmal aus Aerger Ja sagte, weil ich beständig Nein gesagt hatte. Auch habe ich keine einzige Unwahrheit gesprochen, so viel ich mich erinnere: nur geschah nicht Alles unter meinen Augen. Es that mir nachher manchmal leid, da es doch gegen den Charakter der Wahrhaftigkeit ist, der immer mein Ziel war: aber ich wollte nicht gern zurücknehmen, und habe mich seit der Zeit gehütet, eine Sylbe über die strengste Wahrheit zu sagen: gegen dieselbe sprach ich nie.

So kam denn endlich die Nachricht vom Frieden uns eben nicht erwünscht: denn junge thatendurstige Leute sehen nicht gern ihrer Bahn ein Ziel gesteckt. Man hatte mir geschmeichelt, ich könnte Officier werden und mir eine Laufbahn eröffnen. Mit dem Frieden war Alles geschlossen: denn nach unserer Ordnung konnte kein Bürgerlicher in der Regel weiter aspiriren, als bis zum Feldwebel; ein Ehrenposten, dessen lebenslängliche Dauer ich eben nicht sehr beneidete. Bei uns mußte man Edelmann seyn, oder viel Geld haben, um im Staate ein Mann zu werden; zwei Verdienste, deren Gültigkeit jedem Vernünftigen sogleich in die Augen springt. Zuweilen that Verbindung und Empfehlung auch etwas; und noch seltener wurde zufälligerweise auch wohl wirkliches Talent bemerkt. Im Kriege, wo oft periculum in mora ist, wo man Männer für Aemter und nicht Aemter für Männlein sucht, sind die Ausnahmen häufiger und es tritt da, dem Kastengeist zum schweren Aerger, nicht selten das alte primitive impertinente Menschenrecht wieder ein, daß jeder nur das gilt, was er werth ist. Doch hat es bei uns noch lange Zeit, ehe es dahin im Allgemeinen kommt: der Mensch gilt durchaus nur das, wozu ihn der Staat stempelt, und es ist keine Gefahr, daß Vernunft die Stempelordnung machen und halten werde.

Ich hatte in Amerika einen Freund, von dem ich nicht weiß, wo ihn das Schicksal hingeschlagen hat, der zu den besten gehört, die ich je gehabt habe: einen gewissen Serre aus Halberstadt, von der französischen Kolonie, der einige Zeit bei seinem Anverwandten Lavater in der Schweiz gewesen war, und dessen besseren vernünftigern Enthusiasmus glühend heiß besaß. Dieser war Unterofficier, wie ich, ein junger, muthvoller, leichtsinniger Kerl. Das Leben englischer Söldlinge war uns eben nicht angenehm, und wir beide hatten uns mit dem Gedanken getröstet, wir würden uns gelegentlich den Republikanern anschließen können; ein sehr natürlicher, verzeihlicher Gedanke für junge Leute, die mehr mit Plutarch, als mit Hobbes lebten. Die Gelegenheit wollte nicht kommen; Serre suchte sie also herbei zu führen; und er hatte eben den Entwurf gemacht, durch die großen Waldungen über die Buchten von Hallifax nach Boston zu gehen; freilich eine Unternehmung auf Tod und Leben. Er hatte sich schon über die englischen Posten unterrichtet, für Munition und nothwendige Bedürfnisse gesorgt; und die Ausführung war beschlossen, als eben der Friedensbote kam. Mich hatte nichts so sehr zurückgehalten, als der Gedanke, Münchhausen zu verlassen, der mit so redlicher Freundschaft an mir hing; und die Sache war von der Beschaffenheit, daß sie durchaus keine Mittheilung litt. Die einzige Bedenklichkeit in unsrer Freundschaft war, daß Münchhausen ein Edelmann war, der den Kopf voll alten Ritterwesens hatte, welches ich auf alle Fälle für halbe Barbarei hielt und noch halte. Freiheit und Gerechtigkeit hat bei Edelleuten einen ganz andern Sinn, als uns Philosophie und Staatswissenschaft lehrt: und das „verba valent sicut nummi“ ist nirgends mehr anwendbar, als in unserm sogenannten öffentlichen Rechte. Unserer Freundschaft stand also der Mangel endlicher Uebereinstimmung entgegen, welches der Fall bei Serre nicht war, der übrigens weder Münchhausens moralischen Werth, noch feinen Lebenstakt hatte. Der Friede zerschlug unsere Unternehmung, da wir nur nach Thätigkeit junger Leute geizten und nicht gesonnen waren, neben und unter Huronen und neuen Republikanern unser Leben fort zu vegetiren. Auf dem Schiffe wurde ich von Münchhausen getrennt; er kam auf ein anderes Fahrzeug. Der Guignon des Lebens wollte, daß ich ihn seit der Zeit nur zweimal wieder sahe; einmal, als sich auf dem Meere unsere Schiffe so näherten, daß wir mit der größten Anstrengung uns einige Worte zurufen konnten; das anderemal, als ich aus Italien und Frankreich kam, und ihn in Schmalkalden besuchte.

Unser Leben in Hallifax bestand in einem Drittel deutscher Gewöhnlichkeit, einem Drittel huronischer Wildheit und einem Drittel englischer Verfeinerung; und nach dem verschiedenen Charakter der Individuen stach eins von diesen Dritteln hervor. Bei mir blieb wohl meistens der Deutsche sitzen, obgleich Britten und Huronen mein Studium waren, und bald diese, bald jene den Vorzug behielten. Ich habe schon oben gesagt, daß Hallifax vielleicht einer der besten Häfen des Erdbodens ist. Diese Insel und das Fort St. George am Eingange ist eben stark genug, mit gehöriger Besatzung jeder beträchtlichen Flotte die Annäherung zu verwehren. Die Stadt selbst, am Ufer hin, tief in die Bucht hinein, hat ungefähr zehntausend Einwohner. Der englische Preis aller Artikel ist immer etwas höher, als in andern Ländern, und im Kriege war er es dort ungewöhnlich. Ich erinnere mich, daß ich manchmal zum Abend nach unserm Gelde fast für acht Groschen Brot, für acht Groschen Butter und für acht Groschen Kartoffeln gegessen, und einmal für ein Stückchen Kälberbraten und einen Gurkensalat eine halbe Guinee bezahlt habe. Während eines ganzen Winters bestand mein Abendbrot fast immer aus geröstetem Butterbrot mit geräuchertem Lachs, dem wohlfeilsten Artikel der Gegend. Das Pfund frisches Fleisch kostete nicht selten nach unserm Gelde einen halben Thaler; frisches Gemüse war kaum zu bezahlen. Dafür konnte aber auch ein Handarbeiter am Hafen täglich drei spanische Thaler verdienen: Alles kam ins Gleiche. Verschiedene sparsame Kerle haben auf diese Weise mehrere hundert spanische Thaler gesammelt, und, wenn sie der Zufall verschonte, sie mit in die Heimath gebracht. Ich selbst hatte von dem Ertrag der Arbeitskommandos, welche von der Krone bezahlt wurden, einige schwere Goldstücke zurückgelegt. Einige ächt soldatische Kameraden, in deren Taschen sich kein blindes Kupferstück hielt, hänselten mich aber so lange und droheten mir, mir bei meinem seligen Ende mit meinem eigenen Golde tüchtig das Maul zu zerschlagen, daß ich sie sehr bald wieder in Umlauf gesetzt hatte. Wenn Münchhausen nichts Wildes lieferte, und ich den schwarzstriefigen Kommißspeck und auch den Rauchlachs zum Ueberdruß gegessen hatte, schoß uns Serre in den Außengegenden auch wohl einen fetten Hund, oder einen feisten Kater, deren frisches Fleisch und Fett uns nicht selten leckere Mahlzeiten gaben.

Unsere Hinfahrt dauerte, wie ich oben sagte, zwei und zwanzig Wochen, eine ungeheure Länge; den nämlichen Weg machten wir rückwärts in drei und zwanzig Tagen; also machte ich eine der besten und eine der schlimmsten Fahrten mit. Heimwärts segelten wir, als flögen wir davon; und es gewährte ein eigenes großes, kühnes Vergnügen auf den ungeheuern Maschinen im Sturm daher geschleudert zu werden. Es hatten sich eine große Menge Schiffe aller Arten und aller Nationen zuerst nach dem Frieden gesammelt, und wir liefen wohl über zweihundert zusammen in dem Kanal ein, unter denen sich auch zwei amerikanische Fregatten mit der neuen freien Staatenflagge befanden, für einen Alt-Engländer wohl das größte Herzeleid, seitdem die brittischen Flotten die Meere besegelten. Die letzte Nacht gehört zu den schönsten, die ich auf dem Wasser erlebt habe. Es war ein gewaltiger Gewittersturm auf dem Kanale in der Gegend von Portsmouth. Die zusammengeengte Flotte, das Heulen des Sturms, das Schlagen des Tauwerks, das Rollen des Donners, das Leuchten der Blitze, das grelle Aufhellen der glühenden Wogen und das augenblickliche Schließen zur schwärzesten Nacht, das Rufen und Schreien der Matrosen, das Geläute der Glocken, der ferne dumpfe Hall der Signalschüsse, das Dröhnen und Krachen der Schiffsfugen, und die Angst, daß wir vielleicht über Klippen stürzten — man denke sich die Wirkung des Ganzen auf die entzündete Einbildungskraft! Und mit dem sich heiternden Morgenhimmel waren wir wirklich in der Nähe der Kreideberge, die dem Lande den Namen Albion geben. Es war still und frisch und freundlich, wie nach einer Gewitternacht, und die Schiffe schaukelten nur noch unwillkührlich heftig auf der empörten See. Bei diesen und ähnlichen Gelegenheiten war es mein gewöhnliches Vergnügen, mich im Raum unter die Oeffnung zu setzen und in die Höhe an den Horizont hinaus zu sehen; da sah ich denn die Schiffe rechts und links oben auf den Wellen tanzen. Man denke die Winkel, welche die Schiffe auf der Woge machen mußten, damit dieses möglich war. Oft war die Täuschung so groß, daß man minutenlang glaubte, ein Schiff sei von den Wellen verschlungen, das plötzlich mit Blitzesschnelle wieder auftauchte und eben so wieder verschwand. Bei Deal lagen wir einige Zeit in den Dünen vor Anker, und da wurde uns denn wohl einzeln erlaubt, an das Land zu gehen; das ist also das Ganze meines Aufenthaltes in Alt-England und kaum der Erwähnung werth. Die Fahrt über die Nordsee war dießmal sehr stürmisch und langweilig, welches desto verdrießlicher war, da die Reise über den Ocean so schnell ging und wir das Uebrige nur noch für einen Katzensprung hielten. Auf einmal befanden wir uns bei Cuxhaven und Ritzebüttel, vermuthlich weil wir nicht in die Weser einlaufen konnten. Ich erinnere mich hier eines Vorfalls, der die außerordentliche Gewalt der Fluth beweist. Ein Mensch saß auf dem Verschlage, der als Bequemlichkeit diente. Die Fluth war im Ablaufen; er mochte sichs bequem machen, und sein ganzes Gewicht ruhte auf dem Seitenstücke; das Stück brach, er fiel hinunter, und obgleich zwei der besten Schwimmer sogleich nachsprangen, so war er doch augenblicklich verschwunden und wurde nicht wieder gesehen. Mit vieler Mühe rettete das ausgesetzte Boot nur die beiden Matrosen und hatten einige Stunden zu arbeiten, ehe es wieder an das Schiff kam. Nach einigen Tagen segelten wir wieder nach Bremerlee, wo wir Fahrzeuge wechselten und eben so wieder heraufbugsirt wurden, wie wir hinunter fuhren.

Hier schreckte uns die Besorgniß, daß wir bei Minden würden an die Preußen verkauft werden. Es wurde laut gesprochen, und der bekannte gewissenlose Seelenschacher des alten Landgrafen machte die Sache nicht unwahrscheinlich. Serre also, ein gewisser Wurzner aus Gotha und meine Personalität hatten bei Elsfleth den löblichen Entschluß gefaßt, uns den Fesseln der schändlichen Dienstbarkeit zu entziehen. Einige Nächte lauerten wir ohne Erfolg auf Gelegenheit; denn die Büchsenschützen hatten ihre geladenen Läufe überall hin gerichtet. Aus Verdruß und Müdigkeit war ich auf meinem Habersack eingeschlafen, und als ich den Morgen erwachte, waren die beiden Hechte fort und hatten mich vermuthlich mit Sicherheit nicht wecken können. Ich kratzte mich hinter den Ohren und sahe ärgerlich nach dem Kahne, der sie in die Freiheit geführt hatte. In Bremen versuchte ichs indessen allein auf meine eigene Hand, und es gelang mir am hellen lichten Tage unter ziemlicher Gefahr. Die nächste Veranlassung war ein Gezänk mit dem Feldwebel über Brotlieferung, in welches sich der kommandirende Officir etwas diktatorisch handgreiflich mischte. Das Gespenst der Preußen saß mir fest im Gehirn; ich hatte ganz gegen meine Gewohnheit ohne alle Absicht in einigen Gläsern Wein mich etwas warm getrunken, und machte kurz und gut auf und davon, am Ufer hin, über die Brücke weg, in die Altstadt hinein. Ein guter, alter, ehrlicher Spießbürger mochte mir doch wohl einige Verwirrung ansehen; er kam freundlich zu mir und fragte: „Freund! Ihr seid wohl ein Hessischer Deserteur?“ „Und wenn ich denn einer wäre?“ sagte ich. „Da muß ich Euch sagen, unser Magistrat hat Kartel mit dem Landgrafen.“ Und nun —

Fortsetzung
von
Seume’s Leben,
mitgetheilt
von
C. A. H. Clodius.

Und nun“ — das sind die letzten Worte, welche Seume geschrieben hat; das Folgende ist leider nur Erzählung aus den Erinnerungen einiger Freunde des Verewigten. Ihnen, welche ihn genau gekannt und innig geliebt haben, ist das Bild, welches er selbst gezeichnet hat, ein Vermächtniß, in welchem er bei ihnen fortlebt. Sie glauben ihn noch vor sich zu sehen und reden zu hören, weil sein Leben sich eben so anspruchslos und wahr, eben so heiter und gleichmüthig in Worten und Handlungen darstellte, als er es, während einer schmerzhaften Krankheit, beschrieben hat. Seine Selbstbiographie zeigt uns seine Jugend, seine übrigen Schriften zeigen den Mann, und folgende Züge von einer Hand, welche mit Treue zeignet, werden die Schilderung seines edlen und liebenswürdigen Charakters vollenden. Große Sorgfalt für sein Inneres, wenige für sein Aeußeres; ernstes Denken, ruhiges Erwägen und Tiefe des Gemüths; Mangel an Nachgiebigkeit und Reichthum an Nachsicht; Bewußtsein seines Werthes und Bescheidenheit eines gebildeten Menschen; Freundlichkeit und Liebe im Herzen, oft finster um Stirn und Auge; empfänglich für das Schöne und Erhabene; flammender Eifer für die Gerechtigkeit und eine gesetzmäßige Freiheit; selbstständig ohne Furcht; bitter gegen schlechte Menschen aus Liebe zur Menschheit; — so war Seume.

Wieland nannte Seumen, wegen seiner Tugenden und wenigen Bedürfnissen, den edlen Cyniker, einen Menschen von großem Werth. Dieses Lob des berühmten und liebenswürdigen Mannes hat ihn sehr glücklich gemacht und wird ihn ehren bei Allen, welche den Beifall der Besten unter den Menschen für den höchsten Ruhm halten, den ein Sterblicher gewinnen kann. Einer seiner Freunde, der allen seinen entfernten Geliebten ein Sternbild widmete, wobei er ihrer in stillen Nächten gedachte, wurde von Seume gefragt: wohin er denn ihn einmal künftig einquartiren würde? und als er darauf im scherzenden Ton antwortete: „Sie haben schon lange Ihren Platz in dem hellen, nicht untergehenden Gestirn des großen Bären;“ sagte Seume mit Lächeln: „So, so! Meinetwegen!“ — Die Begebenheiten, welche hier angeknüpft werden, sind Beweise zu dem Lobe, welches eine unpartheiische Freundschaft ausgesprochen hat und können als Belege dienen, daß ein widriges Schicksal der Hebel edler Naturen wird.

 

Das gutmüthige Volk der guten Stadt Bremen drängte sich als eine Schutzwehr um Seume herum und schob gewissermaßen den Fremdling hülfreich zum nächsten Thore hinaus. Seume, ein trefflicher Läufer, flog wie ein Pfeil. Demungeachtet waren seine Verfolger, die Hessischen Jäger, ihm immer ganz nahe und trieben ihn endlich in den Sack zwischen den beiden Flüssen der Hunte und der Weser. Hier, glaubten sie, könnte er ihnen nicht entspringen, und er hielt sich verloren: denn wollte er sich ins Wasser stürzen, so tödtete ihn, den durch und durch Erhitzten, der Schlag; blieb er stehen, so war er das Opfer seiner Flucht. Zum Glück sah er in einem Weidenbusch am Ufer der Hunte einen Fischerkahn und sprang hinein. Der mitleidige Fischer, welcher der Menschenjagd zugesehen hatte, hieß ihn sich gleich auf dem Boden niederlegen, und stieß augenblicklich vom Lande ab. Nun kamen auch die Jäger und schossen; aber die Kugeln flogen über das Schiff, und der gleichmüthige Schiffer arbeitete ruhig durch die Gefahr, bis er glücklich das jenseitige Ufer erreichte. „Hier Freund,“ sagte der Mann, „seid Ihr frei, und auf Oldenburgischen Grund und Boden. Gott helf Euch weiter!“ Das Leben war gerettet, die Kette zerbrochen, und der Landgraf litt einen Verlust von einer Handvoll Thaler, die er aus Seume’s Verkauf zum zweitenmal hätte lösen können.

Den folgenden Tag kamen Hessische Officiere mit freundlichen Worten, brachten Pardon, boten Geld, versprachen Beförderung; aber Seume ließ sich nicht verleiten, empfahl sich höflich und ging aus ihrer Gesellschaft weg nach der Stadt Oldenburg. Der damalige, jetzt noch in Rußland lebende Herzog dieses Landes, ein gebildeter, edler Fürst, unterstützte den einnehmenden, interessanten jungen Deserteur, und that Vorschläge zu künftigen Lebensplänen; als aber Seume die Sehnsucht nach der geliebten Mutter und dem Vaterlande äußerte, entließ er ihn mit einem ansehnlichen Geschenk. Durch diese Großmuth konnte der so lange Geplagte und Verkaufte nun bequem frei und froh die Rückkehr zur lieben Heimath antreten und der gerettete Sohn konnte wieder in die Arme der Mutter eilen. Schon hatte er wohlgemuth die Oldenburgische Gränze überschritten, als das unglückliche Vergessen, die Hessische Uniform mit einem Civilrock zu vertauschen, ihn gerade in den verhaßten Dienst brachte, dem er durch seine Flucht hatte entgehen wollen, und ihm in einem Augenblick wieder Freiheit, Hoffnung und kaum genossenes Glück raubte. Preußische Werber hielten ihn an und schleppten ihn, als Deserteur, ohne Umstände nach Emden, wo er gemeiner Soldat werden mußte. Den Käfig, in welchen man ihn, wie alle unfreiwillig genommenen Soldaten, eingesperrt hatte, zu zerbrechen, dem ehemals strengen Preußischen Dienst und der verächtlichen Behandlung der Soldaten wieder zu entgehen, das war die einzige tröstliche Aussicht, welche ihm hier in der Garnison übrig blieb, und die ihn reizte, so bald als möglich zu entfliehen. Einst in einer sternenhellen Nacht führte er seinen Entschluß wirklich aus. Er mochte ungefähr eine Stunde gelaufen seyn, als die Lärmkanone seine Flucht ankündigte und die ganze Gegend zum Verfolgen aufrief. Seume ließ sich dadurch nicht schrecken; aber ein dicker Nebel verhüllte ihm den Weg, machte ihn irre und führte ihn wieder gerade nach Emden in die Hände derer, welchen er zu entgehen glaubte. In seinem Arrest schrieb er mit Kreide einen lateinischen Vers an die Thüre der Wachstube, welcher die traurige Stimmung seiner Seele ausdrückte. Der wachhabende Officir fragte, wer den Vers geschrieben habe? „Vermuthlich der kleine schwarze Arrestant;“ antwortete die Wache. Das Kriegsverhör begann mit der Untersuchung über den Hexameter und ein Kapitän behauptete: er sei nicht richtig. Seume bewies aus der Prosodie, daß er vollkommen schön sei und lehrte die Richter, was zu einem guten Hexameter erfordert werde. Als aber demungeachtet der Kapitän seine Kritik noch zu behaupten suchte, brachte Seume einen Beweis vor, der entscheiden mußte: er zog seinen Virgil aus der Tasche und zeigte, daß jener Vers aus dem größten Künstler der lateinischen Poesie genommen war. Die Untersuchung über eine Stelle aus dem Virgil führte zu der Frage, wie er in den Dienst gekommen sei? und als Seume hierauf finster antwortete: „durch Gewalt von den Preußen, wie von den Hessen;“ ließ man Gnade für Recht ergehen und befreite ihn von dem Arrest. Der brave General Courbiere, welchen die Preußen, nach der Schlacht bei Jena, mit Achtung öffentlich genannt haben, nahm sich seiner an, erleichterte ihm den Dienst, trug ihm auf, seine Kinder zu unterrichten und empfahl ihn mehreren Familien. Jetzt hatte Seume keine Noth. Aber, weil er nicht hoffen durfte, wieder los zu kommen, und keine Aussicht hatte, befördert zu werden bei der Einrichtung Friedrichs II., nach welcher nur die Adeligen Officirstellen erhalten konnten, dachte er an einen neuen Versuch, zu entfliehen, ungeachtet der erste so wenig gelungen war. Es war Winter; die grundlosen Wege und Felder in Ostfriesland mochten eben hart und die weiten, tiefen Gräben eben zugefroren seyn, als Seume seinen Posten verließ und, in Dunkelheit der Nacht, das Weite suchte. Noch in eben der Nacht fing es an zu thauen; der Regen strömte vom Himmel und machte die Felder, worauf Seume seinen Weg in der Entfernung von der Landstraße und den Dörfern suchen mußte, zu tiefen Morästen. Länger als 24 Stunden war er, durchnäßt und erhitzt, fortgewadet, durch das Eis in tiefe Gräben gesunken, und hatte mit fast übermenschlicher Anstrengung sich bis nahe an die Gränze gearbeitet, als er sich erschöpft fühlte und der Ohnmacht nahe in ein Dorf ging. Die Leute halfen ihm; aus seinen Stiefeln floß das Blut; man legte ihn in ein Bett. Der freundliche Amtmann des Orts besuchte ihn, gab ihm Erquickungen, und sandte ihn den andern Tag auf einem Wagen, sorgfältig in Stroh gepackt, unter einer handfesten Bedeckung, wieder nach Emden in die Ketten zurück. Wer vermochte jetzt den Unglücklichen, welchen Jedermann schon froh in Sicherheit glaubte, den seine Officire selbst mit Jammer wieder eingeliefert sahen, zu retten? Zum Unglück war der General, sein Gönner, mit dem Obersten des Regiments gespannt; Keiner traute dem Andern, um etwas für den Arrestanten gegen die fürchterlichen Kriegsgesetze zu wagen. Die angesehensten Männer in Emden verwandten sich für Seumen mit allen Kräften, doch ohne glücklichen Erfolg; vergeblich bat fast die ganze Stadt. Endlich kam die Jugend, an ihrer Spitze die eigenen Kinder des Generals, und baten mit Thränen und Händeringen für ihren geliebten Lehrer um Gnade. „Kinder,“ sagte der General, konnte aber vor Wehmuth kaum sprechen, „Kinder, ich kann nicht, so gern ich wollte.“ — Man nahm Seumen die Ketten ab und stellte ihn vor das Kriegsgericht, welches ihn zu zwölfmal Spießruthen verurtheilte. Finster und schweigend trat er ab, als der Oberste „Halt!“ rief. Seume trat wieder vor. Der Oberste sprach weiter: „In Rücksicht des sonstigen guten Betragens des Arrestanten, seines moralischen Lebenswandels und des guten Gebrauchs, welchen er von seinen Talenten macht, auch wegen der Art und Weise, wie er in den Dienst gekommen ist, verwandelt das Kriegsgericht die bestimmte Strafe in sechswöchentliches Gefängniß bei Wasser und Brod.“ — Der General setzte halb laut hinzu: „Arrestant wird es wohl auch nicht übel nehmen, wenn ihm die Bürger zuweilen ein Stück Braten senden.“ Dieser Wink wurde gut verstanden. Seume schmausete während der sechs Wochen seines Arrestes, durch die Gutmüthigkeit der Bürger in Emden, besser als der General, und konnte noch von seinem Ueberfluß den Kameraden reichlich mittheilen.

Diese letzte Flucht, die blutige Strafe, welche die preußische Disciplin für eine zweite Desertion bestimmte, und die unerwartete glückliche Wendung, mußten Seumen noch bekannter machen, als er schon vorher war, und ihm allgemeine Theilnahme erwecken. Die Sache hatte durchaus keine nachtheiligen Folgen für ihn; der Dienst wurde ihm nicht schwerer gemacht, seine Freiheit nicht beschränkter, als sie vor seiner Entfernung war; er konnte seine Lehrstunden wieder fortsetzen, und es fehlte ihm an nichts, als an Unabhängigkeit von dem preußischen Dienstzwange. Einst fragte ihn ein begüterter, braver Mann, ein Bürger der Stadt: „Warum, Seume, suchen Sie nicht Urlaub, um einmal nach Sachsen zu reisen?“ — „Ich würde ihn nicht erhalten.“ — „Sie werden ihn gewiß erhalten; bieten Sie nur eine Kaution.“ — „Das kann ich nicht: denn ich habe nicht so viel Geld.“ — „Dann habe ich. Bieten Sie achtzig Thaler; sprechen Sie morgen mit dem General!“ — „Ich komme nicht wieder.“ — „Was geht das mich an? machen Sie das, wie Sie wollen; achtzig Thaler stehen parat.“ — Seume bat um den Urlaub, erhielt ihn, und kam glücklich bei seiner glücklichen Mutter in Poserne an.

Jetzt faßte er den Plan, sich in Leipzig ganz den Wissenschaften zu widmen, und während er seinem Körper, nach so vieler Anstrengung, Erholung gewährte, den Geist in größere Thätigkeit zu setzen. Wovon aber sollten die achtzig Thaler Kaution, die ihm so edelmüthig gegeben waren, wieder erstattet werden? Die gute Mutter hätte gewiß den letzten Heller für den geliebten Sohn und das wiedergefundene Glück hergegeben; aber der gute Sohn verschwieg die Schuld sorgfältig, weil er wollte, daß die liebende Mutter sich um seinetwillen nichts versagen, und in keine Verlegenheit kommen sollte. Der Kreissteuereinnehmer Weiße, der liebenswürdigste Mensch, den ich in einem Zeitraum von einem halben Jahrhundert habe kennen lernen, und dessen Gleichen ich auf meinen Reisen nirgends gefunden habe, schaffte Rath und half Seumen auch aus der Noth, die ihm jetzt noch auf dem Herzen lag. Weiße gab Seumen einen englischen Roman: Honorie Warren, zum Uebersetzen; als dieser mit der Arbeit fertig war, ging jener damit zu dem Buchhändler Goeschen, sagte ihm den Zweck derselben und erzählte ihm die Geschichte des Uebersetzers. Dieser Roman ist 1788 gedruckt erschienen. Das Honorar dafür wurde nach Emden an den Mann gesandt, welcher durch seine Großmuth Seume’s Befreier geworden war, und auf die Wiedererstattung wahrscheinlich gar nicht gerechnet hatte.

Vielleicht haben wenige Schriftsteller ihre Laufbahn aus so edlen Absichten, als Seume, begonnen; denn sein erstes Werk ist ein rührendes Denkmal des Edelmuths eines Bürgers (in Emden), der Dankbarkeit, Redlichkeit und kindliche Liebe des Verfassers, wodurch dieses Buch jedem fühlenden Herzen interessant werden muß.

Jetzt widmete sich Seume, nach einer langen und prüfungsvollen Unterbrechung, ganz den Wissenschaften mit aller der Freiheit, die er sich ehemals gewünscht hatte und mit angeborner Liebe und Ausdauer, an dem Orte, den er ehemals aus freiem Entschluß verließ. Der Abweg, welchen er damals von seiner akademischen Laufbahn einschlug, hatte ihn durch scharfe Dornen, durch ein zwar schmerzliches, doch läuterndes Fegefeuer geführt. Die wirkliche Welt, der Umgang mit edlen und niedrigen Naturen, die sonderbaren Verhältnisse wilder, roher und disciplinirter Menschen im Kampf unter einander und mit den Elementen hatten ihm Lektionen gegeben, welche eine herrliche Vorbereitung zu den Studien der Wissenschaften wurden, und ihn vor Pedanterie, Schulstaub, Gehaltlosigkeit und Uebertreibung sicherten. Um den Aufwand für die geistigen und leiblichen Bedürfnisse auf der Universität zu gewinnen, gab er Unterricht in lebenden Sprachen. Seine Methode war erleichternd für das Gedächtniß, bildend für den Geist, erweckend für das Gemüth; sie und die große Anhänglichkeit der Schüler an ihren Lehrer sind ein Beweis, daß ein vorzüglicher Mensch auf jedem Standpunkt das Rechte trifft und Achtung und Liebe einflößt.

1792 wurde Seume Magister. Der Küster Rothe an der Thomaskirche gab ihm dazu das Geld, zutrauensvoll, ohne Eigennutz, aus reiner Achtung und Zuneigung; ihm ist das Gedicht in den Obolen: An meinen Freund Rothe, gewidmet.

Zum Beweise hinlänglicher Geschicklichkeit zu einem Magister gehörte damals auch die Ausarbeitung einer Chrie nach hergebrachter Form. Das Formwesen war niemals Seume’s Sache gewesen und war es noch weniger jetzt. Da gab es denn beim Examen, statt der Fragen und Antworten, Diskussionen über das Wesentliche in der Meisterschaft der Kunst und in dem Gebiete der Wissenschaft, welche dem Examinator sehr bedenklich und anmaßend vorkommen mußten. Als aber Seume seine Disputation: Die Waffen der Alten, verglichen mit den Waffen der Neuen, vertheidigte, war man zufrieden, und hielt ihn des Rechts, Vorlesungen zu halten, vollkommen würdig. Der Soldat war in einen Magister verwandelt, oder, welches die Eitelkeit lieber hört, in einen Doktor der Philosophie. Man kann nicht mit Gewißheit entscheiden, ob die Natur Seumen mehr Anlage zum Militärstande, oder für die Wissenschaften gegeben habe. Sein Körper war stark, wie seine Seele. Aber es schien, als ob er zur Mathematik, die einem Anführer in Feldzügen unentbehrlich ist, weniger Talent und Neigung hätte, als zu den schönen Wissenschaften, der Philosophie und Philologie. Damals scheint Seume’s Absicht gewesen zu seyn, sich für eine akademische Lehrstelle zu bilden. Er hatte vermuthlich deshalb, als Vorbereitung, die Stelle eines Instruktors und Erziehers gesucht, und eine solche gefunden in dem Hause der Gräfin Igelströhm, durch seinen Gönner Weiße, welcher, durch seine Kinderschriften, das Zutrauen begüterter Eltern in halb Europa erworben hatte und ganz Deutschland mit Hofmeistern versorgte. Jene Dame hielt sich in Leipzig auf, so lange ihr Sohn, der Seume zum Führer erhielt, dort studirte. Der Eleve war wild und sein Erzieher nicht wenig muthig und rasch. Einst, als die jetzt verewigte edle Fürstin, Luise Henr. Wilh. von Dessau, bei der Gräfin von Igelströhm zum Besuch war und bei ihr in einer stillen Laube des Gartens saß, jagten die beiden Herren, wie ein Paar feurige junge Rosse, so gewaltsam vor den nervenschwachen Freundinnen vorüber, daß die Fürstin gar sehr erschrak. „Wer ist der finstre, wilde, junge Mann?“ fragte sie. „Der Führer meines Sohnes,“ antwortete die Gräfin mit Lächeln. „Führer?“ wiederholte die Fürstin und schüttelte den Kopf. „Ja,“ sagte die Gräfin, „und ein sehr guter, wohl unterrichteter Führer! ein sehr redlicher, interessanter Mann.“

Als der junge Graf seine akademischen Studien geschlossen hatte, holte ihn sein Vater von Leipzig ab. Dieser nahm auch Seume mit und führte ihn zu seinem Bruder, dem russischen bevollmächtigten Minister und General en chef. Er wurde Sekretär des Generals, kam mit demselben 1793 in Warschau an, gewann die Achtung desselben und erhielt von ihm eine Officirstelle bei den Grenadieren, damit er Gelegenheit zum Emporsteigen bekommen möchte. Im Besitze des unbeschränkten Vertrauens, mußte er alle wichtige diplomatische Papiere in jener kritischen Periode, welche der Theilungsgeschichte Polens folgte, für die große Kaiserin Catharina die Zweite ausarbeiten. Der General hat nicht unterlassen, den Verfasser dieser Aufsätze der Kaiserin zu nennen, und diese hatte ihm die Beförderung seines Grenadierlieutenants empfohlen.

Igelströhm und Seume! Das war eine Verbindung eigener Art. Der alte Hof- und Staatsmann war üppig, prachtliebend, sinnlich, verständig und klug; aus Diensteifer ein tüchtiger politischer Despot, übrigens ein braver Soldat, großmüthig und gutmüthig. Man hat ihn vieles Bösen beschuldigt: aber Seume hat ihn mit Unparteilichkeit gerechtfertigt in einer Schrift, welche er über die damalige Lage der Dinge in Polen geschrieben hat, und welche gleich erwähnt werden wird. Diesem Manne stand Seume zur Seite, wie wir ihn kennen; Seume, der immer die Wahrheit unverholen sagte und von den polnischen Angelegenheiten ganz andere Ansichten hatte, als der General und die Kaiserin. Demohngeachtet bewies Igelströhm seinem Sekretair privatim und öffentlich die größte Achtung und ein aufrichtiges Wohlwollen. Der polnische General Kosciusko hatte die Russen geschlagen; diese nannten ihn einen Meuter und Bösewicht; Seume sagte, er sei der edelste und bravste Pole, und Igelströhm erwiederte nichts weiter darauf, als: „Mon cher, Sie sind ein sonderbarer Mensch.“ Wenn Seume in seinem schlechten Oberrock manchmal von seinem Schreibetisch aufsprang, um den General über etwas zu fragen, und ohne Toilette durch das Vorzimmer eilte, worin die vornehmen Polen und Russen vom Militär- und Civilstande auf Audienz warteten, so hielten ihn diese für einen Domestiken des Generals und behandelten ihn herablassend; er sie dagegen ohne Komplimente, wie seines Gleichen. Der Mensch kam ihnen noch sonderbarer vor, wenn sie ihn hernach an der Tafel mitten unter sich sitzen sahen, wenn der General ihn nicht anders, als mon cher, nannte, und ihm auch wohl eine seltene Schüssel sandte, wenn er wußte, daß Seume sie gern aß. Die Erscheinung war ihnen ein Räthsel, das sie manchmal aus dem Takt brachte und dessen Auflösung oft komisch genug war. Der Ton an des Generals Tafel war ungezwungen, heiter, interessant und witzig. Nicht selten fochten die dort anwesenden Kriegsmänner mit Epigrammen gegen einander, und unter ihnen waren mehrere, welche, unbeschadet ihrer militärischen Verdienste, mit den Musen so vertraut waren, daß sie während dem Essen, sehr schöne Verse aus dem Stegereif machen konnten. Der junge, schöne Major von Igelströhm, eben so muthig, als geistreich und gut, ein naher Verwandter des Generals und ein glänzender Stern in jener Gesellschaft, war vorzüglich Seume’s Freund.

Nach und nach wurde es in Warschau bekannt, daß der Sekretär bei seinem Chef viel galt; da versuchte man denn eine Zeit lang, ihn zu allerhand vortheilhaften Spekulationen zu benutzen, bis seine Uneigennützigkeit und Redlichkeit eben so bekannt wurden, als die Gunst des Generals, und bis die Bestecher sich einander in’s Ohr flüsterten: „mit dem Menschen ist nichts anzufangen.“ Unter andern bat ein Jude um seine Protektion bei Gelegenheit eines Magazinverkaufs. Er meinte, „es sei doch besser, daß ein so verdienstvoller Mann, wie der Sekretär und ein so ehrlicher Mann, als er, der Kauflustige, bei der Sache gewönnen, als ganz fremde und habsüchtige Menschen.“ „Was wollen Sie denn geben?“ fragte Seume; der Jude nannte eine Summe. „So viel,“ sagte Seume, „ist die Sache nicht werth; es scheint, Sie haben sich sehr verrechnet. Sie werden Ihre Verbindlichkeiten nicht erfüllen können. Bleiben Sie davon!“ „Was?“ erwiederte der Jude empfindlich, „ich mich verrechnen? Ich versichere Ihnen, daß noch eine hübsche Summe schöner Dukaten für Sie, und für mich ein ganz honettes Profitchen übrig bleibt.“ Seume wies den Mann zum General und fertigte ihn mit der Versicherung ab, daß er sich in ihm sehr geirrt habe und auf ihn gar nicht rechnen dürfe. So muß man es anfangen, wenn man arm, aber ruhig leben und sterben will.

Der General Igelströhm versuchte, den Stoiker ein wenig zu sybaritisiren; aber auch er sagte sehr oft in guter Laune: „an dem Menschen ist Hopfen und Malz verloren.“

Auf heiteres Wohlleben folgten nun wieder Schrecken des Todes. Die Kaiserin verlangte eine Reduktion der polnischen Nationaltruppen; die Polen widersetzten sich, und es brach die Revolution, welche schon lange unter der Asche glimmte, endlich in vollen Flammen aus. Ueber 100,000 Polen hatten sich verschworen, und, was unglaublich scheint, diese aus Menschen aller Art zusammengesetzte Verschwörung blieb zwei Jahre lang verschwiegen. Die interessante Begebenheit, ihre Veranlassung und Folge, erzählt Seume in einer Schrift unter dem bescheidenen Titel: Einige Nachrichten über die Vorfälle in Polen im Jahre 1794, Leipzig 1796, welche er dem Herrn Grafen von Hohenthal auf Knauthayn aus Dankbarkeit zugeeignet hat. Er sagt in der Vorrede:

„Es war einer der schönsten Tage meines Lebens als ein rechtschaffner Mann mich Ihnen, verehrungswürdiger Wohlthäter, einst mit den Worten empfahl: Er ist ein Knabe guter Art; der Segen seines Vaters ruht auf ihm. Seine Empfehlung galt, und noch jetzt thut dem Kriegsmanne die Erinnerung so wohl, als sie dem Jüngling am Grabe des Vaters that.“ — — —

Nachdem er die Verbindlichkeit, welche der Graf ihm aufgelegt, öffentlich erkannt hat, fährt er fort:

„Wenn irgend eine gute Seele bei einer gutgedachten und gutgesprochenen Stelle mir mit einer leisen Empfindung des Dankes lohnen sollte, so übergebe ich Ihnen den Zoll, den ich durch Ihre Güte zu empfangen in den Stand gesetzt wurde.“

Die Darstellung jener fürchterlichen Tage in der genannten Schrift, als ein wichtiges Stück aus Seume’s Leben, und von ihm selbst geschrieben, muß hier mit seinen eigenen Worten eingeschaltet werden.

„Nachdem die Russen von den Polen geschlagen waren, fingen die Unruhen auch in Warschau an. Der General Igelströhm nahm dagegen Maßregeln und nun brach das Blutbad am grünen Donnerstag aus. Die Polen glaubten das Prävenire wählen zu müssen. Ungefähr 4000 polnisches Militär befand sich in Warschau, für welches ihre Chefs mit ihren Köpfen zu bürgen versprachen; aber ihre Bürgschaft half den Russen nichts. Das Verständniß war nur unter einigen kleinen Officiren von der Krongarde zu Fuße und zu Pferde und von der Artillerie, kaum einigen Hunderten Gemeinen und einigen Hunderten der unternehmendsten Köpfe von der Populace. Sehr wenige Staabsofficire entschlossen sich, Partei zu nehmen. Die Subalternen führten ihre Kompagnien, als ob es zum Exercirplatz ginge, und Alles gewann bald ein ziemlich wohlgeordnetes Ganze. Um Mitternacht brachten die Kosaken schon Rapport von häufigen Bewegungen. Die Mirsche Kavallerie that früh ungefähr um fünf Uhr den ersten Angriff auf einen russischen Posten von zwei Kanonen, nicht weit vom eisernen Thore hinter dem sächsischen Palaste, war glücklich in schneller Ueberraschung, hieb den größten Theil der Leute nieder, vernagelte die Kanonen und bald lief das Feuer durch die ganze Stadt. Die Russen waren sogleich auf ihren bestimmten Posten, aber Alles war noch wie in einer fremden Welt und wußte so wenig von der Absicht der Andern bei dem Lärm, daß russisches und polnisches Militär noch mit Honneurs vor einander vorüberzogen. Mit vieler Geschicklichkeit hatten die Polen, welche natürlich die russischen Posten wußten, die verschiedenen Kommandos abgeschnitten. Nun gab es erst Erklärungen, und im Kurzen war Alles in Feuer. Die Polen öffneten das Zeughaus und führten ihre zahlreiche, ziemlich wohlbediente Artillerie heraus, und fingen an, aus allen Kräften mit derselben zu arbeiten. Bis ungefähr um zehn Uhr war das Gefecht noch sehr furchtsam von Seiten der Polen, indem die Populace sich noch scheute, sogleich thätig Parthei zu nehmen. Aber um diese Stunde hatte man schon einige Officire gefangen, einige Posten und einige Kanonen genommen, und Alles strömte nun nach dem Zeughause, um Waffen und Munition zu holen, welche man denn auch an Alle und Jede mit Vergnügen austheilte. Auch war schon an verschiedenen Orten Munition aufgeführt. Man stelle sich vor, daß von den Russen nicht mehr als 5500 Mann unter dem Gewehr standen, daß fast eine gleiche Anzahl polnischer Soldaten und gewiß über 20,000 Bewaffnete aller Art gegen dieselben fochten, daß die Polen eine Ueberlegenheit in der Menge ihrer guten und wohlbedienten Artillerie hatten, daß sie überall den Vortheil der Position in den engen Gassen und allen Plätzen durch genauere Kenntniß der Lokalität sich zu erwerben wußten, daß sie nicht von Enthusiasmus, sondern von Wuth hingerissen blind auf den Tod liefen; nehme man dieses Alles, und man kann fast nach mathematischer Berechnung den Ausgang der Aktion bestimmen. Einige Bataillons der Unsrigen gingen unstreitig etwas zu frühe unter dem Kommando des General Novitzky, aus der Stadt, und das Ganze konnte also deswegen noch weniger einen Vereinigungspunkt gewinnen. Hätte der General Igelströhm am Donnerstage das ganze Unternehmen der Polen, alle ihre Vortheile und die ganze augenblickliche Lage der Seinigen gekannt, ich bin versichert, er würde nicht mit Hartnäckigkeit die Stadt haben behaupten wollen, da ihm der Rückzug noch frei stand. Aber Mangel an Kommunikation ließ selbst den kommandirenden General nur einen Theil der Geschichte übersehen, und diese Kommunikation war unter den Umständen gar nicht so leicht, als Mancher wohl glauben dürfte. Es wurden viele Kuriere erschossen oder gefangen, die von einem Posten zum andern geschickt wurden. Das Gefecht dauerte mit abwechselndem Glücke, den ganzen Donnerstag fort. Eine offene Feldschlacht ist, nach dem Zeugniß aller alten Officiere, ein Spielwerk gegen eine solche Mönchsklepperei, wo der ehrliche Kerl aus dem Winkel niedergeschossen wird, ohne einen Feind zu sehen. Die Schüsse flogen von den Ecken, aus den Kellern, aus den Fenstern, über die Mauern, von den Dächern, und von unten und oben und von allen Seiten und überall war Tod, und Niemand zeigte sich. Ungefähr siebenzig Kanonen von verschiedenem Kaliber arbeiteten ohne Aufhören durch die Plätze und Gassen der Stadt; bald drängten die Russen, bald die Polen. Das Rikoschet der Kartätschen rasselte grell von einer Mauer zur andern, und schlug nieder, was die geraden Kugeln nicht fassen konnten. Schon waren die Straßen mit Leichen gestreut. Man konnte schon deutlich sehen, daß wir uns unmöglich würden halten können. Die Nacht brach ein, das Postengefecht dauerte fort. An allen Ecken und Plätzen der Stadt arbeitete das Geschütz, und das kleine Gewehr machte von allen Quartiren eine grelle Musik während der Pausen. Die Nacht war furchtbar schön. Der Himmel schien sie gemacht zu haben, um den Menschen Spielraum zu ihrer Thorheit zu geben; mit glänzender Ruhe blickte der Mond auf den Wahnsinn der Elenden herab. Die beiden Abende werden lange, vielleicht immer, ihr Bild in meiner Seele lassen; es ist groß und schrecklich. Der ferne und nahe Donner der Stücke, der sich fürchterlich dumpf durch die Straßen brach, das Gekletter der kleinen Gewehre, der hohle Ton der Lärmtrommeln, der Todtenlaut der Sturmglocken, das Pfeifen der Kugeln, das Heulen der Hunde, das Hurrahgeschrei der Revolutionäre, das Klirren ihrer Säbel, das matte Aechzen der Verwundeten und Sterbenden; nehmen Sie dieses Alles in der tiefen, hellen, herrlichen Mitternacht, und vollenden Sie das Gemälde nach Ihrem eigenen Gefühl! Ich vergaß unter der Größe des meinigen der Gefahr und freute mich einige Augenblicke, bei der schaurigen Scene gegenwärtig zu seyn. Schon den Donnerstag Nachmittag waren die Polen in das Hintertheil des Igelströhmischen Palastes, wo der Ingenieurgeneral von Suchteln stand, einmal eingedrungen, und hatten aus demselben alle Hofzimmer, unter denen die Gesandtschaftskanzlei war, mit ihren Kugelbüchsen zerschossen; wurden aber nach einer Stunde wieder daraus vertrieben. Von allen Seiten wurde der Palast gedrängt, und schon gegen fünf Uhr Abends das hintere Thor, welches die Polen mit Gewalt zu erbrechen suchten, verrammelt, und der Thorweg mit todten Pferden gesperrt. Zu verwundern war es, daß nichts Feuer fing, indem das Schießen von beiden Seiten so heftig war, daß man vor Dampfe keine Hand breit im Hofe sehen konnte. In der Nacht selbst gab der General die Hoffnung auf, sich länger halten zu können. Die Zeit eines glücklichen Rückzugs war verstrichen, und nun dachte man blos auf Rettung. Der General schickte verschiedene Officiere als Kuriere zu dem damaligen Brigadier Mokronowsky, der an der Spitze der Revolutionäre stand, um wegen des Auszugs zu verhandeln; aber keiner kam zurück; und wenn man auch dieses Verfahren der Polen mit der allgemeinen Verwirrung entschuldigen wollte, da man ihnen durch die Wuth des Pöbels keinen sichern Rückweg schaffen konnte, so ist doch das folgende Benehmen der Herren, die durchaus mit ihren Kanonen Gerechtigkeit predigen wollten, sonderbar genug, indem man alle diese Officiere, unter welchen selbst der Brigadier Bauer sich befand, hernach als Kriegsgefangene behielt, da sie doch auf Treu und Glauben mit Trompetern gekommen waren; eine von den vielen Inkonsequenzen, die man in der Geschichte findet! Der General Igelströhm schaffte sich endlich mit ungefähr vierhundert Mann, nachdem er sich im engsten Gedränge noch bis den Freitag Nachmittag geschlagen hatte, mit Gewalt nach der Seite von Povonsk einen Ausweg. Hätten die Polen Disposition und Entschlossenheit genug gehabt, so wären wenige Russen durchgekommen, gestehen selbst einige wackere Officiere von den Unsrigen, die bei der Retirade waren; aber die Russen fochten wie Russen. Die Grenadiere wiesen jeden Vorschlag und Zuruf, sich zu ergeben, mit Verachtung zurück, und sagten: „ihre Bajonette würden ihnen schon Durchgang verschaffen.“ Auch schleppten sich wirklich schwer Verwundete unter dem heftigsten Feuer von allen Seiten bis vor die Stadt hinaus, wo sodann die herbeieilenden Preußen ihren Rückzug deckten. Ich hatte das Unglück, da ich eben einen schwerverwundeten Kameraden, den ich schon einigemal besucht hatte, auf noch einige Augenblicke sehen wollte, in der Eile zurückgelassen, abgeschnitten, von einem Orte zum andern getrieben und endlich gefangen zu werden. Was seit der Zeit im Felde vorgegangen ist, kann ich nicht als Augenzeuge, sondern nur durch Nachrichten und aus der Wirkung wissen, die es auf Warschau hatte; und auch dieses nur unzulänglich, da unsere Gefangenschaft so enge war, daß wir Kriminalverbrechern ziemlich ähnlich sahen.

„Den Freitag Nachmittag hatte sich also der General Igelströhm mit den einigen Hunderten, die er noch zusammenziehen konnte, durchgeschlagen und sich mit den Preußen vereinigt. Die Zurückgebliebenen wurden meistens niedergemacht, wenn sie nicht so glücklich waren, einem vernünftigen Militär oder sonst menschlichen Menschen in die Hände zu fallen. Ich verbarg mich im Hotel des Grafen Borch, wo mein verwundeter Freund lag, in welches ich, als ich zu den Unsrigen retiriren wollte, von einer Partei zurückgetrieben wurde. Das Gemetzel fing nun erst an recht wüthend und grausam zu werden, da die Polen nun entschieden überall das Uebergewicht hatten, und der bewaffnete Pöbel selten Gefühl für Menschlichkeit hat; und das Schießen dauerte, wiewohl nicht so stark als gestern und heute Vormittag, durch die ganze Stadt fort, bis ohngefähr um Mitternacht, wo sodann nur unterbrochen aus kleinem Gewehr gefeuert wurde. Den Sonnabend früh fing es in einzelnen Parteien, wo sich noch die Feinde trafen, zuweilen hartnäckig wieder an, indem sich einige Rotten Russen wie Verzweifelte wehrten; hörte aber gegen den Mittag ganz auf. Denn jetzt wurde zur Ruhe geschlagen und geblasen; und hier muß ich gestehen, so groß vorher das Geschrei, der Lärm, das wilde Geschieße und verworrene Geheul bei Morden und Plündern gewesen war, so schnell war nun alles stille; es fiel kein Schuß, kein Schlag mehr. Ich war so glücklich gewesen, vor der Wuth der besoffenen Parteien mich verborgen zu halten, indem ich wirklich in den Todesstunden, wo keiner der Unsrigen, als nur Erschlagene und Halbtodte, mehr zu sehen war, meine Retirade hinter ein großes Bollwerk alter Fässer auf einem der obersten Böden nahm. Unzählige Parteien zogen zu Mord und Raube unter und neben mir hin, rekognoscirten glücklich umsonst alle Schlupfwinkel um mich her, und zogen mit dem tröstlichen Fluche fürbaß: „Verdammt, hier sind keine Russen.“ Sie sehen, lieber Freund, daß ich sehr offenherzig erzähle, da Niemand um die Geschichte weiß, als ich selbst; denn daß ich die Nacht vom Charfreitag zum heiligen Sonnabend hinter einer Batterie Tonnen auf einem der höchsten Böden Warschaus über Welt und Menschen und ihre und meine Narrheit philosophirte, wird man wohl schwerlich unter die Heldenthaten rechnen.

„Nachdem ich einmal das Unglück gehabt hatte, zurück zu bleiben; und wer damals zurückblieb, den konnte man eben nicht geradezu der Poltronerie zeihen; nachdem ich mich ferner ziemlich mathematisch überzeugt hatte, daß ich allein wohl schwerlich Warschau behaupten würde, so fing ich omnibus modis an darauf zu denken, wie ich nun meinen Hirnschädel endlich sichern wollte; und der Himmel war so gnädig mich zu schützen. Der fürchterlichste Augenblick meines Lebens war den Sonnabend Morgens, als das Gefecht in einzelnen kleinen Partien wieder anfing. Es hatten sich nämlich noch einige von unsern Soldaten, mit mehreren Bedienten, Weibern und Kindern von der Ambassade auf einen Boden des andern Flügels retirirt, den von mir nur eine dünne Bretterwand schied. Eine starke Partei vermuthlich von gestern, oder schon wieder heute besoffener Polen, drangen auf den Boden, und die russischen Soldaten wollten den Angriff zurücktreiben. Das Gefecht fing also oben an. Stellen Sie sich vor, auf einem Obergebäude das Krachen der Schüsse, das Geklirr der Gewehre, das wüthende unartikulirte Gebrülle der Polen, das Geschrei der Russen, das Kreischen der Weiber und Kinder in der Todesangst; es ist doch etwas ganz anders, als wenn man dergleichen nachgemacht auf dem Theater sieht und hört. Ich selbst war für mich in diesem Momente in Sicherheit: aber mein Gefühl ergriff mich mächtig; ich bebte, ich fühlte Kälte durch meine Glieder fahren, die Haare starrten unter dem Hute; ich glaube, es war selbst Todesangst: es war eine unnennbare schreckliche Empfindung, die ich in meinem Leben weder vorher noch nachher gehabt habe. Mir war diese Erfahrung Bestätigung einer Meinung, die ich immer gehabt habe: um das Gefühl eines Mannes zu seiner Höhe zu treiben, gehört nothwendig die ganze Macht der Sympathie: Zufälle seiner eigenen abgesonderten Individualität reißen ihn nie so sehr außer sich, daß er sein Gleichgewicht verlöre, oder er verdient nicht mehr, daß man ihn Mann nenne. Ich hatte während der ganzen Zeit meiner Kryptomilitärschaft hinter den Tonnen meinen Degen in der Faust, um ihn an vernünftige Leute mit Anstand abzugeben, oder ehrlich in der Arbeit zu sterben, wenn mich eine Rotte Bedlamisten entdeckte; ein Tertium war schwerlich denkbar. Ich hatte seit Mittwoch Abend nichts als einige Bissen Konfekt gegessen, die mir ein Soldat vom Raube reichte, und einigemal einen Trunk Wasser getrunken; Sie können also leicht denken, daß mich den Sonnabend früh Hunger und Durst plagte. Ich rekognoscire von oben herab die Straße, als sich der Lärm etwas zu legen anfing; aber alles war noch voll Verwüstung und Verwirrung. In dem Hofe des Palastes waren zum wenigsten noch einige Hunderte bunten Gesindels aller Art, mit Waffen aller Art, schrieen Sprachen aller Art durch einander: und nur zuweilen brach mit unaufhaltbarer Gewalt der Jubel: „Freiheit und Kosciusko!“ durch den Haufen. Ganz matt warf ich mich auf den Boden und schlief recht ruhig ungefähr eine Stunde, als mich der hohle Lärm von Fußtritten und das Stampfen der Gewehrkolben weckte: ich fuhr auf, und setzte mich wieder in meine alte Positur; aber auch diese Gesellschaft ging fluchend vorüber, ohne mich zu wittern. Ich wartete noch eine Weile; Hunger und Durst fingen von neuem an gewaltig zu werden; ich häsitirte noch etwas, denn wer häsitirt nicht ein wenig, ehe er den Fuß rückt, wenn der Schritt den Kopf gilt? auch wenn er ziemlich hungrig und durstig ist. Nach kurzer Ueberlegung ließ ich den Degen liegen, riß die Kordons vom Hute, warf Feldzeichen und Feder weg, und marschirte so entschlossenen Muthes, da ich zum Glück nur einen blauen Ueberrock an hatte, durch das Getümmel. Zwei Schildwachen standen am Eingange des Hauses, vier am Thore; Niemand bemerkte mich, unter der Verwirrung. Alle Strassen lagen voll todter Pferde, Sättel, Mäntel, Monturen, Kasken und Exuvien aller Art; die Kadaver der Gebliebenen hatte man gleich des Morgens gesammelt, und in den verschiedenen Gegenden der Stadt in Haufen gestapelt, um sie zu zählen, und von da sie zu begraben, oder in die Weichsel zu werfen. Mich däucht, in der Geschichte mehr Beispiele gelesen zu haben, daß man bei Warschau die Todten in die Weichsel warf. So philosophisch man auch denken mag, empört ein solches Verfahren doch immer das Menschengefühl. Ehemals sah man es als etwas Charakteristisches der alten Barbarei an, und jetzt kann es ein Beispiel seyn, daß unser Jahrhundert sich von derselben bei weitem noch nicht völlig losgemacht hat. Alles fand ich auf der Straße: die Revolutionären mit noch blutigen Waffen unter Hurrahrufen, die andern als Neugierige und nicht wenige zeigten sich, zu ihrer eigenen Sicherheit; indem niemand sicher war, der nicht wenigstens an der Freude äußerlich Theil nahm. Pistolen und bloße Säbel waren in Aller Händen; und ich habe selbst Männer wandeln gesehen, die zwei Paar Pistolen im Gürtel trugen, in der einen Hand den Säbel hatten, und am andern Arm eine Dame führten. Sie können sich leicht vorstellen, daß meine Promenade keine der angenehmsten war; ich durchwandelte, ohne geflissentlich viel Notiz zu nehmen, einige Gassen. Das Haus des General Igelströhms war ganz zerstört, es stand nur das Gerippe davon da; in denjenigen einiger andern Russen hatte man nicht viel glimpflicher gehaußt. Mein erster bestimmter Gang war zu dem sächsischen Major Herrn von Geßnitz, bei dem ich als einem Landsmanne mir die erste Nachricht von dem Ausgange und der Lage der Sachen holen wollte, da ich selbst weiter nichts wissen konnte, als daß die Unsrigen fort waren. Der Major kam mir mit weit größerer Angst entgegen, als ich selbst hatte, und bat mich um Gotteswillen, nicht in sein Haus zu kommen. Dem Vater einer Familie mußte dieses Gefühl natürlich seyn; ich versicherte ihn, daß ich durchaus nicht meine Sicherheit auf Kosten der seinigen erkaufen wollte, auch wenn man mich vor seiner Schwelle niederhauen sollte. Er konnte oder wollte nicht viel sprechen, und schien meine augenblickliche Entfernung zu wünschen. Auf seinen Rath sollte ich nach dem Rathhause in der Altstadt zu dem erwählten Präsidenten Sakreczewsky gehen, und mich zum Arrest melden. Unwillkührlich marschirte ich von ihm fort durch den Sächsischen Hof, um einen andern Freund, den Doktor Blauberg, aufzusuchen, der als Arzt doch nicht mit bei der Schlächterei gewesen seyn konnte. Hier erschien ich als ein Gespenst: denn ich sollte mit Gewalt den vorigen Tag nicht weit von dem Hause gefallen seyn, und die Bedienten hatten noch die Identität meines Kadavers nach genauer Besichtigung behauptet. Kaum wollte man mir glauben, daß ich selbst das Gegentheil versicherte. Den Doktor selbst hatte man eine halbe Stunde vorher als den Russen anhängig abgeholt, und sein alter Schwiegervater bat mich inständig, ihn nicht in Gefahr zu setzen. Er bot mir Säbel und Pistolen an, damit ich unter der Maske eines Revolutionärs sicher in das Arsenal kommen könnte. Ich liebe nie die Maske; ich dankte ihm, und wandelte voll Verdruß einige Gassen auf und ab. Der Mann meinte es gut; er war selbst Pole, und konnte nichts anders thun, wir waren beide in Verlegenheit. Ich kam unvermerkt wieder in den sächsischen Garten, und hielt hier, auf dem besten Spaziergange in Warschau, mit mir selbst Kriegsrath, was ich wohl mit meinem Kopfe anfangen sollte. Alle Ausgänge waren besetzt, die Gegend wimmelte von Truppen und wilden Revolutionären; und vor der Stadt, sagte man mir im Hause des Doktors, wird alles niedergehauen, was man auffängt. Noch unentschlossen was ich thun sollte, war ich in Gedanken in die Krakauer Vorstadt gekommen, und hier hielt das Schalinskische Regiment mit seinen Kanonen. Einige Officiere sprachen französisch, und plötzlich fiel mir ein, es wäre am besten, ich bliebe hier; und sogleich war ich bei ihnen. „Meine Herren,“ sagte ich, „ich bin ein russischer Officir, bei Ihnen kann ich hoffentlich sicher seyn.“ Sie sahen mich voll Verwunderung an, und mir selbst war es nun unbegreiflich, wie ich, da ich doch Uniform-Unterkleider trug, und der Hut mit Knopf und Litze noch ganz militärisch aussah, durch das wüthige Gewimmel gekommen war. Meine erste Bitte war um etwas Trinken, und sie ließen sogleich aus der nahen Apotheke etwas Zimmetwasser holen, welches, mir mit einem Stücke Kommißbrot auf der Kanone recht köstlich schmeckte. Die Officiere waren sehr höflich und artig, und fragten und sagten manches über die Begebenheit; einige davon erinnerten sich nun, mich in der Uniform gesehen zu haben. Sogleich versammelten sich um uns her einige Dutzend von der Populace, und fragten mit grimmigen Blicken, ob ich kein Russe wäre? da ihnen aber ein Officier sagte, ich sei ein Franzose, und sie mich französisch sprechen hörten, gingen sie halb mißtrauisch weiter. „Sie haben uns viel, sehr viel zu schaffen gemacht,“ sagte mir sodann ein Officir, welcher deutsch sprach; „unser Regiment hat 250 Mann Verlust; aber wie konnte Ihr General die Stadt gegen unser Militär, unsere starke Artillerie, unsere ganze bewaffnete Bürgerschaft, gegen alle unsere Vortheile, die uns Lokalkenntniß gab, behaupten wollen? Wahrlich die Idee war gigantisch.“ Ich sagte ihm, daß man Vorfälle nicht immer vorher sehen könne, und daß keiner gewinnen würde, wenn sich der Andere nicht verrechnete. Alle waren sehr artig; und zwei von ihnen begleiteten mich nach dem königlichen Schloß, wo mich Mokronowsky, der eben dort war, auf die Hauptwache bringen ließ. — — —

Als ich den Sonnabend Nachmittag im Schlosse anlangte, hatte man eben vor dem Schloßthore noch einige Russen niedergehauen, die die Wache nicht retten konnte. Nun fing die Ungezähmtheit und Gesetzlosigkeit an, ihre Kräfte zu zeigen. Alles trug Waffen; und nur sehr wenige hatten Vernunft genug, um zu sehen, was weiter geschehen würde. Es führte zu blos Haß, Wuth und Wahnsinn; und um die Grausamkeiten zu beschönigen, erdichtete man die lächerlichsten Beschuldigungen. Leicht ist es, die Rache des Pöbels zu reizen, aber sehr schwer, sie zu besänftigen. Man sprach von Freiheit, und Niemand hatte davon einen Begriff; alles war zügellos, und bei der geringsten Veranlassung drohete man, alle Gefangene ohne Unterschied zu morden. Die einstweilige Regierung wandte zwar alles an, um wieder Ordnung herzustellen; aber folgendes Beispiel zeigt, wie schwach das Ruder gegen den Sturm war. Bei einer kleinen nichtswürdigen Veranlassung wurden den ersten Osterfeiertag achtzig russische Gefangene niedergemetzelt. Ich habe die Geschichte mit den Umständen von einem Polen, der Augenzeuge des schändlichen Schauspiels gewesen ist, der zuvor nichts weniger als russischer Partisan war, aber nach und nach, durch wilde Unordnung und dergleichen Unmenschkeiten getrieben, selbst in der größten Gefahr fast immer für uns war. Obige Anzahl Gefangener sollte von einem Orte zum andern gebracht werden. Alles geht, natürlich voll Neugierde, bewaffnet vor, neben und hinter ihnen her, um recht nach Herzenslust spotten und schimpfen zu können, welches jederzeit das Vergnügen des Pöbels jeder Art ist. Ein kleiner giftiger Junge, dem vermuthlich die Physiognomie eines der Gefangenen zuwider war, oder der von ihm auf seine Spottfragen eine nicht genug demüthige Antwort erhalten hatte, schießt mit der Pistole nach ihm, trifft aber zum Unglück einen dabei kommandirten Officir durch den Arm, und hatte die listige Bosheit, die Pistole dem Gefangenen unter die Füße zu werfen, und zu sagen: dieser habe sie ihm aus dem Gürtel gerissen, und nach dem Officir geschossen. Alles ward wüthend, schrie Halt! und wollte sogleich über die Gefangenen herfallen. Die Menge wuchs, man führte schon Kanonen mit Kartätschen herbei, und kein Ansehen einiger herbeigeeilten Magistratspersonen half etwas. Die Gefangenen fielen auf die Knie, baten flehend und mit gefalteten Händen, man möchte untersuchen, und den Schuldigen tödten; nichts, man drohete, alle Gefangene in allen Gefängnissen zu ermorden, wenn man ihnen nicht diese Preis geben wollte. Die Krise war schrecklich: das Militärkommando nicht stark genug, den bewaffneten Pöbel zu zähmen; er fiel mit dem Säbel über die armen Elenden her, und metzelte sie mehr als schlächtermäßig alle nieder. Leute, die zugegen gewesen sind, können das Gräßliche des Anblicks nicht genug beschreiben, wie die noch zuckenden rauchenden Glieder der Zerstümmelten in einem kleinen Raum auf der Methstraße umher gelegen haben. Das ist Volkswuth. Gesetzt auch, welches doch selbst Polen als nicht wahr eingestehen, daß der Gefangene die Pistole im Grimm ergriffen habe, so konnten doch nur Unmenschen deswegen so viele Unschuldige niederhauen. Dieses war einer der kritischen Augenblicke für die Gefangenen; und der Major Wengersky, der durch seinen Volkston viel Ansehen und Gewalt über die bewaffnete Menge hatte, sagte nachher zu uns: „Kinder, dieser Sturm war gestillt; gebe Gott, daß er nicht von neuem ausbreche. Seyn Sie um Gottes Willen ruhig und vorsichtig; denn in dieser Lage kann man für nichts stehen.“ In der Schloßwache waren ohngefähr sechzehn gefangene Officiere von den Unsrigen, die meisten verwundet, und einige sehr schwer. Hier wurden wir aus des Königs Küche gespeist, und man begegnete uns mit vieler Artigkeit. Nach vierzehn Tagen wurden die Kranken in das Spital, und wir übrigen in das Kommissionshaus gebracht, wo wir mehrere unserer Kameraden vorfanden. Hier trat die neuerwählte Kommission ihre Funktion förmlich an, und wir gewannen täglich mehr das Ansehen von Kriminalisten. Kaum hatten wir Stroh zum Schlafen; zum Essen nicht Messer und Gabel; und erst nach einigen Wochen ließ man sich bedeuten, daß wohl schwerlich ein Officier über Tische mit einer Gabel sich oder seine Wache tödten würde. Man fing an uns Messer und Gabel, jedoch nur bei Tische, zu erlauben, und jedesmal standen bei dem Essen doppelte Posten mit bloßem Säbel, oder gespanntem Hahn. Bier wollte man anfangs nicht zulassen, aber an Branntewein fehlte es nie, welches mir gewaltig inkonsequent däuchte. Bücher sollten gar nicht, und noch weniger Schreibmaterialien erlaubt werden, so daß sogar ein Arzt sein anatomisches Kompendium verstecken mußte, das er noch durch Zufall gerettet hatte. Hernach wurde man humaner, und endlich hatte Herr Sablotzky von der Kommission sogar selbst die Güte, mir einen beträchtlichen Vorrath Papiere zuzustellen, weil er wußte, daß ich ein Poetaster war, und die Poeten sich um politische Intriguen sehr selten bekümmern. Die zweite Krise war vor dem Tage der Hinrichtung der Herren Ozarowsky, Ankewicz, Kossakowsky und Sabiello. Ankewicz, gewesener Präsident des Conseil permanent, hatte, sagt man, einen falschen Lärm veranstalten lassen, als ob die Russen und Preußen zurückkämen, um die Stadt anzugreifen; bei dieser Gelegenheit sollte dann seine Partei die Gefangenen befreien und so vereinigt versuchen, ob für ihn und sie nicht Rettung möglich wäre. Alles stürmte nach dem Arsenale; es wurden Kanonen vorgefahren, es fielen hin und wieder Schüsse, und kein Gefangener durfte es wagen, sich am Fenster zu zeigen, so drohete man abzudrücken. Man fand den Lärm bald falsch; aber alles war deswegen in der entsetzlichsten Gährung. Dieses war ein Donnerstag; den Freitag wurden schnell die Dekrete für die Obenbenannten abgefaßt, und sie wurden hingerichtet. Noch immer droheten unvernünftige und wahnsinnige Schwärmer den Gefangenen den Untergang, und die Strenge gegen sie ließ nicht nach. Man erlaubte kein Licht und keine Bücher, aber wohl Brantewein und Karten; eine Maßregel, die mir ganz abderitisch vorkam; denn wirklich waren unter einer Menge junger Leute, die auch nicht alle die feinste Bildung hatten, über dem Spiele Rausch und heftiger lärmender Zank nicht selten. Einige Tage nachher hatten einige Officiere von Distinktion für mich die Erlaubniß erhalten, daß ich in den sogenannten Brühlschen Palast gebracht wurde, wo ehemals Repnin und Stakelberg gewohnt hatten, und wo alle Ausgezeichnete unter den Russischen Gefangenen und das ganze Corps diplomatique saßen. Alle waren bis auf das letzte Hemde ausgeplündert; eine Methode, die sich doch wahrlich nicht mit der gepriesenen Menschlichkeit der Revolutionäre vertrug! Noch einige Monate nach der Periode machte der Graf Moschinsky dem General Suchteln ein Geschenk mit einem Hute, weil er beständig hatte müssen mit bloßem Kopfe gehen. Man erlaubte selbst keinem Officiere, das Geld zu empfangen, das ihm von seinen Verwandten von außen her zur Erleichterung ihres Zustandes zugeschickt wurde, sondern zählte es ihnen nach und nach in Dukaten zu, daß sie sich kaum einzelne Kleidungsstücke machen lassen konnten. Dieses ist zu entschuldigen, da die traurigen Verhältnisse es nothwendig machten; daß man aber die Officiere wie Missethäter auf der Erde liegen ließ, daß man ihnen nicht einmal eine breterne Bettstelle, lange Zeit nicht einmal einen groben Strohsack, und nur höchst wenig erbärmliches Stroh zum Lager gab, ist wohl unter gesitteten Völkern ohne Beispiel. Man ließ uns nicht in die Stadt gehen aus Besorgniß vor der Wuth des Pöbels, und daß die Besorgnisse nicht ungegründet waren, beweist der fürchterliche Aufstand, in welchem der Fürst-Bischof Massalsky, der Fürst Czetwertinsky, der Geheimerath Boskamp, der Kriminalgerichtsassessor Wulfers und mehre andere ihre Opfer wurden. Zwar muß ich selbst hier der Populace die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß sie, als sie die Thore mit Gewalt gesprengt hatten, gegen die Kriegsgefangenen nicht das Geringste weder sprachen noch thaten, sondern einigen Erschrockenen und Weibern vielmehr Muth einredeten, und, wie sie sagten, nur die Verräther, ihre Landsleute, zum Galgen schleppen wollten. Allein wer kann einer wüthenden Menge trauen? Nur ein Funke ist genug, ein ganz neues Feuer anzublasen.