Maria! Nein, so sah ich dich noch nie.
Woher die Angst? Ich fürchte nichts, Geliebte.
Froh lebt mir Muth im lebensvollen Busen!

Maria.

Wenn er dich täuschte! —

Balboa.

Nein und nimmermehr!
Denn er ist nicht auf losem Grund gebaut. —
Dir darf ich sagen, was mich hebt und stärkt;
Du wirst mich nicht verkennen. — Höre dann! —
Wenn Schlummer rings, was lebt, gefangen hält,
Das heil’ge Schweigen heil’gen Ernst erweckt,
Das Mondlicht Schauer gießet in mein Herz,
Die Sterne freundlich winken aus der Ferne:
Da scheint’s mich oft zu fragen: »Balboa!
»Ist auch das Werk, was du beginnst, von Gott?«
Dann dring’ ich ein in meines Herzens Tiefen,
Und scharf durchblick’ ich jede seiner Krümmen,
Ob Golddurst, Herrschsucht, Ruhmbegierde,
Ob Gottesliebe, Menschenliebe, mir
Die Fahne reiche zu dem Heereszuge. —
Noch rief ich stets: Mein Werk, es ist von Gott!
Froh tönt das Echo nach: Von Gott! von Gott!
Gestärket kehr’ ich zu dem Lager heim;
Süß ist mein Schlaf und heiter mein Erwachen!
Das schafft mir meinen Muth: Vertrau’n auf Gott!

(Maria sinket in seine Arme. Er fährt sanft fort.)

Du solltest mich auf meine Schiffe wünschen,
Sie führen mich zum neuen Leben ein,
Zur Ruhe. Hier, Geliebte, komm’ ich nicht
Zur Ruhe, wo die wilde Grausamkeit
Rastlos die blutbefleckte Geissel schwingt.
Ich habe sie mit Seufzen nur geduldet,
Geduldet um der schönern Zukunft willen;
Doch klagte murrend mein Gewissen stets. —
Nein, länger würd’ ich diese Wuth nicht dulden!
Ein Kampf entstünde! Laß mich flieh’n, Maria,
Um dort das langverschobene Gelübde
Der Menschlichkeit mit frohem Sinn’ zu lösen.

Maria.

So ziehe hin, erfülle dein Gelübde. —
Wie sagtest du? ein Kampf entstünde? Weh!
Mit wem? — Mein Vater — ah!

Balboa.

Sey ruhig, ruhig!

Fünfter Auftritt.

Pedrarias. Eskimosa. Linares. Gefolge. Die Vorigen.

Pedrarias.

Euch sucht’ ich, Vasco Nunez Balboa,
Mit dieser Edlen meiner Freunde Zahl,
Um euch zur Braut, wie’s Sitte heischt, zu führen.
Doch habt ihr wohl auch diesesmal den Weg
Zu meiner Tochter ohne mich gefunden.

(Zu dem Gefolge.)

Kastilianer! Edle meiner Fahnen!
Es wünscht des Königs heil’ge Majestät,
Daß meine Tochter sich mit Balboa,
Adelantado seines Reichs, vermähle.
Weil, schreibt der König, er uns beide liebt,
Und innig uns vereinigt wissen möchte;
Mich, seinen Diener, dessen Treu’ er kennt,
Und ihn, berühmt durch Heldenmuth und Thaten.
Sie liebten lange sich — erfuhr ich dann, —
Und ihre Herzen sind des Bundes einig.
Ich aber habe so bei mir gedacht:
Untadelich und alt ist sein Geschlecht,
Er selbst ein Mann, der seinen Adel ziert.
Denn Niemand ist, der diesen Balboa
Unritterlicher That, verletzter Treue,
Auch nur des schwächern Fehl’s noch je bezeihte. —
Wie nun ihn jeder liebt, und hochverehrt; — —
Wird meines Königs Wunsch auch mir Befehl.

Eskimosa.

Der König lebe hoch!

Alle.

Er lebe! lebe!

Pedrarias.

(naht sich Marien, leiser.)

Maria! komm mein Kind! Mein einziges!
Ich will dich nochmals schließen an mein Herz,
Eh’ du sodann... du bebst? und warum bebst du?
Ist dieser Bund nicht deines Herzens Wunsch?
Noch ist es Zeit! Nicht übereilt, Maria!
Wenn auch nur Ahnung deine Brust durchfliegt;
Verachte nicht die Warnung! Frei entscheide!
Ich nicht, du selbst entscheidest nun dein Schicksal.

Maria.

Aus Vaterhand erwart’ ich nun mein Glück.

Pedrarias (kurz und finster).

Dein Glück? Aus meiner Hand? Was ist dein Glück?

Maria (schüchtern).

Wir lieben uns!

Pedrarias.

Wohlan!

(laut.)

Adelantado!
Nehmt sie! — Von meinem Herzen nehmt sie weg —
Nun ist sie euer —

Balboa.

Doch ihr kindlich Herz
Wird noch für euch an meinem Herzen schlagen.

(zu einem Bothen.)

Was bringt ihr?

Bothe.

Briefe von San Miguel.

Balboa.

Bis nach der Trauung.

Pedrarias.

Nein, les’t sie sogleich!
Vor allem geh’ euch stets des Königs Dienst.

(Balboa zieht sich zurück. Indessen spricht Pedrarias leise mit Maria.)

Maria!

Maria.

Vater!

Pedrarias.

Warum weinest du?

Maria.

Ihr scheint erzürnt.

Pedrarias.

Daß du den Vater nicht
Beschuldigst, wenn dich Unglück einst befällt!

Maria.

An seiner Seite wird es schönes Glück.

Pedrarias.

Die Trennung von dem Vater wird dir leicht; —
Das hab’ ich nicht vermuthet.

Maria.

Sprecht nicht also! —
Denn dieses Herz bleibt ewig euch verbunden.

Balboa (tritt vor.)

Die wackre Mannschaft von San Miguel,
Sie harret sehnlich meiner Rückkunft schon.

Pedrarias.

Kein Wunder auch! Ihr seyd der Mann, geschaffen
Für große Plane Seelen zu begeistern.
Von Gold, von Perlen, aufgehäuften Schätzen,
Ihr spracht von neuen Meeren, neuen Welten. —
Behüte Gott, daß ich Kastiliens Krone
Um solchen Glanz noch einen Tag verkürzte!
So reis’t mit Gott dann morgen schleunig ab;
Es ist auch alles schon hierzu bereitet.

Balboa.

Wie, morgen schon? Das ist doch wahrlich seltsam!

Pedrarias.

Mag’s euch doch seltsam scheinen, nur gehorcht!

Balboa.

Don Pedrarias!

Maria.

Balboa! O Gott!

Pedrarias.

Was soll der Ton?

Balboa.

(sich zwingend.)

Wie ihr befehlt, geschieht’s.

Pedrarias.

Noch bleib’ ich euer Herr! Vergeßt das nicht!

Balboa.

Als meinen Vater sah ich euch vor mir.
So kam es dann, daß euer rauhes Wort
Mich leicht und flüchtig nur verwundet hat. —
An dieser Hoffnung weidet sich mein Herz:
Gelingen soll’s dem treuen Kindessinne,
Sich endlich eure Liebe zu gewinnen. —
Auf diese Hoffnung gönnt mir eure Hand.

Pedrarias.

Sehr sonderbar! Bin ich denn euer Feind?
Laßt das! Zwar eure Worte kann ich nicht
So süß erwiedern. — Doch die Tochter schenk’
Ich euch, mein einz’ges vielgeliebtes Kind.
Was wollt ihr mehr? — Ihr seyd ja doch am Ziel! —
Der König wünscht dies Band — Auch wünschen’s wohl
Bei Hof und hier, von euren Freunden viele;
— Und ich nun auch, des Königs Wunsch verehrend.
Komm, meine Tochter — gehet zum Altar!

Maria.

Ach, euren Segen, Vater!

Pedrarias.

Lebe wohl!

(leise.)

Was machst du da? Was weinest du? Ist’s Reue? —
Sie kömmt zu spät.

(laut.)

Ihr, Perez Eskimosa,
Vertretet Vaterstelle! Führt sie hin!
Mir wird das Herz zu schwer.

Maria (abgehend).

Verstoßen! Gott!

Pedrarias.

(ruft ihr heftig nach.)

Maria!

Maria (freudig).

Vater!

Pedrarias.

(kämpft mit sich, dann hastig.)

Meinen Segen! — fort!

Sechster Auftritt.

Pedrarias.

Er hat mich übermannt, mein alter Haß;
Unbändig riß er los. Das war nicht gut. —
Und du, Maria, mußt als Opfer bluten? — —
Mag sie’s doch büßen, ja! sie hat’s verdient!
Was will Jeronimo? Verhaßt ist mir
Des Heuchlers Angesicht. Und diese Briefe — —
Fluch Balboa! Fluch dir für diese Briefe!

(lies’t.)

»Wie ich euch, Lieber Treuer, schon geschrieben,
»Entlaßt nun Balboa zu seiner Reise,
»Euch hab’ ich nöthig in Antigua,
»Und keinen Widerspruch erwart’ ich mehr.«
Mög’ ihn die Fluth verschlingen, den Verräther!
So endet sich mein schöner Lebensplan! —
Er eilt zum Ruhme fort! Ihn preißt der Hof;
Ich soll hier arm und namenlos verderben? —
Und dann der Schluß — Ich habe recht geseh’n!
»Was Liebes Ihr dem Balboa erzeigt,
»Ihr habt es euerm Karlos, mir erwiesen.
»Das mögt ihr wohl erwägen. —
Ich der König!«
Scheint’s doch, er habe sich beschwert? Ja wohl!
Das ist zu viel! Geklaget also? Schon
Geklagt! — Gelungen ist es dem Verläumder!
Genügt’s dir nicht an mir entriss’nem Lorbeer,
Ha, Räuber meines einz’gen Kindes, wie?
Streckst du die Hand schon aus nach meiner Würde?
Heran! heran! Ich bin gefaßt zum Kampf!

(Von fern Trompeten und Pauken. Freudengeschrei.)

Jetzt faßt der Räuber jubelnd seine Beute!
Das laß’ ich zu? Hinweg!
O stille, stille!
Gemach doch, Pedrarias! — Ha! vielleicht!
Und was vielleicht? — Das weiß die Hölle! Doch —
Er oder ich! — hier brennt’s! — Er — oder ich!

(sinkt kraftlos in einen Sitz.)

Der Vorhang fällt.