Mein Vater — oder du? — O Gott! — Kein Ausweg!
Ist keine Rettung?

Balboa.

Fasse dich, Maria!
Ergieb dich hochgesinnet dem Geschick. —
Ach, Linares, so störst du unsre Ruhe;
Mit falscher Hoffnung hast du sie getäuscht!

(geht unruhig auf und ab.)

Sieh, Linares! Ich habe dich geliebt,
Dich vorgezogen, überall geehrt,
Als meinen Freund dich offen ausgezeichnet —

Linares.

Weiß ich’s nicht, Herr? Und brennt mir nicht das Herz,
Daß dieses schöne Leben nun entflieht.

Balboa.

In Spanien bist du mir schon gefolgt,
Und treu seitdem auf jedem meiner Züge.
Uns trennte nicht der Tag, und nicht die Nacht.
Des flüchtigsten Gedankens Schattenbild,
Des Herzens kaum bemerkte leise Wallung,
Dir lag mein Innerstes eröffnet da.
Hast du an mir in einer schwachen Stunde,
Im Augenblick empörter Leidenschaft,
Etwas bemerkt, geahnet nur, was dir
Den Muth zu solchem Antrag gab: so sprich!
Ich gehe nun vor einen strengen Richter,
Und möchte mich nicht gerne länger täuschen.

Linares.

Nein, Herr!

Balboa.

Und kränkst mich doch so tief?
Was werden deine Brüder von mir denken,
Wenn du den Glauben schon an mir verlorst.

Linares.

(fällt ihm zu Füßen.)

Vergebt!

Balboa.

Steh’ auf, mein Freund! Umarme mich!
Es mag dein Muth und deine Felsentreue
In einem Kranze schön vollbrachter Thaten
Dem Könige, dem Vaterland beweisen,
Daß Balboa sich nicht in dir geirrt.
Dir ließ ich meinen Degen zum Vermächtniß.
Du wirst ihn gut, du wirst ihn rühmlich führen. —
Was weinest du? — Du standest oft bei mir,
Wo uns der Tod so nahe war als jetzt.
Gehab dich wohl! — Geh’ schnell hinweg! — Leb’ wohl!

Sechster Auftritt.

Balboa. Jeronimo. Maria.

Jeronimo.

Erschrecket nicht! — Maria — — —

Balboa.

Was, Jeronimo?
Maria! Gott! Was ist geschehen? Sprecht!
Helft ihr, so blaß!

Jeronimo.

Nur eine Schwäche. Ach!
Der jähe Kampf mit Hoffnung und Entsetzen
Hat sie erschöpft.

Balboa.

(faßt knieend ihre Hände.)

Maria! höre!

Maria (halblaut).

Ah!

Jeronimo.

Seht her! Sie regt sich! Gönnet ihr die Ruhe?

Balboa.

Man kommt! — In diesem grausen Augenblicke,
Wo sie mit Tod und Leben zweifelnd ringt,
Sie so verlassen — Gott! — Barmherz’ger Gott!

Jeronimo.

O danket ihm, daß er das Schrecklichste
Ihr unbewußt vorübergehen läßt.

Balboa.

Maria!

Siebenter Auftritt.

Die Vorigen. Eskimosa. Wache oben.

Eskimosa.

Balboa, seyd ihr bereitet? —

Balboa.

Ich bin’s! Ich folge!

(geht ab.)

Eskimosa.

Zürnet nicht auf mich!

Balboa.

Wir kennen uns. Ihr übet eure Pflicht.

(an der Stiege.)

Jeronimo! Ihr sorget für mein Weib!

(umarmt ihn, und reißt sich los. Auf der Hälfte der Treppe hält er ermattet an.)

Jeronimo.

(ruft ihm mit emporgehobenen Armen nach.)

Der Himmel öffnet sich! — Zieh’ ein, du Sieger!

Balboa (steigt weiter).

Zum Tode! fort.

Eskimosa.

O Gott!

Balboa.

(von der Höhe, durchdringend.)

Leb’ wohl, Maria!

Achter Auftritt.

Jeronimo. Maria.

Maria (erwacht).

Er ruft! Wo bist du, Balboa? O komm!
So matt, so weh! — Die Kraft verläßt mich — Ach!

Jeronimo.

Maria, ruhig!

Maria.

Ruhig! Nein! Unmöglich!
Mein Balboa! o komm! — Weh’ mir! mein Herz! Es glüht!
Wo ist er? — Auf! — Nicht hier? O großer Gott!
Jeronimo, wo kam er hin? — Ihr zittert!
Verwendet euer Antlitz nicht! — Schon todt?
Ihr weint! — ha, todt! gewiß!!

Jeronimo.

Nein, Donna!

Maria (reißt sich auf).

Nicht todt? Und fort! Jetzt also?

Jeronimo.

Haltet! haltet!
Wo wollt ihr hin?

Maria.

Zu ihm!

Jeronimo.

Ich laß euch nicht!

Maria.

Fort, Grausamer! O was beginn’ ich — was?
Hilf, Himmel! Ach, mein Herz! Es bricht! — Erbarmung!
Laßt mich! —

Jeronimo.

O Kind!

Maria (knieend).

Steh’, guter Gott, ihm bei,
Mir bei in Todesängsten!

(Kurzer Trommelwirbel in der Ferne.)

Maria.

(reißt sich auf, und stürzt mit einem Schrei zu Boden.)

Ah! Ich folge!

(Pause.)

Jeronimo.

Bewegungslos. — Ich fühle keinen Odem!
Gott möge mir den bösen Wunsch verzeihen!
Wenn sie so schlummern könnte, fort! hinüber!
Wohl war’s für sie das Beste! — Schlumm’re, Kind!

Letzter Auftritt.

Pedrarias mit Gefolge. Jeronimo.

Pedrarias.

(von der Höhe.)

Maria!

Jeronimo.

(streng und gebietend.)

Stille!

Pedrarias (herabeilend).

Ha, Jeronimo!
Was ist Marien?

Jeronimo.

Stille!! — Seht, sie schlummert.

Pedrarias (furchtsam).

— Erwecket sie!

Jeronimo.

Das kann nun Gott allein!

Pedrarias.

Weh’! todt! — Elender, sprich! Wer hat’s verübt?

Jeronimo.

Wer, Pedrarias? — Ihr!

Pedrarias.

Fluch über mich!

(wirft sich zur Leiche.)

Maria! theures Kind! Erwache! — Fluch!!
Verschling’ mich, Erde! Hölle, nimm mich auf!

Jeronimo.

Ihn straft sein Herz! —
O Balboa! Maria!
Ihr seyd vereint! Blickt segnend auf uns nieder!

Der Vorhang fällt.