Dritter Aufzug.

Gerichts-Saal. Seitwärts der Thron. Gegenüber eine Thür. Den Hintergrund bilden chorähnliche Hallen, und unter denselben der Haupteingang. In der Mitte steht ein Tisch für die Richter bereitet.

Erster Auftritt.

Linares. Almes. Suligo.

Linares.

Hier sind wir endlich doch allein. Sprecht leise!
Da tretet her, daß uns der Thron verberge. —
Wer hat die Wache?

Suligo.

Perez Gonsalo. —

Almes.

Wohl gut, denn seine schlechte Seel’ ist käuflich;
Für hundert feine Pesos ist er unser.

Linares.

Almes, du holst sogleich das Geld bei mir.

Almes.

Ihr kommt zu spät. Er zählet schon den Götzen,
Und prüft ihn wägend in der falschen Hand.
Als ich das Geld erst los war, nun bei Gott!
Mir war’s als fiel’ ein Stein von meinem Herzen.
Kein Kapital verzins’t sich mir so schön.

Suligo.

Ich habe hier und da ein Wort gesprochen.
Es faßte Zunder. Pedrarias hat
Längst all’ der Seinen Haß auf sich geladen.
Will Balboa, so hat sein Reich ein Ende.

Almes.

Wann soll es brechen? Sprecht! — Die Unsern werden
Sich auf die Galerie bewaffnet drängen.
Wir wären stark genug, um vor Gericht
Statt Balboa den Stolzen vorzurufen.

Linares.

Erst muß die Tyranney ihr Haupt enthüllen,
Zum Mörderschlag den frechen Arm erheben,
Eh’ wir zum off’nen Kampf die Fahne schwingen.
Dann erst erscheinet unsre That gerecht,
Vor aller Welt, und vor des Königs Augen.
Was über ihn nun auch gesprochen werde;
Bleibt stille, ruhig, noch ist’s nicht zur Zeit.

Suligo.

Wir fügen uns.

Linares.

Zerstreut euch einzeln.
Sprecht euch geheim, vertraulich, nichts in’s Ohr.
Die Späher lauschen. Nur die Klugheit siegt.

(gehen auf verschiedenen Wegen ab.)

Zweiter Auftritt.

Maria tritt eilig auf. Medina folgt ihr nach.

Maria.

Laß mich, Medina!

Medina.

Donna, kehrt zurück.

Maria.

(bleibt an dem Tische stehen.)

Hier hält sich das Gericht. Entsetzlich! Schaut!
Das Tuch ist blutig, wie der Richter Sinn.
Schaut her!

Medina.

Ach, fliehet diesen Schreckensort.

Maria.

Ich seh’ sie überall. Ihr nicht, Medina?
Hohläugig, finster, schwarz! —

(sieht auf zum Throne.)

Dort auf der Höhe!
O großer Gott! Ha, stille! Weh! mir däucht,
Ich höre meinen Vater. Ist er’s nicht?

Medina.

Ihr tödtet euch. O kommt.

Maria.

Und wenn ich denke,
Daß einst auch sie gerichtet werden. Schrecklich!
Wenn dann sein Blut — — Mein Vater! Gute Seele!
Für meinen Vater bete! — Sieh, mich würgt
Die Angst! O bete du! Ich müßte schreien!

Medina.

Bezwinget euch! Wenn Balboa euch hörte;
Nicht seine Richter, ihr nur würdet ihm
Sein fühlend Herz mit euerm Weh durchschneiden.

Maria.

Es brauste lang in diesem armen Herzen,
Nun strömt es über.

Medina.

Folget mir, Maria.

Maria.

O führet mich hinauf. Die Pfeiler dort
Verhüllen uns.

Medina.

Unseliger Gedanke!

Maria.

Kein Ton, kein Laut soll meinem Mund’ entschlüpfen. —
Versteinen will ich! Kennt mich erst, Medina!
Hier lernt’ ich viel! Das Beispiel weckt die Helden.
Ich bin nicht schwächer als die Wilden sind.
Ach, unter Geisselhieben, Höllenqualen,
Sie schweigen noch, wenn ihre Seel’ entflieht!

Medina.

Nicht euch, nicht ihm kann euer Hierseyn frommen.

Maria.

Er bat, es sey ein offenes Gericht!
Und ich, sein Weib, ich sollte fehlen? — Nein!

Medina.

Ihr unterliegt —

Maria.

Der Angst zu Hause. — Schont!
Soll ich nicht Zeuge seines Sieges seyn? —
»Unschuldig ist er bei dem großen Gott,
Dem König treu, ein hochverdienter Mann!«
Ihm ruft mein Herz Triumph, und eures auch.

Medina.

Doch, wenn des Richters Ausspruch ihn verdammte?

Maria.

Zieh mich zur Tiefe grausam nicht hinab! —
O falsch und trügend ist das Wort der Welt,
Und ihm zu horchen hab’ ich längst verlernt.
Gehoben werden wir uns mächtig fühlen,
Wenn er begeistert Flammenworte spricht.
Sie werden seinen hohen Sinn nicht fassen. —
Doch neigt der Himmel liebend sich hernieder,
Und Engel reichen kühlend ihm die Palme! —
Die letzte schöne Lebensstunde naht;
Die dann noch folgen, rauschen furchtbar nach.
O gönne mir die letzte gute Stunde!
Wenn du mich liebst, so kannst du’s nicht versagen.

Medina.

Gott stärk’ euch, daß ihr diesen Anblick tragt!
Seht hin! Die Hallen füllen sich. Man naht!

Maria.

Die Hand! ich sinke! Muth! Mein Geist ist muthig!

(ab mit Medina.)

Dritter Auftritt.

Pedrarias. Jeronimo. Richter. Volk in den Hallen. Wache.

(Pedrarias steigt auf den Thron. Die Richter stellen sich an ihre Plätze.)

Jeronimo.

(stehend und mit entblößtem Haupte.)

Wir die gesammte hohe Audienz,
Auf den Befehl der heil’gen Majestät
Bestellt zum Richteramt in diesen Landen;
Wir haben uns versammelt, Recht zu sprechen
Nun über Vasko Nunez Balboa,
Adelantado unsrer hohen Krone,
Den man des Hochverrathes schwer bezeiht. —
Es ist Gericht auf Leben oder Tod! —
Ist euer Herz nun frei von Menschenfurcht,
Und schweigen euch im Busen Lieb’ und Haß,
Und fesselt euer Auge keine Rücksicht,
Daß ihr gerechtes Urtheil sprechen mögt:
Dann legt betheuernd eure Hand auf’s Herz,
Und denkt an Gott, und an die Ewigkeit!

Pedrarias.

(nach einer Pause.)

Bedeckt euch!

Jeronimo.

Laßt uns nun mit Gott beginnen!

(Die Richter setzen und bedecken sich.)

Man führe den Beklagten vor Gericht!

(Wache ab.)

Vierter Auftritt.

Die Vorigen. Balboa.

Volk.

Dort kommt er! Seht wie groß! O Gott! Nur stille!

(Balboa legt Degen und Ordenskette schweigend auf den Tisch, und setzt sich mit unbedecktem Haupte auf den ihm bereiteten Sitz.)

Jeronimo.

Erkennet, Vasko Nunez Balboa,
Adelantado unsrer heil’gen Krone,
Uns die gesammte hohe Audienz,
Als ein Gericht mit königlicher Vollmacht,
Nach dem Gesetz ihm strenges Recht zu sprechen?

Balboa.

Ich ehre das Gericht, und seine Glieder.

Jeronimo.

Es ist Gericht auf Leben oder Tod!
Erschreckt nicht, Balboa, und sammelt euch,
Besonnen uns zu hören und zu sprechen! —

Balboa.

Nie kannt’ ich Todesfurcht. Auch heute nicht! —
— Vor allem sey die Frage mir vergönnt:
Wer ist mein Kläger?

Jeronimo.

Euer Hauptmann Pinto.

Balboa.

Ha, durch Gewalt! —

Jeronimo.

Aus eignem freien Antrieb.

Balboa.

O Menschen! Menschen!

Jeronimo.

Sprecht! Ist diese Schrift,
Wie Pinto es bezeugt, von eurer Hand?

Balboa.

(zornig und fest.)

Von meiner Hand, und auch von mir verfaßt.

Jeronimo.

Sprecht ruhig. — Ruhe heischet eure Lage.
Auch übereilt ist doch ein Wort gesprochen.
Habt ihr die Schrift bloß als Entwurf verfaßt,
Als flüchtige Gedanken; — oder war’s
Euch voller Ernst, wie Pinto fest betheuert,
Sie nach der Landung schleunig zu verkünden
Als ein Gesetz?

Balboa.

Das letzte war mein Wille.

Jeronimo.

Als ein Gesetz, nach allen seinen Punkten?

Balboa.

Nach allen seinen Punkten. Keinen hätt’
Ich ausgenommen, keinen widerruf’
Ich feige vor Gericht. — Gott sey da vor!

Jeronimo.

Bedenkt euch wohl! Ihr habt in dieser Schrift
Die Theilungen der Wilden untersagt,
Die doch des Königs höchster Wille sind; —
Habt das Gesetz tyrannisch selbst gescholten.

Balboa.

Nicht das Gesetz, wie’s uns der König gab,
Nein, das Gesetz, wie’s frech der Frevel übt;
Das nur, das schalt, und schelt’ ich noch tyrannisch!
Ihr staunet? — Stellt mich vor des Königs Thron,
Mich vor die Welt! — Was wild mein Herz empört,
Soll mir auch grausam heißen. — Laßt das Beil
Mir vor den Augen blitzen, immerhin!
Zwar dieser Kopf kann euerm Streiche fallen;
Doch mich gesellen zu der blut’gen Schar,
Die Fluch, die Tod auf diese Fluren wälzt;
Das könnt ihr nicht, mit allen euren Beilen! —
So ehr’ ich meinen König und mich selbst!

Jeronimo.

Bezähmt den Zorn, und sprecht gefaßt, gelassen.
Was von Verdrehung des Gesetzes ihr
Jetzt unbestimmt, verworren nur gesagt,
Das zeiget klar. Hier gilt Bewies’nes nur.

Balboa.

Nicht von des Zornes eigensücht’ger Gluth,
Vom edlern Feuer flammt’s mir auf im Busen,
Der Menschheit Anwald steh’ ich vor euch da,
Und ihre Vollmacht ist’s, die mich erhebt. —
Nein, was im Busen mir lebendig wogt,
In enge Formeln läßt sich das nicht dämmen.
Gönnt mir Gehör! — Wohl hat schon Ferdinand
Die Theilungen der Wilden uns befohlen;
Vergeßt die Absicht nicht; Sie ist Gesetz!
Als Hausgenoss’ne, Brüder sollten wir
Mit Liebesruf’ an uns die Armen locken;
Daß sich ihr scheu Gemüth’ an uns gewöhne,
Der Sittlichkeit die Herzen willig öffne,
Daß dann zur hellen Einsicht heil’ger Wahrheit
Der Wilde reif in die Gemeinde trete,
Im Leben froh, im Tode selig werde. —
O menschliches, o himmlisches Gesetz; —
Ein Höllenantlitz lieh die Hölle dir!
Ihr hättet liebend, freundlich sie gelockt,
Als Brüder unter euch zu weilen? — Gott!
Es krümmt ihr Rücken unter Lasten sich,
Der Dränger treibt die arme Menschenheerde,
In Mittagsgluth, die diese Nackten sengt,
Euch Nahrung aus der Erde zu erzwingen;
Mit Fieberfrost tief in der Berge Schachten
Euch Gold zu holen, euren höchsten Gott! —
Nach Heidensitte habt ihr Sklavenjoch
Unmenschlich auf der Schwachen Hals geladen! —
Unsel’ger Widerspruch der Tyranney! —
Indeß die Geissel schwirrt, die Todestrommel,
Die eines Bruders Schreckenstod verkündet,
Des Wilden Herz mit Angst und Wuth erfüllt:
Da preiset ihr ihm das Gesetz der Liebe!
Ist das des Königs Wille? — — Wagt’s und sagt;
Verbrechen an der Menschheit sey sein Wille!
Ich weiß, ihr wollt zu Thieren sie erniedern,
Und mit der Mißgestalt, die ihr verschuf’t,
Des innern Vorwurfs laute Klage stillen.
Umsonst! Allmächtig ruft das Herz euch zu:
Mensch bleibt doch Mensch, von welcher Farb’ er sey!

Pedrarias (entrüstet).

Soll er noch länger Lästerworte häufen?

Jeronimo (steht auf).

Was ein Beklagter sich zum Schutze spricht,
Das kann, nach milder Uebung der Gerichte,
Ihm nur zum Schutze, nicht zum Nachtheil dienen. —
Vergebt mir Herr, und laßt ihn weiter sprechen.

(setzt sich.)

Balboa.

Vergeb’ auch mir die hohe Audienz!
Mir schwoll die Brust; mir war’s, als sollt’ ich nun
Mein letztes Wort mit lautem Donnerruf’
Der späten Nachwelt noch vernehmlich sprechen. —
Was eine Rotte Ungeheures übt,
Das soll in der Geschichte Rollen nicht
Wild flammen einst, als Wille der Regierung,
Die auch die Wilden ihre Kinder nennt,
Und liebend drückt an ihre Mutterbrust. —
O mildes Licht der heil’gen Majestät,
Uns zu beleben freundlich abgesandt;
Wenn durch den Pestqualm nied’rer Leidenschaft,
Der aus der Tiefe dir entgegendampft,
Dein Strahlenglanz nach uns herniederblickt:
Erscheinst du blutig roth, und bringst uns Tod!

Jeronimo.

Ihr spracht vom argen Mißbrauch des Gesetzes,
Den jeder Edle tief mit euch betrauert.
Ihr aber habt den Mißbrauch nicht allein,
Ihr habt die Vorschrift selbst für null erklärt.
So scheint es mir! Antwortet, ob ich irre!

Balboa.

Wo dies Gesetz noch herrschte, saht ihr auch
Im Sklavenjoch die Wilden unterdrückt;
Zeigt mir den Starken, der dem Mißbrauch wehrt!
Ihn dulden — das, das schien mir, hohe Richter,
An meines Königs Ruhm, am Vaterland’,
An der bedrängten Menschheit Hochverrath,
Vor dem mein Herz, mein tiefstes Wesen bebt!

Jeronimo.

Was vor euch selbst, was einst vor Gottes Thron’
Euch hebt und schützt, das bleib’ euch unbenommen.
Ganz andre Gründe heischt von euch der Richter,
Nach andern Zwecken, und nach seiner Pflicht. —
Gehorsam ist des Staates Fundament;
Er fällt, wenn sich ein kühner Unterthan
Ermessen darf, aus selbstgeschaff’nen Gründen
Die Fugen der Gesetze loszureißen.
Euch kann des Satzes Wahrheit nicht entgeh’n,
Und meine feste Ford’rung nicht befremden:
Habt ihr die Vorschrift, wie ihr schon bekennet,
Nach ihrem ganzen Inhalt aufgehoben:
So zeigt die Vollmacht, die nur kann euch schützen.

Balboa.

Sie liegt in meines Königs großem Herzen,
In seiner Menschenachtung, seinem Hasse
Der schwarzen Höllenausbrut, Sklaverey! —
So kenn’ ich ihn, und sprecht, wer kennt ihn anders? —
Von euch erwart’ ich, hochverehrte Richter,
Daß ihr, wie nun mein Loos auch fallen mag,
Dies mein Verhör vor den Monarchen bringt. —
G’nügt auch mein Wort nicht dieser Audienz,
Einst wird es doch dem Könige genügen.
Er ruft vielleicht vergebens aus dem Grabe
Dann diesen Arm und dieses Menschenherz,
Das er noch als Infant an seines drückte.

Jeronimo.

Ihr fordert nur was uns’re Pflicht erheischt. —
Habt ihr vielleicht vor unsers Königs Throne
Der Wilden Sache schon mit Kraft geführt,
Und harrtet noch auf die Entscheidung?

Balboa.

— Nein!

Jeronimo.

Des Königs Thron steht jedem Bürger offen. —
Hielt euch Gewalt zurück?

Balboa.

Gewalt! Gewalt!
Ich hätte sie vernichtet! —

Jeronimo.

Saget dann,
Was hat zu diesem Schweigen euch vermocht? —
Seyd offen, Balboa, sprecht ohne Rücksicht! —
Die Krone hoffet Vieles noch von euch,
Und Selbsterhaltung sey euch heil’ge Pflicht. —
Laßt falschen Edelmuth euch nicht verleiten! —
Schwiegt ihr vielleicht aus einer zarten Schonung,
Ein theures Herz vor Kränkung zu bewahren?

(Pause.)

Ihr schweigt? — Bei allem, was euch heilig ist,
Bei eurem Leben, eurer Gattin Leben,
Steht mir zur Rede, schweiget länger nicht! —

(Pause.)

Wißt ihr noch etwas, das euch schützen kann;
So bringt es vor.

Balboa.

Ich harre nun des Urtheils.

(Auf einen Wink des Jeronimo entfernt er sich mit der Wache in das Nebenzimmer. Hierauf stehen die Richter auf und entblößen das Haupt.)

Jeronimo.

Habt ihr des Untersuchten Worte nun
Genau erwogen, reiflich überdacht;
Und seyd ihr frei von aller Menschenfurcht;
Und schweigen euch im Busen Lieb’ und Haß;
Und fesselt euer Auge keine Rücksicht,
Daß ihr gerechtes Urtheil sprechen mög’t:
So legt betheuernd eure Hand auf’s Herz,
Und denkt an Gott und an die Ewigkeit!

(Pause.)

Nun werft die Loose: Leben oder Tod!

(Jeder wirft eine Kugel in einen Becher. Jeronimo zuletzt.)

Man rufe den Beklagten vor Gericht!

(Wache bringt den Balboa.)

Seyd ihr gefaßt, das Urtheil zu vernehmen?

Balboa.

Gott wird mich stärken! Sprecht es immer aus!

Jeronimo.

(mit Selbstüberwindung.)

Das Urtheil — der gesammten Audienz —
Gott sey euch gnädig — ist — der Tod durch’s Beil!

Volk.

Gott! Gott!

Einer der Richter.

Nun fort dort oben! Stille! Stille!

(Man sieht Marien sich auf der Galerie händeringend durchdrängen.)

Volk.

Zurück! Zurück! Laßt sie nicht durch! Zu spät!

Fünfter Auftritt.

Maria. Balboa. Pedrarias. Die Richter im Hintergrunde.

Balboa (erschrocken).

Maria!

Pedrarias.

Ha! was soll’s, wer rief dich her?

Maria.

Gott denk’ ich, denn ich Arme hatte Kraft,
Das Urtheil mit Bewußtseyn anzuhören;
Nichts fürcht’ ich mehr auf dieser Welt, nichts mehr.

Pedrarias.

Was suchst du hier?

Maria.

Den Sieger!

(wendet sich, und umarmt Balboa.)

Balboa!

Pedrarias.

Führt sie hinweg!

Maria.

O führt mich in das Grab!
Man hat als eine Braut mich ausgeschmückt;
Das war nicht recht. — Mir ziemt der Wittwenschleier.
Ich bitte, Vater, sorget mir für einen!
Den Brautkranz lös’ ich weinend aus den Locken.
Wer will ihn tragen? — Nimm ihn, Balboa!
Nimm ihn als Siegeskranz! — Der Himmel ruft:
Ist nicht mein Lieber herrlich nun geschmückt? —
Dumpf schweigt die Erde! Fluch belastet sie!

(Jeronimo führt sie auf einen Wink des Pedrarias ab.)

O lieber Gott! Nimm uns in’s bess’re Land!

(Balboa stürzt sich in einen Sitz und verhüllet sein Gesicht.)

Sechster Auftritt.

Pedrarias. Balboa.

Pedrarias.

(öffnet die Hauptthüre. Zur Wache.)

Bei euerm Kopf! Hier lasset Niemand ein!

(kömmt zurück.)

Nun habet ihr vollendet, nun gesiegt!

Balboa.

Weis’t gnädig, Herr, mir mein Gefängniß an;
Ich bin erschöpft, und sehne mich nach Ruhe.

Pedrarias.

Erschöpft in dem Bewußtseyn eurer Größe?
Ihr saht den Abgrund, saht den Tod vor euch;
Hinein! ihr stürztet euch hinein! — Die Wuth
Lieh euch die Kraft. — Ihr sporntet euch zur Wuth! —
O ich durchschau’ euch ganz! Wie freut es mich,
Daß nie mich eure Heuchlersmiene trügte.

Balboa.

Die Zeit ist mir gemessen. Wenig Gutes
Kann ich mehr üben. — Ich vergeb’ euch, Herr!

Pedrarias.

Wirf deine Larve weg, du falscher Frömmler!
Der Satan blickt doch durch. Dein Höllenplan,
Er ist verrathen. — Sterben? immerhin!
Doch eine Tochter frech dem Vater rauben,
Sie in den Abgrund der Verzweiflung schleudern:
Das ist der Weg zu ihres Vaters Herzen. —
Das trift! Mit dem Bewußtseyn sterbt ihr leicht.
Nicht wahr? — O wahrlich!

Balboa.

Herr! Ein Höllenplan!
Ihr habt ihn wohl benannt. Die heitre Welt
Erzeugt ihn nicht. Ihr nahmt die Möglichkeit
Aus eignem finstern haßerfüllten Busen.

Pedrarias.

Recht, Balboa! Ihr irrt euch nicht! Vernehmt:
Ich hass’ euch, Balboa!

Balboa.

Kann selbst mein Tod
Euch nicht versöhnen?

Pedrarias.

Mich? — Mit euerm Kopf
Zahlt ihr dem Staate nur die Schuld, nicht mir.
Die Welt soll glauben, das ist euer Wunsch,
Ihr fielet hin ein Opfer meines Hasses.
Vergiften wollt ihr so mit letztem Hauch
Noch meinen Ruf, brandmarken mein Gedächtniß. —
Ha, nicht gelungen, gift’ger Bösewicht!
Du triumphirst zu früh. Dir will ich’s wohl,
Doch nicht auf diesem Wege. Nimm, Verräther,
Den Degen, nimm!

Balboa.

Vergeßt nicht eure Würde!

Pedrarias.

Ich Pedrarias will’s dem Balboa;
Der Feind dem Feinde! Ringen will
Ich selbst mit euch. Ich will des Armes Kraft
An euern hochberühmten Heldenmuth,
An euch bewähren oder sterben. Zieht! —
Ich dächte doch, ihr fielet rühmlicher
Durch meinen Arm, als durch des Henkers Beil.

Balboa.

Ich ziehe nicht. Ihr seyd Mariens Vater;
Und wär’ ich frei, das würd’ euch vor mir schützen.

Pedrarias (wüthend).

Ha, ich durchbohre dich!

Balboa (sanft und leicht).