Dank euch dafür!

(Pause.)

Am Grabesrande schweigt die Leidenschaft;
So auch der Zorn in meiner heißen Brust.
Ich will genug euch thun. Was ich gefehlt,
An euch gefehlt; ich will es nicht verhehlen.
Des Königs Vorwort dank’ ich meine Gattin;
Ich warb um dieses Wort. — Vergebt es mir!
Ich liebte. — Hold erschien mir eure Tochter,
So wie ein Engel aus der Himmelssphäre,
Und winkte mir zu neuem Lebensglück.
Mein Herz entbrannte! Ach, ein Paradies
Eröffnete sich meinem trunknen Blicke;
Hin strebt’ ich glühend! — Doch ein finstrer Geist;
Der dräutet ihr vor diesem heitern Himmel
Den Eingang wehrend. — Ach, kein Wunsch, kein Opfer,
Und keine Bitte söhnte euren Zorn! —
Ich konnte sterben, nicht Marien lassen,
Und eure Gunst mir von der Zeit erwartend,
That ich den Schritt, der euern Haß verstärkte.

Pedrarias.

Wollt ihr den strengen Richter nun bestechen?

Balboa.

Entlaßt mich, Herr! Wie Wogen von dem Felsen,
So prallt mein Wort von euerm Herzen ab.
Ich euch bestechen? — Diese Niedrigkeit
Ist meinem Herzen fremd. — Ob ihr mich haßt,
Ich weiß, daß Pedrarias Flammenhaß
Auf den gerechten Richter nichts vermag.
Was könnte wohl Versöhnung an ihm ändern? —
Wie ich euch achte, Herr, so achtet mich!

Pedrarias.

So geht in das Gefängniß. — Stolzer Mann! —
Laßt ja der Gnade keinen Ausweg offen! —
Ihr drangt ein Unheil bringender Komet
Feindselig ein in meines Ruhmes Bahne;
Ringt nun durch euern Tod ihn zu verlöschen!

(ruft.)

He, Wache!

(Wache erscheint.)

Führt ihn ab zur Felsenkluft!

Balboa.

(geht ab, und kehrt wieder zurück.)

Ihr liebt Marien. — Mit gepreßtem Herzen
Geb’ ich das theure Kleinod euch zurück.
Sie liebt euch, Vater. — Gott beschütz’ euch beide!
Mit diesem Wunsche lös’t sich meine Seele. —

(geht ab.)

Pedrarias (für sich).

So siegreich denkest du zu sterben? — Nein!
Kampf gegen Kampf! Von deiner Höhe stürz’
Ich dennoch, Stolzer, dich! Du hast ein Herz!

Siebenter Auftritt.

Pedrarias. Jeronimo.

Pedrarias.

Noch hier, Jeronimo? Das Urtheil fördert!
Ihr legt es heute mir noch vor. — Noch heute!

Jeronimo.

Mit süßem Trost’ erfüllt mich eure Eile. —
Sein karges Leben wollt ihr nicht verkürzen;
Euch treibt das Herz, ihm Gnade zu verkünden.

Pedrarias.

Das spricht der Richter? Kennt ihr seine Schuld?

Jeronimo.

Ich wog die Schuld, und sprach sein Todesurtheil;
Ihr wäget sein Verdienst, und rufet Gnade.

Pedrarias.

Erwartet es und eilet!

Jeronimo.

Heute noch?

Pedrarias.

Ja, heute.

Jeronimo.

Herr! Die ganze Ritterschaft
Umfaßt mit mir nun eure Knie flehend.

Pedrarias.

Ich weiß, ihr liebt ihn alle.

Jeronimo.

Nach Verdienst!

Pedrarias.

Und nach Verdienst erwartet ihn sein Lohn. —
Steht auf. Wie könnt ihr doch um Gnade flehen?
Kann Pedrarias wohl die Schuld vergeben,
Die an der Krone selbst er frech verübt?

Jeronimo.

Wagt ihr es nicht, ihm Gnade zu verkünden,
So wagt’s auch nicht, die Strafe zu vollstrecken;
Nein, sendet ihn nach Spanien zurück,
Und unterzieht das Urtheil höherm Spruche.
So war’s in diesen Landen immer Sitte,
Wenn große Häupter ein Verbrechen übten. —
Das Leben eines Balboa ist kostbar.
Sein Arm der Krone wichtig. Karlos selbst
Nennt diesen Helden seinen Freund. — Ihr greift
Der Majestät durch seinen Tod zuvor.
Welch anderes Vergeh’n büßt Balboa? —
Daran ermahn’ ich euch, nach meiner Pflicht,
Jetzt schonend noch allein; — doch Vorsicht fordert’s,
Euch feierlich mit Männern bald zu nah’n,
Die mir dereinst vor Karlos Throne zeugen.

Pedrarias.

Ihr kennet eure Pflicht. — Ich weiß die meine.

(schnell ab.)

Der Vorhang fällt.